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Jüdisch-liberale Zeitung · 1925-01-02 · 1 (2.1.1925) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
5 (1925)
Issue
1 (2.1.1925)
Date
1925-01-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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geschriebenen Opfer, sondern die Priester der freiwilligen: der Opfer des Herzens und des Herzblutes, der Opfer an Tränen und Seelenkraft. Sie waren liberal, weil sie Grenzen absteckten zwischen Wesentlichem und Vergänglichem. Ja, freiheitlicher waren sie, als sie es wußten. Denn gewiß, Gott ward in ihnen laut, aber daß sie „ja" sagten zu diesem Gott, das war ihre, nicht seine Tat. Und diese Männer zum Vorbild erwählen, heißt: liberal und bewußt das Judentum leben, unser Judentum meine ich. Denn nicht nur Herolde nationaler Zukunft, sondern Herolde vor allem religiöser Zukunft, herrlich jüdisch-religiöser Zukunft — das waren jene Unsterblichen. Und sind sie auch uns — und damit sprechen wir es nun aus: liberal sein heißt: glühender Jude sein, glühend für jüdische Religiosität! Kein anderer wage es und sei so kühn, sich mit dem Namen der Propheten zu schmücken, oder auch nur mit dem Namen liberal! 3a, weil wir Schüler unserer Propheten, demütig zu ihren Füßen sitzend — darum finden wir uns wieder als Juden) dadurch sind wir mit allen verknüpft, die jemals für diese Religion gelitten) darum lieben wir unsre Feste und darum lieben wir unsre Bräuche soweit sie noch heute unser sein können) darum fördern wir Institutionen, die jüdisch-religiöses Leben ausprägen) darum pflegen wir jüdische Gemeinschaft und suchen nach immer neuen Wegen, dieses Gefühl der Gemeinschaft zu stärken) darum verteidigen wir jüdische Ehre, darum arbeiten wir für die Erhaltung, — für die Verewigung des Judentums. Ja, ewig werden und wollen wir sein. And nicht bloß als sittlich veredelte Menschen, sondern als religiös veredelte Juden) und d. h. Menschen, die sich bewußt sind, als Juden so tief religiös zu fein) Menschen, die nicht bloß gut sein wollen, tun, was recht ist und niemand scheun — sondern Menschen, die von G o t t, dem Geheimnis des Guten, seinem Argrund und seinem Arsprung erfüllt sind und um Ziel dieses Guten und um seinen Ausbau und uin seine ideale Gestaltung kämpfen, so wie eben Juden immer gekämpft: für Gott und mit ihm, durch ihn und um ihn! And auf diesem Wege, im Geist der Dropheten, sollen sie es alle bekennen lernen, alle, welche uns Nachfolgen wollen, und — glücklich als Juden und stolz und frei — das Bekenntnis an ihre Kinder vererben: es l o h n t sich, ein liberaler Jude zu sein! Rabbiner Dr. G o t t s ch a l k - Berlin. Aus dem Wahlsumpf der jüdischen Volkspartei. Es gibt ein altes Sprichwort: Niemals wird so viel gelogen, wie vor einer Mahl und nach einer Jagd. Dieser..Grundsatz.galt.bisher. LllLrdüngs^.nur..ftir die politischen Wahlesii Wenn man M jeM^rästet, ein Parlament aller Juden in Preußen, also ein Gremium zu wählen, das vorwiegend auch religiösen Notwendigkeiten dient, so muh es jeden um die religiöse Zukunft des Judentums besorgten Juden mit Schmerz erfüllen, daß solche Methoden auch auf die Landesverbandswahlen übertragen werden. Nicht nur die Methoden des politischen Kampfes werden übernommen, sondern die mangelnde Erfindungsgabe zionistischer Heißsporne kann sogar nicht uiuhin, die termini tec hnici des politischen Kampfes zu übernehmen. Da liest man in der „Jüdischen Rundschau" „Vom Sinowjew-Brief des Centralvereins", liest die Behauptung, der Centralverein habe es nötig, „nach deni Muster des Herriot-Memorandums zu arbeiten". Da hört man von Professor Heinrich Loewe, der ja als eine führende Persönlichkeit der jüdischen Bolkspartei betrachtet werden mutz, Worte, die allen Juden, die noch auf Anstand Wert legen, Schamröte ins Gesicht Beim. Ist das allein: beten? 