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Jüdisch-liberale Zeitung · 1924-11-21 · 41 (21.11.1924) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
4 (1924)
Issue
41 (21.11.1924)
Date
1924-11-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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4L Nummer 41 MffchOeraleZeibmg Bettage tt. November 16L4 Diener Brief. Die St«It«f »alles. Der Ansgmtg -er Wiener KultuSwahlen bestätigt fast Wort für Wort die Vorbesprechung, -ie ich fern EretgniStu -er „Jüdisch-Liberalen Zeitung" gewidmet habe. Es fehlte *2$*,“5L Symptome», -ie auf ein« rege Anteilnahme -er Wählerschaft schließen ließen, verlief -och manche Wähler- Versammlung so stürmisch, -aß ste nur unter dem Schutze «nes Wache-AufgebotS zu En-e geführt wer-en konnte, aber -ie Betetligung am Wahlakt selbst strafte diese Symptome Lügen. Es gingen im ganzen 40 Prozent -er Wahlberechtigte» »ur Urne, gegenüber 70 bis 80 Prozent bei früheren Wahlen. Unö diese passive Resistenz -er Wähler bildet eine wettere Bestätigung meiner Berichte über -ie Antipathie, -ie die Wiener Judenschaft teils aus prinzipiellen, mehr aber noch aus persönlichen Gründen den Mandataren anbtm lübischnationalen Lager entgegenbcingt und -eren Urtzchenich bereit« zu erklären versucht habe. SS zeigt sich, -atz -aS, wadie WSHlermasie» in ftüheren Jahren auf die Bewe gebracht hatte, -ie Kampfparole gegen -ie jüdischnationalen Führer war. In dem Moment, da diese Kampfp«ole zugunsten eines Wahlkompromisses zwischen Libe- ^ule» nnd Zionisten fallen gelassen wurde, verloren Sie libe- Wähler -aS Interesse an -er Wahl. Und zwar nur toe liberalen. Denn die Zionisten, unter denen -ie Abneigung gegen -ie Stricker-Kligue nicht geringer ist als bei den verraten, konnten ohne ihrer Gesinnung besonderen 9wang anzutun. für -ie Oppositionellen stimmen, da diese ouvchweg also mit Einschluß -er Kandidaten der von der °*tftPartei unterstützten „Sozi- Wahlgemeinschaft" aus dem zionistischen Parteilager ßervorgegangen sin-, ja diesem zum Teil — dieser Teil sind Ti* Aii«rächt" — nach wie vor die Treue bewahren und bje Stelluug der offiziellen Zionisten in der Kultusstube starker als schwächer werden. Wirklich geschwächt ist ladiglich die liberale Partei, die fünf Mandate an die Opposition abgibt, während die Zionisten bloß ein Verlnstmanöat ff verzeichnen haben. Dieses Resultat bestätigt also meine Bemerkung über die Gefahr, die der liberalen Partei von «neu» Kompromiß mit der Stricker-Klique droht, wenngleich die Gefahr, wie ich gleichfalls voreusgesehen habe, bei dieser Wahl ziffernmäßig noch nicht deutlich genug in die Erscheinung trat. Den 28 gewählten Kompromißkandi-ate» stehe» nur 5 der „Sozialen Gemeinschaft, 3 ^MiSrachi" und 1 „Achduth-Jsrael"-Mann gegenüber. und wie sich dieses Verhältnis bei.den nächsten Wahlen ändern wird.hängt natürlich von der Arbeit in der Kultusstnbe ab. Darum wird dem Wirken -es neuen Knltus- »orftan-S mit größtem Interesse entgegengesehen. Dr. Hugo Spiegle r (Wien). N«»evo» de« schassenden" «n- -en Waffen den". Fräulein Marie Tnrnheim hat als älteste von zehn Geschwistern in -er idyllischen Vorkriegszeit ihren Beruf in -er Unterstützung ihrer Mutter im Hauswesen erblickt. In dieser recht weiblichen Beschäftigung ist sie so aufgegangen. -aß sie jetzt, nachdem