Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 5 (1925)
- Issue
- 6 (6.2.1925)
- Date
- 1925-02-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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liiife. Der Berwaltungsgerichlshof bat damals in einem wohlniVliniciicn ttrhcnnlnijl: eine gleichartige Maßnahme, die vom Wiener (fcmcir^cntc bcid)(oj|cii unr, als ungesetzlich ansgehoben. Das Präsidium hat sofort, als es von dem Erlasse des Bundesmiiiisicriums für Land- und Forstwirtschaft Kenntnis erhielt, in entsprechenden Eingaben an das Bundesministerium für Kultus und Unterricht, das Bundesministerium für Land- und Forstwirt'chast und den Magistrat der Stadt Wien als Landesregierung il'icn die Zurücknahme bzw. das Unterbleibe» der gegenständlichen M'-ßnahmen gesordert. Gleichzeitig wurden sämrliche Kullusgcrnrinden Oesterreichs von diesen! Schritte in Kenntnis gesetzteins dem Finanzbericht ging hervor, daß das Berwallungsjabr 1924 »uit einem Gebahrungsdesizit von einer Milliarde 36 .R.lUonen Kronen bei einem Gesamiaucgabenelat von 36 Milliarden 2k? AUIUvnen abgeschlossen hat. Sodann wurde der Punkt „El.Verschlüsse! pro 1925" in „ichtösseiitlicher Sitzung verhandelt. Lebensarten. Bon .Kreisrubbiner Do. Appel, Bingen a. Rh. I. Die Religion — eine -Rauer. ..Eine Mauer, aus der man Steine heransreitzt. ist der Gefahr ausgesetzt, einzusiürzen. Ebenso wird das Fudentum zu Grunde gehen. loenn inan von der Vergangenheit her iiberkomineile Religionsvorschriiteii oder religiöse Anschauungen aus sei' nem festen Gefüge ausscheidei." Dieser Bergleich wird in dieser vier ähnlicher W-'ise sehr häufig gebraucht, um dem religiösen Liberalismus das Betätigungsrecht innerhalb des Judentums abgusprccheu. und hat in dieser Deutung für manchen etwas Uederzeugendes Bei näherer Betrachtung erkennt man iedoch. dun der Bergleich nid)t nur aus einem, sondern auf mehreren Beinen hinkt. Wesen und Fwcclr der Religion für das Einzel- Itbeu und für das Leben einer Gemeinschast ist!n. E. nie dürs liger ulid verzerrter gekennzeichnet worden als in diesen! Bilde einer Mauer, Das geivählte Bild Vümmt vielleicht mit der kon- Kvuumieu Anschauung insofern überein, daß dieselbe keine Weriubstusuug für den inneren Gehalt der Gebräuche und religiösen Meinungen anerkennen will, weil für sie jedes einzelne über- I,eierte sittliche, religiöse und zeremonielle Ges oh von gleicher B? deutung ist. loie bei eurer durch einen tüchtigen Handwerker errichuien Mauer die einzelnen Steine an Gediegenheit des Stosses und der Aussüllrung einander vollkommen gleichen. Vielleicht führte auch die Mahnung unserer Weisen, einen Farm um die Thora zn inadjcn, dazu, diesen Vergleich anznsteüen. Der Begriff ..Faun um die Dbora" setzt übrigens einen Fdeengang voraus, der. wie ich noch erklären iverde. jüdisch-liberalem Denken nahesteht. Eine Mauer ist und bleibt, was sie ist: leblos und kalt um> die Steine,, aus denen sie zusammengesetzt ist- Sie ist ein Schutz und eine Sicherung gegen Eingriise der Außenwelt. Was aber Kat sie dein! — um bei unserer Ucberlegung zri bleiben — au retigiösenGüteru zu schützen, ivenn die Religion in ihr schoir allein verkörpert sein soll? Wie wird das Bild der Mauer der geschichtlichen Tatsache gerecht, daß eine jede Religion gleich jedem lebendigen Organismus ini Lause der Feiten einen