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Jüdisch-liberale Zeitung · 1924-11-21 · 41 (21.11.1924) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
4 (1924)
Issue
41 (21.11.1924)
Date
1924-11-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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hervor, daß beim TU» Gott angerufen wirb- In der Heutigen Zeit kann man niemand zwingen, bei Gott zu schwören. Der Richter hat das Recht, den Eid umschreiben zu lassen. Die Fürsten des Mittelalters schwüren den Anden alle möglichen Vergünstigungen zu. um den Eid zu brechen. Verschiedene judenfreundltche Bischöfe stellen nur die Ausnahme zu dieser Regel dar. Der von Juden geleistete Eid wird als minderwertig betrachtet und mit den grausamsten Mitteln verschärft. Interessante Einblicke in diese Methoden gewährt uns Stobbe. Diesem Mißtrauen gegen den Eid LeS Juden von christlicher Seite, steht auf jüMcher Seite eine wahre Scheu vor dem Eid gegenüber. Diese Scheu war im Bolksbewußtsein seit den ältesten Zeiten dauernd im Wachsen begriffen und wurde durch Kohelet, ben Sirach und Philo noch genährt, die jeden unnützen Eid beinahe dem Falscheigleichstellen. In der Aussprache beleuchtet Sachs die eigenartige Auffassung des germanischen Mythos in bezug aus Treue, Eid und Gelübde. Grete Gaßmann findet einen Gegensatz in den Worten der Schriften Pesachim 113 d: Drei find Gott verhaßt. wer für seine Mitmenschen Zeugnis ablegen kann und es unterläßt und wer gegen seine Mitmenschen in einer Strafsache als Einzelzeuge auftritt. Spitz weist mit Recht darauf hin, -aß unsere Schriften nicht als einheitliches Ganzes angesehen wenden dürfen. Lucie Jacobson stellt fest, daß aus den Laien unser modernes Rechtsverfahren off den Eindruck der mangelnden Objektivität macht. Spitz erwidert, -aß die Gewohnheit im Richten nach wwd nach mitunter jede Objektivität ertötet. Es sei zu empfehlen, baß Strafrichter ihre Ressorts wechseln, um einer gewissen Schärfe zu entgehen. Zu einer gemeinsamen Freitagabendfeier fanden sich am 14. November 80 Jli-Mitglteder in den Räumen der Wohnung unseres Vorstandsmitgliedes. Lotte Nosenihal, zusammen. Herr Oberkantor Borie nahm den Kiddnsch vor, ein gemeinsamer Gesang leitete zu weihevollen Stunden über, zu deren Gelingen die Gastfreundschaft der Familie Nosenihal und unsere Mitglieder Kantor Fink. Irma Sachs, Lucie Jacobson. Hermann Sachs und Alfred Fuchs beitrugen. Den Dank des Vorstandes verbunden mit warmen Worten der Bedeutung des Freitagabend für unsere Gemeinschaft brachte Alfred Berger zum Ausdruck. Liegnitz: (Jüdisch-liberaler Jugcndvcrein). Am 7. November hielt unser Verein eine ganz außerordentlich gut besuchte Freitagabendfeier ab. in der erfreulicherweise insbesondere die Jugend stark vertreten war. Der überaus stimmungsvolle Gesellschafisraum der Silesia-Loge. der auch an dieser Stelle besonders dafür gedankt sei. daß sie uns ihre Räume stets freundlich zur Verfügung stellt, war durch die reizvolle äußere Ausgestaltung, die die Damen des Vereins übernommen hatten, der gegebene Rahmen für die äußerst erhebende Feier. Rach der Weihe des Sabbats begrüßte der Vorsitzende bei freundlich gespendetem Tee und Gebäck die Anwesenden und wies auf die Bedeutung des Freitagabends hin. Sodann hielt .Herr Markiewitz ein Referat über das Thema: ,L)etrachturiaen übe'- jüdischen Liberalismus und Religionsübung". Das Referat, das von tiefer religiöser Ueberzeugnng getragen war, fand allseits lebhaften Beifall, wenn auch diese oder jene Ansichten des Referenten nicht von allen Hörern geteilt wurden. Leider verbietei es der