Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1925-01-09 · 2 (9.1.1925) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
5 (1925)
Issue
2 (9.1.1925)
Date
1925-01-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2613366-2613788-2613790--1140-2618474
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

PP? r a lAr/' IMWemIeMmz Organ der Vereinigung für das liberale Judentum e. V. Bezugspreis durch die SeschäftHelle ^jährlich M. 2,30, «Einzelnummer 0,20. Bei freier Zusendung im Inland 0,25. Jfir die Mitglieder der Bereintzung ist der Bezugspreis :: u :: im Mttglieds-eiirse enthalten. - L :: Shefredakteur: Dipl..Arg. Brun» Wsyda. Die „Jüdisch - liberale - Teilung" erscheint jeden freitag, Schriftleitung und Geschäftsstelle: Berlin, flauerftr. 22. fernruft Hmt Alerhur JSr. 8125 ßoftreheehhonto: Berlin Z JVr. 132069 (Vereinigung für das liberale Judentum) Flachdruck fimtlicher Original - Beiträge nur mit vorheriger 6enehmigung der Redaktion gcftattetl Anzeigenpreise: Oie 12gespalteneRonpareillezeile 0,45 Soldmark, die Reklamezeile S,00 Soldmark, bei :: » :: Wiederholungen Rabatt. :: :: Anzeigenannahme: Hermann Baswitz, Verlags» abteilung, Berlin SÄ 65. Eharlottenstr. 96 (Kernsprecher: Dönhoff 5360-65), sowie sämtl. Annoncen-Sxpeditionen. Rr. 2 Berlin, 9. Januar 1925 5. Jahrgang Erbal<e< die Heliaionsaemeinden! >it alle preußischen Juden über ceiten, um durch ihre Stimmen les deutschen Judentums mit- Iden ersten Verbandstag des indes jüdischer Gemeinden net. Dieser muß in stärt heit der religiösen Erz!« Im Gegensatz dazu^ Landesverbandes im Partei kaum berührt, jüdischen Emigration, Am l. Februar wer 21 Jahre zur Wahlurne s das zukünftige Geschick zugestalten. Sie werde preutzischen Landesver wählen. Nach seiner am 25. 5uni 1922 beschlossenen Verfassung ist der preußische Landesverband eine Religio n s g e s e l l s ch a f t und soll in erster Linie der Hebungdes religiösen Lebens der Gemeinden unter voller Wahrung ihrer Selbstbestimmung dienen. Deshalb hat die Vereinigung für das liberale Judentum in ihrem Programm gefordert, daß -- selbstverständlich unter der Voraussetzung, daß allen Richtungen in gleicher Weise ihr Recht wird — oen liberalen Notwendigkeiten auf allen Gebieten jüdischen religiösen Lebens entsprochen wird. Darum hat die liberale Vereinigung die religiöse Entwicklung der Juden als das Ziel besonderer Fürsorge des Landesverbandes bezeichntem Matze seine Aufmerksam- ] mg aller Juden zuwenden, jr^d die religiöse Tätigkeit des staufruf der Jüdischen Volks- Ji tritt hinter der Regelung der im Hebräischen als lebender Sprache in Deutschland Md dem Aufbau der jüdischen Heimstätte in Erez Israel fast vollständig zurück. Das ist ja auch kein Wunder, wenn man bedenkt, daß beispielsweise die „Jüdische Zeitung für Ostdeutschland", ein zionistisches Vlättlein, noch am 24. Dezember 1924 zu schreiben wagte: „Die Jüdische Volksparte!, die größte Gruppe der deutschen Zidnifien, steht der Religion neutral gegenüber." I Was hat eine Partei, die der jüdischen Religion neutral gegenübersteht, in einem Verbände zu tun, der auf Grund von Artikel! 