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Jüdisch-liberale Zeitung · 1925-02-20 · 8 (20.2.1925) · page 1

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
5 (1925)
Issue
8 (20.2.1925)
Date
1925-02-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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IlWchMemleZeikllig Organ -er Vereinigung für das liberale Ludenium e. V. Sesug-prei, durch die Geschäftsstelle '/.jährlich M. 2,30, Sinzelnummer 0,20. Bei freier Zusendung im Inland 0,25. Mir die Mitglieder -er Vereinigung ist der Bezugspreis :: y u im Mitgliedsbeitrage enihalien. :: :: :: «hefredarteur: Dipl.-Ing. Bruns Woyda. Oie „IUdisch - liberale - Leitung" crfcbeint jeden frcitag, Bdmftleitung und Geschäftsstelle: Berlin, JVIauerftr. 22. f ernruf: Mtnt pierkur f4r. 8725 poftfcfoechhonto: B«rUn NW 2 Nr. 132069 (Vereinigung für das liberale ‘Judentum) Nachdruck fämtUcher Original - Beitrüge nur mit vorheriger Genehmigung der Redaktion geftattetl An,e,genpreise: Die 12 gespalten, AonpaEzi«» o,4S Soldmark, die Beklamezeile 3,00 Ssldmark, bet Wiederholungen Rabatt. u n »i Anzeigen an nahm e: Hermann Baswitz, Verlag-1 abteiiung, Berlin SW «S. «harlsttenfir. SS (»ernsprecherr^ Dönhoff 5360-65), sowie samtl. Annonre—gtzpedttlonen. Ar. 8 Berlin, 20. Februar -1925 6. Jahrgang Mischehen. Oie Gefahren der Mischehen für den Bestand des Judentums. Von San.-Rat Dr. M. Hanauer, Privatdozent an der Universität Frankfurt a. W. Der Aufforderung der verehrlichen Redaktion dieser Zeitschrift, mich über das Problem der Mischehen zu äußern, komme ich um so bereitwilliger nach, als ich zur Zeit mit einer umfassenden statistischen Arbeit über das gleiche Thema beschäftigt bin. Die Ergebnisse derselben sollen hier kurz vorweg genommen werden. Die Repräsentanten-Bersammlung der Berliner jüdischen Gemeinde hat sich zweifellos ein Verdienst erworben, als sie, als erste wohl in Deutschland die Frage der Mischehen auf die Tagesordnung setzte. Möge dieses Beispiel Nachfolge finden. Möchten unsere Gemeindevertretungen über die lokalen Aufgaben des Tages hinaus sich darauf besinnen, daß es den Verwaltungen der jüdischen Gemeinden zukommt, den ÄKck auf die Gesamtausgaben des Judentums nicht zst vMsren, namentlich wenn es sich um solche handelt, welche den Bestand des gesäurten Judentums betreffen. Cs wird damit eine Forderung erfüllt, welche ich selbst, bereits 1610 in einem Auftatze: Die Statistik im Dienste der jüdischen Gemeinde in der Sammelschrift „Statistik, der Juden" he'rausgegeben vom Büro der Statistik der Juden ausgestellt habe. Was die Statistik der Mischehen anlangt, so unterscheidet man, wie bei den Ehen überhaupt, eine solche der stehenden Ehen und der Eheschließungen. Die Zahl der erfteren wird gelegentlich der Volkszählung ermittest, letztere auf Grund der Aufzeichnungen der Standesämter durch die Statistischen Aemter festgestellt. Die Betrachtungen der Eheschließungen geben ein besseres Bild von den Mischehen wie die der stehenden Ehen,' abgesehen davon, daß erstere alljährlich ermittelt werden, letztere nur während der in 5jährigen Perioden stattfindenden Volkszählung (seit 1910 hat in Deutschland eine solche nicht mehr stattgefunden), aber auch aus inneren Gründen. Die Zahl der stehenden Ehen gibt nämlich kein zutreffendes Bild über ihren Umfang, weil ein Teil der Mischehen, abgesehen von Lösung infolge Todesfall oder Ehescheidung, aus der Statistik verschwindet durch Uebertritt des einen Eheteiles zur »on des anderen, fast immer natürlich des jüdiartners zur christlichen Konfession, das Umgekehrte dürfte äußerst selten sein. Schon Andre hat in seinem Buch „Zur Volkskunde der Juden" 1881 Seite 51 darauf hingewiesen, daß es notorisch