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Jüdisch-liberale Zeitung · 1924-12-05 · 43 (5.12.1924) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
4 (1924)
Issue
43 (5.12.1924)
Date
1924-12-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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4. Jahrgang Rümmer 43 IWchNerakZeibillg Beilage 5. Dezember 19L4 ■nmrnp—— U Me jüdische Gegenwart. *»! Das Judentum im Rheinland. Eine jüdische Abteil««« der Jubiläumsausstellung in Köln. AüL Anlatz der tausendjährigen Zugehörigkeit der Nheinla«de zum Deutschen Reiche veranstaltet die Stadt Köln im nächsten Jahre eine grotze Ausstellung, die die gesamte kulturelle Entwicklung des Rheingettetes luon Speyer bis Cleve) für die Zeit von 925 bis 1925 zur Darstellung bringen möchte. Alles, was aus dem Gebiete der Kunst, der Wissenschaft und der Wirtschaft an bedeutenden Werken rheinischen Schaffens erreichbar ist. soll in dieser zusammenfassen- Len Schau in den Kölner Ausstellungshallen vereinigt werden. Hierbei soll auch die Entwicklung des kirchlichen Lebens, insbesondere der kirchlichen Kunst, eine eingehende Würdigung erfahren. Unter anderem ist auch eine jüdische Abteilung vorgesehen, deren Leitung Herrn Gemeinderabbiner Dr. Kober-Köln und Fräulein Dr. Moses vom städtischen Kunstgewerbemuseum .Köln übertragen morden ist. Um die jüdische Abteilung zu verwirklichenbedarf es allseitiger Mitarbeit. Deshalb ergeht die Aufforderung, aus Privatbesitz wertvolle kultur- und kunsthtstorische Gegenstände zur Geschichte des rheinischen Judentums der Jahrtausendansitellung leihweise zur Verfügung zu stellen. Die Stadt Köln übernimmt selbstverständlich alle aus Versand und Versicherung der Ausstellungsgegenstände entstehenden Unkosten und bietei die Gewähr für vollständig sichere Unterbringung. Die jüdische Abteilung der Jahrtausendausstellung soll umfasien: I. Oeffentlich-rechtliche Stellung der Inden im Rhein- Laube 1. Kaiserliche, erzbischöfliche, städtische Urkunden. 2. Sonstige wichtige Urkunden in Original oder in Abbildung. 3. Modelle und Bilder von Judenvierteln. II. Die jüdischen Gemeinden des Rheinlandes. 1. Synagogen in Abbildungen oder Modellen. Thorah- Rollen, Thorah-Vorhänge. Schilder und sonstige Kultnsgeräte. . 2. Abbildungen von Friedhöfen und Grabsteinen. 3. Modelle und Photographien von Judenbädern. 4. Memor-Lücher. ^H.Jnneres Leben. ° 1. Kunstgewerbliche Gegenstände des Hauses wie Sabbatlampen. Sederschnfseln, Ehanukkaleuchter und ' , ' dergleichen.; 2. Hagadas. *■; 3. Megillot. 4. Abbildungen von mittelalterlichen Judentrachten. ' IV. Bilder. Briese und Autogramme aus der Geschichte ' berühmter Familien. . V; $S'id)t'w .Handschriften und Drucke. VI. Jegliches Bildermaterial, das sich auf das Judentum ‘ tot Rheinlande bezieht. fragen eines riaiperz Whlers. Man kann alle Wähler -in zwei grotze Klaffen einteilen Und hat damit zugleich die Psychologie der in der modernen Gemeinschaft Richtungbestimmenden gegeben. Die Wähler im eigentlichen Sinn und. das Stimmvieh bilden zusammen die Wählevschax. Zur ersten Gruppe gehören diejenigen, die an der Entwicklung der Gemeinschaft inneren Anteil nehmen, d-ie also einen politischen Willen haben. Da das Wesen der Wahl darin besteht, datz sie diesen Willen der Glieder-spiegelt, sind nur diese als „Wähler" zu bezeichnen. Di« änderen sind die Naiven, diejenigen, die das laisser aller auf ihr« Fahne geschrieben, die Bedeutung des Gcnofsenschaflswillens nicht erkannt haben und die sich dann wundern, wenn die von ihnen gewählten Repräsentanten der Gemeinschaft gar nicht so handeln, wie sie sich das nach der Richtung ihres eigenen Interesses gewünscht haben. Für die letzteren sind die Wahlaufrufe der Parteien bestimmt und geschrieben. Und sie sind um so gefährlicher, je allgemeiner und nichtssagender sie gehalten sind. Bon der Art ist der Wahlaufruf der „Jüdischen Volks- Partei" (lies: Zionisten) zum Landesverband jüdischer Gemeinden Preutzens. Darum erlaubte ich mir. noch vor dem Erscheinen des offiziellen Wahlprvgramms der jüdisch-liberalen Partei, einige ganz unmaßgebliche Bemerkungen zu dem zionistischen Aufruf in Nr. 40 dieser Zeitung zu veröffentlichen. Ich