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Jüdisch-liberale Zeitung · 1924-12-19 · 45 (19.12.1924) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
4 (1924)
Issue
45 (19.12.1924)
Date
1924-12-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
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IAURIN Feinste '*} CocosnussbuHer 'H_■ tvawr H Die erste ltü2 . 3$ W Mandelmilch' 'K| Pflanze nbuher- Marga rine. Pfund 90 Pfg. Aus der bisherigen Praxis habe sich ergeben, daß die dauernde Wiederholung derselben deutschen Gesänge, insbesondere wenn sie eine triviale Melodie haben, vom Publikum nicht ertragen werden. Dies beziehe sich besonders auf die deutsche Keduscho und die choralartigen Predigtlieber. In der Praxis habe sich auch herausgestellt. daß viele Besucher des allwöchentlichen Sabbat- und besonders des Werktagsgottesdienstes. das Bedürfnis haben, das stille Schinone Esre hebräisch zu sagen. Dem müsse gerade vom alen Standpunkt aus Rechnung getragen werden. Zünschenswert fei. um mit einem kleinen Punkte zu nnen, datz dem Empfinden vieler darin entsprochen werde, datz das Schema wörtlicher übersetzt werde. Wünschenswert seien auch andere Aenderungen, in den deutschen Uebertragungen, insbesondere bei der llebertragung der Psalmen, die in der neuen Auflage wohl in gebundener Sprache, aber nicht in Reim und deutschem Rhythmus übersetzt werden sollen. Selbstverständlich müßten auch einige Wendungen in den deutschen übersetzten und Ortginalgebeten da, wo der Geschmack eine Aenderung fordert, revidiert werden. Einzelne Gebete mühten zur Kürzung des Gottesdienstes, wie dies bereits in der Praxis geschehen sei, auf die verschiedenen Sabbate des Monats bzw. ruf die verschiedenen Festtage verteilt werden. Eine Prinzipienfrage sei, ob eine doppelte Tefillo ssogenannte Schemone Esre) nicht gänzlich wegfallen solle; entweder in der Weise, datz. außer an Roschhaschono und Jomkippur das ganze Mussaph wegfällt und nach der Predigt sofort das Kaddisch und Schlutzgebet folgt <ähnlich,wie an den Freitagabenden und Festtagabettden). Oder in der Mrise, datz die jetzige kurze Paraphrase der Tefillo wegbleibt. Jedenfalls ist ernstlich zu erwägen, wie der Gottesdienst, entsprechend den Wünschen der Antragsteller und auch der jetzigen Besucher auf die Dauer von einer Stunde am Morgen verkürzt werden kann. Unter allen Umständen ist die Zahl der zur Thora aufgerufenen auf drei bis fünf, in besonderen Fällen auf sieben zu beschränken: und de« Kantoren ist aufzugeben, nicht zu lange Abschnitte vorzulesen. Hier mutz von den Rabbinern gemeinsam eine Tabelle der vorzulesenden Schriftabschnitte aufgestellt und vielleicht auch (nach Art des Union Prayer Book) tm neuen Gebetbuch abgedrnckt werden. Auch die Möglichkeit musikalischer Streichungen und Kürzungen ist in ernste Erwägung zu ziehen. So scheinen die Wiederholungen beim Ausheben der Thora unnötig. Grundsätzlich sollten in der neuen Liturgie deutsche Gebete laut nur von den Rabbinern gesagt werden, nicht von den Vorbetern. Entweder ist für das von den Vorbetern bisher gesagte deutsche Gebet das hebräische Gebet einzusetzen oder stille Andacht. Damit das Gebetbuch besonders für die Bedürfnisse des weiblichen Geschlechts und für die Kinder genügt, ist beabsichtigt. häusliche Gebete für besondere Gelegenheiten nsw. als Anhang hinzuzufügen, um das Gebetbuch noch nielir als bisher zu einem Hausbuch für Me Mitglieder zu machen. An das Referat schloß sich eine angeregte, lebhafte Erörterung, in welcher vereinzelt der Wunsch nach „mehr Hebräisch" zum Ausdruck kam. Nachdrücklich wandte sich gegen solche Tendenzen insbesondere Rechtsanwalt Dr. Rudolf Geiger, der in eindringlicher Rede die Beibehaltung und möglichst geringe Aenderung des bewährten Gebetbuchs forderte. Herr