137 der Weimarer Verfassung den Aufgaben der jüd schen Religionsgemeinschaft zu dienen hat. Wenn man diesen Mangel an religiösem Interesse dadurch zu verdecken sucht, daß man im zionistischen Wahlaufruf die Wähler auf das Problem der jüdischen Schule, dessen Wichtigkeit wohl von allen Parteien erj könnt wird, hinlenkt, so muß in aller Deutlichkeit gezeigt werden, daß auch diese jüdische Schule keineswegs nur ein Gegengewicht gegen die christlichen konfessionellen Schulen sein soll, sondern daß sie dazu bestimmt ist, unsere Jugend im deutschen Vaterlande zu entwurzeln. So hat der Listenführer der Jüdischen Volkspartei in Berlin, Dr. Klee, in einer Versammlung des Verbandes Mischer Jugendvereine am 22. Januar 1919 gesagt: „Die Volksgemeinde hat die jüdische Schule zu schaffen. Wir verlangen selbstverständlich die jüdische Schule durchgeführt vom Kindergarten über die Volksschule und Mittelschule bis zur Hochschule. Natürlich nicht überall in Deutschland, das versteht sich ja von selbst. Je nach der Größe einer Gemeinde und dem Bedürfnis wird das Schulsystem eingerichtet werden wüsten- In der Mittelschule wünsche ich die nenhebräische Unterrichtssprache, wenigstens in den oberen Klassen? So soll die jüdische Schule nur die Vorstufe für die politische Volksgemeinde sein, die dann die Forderung nach nationalen Minderheitsrechten für die Juden in Deutschland aufstellen kann. Oder ist das zu viel gesagt? * ★ Für die Zwecke der diesmaligen Wahlen heftreiten allerdings die Zionisten, überhaupt jemals für die Juden in Deutschland nationale Minoritätsrechte in Anspruch Aus dem Inhalt: Bruno Woyda-Berlin: Erhallet die Religionsgemeinden. — Dr. Max Mayer-Berlin: Arme, jüdische Bolkspartei! — Botho Lasersiein-Berlin: IV. Delegiertenversammlung der Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Zugendvereine. — Dr. Hugo Spiegler-Wien: Wiener Brief. Franz Cingia: Strom der Zeit. — Musikdirektor Singer-Halle: Wagner und das Judentum. — Wilhelm Wölkerling: Die Weinkultur in Israel. — Lotte Adam: Aus der Tiefe. — Hanna Mainzer-Heilbronn: Das große Leid. Aus den Gemeinden: Der jüdische Sprechsaal. — Aus der Bewegung. — Bersammlungskalender. — | Kalendarium. | genommen zu haben. Glaubt man doch, nur durch diese Bescheidenheit Wähler fangen zu können. Vor Tische las man's anders. So hat derselbe Dr. Klee, der ja ein charakteristischer Führer der Jüdischen Volkspartei ist und dessen Demagogie in den Beratungen der Berliner Repräsentantenversammlung für die Sachlichkeit der Beratungen im Landesverband kein günstiges Prognostikum ist, in derselben Versammlung für denjenigen, der sich näher über die Jüdische Volksgemeinde unterrichten will, auf die Broschüre seines Freundes Dr. Simonsohn „Die Jüdische Volksgemeinde" verwiesen: „Ich habe die Korrekturbogen gelesen. Der Inhalt der Broschüre deckt sich mit meinem Standpunkt." Was steht in dieser Broschüre? Auf Seite 10 heißt es: „Daraus resultiert die Forderung, daß die jüdischen Volksgemeinden sich nicht auf rein konfessioneller Grundlage aufbauen können, sondern die Vertretungsorgane einer nationalen Minderheit sind Bei den Thesen zu einem Gemeindeprogramm wird als erster Punkt die jüdische Volksgemeinde in Deutschland als Vertretung der Juden als einer nationalen Minderheit, die ihre auf der Volkseigenart beruhenden kulturellen Angelegenheiten autonom regelt gefordert. Wahrlich: vor Tische las man's anders. Und wenn jetzt die Jüdische Volkspartei in ihrem Programm dies alles schamhaft verschweigt, so ist doch sicher, daß sie die Wähler, die ihr zur Macht verhelfen werden, sehr bald vor die Tatsache stellen wird, daß sie die Juden als nationale Minderheit proklamiert und so die Verbindung der deutschen Juden mit der deutschen Kultur, für die die Väter gelitten haben, bei den Kindern löst. 25 Jahre lang hat der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens mit Zustimmung der überwältigenden Mehrheit der deutschen Juden unter Führern wie Horwih und Fuchs dafür gekämpft, daß wir als gleichberechtigte Deutsche ungestört unsere Religion ausüben können. Immer