Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 4 (1924)
- Issue
- 41 (21.11.1924)
- Date
- 1924-11-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Anstalt möglich fein, Me immer mindestens zwei Schulanstalten in sich vereinigte. Im Laufe der Jahre ist seMtverstündttch die Höhe des Minderertraggestiegen. Das lag au der allgewviu aurrkannten Notwendigkeit besserer Besoldung der Lehrkräfte, an* vor allem daran. Latz auch für die nicht staatlichen Schulen zuerst der moralische und dann der gesetzliche Zwang entstand, dem Beispiel der Staatsanstalten in den GshaltSverhältnissen ftu folgen. Die so gesteigerte Höhe der Verpflichtung zum Zuschuß hat schon einmal — vor etwa SO Jahren — engherzig gerichtete Mitglieder deS Gemeindevorstandes bewogen, dem Plane einer Aufhebung des PHilanthropinS nachzugehen. Das damals schon rechtlich unbegründete, ja unzulässige, Vorhaben hat den einmütigen Widerstand der überwältigenden Mehrheit der frankfurter Gemeinde heworgerufen: Schulter an Schulter mit dem Schulrat, mit dem Leiter und den Lehrern des PManthrovinS kämpfte damals die große Zaihl der früheren Schüler des PhtlanthroptnS. So gelang, es den Angriff zurückzuweisen, und das Philanthrovin zu neuer Blüte zu bringen. Auch heute hört man hier und da eine ähnliche Melodie. Man hat allerdings die Taktik geändert: man will mn keinen Preis die Schule aufgeben: aber man will — anstrbltch, weil die Gemeinde in immer stärkerem Umfange zu den Lasten der Schule herangezogen werde — die Verfassung ändern, den Schulrat eliminieren und den Gemeindevorstand — oder vielleicht sogar dessen Büro — an ferne ©teile setzen. Weiß man auch, daß — schon aus rein schultechntschen Gründen — unmöglich die Sck»i'anstatt unter das unmittelbare Regime des GemetndevorstandS gestellt werden kann, so will man doch dessen Einfluß — oder wie es in den Schlagwörtern dieser Fronde heißt — „den ihm gebührenden Einfluß" stärken, da ja die .schule heute zum größten Teil aus Gemeiwdemittelu erhalten werde". Diese, nach außen harmlos und rein vermaliungsiechnisch klingende Absicht wird nattirgemäß in erster Linie von Leuten gefördert, denen gewisse religiöse oder besser gesagt: religiös-politische Gründe die wesentlichen sind. Der „Schulrat" ist ihnen zu selbständig, weil er zum Teil sich selbst wählt, er ist ihnen zu .,liberal", vesser gesagt, nicht einseitig konservativ genug: und sie erstreben als ihr letztes Ziel, die Schule zu „erobern". Ehrliche konservative Befürworter dieser Eiirflnßstärkung erklären offen, daß ihnen mit größerer Verwaltungsbetciligung von Mitgliedern der Gemeindebehörden nur dann gedient wäre, wenn der konservative Einfluß gestärkt wird. Man weiß auf dieser Seite sehr wohl. Han das Philanthropin eine Gründung liberaler Männer ist, die in l i b e r a l e m , d, y. vorurteilslosem und tolerantem Geiste für dte deutschen Juden gewirkt haben. Blau weiß sehr wohl, daß diese bedeutungsvolle Schulanstalt, der, abgesehen von den oben erwähnten Direktoren, so viele liberale Männer, Leuchten der Wissenschaft des Judentums und Größen aus dem Gebiete r derer Wissenschaften— ich neune nur hier neben den religionswiffenschaftlich tätigen I o h l s o n . I o u , Michael Creizenach und Jakob Auerbach den Sprachforscher Lazarus Geiger, den Nenphilologen Bernhard Lehmann, die Historiker OeIsner. B r e ß l a u und K r a c a u e r, den Goethebiographen B i e l s ch o w s k y . die Mathematiker G u st a v Wertheim, Dobrtner und Strauß, den Naturforscher Blum und den weltbekannten Kalligraphen Müller — im Geiste des Friedens gedient haben, niemals eine Stätte einseitig religiös-liberaler Einstellung oder gar Einwirkung war: man weiß sehr wohl, daß d>"r Neligionsvnterricht des Philanthcopins immer durchaus neutral gehalten war, und daß auch die Kinder streng orthodoxer Gemeindemitglieder ohne irgendwelche Gefahr eines Gewissenskonfliktes an diesem Unterricht tcilnehmcn konnten und tatsächlich immer teilnahmen.: man bestreitet nicht — ja«.man bat es von einsichtiger und maßvoller konservativer Seite sogar in öffentlicher Sitzung der Gemeindevertretung ausdrücklich anerkannt — daß die Eltern mit dem gesamten Uüterricht und mit dem Loben dieser Schule auch heute durchaus zufrieden sind: man weih schließlich nur zu gut, daß in neuester Zeit, obwohl die überwiegende Mehrheit der Eltern auf liberalem Standpunkte sieht, um des lieben Friedens willen im Religionsunterricht und im hebräischen Unterricht gegenüber der konservativ eingestellten Minderheit Konzefstonen gemOht worbe» sind, bbt gerade die Grenz« dessen erreichen, was liberale« Elter« «och zugemutet werden kan«. Wer Las ist Leu Draht-teher» nicht genug. Sie gehen auf wett «ehr, als ani Leu Unterricht an sich aus. De» vergesse» sie ganz hinter organisatorisch« Aeußerlichkeiten. Die Lehrer ttbvraler Wettanschauung« gleichgültig welche» noch so weltlich« Fach-, find Me» ein Dorn im Äuge, und sie wollen auch fo* Privatleben -ex Lehrer eifernd in religiöse« Zaum halt«. Nicht pädagogische Befähigung, nicht wissenschaftliche Leistung, nur die religiöse oder in diesem Falle besser gesagt: die konfessionelle Einstellung soll maßgebend sei». »Olle Jto mellen" werden aufgefrischt, Einzelvorfälle generalisiert, gleichgültige Dinge als wichtig verschrieen, offenbare Lächerlichkeiten oder harmlos« Kinderei« ausgebauscht: eine Qual für jeden modern den-kenden Menschen! Fragen deS Takte- und -eS Anstands stempelt man zu religiös« Forderung«; Lehrer und Erzieher, die rmr in freiem Wirten ihre Persönlichkeit für das Wohl der Jugend einsetzen kvnn«, will man unerträglichem Gewissenszwang unterwerfen: statt reiner, freier, aufrichtiger Ueberzeugnug würde Heuchelet gezüchtet. Und was ist der lettenüe Grundgedanke? Man möchte die Schule einmal unter Leitung eines unanfechtbar orthodoxen Direktors stellen, und nur von diesem kontrollierte konservative Lehrer an ihr wirken lassen: solche, die im Privatleben gegenüber den Anschauungen eines streng konservativen Pnbltkums — wie es so bescheiden heißt: — „keinen Anstoß" erregen. Als Unding erscheint ihnen, daß ei» Lehrer der Geschichte, der Naturwissenschaften oder der Rechenkunst in seinem Hause nicht streng an den Speisegesetzen in der von den Ueberocthodoxen festgelegten Form sesthalten könnte. Selbstverständlich stehen alle liberal denkenden Mitglieder der Gemeindeverwaltung solchen Auffassungen und Bestrebungen fern. Aber leider bewirkt der geschickt vorgeschobene Finanzgcdanke auch an Stellen, wo man mit den Erfordernissen eines modernen, pädagogischen und religiösen Lebens sonst vertraut ist, daß man dem Argument zugänglich wird, die Höhe des Zuschusses bedinge anderweite Organisation der Verwaltung. Man verkennt durchaus den besonderen, kul» tursördernden Wert der Selbständigkeit einer derartigen Anstalt, und man führt so unbewußt