Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 5 (1925)
- Issue
- 2 (9.1.1925)
- Date
- 1925-01-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2613366-2613788-2613790--1141-2618475- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Arme jüdische Vottöpartei! Unter den Kulissen der zioniplschen Wahlprogramms. —Me erste Versammlung der Jüdischen Volkspartei.— Störende Zwischenrufe verbeten. — Angst vor der Diskussion. Die Vereinigung für das liberale Judentum hat in ihrem Wahlprogramm klar und sachlich die Forderungen formuliert, die sie bei der Arbeit im preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden vertreten und erfüllt sehen will. Das Wahlprogramm -er jüdischen Volksparte! (lies Zionisten), kann auch bei objektivster Würdigung nicht den Anspruch auf Klarheit und Sachlichkeit er-! heben. „Wenn man's so liest, möcht's leidlich scheinen , > besonders deshalb, weil sich darin Phrase an Phrase j reiht, und weil im Rahmen der vorläufigen Verfassung I des Verbandes gar kein Raum für die Durchsetzung > der positiven Programmforderungen der jüdischen Volks- ' partei ist, die nicht zur Kompetenz des Verbandes gehören und auch nie zu ihr gehören werden, wenn nicht > die Zionisten in der Landesversammlung eine Mehrheit erlangen, die es ihnen erlaubt, die Vertretung der jüdischen Gemeinden Preußens und ihrer Angehörigen in eine Filiale des zionistischen Exekutiv-Komitees umzuwandeln. Nichtsdestoweniger ist es nicht uninteressant, in, zwischen und hinter den Zeilen des Wahlprogramms der jüdischen Volkspartei zu lesen. In Punkt 1 verlangt diese Partei „gleiches Recht für alle Richtungen im Judentum die der.Erhaltung des Judentums diene n." Nach der uns bekannten Ansicht der jüdischen Volkspartei und ihrer Führer dient der Liberalismus der Erhaltung des Judentums nicht, sondern er fördert seinen Abbau und seine Zerstörung. Diese Ansicht wurde von ihren Rednern in der Versammlung am 5. Januar im Lehrervereinshaus in Berlin in allen Variationen und Modulationen vertreten. Also bedeutet die von uns zitierte Forderung des zionistischen Wahlprogramms in klareren Worten Recht für Zionismus und Orthodoxie, Entrechtung des Liberalismus und seiner Anhänger, wahrlich ein Gedanke, der geradezu glänzend in das hohe Lied allgemeiner und insbesondere jüdischer Demokratie paßt, das in der Versammlung von ollen Referenten gesungen wurde. Die „wirksame politische Vertretung nach außen", die das Wahlprogramm vom Landesverband fordert, soll nach den offenherzigen Aeuherungen des Herrn Dr. Sandler den Centralverein überflüssig machen, natürlich nur deshalb, weil durch den Landesverband Privatvereine zur Vertretung allgemeiner jüdischer Interessen ihre Existenzberechtigung verloren haben- Ob die wirksame politische Vertretung nach außen teilweise auch in den Händen der Verband^genMiden.l^gen soll, die mcnnft^tzhatb^tckaftg^ükchdür noch Echt als Volksgemeinden zu bezeichnen braucht, wird im zionistischen Wahlprogramm und wurde in der Versammlung nicht gesagt. —- Aber derartige Flüchtigkeitsfehler sollen ja öfters Vorkommen. Es ist ein starkes Stück, daß das Wort „jüdijchnational" im Programm der jüdischen Volkspartei kein einziges Mal vorkommt. Andererseits werden interessante Probleme durch die Forderung der „Erziehung eines vom jüdischen Geiste und jüdischem Bewußtsein durchdrungenen Geschlechts" aufgeworfen. Vielleicht gedenkt die jüdische Volkspartei diese Forderung gar nicht im Sinne jüdisch-nationaler Erziehung gleich deutsch-kultureller Entwurzelung unserer Jugend aufzustellen? Außer Herrn Oberregierungsrat