Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 4 (1924)
- Issue
- 42 (28.11.1924)
- Date
- 1924-11-28
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Sonderstellung des israelitischen Volkes anerkannt, ja auch Isaak, obgleich er nicht so hervortrat, dabet nicht vergessen worden! Und doch wie natürlich wäre eS gewesen, wenn Israel alle Grundlagen seines völkischen und kulturellen Daseins erst in Moses Zeit hätte eingesenkt sein lassen! Oder haben nicht andere Völker deS Altertums den ganzen Ausgang ihres Daseins auf je einen einzigen söge» Wannten Heros eponymoS zurückgefü'hrt und die mehrere« als B r ti d e r gedacht? Man erinnere sich doch an den Achaios, Ion usw. bei den Griechen, während Israel drei aufeinanderfolgende Stammväter vor Mose gekannt bat! Die Unterschei düng der vormosatschen Periode ist ein Kardinalpunkt -ei der Würdigung der Geschichtsbücher Israels, und wenn eS mir gelingt, dies endlich zur Anerkennung zu bringen, wird der biblischen Wahrheit ein großer Dienst geleistet sein. Weil nun aber die Geschichtsbücher Israels über besten älteste Zeit ans so lebendigem Sinn für die Pflege der Erinnerung geboren sind und soviel tatsächliche Spuren von Ueberetnstimmung mit der geschichtlichen Wirklichkeit aufrocisen. wie ich hier trotz aller Kürze darlegen konnte, so besteht auch kein Recht. daS Bild der Patriarchenreligion, das in diesen ältesten Geschichtsbüchern Israels überliefert ist, als ungeschichtlich zu bezeichnen und zu ignorieren. Trotzdem schwirrt über diese von der Geschichtsschreibung Israels bezeugte Religion der Erzväter durch viele Bücher unserer Gegenwart eine Anschauung, wie sie in folgenden Worten zum Ausdruck kommt: „Die Religion Abrahams ist in Wirklichkeit die Religion der Sagenerzähler, die sie Abraham zuschrcibcn." So steht es bei Gunkel, in seinem Kommentar zur Genesis. S. LXXIX. Ist das wahr? Wir protestieren dagegen schon ans Grund der öargelegten Beschaffenheit der Geschichtsbücher Israels über seine Anfänge, die von keinem Wellbansenianer so, wie es im Vorhergehenden geschehen, untersucht worden ist. Aber die wörtlich angeführte Behaltvtung Gnnkels gibt uns den — man kann sagen — erwünschten Anlaß, die Frage nach der geschichtlichen Wirklichkeit der von den Geschichtsschreibern Israels bezeugten Patrmrcheureligion noch von einer anderen Leite her ins Auge zu fciffett. Jetzt gilt es. die von den Geschichtsbüchern den Erzvätern zugeschriebene Religion mit den späteren Gestalterl der prophetischen Religion Israels zu vergleichen, lim dies aber tun zu können, müssen wir selbstverständlich erst das Bild von der Patriarcheilreligivn betrachten, das sich in den alten Geschichtsquelicn widerspiegelt, lind was sehen rvir da? In der c^oltrsporsteUnng der Patriarchen steht die Eigenschaft der Macht iin Vordergrund, denn der Hauptnc-.me Gottes ist in der Patriarchenzrit „El srbaddaj, der allmächtige Gott" U. Mas. 17,1 usw.) oder „der (Gegenstand der Scheu für Ii'aak" 131. 42. 