wechselreichen Entivickilungsprozeß dnrchgemacht batv Dieser Vergleich ist der Ausdruck einer von reiigionsgeschichtlichen Kenntnisse!! vollkommen, unberührten Auffassung und bedeutet eine Verkennung und Mißachtung jedes religiösen Selmens und Srrebens. Wenn wir die väterlich.' Religion schorr einmal in 'einem tresseuden Bilde kennzeichnen ivollen. so könnte man sie kesser vergleichen mit einem alten, gesunden. Knorrigen Baum, der zum Ersatz für die abgestorbenen Zweige immer neue Aeste keroorbringt. Der Baurn des Judentums Imt gute Wurzeln, einen festen Slamin und schöne Aeste. Um manchen Ast hat sich Gestrüpp gebildet, das die Schönheit des Baumes deeirr truchtigt und oft auch den gesunden, triebhaften Zweigen Licht und. Lust raubt. Zur Erklärung des Begriffs „Jaun AM, die Thora" sei noch gesagt, daß unser? Weisen demnach bei derr religiösen Gesetzen ganz bewußt ei neu Unterschied machen zwischen der Lehre selbst und ihrem Schutzwall. Dadurch wird von ihnen iu den verschiedenen Sitten, Gebräuchen und Anschauungen ein Wesens- und Wertunterschied anerkannt. II. Alles oder nichts. „Jüdisch-religiöser Liberalismus ist etwas Halbes und nichts jGanzes. Entweder erfülle ich alles oder nichts." Dieses Cchlag-!,oori ..alles oder nichts", das oft gebraucht wird, ist aus unser ireligiöses Leben angewandt deshalb so verderblich,!veil ihm ein richtiger Gedanke zugrundeliegt, der aber in falscher Weise aus- Mdeutet wird. Das erste „Alles" luirtit zweifellos imponierend. Die Airschauung, die darin zum Ausdruck kommt, ist wohl nirgends schöner niederaelegt als in dem sünften Buche Bl ose mit iden Worten: „Ganz sollst du sein init dem Eivigen. deinem , Gotte." Wer rvirklich religiös denkt!>nd empfindet, der!oird : diesen Ausspruch zu seinen! religiösen Lebensprin.zip machen. Der religiös Liberale mutz fici, -br.iso al:> religiöser Bolijude sühlen können wie e? der Orthodoxe zu sein glaubt. Füdisch religiöse Betätigung hängt für den Liberalen eben, nicht von der Quantität, sondern der Qualität der befolgten Satzungen ab. Es kommt nicht so sehr ans die Fülle als auf das Ersüillsein an. Auch im religiösen Leben kann es eine Inflation geben. -- Das Schlag,vort „alles oder nichts" iväre nicht so gefährlich, ivenn diejenigen, die dasselbe jm Munde fitljrctt, sich wenigstens zu dem ,.Al!es" (wie jie es auffassen) bekennen mürben, nämlich zur Orthodoxie. Aber gerade das Gegenteil ist der Fall. Alles oder nichts, das ist für sie nur die moralische Begründung ihrer religiösen Gleichgültigkeit. Fa selbst, ivenn man jede religiöse, nichtorthodoxe Anschauung im Judentum als eine Halbheit bezeichnen wollte, so mutz gesagt werden, daß doch diejenigen.kulturell viel ivertvoller sind, die sich etivas Religiosität bewahrt Huben als die. die in ihrer traurigen religiösen Konsequenz nur deshalb alles verneinen, weil sie nicht „alles" bejahen können. Das religiöse Seelenleben des einzelnen Menschen ist doch viel zu sein gesponnen, als daß durch ein solches Wort: „Alles oder nichts" eine glückliche und reinliche Scheidung und Klärung der Geister eintreten könnte. Dieses Wort reißt unsere Gemeii'.schaft noch stärker auseinander, als dies schon durch die vorhandenen religiösen Bieinungsoerschiedeuheiieil der Fall ist. III. Der Kutscher und die Fahrgäste. „Der Kutscher mutz nüchtern sein, ivenn auch die