ihre jüngeren Brüder und Schwestern ihrer Obhut allmählich entwachsen sind, in einem befreundeten Hause eine Stelle als Wirtschafterin und Erzieherin angenommen hat. Vermutlich wäre sie aus diesem ibr zusagenden mühevollen, aber engen Nahmen franlichen WlrkenS niemals hinausgetreten, wenn nicht der Weltkrieg, -er so manchen Menschen aus seiner Bahn geschleudert hat. auch in das Leben -ieser wackeren Jüdin revoltierenetvgegrtffen hätte. Ihre Brüder mußten 'einrücken, und -eren zwei gerieten in Kriegsgefangenschaft. Fräulein Tnrnheim blieb ihrer Gewohnheit, für die Ihrigen in jeder Lebenslage zu sorgen, auch diesen beiden gegenüber treu. Natürlich konnte sie mit ihren im Feindesland weilenden Lieben nicht privatim, sondern nur auf dem Wege -er öffentlichen Organisation in Kontakt treten. Diesen Weg fand aber Fräulein Turnheim merkwürdig verrammelt. War der altösterreichische Staat im allgemeinen beim Organisieren niemals besonders glücklich, so litt -ie Kriegsgefangenenfürsorge noch ganz besonders unter dem Vorurteil, das die berufsmilitärischen Kreise dem Begriff „Kriegsgefangener" entgegenbrachten, und das sie hinderte, eine Erleichterung des Loses dieser Unglücklichen überhaupt ernstlich ins Auge zu leiten. Fräulein Tnrnheim erkannte, daß sie gegen solche Schwierigkeiten als Einzelperson nicht auszukommen vermöge. Ste begann daher zunächst, das öffentliche Gewissen aufzurütteln, machte die Sache aller Kriegsgefangenen zu der ihrigen, organisierte deren Angehörige und entwickelte in dieser Organisation in ständiger Fühlung mit den öffentlichen Faktoren, die der so entfachten Bewegung keinen Widerstand eutgogenzusetzen wagten, eine so segensreiche und effektvolle Tätigkeit, daß sie schließlich in eine vom Staate konstituierte Kommission für Kriogsgefangenenfürsorg« berufen wurde. Selbstverständlich war das Amt, zu dem sie auf diese Weise gelangt war, ein reines Ehrenamt, das ihr zwar reichliche Mühen, aber keinerlei materiellen Gewinn abwarf. Nach dem Ende des Krieges beschloß -de eben genannte Kommisiion, zwei Experten nach Rußland zu schicken, um -en Heimtransport -er dort weilenden Kriegsgefangenen auf die zweckmäßigste Weise zu organisieren. Wen konnte man für diese Aufgabe geeigneter halten als Männer, die selbst das bittere Los der Kriegsgefangenschaft dnrchgekostet hatten, aber so glücklich gewesen waren, früher i« die Heimat zurückgekommen zu sein, als eS der überwiegenden Mehrheit ihrer Leidensgenoffen möglich war? Die Wahl der Kommiffion fiel auf zwei Arier, -ie sich durch schöne Phrasen das Vertrauen der maßgebenden Faktoren zu erwerben gewußt hatten. Und nun beginnt das Satierfpiel, daeine neuerliche groteske Beleuchtung des Hakenkreuz! er-AxioneS bildet, -ie Arier seien die Schaffenden, -ie Juden -ie Rasse nd e n. Während nämlich Fräulein Turrcherm und -ie anderen, „zufällig" auch jüdischen Damen, -ie die ganze Kriegsgeslangenen-Fürsorae vorbildlich ausgebaut hatten, ihr mühevolles Amt nicht nur uneigennützig, sondern mit dem größten Opfermut ausübten, regte sich in den auserkorenen Ariern sofort ein merkwürdiger Geschäftsgeist. Sie nahmen nach Rußland — Schmierseife nnd andere mit dem Kriegsgefangenentransport wenig zusammenhängende Waren mit und trieben mit ihnen schwunghaften Handel. Auch Waffen sollen sie zu den Sowjets