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Jüdisch-liberale Zeitung · 1924-12-05 · 43 (5.12.1924) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
4 (1924)
Issue
43 (5.12.1924)
Date
1924-12-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
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präjudiz:eren. Eine lebhafte Diskussion entspann sich über vlL/lvrage, wie üie Einkünfte des Gemeindebundes. dessen Stiftungen unter der Inflation schwer gelitten haben, wieder so zu gestalten seien, dasi er seinen Ausgaben, vor allem denen sozialer Natur, wieder genügen könne. Jnsvesondrre wurden über die Ausgestaltung der ^FrieSrich-Wilhelm-Biktoriastiftung bedeutsame Beschlüsse Waßt. In diesem Zusammenhänge wurde auch hervorgellobcn, daß die Anstalten des T. I. G. B.: die Fürsorge-Erziehungsanstalt für Knaben m Nepzin, die mit einem üleinkinderheim nerbundene Fürsorge-Erziehungsanstalt für Mädchen irr Eöpenick und die Erziehungsanstalt für schwachsinnige Kinder in Beelitz gut belegt sind und das; das im vorigen Jahre im Gebäude der ehemaligen jüdischen Arbciterlolonie in Meißensee eröffnete Dauerheim für erwachsene Schwachsinnige beiderlei Geschlechts sich bereits starken Zuspruchs erfreut. Schließlich erfolgte eine Zuwahl neuer Mitglieder in den Ausschuß, deren Namen nach erfolgter Annahme der Wahl bekanntgegeben werden wird. Berlin. Am 30. November tagte die Nepräsentantenversammlung, in der vor allem die furchtbare Zunahme der Mischehen besprochen wurde. Fm Jahre lö?l kamen jn Groß- Berlin ans 1591 jüdische Ehen 733 Mischehen, im Jahre 1922 auf 1422 sogar 781, und zwar heirateten 1921 insgesamt 463 christliche Männer jüdische Mädchen und 275 jüdische Männer christliche Mädchen. Achnlich wie in Groß-Berlin liegen die Verhältnisse in ganz Preußen. Im Jahre 1021 kamen hier ans 4049 indische Ehen 1389 Mischehen, 1922 auf 3507 sogar 1522. Dr. Silüergleit bezifferte die Zahl der Mischehen von 1968 'bis 13 auf 7700, vor: 1914—21 auf 10 809. sAnm. d. Red. Wir behalten uns vor. auf die anschließende Diskussion und das .Problem der Mischehen noch znrückzukommen.) Born Borstand wurde die Bildung einer gemischten Deputation zugofagt, auch wurde eine Kommission zur Besprechung der mit, der AnstritLsbewcgnng zusammenhängenden Fragen gebildet. Bon der liberalen Fraktion war die Einführung ibes FrauemvahlrechtS gefordert worden, was nur durch eine Statutenänderung möglich ist. Die Konservativen erhoben von formellen und religiösen Gesichtspunkten aus gegen die Vorlage Einweudnngcu. Ter Antrag kam jedoch mit einigen Amendements zur Annahme. Berlin. Am 27. November kämpfte der jüdische Borklub Maccabi im Polalkamps der Klasse B gegen die Mannschaft der AEG. Bon den sechs Kümpfen konnte der Maeeacöi fünf für sich gewinnen, so daß er mit 10 :2 Punkten Sieger blieb. Die Sieger waren: Im Fliegengewicht Friedläuder, im Bantamgewicht Wandt, im Federgewicht Zwiebel, im Weltergewicht. es war der beste Kampf des Abends, Weiskind, im Mittelgewicht Pvaiß. Nur im Leichtgewicht siezte Schmidt- A. E. G. über Teschner. Im Eiuladnngskampf. Papieree'nicht, siegte Nvschkes gegen Lenz-A. E. G., im Leichtgewicht siegte Schulz-LP E. G. gegen Oschitz,ri-Maccabi. Am Sonntag, den 11. Januar, veranstaltet der jüdische Boxklub „Maccabi" E. B. im Marmorsaal des Zoo sein 2^ Stiftungsfest. Karten sind an der Abendkasse und auf dem T ra i u i n g s ü o d c n e r h ä l t l i ch. Breslau. Das Grab Ferdinand Lassalles, das sich ans dem hiesigen ,Friedhof, in