Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 4 (1924)
- Issue
- 42 (28.11.1924)
- Date
- 1924-11-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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EISSPEISEN TORTEN - FEINGEBÄCK liefert frei Haus Bestellungsannahme: BERLIN W 8, LEIPZIGER STR. 24 Merkur 4871/73 t<KK»GaWc8fl«<KWB^»OScKa<aScK0OSCKiC^3KKScKiOSciS-9 jüdische Veranstaltungen gewesen waren, so war ein Gemeindeabend, wie es notwendig gewesen wäre, nicht zu veranstalten. Aber gerade der kleine Kreis gab der Zusammenkunft einen intimen Charakter, und gar mancher, der in öffentlicher Versammlung mit seinen Anschauungen etwas zurückhält. bat an diesem Abend von seinen Wünschen und Zweifeln Kenntnis geneben. An die packenden und geistvollen Ausführungen des Herrn Dr. Mancr über die Aufgaben und Ziele der Vereini.nrng schloss sich eine rege und anregende Diskussion an. an der sich besonders die Herren Dr. Straßburger, Or. meä. Hirsch. Or. jur. Hirsch I, Rechtsanwalt Moos l und Zahnarzt Dr. Mols beteiligten, in der fast durchweg zum Ausdruck kam. wie notwendig es ist. den religiösen Sinn zu finden, die Jugend in das Wesen der jüdischen Neliaion. i« ihre Geschichte und ihre Literatur einzuftthren. den Gottesdienst zeitgemäß zu gehalten erenB auch Gottesdienst am Sonntag ab'uhatte'i. ohne aber den sabbathlichen Gottesdienst zu verdrängen. Es bildete sich sodann etn Komitee zur Vorbereitung einer Versammlung im Monat Januar, und wir dürfen sicher annehmen. daß die Ortsgrrrpve Ulm rwn neuem der Größe der Gemeind« entsprechend gebildet wirb. Wiesbaden. Am 16. November wurde Rer eine Ortsgruppe der Bereinigung für das liberale Judentum gebildet. Der Vorstand besteht aus den Herren: Dr. G. Goldstein (Vorsitzender). L. Nußbaum (Ka>enmart). Rabbiner Dr. P LazaruS. Oberkantor A. Nußbaum, Konsul A. NotHschild, Referendar H. Saatfeld und Frau Dr. M. Baer. Am 19. d. M. veranstaltete die Ortsgruppe einen Vortragsabend. der von etwa 160 Personen besucht war. Es sprachen Rechtsanwalt Heinrich Stern-Berlin und Rabbiner Dr. LnzaruS-,Frankfurt a. M. Beide Redner verstanden es, in ihren warmherzigen, vom PathoS tnner-er Ueberzeugung getragenen Ausführungen den Zuhörern ein Bild von der aufbauenden Tätigkeit der jüdisch-liberalen Bewegung zu geben. Der ausgezeichnete Erfolg der Versammlung — gegen 40 Neuanmeldungen — ist ihnen zu danken. Versammlungskalender. Berlin. (Liberaler Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde. BczirkSgruppe Norden.) Im Aucrbachfchen Waisenhaus. Schönhauser Allee 162. findet regelmäßig abends G'A Uhr Irei ta g a S en d-Gottesdienst mit Orgel, Ehor und Predigt statt. Breslau. iIübtsch-liberaler Jugend verein „Abraham Geiger".) Geschäftsstelle: Breslau 7. Hoesthenstr. 