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Jüdisch-liberale Zeitung · 1925-02-20 · 8 (20.2.1925) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
5 (1925)
Issue
8 (20.2.1925)
Date
1925-02-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Tabelle 4. Frankfurt a. M. - Zahl der Zahl der aus 1O0J1 jüd. Eben Mischehen fallen 29 1911 154 45 1912 188 39 20 1913 156 40 28 1914 107 68 63 1915 36 31 86 1916 51 41 80 1917 65 32 49 1918 112 38 33 1919 333 69 20 1920 425 m 25 1921 352 102 26 1922 302 82 27 Was lehren nun diese Zahlen? 1. Daß die Zahl der jüdischen Mischehen in Deutschland in ständigem Ansteigen begriffen ist, ist aus obigen Tabellen ohne weiteres seit dem Beginn des letzten Jahrhunderts nachweisbar. Das Ansteigen läßt sich jedoch auch schon für die letzten Jahrzehnte des vorigen Jahrhunderts feststellen. So kamen 1878 in Bayern auf 378 reine jüdische Ehen nur 15 Mischehen, also auf 100 jüdische Ehen 3,9 Mischehen. 1901 war diese Ziffer schon auf 8 gestiegen, also auf das Doppelte. In Frankfurt a. M. entfielen 1875 auf 100 rein jüdische Ehen 10,9 Mischehen (Hanauer, Zur Statistik der jüdischen Bevölkerung in Frankfurt a. M., Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden, 1910, Seite 155). 1910 betrug die Ziffer 24,3, war also bereits um das 2^Hfache gestiegen. Vom Jahre 1901 bis zum Ausbruch des Krieges verdoppelte sich die Zahl der jüdisch-christlichen Mischehen nahezu um das Doppelte. Der Krieg ließ die Ziffer dieser Mischehen lawinenartig anschwellen (es stieg ja aber auch die Zahl der christlichen Mischehen an), so daß 1915 die absolute Zahl der Mischehen größer war, wie die der reinen Ehen. In den drei Nachkriegsjahren stieg die absolute Ziffer der Mischehen weiter mächtig an. Sie betrug 1919 nahezu das Doppelte des Vorjahres, die Relativziffern sinken jedoch wieder, weil auch die Zahl der reinen jüdischen Ehen mächtig zunahm, so daß die Borkriegswerte ungefähr wieder erreicht sind. Die Berechnungen unserer Tabellen schließen mit dem Jahre 1921 ab, da die Ziffern der drei letzten Jahre noch nicht veröffentlicht sind. Wichtig zu wissen wäre es, ob der Anstieg der Mischehen sich weiter fortgesetzt hat, oder zum Stillstand gekommen ist. Noch ein Wort zur Erklärung des Phänomens, des so auffälligen Ansteigens der Mischehen während des Krieges, das in auffallendem Gegensatz zur geringen Zahl der rein jüdischen Eheschließungen steht. Wir haben für Frankfurt a. M. festgesiellt, wie sich aus der Tabelle 4 ergibt, oaß.1914 die Zahl der Eheschließungen bei den Juden sank, während sie bei der christlichen Bevölkerung zunahm. Die Zahl der jüdischen Kriegs- Lrauungen muß also sehr gering gewesen sein. Die große Zahl der im Kriege geschlossenen Mischehen erklärten wir in unserem Aufsatze (Die Bevölkerungsbewegung der Frankfurter Juden während des Krieges und in der Nachkriegszeit, Zeitschrift für Statistik und Demographie der Juden N. F. 1924, Hest I), daraus, daß es sich wohl meist um Legitimierung bestehender alter „Verhältnisse" handelte, die sanktioniert werden sollten, ehe der Ehemann ins Feld.zog, die unter normalen Zeitumständen erst später oder manchmal auch gar nicht zur Eheschließung geführt hätten. Daß die starke Zunahme der Mischehen auf die Kriegsbegeisierung zurückzuführen gewesen sei, die alle konfessionellen Schranken löste, wie Notholz in einer der letzten Nummern der C. V. Zeitung ausführte, für diese Annahme können wir uns nicht erwärmen. 