der Lohestraße befindet, bedarf einer Renovation. Es ist beschlossen worden, daß die Sunagozen- Gcmeinde das Grab anläßlich der hundertsten Wiederkehr von Lassalles Geburtstag am 11. April nächsten Jahres auf eigene Kosten instandsetzen läßt. Cassel. Ter geistigen Stärkung auf religiösem Gebiet dürfte un lausenden Winter den Mitgliedern hiesiger Gemeinde reichliche ö'ohrilng geboten werden. An jüöischwissenschaitlichen Borträgen sind vorläufig noch vorgesehen: im Dezember die Referate Dr. Altartin Bulcrs über „Mcssra- ^Lmus und persönliches Erleben" und Dr. Bitters „Beer jMjitWHtt — Jakobs Traum". Im Januar werden spreche»: Dr.' Hallo über „Tie neuesten, Ausgrabungen am Sinai" und Raöbin-'r Dr. L. Baeck-Berbin. Daneben veranstalten die Ortsgrupcn der liberalen und anderer Bereinigungen Vortragsabende allgemein belehrenden Charakters, die auch dem anders Orientierten mancherlei Anregung bieten. Elberfeld. Nach Redaktionsfchlutz erfahren wir, daß bei Len am 1. Dezember stattgehabten Wahlen zur Repräseutantenversammlnng bei 50 prozentiger Wahlbeteiligung die liberale Liste 250 Stimmen, die Liste der jüdisch-demokratischen Bereinigung, die Liberale, Orthodoxe und Zionisten umfaßte, 286 Stimmen Erhalten hat. Dieses Wahlergebnis stellt ein erfreuliches Zeichen für den Fortschritt der liberalen Sache in der Elberfelher Gemeinde dar und läßt unS für das Ergebnis zu den Wahlen für den Landesverband jüdischer Gemeinden Preußens Gutes erhoffen. Tenn die liberale Fraktion geht aus dem Wahlkampf in Elberfeld mit einem neuen Mandat gegenüber der bisherigen Zusammensetzung der Repräsentantenversammlung hervor. Dies bedeutet um so mehr, als eS die Zionisten in Elberfeld verstanden haben, zahlreiche Liberale sür die sogenannte demokratische Einheitsliste zu gewinnen. Berücksichtigt man nun. daß durch diese Liste noch weitere Liberale in die Gcmcinedvertretuna kommen, so ist die Mehrheit der religiös-liberalen Richtung in der neuen Repräsentanz gesichert. Es zeigt sich aber wieder einmal, daß wir Liberalen es nicht nötig haben, zweifelhafte Wahlbündnisse mit den Zionisten oder Orthodoxen einzngehen, und daß dadurch nur der klare Ausdruck der Stimmung unter unseren Glaubensgenossen verhindert wird. Erfurt. Vom 18. bis 20. November fand hier die 9. Delegierten-Versammlung des jüdischen Frauenbundes E. V. statt. Am Mittwoch, den 19. November, begann die eigentliche Arbeit mit dem Geschäfts- und Finanzbericht und den Berichten der einzelnen Kommissionen. Frau Landau-Lübeck berichtete über die Arbeiten der Tuberkulose-Kommission und die Vorarbeiten, die Zur Errichtung der dringend notwendigen Heilstätte für jüdische Tuberkulosekranke in die Wege geleitet wurden. Jn allen Orten Deutschlands werden Geldmittel gesammelt, und es ist Ehrenpflicht eines jeden Juden, sich hier nach seinen Kräften zu beteiligen. Es folgten dann die Berichte der einzelnen Vereine über die Art ihrer Arbeit auf allen Gebieten: soziale Fürsorge, .Erholungsfürsorge. Krankcnhilfe, Mittelstandshilse, Erziehnngsfragen, Berufswahl und die Arbeiten für die Gleichberechtigung der jüdischen Frau in der Gemeinde. Alle Frauen leisten neben der jüdischen auch interkonfessionelle Arbeit und beteiligen sich eifrig an den Wohlfahrtsaufgaben ihrer Heimatsorte. Bei der Neuwahl der ersten Vorsitzenden des jüdischen Frauenbundes wurde Frau Bettina Brenner-Leipzig einstimmig gewählt. Fräulein Sidonie Werner-Hamburg hielt einen Bortras über „Die jüdische Frau in Amerika". Frau Paula