6111, l. Vercinslokal: Vereinszimmer des Konzertchauses Gartenstraße. pari, links. Dienstag, den 2. Dezember, abends 8^ Uhr: Vortrag des Herrn Dr. Ernst Fränkel: Der Vö'kcvbundsgedanke im Lichte jüdischer Weltanschauung. Gäste willkommen! Wohttatigkeit. „WaS ist der Unterschied zwischen christlicher und jüdischer Wohltätigbeit'?" fragt man mich. Ich erzähle folgende Geschichte: Als Gott seinen Menschen dereinst erschaffen hatte, wollte fcr ihn auch der Unsterblichkeit teilhastig werden lassen. Deshalb hauchte er ihm von seiner eigenen unsterblichen Seele ein. Und es siel ihm dabei vor allen Dingen ein, daß eine grobe Wesenheit seiner Seele die „Wohltätigkeit" in sich schließe. Während er des ersten Menschen reine Lippen küßte, gab er ihm mit seinem Munde den Drang wohlzutun ohne Grenzen und vhen Zeitpunkt! Die ersten Menschen waren auch mildtätig, indem sie sich keinerlei Grenzen steckten, indem sie nichts anerkannten, wie das Wohltnn jedermann gegenüber und unbegrenzt. Dann aber verloren sie es.allmählich wieder. Sie hatten den Glauben an den Gott nicht mehr, der sie ans dem Paradiese vertrieb, und da sie seinen Namen vergaßen, wurden sie sich auch nicht mehr seiner hohen Gaben bewußt. Als der christliche Neligionsstister Anhang fand, und die Menschen, als Führer auch zum Guten, in mancherlei Dingen anleiten wollte, da gab er ihnen neu: die Wohltätigkeit. Und er setzte ihnen Tage und gebot ihnen, an ienen vor allen Wohltätigkeit zu üben. Er kannte vielleicht die Menschen, daß man ihnen die Tage vorschrciben mußte, und ihnen das Wvhltnn als Pflicht genau gebieten. So das Weihnachtssest! Sie hatten sich unbewußt nach einer Religion qeiehnt. Und so fühlten sie an lenen Tagen genau dasselbe Glück, das Wohltun stets mitbringt, wenn sie ihren guten Pflichten nachkamen. An den anderen Tagen wiesen sie die Armen von ihren Türen. Aber einige Juden waren unterdessen wieder zu ihrem frommen Glauben zurückgekehrt, und da empfanden sie plötzlich auch wieder den Drang, ihren Nebenmenschen wohlzutun. Aber da ihnen kein Tag vorgeschrieben war. wußten sie auch nicht, welcher der rechte sein könne. Um ihn ia nicht zu verfehlen, taten sie alle Tage Gutes, wo und wann auch immer sich ihnen Gelegenheit bot. Und sie taten cs ganz im Stillen, haß niemand eS merkte, und sie taten es ganz leise, daß auch sie daS Stammeln des Dankes der Beglückten nicht hörten! Und es geschah auch, daß ihre eine Hand nicht wußte, was die andere tat. DaS war die rechte Wohltätigkeit, denn der Geist GotteS war wieder über sie gekommen, ein Teil jenes unsterblichen Odems, der ihnen zu Anfang der Erschaffung der Welt eingehaucht worden war. Kein Volk konnte eS ihnen gleich tun im Wohltun. und keines hatte soviel Tage der Wohltätigkeit aufzuweisen, wie das Jahr Tage bat-wie fiel Das war der Unterschied zwischen dem Wohltun der Andersgläubigen und dem Wohltnn der Juden! — Esther Berger-Mainz Ser moderne Kampf gegen die Geschichtlichkeit der Patriarchenreligion. (Schluß ans dem Hanpiblatt.) II. Die neuerdings gewöhnliche Beurteilung der Geschichtsbücher Israels alS Gegnerin der Patriarchenreligion. Kaum liegt der eine Bekämpfer der überlieferten Patriarchenreligion am Boden, so tritt schon wieder eine zweite Gefahr für dieselbe in unser Gesichtsfeld. Diese Gefahr droht von der jetzt landläufigen Einschätzung, die man weithin den Geschichtsbüchern Israels insbesondere über dessen früheste Zeit zuteil werden läßt. Bon den abschätzigen Urteilen, die jetzt über den Wert dieser Geschichtsbücher geäußert zu werden pflegen, ist ia das ein noch glimpfliches, wenn gesagt wird: „Ueber die Anfänge Israels ist Dunkel gebreitet" sz B. bet Metnhold, Einführung in daS A..Tcst. 1910, S. 