die Geschäfte einseitiger, konservativer Treiber. Schon die Tatsache, daß es sich bei rein finanzieller Begründung der erstrebten größeren Machtbefugnis der Gemeindeverwaltung um eine mechanische, äußerliche Auffassung handelt, ergibt ihre innere Unhaltbarkett. Aber eS ist —hiervon ganz abgesehen — auch schon die Voraussetzung der Beweisführung tatsächlich unzutreffend. Daß die Schule „zum größten Teil aus Gemeinöemitteln erhalten" werde, war vorübergehend der Fall: es war das in der Zeit der Inflation, als alle Berechnungen schivankten oder zusammensielen, und vor allem, nachdem das eigene Vermögen der Schute zu einem Minimum zusammengeschrumpft war. Jetzt aber, zurzeit der stabilisierten Währung, und insbesondere nach dem sehr vorsichtig ausgestellten Haushaltsvoranschlag fiir das Jahr 1024/25 übersteigt der Zuschuß, den d-ie Gemeinde zu den Ausgaben der Schule beisteuern müssen wird, durchaus nicht die Höhe des Betrags, den die Schul« aus sich selbst durch ihren eigenen Betrieb und durch solche Zuwendungen aufdringt, die ihr unmittelbar zugewiesen sind. Das steht sogar im Gegensatz zu den Ergebnissen der Friedenszcit: war doch ganz besonders in den letzten Jahren vor dem Kriege der Zuschuß der Gemeind« immer grötzer, als daS eigene Einkommen der Schule. Mehr, als d-ie Hälfte der Betriebsausgaben wird der Gemeinde keinesfalls zur Last fallen. Und, wenn man diesen Matz stab zugrunde legt, so ist heute schon die Gemeinde bei dem Verhältnis von 6 4 innerhalb des Schulrats stärker vertreten, als dem io in den Vordergrund geschobenen Verhältnis gerade der finanziellen Interessen entsprechen würde. Aber der Grundfehler der hier bekämpften Denkungswcise und Argumentation liegt in einem anderen, ungleich höheren Gesichtspunkt. Mag selbst — im Gegensatz zu dem augenblicklichen Voranschlag — vorübergehend eine Aenderung ein treten, mag gar der Zuschuß, den die Frankfurter israelitische Gemeinde — die doch, wie oben ausgcführt, auch vom „Schulrat" vertrat« wird — leist« muß. bedeutend gröber werden, als «S die eigen« Jntrade» des PhtlanthrovinS sind, so würbe daS nicht gegen, sondern nur für die Erhaltung der GelbstLndiökeit des Philanthropins sprechen. Ein vULungStustitut M keine Akttengesellschaft, deren AufstchtSrat logischerwetse von der Majorität der Geldgeber gebildet wirb. Dort handelt eS sich um die alleinigen Interessen der Aktionäre, d. h. der Interessiert«, und diese wiederum wollen und sollen daS Unternehmen verwalten. Hier aber steht ein Institut in Frage, das für die Allgemeinheit wirkt und nur für diese. Reine und höchste BildnngSmteressen erfordern — im Gegensatz m Jnteressenten- Bevetnigunoen—absolute Unabhängigkeit von finanziellem Machtdruck, vor allem aber von wechselnd« politischen oder gar religiös-politischen Majorität«. Bon diesem Gesichtspunkt wird auch die gesamte deutsche Schulgesetzgebung seit 1870 beherrscht. Die Reichsgesetzgebung hat — ganz im Einklang mit den früheren Landesgesetz«, insbesondere mit dem Preußisch« Landesrecht — unter im übrigen stark wechselnden politischen Verhältnissen und Konstellationen — von 1872 bis heute immer den staatlichen Aufsicht-- und Herrschastsgcdanken gegenüber kommunalen oder gemeindlichen Patronaten unerschüttert aufrecht erhalten und die Macht und Bedeutung der finanziellen Erhaltung bekämpft. EL ist derselbe, durchgreifende überparteiliche Grundgedanke, der den Preußischen Staat, wie