53) oder bei Jakob auch „der Starke" und „der Allrnächtige" ( IM, 24 und 25). Ferner ist die Abwesenheit und anodrüclliche Verwerfung der G o t t e s b t l d e r (35,1—1) für die Gottesoerehrnng der Patriarchen charakteristisch. Sodann als Bundes fordern n gen treten nur folgende ans: Tie Verpflichtung zu religiös orientierter Sittlichkeit, wie eS rius ans der göttlichen Kundgebung „Ich bin der altmächcige Gott: Wandte vor mir und sei fromm!" (17,11 entgegentönt. Dazu gesellt sich noch die Forderung der Beschneidung der acht Tage alten Knaben zu ihrer Weihung als Bürger des besonderen Gottcsreiches (17, 10> und die Forderung, Kindcropser zu vermeiden (22,12». Weiterhin ans dem Gebiete der positiven Kultuseinrichtung welche Einfachheit! Denn als Kultus statte dient stets nur ein Altar «12,7 nsiv.I, und als gottesdienstliche Personen walteten die Hausväter. Wie also noch keine Priester, so sind auch keine Kultus z eiten erwähnt, und als gvltesdteristliche Handlungen begegnen nur Beten urro Darbringung von Brandopfern und Schlachtopscrn. sowie Trankvpfern. also nicht von Sneiseopfern usiv. Endlich a.s B u n d e s o e r h e i ß u n (r e n sind bloß diese berichtet: Die Zusicherung eines Landes als der irdischen Heimstätte des speziellen Gottesrciches (12.2 usw.), ferner Größe der Bvlközahl (ebenda» und die Stellung der wahren Abrahams- Uachkointtienicl>ast als der Vermittlerin der Segnung des ganzen als Einheit gedachten Menschengeschlechts 112,3b usw.». wozu auch der in 40,10 erhoffte Friede und das in V. 13 ersehnte Heil gehört. Welches etgenartige'Bild der zu Recht bestehenden Religion Israels reflektieren demnach die Quellen alS die Patriarchenreligion! Entspricht diesem Bilde eine spatere Gestalt der nngetadelten Religion Altisraels? Nein, durchaus nicht. Alle späteren Erscheinungsformen dieser Religion sind in bezug aus Gottesnaineu, Bundesforderungen. .Knltuseuirichtnngcn und Verheißungen verschieden ven der iu den ältesten Geschichtsbüchern bezeugten Religion der Erzväter. Deshalb ist jener Satz Gnnkels „Die Religion Abrahams ist in Wirklichkeit die Religion der Sagenerzäiiler, die sie Abraham zuschreiben" aus der Luft gegriffen. In jenem Satze zeigt sich nur an einem Beispiel die Erscheinung, daß viele neuere Bearbeiter der Geschichte Israels das. was in den Quellen steht, ignorieren und cmstatt dessen einen Neubau neben den Quellen konstruieren. Wie aber mag dieses jetzt häufige Verfahren veranlaßt werden sein? Diese Frage führt zum dritten Teile der Behandlung des Themas. in. D i e darwinistische Geschichtsauffassung der neueren Zeit als dritte Hauptgefahr für die Anerkennung der P a t r i a r ch e n r e l i g i o n. Die am Ende des zweiten Teils gestellte Frage kann ihre Hauplantwort nur in folgendem Satze finden: Der Kampf gegen die Anerkennung der in den Geschichtsbüchern berichteten Patriarchenreligion besitzt seinen HauptausgangSvunkt in der jetzt weit iH’rvre’tcteu materialistisch-darwinistischen Auffassung des Ganges der Menschheitsgeschichte. Nach dieser Grundanschauung vieler neueren Gcschichtsöarsteller soll auch in der Re>igivnSgeschirhte Israels kein Funke auS einer höheren Geistessphäre aufgeblitzt und keine Kraft vom Jenseits her gewaltet haben können. Nach dieser Grundansicht m n st vielmehr auch die prophetische Religion Israels von primitiven Anfängen aus sich empor entwickelt haben, wie dieS in den Eingangs zitierten Worten Wellhausens geradeheraus beliauptet worden ist. Unter dem Einfluß dieser Grundvoraussetzung ist es geschehen, baß von den meisten neueren Bearbeitern der ältesten Geschichte Israels an die Stelle des Bildes von der Patriarchenreligion, welches die Quellen widerspiegeln, ein