3rn Gotteshaus vor den Herren treten- Mit Worten aus der Urväter Tagen Ihn bitten, preisen, ihm Dank zu sage«? - Ist nicht das auch ein Seien? Zn des Alls unendlichen Tempel treten,- 3m Wellenflüstern, im Waldesrauschen Seinem heiligen Odem lauschen? Und, schauend der Sterne leuchtenden Zeigen, Sich seiner Größe in Demut neigen? Werke der Liebe üben ohn Ende, Milde dem Durstigen reichen die Hände? Mutig kämpfend sich selbst bezwingen, deinen Sinns nach dem Höchsten ringen. Daß jede Tat zum Gebete werde, 3hrn zum Lobe, dem Lenker der Erde? - Ästen heißt: die Seele erheben, 3m tiefsten Innern Gott erleben! — Sophie Zarobsohn. Schicksale jüdischer Bücher. Don B. W. Segel. Die Bibliothek der Wiener jüdischen Gemeinde erhielt vor einigen Jahren durch die Munifizenz eines bekannten Mäzens, S a lo Lohn, einen bedeutenden Zuwachs an hebräischen Büchern, aus den Sammlungen zweier Männer stammend, die an den entgegengesetzten Enden der jüdischen GelsteSwett standen. Der eine war der in der modernen Wissenschaft des Judentums rühmlich bekannte Bibliograph und Archäologe S. H. Halbe r st a m m in Bielitz (heute Bielsko in Polnisch-Schiefien). Der andere war ein Sprotz der bekannten Wunder-Rabbis-Dynastie von Sadvgüra (Bukowina, jetzt Rumänien) Rachum Beer steigen lassen. „Die Organisation der „Pollackim" ist ' oer „Centralverein jüdischer Staatsbürger deutschen Glaubens" oder wie der Verein mit dem langen Namen und kurzen Inhalt sonst heißen mag. -. „und „Liberalismus heißt Cntjudung, also schlimmster Antisemitismus", j Eine Erfindung, um die Dinier und Genossen den Herrn > Professor beneiden werden.! In der „Jüdischen Zeitung für Ostdeutschland", die I aus naheliegenden Gründen Sensationen besonders : I nötig haben Dürfte, nimmt sich ein H. Sch. einen ande- I ren Professor vor, der dem liberalen Judentum so wenig s | nahesteht, wie die Jüdische Volkspartei dem Geist jüdi- -! scher Religion und der jetzt seinen Kindern den Weih-! nachtsbaum angezündet hat. Daraus wird dann dem; Liberalismus der Vorwurf gemacht, daß er die Juden j dem Judentum entfremde j Das alles schreiben Zionisten wenige Wochen, | nachdem Hans Herzt, der Sohn des Begründers der; zionistischen Partei, dem Judentum den Rücken gekehrt! hat und sich erst zum Protestantismus und dann zum! Katholizismus bekehren ließ. Der einfache Ansland . hätte es Herrn H. Sch., der noch nicht einmal den Mut! hat mit seinem Namen hervorzutreten, gebieten müssen, | zu schweigen. Oder soll man ihm erst eine Liste zionisti-! scher Führer vorlegen, die alle trotz ihres jüdisch-völkischen Selbstbewuhtseins Mischehen eingegangen sind?; In dem jetzt zum Ablauf kommenden Jahre ist das! Judentum wie selten zuvor von antisemitischen Rohlingen in den Schmutz gezogen worden. Kein Mittel s war schlecht genug, die Verächtlichkeit des Judentums ■ aufzuzeigen. Daß jetzt eine jüdische Partei zu den gleichen Methoden greift, kann jeden Juden nur mit Grauen erfüllen. Vier Wochen sind noch bis zur Wahl. Soll in diesen vier Wochen weiter mit Schmutz geworfen werden oder soll der in würdiger Form zu führende Mahlkampf Klarheit über die Zusammensetzung der