Goslar, der in der Versammlung als Zionist sein Verhältnis zum Deutschtum zwar weder verständlich noch überzeugend, aber immerhin achtenswert skizzierte, glaubt unter den zionistischen Führern wohl keiner daran, daß er für sich und seine Gesinnungsgenossen eine tiefere Bindung ans Deutschtum will, wie man sie aus den Worten Goslars entfernt ahnen konnte. Auch die Formulierung, nach der die jüdische Schule zu fördern ist. bedarf einer kleinen Erläuterung durch die juristisch geschulten Interpreten der jüdischen Volkspartei. Es ist nämlich für diejenigen Liberalen, die unter Amständen einer jüdisch-religiösen Schule nicht unsympathisch gegenüberstehen, nicht ganz unwichtig, ob eine solche Schule oder eine Anstalt zur Heranbildung jüdi cher Nationalisten von der jüdischen Volkspartei gewollt wird. Vielfach besteht oer vielleicht unberechtigte Verdacht, daß die Zionisten eine jüdischreligiöse Erziehung großenteils nur dann wollen, wenn jüdische Religiosität so geartet ist, daß sie ohne Schwierigkeiten in den Dienst des jüdischen Nationalismus gestellt, d. h. degradiert werden kann. Herr Lehrer Vtelnhardt, über dessen Erfolge im jüdischen Neligionsunterricht man in seiner Heimatsoemeinde geteilter Meinung ist, schwieg sich über diese Frage auch klüglich aus, verwandte aber desto mehr Zeit darauf, dem seiner Ansicht nach im Sterben liegenden Liberalismus den , bekannten Eselstritt zu versetzen, verbunden allerdings mit einer, wenn auch widerwilligen Anerkennung der Forderungen des liberalen Wahlprogramms, besonders, soweit sie die Besserung und Sicherung der Stellung der Nabbiner, Lehrer und anderen Kullusoeamten verlangen. Die Illustration zu Punkt 3 des zionistischen Wahl- Programms, wonach der Kampf gegen die Feinde des Judentums in würdiger Form zu führen ist. wurde in der Versammlung nicht gegeben, soweit es sich um die Bekämpfung des Antisemitismus handelt. Man hatte viel zu viel damit zu tun, die große erfolgreiche Abwehrorganisation der deutschen Judenheit mit Kot zu bewerfen, als daß man Zeit gefunden hätte, zu sagen, wie anders der Kampf gegen den Antisemitismus durch I einen preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden l geführt werden solle, wenn dieser Verband sich in seiner i Mehrheit aus Vertretern zusammensetzt, die „den! Kampf um die staatsbürgerliche Gleichberechtigung un-! abhängig von der Gesinnung" führen wollen, wie Kurt; Blumenfeld es in seinen Ausführungen forderte. > Man sollte nun annehmen, daß das, was den Fein-! den des Judentums recht ist, den Anhängern anderer! jüdischer Richtungen als des Zionismus billig sein sollte, i Man kann der jüdischen Volkspartei daraus, daß sie I Juden anderer Richtunq schlechter behandelt als Juden-! feinde, selbstverständlich keinerlei Vorwürfe machen,; wenn sie sich nämlich die Worte des Herrn Professor : Heinrich Löwe zu eigen macht, daß Liberalismus gleich! Antisemitismus sei. Wir wollen uns über dieses i Problem aber nicht die Köpfe der jüdischen Volksi parteiier zerbrechen, insbesondere sollen sie sich für die i nächste. Versammlung selbst darüber schlüssig werden, j ob sie das Bekenntnis Goslars zum politischen Anstand i in Kraft sehen oder das Bekenntnis des Herrn Kareski - zur politischen Ananständigkeit in Geltung lassen wollen. I Der letzterwähnte Redner gab auch gleich nach diesem i Bekenntnis einige recht bemerkenswerte Geruchproben ' seiner Leistungen auf diesem Gebiet- Herr Kareski hielt > es für angängig, aus einer, wie von ihm selbst bemerkt! wurde, vertraulichen Sitzung eine — nebenbei bemerkt erfundene — Musterung des Herrn