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Jüdisch-liberale Zeitung · 1924-12-27 · 46 (27.12.1924) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
4 (1924)
Issue
46 (27.12.1924)
Date
1924-12-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
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fi1*,®1*. '^er£ war fast 28 Jahre iit gleicher Eigenschafl im benachbarten Giljerberg tätig u.rd ist infolge der Abbaubestimmungen in den Ruhestand versetzt worden. Die Versuche, die hiesige Stelle, welche nach Pensionierung des Lehrers Oppenheim in eine Religionslehrerstelle umgewandelt wurde, wieder in eine öffentliche zu verwandeln, sind gescheitert. Das Vorhandensein der höheren Schule hat vielleicht nicht zuletzt dazu beigetragen, daß die etwa 40 Familien zählende Gemeinde, welche in den 90 er Jahren noch eine der bestbesuchtesten jüdischen Volksschulen der Provinz besaß, vor den eigentlichen Abbaubestrebungen aus eigener Initiative diese Schule eingehen ließ. Andere Gemeinden nehmen glücklicherweise einen entgegengesetzten Standpunkt ein. So hat die Gemeinde Langenselbold bei Hanau, deren Stelle, wie in diesen Blättern schon berichtet wurde, kürzlich aufgelöst ist. Schritte beim Minister unternommen. daß die seit einem Jahrhundert bestehende Schule trotz der geringen Schülerzahl weiter erhalten bleibe, was übrigens auch den Gemeinden Tann. Mansbach u. a. bewilligt wurde. Mit der Bereitwilligkeit zum Auflösen hätte man eS hier auch weniger eilig zu haben brauchen. Witten Ruhr. Hier starb am 16. Dezember, seinem 69. Geburtstage, der Seniorchef der Firma G-ebr. Alsberg. Herr Sally Eichengrün. ein Mann von außergewöhnlicher kaufmännischer Begabung, eisernem Fleiße nnd peinlichster Gewissenhaftigkeit. Fünfundzwanzig Jahre gehörte der Verstorbene der Snnagogengemeinde. mehr als 20 Jahre deren Vorstand als Mitglied an und war für ihre gedeihliche Entwicklung allzeit eifrig bemüht. Tein Leichenbegängnis gestaltete sich zu einer imposanten Trauerkundgebung. Riesengroß war das aus allen Kreisen der Bürgerschaft und auswärtigen Geschäftsfreunden fick zusammensetzende Trauergefolge, so daß der nicht eben kleine Friedhof es nicht zu fassen vermochte. Am Grabe entwarf der Prediger der Tnnagogengemeinde. Herr Lehrer Mauer, ein ergreifendes Lebens- und Charakterbild des vortrefflichen Mannes, dessen Heimgang nicht nur für seine tiefgebeugte Familie, sondern auch für weitere Kreise und leider auch für unser Judentum einen schweren Verlust bedeutet. Aus der Bewegung. Gelsenkirche». Nach einem mit außerordentlichem Beifall aufgenommenen Vortrag des Herrn Generalsekretär Dickmann-Berlin über das Thema: „Wahlen zum Landesverband südischer Gemeinden" wurde noch an demselben Abend unter Leitung Lesse ben die Ortsgruppe Gelse nkirch:n der Vereinigung für Las liberale Judentum gegründet. Dieser Ortsgruppe traten sogleich ca. 60 neue Mitglieder bei. In den Vorstand wurden gewählt: Herr Hauptlehrer Katz. Herr Kaufmann H. Baruch. Herr Kaufmann Paul Wolf, Herr Kaufmann Kronheim und Fräulein Pauline Katz. Lüueu Westfalen. Am 15. Dezember 1924 fand hier eine Versammlung statt, in der der Generalsekretär Dickmann- Berlin über die Ausgaben des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden und über unsere Stellungnahme zu'den Wahlen Bericht erstattete. Darüber hinaus befaßt sich der Redner damit, die Grundgedanken unserer Bewegung darzulegen und derenr Ziele zu kennzeichnen. Die gutbesüchte Versammlung, in der auch der freien Diskussion ein weiter Spielraum zugewielen