j preußischen Judenheit bringen?! Klarheit und Wahrheit ist nötig. Weder die Konj servativen noch die Zionisten haben sich bisher entschliej ßen können, offen und ehrlich das zu fordern, was fie j j wollen. Nur aus Nebenbemerkungen kann man er- | | sehen, wie wenig sich die Zionisten im letzten Jahrzehnt! gewandelt. Da heißt es z. B. in einem Breslauer zioj nistischen Blättchen vom 24. Dezember 1924: „Die Jüdische Bolkspartei, die größte Gruppe der deutschen Zionisten, steht! der Religion neutral gegenüber". Das I ist die Gesinnung der Partei, deren Namensschild < Demokratie Vortäuschen soll und die sich ängstlich hütet, , den Zionismus auf der Parteifahne hervorleuchten zu j lassen- | Wenn man diesen Wahlsumpf durchwatet hat, wirkt , > das liberale Wahlprogramm in seiner vornehmen Sach-! i lichkeit und Aufrichtigkeit wie rettendes Land. Klar wird hier gefordert, „daß der Landesverband ein wirkliches Aboild der preußischen! Judenheit wird, die in ihrer großen Mehrheit liberal i st und sich mit dem j deutschen Vaterland verbunden fühlt."! Nach den zahlreichen Aebergriffen der Konservativen j — man denke nur an Königsberg, Dresden und die j Trennung der Grabfelder in Berlin-Meißensee — wird hier der Grundsatz der Toleranz ausgestellt. j Allen Richtungen im Judentum soll in gleicher Weise ihr Recht werden, gleichberechtigt sollen Männer und Frauen auf jedem Gebiet jüdischen Lebens miteinander! wirken. Aber Recht gegen Recht! Die liberalen Kan-! didaten werden auch für die energische Erfüllung liberaler Notwendigkeiten auf allen Gebieten jüdischen j religiösen Lebens eintreten. Sie werden dafür sorgen, daß liberale Eltern ihre Kinder in einem liberalen j Religionsunterricht liberal erziehen lassen können. Sie , i werden dafür sorgen, daß das sehnlichste Ziel der! > Friedman n. Der Bibliothekar der Wiener jüdischen Gej meinöe Dr. Bernhard W a ch st e i n, der sich durch eine Reihe gediegener Studien zur Geschichte, Familienkunde und Paläo- Öie der Juden in den Donauländern einen geschichtlichen m in der Gelehrtemvelt erworben, hat die beiden Sammlungen unter dem gemeinsamen Titel „Katalog der SÜlo Cohnschen Schenkungen" beschrieben. Es ist daraus ein prachtvolles zweibändiges Werk geworden, das in einer der ersten Offizinen von Wien gedruckt, dem Bücherfreund eine wahre Augenweide gewährt, für jeden wissenschaftlich Interessierten aber eine unerj schöpftiche Quelle der Belehrung über Fragen der Literatur- und Geleyrtengeschichte, der Genealogie und der Kultur und der Fa-! miltengeschichte bildet. Halberstamm war ein wohlhabender Kaufmann, der nach alt-! jüdischer Sitte seine Muhestunden der Wissenschaft widmete. Seine an seltenen alten Druckwerken und Handschriften überaus reich-! haltige Bibliothek erwarb der Besitzer im Verlauf vieler Jahre > znm Zweck seiner gelehrten Untersuchungen; die meisten versah > er mit Randbemerkungen, die an sich äußerst wertvoll sind. Die; Bibliothek Halberstamm erfreute sich unter den Fachgenossen des! Besitzers eines schr guten Namens, zumal dieser seine Bücher den Forschern gern zur Verfügung stellte und Auszüge und Abschriften aus Druckwerken und Manuskripten an wissenschaftliche j Arbeiten mit größter Bereitwilligkeit und Uneigennühigkeit lie- I ferte. Nach seinem Tode fand der gesamte Bestand an Hand-; schriften und auch ein Teil der Druckwerke den Weg nach Engjand und Amerika. Ader einen beträchtlichen Teil der letzteren! rettete die Freigebigkeit Salo Cohns für die Wiener jüdische > Gemeindebiblivthek. Dr. Wachstein hat bei der Beschreibung der j Bücher darauf Gewicht gelegt, eine zureichende Charakteristik der Schriften und die Verarbeitung sämtlicher biographischen,! genealogischen, typographischen und buchgeschichtlichen Einzelheiten zu liefern. Die Wiegen- und Frühdrucke des 16. Jahrhunderts : erfuhren darüber hinaus eine bewnders ausführliche Behandlung. 