Ballin rügte die Einführung des TropS bei den Thoravr gen und die allmählich sich einführende pol, uifche -zw. nprdbeutfche verderbte Aussprache des Hebräischeu. Die Anssprache ergab aber ebenso wie innerhalb der liberalen Kulturkommission die Uebereinstimmung der überwiegenden Mehrheit mtt den Ausführungen des Referenten. Eine dritte Sitzung am 8. Dezember d. I.. veranstaltet und Ausschuß des Freisinnigen Vereins für jüdisches Gemerndeleben, der Frankfurter Ortsgruppe der Vereinigung für das liberale Judentum, sprach noch einmütiger und energischer als die vorangehende Versammlung ihre Meinung dahin aus, an dem Charakter und der Struktur des Gebetbuchs nicht nur grundsätzlich, sondern in der bisherigen Bearbeitung festzuhalten bis auf die paar nebensächlichen Aenderungen. die nach der Meinung des Autors selbst eine Aenderung bedürften. Es wurde beschlossen, eine dahingehende Eingabe dem Borstande der Gemeinde einzureichen. Laudsberg (Warthe). Seit einigen Jahren sind die Wohltätigkeitsanstalten der hiesigen jüdischen Gemeinde in einer Zentrale zusammengesaßt. und zwar derart, datz die einzelnen Vereine, die zum Teil weit über 100 Jahre bestehen, ihre Namen weiter behalten haben. Eine am 23. v. M. einberufene Versammlung der Vorstandsmitglieder der Gemeinde und der Vorsitzenden der der Zentrale angeschloffenen Vereine hat das Weiterbestehen der Zentrale beschlossen, die sich als sehr segensreich er wiesen hat. Nur der jüdische Frauenverein soll wieder für sich unter seinem Namen, allerdings gemeinsam mit der Zentrale, arbeiten. Am 7. d. M. hielt nun der jüdische Frauenverein in den Räumen der Toleranz-Loge seine Generalversammlung ab, in der die bisherige Vorsitzende des Vereins, Frau Laura Stargardt. die sich um den Verein sehr verdient gemacht hat, den Jahresbericht erstattete und diesen mit der Aufforderung schloß, daß die Frauen sich wehr an der Chewra beteiligen sollten. Bei der stattgefundenen Wahl wurde der alte Vorstand wiedergewählt und zum Vorsitzenden Frau Laura Stargardt, zum stellvertr. Vorsitzenden Frau Rabbiner Dr. Elsaß, als Schriftführerin Frau Springer, als Kassiererin Fran Adler und als Beisitzerinnen Frau Rechelmann, Frau Weil und Frau Reichmann. Der Ehrenvorsitzende Herr Rabbiner Dr. Elsaß hielt hierauf einen Vortrag über die Bedeutung der am 1. Februar stattfindenden Wahlen zum Berbandstag der preußischen Synogogengemeinde für die Frauen. Auf Anregung von Fräulein Rose Groddeck erhielt 8 2 folgende Fassung: „Der Zweck des Vereins ist, auf allen Gebieten sozialer weiblicher Fürsorge sowie auch auf religiösem und kulturellem Gebiet mitzuwirken." Der Ehrenvorsitzende schloß die sehr angeregt verlaufene Versammlung mit dem Wunsche» datz der Verein wie bisher auch fernerhin segensreich wirken möge Lanpheim. Am 3. Januar vollendet der hiesige emeritierte Rabbiner Dr. Leopold Treitel sein 80. Lebensjahr. Treitel hat sich als Philoforscher einen bleibenden Ehrennamen erworben. Bereits seine Doktorarbeit war dem großen Alexandriner gewidmet, und im vorigen Jahre vollendete der unermüdliche Verfasser sein abschließendes Werk ,Die gesamte Theologie und Philosophie Philos von Alexandria". Stuttgart. Für die Stelle eines akademisch gebildeten Religionslehrers in Stuttgart hat das Borsteheramt den Herrn Rabbiner Dr. Julius Cohn in Karlsruhe einstimmig in Vorschlag gebracht. Der Israelitische Oberrat hat die Stelle eines Religionslehrers in Stuttgart dem Neligionslehrer Adelsheimer in Ludwigsburg, und die Stelle eines Religionslehrers in Tübingen dem Hauptlehrer Wochenmark in Crailsheim übertragen. , ■ Wiesbaden. Vom 28. bis 31. Dezember findet hier der 20. Delegiertentaa der Zionistischen Bereinigung für Deutschland' im Kurhaus statt. Auf der Tagesordnung stehen neben den technischen Angelegenheiten und einer Ansprache des Präsidenten Dp. Weizmann Referate von Dr. Nahnm Goldmann über „Notwendige Reformen der zionistischen Weltorganisation" und von Kurt Blumenseld über „Voraussetzungen und Erfordernisse der zionistischen Arbeit in Deutschland. Würzburg. Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden hat der Lehrerbildungsanstalt und der Präparandeuschule in Würzbura für das laufende Jahr einen Betrag von 3000 Mark bewilligt. Aus der Bewegung. Berlin. (Jüdisch-liberaler Jugenöverein E. B.) Am 11. d. M. sprach Herr Lehrer Falkenberg über „Formen". Ebenso wie die Idee sei die Form ein Problem der Religion. Die „Form" sei das Mittel, die abstrakte Idee konkret darzustellen und das Gefühl zu verkörpern. Immer hätten Gefühl und Idee einerseits und die Form andererseits um das Vorrecht gestritten. So erkläre sich das Auftreten der Propheten, die zum ersten Male darauf hingewiesen hätten, daß nicht die Form, sondern die Idee das Wesentliche an der Religion sei. Da einerseits nun niemals zwei Menschen ganz genau dieselbe Idee haben, andererseits die Religion selbst in steter Entwicklung begriffen ist. sind auch die Formen Veränderungen unterworfen. Es sei daher nicht angängig, die Form etwa als Sakrament hinzustellen, wie dievon anderer Seite augeschieht. Auch in Kreisen neige man leider sehr dazu, gewisse Fordert sakramentieren, die dabek Gefahc laufen, schließlich inhaltslos zu werden. Andererseits sei die absolute Ablehnung der Formen auch sehr gefährlich, da die Idee allein sich sehr leicht verflüchtige, wenn sie nicht objektiviert werde. Tie Fv^m sei der Ausdnuk unseres seelischen Lebens, woraus sich die Symbolik mancher Formen erkläre. Andererseits sei die Form etf Erziehungsmittel zur Gemeinschaft und znm Zusammenhali. Bei alledem dürfe die Form nie als ..Form" aukgefa^t weo-en» vielmehr bedürfe sie stets der Weihe der Idee, ohne Habet jedoch etwa wieder satrarnentiert zu werden. In der afc* schließenden Diskussion wurde besonders der Gegensatz zwischen der subjektiven Weihe der Idee, die die Förch bedarf, und ihrer Eigenschaft als Erziehungsmittel zum Gemeinschaftsgefühl erörtert. ■. » BreSlan. (Jüdisch-liberaler Jugendverein ,/Abraham Geiger") Am 9. Dezember sprach bei uns der Mitbegründer unseres Jli, unser lange Jahre hindurch tätiges Borsd-ndKmitglieb, Herr Rabbiner Dr. Nellhaus aus Hirschberg, über „Ueberlieferung und Entwicklung". Mit Worten herzlichster Begrüßung an den treuen, stets hilfsbereiten Förderer unserer Arbeit eröffnete Herr Dr. Korn den Abend. Der Herr Vortragende behandelte in erschöpfenden AusfiLdrungen Idee und Wert der schriftlichen und mündliche« Ueberlieferung. insbesondere für uns liberale Juden. Jüdische Religion ist für uns ein Produkt der Selbsterziehung, Sache des Lehrens und Lernens; jeder Jude ist Lehrer und Schüler. Die Thora ist vom Volksgeist.se« schaffen; Religion ist bildende Kraft des Juden. Die münd« liche Ueberliefenrng ist ein Kommentar der schriftlicherr Lehre. Das Christentum kennt keine mündliche lieber» liefernng. Volkssrömmigkeit und Schriftgelcl)rtentum sinch dort Gegensätze. Man vergleiche den Auszug aus Aegypten und das Abendmahl. Für das Judentum gibt es eine geschichtliche Ueberlieferung nnd eine schriftliche Fixierung. Der Talmud ist ein Prinzip. Der Talmud wendet sich nichts nur an den Verstand, sondern auch an das Herz und an da- Gemüt. Thora und Talmud, schriftliche und mündliche Ueberlieferung, sind die Grundlagen des Judentums. Starker Beifall dankte dem Herrn Redner, dessen Ausführungen in der Aussprache Herr Gemeinderabbiner Dri. Vogelstein unterstrich. Herr Dr. Vogelstein betonte insbesondere die lebendige Kraft der Offenbarung, die schwer zu erklären, aber doch nicht ablcugbar ist. In Kunst und Wissenschaft steht man oft vor