Nassauer- Frankfurt a. M. referierte über „Welche Ideen, Gedanken und Weltanschauungen sind die treibenden Kräfte im jüdischen Frauenbund?" Frau Henriette May-Berlin über den Welt-Kongreß gegen Unsittlichkeit in Graz. Fräulein KaminSki berichtete dann noch über das Gemeind ewahlrecht. Im Frühjahr dieses Jahres hat der Jüdische Frauenbund in fast allen größeren Gemeinden Proyagandavorträge gehalten. Jn vielen Gemeinden haben die Frauen bereits Sitz und Stimme im- Borstand, so Z.B. tu München, wo drei Frauen eifrigst Mitarbeiten. Jn anderen Gemeinden wurden die Frauen einstweilen nur m die Rom- Missionen gewählt. Fulda. Nach 22jähriger Tätigkeit im Gchuldienste hat sich Lehrer Strauß im nahen Burghaun von feiner Gemeinde verabschiedet, nachdem ihm vorher durch den zuständigen Provinzialrabbiner aus Fulda Dank und Anerkennung für sein segensreiches Wirken ausgesprochen war. Kirchhaiu. Im nahen Schweinsberg konnte die indische Gemeinde das 50jährige Jubiläum ihrer Synagoge seitlich begehen. Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden bekundeten durch ihre Teilnahme an der Feier ihre Sowpathie für die jüdischen Mitbürger, die vom Bürgermeister des Ortes unter nachdrücklichem Hinweis auf das harmonische Verhältnis zwischen den verschiedenen Bekenntnissen hervorgohvben wurde. Die Festpredigt hielt Lehrer Schaumberg aus Neukrrchen, der als Sohn des OrteS einen Rückblick aus die letzten 50 Jahre der Entwicklung des jüdische« Gemeindelebcns warf und seine Ansprache mit dem Gebet für Staat. Stadt und Gemeinde schloß. Laudsbcrg a. W. Der stellvertretende Vorsitzende Ser hiesigen Synagogengemeinde. Herr Fabrikbesitzer Georg Lervinson. ist zum Handelsgerichtsrat und Herr Bankier Julius Reichmann zum .Handelsrichter ernannt worden. Leipzig. Die Ausstelluna „ Das jü - tsche Buch " in der Leipziger Loge, auf deren Eröffnung bereits hingewiesen wurde, dürfte als Triumph ernster weiblicher Arbeit gelten. „Jüdischer Frauenbund" Ortsgruppe Leipzig und „Schwesternbund" der Leipziger Loge haben mit der Beranstaltung gezeigt, was sie zu leisten imstande sinh. I« rührigem Schaffen haben sie Werke zusawmengetragen, die für sich selbst sprachen. Religionsgeschichtliche. künstlerische alte Manuskripte. Heine-Ausgaben, zionistische Werke. Kuustansgalben. Belletristik, Jugend-Literatur, all dieses konnte Herz und Auge erfreuen. Die feierliche Eröffnung am 28. November in den Räume:: der Loge vor geladenem Publikum war ü-eraus stimmungsvoll. Die Vorsitzende des Frauenbunideö. Frau Rabbiner Cohn begrüßte in warmen Worten Vertreter Ser Gemeinden und Gäste und dankte alle denen, öle sich um di« Ausstellung verdienstlich gemacht haben. Mr folgte die Vorsitzende des Schwesternbundes Frau Dr. Neuhäus, hi« ln klugen Worten auf die Bedeutung Ser Ausstellung hinwtes. Nunmehr nahm der Präsiden! Ser Loge Herr Dr. Spitz zu einer launiger: Ansprache das Wort. Dann setzte Ler einführende Vortrag Ser Frau Anna Neumann ein. Frau Nenman kann stets mit „schweren: Geschütz" porfaHrey und es rvird Sen Referierenden nicht leicht, aus der Fülle betz Gebotenen. Sie Tiefe ihrer Gedanken wiederzugeben. Gehcimrat Prof. Kittel vpn her Leipziger Universität hat einmal von Frau Neumann gesagt, es sei ihre Gelehrsamkeit auf alttestamentarischen: Gebiete für eine Frau erstaunlich. Reichlich spendete sie von ihrem Wissen in schlichter, bescheidener Art. So begann sie: Nach der Putzsucht der Jüdinnen, deren Aufwand au Toiletten. Schmuck. Spezereien. Kosmetik usw. fabelhaft war. wie