Raum, auf den Inhalt näher einzugehen, zumal unser nächster Vereinsabend erst die Diskussion über die Ausführungen des Herrn Markiewitz bringen soll. Den vorzüglichen Erfolg der Veranstaltung kennzeichnet am besten der zum Ausdruck gekommene Wille der Besucher. solche Freitagabende öfters gemeinsam zu begehen. Magdeburg. (Jüdisch-liberaler Jngendbund „Heimat"). In der am 9. November 1924 einbemfenen außerordentlichen Generalversammlung fand die Neuwahl des Vorstandes statt. Er setzt sich von nun ab wie folgt zusammen: 1« Borsttzender: Gerd Michaelis, Königgräher Straße 17. Die Listenaufstellung für die Landesverbandswahlen. Nachdem in der Provinz Sachsen ffir die Wahlen znm Preußischen Landesverband, unter Mitwirkung von prominenten Mitgliedern aller namhaften Gemeinden der Provinz, eine Kandidatenliste ausgestellt worden war. die auf dem Boden eines aufrechten deutschen und religiös, liberalen Judentums stand, bat sich der „Verein für jüdische Gemeindeinteressen" in Halle bemüßigt gefühlt, eine Gemeindesitzung einzuberufen, in der, wie die Presse berichtet, eine einstimmige Resolution gefaßt wurde, die die Aufstellung von Einheitslisten für den Wahlkreis fordert. Es ist dabei in viel zu geringem Maße der Tatsache Rechnung getragen worden, daß sämtliche Anhänger der liberalen Richtung wie auch des C.-V. vor der Abstimmung den Saal mrter Protest verlaßen haben. Es ist also notwendig, die Frage aufzuwerfen, welche Organisationen die Aufstelluna der .Kandidaten vvrzunehmen haben und wie dabei verfahren werden soll. Da der preußische Landesverband eine religiöse Einrichtung ist. hätte es selbstverständlich sein müssen, daß nur die religiösen Partien den Wahlkampf führen. Durch das Eingreifen der Zionisten war auch der „Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" gezwungen, zu der WaR Stellung zu nehmen, er hat dabei klar zum Ausdruck gvbracht, daß er sich verpflichtet fühle, im Einverständnis mit den religiösen Parteien zu arbeiten, ohne darin einen einseitigen Standpunkt eiiiMnehmen. Soweit hätte man im allgemeinen mit der Entwicklung der Wablarbeit einverstanden sein können. Nun aber haben sich auch die Gemeinden als solche — und auch die völlig neutralen „Gemein de vereine" vertreten ja lediglich die lokalen Gemeindeinteresscu, sind also hier einbegriffen —- teilweise bemüßigt gefühlt, ihrerseits zu der Wahl parteimäßig Stellung zu nehmen, d. h. Kandidatenlisten aufzustellen. Grundsätzlich ist dazu zu bemerken, daß die Vertreter, aus denen sich der Verbandstag des Preußischen Landesverbandes znsammcnsetzt, nach dessen Satzungen nur ihrem Gewissen unterworfen unh an Aufträge nicht gebunden" sind und daß sie lediglich „Vertreter der Gesamtinteressen des Verbandes" sein sollen. Irgendwelche lokalen Gesichtspunkte dürfen also bei der Aufstellung der Kandidaten keineswegs maßgebend sein, lediglich die persönliche Eignung und die Zugehörigkeit zu der. einen oder anderen Richtung darf im Wahlkampfe den Ausschlag gebe«. Die Gemeinden, die sich als solche an dem Wahlkampf beteiligen, überschreiten also ihre Rechte und versuchen dadurch die Bedeutung des kommenden jüdischen Parlamentes in Preußen herabzusetzen. Denn die preußische Judenheit braucht keine Vertretung, die sich nur oder vornehmlich mir kleinlichen lokalen Angelegenheiten zu befassen hat, sie braucht ein Parlament, das in voller Wahrung der Würde des Judentums, abseits von kleinlicher Gemeinöepolittk, ihr die großen Richtlinien ihres Handelns geben kann, eine Vertretung, die sich wahrhaft den Gesamt i n t e r e s s e n der jüdischen Religionsgemeinschaft in Preußen widmen