1 Hebräische Bücher vergangener Jahrhunderte besitzen eine besondere Eigentümlichkeit, nämlich der Approbationen (hasliamoth) der Autoritäten. Kulturgeschichtlich und häufig auch genealogisch,sind die Approbationen von großer Wichtigkeit, nicht selten wichtiger als die Bücher selber. Mit staunenswertem Fleiß hat Dr. Wachstein seine umfassende und gründliche Gelehrsamkeit und Belesenheit in den Dienst dieser minutiösen Untersuchungen gestellt und so kn der Form eines Bücherverzeichnisses eine Reihe von Mono- Orthodoxie, die Orgel aus der Synagoge zu entfernen, nicht erreicht wird, sie werden dafür eintreten, daß wir nicht durch unverständiges Festhalten an Aeberlebtem freiwillig ins Ghetto zurückkehren. Sie werden nicht dulden, daß die Anhänger des liberalen Judentums, wie dies so oft in der konservativen und zionistischen Presse geschieht, als minderwertig hingestellt werden. Niemand will, wie es der konservative Wahlausschuß der Synagogengemeinde Breslau uns Liberalen unterschiebt, „vorübergehende Zeitströmungen entscheidenden Einfluß auf unseren heiligen Glauben gewinnen lassen." Aber wir wollen nicht den Erfordernissen der Zeit, wie die Konservativen — man denke nur an die Einführung der deutschen Predigt im jüdischen Gottesdienst, gegen die man vor hundert Jahren die Staatsgewalt zu Hilfe rief — um ein Jahrhundert nachhinken. Die Ziele des liberalen Wahlprogramms werden vertreten von der Liste der jüdischen Persönlichkeiten, die wir in der nächsten Nummer veröffentlichen werden. Ihr die Stimme z u geben, ist am 1. Februar 1925 P f i i ch 1 eines jeden, der die jüdische Religion seinen Kindern erhalten will. Bruno W o y d a. Rabbiner Dr. Leopold Treitel und seine Lebensarbeit. Zu seinem 80. Geburtslage (3.1. 25). Wie wir schon in einer früheren Nunnner berichteten, feiert am 3. Januar d. I. Herr Rabb. Dr. Treitel in Laupheim seinen 80.Geburtstag. Es verlohnt sich schon aus zwei Gründen dieses Gelehrten und würdigen Vertreters des deutschen Rabbinerstandes zu gedenken, da er ein Sohn der Stadt Breslau ist und durch seine wissenschaftlichen Arbeiten gerade dem „liberalen" Judentum wertvolles Material gebracht hat. Als Sohn eines Rabbiners widmete er sich auch dem Rabbinerberufe und ist ein Hörer des Rabbiner-Seminars Breslau geworden in einer Zeit, als dorten noch das Dreigestirn Graeh, Frankel und Rosin leuchtete. Mil inniger Verehrung, ja mit Ehrfurcht nimmt der Jubilar heute noch die Namen seiner Lehrer in den Mund und nennt sich mit Stolz Schüler eines Zacharias Frankel. Auch durch verwandtschaftliche Bande war er stets mit dem Breslauer Seminar verbunden, da er ln der Schwester eines Markus Brann sel. eine treue und geistesverwandte Gattin gefunden, die den Geist des ehemaligen Rabbinerhauses in Schönlank in ihr eigenes Heim verpflanzte und so das Heim zu einem würdigen Rabbinergelehrtenhaus zu gestalten wußte. And wer heute noch das Glück hat, in jenes kleine Siudierzimmerchen im Laupheimer Rabbinerhause einen Blick tun Zu dürfen, der fühlt sich in jene alten Tage versetzt, wo unsere Vorfahren nichts anderes kannten als zu „lernen", wo nur die