Justizrat! Sonnenfeld der Oeffentlichkeit zu unterbreiten. Abgej sehen von diesem Einzelfall wird es die Aufgabe an-! derer Instanzen sein, Herrn Kareski die Gelegenheit zu I nehmen, je nach Laune von seinem Grundsatz Gebrauch! zu machen, daß im Wahlkampf auch grobe Vertrauens-! brüche erlaubt seien. Die Demokratie, die die jüdische Volkspartei auf! ihre Fahne geschrieben hat, konnte man an diesem! Abend aus nächster Nähe in ihrer praktischen Anweni düng kennen lernen. Nachdem Herr Kareski durch , einige treffende Zwischenrufe von gegnerischer Seite den Faden seiner Skandal-Chi onik des Berliner Gemeinde-Liberalismus etwas ver oren hatte, wurde man am Vorstandstisch so nervös, da; man eine wohlbeleibte Vereinsgröße fünften bis sechst ni Ranges in die Nähe der Zwischenrufer schickte, um weitere Störungen zu vermeiden. Nach der unaesckri ebenen Dersammiungsordnung der jüdischen Volks >artei gibt es nämlich störende und ntchtstörende ZmMchenrufe. Was unangenehm ist, wirkt störend, alst »gilt dies auch für unangenehme Zwischenrufe. Eine Diskussion wurde nicht 0lallet, wohl weil man glaub te, daß die armen Gegner durch Zwischenrufe schon zu sehr verausgabt hätten und man ihnen eine Blamage ersparen wollte, und Vorsicht der bessere Teil der % apferkeit ist. Aebrigens wurde insbesondere durch di r Ausführungen Goslars wieder die altbekannte Ta' fache bestätigt, daß die Zionisten, — was sie großer ttells der Pflege wahrer jüdischen Religiosität zu enth< den scheint — ein lebendiges Judentum durch die O rthodoxen schäften lassen wollen, indem sie trotz aller Pl >rasen von Jugendlichkeit, Freiheit und Demokratie, jede: Negung niederknüppein helfen, die wahres Judentum neu beleben und lebendig erhalten will. Man sieht: der Duft aus der Räucherkammer jüdisch-volksparteilicher Wahl arbeit ist nicht weniger unerquicklich, als der Blick i n und hinler das Wahlprogramm der Partei. Arl eit und Programm des jüdischen Liberalismus könne t im Gegensatz dazu mit klarem Kops und warmem perzen gewürdigt werden. Dr. Mar Mayer. Aus den G»neinden. ♦ je Berlin. Anläßlich des 2öjühriMi Amlsjubiiäums v^n Herrn Rabbiner Dr. Warschauer, dessen "i erdicnste bereit«, in der vorigen Nummer ausführlich gewürdigt i )uri)en, war der 2. Freitagabend-GoUcsöienst in der Synazc ge Oranienburger Straße am 2. d. M. besonders feierlich gestal let worden. Dem Gottesdienst ging im Trausaal der Synagoge e in Begrützungsakt voraus, bei dem Kammergerichtsrat Wolsf, i er Vorsitzende der Berliner jüdischen Gemeinde, der Verdienste des Jubilars gedachte. Rechtsanwalt Stern, der Vorsitzende de» Repräsentnntenversainmlung, überreichte für beide Gemeindekö«»erschas1en eine künstlerisch verfertigte Adresse. Für die AmtA.vliegen beglückwünschte den Jubilar Rabbiner Dr. Weiße. Hierc»s dankte Rabbiner Dr. Warschauer in schlichten Worten für Sie ihm erwiesenen Ehrungen und gab einen Rückblick auf seine Amtszeit. In dem anschließenden Gottesdienst hielt Rabbiner Dr. Warschauer eine Predigt, in der er seive Auffassung des Rabbinerderufes schilderte. In der Wohiuuig des Jubilars 1 erbrachten der Vorstand der Reuen Synagoge und der Synagoge lindenstratze sowie der Synagogenvereine der beiden Synagogen )re Glükwünsche. Bei dieser Gelegenheit machte der Vorsitzende;s Vereins Reue Synagoge, Dr. Gutmann, die Mitteilung, daß n Freunden und Verehrern des Jubilars unter dem Namen „2 bbiner - Dr. - Malwin.