ähnlichen Dingen. In seinem Schlußwort stellte Herr Dr. Nellhaus seine Uobereinstimmung mit den ergänzenden Ausführungen fest. Nach' einer Reihe geschäftlicher Mitteilungen schloß unser Vorsitzender den recht gut besuchten Vortragsabend. Zu einer gemeinsamen Freitagabend-Feier vereinigte sich eine stattliche Anzahl unserer Mitglieder am 12. Dezember in der Wohnung unseres Mitgliedes Franz Hannach, dem wir auch an dieser Stelle für seine treffliche Gastfreundschaft herzlichsten Dank sagen. Beim trauten Schein der Sabbatkerzen nahm Herr Oücrkantor Borin den Kiddusch vor nnd unser Mitglied, Herr Kantor Fink, führte uns ei« scharf umrissenes Bild des Propheten Obadja vor Augen, verbunden mit Ausblicken aus Leben und Wirken in diesen Zeiten. Zu rasch vergingen die Stunden der Weihe, für deren Gelingen Illfred Berger allen Mitwirkendett in herzlicher Art dankte. Dresden. Wie eine FanfacL hatte der hier kürzlich veröffentlichte Artikel über Zustände im Dresdner Gemeindeleben in allen davon betrosscnen Kreisen gewirkt. Der letzte entscheidende Anstoß zur (schon' länge beabsichtigten) ©Äit.” düng einer Ortsgruppe war damit gegeben und in GsgtzM wart von etwa 00 eingeladerreu Damen und Herren, welche, sogleich Mitglieder wurden, hat sich das Ereignis 11. S. M. vollzogen. In den vorläufigen Vorstand wurden gewählt die Herren Apt. Dc. Elb. Feuerstein, Rast, R.-T§ Salinger, Schapira, Dr. Wolf nnd Frau Elsa Hirsche!. Nach Begrüßung der Anwesenden durch Dr. Elb. welcher die Leitung der Versammlung R.A. Salinger übertrug» sprach über die Aufgaben des jüdischenLibe« ralismns unser Syndikus Dr. Mayer; sein Bortras fand großen Beifall und nach spontanen Aeußernngen aus der Mitte der Versammlung begeisterte Zustimmung. Bemerkenswert ist die Teilnahme der beiden Herren Rabbiner an unseren Bestrebungen. Ter eine bekannte sich als.glühender Anhänger eines wohlverstandenen jüdi'chen Liberalismus' von Jugend auf: der andere bedauerte, aus Neirtralitätsgründen zwar unserer Vereinigung nicht beitreten zu können, gab jedoch seiner vollen Sympathie für unsere Sache Ausdruck und zugleich seiner Freude, hier einem positiv-religiösen Programm von indisch-liberaler Seite geaenübcrznstehen. Das lasse er sich gefallen, während er früher bei allem sich liberal Gebärdenden, was gleichbedeutend mit einem „Nichts-Halten" gewesen sei. gesagt habe: „Es ist. um orthodox zu werden!" (Starke Heiterkeit). Für die Dresdner 6) e m e i n d e w a h le n nächsten Monat ist es zwar zu einem für die liberale Sache nicht ungünstigen Kompromiß, dem fast überall üblichen, gekounnen. Wir können aber unsere Dresdner Freunde auch an dieser Stelle nur ermahnen, in ihrer begonnenen Tätigkeit nach den Wahlen erst reckst nicht zu erlahmen. Für einen guten Redner zu ihrer ersten ordentlichen Mitglieder, und Werbeversammlnng wird ebenso gesorgt werden wie für jede andere Unterstützung, deren unsere von den beste« Wünschen begleitete neue Ortsgruppe Dresden bedarf! vle mSme IM Der elegante Herr \ kleiden sich bei JUMlev <& ’falomem Berlin W, Kurfürstsndamm 185, Ecke Wielandstraße Mitglieder der Vereinigung erhallen 10 °!„ Rabatt) Hermann Lettner Spez. Stempel urd Sdiiider Berlin SW 68 Oranienstraße 115 Femspr : Dönhoif 5607. F&disciies KMr-Erbölimgslieini Wolfratshansen bol München« am Fuße der Alpen. Das parne Jahr geOfbict. Unter Sratl. AuHidht. Unterricht für Schüler aller Schulen durch staatL geprüfte Lehrkräfte. Gans hesondets geeignet ftlr Kinder, die eine mehrmonafliche Kur bcnCdnen Vorzügliche Heilerfolge, besonders in den Herbst- und Wintermonaten. Prospekte aut Wunsch kostenlos llerrei»- D<Bmen< Httle in größter Auswahl! Hut-Rosenthal Blücherplalz 5. Heirat ersehnt Gro&kaufmann. 22 Jahre. Bildofferten unter M. 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