kann und widmet. Wir wollen nicht das traurige Schauspiel eines sich gegenseitig zerfleischenden PartciiudentnmS bieten, aber wir können ebensowenig wollen, daß unklare Köpfe, daß 3. Vorsitzender: Ernst Steiner, JochanntSberg l. Heinz Schattmann. Richarb-Wagnev-Stratze U Schrtstfüb-*»: Siegfried Cohen, Breiter Weg 10. Potsdam. Dt« Anfang Oktober 1924 stattgestm-^e MEtglt-ederverfammlung führte zu einer Nenwahl des BorBm»- des. Dieser setzt sich nunmehr wie folgt zusammen: De. Heinz Cohn. 1. Bors.. Heinz Rochoez. stellvertr. Bors, m*6 Schriftwart. Sigfrid Blumenthal. Kassenwart. Herr Dr. Cohn behält außerdem noch die Leitung der Schülergrupp« bei. Es wurde allgemein der Auffassung Ausdruck gegeden» daß der diesjährig« Winter den verei« bet einer intensive» Arbeit finden müsse. Der Vorstand beschloß, von jetzt ab demgemäß wöchentlich Veranstaltungen stattstnden zu lassen. In wöchentlicher Folge werden nunmehr abwechselnd Vortrags- und Lvseabend« abgehalten. Die Leitung der Leseabende hat Herr eand. jur. Alfred Jofephfoh» übermmrme». Zur Lektüre gelangt Zweigs Jeremias. Der neue Vorstand eröffnete die Winterarbeit am 37. Oktober mit einem DtSkufsionsabend über die Speisegesetze, der sich an den vor kurzem in der ^Jüdisch-liberalen Zeitung'' erschienene» Auffatz von Rabbiner Juchö anfchlotz. DaS alle Mitglieder äußerst interessierende Thema rief eine sehr lebhafte Debatte hervor, in der Freunde und Gegner der Gpeisegesetze auSgiobig zu Worte kamen. Wenn man sich gegenseitig nicht überzeugte, so wurde doch von allen Mitgliedern ane^annt. daß sowohl Freunde als auch Gegner der Gpeisegesetze eS sich habe« ehrlich angelegen sein lassen, die Frage, ob die Gpeisegesetze heute noch beachtenswert sind, mit möglichster Gründlichkeit zu prüfen. _ Am 6. November sprach Herr Robert Hirfchfeld, Berlin, in einer Versammlung, zu der wir auch die außerordentlichen Mitglieder geladen hatten, über: „Unsere Stellung zur Bibel". Der Redner wurde vom Vorsitzenden aufS wärmste begrüßt und hauptsächlich als liebevoller Berater der Jugend gcpriescn, bei dem diese stets, wenn sie zu ihm mit der Bitte um Unterstützung kommt ein williges Ohr findet. Wir hatten die Freude, einige Mitglieder des Berliner Jli begrüßen zu können. Wir sprechen an dieser Stelle die Hoffnung auS, daß dieser Winter eine noch regere Zusammenarbeit zwischen Potsdamer Jli und Berliner Jli bringen wirb, alS sie schon vorher bestand. lieber den sonstigen Verlauf deS Abends und den Inhalt des mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrags ist bereits berichtet worden. Am 10. November sprach Herr Erich Gnttmann über: „Die Inden als Kulturvolk". Der Vortragende wieS auf die große Zahl der Inden hin, die auf kiritturellem Gebiet Bahnbrechendes geleistet haben, und kenirzeichnete die Behauptung der Judengegner, die den Juden die Fähigkeit zu wahrhaft schöpferischen Ideen absprechen, als böswillige Verleumdung und völlige Unkenntnis der Geschichte. In der Debatte wurde hauptsächlich die Frage wichtig, ob es heute noch eine spezifisch jüdische Kultur gäbe. Me Frage wurde allgemein dahin beantwortet, daß es heute eine einheitlich jüdische Kultur nicht mehr gebe, wohl aber verschiedene jüdische Kulturen, z. B. in Polen und in Mazedonien unter den spanischen Juden, die einander durchaus ungleich sind. — Zu diesem Abend war auch die Schülergruppe geladen. In der Schülergruppe wird nach wie vor eifrig gearbeitet. Ihre Zusammenkünfte finden ebenfalls wöchentlich statt. ES werden jetzt Otto»:Ludwigs „Makkabäer" gelesen. Außerdem hat jedes Gruppenmitglied ein Referat übernommen, von denen