sei, daß viele Juden, die mit Christen eine Eheschließung eingehen, zum Christentum übertreten. Solche Mischehen verschwinden zwar nicht im ethnischen Sinne, sind aber statistisch nicht mehr nachweisbar. Die Statistik der Mischehen läßt sich für das ganze Deutsche Reich vom Jahre 1901 an bearbeiten, nachdem erst seit diesem Jahre in der Statistik die Eheschließenden nach der Konfession ausgeschieden sind. Für die einzelnen Länder läßt sich die Mischehenstatistik noch auf weitere Zeit zurückverfolgen. Für das Deutsche Reich sind die absoluten Ziffern der geschloffenen Mischehen in der „Vierteljahrsschrift für Statistik des Deutschen Reiches" 12. Jahrg. 1. Heft sowie in der Zeitschrift „Statistik des Deutschen Reiches" Band 223, 225, 227, 236, 246, 256, 266, 276 und 307 veröffentlicht, und zwar nach folgender Zusammenstellung: Es werden gezählt die Eheschließungen vom israelitischen Mann mit evangelischer Frau, vom israelitischen Mann Mit katholischer Krau, vom israelitischen Mann mit der Frau eines anderen christlichen Bekenntnisses, vom israelitischen Mann mit Frau sonstigen oder unbestimmten Bekenntnisses oder ohne Angabe des Be- > kenntnisses; ferner von israelitischer Frau mit evangelischem Mann, von israelitischer Frau mit katholischem l Mann, von israelitischer Frau mit Mann anderen ^christlichen Bekenntnisses, von israelitischer Frau mit Das amtliche Wahlresultat zum preußische« Landesverband jüdischer Gemeinden. Zewählt: 124 Abgeordnete, davon ZO Liberale Es liegt nunmehr das offizielle Resultat der Mahlen zum Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden vor. Das offizielle Resultat in den Kreisen ist folgendes: Wahlkreis 1 (Ost- und W e st p r e u ß e n): Hier war die Wahl durch Einheitsliste erledigt. Die Liberalen verfügen über 3 Sitze, die Jüdische Dolkspartei über einen Sitz; zu-s. 4 Sitze. Wahlkreis 2 (Groß-Berlin): Eingetragene Wähler 132 620. Gültige Stimmen 48 644. Davon erhielten Liberale 24 692, Konservative 2756, Jüdische Dolkspartei 14 491, Poale Zion 1715, Religiöse Mitlelp-artei 4990. Die Wahlbeteiligung betrug 36,7 %, Es waren 53 Sitze zu vergeben. Davon erhielten Liberale 28. Konservative 3, Jüdische Dolkspartei 16, Poale Zion 1, Religiöse Mittelparkei 5 Sitze. Wahlkreis 3 (Brandenburg, Pommern, Grenzmark): Hier war die Wohl durch Einheitsliste erledigt. Die Liberalen erhielten 4, oie Jüdische Dvcksparrei einen Sitz: zus. 5 Sitze. Wahlkreis 4 (Breslau): Eingetragene Wähler 17979. Abgegebene Stimmen 10667. Davon erhielten Liberale 6396, Konservative 2071, Jüdische Volkspartei 2200. Die Wahlbeteiligung betrug 59,3 %. Es erhielten Liberale 6, Konservative 2. Dolkspartei 2 Sitze: zus. 10 Sitze. Wahlkreis 5 (Schlesien): Eingetragene Wähler 10 230, abgegebene Stimmen 7973, Wahlbeteiligung 77,9 %. Es erhielten Liberale und Konservative 6225, Jüd. Dolkspartei 1748 Stimmen. Die Einheitsliste der Liberalen und Konservativen errang 5, die der Dolkspartei einen Sitz. Zusammen 6 Sitze. Wahlkreis 6 (Sachsen): Eingetragene Wähler 4381, gültige Stimmen 3154, davon Liberale 2042, Jüd. Dolkspartei 1112. Liberale 1, Jüd. Dolkspartei 1 Sitz, zusammen 2 Sitze. Wahlbeteiligung 72 %. Wahlkreis 7a (Hannover): Hier hat man sich auf eine Einheitsliste geeinigt. Gewählt sind 5 Abgeordnete, von denen sich wahrscheinlich 2 den Liberale-u und je einer den Orthodoxen, der religiösen Mittelpartei und der Jüdischen Dolkspartei anschließen werden. Wahlkreis 7d (S ch l e s w i g - H o l st e i n): Wahlberechtigte 1254, abgegebene Stimmen 809, Wahlbeteiligung 64,5 %. Es hielten Liberale und Konservative (C.-D.-Liste) 321, Jüd. Dolkspartei 488 Stimmen. Die C.-B.