2. Die Tabelle Bayern haben wir als Beispiel eines süddeutschen Staates gewählt, die Zahlen vor den, Krieg sind hier nur halb so hoch, wie im Gesamtdurchschnitt des Deutschen Reiches, im übrigen ist auch hier ein Ansteigen zu verzeichnen, wie die Kurve ja der Gesamtdeutschen in ihrem Verlaufe entspricht. 3. Was Berlin anlangt, so handelt es sich hier bis zum Jahre 1920 um die Stadt Berlin in engerem Sinne, im Jahre 1921 um „Groß-Berlin" mit Einbeziehung von Charlottenburg, Schöneberg, Wilmersdorf, Neukölln usw. So erklärt sich auch die bedeutende Zunahme der Eheschließungen und Mischehen im Jahre 1921 gegen 1920, während sonst überall in diesem Jahre eine numerische Abnahme erfolgte. Vor 1921 waren die obengenannten Städte Charlottenburg usw. in der Statistik der Provinz Brandenburg erschienen. Daß Berlin hinsichtlich der Verbreitung der jüdischen Mischehen an der Spitze marschiert, kommt in der Tabelle klar zum Ausdruck. Bereits 1901 war die Berliner Ziffer doppelt so hoch, wie der Durchschnitt Deutschlands, viermal so hoch wie die bayerische Ziffer. O b - wohl in Berlin nur etwa der 4. Teil der deutschen Juden wohnt, entfielen 1921 daselbst nahezu die Hälfte sämtlicher in Deuschland geschlossenen Mischehen. In diesem Jahre kommen in Berlin auf 2 rein-jüdische Ehen immer eine Mischehe, in Deutschland erst auf 3 rein-jüdische Ehen eine Mischehe, in Bayern erst auf 4. 4. Was Frankfurt a. M. betrifft, so liegen die Zahlen hier über dem Gefamtdurchschnitt von Deutschland. Sie sind nicht so günstig wie in Bayern, jedoch bedeutend besser, wie die Berliner Ziffern. Zu den gleichen Ergebnissen hinsichtlich Amfang, Verteilung und Zunahme der Mischehen gelangt man, wenn man die Zahl der Mischehen nicht auf die Zahl der rein-jüdischen Ehen, sondern auf die Zahl der jüdischen Bevölkerung überhaupt bezieht. Auch hier steht Berlin wieder an der Spitze, Bayern am anderen Pol, das Deutsche Reich in der Mitte. Der Statistik der jüdisch-christlichen Mischehen ist dann weiter die interessante Tatsache zu entnehmen (wir haben darauf verzichtet, die Zahlen selbst anzuführen, um die Tabellen nicht zu sehr zu komplizieren), daß bei den christlich-jüdischen Mischehen die jüdischen Männer und Frauen nicht in gleicher Zahl beteiligt sind. Wenn wir z. B. 800 Mischehen ins Auge fassen, so sind dabei nicht jedesmal je 400 jüdische Männer und Frauen beteiligt, sondern das Verhältnis ist derart, daß von den 800 Mischehen etwa 500 solche sind, bei denen der Mann Jude, 300 bei denen die Frau Jüdin ist. Der jüdische Mann ist also bei den Mischehen stärker beteiligt, wie die jüdische Frau, die Christin ist dem Juden begehrter, wie die Jüdin dem Christen, oder auch der jüdische Mann ist vorurteilsloser wie der christliche Mann. Diese Tatsache gibt u. E. bemerkenswerte Einblicke in die Genese der Mischehen, in ihre Aetiologie und die Motive, die ja natürlich statistisch nicht zu erfassen sind, vielmehr nur auf psychologischem und kausuistischem Wege. Die Motive für das Eingehen einer Mischehe sind an und für sich io verschieden, wie für das Eingehen einer Ehe überhaupt, es kommen auch hier Neigung, Berechnung usw. in erster Linie in Betracht. Immerhin glauben wir, daß den indischen Mischehen gewisse mastenpsychologische Erscheinungen resp. Motive zugrunde liegen und daß diese für die beiden Geschlechter verschieden sind. Die jüdisch-christliche Mischehe ist vor allem eine Grotzstadterscheinung und es kommen hier die religiösen und sozialen Verhältnisse der Großstadt in Betracht. Zweifellos ist in vielen Fällen bei beiden Geschlechtern, soweit das jüdische Element in Frage kommt, Jndifferentismus in religiösen Dingen obwaltend. Der jüdische Partner hat sich und vielfach auch seine Familie