war. brachte einen vollen Erfolg, der sich in zahlreichen Beitrittserklärungen sowie besonders in der Gründung einer Ortsgruppe Lünen unserer Bereinigung kundtat. Die Geschäfte dieser Ortsgruppe werden von einem Ausschuß geführt, dom die Herren Lehrer Meyer. Selbmann. Or. med. Rosenberg und Walter Meyer, sowie Frau Levy angehören. Im Nahmen der Ortsgruppe ist ein Zusammenschluß der Jugend zu einer Arbeitsgruppe vorgesehen. bücherschau Dr. Robert Drill: Aus der Philosophenecke. Kritische Glossen zu den geistigen Strömungen unserer Zeit. Frankfurter Sozielätsdruckerei G. m. b. H., Abteilung Buchverlag. Frankfurt a. M,, 1923. Die überlegene und doch warme beteiligte Ruhe eines Mannes, der seinen sicheren Standpunkt im Wirbel der Zeit gefunden, spricht aus allen Aufsätzen dieses unscheinbaren' keineswegs großartigen, hinreißenden aber sehr tiefen, sehr nachdenklichen und wertvollen Büchleins, Sie gibt ihm das Recht zu dem beschaulichen und scheinbar so unzeitgemäßen Titel1. Denn wer vermöchte heute von dem Standpunkt eines Außerhalb von dem Zeitgeschehen, das unlösbar verworren erscheint, Stellung nehmen! Dr. Drill kann und darf es. Der bekannte Mitredakteur der Frankfurter Zeitung, der weiten Kreisen aus seinem Blatte bekannt ist, erscheint im .Spiegel, bild seiner gesammelten Aufsätze als markante und geschlossene Persönlichkeit, welche neben ihrer Geistesschärfe und Stilbegabung vor allem eine Sicherheit und Ueberzeugungskraft auszeichnet, wie sie eben nur ein gläubiger Mensch, der den absoluten Punkt weiß, auf dem sein Leben ruht, besitzen kann. Dieser Punkt ist der kantische Kritizismus das Wissen um die Unverrückbarkeit, die Apriorität des Denkgesetzes, die in unserer Zeit wieder Ernst Marcus zur Grundlage seiner Philosophie-gemacht hat. Von diesem Standpunkt aus, läßt Drill die bunte Folge moderner geistiger Irrungen un-d Wirrungen an uns vorüberziehen; Antroposophie, Expressionismus. Spengler, Erziehungsproblem, Haeckel, Judenfrage, Frauenemanzipation, Pazifismus. Sozialismus und das Bild seiner Träger Das sind nur ein paar Schlaglichter auf den reichen Inhalt. Nichts ist vollendet, aber alles anregend zum Selbstdenken, das meiste überzeugend und unserer unbedingten Zustimmung gewiß. Ist doch alles getragen von dem Wissen um die wahren, die seelischen und religiösen Werte, ist doch jeder Aufsatz frei von Vorurteilen, nichts selbstverständlich und gedankenlos hingenommen. außer dem einen wesentlichen, der gedankenentrückten ewigen Grundlage. Und damit muß Drill fast in allem zu den gleichen Resultaten, Ausblicken, Wünschen, Forderungen kommen, wie unser durchaus geistesverwandtes liberales Judentum. Um ein Beispiel, das uns besonders naheliegt herauszugreifen und zur Lektüre des Buches anzueifern, will ich den Gedankengang seiner Betrachtung der Judenfrage kurz erwähnen: Zwei Vorwürfe macht der vom Krieg als eine seiner schlimmen Folgen genährte Antisemitismus, soweit er ernst zu nehmen ist, dem Juden. Zunächst Schachergeist. Die Statistik beweist demgegenüber, daß im Kriege der schlimmste Schacher vom christlichen Junkertum, das den preußischen Großgrundbesitz inne bat, mit Verweigerung der Getreideablieferung getrieben wurde. Und sodann, die geistige Zersetzung. Historische Prüfung beweist, daß Träger der Zersetzung der von deutschchristüchen Professoren gelehrte Materialismus war, die Lehre eines Büchner, Vogt, Haeckel, Moleschott, Ostwald- Nietzsche, David, Friedrich Strauß. Endlich die Rassenfrage! Nur der Geist kann die Rasse bestimmen und