anderes, und zwar primitives. Bild gesetzt wird. 1. Aber ist erstens sicher oder auch nur wahrscheinlich, daß die Patriarchen A h n e n k u l t u s getrieben haben? In seiner „Biblischen Theologie des Alten Testaments". Vd. I, § 51, spricht Stade von „den Ahnengräbern" Israels und behauptet: „Tie enge Beziehung von Ahnengrab und Knltstätte tritt uns entgegen zu Hebron tm Grabe der Sara, zu Sichem im Grabe Josephs, zu Kades Barnea im Grabe Mirjams." Aber er führt kein Wort des Beweises dafür an. daß an diesen Grabstätten von alten Israeliten ein Kultus getrieben worden wäre, und er hätte auch wirklich keinen Beweis dafür bcibringen können. Denn die Geschichisgneilen enthalten keine Spur davon, daß beim Erbbegräbnis zu Hebron Abraham oder Sara ein Kultus gewidmet worben wär-e, und ebensowenig ist davon ta bezug auf das Grab Josephs ober der Schwester MoseS die Rede. Darm erinnert Stade, um einen Beweis für den von ihm angenommenen AhnenkultuS der Erzväterzeit zu führen, an „die Eiche des WetnenS" über dem Grabe der Amme Debora (1. Mos. 88.8). Aber „Eiche des Weinens" ist nicht, wie Stade sagt, soviel wie „Eiche einer Kultstätte ober de- Opferns." Daraus ersieht man, wie unter dem Einfluß der entwicklungstheoretischen Voraussetzung, nach welcher die Erzväter auf einer niederen Reltgionsstufe gestanden haben müssen, di« Aussagen der Quellen umgedeutet werben. Außerdem wäre die auS Mesopotamien mitgebrachte Amme doch auch nicht natürlicherweise ein Gegenstand deS Kultus für Israeliten gewesen. Eine weitere Stütze für den AhnenkultuS AltisraelS finden die Wortführer der jetzt herrschenden Richtung der Darstellung der israelitischen Religionsgeschichte in 5. M-s. 26,14. Darnach mutzte der, welcher Erstlinge ablieferte, dem Priester erklären, datz er von den betreffenden Früchten nichts in bezug auf ober für einen Toten, wie der Text buchstäblich sagt, gegeben habe. Aber dabet braucht nur Verwendung eines Teils dieser Früchte „zur Speise für einen Toten" gemeint zu sein, wie auch z. B. Steuernagel in seinem Kommentar zu 5. Mos. 26,14 urteilt. Der Gebrauch aber, den Toten Speis« und Trank an das Grab hinzustellen, war im Altertum weit verbreitet und auch im alten Israel bekannt. Denn z. B. bei den alten Arabern wird der angeblich aus dem Gestirn der Verstorbenen entstandene Totenvogel alS manchmal durstig vorgestellt und schreit dann am Grabe: „Gebt mir zu trinken!", und bet den Hebräern finb „Speis«n, die an ein Grab gelegt sind", noch bet Jesus Sirach (30,18) erwähnt und können da selbstverständlich nicht alS Opfer für den Toten gemeint sein. Wie grundlos Totenkultus den Patriarchen neuerdings von manchen (Stade, Marti usw.) zugeschrteben wird, ergibt sich auch noch aus folgender Tatsache. Wenn das mosaische Gesetz den Kamnf gegen den Ahnenkultus aufzunehmen gehabt hätte, müßte man im .Zehngebot eine Frontstellung gegen diese Verehrung der Ahnen erwarten. Aber im mosaischen Grundgesetz (2. Mos. 20.2-17 oder 34,10—26) findet sich zwar ein Verbot der Verehrung jeglicher Bilder von dem. was droben im Himmel ist usw., jedoch von einem Verbot, das sich gegen Ahnenkultus richtete, findet sich da und in den fünf Büchern Moses überhaupt keine Spur. Im Gegenteil aber habe ich eine von den anderen übersehene Sour davon entdeckt, daß der Heroenkultns, und das wäre doch die Nächstliegende Art von Ahnenkult gewesen, im alten Israel vermieden wurde. Diese Spur liegt in der Erzählung, daß Moses' Grab verborgen wurde (5. Mos. 34.6). Man sollte nicht etwa zum Grabe Moses wandern und ihm Verehrung weihen. 