bereits zwei gehalten worden sind, und ei« beredtes Zeugnis davon abgelegt haben, mit welchem Eifer die Jungen bei der Sache sind. Wir beabsichtigen am 22. Dezember ein größeres Chanukkafest zu veranstalten, zu dem wir hoffentlich sehr viele Mitglieder unserer Nachbarvereine Berlin und Magdeburg begrüßen können. Menschen, die keine wirklich persönliche Einstellnug zu ihrem Judentum haben und sich deshalb hinter hohlen Phrasen von Einheit und Einigkeit verschanzen, die Gesamtheit d«S preußischen Judentums vertreten. Wir brauchen ein Parlament, das die Führer der geistigen Parteien im Judentum in sich vereint, eine Körperschaft, die, gerade weil sie sich ihrer Gesamtausgabe für das preußische Judentum bewußt ist, die in diesem vorhandenen Parteien in ihrer Stärke wiederspiegelt und gerade durch den Meinungsaustausch der verschiedenen Richtungen ersprießlich für bas Ganze arbeiten kann. Dazu ist notwendig, daß überall dort, wo ein Gegensatz gegeben ist, dieser Gegensatz auch auSgefochten wird. d. h. also, daß nicht neutrale Körperschaften, wie die Gemeinden oder die sogenannten Gemeindeverein«, sondern lediglich die Parteien — Liberale, Orthodoxe und Zionisten — berechtigt um") verpflichtet sind, den Wahlkampf zu führen und so der preußischen Judenheit eine ihren Ansichten gleichgerichtete Vertretung zu geben. Selbstverständlich schließt dies« prinzipielle Stellungnahme taktische Rücksichten in den einzelnen Wahlkreisen keineswegs aus, wie ja die Annahme einer Einheitsliste in Ostpreußen zeigt. In allen diesen Fällen jedoch sind die Kompromißverhandlungen von den Parteien zu führen und abzuschließen, wie auch dieses ostpreußifche Kompromiß der Genehmigung der Parteien vorlag. Die Nutzanwendung für Halle und die Provinz Sachsen ergibt sich also von selbst: hier wollen die Kreise, die auf religiös liberalem und kulturell deutschem Standpunkt stehen, eine eigene Liste aufftellen, die Führer der Gemeinden haben als solche absolut kein Recht und, — auch das fei gesagt, um irgendwelchen persönliche« Ehrgeiz, der keineswegs im Interesse der Sache liegen kann, bloßzustellen, — kein Interesse daran, die Gemeinde als solche ffir die Wahl zu mißbrauchen. Wenn die Konservativen. Orthodoxen und Zionisteil der aufgestellten Liste ihre Stimme nicht geben wollen oder können, sind sie als Partei berechtigt und verpflichtet, eine Gegenliste auszustellen und diese zu wählen, oder als Partei einen Kompromißantrag zu stellen. Wir deutschen liberalen Juden rverden treu $u unseren Kandidaten stehen und so den bewährten Männern unserer Richtung den Einzug in den Verbandstag deS Preußischen Landesverbandes sichern. Dickmann, Berlin. Die Berliner Reprasentantenversammlung. i. Der Bericht deS Herrn Woyda über die letzte Repräsentant enverfammlung hat mich als häufigen Tribünenbesucher sehr interessiert. Was Woyda über die allgemeine Form der Repräscntantenvecsammlung vorträgt, kan« ich nur unterschreiben, insbesondere hat eS mich aufS peinlichste berührt, daß in -er Repräfentantenverfammlung der größten jüdischen Gemeinde eine Unruhe herrscht, daß «S selbst aufmerksamen Zuhörern nicht möglich ist zu folgen: insbesondere sineS auch die Mitglieder des GemeindevocstandeS, welche währender Reden der Repräsentanten miteinander oder mit anderen Repräsentanten Privatgcspräche führen, die gewiß sachlicher Natur sein mögen, die aber doch bei jedem Zuhörer das Gefühl aufkommen lassen, -aß es ihnen im Grunde herzlich gletchgülttg Ht, waS der einzeln« Repräsentant m sage» hat. Auch ich -in der Ansicht. -aß Ut Vorsitzende der Repräsentantenoerstumubung fet Etuzelfällen