jede audere Landesregierung, dahin gebracht hat. sogar den Uudversitüt« — selbstverständlich innerhalb des Rahmens der Staatsaufsicht ununter Wahrung finanzieller Staatsoberhohett — freie Betätigung zu belassen. Für Frankfurt a. M. liegt eS nahe, hierfür auch daS Beispiel der FranNurter Universität heranzuziehen. Auch die Preußische GtaatSregierung hat sich, obwohl die Kosten der Universität heute — im Gegensatz zu früher — fast zur Hälfte vom Staat getragen werben, und obwohl -er Gesamtetat der Universität in vollkommene Abhängigkeit von der Staatsgenehmigung getret« ist. durchaus nicht etwa veranlaßt gesehen, die selbständige. eigene staatsfreie Verwalt«»« der Universität irgendwie zu tangieren und an der bisherigen Zusammensetzung deS Kuratoriumetwas m ändern. Der Geist der allgemein« Selbstverwaltung muß sich naturgemäß in einer Beschränkung des Einstusses rein finanzieller Kräfte auf geistig wirkende Anstalten anssprechen und ansleb«. Und dieser Geist der Selbstverwaltung hat sich ganz besonders stark tn der Aufrechterhaltung einer Reihe selbständiger Schulanstalten bewährt. Schlagende Beispiele dafür können aus -er Geschichte des preußischen und deutschen Unterrichtswesens gegeben werden: sie beweisen, daß für das Bestehen, für die geistige Entwicklung und für das Blühen einer Schulbildungsanstalt die Selbständigkeit ihrer Verwaltung unerläßliche Forderung und Voraussetzung ist. Gegen diesen unbedingt hochzuhaltenöen Grundgedanken aber würde man in krasser Weise verstoßen, würde man die 'Herrschaft über das Philanthropin einer Gemeindeverwaltung mit ihren wechselnden religiösen und politischen Majoritäten ausliefcrn. Es wäre eine schwere, geradezu unselige Verfehlung gegenüber der Generation der Zukunft, wenn man leichtfertig den Schutzwall niederreißen wollte, der die Schul« zu ihrem Segen über ein Jahrhundert hindurch und hente noch gegen religiöspolitische Anstürme der verschiedensten Richtung« geschützt hat. Und, wenn einseitig konservativ oder orthodox, vielleicht auch ganz- oder — was noch schlimmer sein maa — balbziontstisch eingestellten, treibenden Kräfte für ein« derartige, inallgemeine greifende und wirkende Auffassung naturgemäß das Derftändnis fehlen mag. so mutz im Sinn und Geist der obersten Grundsätze eines religiösen, übrigens auch politischen Liberalismus und im Interesse unseres deutschen Staatsbürgeriums hiergegen eingeschritten werden. Bestrebungen machtpoliiischen, verkassungsändernden Charakters, wie sie in vorstehendem geschildert sind, vermögen selbstverständlich an dem fortdauernden, segensreichen Borachi nafschi. Psalm 104. Preise, meine Seele, den Herrn! Herr, mein Gott, wie bist du so groß! In Pracht und Hoheit gekleidet! Gr hüllt sich in Licht wie in ein Gewand. Spannt den Himmel wie ein Zelttuch. Er gründet auf Wassern seine Burg. Macht Wolken zu seinem Wagen, Fährt einher auf Schwingen des Sturmes. Er macht zu seinen Boten Stürme. Als Diener zuckenden Blitz. Er hat die Erde auf Pfeiler gegründet, Daß sie nicht wanke in Ewigkeit. Mit der Flut, wie mit einem Kleide, decktest du sie, Ueber Bergen standen Wasser. Vor deinem Dräuen flohen sie, Vor deinem Donnerlaut bebten sie zurück. Es hoben sich Berge, Senkten sich Täler An den Ort, den du ihnen bestimmt. Grenze setztest du. die sie nicht überschreiten. Daß sie nicht wieder die Erde bedecken, Der rinnen läßt Quellen in Tälern. Zwischen Bergen fließen sie