konnte nicht annehmen, unsere Nationalisten dadurch zu einer offenen Stellungnahme zu den jüdischen Kernproblemen zu veranlassen. Sollen sie Harakiri vollziehen? Sollen sie auf die Phrase verzichten, auf die der Naive fliegt? Wie gesagt, es war nicht anzunehmen. Und so peinlich es für den aufrichtigen Zionisten ist: die Partei mutz schweigen. ' Da geschah etwas Unerwartetes. Der neutrale Lehrer und neutrale Redakteur der neutralen Erziehungsbeilage des allerneutralsten Hamburger „Israelitischen Familieublattes" tritt in deren letzter Nummer der „Jüdischen Bolkspartei" paradierend zur Seite. Er ruft mich und will ein Tänzchen wagen... Es liegt im Wesen des gezeichneten naiven Wählers, datz er nicht fragt, ob seine Erwählte auch die Gewähr dafür bietet, die Versprechungen der Verlöbnis zeit im Hausstand zu erfüllen. Herr Steinhardt war ob der Fülle von Gemeinplätzen im zionistischen Wahlprogramm außer sich vor Freude. Er fragte nicht. Die Lust am Fragen kam ihm erst bei meinen kritischen Randbemerkungen. Er schüttet ein Füllhorn von Fragen über mich. Und da er höflich Antwort heischt, sott sie ihm werden. Wo und mann ich und meine Freunde für die Demokratisierung der jüdischen Körperschaften eingetreten sind? In welcher liberalen Gemeinde — mit Ausnahme der Berliner — den Lehrern aktives und passives Wahlrecht gewährt sei? Warum mit Ausnahme der Berliner? Weil in der Berliner Repräsentantenversammlung der liberalen Fraktion zwei jüdische Religionslehcer und ein jüdischer Gemeindebeamter angehören, den Fraktionen der Indischen Volkspartei und der Konservativen aber weder ein Gemeindebeamter noch ein Religionslehrer. Weil in dieser liberalen Gemeinde die Beamten der Gruppen II bis VI vom 1. Oktober d. I. ab auf Friedcnsgehalt gesetzt sind, um ihnen das Leben erträglich zu gestalten. Aber wie es hier ist, so ist es überall. Die liberalen Fraktionen waren stets beamtenfrcundlich. was nicht verwundern kann, weil in den Reihen des liberalen Judentums zahlreiche jüdische Lehrer und Beamten eine grvtze Rolle spielen. Wo ich und wo meine Freunde waren, als während der Inflationszeit die jüdischen Lehrer verhungerten? Wenn es des Aufhebens wert ist: ich jatz in der Redaktion der „Jüdisch-liberalen Zeitung". Und ich bin nur auf wenige Dinge meiner publizistischen Tätigkeit stolz, Bruno Wvyda gab mit mir eine 9ffrmmer heraus, die hieß: „Der Untergang des jüdischen Bcamtenstandes" und war ein Fanal. Wir hatten erkannt, datz die Frage der jüdischen Lehrer nur in der Gesamtheit des jüdischen Beamtenrcchts gelöst werden kann, was Herr Steinhardt scheinbar nicht begreift. Und nirgends wurde ergreifender der Existenzkampf der jüdischen Lehrer geschildert als im Aufsatz des Lehrers H. Stern. Wenn Herr Steinhardt, mit dessen tendenziösen Ausstreuungen uns zu beschäftigen wir leider in der Wahlzeit nicht umhin können, bezweifeln sollte, daß diese Rümmer unserer Zeitung für die jüdische Beamtenschaft segensreicher gewirkt hat als alle Wahlversprcchungen anderer Parteien, so können wir ihm dies durch zahlreiche Aeutzerungen aus den Kreisen seiner Kollegen beweisen. Und meine Freunde? Nun, Herr Steinhardt dürfte wissen, daß auch an ihnen die Inflation nicht spurlos vorübergegangen ist. Wir waren nur mit Hilfe ausländischer Freunde imstande, unsere Organisation zu erhalten, konnten schließlich unsere Zeitung überhaupt nicht mehr weiterführen. Dennoch haben unsere besser situierten Anhänger niemals versagt wenn es galt, jüdische Not zu lindern. Die Lehrer in den kleinen Gemeinden aber gingen trotzdem zugrunde. Noch gab es ja keinen Landesverband jüdischer Gemeinden Preutzens, berufen, einen Ausgleich der Lasten herbcizuführen. Waren diese kleinen Gemeinden aber liberal? Herr Steinhardt wird wohl nicht bestreiten wollen, datz sie größtenteils unter orthodoxer oder mittelparteilicher Herrschaft stehen. Gerade diese Kreise aber haben am wenigsten für ihre Geottindebeamten getan. Und noch heute, da eine Balancierung des Budgets möglich ist. nageu diese teilweise am Hungeriuchc. Herr Steinhardt frage nur einmal bei seinen Kollegen, z.B. von der orthodoxen Gemeinde „Ohel Jizchok". in Berlin nach! Zur gleichen Zeit aber, in der der jüdische