energischer zagreifen könnte. all dies bisher -er Fall gewesen ist. Aach dir sachliche Kritik au den einzelnen Beschlüssen kann tzh nur Mlterfchretbcu: insbesondere war eS mir mvoerstand» Rch. wie «2 möglich gewesen ist, -atz liberale Repräsentanten gegen die Verbreitung -er Eohenschen Sch-.:st stimmen konnten. Dagegen möchte ich doch Verwahrung einlegen gegen den letzten Absatz de» Woydafcheu Stimmungsbildes. Zweifellos läßt gerade Herr Dr. Klee seinem Temperament öfter die Zügel Metzen. Er ist aber keineswegs der einzige, weder in seiner Fraktion noch in der Repräsentantenversammlung überhaupt. Daß ihm gewisse scherzhafte Bemerkungen übel genommen werde», kann ich nicht verstehen. Derartige Bemerkungen «tspcyrneu sehr oft die Situation und eist mir bekannt, daß t» einer sehr ernsten Situation gerade der Vorsitzende der Repräsentantenverfammlung durch einen — übrigens nicht »euen — Witz die starke Spannung t» «tn befreiendes Lachen mngewandelt hat. Bor allem aber möchte ich doch grundsätzlich glauben, daß Angriffe gegen die Person der einzelnen Repräsentanten unterbleiben sollen. So scharf sachlich manchmal gegen die Fraktionen der rechten Seite eingefchritten werde» müßte — hierin leistet mir die ,LüLZ." noch viel zu wenig —. fo wenig möchte ich, daß die sehr unerquicklichen Zeiten wiedevkehre» mögen, in denen in den jüdischen Blättern die einzelnen Persönlichkeiten. die in der jüdischen Oeffenttichkeit stehen, angegriffen werden. Wir haben es früher -ec zionistischen Presse übelgenommen, daß diegeschehen ist, und wir wolle« nicht in den Fehler verfallen, dev diese Presse, soviel ich sehe, seit längerer Zeit aufgegeben «hat. Also, lieber Herr Woyda, rügen Sie offenherzig weiter, was «n sachlichen Bedenken M rügen ist, aber lassen Sie die Personen einzelner Herren aus dem Spiel. Jeder will doch schließlich von seine« Standpunkt aus das beste für das Judentum. Ernst Josef, Berlin. II. Cs ist erfreulich, -aß in der letzte» Nummer -er liberalen Zeitung" endlich einmal mit aller Deutlichkeit die Zustände in der Berliner Nepräsentantenversammlung geschildert worden sind. Ich habe mich als Tribünenbesucher schon wiederholt darüber gewundert, daß nicht gegen die Art» in der Rechtsanwalt Dr. Klee und einige andere Repräsentanten hier religiöse Probleme erörtern. Front gemacht wirb. Niemand wird wünschen, daß im öffentlichen jüdischen Leben stehende Persönlichkeiten unnötig angegriffen werden, aber wo die sachliche Behandlung von Fragen durch ungeeignete Persönlichkeiten gefährdet wird, da muß eS erlaubt fw«, einen Zustand durch seine Träger zu charakterisieren. Und darüber, daß die Art. in der Herr Dr. Klee in der Berliner Repräfentantenversammlung zu verhandeln beliebt, einem jüdischen Parlament nicht angemessen ist, sollte es bei Liberalen, Orthodoxen und Zionisten nur eine Ansicht geben. Hier sollte eine überparteiliche Beurteilung Platz greifen! Widersprochen werden muß der Behauptung, daß der Vorsitzende -er Repräfentantenversammlung die Geister nicht genügend im Zaum hält. Jeder, der einmal eine Versamrnsammlung geleitet hat, weiß doch, daß die Gegensätze nur durch vorsichtiges Nachgeben des Vorsitzenden so ausgeglichen werden können» daß die Sache nicht unter ihnen leidet. Deshalb möge der Vorsitzende der Berliner ReprSsentarttenvert sammlung weiterhin wie bisher nicht durch zahllose Ordnungsrufe, sondern durch sein vermittelndes Wesen die Temperamente zügeln. Das Bestreben der Repräsentanten aber möge es sein, sich in Freiheit selbst zu binden. Dann werden die Verhandlungen auf der Höhe stehen, die ein ahnungsloser Zuhörer erwartet und die eS nicht zur Qual machen werde», diesem Parlament vorzustehen. Heinrich Sima«. Berlin. Anm. der Red. Wir glauben, daß die vorstehend veröffentlichten Aeuheruugen nufere Ausführungen in der vorigen Nummer dieses Blattes nur W bekräftigen vermögen. Kalendarium ffir die Zelt vom 21.11. bis 29.11. November 1924 Cheschwa« 5885 Freitag 21. 