geschmuggelt haben . . . War schon diese Art. ihre Dienstreise lohnender — nämlich für ihren Privatsäckel lohnender — zu gestalten, vom streng moralischen Standpunkt aus nicht sehr erbaulich, so schlug es vollends dem Faß den Boden aus. daß sie auch den eigentlichen Zweck ihrer amtlichen Mission in den Dienst ihrer persönlichen Bereicherung stellten: Sie beförderten nur solche Kriegsgefangenen heim, die ihnen Liesen Liebesdienst bezablte«. Dt« Za-lungSunfähigen dagegen wurde» von den neerkwüvdigen „Rettern"' noch tiefer landeinwärts «ach Me» verfrachtet. Als die Kund« von solch schmählichem Treiben nach Wien drang, bezeichnete Fräulein Tnrnheim in einer Kommiffion ssitzuna -a- Borgeheu -er Heperde» als Menschenhandel". Diese KriÄ bildete den Gegenstand einer GbrenbeIei-4guugSklage, -ie -ie beiden Kumpane gegen Fräulein Tnrnheim anstrengten, un- -ie vier volle Jahre -ie Gerichte beschäftigte, bis sie vor zwei Wochen mit dem endgültigen Freispruch -er Angeklagten enöete. Die Kläger waren bei -en meisten Instanzen abgeblitzt, unnur ein einziger Richter fand -en traurigen Mut, Fräulein Turnheim zu drei Tage« Arrest zu verurteilen, weil sie sich geweigert hatte, -en mcheilbar gebrandmarkten Klägern eine — Ehrenerklärung abzugeben. Der en-gültige Ausgang -eS Prozeffes ist nun alles eher als eine Ehrenrettung -er Kläger, und, was diese wohl am meisten verdrießen dürfte, ein sehr schlechtes Geschäft, denn die Spesen des langwierigen ProzeffeS dürften keine kleinen sein. Zum Glück sind -ie Herre« dank ihrer sonstigen Geschäststüchtigkeit materiell so gut gestellt, -atz sie die finanzielle Einbuße nicht allzu schwer empfinden werden. Und über ihre moralische Niederlage wird sie sicher das erhebende Bewußtsein trösten, daß sie als Arier ta doch sittlich turmhoch über dem „Judengesindel" stehen, daS nicht müde wird, den arglosen Angehörigen der indo-germanischen Edelrasse heimtückische Fallen zu stellen . . . Dr. Hugo Spiegler (Wien). Tödlicher Unfall des Bakteriologen Scheinis. Am 15. November ist in Paris der Bakteriologe Dr. Scheinis bei einem Autvunfall ums Leben gekommen. Dr. Scheinis, der an dem hiesigen Pasteur-Institut unter dem berühmten Bakteriologen Prof. Basredko eine hervorragende Stelle inne hatte, war Vorsitzender des französischen Komitees der Gesellschaft für Handwerk und Ackerbau unter den Juden „Ort". Als die Gesellschaft ,^>rt" im Jahre 1920 die Arbeit in Westeuropa zu organisieren begann, war Dr. Scheinis einer der ersten, die dieser Aktion ihre Kräfte widmeten. Sein tragischer Tod hat unter den auf sozialem Gebiete tätigen jüdischen Persönlichkeiten einen tiefen Eindruck gemacht. € Aus den Gemeinde». Breslau. Die Nepräsentantenvvrsammlung stimmt« einem» Dringlichkeitsantrag« des GemeiudevorsiandcS. -ie Ausgestaltung -er Friedhofsanlage in feiner Ost-West Achs« vorzunehmen, wodurch nahezu 1000 neu« Grabstellen geschaffen werden, zu. Vom Gemeindevorstandsvertreter wurde dabei bekanntgegeben, daß man an der Ausarbeitung eines Projektes für einen Uruenwaldsriedhof arbeite, der an den Westpark grenzen soll. Die Eröffnung wird gleichzcittg mit Inbetriebnahme des Krematoriums erfolgen. Breslau. Der Verein für jüdische Geschichte und Literatur nimmt in diesem Winter seine im vergangenen Jahre ausgefetzte Tätigkeit wieder ans. Ans Dienstag, den 