53). Andere neuere Urteile über diese Geschichtsbücher haben einen noch viel gefahrdrohenderen Wortlaut. Denn von den meisten jetzigen Bearbeitern der Geschichte Altisraels wird behauptet, daß die ältesten Geschichtsbücher über die Anfänge Israels erst seit 850 entstanden seien. So lesen wir es nicht nur bei Gunkel in seinem Kommentar über die Genesis (1917), (S.LXXXIX, sondern auch bei Delitzsch. Die große Täuschung I (1920), S. 7. Ein Allerneuester, W. Erbt, in seinem Buche „Das Judentum" (1921) S. 40, macht „die sogenannten fünf Bücher Mosis". wie er sich ausdrückt, sogar zur ersten Ausgabe eines seiner Phantome enUvrunaenen „Buches dvr Ursprünge", das er in der Zeit des Königs Ahas, also um 730, entstanden sein läßt. Wenn diese jetzt gewöhnlichen Urteile auf Richtigkeit Anspruch machen dürften, würde dies selbstverständlich verhängnisvoll kür den Wert dieser Geschichtsbücher und sachlich auch für die Wirklichkeit der Patriarckerrrcligion sein. Welch zwingender Anlaß liegt also vor, diese jetzt sandlä'.ki^e Bohaup'nng auf ihre Sicherheit zu untersuchen! Dies rührt aber nach meinen Forschungen zn den folgenden Sätzen. Bor allem sind die Geschichtsbücher, die jetzt um 850 und 750 angesetzt zu werden pflegen, in viel früherer Zeit aufgebaut worden, nämlich das eine in der Richterzeit und daS andere in den Tagen David-Salomos. Aber noch viel wichtiger ist schon das nächste Urteil, durch das ich iene jetzt herrschenden Aussagen über den Ursprung der ältesten Geschichtsbücher Israels korrigieren muß. und dieser mein zweiter Satz weist darauf hin. baß diese Geschichtsbücher aus alten Materialien aufgebaut worden sind. Freilich auch wieder Delitzsch oder Erbt erwähnen gar nichts von den Grundlagen der GeschichtSerzLblungen Israels über seine früheste Zeit. DaS ist ein allerstärkster Mangel an den letzt gewöhnlichen Aussagen betreffs der Geschichtsbücher Israels über seine Anfänge. Sobald ich ihn entdeckt hatte, ist es ein Hauvtbeftreben meiner wissenschaftlichen Arbeit gewesen, diese Lücke auszufüllen, und ich stabe keineswegs vergeblich gesucht. Denn jene Lücke kann reichlich mit guten Materialien ausgefüllt werden. Die Baumaterialien der Geschichtsbücher Israelüber seine älteste Zeit würden ia für die Autorität dieser Bücher schon dann von großem Werte sein, wenn diese Banmaterialien auch nur durch die mündliche Vererbung von den Eltern auf die Kinder erhalten worden wären. Denn es ist eine unbestreitbare Tatsache, daß das menschliche Gedächtnis bei den Geschlechtern, die noch bloß auf dasselbe angewiesen waren und der Schreibkunst entbehrten, einen sehr hohen Grad von Spannkraft besessen hat. Oder lehrt uns das nicht schon ein Blick aus die griechische Literaturgeschichte? Gewiß. Denn Homers Ilias und Odvsiee sind nur durch die Arbeit des Gedächtnisses gestaltet und jahrhundertelang bewahrt worden, wie erst vor kurzem wieder einer der besten Kenner dieses Gebietes. Theodor Birt, in seinem „Abriß des antiken Buchwesens", S. 246, betont hat. Es konnte ja auch mehr als ein jüdischer Gelehrter versichern, daß er die ganze heilige Schrift buchstäblich auswendig wisie (z. B. Iismael ben Jose bei L. Blau, Zur Einleitung in die heil. Schrift, S. 86). Und dazu gesellt