über Wert und Unwert entscheiden. Träger der besten deutsch-geistigen Tradition waren Juden. Keiner hat Kant so tief verstanden und weiter getragen wie der Jude. . . . Gewiss sind auch hinter manche Gedanken Fragezeichen zu setzen, so insbesondere bei den Ausführungen ira Aufsatz „Katholizismus und Nationalismus," wo manche sehr bestreitbaren Ausführungen über die jüdische Gesetzesreligion als Verleugnerin der prophetisch-messianischcn Idee gemacht sind. Doch mindert das den Wert des großen Ganzen nicht und ich kann meinen Ausführungen nur immer wieder das eine hinzufügen: Lest, das Buch, insbesondere ihr Jungen, Suchenden, denkt es nach und wohl Euch, wenn Ihr seine Höhe erreicht. Dr. Erwin S c 1 i g m a n n - Frankfurt a. M. physik (Materialismus), Militarismus. Sozialismus. Auch die Juden haben ihre Gefühle; sie bekommen sogar in „Gemüt" direkt Nr, 1; und die Arier werden als „viel verstandeswilliger, verstainidesherrischer, verstandesgewaltiger" hingestellt. Aber die Abstraktheit soll eine andere Art haben. Und wenn sich der Verfasser gar nicht mehr zu helfen weiß, so nennt er die Kompliziertheit im jüdischen Wesen eine Reife-Erscheinung, ein Wort, hinter dem Spenglers „Fellachen-Religion" deutlich genug durchschimmert. Vor politischem Antisemitismus hütet sich aas Buch wohlweislich. Nur in dem Artikel über Wien, das seine Heimat zu sein scheint, streckt der Wolf die Pfote aus diem Schafspelz und warnt vor der Ueberschwemmung mit jüdischen geistigen Talenten, die die Poren des sozialen Organismus verstopfen müsse: slawische Arbeiter seien dort notwendiger! Aber wer tiefer fühlt, merkt auch im Lob dien verbissenen Neid („Die Entwicklung der arischen-jüdischen Polarität läuft dem jüdischen Wesen in die Arme“) und den heimlichen Hetzer (Das Judentum ist — rassisch — ein pathologischer Fall, denn das Geistige hat das Physische verkümmern lassen. Allerdings; heute gehört im deutschen Sport nahezu die Hälfte aller großen persönlichen Leistungen Juden an. Trotzdem: die Revolution kann als Nervenkrise dies Judentums durchschaut werden. Der jüdische Witz heißt bei Gelegenheit negroid, der j irdische Kaufmann unproduktiv, der jüdische Staatsmann bloßer Agitator usw.). — Zum Teufel mit solchem Risches-Arsenal; Die Gebärde der ästhetisierenden Objektivität ist gefährlicher aLs offen« T endenzmacbe, — objektiv gefährlicher! Aber sie erweckt auch Verdacht, ob nicht die innerliche Einstellung des Autors ebenfalls ju-denfeindlich ist. Seit Chamberlain kennen wir die angeblichen zwei Rassen im Judentum. M. nennt die niedere Sorte die Nachkommen des Abhubs aus den Großstädten des Altertums; von ihrer dekadenten, impotenten und perversen Feinheit sollen wir uns befreien. Solcher unbeweisbaren Verallgemeinerungen ist das Buch voll. Es ist die allgemeine antisemitische Verallgemeinerungssucht, nur etwas verfeinert, vergeistigt (verjudet?). An dem Gedanken, daß historische, wirtschaftliche, geographische Besonderheiten die Juden ändern, gleitet M. aalglatt vorüber. Vor dem religiösen System und der nationalen Politik des Judentums macht er eine höfliche Verbeugung, — uan allein von dem „lebenden, modernen Volkstyp, dem Bewohner unserer Großstädte" zu sprechen, — der dann immer als .der Jude" erscheint, — als gäbe es keine produktiven Stände bei uns, Aerzte, Techniker, Chemiker, Bauern, Handwerker, Arbeiter. Ich glaube, es ist nicht überempfindlich, wenn ich in solthen Bemerkungen richtige Judenfeindschaft wittere! — Aber auch die Hauptthese, von der „lasterhaften Abstraktheit“ des Juden, ist doch aebr fraglich: Die Bibel stellt uns Gott zuerst nicht als Logos, sondern, als den Schöpfer, den Wirkenden, vor. Der Messianismus verherrlicht die immanente Menschheitsentwicklung. Das vieltausendjährige Martyrium bedeutet das allerkonkreteste Stirb und Werde; und der Monotheismus ist wahrhaftig im Judentum keine Abstraktion, sondern das lebendige Gefühl von dem Wesen, das in aller unwesenhaften Materie pocht! Die Vergeistigung aber, die das Judentum predigt und .der Jude" durchführt, ist keine Alterserscheinung, sondern stammt aus mo«ais«h-propbeti.sc',->r Zeit, und ist nichts absonderlich jüdisches, sondern die Forderung aller, auch der griechischen oder chinesischen, moralischen Kultur. Vollends die Erziehung durch das Religionsgesetz ist ganz gewiß nicht so abstrakt, wie die christliche durch Glaubenssymbohun und Idealbeiepiet: man stelle doch die zwei Sätze gegenüber: „Nur der Glaube macht selig" und „Nicht die Deutung ist die Hauptsache, sondern diie Tat," oder man vergleiche die Werke der christlichen Theologen mit denen der Rabbinen aller Zeiten und urteile dann, wo die Abstraktheit vorherrscht! Alles in allem: Lesenswert, aber in tausend Halbwahrheiten widerlegenswerl! Rabbiner Dr. Fuchs- Chemnitz. Notisias dos Judeos de Cochim, Am 9. Elul 5447 (19. Sept. 1687) war in Amsterdam bei Ury Levy unter obigem Titel ein in portugiesischer Sprache geschriebenes Werkchen von 15 Folioseiten im Druck erschienen, welches Mose Pereyra de Paiva zum Autor hatte. In einem kurzen Vorwort wies ein Zeitgenosse, t'zr bekannte Amsterdamer Chakam Isak Aboab auf den merkwürdigen und beachtenswerten Inhalt der Schrift hin und bestätigte dessen Zuverlässigkeit. Eine spanische Uebersetzung des Werkes unter dem Titel „Relacion de las Noticias de los Judios de Cochim" ist ira Manuskript bekannt geworden; aber das kleine und doch bedeutungsvolle Buch war selten. Die fast zweieinhalb Jahrhunderte alte Monographie über die Juden in Cochim enthält sehr werlvoles Material über die Geschichte und das Leben der Juden im fernen Osten Asiens. Die namentliche Liste der Ansiedler (Rol des Bahale batim) ist nicht nur beachtenswert für die jüdische Familiengeschichte, sondern ist uns auch ein Beweis dafür, wie damals Juden der verschiedensten Herkunftsorte unerschrocken in die- Ferne zogen, um Unterkunft und Lebensunterhalt zu gewinnen. Die Beschreibung gebräuchlicher Riten und Ceremonien, die Aufzählung vorhandener Bücher geben uns ein Bild vom religiösen und geistigen Leben dieser jüdischen Ostasienfahrer des siebzehnten Jahrhunderts. Nun hat es die Druckerei Louis Lamm, Berlin, unternommen., einen wob’^e’uii^encn anactas:schcn Neudruck dieses un Urdruck seltenen Werkchens im Steindruckverfahren herauszugehen.*) Die genannte Druckerei hat sich durch diese auch der Sprachwissenschaft dienliche Tat ein großes Verdienst erworben. S. L e v i - Mainz. Das Buch Scheret Jehuda von R. Salomo aben Verga. Heraus* gegeben von Dr. M. Wiener. Teil I und II. Neudruck 1924. Hannover. Orientbuchhandlung, Heinz Laiaire. Der im Jahre 1880 in Hannover verstorbene Oberlehrer Dr. M. Wiener hat den hebräischen Text der im 16. Jahrhundert verfaßten und in früheren Zeiten vielgelesenen Chronik Schevet Jehuda (Zuchtrute Judas) 1855 von neuem ediert; 1856 folgte die deutsche Uebersetzung mit zahlreichen Anmerkungen, mit Register und Zusätzen. Das Buch behandelt die Leidensgeschichte der Juden, ein Martyrelegium von Anfang bis zu Ende. Wiener bemerkt über dieses Werk an einer anderen