25. November, abends 8*4 Uhr, spricht Herr Rabbiner Dr. Baeck- Berlin im groben Saal der Lessing-Loge über „Paulus unfeine Trennung vom Judentum". Bucha«. Am 29. Oktober verstarb Hier Frau Fanny Straßburger, geborene Benedikt, die Witwe des verewigten Lehrers Barnch Straßburger. Sie war die Mutter des verstorbenen Rabbiners Dr. Jesaias Straßburger und des derzeittgen Rabbiners Dr. Straßburger in Ulm. Ein großes Trauergefolge erwies der allgemein beliebten und verehrten Frau die letzte Ehre. Cassel. Das durch Zurruhesetzuirg des Kantors L. Horwitz erledigte Amt eines Vorbeters und Religionslehrers in hiesiger Gemeinde ist dem Kantor E. Godlervsky aus Berlin übertragen worden. Der Gewählte, der ausschließlich in der Synagoge Rosenftraße amtteren soll, hat sein Amt Freitaa abend angetreten. Frankenberg. Die als Mitbegründerin der Frauen- Chewra um die Gemeindeinteressen verdiente Frau Minna Goldschmiöt konnte dieser Tage in seltener körperlicher ungeistiger Frische im Kreise ihrer Angehörigen den 80. Geburtstag begehen. Auch von seiten -er Gemeindemitglieber wurden der Jubilarin mancherlei Ehrungen bereitet. Hannover. Die diesjährigen Wahlen zum Repräsewtanten-Kollegium finden am Sonntag, den 30. November, statt. Außer den für die Wiederwahl in Frage kommenden Mitgliedern des Vorstandes und der Repräsentanten sind diesesmal zwei Repräsentanten-Neuwahlen erforderlich. Hannover. Am 11. November fand die Einweihungsseier -es neuen Friedhofes in Bothfelö statt, in Gegenwart von Borstand und Repräsentanten der Gemeinde. Die Einweihungsrede hielt Landesrabbiner Dr. Freund. Leipzig. Der „Jüdische Frauenbund". Ortsgruppe Leipzig, und der ,Schwestern-Bunö der Leipziger Loge" setzt zur Wintersaison mit einer regen Tättgkeit ein. Am 23. d. M. eröffnet er seine Wintertättgkeit in den Räumen der Leipziger Loge mit einer Ausstellung „Das jüdische Buch". Sie wird bis zum 26. -. M. geöffnet sein. Ferner sind folgende Veranstaltungen vorgesehen: Rabbiner Cohn. Leipzig, spricht über .^Jüdische Geschichtswerke", Frl. Hanna Karminski, Berlin, wird jüdische Märchen vorlese». Frau Dr. Rosenak ostjüdische Dichtungen. Einen Bortrag über „Die jüdische Seele im Spiegel moderner Dichtung" hält Herr Dr. Spitz. Des weiteren werden sein: Diskussionsnachmittage und interessante Borträge wie: „Die Frau und der Parlamentarismus", „Hochzeitsgebräuche im Orient unter besonderer Berücksichtigung der Gebräuche bei den Juden". „Moderne Bestrebungen zur Hebung der Sittlichkoit". „Selbsterziehnng der modernen Jüdin". Den Schluß bildet ein Vortragszyklus über „Unsere täglichen Gebete". Stuttgart. Der israelitische Oberrat richtete an Len württembergischen Staatspräsidenten folgendes Schreiben: Stuttgart, 6. September 1924. Das gefl. Schreiben vom 31. Jnli d. I. ist sofort nach Eingang den Mitgliedern des israelitischen Oberrats bekanntgegeben worden und in -er ersten, seither abgehaltenen Sitzung vom 1. M. zur Besprechung gelangt. Dabei rour-e von sämtlichen Mitgliedern, dem nicht nur in jüdische«, son- Lern auch in nichtjüöischen Kreisen (siehe Beilage) tief empfundenen Schmerz darüber Ausdruck gegeben, daß -ei der Feier am 3. August zu Ehren der im Weltkrieg Gefallenen nur Geistliche der beiden christlichen Konfessionen zugezogen wurden, daß es aber nicht auch — im Gedächtnis an -ie