sich anch noch der günstige Umstand, baß die mündliche Ueberlieferung, wenn sie von Abraham bis Mose allein die Erinnerungen Israels zu vererben gehabt hätte, nicht sehr viele Generationen zu umspannen hatte. Freilich behauptet Gunkel in seinem Kommentar zur Genesis (1010 1017), S. IX: „Es läßt sich kein Weg denken, auf dem die Kunde über die Patriarchen von ihnen bis zum biblischen Berichterstatter gelangte." Aber warum denn nicht? Freilich er hat nicht untersucht, wieviel Geschlechter von den Erzvätern bis Mose gelebt haben. Aber meine Untersuchung darüber hat gelehrt, daß von Abraham bis Mose in manchem Stamme nur secks Generationen gelebt haben, wie es in meinem Buche „Die Genesis, übersetzt und erklärt" (1924), S. 95. im einzelnen vorgeführt ist. Folglich konnten die Erinnerungen der Erzväter gar wohl auf ihre Kinder, Enkel usw. durch Weitererzählung vererbt werden. So demnach läge die Sache schon dann, wenn vorausgesetzt werden dürste, daß von der Patriarchenzeit bis Mose die Bewahrung der ältesten Nachrichten bloß von der mündlichen Tradition geleistet werden mußte. Aber ist diese Voraussetzung auch sicher berechtigt? Sie besitzt nicht einmal ein wahrscheinliches Recht. Denn der Satz, der in der neueren Zeit oft gehört wurde und dem noch Delitzsch (1920). S. 68. nicht widerspricht, baß die Israeliten noch zu MoseS Zeit eine „illiterate Horde" gewesen seien, hat seit 1002 auch den letzten Schimmer von Wahrscheinlichkeit verloren. Denn in diesem Jahre wurde die Vasaltsänle mit den 282 Paragraphen der Gesetzesinschrift des altbalmlonischen Königs Hammurapi gefunden. Schon di§ öffentliche Ausstellung dieser Gesetzgebung setzt nun voraus, daß die Untertanen eine Kenntnis von den Buchstaben besaßen. Dies wird aber noch ausdrücklicher z. B. durch 8 128 bezeugt, weil es da heißt: „Wenn jemand eine Ehefrau nimmt, aber keinen Vertrag mit ihr schließt, so ist dieses Weib keine Ehefrau." Folglich ist Abraham aus einem Lande gekommen, wo es so mit der Kenntnis der Schreibknnst stand. Eine wie u n natürliche Voraussetzung ist cs demnach, wenn neuerdings vielfach von ber Annahme ausgegangen worden ist, daß nur gerade dieser Mann den Schriftgebranch nickt gekannt hat! Zur Widerlegung dieser jetzt herrschenden Annahme braucht man also gar nicht neck daran zu erinnern, daß Inda einen Siegelring trug (1. Mos. 38,18), wie auch bei den Ausgrabungen in Palästina Siegelringe gefunden worden find (z. B. Ivkft daS Siegel d«S SchvmLc zu Megidbo in der Eben« JeSreel). Luch hat eS einen füdwestpalästinifchcn Ort mit dem alte» Namen „Gchriftstadt" (Jos. 15,15 usw.) gegeben, die später Deblr hieß. Infolgedessen ist eS als naheliegend anzusehen, baß schon in der Zeit der Patriarchen bet de« Hebräern einzelne Aufzeichnungen über hervorragende Erlcbntsie, wenigstenkurze Notizen über Stammbäume oder bedeutsame Erwerbungen, wie z. B. der Höhle von Makhpela bei Hebron (1. Mos. 23. 