24. Nenmondwethe Sonnabend 22, 25. Wochen-Abschnitt: Chajjessoro (1. B. M. Kapit. 23—25. 18» Hastarah: I. itöniflc 1 (1—31) Sonntag 23. 26. Montag 21. 27. Dienstag 25. 28. Mittwoch 26. 29. Jom Kippur 5kvtvn Donnerstag 27. 30. l. Tag Rosch Chodes» Kislew 5688 Freitag 28. 1. 2. Tag Rosch Choöesch Sonnabend 28. 2. Wochen-Abschnitt: TauldauS (B. M. Kap. 26. 19 — 28.9) Haftarah: Maleachir 1 (1-14) 3 (1-7) I Geschäftliche Mitteilungen. Dt« «ob- und Radio-Aktiengesellschaft Berlin, in deren würdig mit. gestatteter Ausstellungshalle in bcv Hgrdendergstro.be 29a gegenüber der Käiser^Ailhelm-GedüchlniSkirche stets etwa 20 lubrifnt-ue Llulrs stehen, hat sich seit ihrem Bestehen lehr mn ennoi-keil. Tie O'^cDidiaü steht unter Leitung deS in Automobilkreisen seit 20 Jahren bestens belannien Direltors Tchruss, der eS verstanden hat, sein« guten Beziehungen in der Branche auch aus die Auto und Radio-Aktiengesellschaft zu übertragen. Neben den GTÄ.- Fabrikoten (NAG. —■ Hansa Llodd — Drennabor — Hansa) vertreibt die Jirma alS Generalvertreter für Berlin und die Provinz Brandenburg die in Amerika so beliebten Mailand 0 Ldlindcr mit Vierradbremse und hat hiermit einen überraschenden Erfolg erzielt. Trotz der schweren sfeit konnte die Gesellschaft in der Fasanenslroste 87 ein grobes Reparatnrwcrk einrtchten, dessen Inbetriebnahme in diesen Tagen erfolgen toird. Tie 'Ausstellungshalle in der Hardenbergstraste 29a ist eine Sehenswürdigkeit Berlins, wir können daher den Besuch derselben nur empfehlen. «lerauder Mvszkowsti. der lustige Philosoph, der vor kurzem seinen 70. Geburtstag feierte und durch vielgeleicne und weitverbreitete Bücher z» den beliebtesten Autoren Deutschlands gehört, hat nun mich seine Memoiren geschrieben, die unter dem Titel .Panorama meines Lebens" demnächst im Lerlag von F. Fontane & Co. in Berlin 329 68 erscheinen werden. Dir werden «ms dieses .Panorama", daS eine ganz« LebenSreise durch dag Märchenland degoldenen HumorS an unS vorüberziehen lassen soll, noch »urückkommen. Begegnungen mit vielen amüsanten Originalen des Menschengeschlechtes, köstliche Erlebnisse werden in der dem belichten Autor eigenen reizvollen Weise geschildert, die untere Leser ja bereiiS a»S der Mitarbeit Alexander MoszkowsliS an diesem Blatte kennen. So versprechen diese LebeuSerinnerungen einen auSerwnylten geistigen Genus;. Die Lowirletj Eastle Schools, „Wtldcroft", Pntnrt» Hcach, in London EW 16. gehört zu den besten jüdischen Internaten des Kontinents. Gelegen inmitten eines malerischen ParkeS, dabei doch nahe den Hanptverkclirsstrcrtzen Londons, vereinigt diese Anstalt in vorbildlicher Weise Unterrichtsanstalt und ErholungSstälte. Neben sämtlichen wissenschaftlichen Fächern, die hier gelehrt werden, ist den Schülern an» Gelcaenbcit zu jeglicher Art sportlicher und künstlerischer Betätigung geaeben. Ter Unterricht wird nur von ersten Lehrkräften, die säst sämtlich Mitalied"r englischer oder ausländischer Hochschulen sind, crieilt. Tie Pcrdskeomig ist vornialich. davei der PnstionSpreiS mäbig. Aufnahme finde» 3it.iiicr aller Natonen un.-, leder Altersstufe. Wir können Miseren geehrten Lesern die Lehranstalt nur aus das Wärmst« empfehlen. Der Jüdische Sprechsaal.

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