hin. Sie tränken alle Tiere des Feldes, Es löschen Wildesel ihren Durst. Ueber ihnen wohnen die Vögel deS Himmels, Aus den Zweigen lassen sie die Stimme tönen. Er tränkt die Berge von seiner Burg, An der Frucht deines Wirkens sättigt sich die Erde. Er läßt Gras sprießen für das Vieh Und die Saat für die Arbeit des Menschen, Um Brot aus der Erde zu bringen Und Wein — er erfreut des Menschen Herz. — Und das Antlitz glänze von Oel, Und Brot das Menschenherz labe. Es sättigen sich Gottes Bäume, Zedern Libanons, die er gepflanzt, Wo die Vögel Nester bauen. Der Storch — Zypressen sind sein Haus. Die hohen Berge für die Steinböcke. Felsen sind der Klippdachse Zuflucht. Er formte den Mond für die Zeiten, Die Sonne kennt ihren Niedergang. Bringst du Dunkel, so wtrd's Nacht, Da regt sich alles Wild des WaldeS. Junge Löwen brüllen nach Raub Und suchen von Gott ihre Speise. Erstrahlt die Sonne, schleichen sic heim. Und in ihren Höhlen lagern sie. Da geht der Mensch an sein Werk Und an seine Arbeit bis zum Abend. Wieviel sind deiner Werke. Herr, Du hast sie alle mit Weisheit gemacht. Voll ist die Erde deiner Güter. Da ist das Meer, groß und weit gebreitet, Da mimmelt's ohne Zahl! Tiere, klein und groß! Da ziehen Schiffe hin Und Ungetüme, die du gebildet. sich darin zu tummeln. Sie alle — auf dich harren sie. Daß du ihnen Speise gebest zur rechten Zeit. Gibst du ihnen, so leben sie auf. Du öffnest deine Hand: sie sättigen sich des Guten. Tu verbirgst dein Antlitz: sie erschrecken. Du ziehst ihren Hauch ein. sie verscheiden. Und in ihren Staub kehren sie zurück. Der Ruhm Gottes dauere ewig! Es freue sich Gott seiner Werke! Er blickt die Erde an, und sie erbebt. Rührt an die Berge, und ste rauchen. Singen will ich dem Herrn mein Leben lang. Spielen meinem Gotte, solang ich bin. Mög' ihm mein Dichten gefallen! Ich freue mich des Herrn! O. möchten schwinden die Sünder von der Erde Und die Gottlosen nimmermehr sein! Preise, meine Seele, den Herrn! Ein tiefes Beglücktsein erfüllt des Dichters Herz und strömt aus in Worten dankbaren Preisens. Er schaut in die schöne Welt: wie herrlich ist sie gestaltet und geordnet! Wohin er blickt und was er auch sieht, immer wieder spürt er die Weisheit und Güte Gottes, dem er in tiefer Ehrfurcht ergeben ist. Ihm erscheint die Welt wie ein durchsichtiger Schleier, der ganz deutlich Gottes Wunöerwtrken zeigt. Und da die überquellende Fülle des Erschaffenen seinen Sinn gesangennimmt, fügt er in seinem Gemälde Bildchen an Bildchen, wie ein Teppichwirker immer noch ein neues schönes Stück zu erfreu«der Buntheit webt. Aber alle Farbigkeit bleibt zusammengehalten durch einen leuchtenden Grundton. Im Gedicht ist's dankbare Verehrung Gottes, dessen Macht, Weisheit und sorgende Güte den großen Haushalt der Natur ordnend vereint. Wie mit einer tiefen Verbeugung vor dem gewaltige« Weltenkönig beginnt daS Gedicht mit einem Ausruf der Bewunderung. Sein Thron ist hoch in den Himmeln. DaS Feinste und Hellste. daS uns alles enthüllt. daS Licht, daS nach dem ersten Schöpfungswort erstrahlt, für ihn ist'S nur Gewand. Majestätisch in die höchsten Höhen der Welt ragt seine Burg, o Wunder, auf den gewaltigen Wassern oben im Himmel, von denen zuweilen, wenn die Schleusen geö^stret werden, segenbringender Regen strömt. Und von seiner Burg kündet der Gewaltige seinen Willen, der in Sturm und Gewitter zur Erde fährt. Der Erde Festigkeit bewundert