3 ft.), gemacht worden sind. Betreffs des Zugeständnisies. daß dies der Fall sein könne, ist man auch neuestennoch sehr »weifels richtig. mU z. B. auch Kittel in seiner Geschichte Israels, Bd. I (1921), S. 415. Aber warum soll man den Borfahren Israels ganz naheliegende Dinge, wie den Gebrauch der Schrift zu gelegentlichen Aufzeichnungen wichtiger Erlcbntsie absprechen nnd dagegen eine unnatürliche Gewohnheit, nämlich die Vernachlässigung ihrer Erinnerungen, zumuten? Einen solchen Mangel an Sorge für die Bewahrung ihrer Erinnerungen den Ahnen Israels zuzutrauen, hat man aber nicht nur kein Recht, sondern davon werden mir anch noch durch positive Tatsachen abgehalten, die sofort entfaltet werden sollen. Nämlich speziell daS Volk Israel konnte erstens einen le b h a f t e n S t n n für diePflege seiner Erinnerungen besitzen. Denn wie sehr sind Familien oder Zünfte und Veretnc, die sich wertvoller Erinnerungen erfreuen, überall und zu allen Zeiten darauf bedacht, sie von Geschlecht zu Geschlecht zu vererben! Nun ist aber doch noch nicht ausgemacht, daß daS Volk Israel keine wichtigen Schätze der Erinnerung betreffs der Anfänge seiner Nation und Religion besoffen hat. Folglich entspricht es zunächst nur aller sonstigen menschlichen Gewohnheit, wenn dieses Volk von seinen Ursprüngen her einen wachen Imn für die Erhaltung seiner alten Erinnerungen besaß und sie der Nachwelt zu übermitteln strebte. Die Hauptsache aber ist dies, datz viele Tatsachen den Beweis dafür liefern, daß dem Volke Israel in Wirklichkeit ein lebendiger Sinn für die Pflege seiner alten Erinnerungen innegemohnt hat. Einzelne Proben von diesen Tatsachen sind die folgenden: Erstens zeigt das Volk Israel tatsächlich eine lebendige Aufmerk samkei.t ans die Stufen -eS geschichtlichen Fortschritts. Denn wieviele Riale wird im althebräischen Schrisitum der Wechsel von Orlsbezeichnungen notiert! Tie Reihe dieser ausfallenden Bemerkungen beginnt mit dem Satze „Bela. daS ist (das spätere) Zoar" (1. Mos. 14.25), und so gibt es eine lange Reihe von Stellen, die einen Wechsel von Benennungen oder das Datum einer Stadtgründung (4. Mos. 13,-23) oder des Aufkommens einer Bolkssitte (1. Sam. 30,25) oder die Aenderung der Monatsnamen (1. Kön. 6.38 usw.) usw. notieren. Zweitens hat Israel die Sitte besessen, sich äußerlich wahrnehmbare Stützen der Erinnerung zu schaffen. Solche Stützen waren schon alte Bäume, wie die Tamariske, die Abraham zu Beerschöba pflanzte (1. Mos. 21,33), denn wenn dieser Banm auch zunächst eine Kultttätte beschatten sollte, so kam der langlebige Baum doch auch zugleich alS Anhaltspunkt für die Erinnerung an Abraham in Betracht. Wie sicher fungierte als eine solche Stütze ferner die Höhle des ErbegräbniffeS bet Hebron, die fünfmal im ersten biblischen Buche erwähnt ist (23, 20 usw.)! Ebensolche Stützpunkte für das Gedächtnis waren die Altäre und Säulen, die .X'r Erinnerung an eine religiöse Erfahrung (12,7; 28,18) usw. errichtet wurden, und von denen eine ausdrücklich „Haufen des Zeugnisses" heißt (31.47), wodurch erwiesen wird, datz Altrsrael auch etn Bewußtsein von dem Zwecke einer solchen Säule besaß! Und übersehen wir drittens nicht das deutlichste von diesen Mitteln, die alten Erinnerungen in ihrer Echtheit zu erhalten! Dieses deutlichste Mittel ist n^ürlich die Anlegung von Büchern, in denen die Erinnerungen ausgezeichnet wurden. Oder gab eS etwa keine solchen Bücher im alten Israel? Man möchte es fast meinen, da wieder z. B. Delitzsch in seiner Schrift „Die große Täuschung" kein Wort von diesen alten Büchern sagt. Aber zwei von ihnen find ja ausdrücklich zittert. Das erste ist jDaß Buch von den Kriegen deS Ewigen" (4. Mos. 31.14). in welchem die Kämpfe erzählt wurden, die unter der unsichtbaren Führung deS Herrn zur Ehre seines SiamenS und zur Beschütz»ng seines Volkes ausgefochten wurden. Wie leicht kann darin der KriegSzua Abrahams gegen Kodorlaomer (1. Mos. 14) erzählt gewesen sein. Das zweite alte 'Buch, das als O.'