-Warschauer - Stiftung" der Grundstock t einer Stiftung ins Leben gerufen worden sei, der einen m chaften Betrag bereits erhalten habe. Berlin. Zwischen dem 8. und 12 Januar wird der Präsident der Zionistischen Weltorganisation u ü der Jewish Agency Prof. Chaim Weizmann in Berlin weilen. Aus Anlaß der Anwesenheit Dr Weizmanns in Berlin gibt das Auswärtige Amt am 9. Januar i n Hotel Kmserhof ein Frühstück. zu dem Herr Staatssekretär i m Schubert eingeladen hat. Am Sonntag, den 1. Januar, na »mittags 4 Uhr, veranstaltet das Präsidium des Keren Hajessod- Berlin im Hotel Adlon und Hotel Esplanade einen Empfang zu Lhren des Herrn Prof. Dr. Weizmann. Der Präsident der Großloge für S eutschland VIII U. O. B. B. Herr Rabbiner Dr. Baeck und der Vizepräsident Herr Dr. Benno Walter veranstalteten eine Begrüßung des Herrn Professor Dr. Weizmann am 8. Januar in den Räumen der Loge, Kleiststr. 10. Berlin. Am 4. Januar farrd das Rückspiel der zweiten Serie zwischen dem spielstarken Fußballklub Neukölln 21 und dem S.-E. Hakoah statt und endete mit «nem Siege des S.-C. Hakoah von 4:1. Vor allem zeichnete sich der linke Flügel durch sein schnelles Spiel aus. Cs ist mit Freude festzustellen, daß die Spielstärke des S.-C. Hakoah sich von Mal zu Mal verbessert. Bor chlen anderen zeichneten sich besonders im Sturm Jacob Kellmann und Nathan Fischer aus. Strom der Jett. Von Franz Eingia. Oft spiegelglatt erscheinen dir die Wogen Von milder Sonne mütterlich beschienen. - And locken sanst, als wollten sie dir dienen, Als wären sie in Freundschaft ganz gewogen. Doch laß' dein Echifflein steuerlos nicht fahren And deine Sinne nicht vom Glanz betören. Sonst kannst du nie die dumpfen Glocken hören, Oie sich wie Stimmen warnend offenbaren. And wenn die Nachte auf den Wogen brauen. Dann reißt dich aus dem Traum ein schweres Grollen All der jahriausendtiefen Urgewalten,- And aus den Fluten steigen weiße Frauen, Oie plötzlich alles Leben greifen wollen And geisterhast am Afer Wache halten. Richard Wagner und das Zudentum. Von Musikdirektor Oberkantor Singer, Halle. Als Wagners Werke für alle Welt frei wurden, ist die Literatur über diesen Meister fast über Gebühr anqeschwollen: die meist dickbändigeu Biographien enthalten „Wahrheit" und „Dichtung", sie tragen alle eine verzweifelte Aehnlichkeit in ihrem Gehalt, und wer e i n solches Buch gelesen hat, kennt auch alle anderen. Wagner ist und bleibt für all' diese Schreiber ein „Kultur-Faktor", ja eine ,Hultur-Macht" für Deutschland,- die Auguren Wagnerscher Kunst und Art müssen aber bei odjekttvem Hinsehen doch schon merken, daß dieser Meister weder die ältere Oper stürzen konnte, noch hielt er irgendwie den produktiven Strom neuer Komponisten auf: man hört noch immer gerne Mozart, Weber, Verdi, auch lebt der Geist Meyerbeer's noch, und es war keine kleine Sensation, da Richard Strauß in Wien vor wenigen Monaten „Rodert der Teufel" neu einstudierte. Merkwürdig bleibt es auch, daß Wagner keine wertvollen Epigonen auf dem Gebiete der Oper hatte, einige Nachtreter verschwanden mit ihren Werken bald in den Orkus. Aeber den eigenartigen Charakter Wagners aber schweigen sich viele Chronisten ganz aus oder sic schildern den Meister wie durch einen Vexierspiegel entstellt: aber alle betonen, daß er strammer Antisemit war (überzeugend im 5. Band seiner Schriften Breitkopf & Härtel niedergelegt). Es ist eine der prominenten Charakter-Eigenschaften Wagners, daß er alle Komponisten, von denen er lernte und entlehnte, später öffentlich persiflierte, ferner Menschen, die ihn materiell stützten, wiederholt beschimpfte. So handelte er während seines Pariser Aufenthaltes recht unvornehm gegen Meyerbeer. Wagner war aller Mtttel entblößt und Meyerbeer unterstützte ihn nicht nur mit Bargeld, sondern