alte Schriften berichten. fand ein Wandel statt, als die Frau ihre» Stolz darein setzte. Sie Sorge um das tägliche Brot auf sich zu nahmen um ihren Männern das Studium Ser heiligen Schrift ru ermöglichen. Auf diese Weife wurde das jüdische Volk: Düs Volk des Buches. Die Rednerin ging des Weiteren zur jüdischen Wissenschaft über, gibt ein Bild Ser Entwicklung des jüdischen Buches, spricht über Thora. Mtfchna. Gemora. wies auf iüöische Handschriften, Sammlungen der Badleiana in Oxford, auf das asiatische Museum zu Petersburg hin« sowie aus Bibliotheken in Paris, München. Perlin usw. In Europa, so hören wir. hat Spanien unid Italien dep Vorzug die ersten Talmudschulen gegründet zu hohen. MlehrsaW» reit warb den JuSen „das tägliche Brot." Unttr dtzn drei Mttzmes der jüdischen Frauen, war eine der grämen, WM Manne das Studium der jüdischen Wiffenschast zu licheu. Sie waren Prinzen, wenn sie sich der GkkehrsqiMeit Hingaben. — Aus dem weiter Gebotenen sei npch ei» heiterer Rächmittag, der am Schluß der Ausstellung stattfano. hervor^ gehoben. Hanna Ka-minsko. Berlin, erzählte einer Schar Kinder schlicht und anmutig „jüdische Märchen". Sie war so intakt mit ihnen, daß ein ganz kleines Madelchen sich auf ihren Schoß setzte. Das gab ein liebliches Bild und war mehr als ein Bravo aus vielen Köhlen. Magdeburg. Am Sonntag, den 28. November, nachmittags T-4 Uhr. hatte Rabbiner Dr. Wilde zwecks Gründung eines Provinzialverbandes für jüdische WohlfaHrtspflege der Provinz Sachsen-Anhalt im Sitzungszimmer des Gemeindehauses eine Versammlung einberüsen. Anwesend waren Delegierte der Städte Magdeburg, Halle, Erfurt, Halberstadt, Wolfenbüttel. Ascherslelen. Gardelegen. Cöthen. Dessau« Bleicherode und Schönebeck. . lieber Notwendigkeit, Ausgaben und Ziele der mdpchen Wohlfahrtspflege sprach Dr. Segall-Berlin in einem längeren Referat und gab seiner Ueterzeugung Ausdruck, daß die Errichtung einer Zentralstelle innerhalb der Promnz Sachsen durchaus erforderlich sei. Stach einer lebhaften Aussprache, an Ser sich die emzelnen Delegierten beteiligten, wurde di« Gründung des Provrnzialvevbandes mit dem Sitze Magdeburg beschlossen. Zum Vorsitzenden wurde Dr. Wilde gewählt. zum Schriftführer Max Seller-Magdeburg. Ein engerer Ausschuß Herren und Dame» Magdeburgs und ein erweiterter Ausschuß aus- Delegierten der einzelnen Stabte wirb die Geschäfte des Verbandes leiten. . MiA . Der Vorsitzende der Gemeinde Magdeburg. Samtätsrat Dr. Frankenstein, sprach zum Schluß den Erschienenen den Dank aus. mit der Hoffnung, daß die Reugründüng zum segenbrtngenden Zusammenarbeiten der Gemeinde» dienen möge. Hierauf schloß Dr. Wilhe üie eindrucksvolle Versammlung. t _ i#JP München. Die antisemittsche Intoleranz her Bay«r:sHen Bolkspartei kam in einem Antrag der Rtzthausfraktion dieser Partei zum Ausdruck, die forderte, daß im stäbttichen Hortdienst grundsätzlich nur Hortnerinnen der christlichen Konfessionen Anstellung finden. Die Stadtverwaltung beabsichtigte nämlich, eine Israelitin etatsmäßig anzustellen, die' bereits seit nahezu fünf Jahren im Hortbienst tätig ist, ihre Prüfung mit der ersten Note gemacht hat. gegen -iq nicht der geringste Tadel laut geworben ist und die pyu allen Eltern sehr gelobt wird. Die Wortführerin her Antragsteller hat als BerwaltungSrätin die Men sechs volle Monate in Händen gehabt, um auf diese HVesie die ßtatS-? mäßig« Anstelluna zu verhindern. Pon den demokratische» und sozialdemokratischen Redner» m»rde haß BerMunas? widrige der volksparteilichen Forderung festgestellt und auf die Gefahr hingewiesen. Satz die Bayerische Bolkspard-i nicht nur die Schulanstalten, sondern auch die Anstalten fa» Erwachsene. die Armenpflege dem Konfessionalismus aüsliefern wolle. Der Antrag der Bayerischen Bolkspartei wurde g«-gen die Stimmen der Antragsteller und des Vertreters der Deutschen Bolkspartei. her Lamrt seinen ,£»?!