2. Aber in dem Suchen nach einer primitiven Rcligionsstufe der Patriarchen sind die meisten Neueren noch weiter gegangen. Sie haben den Erzvätern auch Fetischd t e n st. Verehrung von heiligen Steinen, Quellen oder Bäumen, in denen Dämonen wohnen sollten, zugeschrieben. Dies lesen wir bei Stade a. a. O., 81b, bei Gunkel im Kommentar zur Genesis, S. 319, und bei vielen anderen Wellhausenianeru. Aber ist es denn auch nur irgendwie begründet, daß die Patriarchen auf der Stufe deS Fe lisch - ötenstes gestanden haben? Die Bejahung dieser Frage will man auf die Erzählung über Jakobs Erlebnis auf seiner Wanderung nach Mesopotamien (1. Mos. 28,11 ff.) gründen. Darüber wird uns ja bekanntlich berichtet, daß Jakob in seiner Anspruchslosigkeit beim ersten Nachtlager einen Stein sozusagen zu seinem Kopfkissen mäblte und dann im Traum die Engel Gottes au der Himmelsleiter auf- und niederstcigen sah. Aber wollen die Worte, die dann von B. 18 an folgen, wirklich den Gedanken auSdrücken. daß Jakob jenen Stein als bi« Wohnung eines göttlichen Wesens, demnach als einen Fetisch, betrachtet habe? Wird die letzt weitverbreitete Bejahung dieser Frage wirklich dem Texte gerecht? Fragen wir seine einzelnen Teile nach ihrer Antwort! Nun gewiß. Jakob richtete jenen Stein als eine Säule, eine Massebe, wie es im Hebräischen heißt, auf (V. 18a). Aber genau ebenso wird auch erzählt, daß er einen Stein als ein Zeichen der Erinnerung an den Vertrag mit Laban anfstellte, und dieser Stein heißt ebenfalls eine Mafföbe (31,45) Folglich braucht auch die Masssbe von 28,18 nur ein Denkstein, ein Stein der Erinnerung an ein außerordentliches Erlebnis zu sein. Ferner goß Jakob freilich Oel oben auf den Stein (28,18b). Aber dies ist nur ein Ausdruck für „s al b e n", da ganz eben dieselbe Redeweise „Qel auf den Kopf jemandes gießen" in 3. Mos. 8,12 usw. anstatt „jemand salben" steht, und die Worte von 28,13b noch überdies in 31,13 dnrch das bekannte Zeitwort m a s ch a ch „salben" ersetzt sind. Jenes Salben aber braucht nur einen Akt der Weihung, nämlich zu einem Denkmal und Grundstein eines Gotteshauses zu bezeichnen. Denn so wird das Salben auch in bezug auf einen Altar usw. verwendet (2. Mos. 29,36 nsiv.). Also der Gedanke, daß Jakob jenen Stein als einen Fetisch, als die Wohnung eines Geistes betrachtet und diesem ein Opfer dargebracht habe, läßt sich nicht positiv ans. dem Texte von 1. Mos. 28.11 ff. erweisen. Dagegen aber, daß jene Erzählung den Stein als einen Fetisch habe charakterisieren wollen sprechen mehrere Gründe ausdrücklich: Erstens lautet der Ausruf Jakobs ja nicht „Wie furchtbar ist dieser Stein!" Nein, er rief: „Wie» furchtbar ist dieser Ort!" (B. 17a). Zweitens benannte Jakob auch nicht den Stein, sondern „diesen Ort" als Beth-cl „Haus Gottes" (B. 10a). Dies ist die in den hebräischen Worten ausgeprägte Idee von „Beth-el", denn dies wird durch den Zusatz „aber Lwz mar früher der Name der Stadt" (V. 19b) unwidersprechlich bestätigt. Drittens ist der Stein auch in V. 22 nicht „Haus Gottes" genannt, wie z. B. bei William Robertson Smitb in seinem berühmten Buche „Die