verschaffte ihm lohnende Arbeit im Verlag Schlesinger: schnöder Andank war sein Lohn. -— Wie oft degradierte er Weder? And doch entnahm er aus j „Euryantke" ganze ^Motive. Er versuchte Mendelssohns > Art zu schmälern, nahm aber das erste Thema der Reformations-! Symphonie für den „Parstfal". —- Kam zu Wagner ein „I u d e" — mochte er nun Sänger, Kapellmeister, Theaterdirektor, Schriftsteller oder Bankier sein und machte sich erbötig, für Wagner- Kunst einzutreten, dann sagte Meister Richard „non ölet" und machte ttese Verbeugungen! So wurden die Juden Rich. Lewy-München, Heinrich oraes - Leipzig, Georg D a v i d s o h n - Berlin usw. mächtige orkämpfer der Wagner'schen Ideen: ein wahrer Apostel für Wagner aber wurde der Jude Angelo Reumann, dessen Intelligenz, Arbeitskraft und subtile Theatertechnik für das Emporkommen Wagnerscher Kunst von entscheidender Wirkung war. Cs ist ganz merkwürdig, daß Angela Neumann den Lebensweg Wagners in einem Momente kreuzte, wo der Komponist, aller Mittel enchlößt, von aller Welt verlaffen und verpönt, im »Hotel Marquard zu Stuttgart (Mürz 1864) auf Berichte wartete. Wagner war recht verzweifelter Stimmung, „Lobenarin" aeflel in Wien gar nicht, nach vierzig Klavierpryben erklärten die Wiener Sänger den Tristan" für unausführbar. Reumann wohnte in dem Hotel Tür an Tür mit Wagner, erfuhr es aber erst nach einer „Don 2uan"-Aufführung, in der Reumann die Titelrolle sang. Wagner ging nach der Vorstellung mit den Künstlern in ein Restaurant, wo auch der Operndirektor Eckert und der berühmte Tenor Sondhelm anwesend waren. Reumann veranlaßte nun Frau Eckert, -aß ste von ihrer Bank in Meu 700 Mark abhod und die Summe Wagner übergab, damit er nach der Schweiz abreisen konnte. Am nächsten Abend schon traf Wagner das bekannte Telegramm König Ludwigs II.: in einem so entscheidenden Augenblick, wo Wagners Verhältnisse eine gründliche Besserung erfahren sollten, stand Reumann ihm : zur Seite. Was Angelo Reumann auf dem Amwege über Bayreuch : in Deutschland für Wagners Werke erreicht hat, ist ja bekannt: j keine große Stadt im Reiche, die Reumann nicht rnit den Ton-! dramen Wagners bekannt machte. Sein Ehrgeiz führte ihn bald nach Paris, wo im Januar 1882 der „Tristan^ begeisterten Erfolg hatte. Bald darauf kam die Londoner sehr erfolgreiche Wagner-Stagione, und schließlich die Tournee durch Holland, Belgien und Italien, in letzterem Staat mit me daaewesenem Enthusiasmus ausgenommen. Noch sei die österreichische Gastspielreise erwähnt, ganz besonders aber dle Wagner-Aufführungen in Rußland. Trotz aller Schwierigkeiten hat Reumann seinen Plan bezüglich Rußlands voll und ganz durchgeführt und damit eine künstlerische Großtat, die in der Geschichte reisender Sttrgioneu wohl einzig dasteht, vollbracht. Im Februar 1881 entstand in Berlin eine starke antisemittsche Agitation, in die Wagner hineingezogen wurde: der ausgezeichnete Publizist G. Davidsohn, ein Anhänger Wagners, machte! Reumann auf dieses Vorkommnis aufmerksam. Reumann schrieb! sofort an den Meister, der von Bayreuch am 2Z. Februar 1881! folgendes antwortete: „Geehrter Freund und Gönner! Den i gegenwärtigen antisemitischen Bestrebungen stehe ich vollständig! ferne: dennoch gebe ich den Rat, Berlin aufzugeben und Mai nach London zu gehen,- unsere Unternehmungen könnten durch solche Ansinnigkeiten in Brüche gehen. .Hofadel" und »finden" zugleich, und .zwar aus lauter absurden Mißverständnissen auf dem Halse zu haben — dazu sind unsere „Nibelungen" nicht be-! stimmt — ich bin — unbedingt für London sofort! Ihr ergebenster Rich. Wagner,