soweit vom Judentum entfernt, — es kommen hier vor allem die höheren sozialen Schichten in Betracht, — daß er auch in dem Eingehen einer Mischehe konsequenterweise nichts mehr Besonderes findet. Diese bildet dann vielfach die Vorstufe zur Taufe. In einer Anzahl von Fällen liegt auch das bewußte Bestreben zugrunde, durch die Verbindung mit einer christlichen Familie sozial aufzusteigen und gleichsam das Wappen zu vergolden, wenn auch in idealem Sinne. Man betrachtet die Verbindung mit der christlichen resp. arischen Familie mit einem besonderen Stolz. In einer großen Anzahl von Fällen handelt es sich, wenn jüdische Männer ein? Mischehe eingehen, namentlich soweit der Mittelstand in Betracht kommt, wie wir schon oben andeuteten, um Legitimierung eines langjährigen sogen. Verhältnisses, wobei die Braut meist aus den ärmeren christlichen Schichten stammt. Da oft aus äußeren Gründen kein Anlaß vorliegt, die Eheschließung zu beschleunigen, so wird manchmal damit bis zum Ableben der Eltern gewartet. So werden diese Mischehen oft von Partnern geschlossen, die meist über die erste Jugend hinaus sind. Die Folge davon ist, daß bei ihnen die Zeugungsfähigkeit und der Zeugungswille abgenommen hat, so daß diese Mischehen entweder über- Haupt kinderlos sind, oder eine anfsallend geringe Kinderzahl aufweisen, die noch unter der so geringen Kinderzahl der rein-jüdischen Ehen zurückbleibt. Das hat zu der lange verbreiteten Annahme geführt, daß die jüdisch-christlichen Mischehen aus Rassegründen sich durch Unfruchtbarkeit auszeichnen. Das Irrige dieser Annahme hat Max Marcuse in feiner Schrift: „Die Fruchtbarkeit der christlich-jüdischen Mischehe" durch die Feststellung des höheren Alters der Mischehe- Partner nachgewiesen.- Bei den Frauen sind die Motive für das Eingehen einer Mischehe wieder ganz anders gelagert. Roth o t z weist hier (C. B. Zeitung 1925 Nr. 4) mit Recht darauf hin, daß die geringe Beteiligung der jüdischen Frauen an den Mischehen vor allem darauf zurückzuführen ist, daß die Töchter im Elternhause sich befinden, hier mehr behütet werden und auch dem Widerstand der Eltern mehr Rechnung zu tragen gezwungen sind, gegenüber den Männern, die früher das Elternhaus verlassen und zur Selbständigkeit gelangen. Das ist aber nicht der einzige Grund, der andere besteht u. E. darin, daß wohl wohlhabende Juden arme Christinnen beiraten, nicht aber reiche Christen arme Jüdinnen. Reiche Jüdinnen sind ja natürlich von Christen zur Vergoldung ihrer Wappen stets sehr begehrt gewesen und die Fälle waren nicht so selten, wo verarmte christliche Aristokraten, Offiziere und höhere Beamte reiche Jüdinnen heirateten- Heute, wo die Vermögensverhältnisse von Grund auf umgeschichtet sind, mag diese Art von Verbindungen, auf welche keine der Beteiligten mit besonderem Stolze zu blicken brauchten, seltener geworden sein. In den Großstädten entstammt ein nicht unerheblicher Teil der Jüdinnen, die eine Mischehe eingehen, dem jüdischen Proletariat. Es sind Angestellte und Arbeiterinnen, die das Elternhaus verlassen und die ihre Beziehungen zum Judentum verloren haben. Sie wohnen in christlichen Familien, sie arbeiten und verkehren mit christlichen Kollegen, sie sagen sich, daß sie bei ihrer Mittellosigkeit nicht in der Lage sind, einen Glaubensgenossen zu heiraten. (Merkwürdigerweise würde ein begüterter Jude, der unbedenklich ein armes Christenmädchen heiratet, es weit von sich weisen, ein armes Mädchen seiner eigenen Konfession zu ehelichen!) And so reicht das arme jüdische Mädchen dem christlichen Freunde oder Arbeitskollegen die Hand zum