Religion der Semiten" ausdrücklich behanptet wird. Denn V. 22 kann nicht mit Smith übersetzt werden „und dieser Stein soll ein Gotteshans sein", Nach der Meinung von Smith und den Wellhansenianern überhaupt wäre dieser Stein ja schon damals bei Jakobs Wegwcmdcrung eine Gottesbehausung gewesen, und der eben erwähnte Satz würde also unsinnig sein. Nein. V. 22 muß unbedingt heißen „und dieser Stein soll ein Gotteshaus werde n". d. h. den Anfang von einem ganzen Gotteshaus bilden. Also der Text enthält drei entscheidende Hindernisse der Auffassung jenes Steines als eines Fetisches. Zn deren Widerlegung braucht man also gar nicht noch daran zu erinnern, daß der Erzähler jener Geschichte den Patriarchen die Gottheit auf der Spitze der Himmelsleiter stehen sehen läßt. Was nun aber mag, obgleich die Sache nach dem Texte so liegt, die jetzt weithin herrschende Behauptung veranlaßt haben, daß jener Stein doch von Jakob als ein Fetisch verehrt worden sei? Nun, als Sprungbrett zu dieser Rehanvtung wird die Stelle 35,7 benützt, wo wir von Jakob lesen: „And er baute dort einen Altar und nannte den Ort „Der Gott von Bethel". Dies bedeutet „Der Gott, der sich in Bethel kundgcgebcn hat", wie die Fortsetzung „denn dort hatte sich ihm die Gottheit enthüllt" verlangt. Diese Benennung jener Altarstätte mit dem Ausdruck „der Gott von Bethel" prägt also nur die dankbare Erinnerung daran auS, daß Gott einstmals diesen Ort — aus gnädigem Erbarmen mit dem so einsam in die Fremde wandernden Jüngling — Fe i n s fe '?.$*'• Cocosnussbufter - ivmvR Die e/ste $ Mah'delmi I c hv-:; pf I an^enbü^erl':' tfg a r.i.fr alS Erscheinung-Mit« gewählt hatte. AVer ein« Gletchfetzung jencS AltarS mit der Gottheit darf dem Erzähler nicht zugeschrieben werden. Denn dieser läßt ja Gott vom Himmel her sich enthüllen (21.17 usw.). Also bemerkt Kautzsch in seinem Bibelwerk mit Unrecht zu 85.7: „Diese Stelle zeigt, daß „das ursprüngliche numen loci sd. h. der Lokalgottj von 28, 17 ff. auch für de« Erzähler von 35.7 noch unvergessen war." Nein, der Text von 35.7 zeigt daS nicht, sondern die Taxierung jenes AltarS als einer Wohnung deS angeblichen LokalgotteS von Bethel beruht bet Kautzsch und seinen andern Gesinnungsgenossen vielmehr auf der Voraussetzung. daß die Patriarchenreligion ans der Stufe deS Fetischismus gestanden habe. (Ein« noch wettere Auseinandersetzung mit anderen Modernen über diesen wichtigen Punkt gibt meine „Theologie deS A. T.". 8/4. Ausl.. 1828, S. 33 f.) Bon dieser Grunbanschaimng auS tst jetzt die Mckhobe beliebt geworden, von den tatsächlich tm Texte stehenden Aussagen w eg z ub l t ck e n und die Augen auf ein dahinter oder daneben gestelltes Vtld hinzuwenden. Aber nicht nur liegt darin eine Abirrung von der grammatisch historischen An§- legungsmekhode (vgl. meine Hermeneutik des A. T. mit besonderer Berücksichtigung der modernen Probleme". 