Fahrgäste betrunken sind." Die Hauptsache ist. so meint man. daß der Rabbiner und Lehrer als die Vertreter des „offizielle.!" Fudentuins nach allen Vorschriften der Religionsgesetze leben, von der Bibel angesangen bis zum letzten Paragraphen des Schulchan aruch: daun kann inan sich mit der Tatsache, daß die Gemeiudemitglieder in der Auffassung und Betätigung ihres Fr»' deutum etivas leichtfertig find, schon eher absindeu. Ich kann mir nicht gut denken, daß diejenigen, die den obigen Vergleich im Munde sichren. steh eine klare Vorstellung gebildet haben über den Sinn und die üblen Folgen dieses Vergleichs. Richtig ist es. daß. wie der Lenker eines Wagens auch der geistige Führer einer Gemeinde nüchtern sein muß. d. l>. ivissen muß. was er feiner Steilung schuldig ist. welch große Verantwortung er mit seinen Berufe aus sich ninnnt. Falsch ist dagegen die Meinung, daß nur die religiös konservative Rnschauung einem nüchternen Zustande. d. h. einem vorbildlich religiösem Standpunkte entspreche. Seiner Stellung und sich selbst isr es der Rabbiner vor allem schuldig, seine religiöse Meinung oiseu und ehrlich auszusprechen und zu vertreten. Dadurch allein vermag er sich die Achtung seiner Gemeinde zu eriverbeu. Gefährlicher als inan denkt ist die Sorglosigkeit darüber, daß die Fahrgäste alias Gemeindemitglieder betrunkeu, ohne Bild gesprochen arttigiös oder irreligiös find. Fu einen! Wagen iverdeu die Fahrgäste auch an ihren Bestinnnungsort gebracht. selbst wenn sie in ihrem Rausch die Farbe,i schwarz und iveitz nicht mehr zu unterscheiden vermögen. Wo aber iß ia unteren! Falle das Mittelding des Wagen-.-, durch den der Geistliche die Bekenner seines Glaubens zu dem gewünschten Fiele führt, nämlich zu einem religiösen Denken Und Leben's Richt außerhalb des einzelnen Menschen, sondern in ihm selbst ist der motorische Wille zur Religion und zum Fudentum. ohne den der beste und begeistert,tr Führer nichts zu erreichen vermag. Solche Vergleiche wie die erwähnten entstammen alle in. E. der falschen Meinung. als ob die religiös-liberalen Ansichten nur eine Verminderung und Verwässerung der orthodoxen Anschamingeu seien, als ob in der religiösen Gedankenwelt dev beiden Richtungen nur ein quantitativer mid lu-in ilualUcitiucv Unterschied sei. Redensarten wie die angeführten können nur von denen ausgesprochen werden, die entweder orthodox sind und in diesen Amißerungen eine Bestätigung ihrer Ansichten zu finden glauben oder die gar kein inneres Verhältnis zu ihrer Religion mehr besitzen und demnach ein Urteil über eine Sache abgeben, der sie sich seelisch vollkommen- «tts«H»dLt haben. Alle anderen Glaubensgenossen müßten überall dort, wo solche falschen und gefährlichen Bergleiche ange-stellt werden, int Futeresse der religiös-liberalen Anschauung dagegen ankäinpsen. | Bersammlungskatender. *8\ Berlin, jüdisch-liberaler uugendoerein „uli".) Am Donnerstag, den 12. Februar, Aofenstr. 