.'Ble ausdrücklich zitiert wird, ist „Das SLpher ha-Iaschar" (Jos. 10,13 usw.), das nach den daraus angeführten Temen viiie^ poetische Anthologie war. und Poesien haben nach den neueren Forschungen die ältesten Bestandteile vieler Literaturen gebildet, wie z. B. der indischen und der arabischen. Außer diesen direkten Zitaten gibt eS aber noch eine lange Reihe von indirekten. Denn z. B. die Segenswrüche Jakobs über seine Söhne (1. Mos. 49. 8—27) sind eht vom Lrzähler der Patriarchengcschichte in seinen Bericht eingeflochtene- Material. Ein solches sind aber auch z. B. „die zehn Worte" (2. Mos. 20,2—17), ferner „das Vundesbuch" (24,7) usw. Also das alles ist übersehen worden, wenn viele neuere Darsteller die ältesten Geschichtsguellen Israels über seine früheste Zeit nur so etufäch „aus dem 9. oder 3. Jahrhundert" herleitcn. Diese also schon mehrfach ansgezeigte Lebendigkeit deS Interesses, welches die Israeliten für die Belvahrung ihrer Erinnerungen besessen haben, erweist sich endlich auch noch durch viele Spuren der weltgeschichtlichen Orientierung, der Unparteilichkeit und der Unterscheidung zwischen älterer nnd späterer Zeit als wirklich vorhanden. Mache ich den Versuch, für diese drei Eigenschaften der Geschichtsbücher Israels über seine frülicste Zeit in aller Kürze je einen deutlichen Beleg zu geben! Folgende -drei Tatsachen seien aus den mir zu Gebote stehenden Materialien herausgegriffen! Die Angabe, daß Abraham zu Hebron mit Hethitern verhandelte (1. Mos. 23,3 ft.), war in der neueren Zeit oftmals etn Gegenstand des Zweifels oder sogar des Spottes iz. B. für Stades Geschichte des Volkes Israel I, S. 143). Aber das Zeugnis der Amarna-Brtefe hat die Richtigkeit dieser israelitischen Ueberlieferung erwiesen, wie dies ausführlich in meiner Erklärung von 1. Mos. 23, 20 dargclegt ist- Neben diesem Beleg für die klare O r i e n t i e r t h e t t der althebräischen Geschichtsschreibung stelle ich einen einzigen Beweis für ihre unparteiische Objektivität. Welches andere Geschichtsbuch deS Altertums lMt die eigene Nation so oft getadelt, wie die Geschichtsbücher Israels dies von 2. Mos. 16,2 an tun? Als hauptsächlichster Beweis für die tatsächliche Zuverlässigkeit der Geschichtsbücher Israels über dessen älteste Zeit ist aber folgende Tatsache zu erwähnen Das ist öie llnterfchetdung einer vormosaischen Periode im Gcschichtsbcwußtsein Israels. Also aller Glanz, in welchem die mosaische Epoche als die Jugendzeit (Hos. 11,1) des israelitischen Volkes strahlte, hat doch nicht das Licht erbleichen lasten, daS ans noch früherer Zelt herüberfunkelte, und trotz der überragenden Größe, die Mose als der gottK'gnadete Vermittler einer Hanvtwcnde in der Existenz Israels besaß, find dach Abrabam und Jakob „TA Kta QltttJiHAa« l t», S Sa, fafinlnfan