Lebensbunde, da sie anderweitig keine Möglichkeit der Versorgung sieht. Die Frage der Mischehen hängt so zweifellos aufs engste zusammen mit sozial-wirtschaftlichen Verhältnissen, der jüdischen Frauenfrage, speziell der Frage die Mjüdische Goldschmiedekunst. Bon Wilhelm Wölkerling. Schon frühzeitig waren die Menschen darauf bedacht, die gebräuchlichsten Gegenstände für die notwendigen Bedürfnisse des täglichen Lebens aus haltbarem, möglichst widerstandsfähigem Material herzustellen, wozu sich am besten die Metalle eigneten. Freilich bereitete die Bearbeitung derselben bei den damaligen mangelhaften Hilfsmitteln und der ungenügenden Kenntnis der natürlichen Eigenschaften dieser Rohstoffe bedeutende Schwierigkeiten, und es ist zu bewundern, zu welcher Fertigkeit es die Menschen trotz der einfachen Vorrichtungen darin brachten. Später stellte man auch vchmucksachen her. Zur Zeit des Erzvaters Abraham waren nach der geschichtlichen Aeberlieferung im Heiligen Lande goldene Spangen, Armbänder, Ringe und Ohrgehänge schon allgemein bekannt und dienten den israelitischen Damen bei festlichen Gelegenheiten als ein kostbarer, fürstlicher Putz. Silber galt mehr als übliches Zahlungsmittel bei größeren Geschäftsabschlüssen. Ursprünglich bezogen die Israeliten ihren Bedarf an Goldsachen wahrscheinlich aus dem benachbarten Aegypten, wo die Herstellung derselben schon im großen betrieben wurde. Später dürfte für Kanaan, das keine Goldlager besaß, das gasreiche Nubien das begehrte Metall geliefert haben. Die Bearbeitung des Goldes erlernten die Israeliten während ihres langen Aufenthaltes an den Usern des Riles, welche Kenntnis sie dann auch bei der Einrichtung der Stiftshütte auf der Halbinsel Sinai verwerteten. Hier verwendeten sie das schon gereinigte Gold. Sehr willkommen waren ihnen, die aus Aegypten mitgebrachten Schütze sowie die freiwilligen Spenden der Frauen. Mit einem Zusatz von Blei, Zinn und Salz kam das zerschlagene Gold in tönerne Tiegel, die, mit gleichartigen Deckeln durch cincn Lehmbrei möglichst luftdicht verschlossen, mehrere Tage torldauernd in glüheirden Kohlen standen, bis schließlich der Schmelzungsprozeß vor sich gegangen war. Dia weitere Bearbeitung bestand eigentlich nur in dem Ausschlagen des Goldes zu äußerst dünnen Blechen oder Blättchen, mit denen dann die betreffenden Gegenstände, welche aus einem kupfernen oder hölzernen Kern bestanden, belegt oder überzogen wurden. Auf diese Weise stellte man die prachtvollen Altäre. Leuchter, heiligen Geräts sonstigen Geschmeide her. Nirgend findet sich in den heiligen Schriften ein sicherer Anhalt über einen tatsächlichen Guß, vnd wenn dieser Ausdruck Vorkommen sollte, so ist er immer nur im Sinne des Plattierens zu verstechen. Jedenfalls aber sind unter Berücksichtigung der damaligen Verhältnisse auch schon diese Anfänge der Goldschmiedekunst höchst beachtenswert. Oes Königs Traum. Bon C h a j i m Bloch*). In den Zeiten des Ars hatte der König eines fernen Landes den Juden besohlen, an seine Schatzkammer eine sehr große Summe abzufüyren. Er bestimmte eine Frist von drei Monaten. And also lautete das Wort des Königs: „Wenn die Juden bis zu dem festgesetzten Tage das Geld nicht erlegen, haben sie, bei sonstiger Todesstrafe, das Land zu verlassen. Königliche Eilboten brachten den Befehl in alle Lande, in denen des Königs Wort Kraft hatte; und überall war man entschlossen, die Juden, falls sie das Geld nicht rechtzeitig erlegten, zu vertreiben. Nun war aber die Summe, die der König forderte, so hoch, daß kein vernünftiger Mensch glaubte, die Juden würden dieselbe auf