2-4, Bortrag von Herrn Aadb. Dr. Baeck: „Kulturzusaininenhänge". Beginn des Bortrags pünktlich um 1A9 Uhr. Die Gruppen treffen sich uin d Uhr. Die Gruppe Borden des Liberalen B e r e i n s ist freundlich eingeladen. Gäste willkommen. Breslau, jüdisch-liberaler Üugendverein „Abraham Geiger", Geschästsstelle Höfchenstr. til.) Dienstag, den NI. Februar, Bortrag des Herrn Generalsekretär Dickmann, Berlin, über das Thema: „Partei und Gemeinschaft". Baumkuchen Torien * Feingebäck mit garantiert reiner Naturbutter' für alle Festlichkeiten Gegründet 1827 liefert frei Haus HCiül Konditorei Paul Köhler Berlin NW 6, Albreditslra&e 19 Teleohon: Norden 8021 Teleohon: Norden 8021 Brieg. Llm Aeiluvoch, den ll. <zebruar,^ findet eine Bersaminlung des 2li statt, in der .Herr Generalsekretär Dickmann. Berlin, sprechen wird. Thema und Ort wird durch besondere Einladung bofiamil gegeben. Danzig. Am Dienstag, den ll). Februar 1920, sludet hier eine öijcuUicbe Wahlversammlung statt, zu der alle jüdischen^ Mitbürger des Freistaales Danzig eingcladen werden solle», stn ihr wird u. n. auch der Spndikus der Bereinigung für das liberale öudeutni», Herr Dr. Max Brnyer, anwesend sein und sich in einem Beseral mit der grundsätzlichen Einstellung des religiösen Liberalismus zu den aktuellen Wahlfragen befasse,!. Lräheres wird noch bekaiuri gegeben. Heidelberg. Am Dienslag, den 17. Februar, spricht hier.der Syndikus der Bereinigung für das liberale Judentum, Herr Dr. Biax Ai aper, in einer von der Ortsgruppe Heldelberg duberufenen Bersammlung über die Grundlagen, Fiele und Gegenwartsausgaben des religiösen Liberalismus. Die BeraiistaUung beginnt abends ü Ahr im Saale der Friedrich-Loge (Hotel Echrieder). Landau (Pfalz). Am Sonnabend, den 14. Februar, findel hier eine Sitzung statt, in der Herr Syndikus Dr. Bear Mayer, Berlin, über die Grundlagen und ^stele unserer Bewegung, referieren wird. Mannheim. Montag, drnr 9. Februar 1925, abends K-9 Ubr, verunstaltet'die- Llb.-stüdv Bereiniga-nq »Aiaincheim-Ai Festsualcher Aug. Lamey-Loge einen Bor trag. Redner: R«bümer DrB E. Appel, Bingen u. Ah. Thema: „D r e i Man n e r- -u* drei R i ch tu n g e n. (Geiger—Frankl—Hirsch)." Eintritt frei. Freie Diskussion. Ramslau. Am Montag, den tt. Februar, findet eine Bersaiinnlung der Ortsgruppe statt, in der Herr Generalsekretär Dickmann, Berlin, über das Thema: „Die Bedeutung der Familte für die Erhaltung des Judentums" sprechen wird. Auch im neuen Reichstag wird mancher lllvgeordneter für seine heisere Gtinime oder Husten die dafür vorzüglich geeigneten Faps echten Godener Büniral-Pastillen mitnehrnen, um sich durch deren (Gebrauch bei Debatten wirksames Gehör zu verschaffen, ttrodutum est. Augen flössen in meinem Bericht zusammen. Anvergetziiche ANs nAten für jeden, der sie miterleben durste. Lin Evangelischer, ein Katholik, ein Jude — welch Symbol konfesslonellen Friedens in einer Geme'nrschast der Nächstenliebe!, „T h e a t e r st ü ck : Als B e r l o b' t e e in p s e h l e n sich..." Dceitzig Feilen legten Zeugnis ab von dein hinreißenden Spiel. Die „wahren Lachsalven" Fehlten nicht, die durch den Saal brausten und auch nicht der stürmische Beifall am Schluß, der die Künstler, für die das Wort Dilettanten eine Beleidigung wäre, :zwang, tnuner wieder vor die Rampe zu treten. Außerdem war jede einzelne Leistung gewissenhaft, aber wohlwollend kritisiert worden. Keiner der Mitspielendcn konnte beleidigt sein. Sechs eng beschriebene Oktavblüler liegen vor mir. „Das wird uns die W a h l a r b c i t erleichtern! ' E i n e T.a t! 2000 neue Stimmen!" 5ch sprach es triumphierend und trug den Brief im Atorgengrauen zuin Bahnhofskasten, ein Dutzenümal kehrlmachend, um sestzustellen, ob ich den Brief auch .nicht vorbeigeworsen hätte oder ob er gar in den Fahnen des Eimourses hängen geblieben sei. Solch ein Brief ist ei» itr r e i ci n i 4! 