*, ralismus" bekundete, abgelehnt. Münche«. Die Tagunq des Verbandes Bayer. Israel. Gemeinden, welche der politischen Wähle» halber verschoben wurde, finbet nunmehr am 1. bis 8. Februar in Würz* bgrg statt. Lin lilerarisch-künstlerisches Museum. Bon Sanitätsrat Dr. Scherbe! in Lisia i. P. In der Plauderei vpn Prof, Dr. Eugen W.olbc „Allerlei Jü-bischeS aus meiner Autographiensammlung" in Nr. 82 der Jüdisch-liberalen Zeitung vom 19. September 1924 ttndat sich am Schlüsse di« treffend« Bemerkung, daß die Hanöschriften rmserex Glaubensbrüder — unmittelbar^ Zewgrttsi« ihrer PLrsorttichkeitep, Spiegelbrlder ihres Geistes r— eine magische Brüche darsteAe» zwischen dem pietätvollst: Betrscht-er und tm ferpW Mwals lener Zeit, da sie noch durch ibr persönliches Auftreten der Glaubensgemeinde ihrer Vater Mk« machte». u»£ daß Felix Salten das Richtige treffe, wen» ex -r» Eindruck einer Autographeusammlung mir den Worten kenn zeichnet: „Nicht zu leugnen, daß solche Lttttten her Kevxdneito» Stille inmiten dab allgemeiurrr LvmLtS ettvrch WvhltuwLes haben. DaS Leber: ist hier »ur bi» A-gls« »mb flüsterndes Echo s«U:er selöst. Man fühlt sich hier beschwichtigt und zu sanfter Nachdenklichkeit gtzsttmmt mi« in etttem Museum". Ich mScht« diese Worte auch auf eine Autographensayrmlung ämo-ynde». die tu ihrer Art wohl einzig in der Welt dnstsA. fHt kam in folgender Weise Mstande. Im Fahre 1909 erreichten die Bände der Reciam'scs>en Uuiversalbchliothek dje ZM V00Ü. -dem zu Ehren erschien ein Band po» „Ä idm ungSbl ätteru". gestiftet von MitarbeLtern, Gönnern und Freunden der Universalbibliochek ihrem Begründer Hans Hei»rich Reelam. Zu den Stiftern gehört«: auch He Mitarbeiter der im Berlage von Reelam in Leipzig erfcheiu-yrde» Zeitschriften („Universum" usw.j, darunter auch der Verfass« dieser Zeilen. Sämtliche Widmungen sind faksimiliert i» einem dicken Bande vereinigt, der in gläuzendor Ausstattung herausgegeben und einem jedeu Mister zuaeeignet wurde. Bo» dem Umfange und der Stattlichkett dieses Bandes kann man sich nach seinem Gewichte eine Vorstellung machen. Er wiegt nämlich annähernd 6 LÄogr amm. Aber nicht Minder gewichtig" und wertvoll sürd Sie Beiträge, nicht nur ihrem Inhalte nach, sondern auch als Autographen. Man fühlt sich bei ihrer Drrrchsicht tatsächlich'«io i» einem Museum, m dem die glänzendsten und berühmtesten Namen vertreten sind. Da finden wir Georg H, Herzog von Sachsen-Meiningen, Dr. Hermann. Fürst von Hakfeld, Herzog zu Trachenberg, Fürst Bülpw und andere bis zu den ersten Fürsten rm Reiche des Gojstes. ES ist merkwürdig und bezeichnend, wie viele Juden man unter letzteren antrisft. und von ihnen wollen wir etnige AuSsprüche hier wiedergcben, die es verdienen, der wettere» Oeffentlichkeit bekanntgegeben zu werden. So schxeÄt Max Bernstein in München: «^Ver die Geister beherrscht, ist Ser wahre Regent", während Oskar Blumenthal den wchigen Vierzeiler gespendet hat: „Das ist ein «Ädriges Gebrechen, Wenn Menschen wi« Sie Bücher sprechen. Doch reich und fruchtbar sind für Jeden, Die Kücher« öle wie Menschen reden". Fritz Engel hat gefunden, daß durch ein einziges Buch Menschenschicksale bestimmt. Charaktere und Talente entwickelt werden können,' aber eine Statistik darüber gibt es nicht. Rabbiner Prof. Dr. Mäzbaum zitiert den Spruch au- Dsniel 12. 