-Liste errang einen, die Dolkspartei einen Sitz. Wahlkreis 8 (W e st f a U n): Wahlberechtigte 12 950, abgegebene Stimmen 9525, Wahlbeteiligung 73,6 %. Es erhielten Liberale 7345, Konservative und Dolkspartei 2180 Stimmen. Die Liberalen errangen 4, die Konservativen und die Dolkspartei zusammen einen Sitz. Zusammen 5 Sitze. - Wahlkreis 9 (Frankfurt a. M.): Wahlberechtigte 25 283, abgegebene Stimmen 9130, Wahlbeteiligung 34,9 %. Es erhielten Liberale 5537, Einheitsliste der Konservativen, Dolkspartei und Ostjuden 3424, Poale Zion 169. Auf die Liberalen entfallen 6, auf Einheitsliste der Konservativen, Dolkspartei und Ostjuden 4 Sitze, zusammen 10 Sitze. Wahlkreis 10 (H e s s e n - N a s s q u): Wahlberechtigte 8541, abgegebene Stimmen 5679, Wahlbeteiligung 66,5 %. Es erhielten Liberale und Konservative (E.-D.-Liste) 3813, Jüd. Dolkspartei 934, Poale Zion eine Stimme. Die C.-D.-Liste errang 3, die Jüd. Dolkspartei 1 Sitz, zusammen 4 Sitze. -Die Liste Marxheimer vereinigte auf sich 931 Stimmen, errang aber keinen Sitz. Sie ging eine Koalition mit der Jüd. Dolkspartei ein. Wahlkreis 11 (Köln): Wahlberechtigte 13 438 Stimmen, abgegebene gültige Stimmen 5873, Wahlbeteiligung 42/2 %. Es erhielten Liberale 3061, Konservative und Dolkspartei 2440, Poale Zion 172 Stimmen. Die Liberalen errangen 4, Konservative und Dolkspartei 3 Sitze, zusammen 7 Sitze. Wahlkreis 12 (R h ei n p r ov i nz): Wahlberechtigte 21062, Wahlbeteiligung 64,6%, abgegebene Stimmen 13 616, davon erhielten Liberale 9451, Einheitsliste der Konservativen und der Volkspartei 3858, Poale Zion 307 Stimmen. Auf die Liste der Liberalen entfielen 7, auf die der Konservativen und der Dolkspartei 3 Sitze, zusammen 10 Sitze. Auf der L a n d e s l i st e hat die Poale-Zionistische Partei ein Mandat erhalten. Älle anderen Listen erhielten durch die Verrechnung der Plus- und Minusstimmen aus den Kreisen kein Mandat. Mann sonstigen oder unbestimmten Bekenntnisses odtt ohne Angabe des Bekenntnisses.? Es sind die Zahlen für das ganze Reich angegeben' sowie für die einzelnen Länder. Für Preußen erscheint auch die Ausscheidung für die einzelnen Provinzen unb die Stadt Berlin. Me Gesamtzahlen der Mischehen für das ganze Reich finden sich auch im „Statistischen Jahrbuch für das Deutsche Reich" Jahrg. 1903/1923. Aus räumlichen Gründen lassen wir hier nur die Zahlen für das Deutsche Reich, für Bayern, für Berlin und Frankfurt a. M. folgen, und zwar jeweils die absoluten Zahlen der reinen Ehen und der Mischehen, worunter wir alle zählen, in denen ein jüdischer Mann oder eine jüdische Frau beteiligt ist. Zn einer 3. Kolonne finden sich dann die von uns berechneten Berhältniszahlen zwischen rein jüdischer und jüdisch-christlicher Mischehe. Tabelle 1. Deutsches Reich. Zahl her jüd. Ehen Zahl der a Mischehen f us 100 jüd. allen Misä 1901 3878 650 16 1902 2925 636 16 1903 3831 668 17 1904 4001 738 18 1905 3905 819 20 1906 4080 855 20 1907 4052 920 22 1908 3907 939 24 1909 3873 992 25 1910 3880 1008 26 1911 3814 1088 28 1912 3833 1140 29 1913 3621 1122 30 1914 2617 1144 51 1915 1098 1143 120 1916 1292 967 74 1917 1402 1035 73 1918 2171 1084 49 1919 6295 1929 30 1920 7497 2211 29 1921 5617 1890 33 Tabelle 2. Bayern. 1901 414 34 'f 8 1907 404 34 8 1908 389 45 11 1909 373 64 17 1910 307 55 15 1911 390 59 15 1912 372 51 13 1913 389 62 16 1914 224 60 26 1915 58 38 65 1916 62 49 79 1917 97 63 65 1918 166 64 38 1919 617 122 19 1920 760 122 16 1921 495 116 22 Tabelle 3. Berlin. 1901 618 201 32 1907 748 295 39 1908 583 281 48 1909 563 301 53 1910 577 275 47 1911 569 294 51 1912 527 289 54 1913 489 273 55 1914 419 294 70 1915 280 306 109 1916 283 230 81 1917 292 241 82 1918 385 224 58 1919 972 390 40 1920 1014 416 41 1821 1591 826 so

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