2000 neue Elim m .e n! 3 Ahr nachmittags. Beim Friseur. Das Einseisen soll beginnen. „och habe schon Tolles erlebt in meinem Leben, aber so was noch nicht!" Der Friseur will sich totlachen. „Darf man fragen, was Cie amüsiert?" Der Fiiseur bringt den „Anzeiger" der Residenz und weis! mit dem Finger aus einen in großer Ausmachung er'chienenei, Artikel „Ein Ehren abend der Feuerwehr." „Was ist denn da zu lachen?" „Der Bericht ist ganz schön, aber das Feuerwehrfest Findet erst in a ch t T a g e n st a t l!" __ (Fortsetzung folgt.) Theodor Tagger's theatralische Sendung in Berlin. nm oanuar führte Theodor T a g g e r „in feinem Berliner Ac-n aissance-Theaterchen ein neues Stück des russisch - jüdischen Dichters .1 l j u Surgui sch ew: „Herbstliche Ewigen" aus. Ein stirnmungsoolles, zartes Gedicht in Pros:,, voll Bangschrr Lebensrepgnativn und russischer Melancholie. Es erzählt in traurig klagendem Geigenton von der hossnungslosen Liebe einer einsam alternden schönen Frau, die an einen Kranken, erblindeten Mann gekettet stt. Die Entdeckung der Wahrheit würde den Anglück- ' lieben vollends töten, und um ihn zu schonen und allem Üblen Gerede im Provinzsiadtchen ein Ende zu machen, veranlaßt sie in höchster Seelennot den Geliebten, ihre Adoptivtochter zu heiraten. Dieser tut es, erst widerstrebend, darin freudig, von echtem neuen Gefühl ergriffen. Das junge Paar zieht mit klingenden Schlilteuglocken in die Wett hinaus, und die einsame Frau bleibt an der Seite ihres langsam dahinstechendeu Gatten allein in dem verschneiten Oertchen zurück. Das schlvermütig-stilt vertönende Adagio der „Herbstlichen Geigen" ist verklungen, der unerbittliche Winter draußen und im Leben der Enttäuschten hat begonnen . . . Das Surgutschewsche Schauspiel ist trotz fortschreitender Handlung und innerer dramatischen Spannung ganz Lyrik und leiseschwermütige Musik. Angeachtet vieler Feinheiten ist es nicht eben allzu 'bedeutend und zukunftweisend. Bald eins der schinalen Kindergräber aus dem großen Friedhof der Literatur! — AVer es war gleichwohl ein unvergeßlicher Abend! Eine aanzgroße Schauspielerin, die wohl bald einer der leuchtendsten Sterne am deutschen Theater-Himmel sein wird, spielte die Hauptrolle: Ai a r i a E i s. Annachahmlich das stumme Spiel der Hände, das Zittern der Stimme, die leidvolle Beseeltheit der gesamten Darstellung! Maria Eis ist eine ebenbürtige Aachsahrin der Düse und der Sornia; — heute schon zählt sie mit der Bergner, der Lossen und der Kinz zusammen zu den größten Talenten, die wir in Berlin haben. Beben ihr verblaßten die anderen Darsteller, die reizende Edith Edwards, die Herren Kuenzer und Haensel, die alle und jeder für sich höchst beachtenswerte und anstünüige Kunst boten. Anläßlich dieser Ausführung muß aber einmal mit Ernst und Lrachdruck ein Wort über Theodor Tagge r's Wirken in Berlin gesprochen werden. Bor etwa 3 .tzahren ist dieser junge Wiener Lyriker nach Berlin gekommen. Ganz vovl Willen zur reinsten Kunstbetäligung beseelt. Er wollte mit der Kunst keine Geschäfte machen! Er hatte schon einen Namen. Halle eine Reihe von Gcdichlbänden veröffentlicht, ans denen etwas ganz Neues sprach, und aus denen einige Stücke wie „Der zerstörte Tajto" und „Die 5rren" bereits bekannt geworden waren, ferner einige Komödien und feinsinnige Novellen; dann wundervolle Nachdichtungen der Psalmen Davids und eine kühne Programmschrlsl. . Er gründete im Oktober 1922 sein N ena,) j an ce - Thealer in Berlin. Die Kultursehnsüchligen srohlockten. Endlich einmal ein wirklicher Dichter als Bühnenleiter, der dem Amerikanismus und dem augenscheinlichen Niedergang des Theaters ein keckes Paroli bieten würde! Waren doch bisher sämtliche Nesormversuche, seien sie künstlerischer oder wirtschaftlicher Art u.iklar im mindesten iu Bezug aus das zu resormierendeObjekt gewesen! Taagers Programm: er wollte das Daseinsrecht der „Kunst an und für sich" gegen die nackteste Brutaiiiül, gegen Materialismus und Geschäft verteidigen: sein Wirken sollte ein „Sichbesinnen" auf die Wesenheit des Theaters überhaupt fein. And er hat in den letzten zweieinhalb nähren sein Bersprechen aus das Peinlichste gehalten. Sein Spielplan war bisher der sauberste, abwechfluiigsreichste und künstlerisch hochstehendste von ollen Theatern Berlins! Er hat mit seiner kleinen Guckkastenbühne reinste und edelste Form für eine verfeinerte Schauspielkunst und für das psychologische, problematische und StimmungsdraiiK! im Kammerspiol gesunden. — Er hat nur die besten europäischen Dichter — ganz gleich welcher Herkunft, zum Teil in Araussührungen — gespielt, er hat Tschrrikosss „5uden", Crommelyiik. Dostojewski, Strindberg, Tagore, Lessing usw. in mustergültigen Darbietungen heraus gebracht. 3m allgemeinen macht ja das Publikum mittels des wirtschaftlichen Druckes seiner Frequenz den Spielplan und nicht der Direktor! Tagger hat ungeachtet dieses empirischen Theatergrondsatzes allein Kurfürstendaimnlum zum Trotz einen Spielplan gehabt, den ihm bis jetzt noch niemand nachgemacht hat! And wa^ war sein Dank dafür? Presse und Publikum haben ihn bisher in leichtserligster und verllntwortuiigs'.osester Weise vernachlässigt! Wo ist bislang die Kritik gewesen, die aus die Sendung dieses Alannes in gebührender Weise aufmerksam gemacht hat? — Das breite Publikum füllt lieber die Amüsierlheater. Die Nevueseuche grassiert munter weiter. Die blödsinnigsten Kalauerschwänke sind irgend-einer lächerlichen Sensation wegen wochenlang tagtäglich ausverkauft! Aber der Besuch von Taggers Aenaissance-Thealer läßt oft zu wünschen übrig! Wenn die Dinge so weitergehe», muß diesen! Mann sein künstlerisches Wirken in der deutschen Aeichshauptstadt endlich auch einmal verleidet werden. And Berlin wäre dann um eine seiner wertvollste!! Bühnen ürmei^. Bor dieser Gefahr zu warnen, ist einfach die Pflicht jedes Kritikers, dem die Pflege echter Kunst am Herzen liegt. Dr. Ludwig D a v i d s o h n - Berlin. Ausgrabungen in Palästina. F» einem Orangegarlen des Herrn Fsaac Goldberg in der Nähe von Fass» wurden zwei Grabmäler und mehrere Tongefäße aus der iselt der kanaanttlschen Kultur vor 4000 Fahren ausgegcaben. Einige Funde, die Arbeiter bei»! Graben im Obstgarten gemacht haben, regten zu weiteren Grabungen an, die zu den erwähnten Entdeckungen geführt haben. Die Abtellung für Altertümer bei der Palästina-Regierung gab ihr Arteil über die Funde ab und erklärte sie als einer frühkanaanitischen Periode gehörig. 98987367023^843080481302^06576892223545430161096418471492952 ^250031657454897600375439^016773486^^42^^^