8: „Die Aufklärung verbreiten, leuchten wie des Himmels Glanz, und die Bielen wohlgeta». wie die Sterne für und für", unh Sigmar Mehring verkündet am Schlüffe eines längeren Gedichtes: „Raum ist in der kl-einsten Hütte Stets für einen Reelam-Band". RudolfMyss« spricht einen Gedanken aus, der heut» zutage i» unsere« s»»iak°schwLre» Zeit «ehr als je am Platztz ist patz nichts den Arnnexe» mehr mit ferner Lage versöhne alS stsiß Gesthl. tzM Veffersestellten wenigstens an Wissen und i» der Erkenntnis des Schöneren ebenbürtig zu sein. Max RYrdau perlängt vpn einem wirklich guten literarische» Werke, -atz es in weitestem Sinne sittlich ist. daß es -est Leser Vesser, edler, geistig freier entläßt. lKönnte man nicht dasselbe von einer wirklich guten Predigt sagen?) Aber Hugo Salus fügt noch ein anderes hinzu. Er sagt: „Wenn Dichter ein neues Buch in die Welt schicken, st» wünschen sie ihm in zärtficher Fürsorge ein recht schönes Gesvanö. «her in ihren ruhig«» Stunden möchten sie nichts sehnlicher, als daß ihr Buch ganz wohlfeil wäre, so wphlfeik, daß jeder Lehver und leder Schüler es heimtragen könnte gltz feinen Besitz". -- «solche Freude kann nur der empfinden", schreisii Fa k y h Wassermann, „der rn seiner Jugend arm gewesen (wie ich selbst) und mit mühsam ersparten Groschen sich den Besitz von Dichterwerken erringen konnte." D«r durch sei» im Bexein mit Rabbiner Dr. Win, t e r heraüsgegebeneS Talmudwerk bekannte Prof. D r. August Wünsch« in Dresden setzt an die Spitze seiner Widmung den Spruch asts Jesaias 58. 8: . Holach rfonejchp zid Kecko kowand adannoi iaass’iecko und fügt hinzu: „Dar schöpfte Lohn ünern üdlichen redlichen Strehens ist das Bewußtsein-Üem Ganzen gedient zu haben." Stefan Zweig spendet den sinnigen Spruch: ,Mt nicht alles, was wir spenden. Mpn perlorev. schon verirrt. Wenn es nicht in lieben Händen Roch einmal geläutert wirb?" Und aus e'mem gleichen Gedanken heraus zitiert Her, mann Struck das Wqnnte Wort Lessings: „Wer wird nicht einen Klopstock loben? Doch wird ihn jeder lesen? Nein! Wir wollen weniger erhoben Und fleißiger gelesen sein" und fügt eine schöne Radierung leinen charakteristische» Männerkopfj bei. während Max Liebermann eine hübsche Zeichnung (Holzsammler) gespendet hat. Südischer Geist und jüdische Kunst sind ehrenvoll in dem e vertrqM, das für tan Graphologen und jeden, der sich mit dem Htudium von Handschriften befaßt, eine rvastÄr Fundgrube ist. Das Ganze aber ist sin einzigartiges Werk von hervorrqgendec Schönheit, ein Stern erster Größe, »je er s^ald wohl nicht wieder am literarischen Himmel erscheinen wirh. Vielleicht wenn die erste Wnriade der kleinen Reclamö erreicht sein Mrd? Hoffevtttch erleben wir es alle, und daß viele jüdische Dichter und Hchriftsteller darunter vertreten sein werben. ... yersammlungskalender. ... tÄüdischrliKexalLx JpsenSverein „Abraham fMfMhlle: MPqy 2‘ Höfchenstr. 61, Ift Preslan. l4j!ö^r"^creinszimme:T äeH* KönzerMuses. Garteüpatze. Eingqnq Portal J* pari, links. Dienstag, -en 6. DezemVer. akendS-S^ Uhr: Vortrag -e- 8«vrn Rabbiner Dr. NellhauS-Htrschverg: Ueberliefernng üch PnLwicksuvg. Gäste willkommen. Freitag. 12. Dezember, abends 8^ Uhr. oemeinsam« ^rit»ä-ALe»tz^eier bei Franz Hannach, Hohenzollern-

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