Well des Wisfeiis und der Wissenschaft ihre Welt gewesen. Nicht viel sind der Bücher, die da her umliegen, aber alle tragen die Spuren jahrelanger Benutzung, eifrigen Duccharbeitens und emsiger Hingabe, nicht multa, sondern mullum. Was Dr. Treitel bearbeitete . . Treitel war tief und gründlich) seine Slndien find nicht das Nachbeten alter Ä(eistt>r, sondern gründliches Quellenstudium. And es ist wahrlich eine Gnade Gottes zu sehen, wie dieser Mann, klein an Körper und groß an Geist, Septuugnrtastudien treibt, Terle oer- . gleicht und untersucht und sich freut, von seinen Fun-! den anderen geben zu dürfen, an seiner Arbeit andere teilnehmen lassen zu können. Es ist chm eine Lebensj Notwendigkeit, dem Geiste stets neue Kenntnisse zuzuführen und den Tag, an dem er nicht arbeiten konnte, hält er für verloren. Cs ist ja nicht im Sinne des i Greifes, wenn aus dem „Kämmerchen^ geplaudert wird, W»»»»«M»»«W>MNW»WWW»WWjWMWWWWWWWWWMWWML»»»!M> graphien geliefert, die nicht nur dem gelehrten Fachmann ein« Fülle interessanter and merkwürdiger Einzelheiten in geschmackvoller, häufig sogar amüsanter Form bieten. Die der Bibliothek der Dynastie von Sadagüra entstammenden Bücher beanspruchen, außer dem sachlichen auch noch ein, man möchte sagen: persönliches" Interesse, nämlich im Hinblick auf die Persönlichkeit des Sammlers und die Entstehung der Sammlung. Diese Sammlung ist nämlich Ausland egekomm-en nicht wie die Halberstammsche auf dem Wege mühsc-'iger Erwerbung jedes einzelnen Buches durch einen begüterten Gelehrten zu dem prosaischen Zweck, es Äs Werkzeug seiner Forschungen zu benützen, es mit heißem Bemühen zur nachtschlafenden Stunde beim Lichte der Steinöllampe zu studieren, Auszüge davon zu machen und es mit Rundgiosiel'. zu versehen. Es ist sehr zweifelhaft, ob der Besitzer jemals eins seiner Bücher aufgeschlagen hat, um dessen Inhalt kennen zu lernen, geschweige denn sich darin zu vertiefen, lieber das Titelblatt hinaus hat er nie nötig gehabt zu kommen; eine Musterung des Titelblattes genügte nämlich vollkommen, um die Gattung des Buches, Namen des Verfassers, Druckort und Druckjahr zur Kenntnis zu nehmen, es zu numerieren und es dem kalligraphisch sorgfältig, aber ohne die geringsten wissenschaftlichen Skrupel geführten Katalog einzureihen. Dann erfreute sich der Sammler seines Besitzes. Damit war der letzte Zweck des Buches erreicht. Benutzt wurden diese Bücher niemals, solange sie im Besitze des eigentümlichen Sammlers waren. Der Sammler war nämlich der Enkel der berühmten Begründer der Zaddikim-Dynastie von Sadagüra, Rabbi Israel, der unter dem Namen ,cher Rishiner" in der chassidischen Welt berühmt war und viele Zehntausendc von gläubigen Anhängern zählte. Anfangs der vierziger oahre des vorigen Jahrhunderts muhte nämlich Rabbi Israel aus dem Städtchen R u s h a n y in Wolhynien, wo er es zu großem Ruhm und noö) größerem Reichtum gebracht hatte, flüchten, und siedelte sich auf österreichischem Gebiete an. lieber die Gründe dieser Flucht waren verschiedene Erzählungen im Ilmlaufe. Die Chassidim versicherten, Satan habe den Generalgouverneur von Kiew aufgestacheit, Rabbi Israel zu verfolgen unter den: Vorwände, daß dieser durch seine täglich vollbrachten Wunder die Juden aus ganz Rußland um sich zu sammeln beabsichtioe, un: sie sämtlich nach dem Heiligen Lande hinauszuführen und dort ein jüdisches Reich zu bearünden. Die Gegner der Chassidim, die Rabbi Israel und seines-

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