viele» für das Vaterland gefallenen Juden» gerade auch Württembergs — ctoess MAche» Geistliche» vergönnt wtx, Wort« -er fefemenm« »»- de« Trost«- zv spreche». Gleich. Mktta wurde allgemein bedauert daß unser«» wohlbegrü«. beten Gesuch vom SS. Juli -. I wicht eine eingehendere Würdigung zuteil geworden ist. Der Oberrat kau« in dem Hinweis darauf, „daß an der Feier nur M« Division-geistlichen teil nehmen", eine Begründung für die Ablehnung feines Gesuches nicht erblicke«, da «- sich am 1 August nicht um «ine Feder -er Reichswehr, sonder» »m ei»e allgemeine Gedenkfeier gehandelt hat und gewiß ein Weg hätte gefunden werden können, um neben den Divisionsgeistliche» einen ehemalige» Feldrabbiner — m»ter den württembergischen Rabbiner» ist et» solcher — z» Worte komme» z« lasten. gez. i. v. Hirsch. Auf diese- Schreiben ist eine Antwort -e- Herrn Staatspräsidenten biS jetzt nicht eingetroffen. Sinttgart. Unter reger Anteilnahme -er Religio«»« lehrer des Lan-eS hielt -er „Verein der israelitischen Lehrer und Vorsänger in Württemberg" am S. November sine Mitgliederversammlung ab, in der alS Einführung in -aS Verbandsthema „DaS Arbeitsprinzip im Religionsunterricht" Oberlehrer Rothschild-Eßlingen einen aufschlußreichen Vortrag über -aS Arbeitsprinzip selbst hielt. Di« Aussprache, an -er sich fast alle Anwesenden beteiligten, war sehr anregend. Stuttgart. Am Sonntag, -en 26. Oktober 1924, fand tut Gemeindehaus die Mitgliederversammlung dewürttem-> bergifchen LandesverbanLeS für israelitisch« Wohlfahrtspflege (LJW.) e. B. statt. Seine Tätigkeit im letzten Jahre bestand vorerst in der Wirischafts- und Ernührnng-fürsorge für die Hilfsbedürftigen im Lande, für -ie mit Hilf« -er amerikanischen, holländische»»,, tschechischen, Wiener nnd vot allem der Schweizer GlaubenSbrüder großzügig gesorgt wer-en konnte Der LJW. rvar aber außerdem mit Erfolg für die Gewährung von Ne'ichSzrofchüffe» an -te jüdischen Anstalten der Wohlfahrtspflege tätig. Er hat nachi Jet neuen Verordnung des Reiche- ,Lber -ie Mlrsorgepfltcht" die Bewilligung öffentlicher Mittel für jütische Einrichtungen beantragt und erhalte»». Für -ie entsprechende Vertretung -er jüdischen Wohlfahrtspflege in der Landesfürsorgebehörde wurde Sorge getragen. Ueberaus ersprießlich rvar die Tättgkeit d«S Verbandes bet -er Unterbringung von Ruhrkindern und von Wiener Kindern. Beso^erS erfreulich war die in diesem Jahr zum erstenmal »rnternommen« Fürsorge Mr Kleinkinder. Die Teilnahme an de» Sitzungen für Jugendgerichtshilfe gehörte zu den regelmäßigen Aufgaben des LJW. Di« Geschäftsführerin schloß -en Bericht mit einer Darstelluna -er ZukunstSarbeiten, in die sie auch -re Wanderarmenflirsorg« einbeziehen wollte. An -en Be» Ott. 18 Aus der Bewegung. m Bielefeld. Die hiesige Ortsgruppe -er Bereinigung für das liberale Judentum hielt am letzte» Sonnabend, w» 15 November 1924. ihre diesjährige Hauptverfammlimg ab. Der Vorsitzende. Herr Rabbi»»er Dr. Kronheim, erstatttte den Geschäftsbericht und schälderte in anschcmlicher Weise den Verlauf der Hauptversammlung in Berli»», wobei er auch^ besorrders der schönen Abraham-Geigev-Yeier Erwährmng^ tat. Sodann nmrde zur Neuwahl des Borstandes geschritten, die zunächst die Wiederwahl -er beiden btsherigeu Bor. sitzenden, Dr. Krorcheim rnr- RechtSanwalt Dr. Katzensterm ergab und -er Frau Dr. Dreyer alS Schatzmeisterin, »»ährend als weitere Vorstandsmitglieder die Herren Rechtsanwalt Dr. Weiß und Alfred Gvldschmidt hiwzugewählt wurden Alsdann hielt Herr Dr. Katzenstei» einen Bortrag über das Thema „Der Preußisch« Landesverband jüdischer Gemeinden und -ie Wahlen zum 1. Berban-Stage". Er gab zuerst einen kurzen Ueberblick über -ie Entstehungsgeschichte und die Verfaffwng deS Verban-eS, um daun dessen hervorragende Bedeutung für die preußische u»rdeutsche Judenheit näher #u begründen. Im Anschluß hieran suchte er die Frage zu beantworten, rvelche Parteigruppe» für di« Wahl in Betracht kommen und welche Stellur»g -er liberale Jude hierbei vinzunehmen habe. Er beantwortete die Frage dahin, daß seiner Auffassung nach, bei aller enischiedeuen Ablehnung des Zionismus, eine einseitige Kampfftont nur gegen diese Partei vom Standpunkt des religiös Liberalen nicht zu rechtfertigen sei. Man dürfe über dem Gegensatz zum ZiouismuS nicht oergeffen, -aß dem Judentum die größte Gefahr vom Jndifferentismus drohe und -ieser könne nur durch Verstärkung und Berttefung -ereligiösen Lebens, durch Setzen positi»>er jüdischer Ziele, die aber für uns nur auf dem Gebiet der Religion liegen könnten, überwunden werden. Diese Ausfaffung bedinge eirren Gegensatz auch gegerrüber der Oriho-oxie und dieser Gegensatz dürfe nicht verwischt werden. Eine offene und klare Scheidung des Liberalismus nicht nur vom Zionismus, sondern auch von der Orthodoxie werde die Gleichgültigkeit rrnd Lauheit gege»»über allen religiösen Problemen am sichersten überwinden und damit dem Judentum in seiner Gesamcheit nur Vorteil bringen. Der Redner gab -arm noch eine kurze Darlegung des Programms under Ziele der Bereinigung des liberalen Judentums und schloß dantit, -atz er zu eifriger Beteiligung an -er Wahl aufforderte. Dein Bortrag folgte eine sehr angeregte Aussprache, bei -er es sich zeigte, daß die Ausführungen des Redners allfeitia geibilligt nmrde«. Es wurde der Wunsch geäußert, daß er den Vortrag bald vor einem größeren Kreise wiederholen möchte. Zahlreiche Fragen «rrd Anregungen bewiesen, rvelches Interesse für den Landesverband und die beehrten Probleme bei den Hörern geweckt »varen. Somit ist die Hoffnung begrürrdet, daß Welefeld rvie seit langen Jahren auch künftig eine der Haupffesten des jüdischen LiberalisuruS im deutschen Westen bleibe« wird. BreSlan. (Jstöffch-Meraler Jvgendvevei» .Llbraham Geiger"). Am 11. November tagt« unsere Gruppe I unter Leitung von Hermann Sachs. Nach einer Reihe geschäftlicher Mitteilungen sprach RechtSanrvalt Spitz über „Eid mtd Gelübde, Zeugnis vor Gericht", an Hand der ^Lehren des Judentums". Scho» in den früheste» Zeiten war die Gemeinde das Gericht, erst später »vurde es auf einzelne Männer übertragen. Bor Gericht ist stets mit größter Vorsicht auSzrrsagen. kein Zeuge spricht oh« eine gewisse Auf. remmg. Der Richter muß die Möglichkeit haben, aus einer geschloffene» Kette von Tatsache« -en Schluß zu ziehe», um -en Verbrecher zu überführen. Fingerabdrücke wer-en in -er modernen Kriminalistik zu Uebersührnr»g des Verbrechers herangezogen. Das römische Straftecht verlangte zwei direkt« Zeugen. Das ältere Strafrecht kennt den GiL. Die enge BÄiehrma -es Eides znr Religio» geA -arm»-

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