Lehrerstand zusammcnschmvlz. in unseren Waisenhäusern die Säuglingsiväsche mangelte, sammelten dentche Zionisten im „Keren Hajessod" während eines Halden Jahres 17 0(19 englische Pfund und später noch weitere Zehntausend!:. All' ^iese für die Inflationszeit unbegreiflich, phantastisch hohen Summen schickten die zionistischen Freunde des Lehrers Steinhardt, in Geld und in Waren, nach Palästina. Mit ihnen hätte man unseren Lehrern Ministergehälter und lebenslängliche Anstellung und was nicht noch alles bewilligen können. Herr Steinhardt aber erzählt in einem neutralen Blatte seinen Kollegen, nicht die Zionisten, sondern die Liberalen trügen an ihrer trostlosen Lage die Schuld. Er rechnet offenbar mit gcdanken- und gedächtnisschwachen Lesern. Der jüdische Lehrerstand mit seiner alten Knltur wird seine „Frennde" durchschauen. Um aber auch das Negative zu berühren; Meine Frennde haben niemals für arme jüdische Beamte unter Preisgabe ihrer Namen gesammelt und so das Standesbemutztsein jüdischer Lehrer und Beamten untergraben. Meine Freunde haben auch niemals, wenn sie selbst gut situiert waren. Ansprüche auf Fonds zur Linderung der Not bedürftiger 2^ rufsgenossen erhoben. Und wie steht es um die Erziehung einer von iüdr,ch-em Geist durchdrungenen Jugend? Herr Steinhardt fragt's. Ich möge mir einmal von den Lehrern liberaler Gemeinden etwas von der Flucht vor dem Religionsunterricht erzählen lassen. Ich lasse mir überhaupt nichts erzählen, eberpowemg. wie sich unsere liberalen Freunde uud Wähler etwas erzählen lassen sollen. Ich fordere sie nur auf, mit mir zusammen selbst zu beobachten. Ä Wer oft Gelegenheit hatte, dies in orthodoxen Kreisen zu tun. wird wissen, datz auch hier das Interesse der Schüler am Religionsunterricht, dem Zuge der Zeit folgend, mehr als gering ist. Für die Bedeutung, die liberale Eltern dem Religionsunterricht beimeffen, zeugt es aber, datz gerade in unseren Kreisen sehr viel private Religionsstunden genommen werden. Auch sprach der in diesen Blättern veröffentlichte Ruf aus Nowawes stark für den Ernst, mit dem wir untere Jugend im jüdischen Geist erziehen wollen. Und woher kommen denn die vielen begeisterten liberalen. Juden? Und wenn es nicht so wäre? Wer anders trüge die Schuld daran, denn unsere jüdischen Lehrer? Dann verstehen sie cs eben nicht, ihre Stunden mit religiösem Gehalt zu erfüllen und sich so eine Jüngerschar heranzuziehen. Wer' dies versteht, der hat — ich will keine Namen nennen — die Jugend auf seiner Seite: aufrechte jüdische, mit Stolz auf ihre Religion erfüllte Jugend. Der Vorwurf des Lehrers Steinhardt fällt auf ihn zurück. Auf ihn und alle, die da lieben die Phrase im Wahlkampf, das alte, abgegriffene, dumme Schlagwort von der Lauheit jüdisch-liberaler Jugend, und die damit feind sind dem eigengeschöpften Wert der Persönlichkeit. Botho Laserstern. \§\ Aus den Gemeinden. \n\ i: r : : Berlin. In der Ausschutzsitzung des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes vom 19. November 1924 stand die Wahl eines geschäftsführenden Vorsitzenden an Stelle des verstorbenen Pros. Dr. Kalischer zur Verhandlung. Es wurde beschlossen, datz die Geschäfte des Bundes zunächst durch die leiden bisherigen stellvertretenden Vorsitzenden: Lcgationsrat Pros. D. Sobericheim und Justizrat Dr. Salomon. denen ein auswärtiges Mitglied anzugliedern sei. weitergeführt werden sollen. Man ging dabei von der Auffassung aus, daß der Gemeindebund bestimmt sei, ein Dachverband der durch Zusammenfassung der Landesverbände zu schaffenden Reichsorganisation zu werden und wollte nicht dieser künftigen Aufgabe durch Wahl einer bestimmten Persönlichkeit i ■AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAW j PüillBB Kosack d Co. t i Bergstraße 13 - V erkauf J ► Preisliste gratis! ► ÜTfTVVrTfVTVVVWVTTTTVTVVVVVVTa 1 tkm/twkkiiMe Hergestellt unter Aufsicht des Rabbinäts der Kaschruth-Kommission der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Spuunsfir Verbrauch bei größter Eclnigungskrait. Alfred blochert I J f DH STÜCK iT < BLWJfDT P4.K-11 | KUWC- T6AC.T OlMll! V1SHI6K DTR AUF 11 i sifHuwomntHAil ’ ALFRED BLOCHER1!' If.ltUW HO S5. 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