treiben können. on^ allen Orten des Landes, wo Juden wohnten, herrschte grohe'Trauer; man ordnete Fasttage an und richtete inständige Gebete zu Gott. Doch der Herr der Heerscharen läßt sein Bolk nicht zuschanden werden und bevor er über dasselbe schweres Leid und Bedrängnis verhängt, bereitet er auch die Hilfe. Die Juden dieses Landes hatten schon seit langer Zeit von Rabbi Iizchak Lurja, dem furchtbaren göttlichen Kabbalisten im Heiligen Lande, vernommen, und es kam zu ihnen die Kunde von den wundersamen Dingen, die durch das Wort seines Mundes geschehen. Sie beratschlagten daher, nach Safed, der Stadt, wo der göttliche Mann Gottes Wort aus dem lebendigen Quell schöpfte, Boten zu senden, daß er Erbarmen des Himmels für sie erflehe. Die Boten nahmen viel Geld mit sich, damit es ihnen auf dem weiten Wege an nichts ermangle, und traten die Reise an. *) iDffJen Werk »Kabbalistische Saqrn," das soeben Im Verlage der stlsta major, Leipzig erschienen und in dieser Nummer von Rabbiner Lohn gewürdigt Ist, mit gütiger Genehmignna des Verlages entnommen. An einem Freitag erreichten sie Safed. Trotzdem sie noch keine Speise zu sich genommen hatten, und auch von der langen Reise ermüdet waren, säumten sie nicht, das Haus des Heiligen auszvsuchen, da das Lehrn tausender Juden auf dem Spiele stand. Sie begegneten einigen Juden, die gerade zum Hause des Ar) eilten, »rtö fragten: „Wo wohnt der Rabbi?" und diese geleiteten sie hin. Der Arj trug bereits das weiße Sabbatgewand — denn es war sein Brauch, den heiligen Tag in Wonne und Freude lange vor Sonnenuntergang zu empfangen — von seiner heiligen Jüngerschaft umgeben. Sein Antlitz leuchtete wie die Sonne, er erschien den Abgesandten wie ein Engel des Herrn Zebaoth, und sie hatten Angst, ihm nahe zu kommen. Ein Schauer überkam sie und sie wollten sich zurückziehen. Der Arj aber sprach zu ihnen: „Was ist es, das euch hiehertrieb, und was begehret ihr von mir?" Sie erwiderten leise: „Es lebe unser Herr, Lehrer und Meister! Eine Zeit der Not ist für Israel gekommen, und wir eilten aus fernem Lande zu dir, heiliger Mann, daß du deine Stimm« erhebest und das furchtbare Berhängnis wendest." Sie erzählten ausführlich den ganzen Sachverhalt, und Tränen entströmten ihren Augen. Rabbi Iizchak antwortete ihnen mit weicher, zarter Stimme: „Der heilige Tag des Sabbat sei nicht die Zeit des Trauerns! Bleibet, Brüder, bei mir über den Sabbat und nach Sabbatausgang werdet ihr sehen, wie nahe Gottes Hilfe ist! — Indessen werden wir den Sabbat in Freude empfangen. Er sprach einige Worte des Trostes an sie und richtete ihr Gemüt auf. Am Sabbatabend, sogleich nach der Habdalah, hieß der Arj seine Jünger einen festen Strick nehmen, dann sprach er zu ihnen und zu den Abgesandten: „Kommet mit mir!" Sie gingen eine lange Strecke. Außerhalb der Stadt auf freiem Felde angelangt, sprach er: „Bleibet stehen!" Er wies auf pine tiefe Grube und sagte: „Lasset den Strick in die Grube hinunter und haltet sein Ende fest." Die Jünger taten, wie i^ien der Meister befohlen. „And nun," sprach er, „ziehet mit großer Kraft!" Da zogen sie den Strick mit größter Anstrengung, bis sie fast erschöpf! waren. Das befremdete sie gar sehr. Plötzlich kam ein schönes Bett zum Borschein. Daraus lag ein Mann, an dessen Gestalt die Abgesandten gleich ihren König erkannten. Die Leute waren fassungslos. Der Ars jedoch trat an den Mann heran und weckte ihn aus dem Schlafe. Der sah sich entsetzt um. Der Arj redete zu ihm: „Sprich, bist du der Mann, der meine Brüder, die Juden, zwinget,

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