der Dichter nun. Ein freies Schweben konnte sich antiker Geist nicht vorstellen. Die Erde ruht wie ein wohlfundamentiertes Gebäude auf nimmer wankenden Pfeilern. Einst deckten mächtige Fluten sie. Aber das Donnerwort göttlichen Befehls scheuchte sie rrt. Da wurden Berge und Täler sichtbar, und den wilden öassern wurde eine Grenze gesetzt, die sie nicht mehr überhreiten. Vielleicht erklärt der Dichter aus dieser Geschichte er Erdgestaltung die Tatsache, daß in den Talern noch Inellen geblieben sind, rauschende Bächlein, an denen Wildsel sich laben. — denn das scheue Tier der Steppe muß och auch getränkt werden. Aus dem Gebüsch tn solch liebtchen Tälern — sie sind nicht häufig im heiligen Lande — challt Vogelgesang. Aber die Berge erhalten das besuchende Naß aus erster Hand. Welch ein Glück ist der rechtzeitige Regen für den Landnann in Palästina! Er schasst ihm Nahrung für sein Vieh tnd spendet ihm die kostbarsten Gaben zur Kräftigung, zur Erheiterung, zur Labung und Zier. Die unbekümmerte Veltfreud'igkeit des jüdischen Bauern läßt ihn die schönsten Früchte seines Landes jubelnd preisen: das kräftigende 8rot, den heiter stimmenden Wein und das iin heißen Lande rquickende Oel. das, vom Haupte rieselnd, die Wangen irglänzen läßt. Aber auch wo der Mensch den Boden in reuer Arbeit, die hier viel Schweiß und Mühe kostet, nicht rereiten kann — auf den höchsten Höhen des Landes, da tehen die Bäume, die Gott selbst gepflanzt hat. und für die it selbst sorgen mutz. Daher schenkt er ihnen, deren Nährboden Menschenhand nicht bewässern könnte, den erquickenden Regen. Auch dort oben in der Höhe ist alles zweckvoll gestaltet: auf den höchsten Felsen birgt sich der Steinbock, tiefer hausen die Klippdachse, und auf den hohen Baumen des Libanon nisten die großen Vögel. Und wenn er nun noch höher schaut, an den Himmel, so sieht er. wie überall. Weisheit und Ordnung. Die großen Leuchten am Himmel sind nach dem naiven Smn des Betrachters dazu gemacht, um die Zeit tn rechter Weise zu gliedern. Nichts ist eindrucksvoller in diesemSmrie ftl» der Wechsel von Tageshelle und Nachtfinstermö. Wird s Nacht, erstirbt jedoch das Leben nicht. Das ist die Zeit sur die wilden Tiere, die auch von Gott ernährt werden Aber mit dem aufleuchtenden Tage werden sie in ihre Höh en gescheucht: nun beginnt des Menschen Arbeit. Die Betrachtung» wie diese reiche Mannigfaltigkeit des Lebens weise Geordnet ist. entlockt dem Dichter einen AnSrus der N-, wunderung, mit dem das Gedicht schließen könnte. Aber der Reichtum dieser Welt ist so groß, daß immer neue Bilder sich dem erschlossenen Sinn aufdrängen. Er hat es schon m der Schöpfungsgeschichte erwähnt, das Meer, aber noch nicht in der Art. wie es sich dem Auge darbietet. etwa von einem hohen Berge des Landes: die leuchtende, weite Fläche, belebt von Schiffen aller Art: manchmal taucht spielend ein großes Meertier auf und schwindet wieder. Alan braucht hier, wie an anderen Stellen des Gedichtes, nicht immer an mythische Vorstellungen zu erinnern, die dem Worte vielleicht ursprünglich zirgrunde liegen. Auch der beliebte Hinweis ans Bibelstellcn lAmos 0,3; Hiob 40, 20s. die eine andere Deutung nicht nur znlasscn. sondern fordern, beweist gar nichts. Hier ist schon alles unmittelbares Bild geworden, und ebensowenig, wie man Goethes ..Füllest wieder Busch und Tal still mit Ncbelglanz" mit einem Hinweis auf Skl*t u a Sam Krim w Ä (\a vTi vt rtt