1916, S. 41 ff.), sondern die einzelnen Arten dieser jetzt vielfach herrschenden eigenen subjektiven Herrtchtung deS Auslegung So b je kteS besitzen auch noch ihre besonderen Schwächen. Die eine Art dieses neuen Verfahr rens liebt eS nämlich, hinter den Text in die vorgeschichtliche Zeit zurückzublicken. Dieses Verfahren tst aber einfach eine Flucht in den leeren Raum zu nennen, da man die betreffende frühere Periode nur zu kennen meint, aber nicht tatsächlich kennt. Wie diese neue Art deS Verfahrens die Grenzen der Zeit unrichtig überschreitet, so überspringt eine andere neuere Methode die Schranken deS Raums. Nämlich oft neigt man jetzt dazu, die in den althebräischen Schriften austretendeu Erscheinungen aus dem sogenannten Milieu erklären zu wollen, also nach dem znrechtzuschnetden. was in der allgemetnsemittschen oder sonstigen Kultur de- Altertums gefunden wird. Dieses Verfahren setzt als selbstverständlich v o r a u S. baß die wahre Religion Israels keine Eigenartigkeit besellen haben könne. Diese Voraussetzung tst aber der Ruin der Kulturgcschichtsforschnng. Denn wenn nicht mehr daS Eigenartige des OuelleninhalteS geschützt werden soll, dann braucht man gar keine Quellen mehr. Dann kann man sich den Verlauf der Geschichte selbst konstruieren, wie eS vielfach neuerdings in bezug auf die Vergangenheit Israels versucht wird. Aber dann ist das Produkt dieser Darsteller nicht mehr Geschichte, sondern Philosophie oder Phantasie. Das gilt nun in erster Linie auch in bezug auf die Gestalten von Religion, die nen'erdtngS dem QuellenzeugntS zum Trotz den Erzvätern zugeschrieben worden sind. Das Ergebnis der in drei Abschnitten geführten Untersuchung kann also kurz so zusammengesaßt werden: Einerseits konnte die überlieferte und von Babylonien unabhängige Patriarchenreligion nicht auS den althebrä sichen Geschichtsbüchern gestrichen werden, deren Zuverlässigkeit durch viele aufgezeigte Tatsachen gesichert worden ist. und andererseits konnte kein« andere ReligionSart, wie AhnenkultuS und Fetischismus, alS die der Erzväter erwiesen werden. Demnach ist die in den Geschichtsbüchern sich widerspiegelnde Patriarchenreligion als die wirkliche anzucrkennen. Der dreifache Ansturm der neueren Zeit gegen die Geschichtlichkeit der von altersher bezeugten Abrahamsreligivn konnte also abgeschlagen werden. Sie ist vielmehr auf3 neue als die erste Stufe der biblischen NeligionSgcschichte erwiesen worden, die mit einem erhabenen Lichtstrahl auS dem nur für gewöhnlich verschlossenen Welthintergrund begonnen hat, um einst in dem ewigen Glanz der göttlichen Herrlichkeit vollendet zu werden. Also willkürlich tst neuerdings auch dieser Satz veröffentlicht worden: „Wenn es einmal einen Mann gegeben hätte, der Abraham hieß" (Gunkel, Kommentar zur Genesis, 1917, S. LXXIX). Vielmehr dürfen wir auf Grund meiner oben kurz vorgelegten und von anderen noch nicht beachteten Beweise uns auch fernerhin der Patriarchengestaltcn als der charaktervollen Vertreter einer besonderen und hohen Stellung in der ReligtonSgeschtcht« erfreuen. Wir dürfen auch noch in Zukunft mit Abraham auf seinem gefahrvollen Marsche in eine neue Heimat ziehen, um uns da mit ihm als tapfere Bekenner eines erhabenen GottesglaubcnS zu bewähren. Wir dürfen auch weiterhin mit ihm uns der großartigen Verheißung getrösten. die da lautete: .Im dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden." Wir dürfen also auch ferner das Endziel der Menschhcctsgeschtchte darin finden, daß die Einheit deS Menschengeschlechts. die gerade in den altbesträsichen Schriften eher und deutlicher, alS sogar bei den Griechen, .erkannt worden ist, in der gemeinsamen Landung der Völker an ebendemselben Rnheport des göttlichen Friedens zu ihrer vollendeten Ausgestaltung kommen wird. Das waO" Gott in Gnaden!