Stelle (Emek habaeba. Leipzig 1858, Vorwort p XII): „In dem Schmerze, den der Autor empfindet, wenn er von den unzähligen Blutopfern spricht, welche Vorurteil und Tücke unter lügnerischen und absurden Beschuldigungen von seinen Glaubensgenossen gefordert, bricht allerdings sein Unmut zuweilen aus und er macht sich in Verwünschungen gegen die blut- und ge’ddiirsligen Henker Luft, unter deren Martern so viele Unschuldige ihr Leben ausgehaucht haben." Es ist ein dankenswertes und verdienstliches Unternehmen der Orient-Buchhandlung, einem Neudruck der Ausgabe des Schevet Jehuda 1855 und 1856 veranstaltet zu haben. Möge das Werk in der neuen Gestalt einen genügenden Absatz finden, damit der Verlag zu weiteren Veröffentlicl&ingen ermuntert wird. Wir möchten noch auf folgendes hinweisen. Der zweite Band der Veröffentlichungen der Akademie für die Wissenschaft des Judentums betitelt sich: ..Untersuchungen über Quellen und Komoosition der Schebet Jehuda" von Fritz Baer (Berlin 1923). Wer sich mit diesem Werke eingehend beschäftigen will, muß zu unserem oben besprochenen Buche seine Zuflucht nehmen — sonst bleiben die Ausführungen von Baer, auf die wir hier nicht eingehen können, unverständlich. Zum Schluß sei erwähnt, daß der Historiker Dr. M. Wiener Groß-Glogau entstammt, der altehrwürdigen Gemeinde, die uns u, a. Michael Sachs und Sal. Munk beschert hat. Dr. M. Spanier - Magdeburg *) Notisias dos Judeos de Cochim, Mandadas por Mosseh Pereyra de Paiva, Acuya Custa sc imprimiraö. Em Amsterdam, Estampado em caza de Ury Levy um 9 de IIul 5447. En la Estampa de Louis Lamm en Berlin 5684 (1924). Geschäftliche Mitteilungen. Im Rahmen eines großen NiugkampsturnierS, das ,;ur Zeit unter dem Protektorat des bekannten Bildhauers Prof. (5auer, im Berliner Thalia-Theater statt findet, tritt auch der Wiener Meisterringer Wildmann, ein Jude, auf. Seine hervorragenden sportlichen Leistungen zeigen ivieder einmal, wie töricht das Gerede von der körperlichen Minderwertigkcit der Juden ist. Unterstützt Eure Organkation! Sendet die Anträge und Spenden! Postscheckkonto der Bereinigung für das liberale Judentum E. B.» Berlin NW. 7. Nr. 137 969. Rodert Müller: Rassen, Städte. Physiognomien. Kulturhistorische Aspekte. (Berlin, Erich Reiß-Verlag, 1923.) 168 S. Eine nicht ganz einheitliche Sammlung von neun. Essays: Der Deutsche, der Orientale, der Amerikaner, Wien, Manhattan usw. Fast in jedem wird das Problem „Jude" gestreift. Ein Aufsatz von 16 Seiten „Der Jude" behandelt es gesondert. Der gedrängte Stil fesselt bis zur letzten Seite durch die Fülle der geistvollen Apercus. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen. daß in den großen Ge danken gangen die Theorien des geistigen Antisemitismus, der Sombart, Blüher, Spengler usw. neu aufgelegt sind: Judentum ist Glaube an das Wort, an das Abstrakte; der Jude erfaßt die Dinge durch das Mittel des Verstandes nicht unmittelbar in der Seele. Daher ist er Großstadtmensch, schon das Ghetto war — geistig — Miniatur- Großstadt. Daher ist er Journalist, Mathematiker, Schachspieler, Zwischenhändler — gerecht, human, sprechcrisch. Daher verjuden alle geistigen Dinge, alle feineren Intellekte heute so schnell, sogar der Stil großer deutscher Schriftsteller. Selbstverständlich ist das kein Vorwurf, auch die Deutschen haben ihre Sonderbarkeiten; ihre Abstraktheit ist ebenso stark wie die der Juden, aber andersartig; sic äußert sich in Meta- Gelsfiow am Werderscljen JTlarkt eröffnet ._

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