und immer wieder hat er betont, daß unsere deutsche Gesinnung, unsere Liebe zur deutschen Heimat und unser Verwachsensein mit deutscher Kultur und deutscher Bildung nicht zu zerreißen ist. Und das sott jetzt alles nicht wahr sein? Das alles soll durch einige zionistische Demagogen zerstört werden? Der Kampf um. die Gleichberechtigung soll vergeblich gewesen sein, weil man jetzt nicht mehr als Deutscher gleiche Rechte haben will, sondern mit Dr. Hantke, dem ehemaligen Vorsitzenden der zionistischen Partei Deutschlands fordert: „Von den geistigen Führern des deutschen Volkes erwarten wir, daß sie . . . auch dem jüdischen Volksleben in Deutschland freie Bahn und die Möglichkeit autonomer Entwicklung geben." An diese wahren Ziele der jüdischen Volkspartei, an die Gefahr unserer Entrechtung als Deutsche und die Gefährdung einer als Nebensache behandelten jüdischen Religion, der man „neutral" gegenübersteht, müssen wir denken, weil der Landesverband die sofortige Neuregelung der gesetzlichen Verhältnisse der jüdischen Gemeinden in Angriff nehmen wird. „Gewiß werden viele Luxuseinrichtungen fallen, die Gottesdienste einfacher werden müssen, Ehorgesang, Orgelmusik Einschränkungen erfahren, weniger Rabbiner in einer Gemeinde beschäftigt sein, der Kantorenberuf, der oft nur professionelle Müßiggänger züchtete, vielleicht nur nwen^oder ehrenamtlich ausgeübt werden, die Verwaltung von allem unnützen Schreibwerk, von aller Be- Hörden-Spielerei befreit mit einem erheblich geringeren Beamtenstabe auskommen müssen." Das alles werden wir nach der von Dr. Klee, dem Führer der Zionisten, gebilligten Ansicht seines Freundes Simonsohn von der Jüdischen Volksgemeinde zu erwarten haben. So sieht die Beamtensreundlickkeit aus und die Freundlichkeit für die Lehrer und Führer der jüdischen Gemeinden, mit denen die Zionisten zur Wahl krebsen gehen. In einer Gemeinde, die ihre Einnahmen durch geschäftliche auf Erwerb berechnete Unternehmungen (Simonsohn, S. 16), gewinnen soll, werden sie verhindert sein, sich weiterzubilden, werden die Kantoren ohne Sicherheit für sich und ihre Familie dastehen und werden sie, die Rabbiner und jüdischen Lehrer den Geist jüdischer Religion durch geschäftliche Praktiken austreiben müsten. Das ist die kulturelle Seite der jüdischen Volksgemeinde. Es gibt eine Partei, deren Programm für den Landesverband die Erhaltung des religiösen und kulturellen Charakters der jüdischen Gemeinden und damit die Erhaltung der jüdischen Religion verbürgt. Es gibt eine Partei, auf deren Listen die jüdischen Persönlichkeiten stehen, diejenigen Männer und Frauen, deren Verdienste um das Judentum von niemandem, den nicht Parteifanatismus blind macht, geleugnet werden können. Es gibt eine Partei, auf deren Listen die Vorsitzenden der jüdischen Religionsgemeinden, der Vorsitzende des Lentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, der Vorsitzende des Vereins selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens, der Vorsitzende des Verbandes der jüdischen Lehrervereine, der Vorsitzende des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, der Vorsitzende des Kantorenverbandes stehen, also die Führer des Judentums, bei denen man die Gewißheit hat, daß sie alles für die Erhaltung der jüdischen Religion tun werden. Wer will, dcch diese Partei und ihre Listen am 1- Februar 1925 den Sieg über den Traum von einer jüdischen Volksgemeinde und von nationalen Minderheitsrechten davonträgt, der gebe seine Stimme den liberalen Kandidatei Bruno Woyda. Helft bei den Wahlarbeiten!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.