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Jüdisch-liberale Zeitung · 1924-11-21 · 41 (21.11.1924) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
4 (1924)
Issue
41 (21.11.1924)
Date
1924-11-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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WWtfen de- Philanthropins nichtzu ändern. Handelt eö sich -och -ei solchen Diskussionen schließlich »mr um Probleme recht kleinlicher Art, die an -er Oberfläche haften: sie treffe« nicht die wirklichen und großen Aufgaben d«S Schulwerk-: und, die sie propagieren, ste verkennen dnrchans Leu heutigen Beruf einer öffentliche« Schulau statt, wie der de- Philanthropins. Diese fährt ungehindert fort, so „groß zu denken, wie Ne geboren ist". Gewiß werden neben, her «och allerlei Beschwerde«. Wünsche oder Anregungen in die Welt gesetzt und mit teils starkem Pathos verbreitet. Beispiellos und erschreckend dilettantisch behandelt man Liese Dinge. Man meint, wen» man diese Leute reden hört, als ob eS sich eigentlich um nichts anderes handle, als in welcher Weise irgendeine nebensächliche, ganz unwesentliche Frage der Form o-er der Ausgestaltung des obligatorischen Religionsunterrichts oder des fakultativen hebräischen Unterrichts zu regeln sei, und eS fehlt an jedem Verständnis für das wirkliche Wesen eines großzügigen Schulwerks. Aber schließlich ist auf diese ganze Agitation wirklich kein großer Wert zu legen. Alle, die in erster Linie am Unterricht des PhilanthropruS inierefstert find, die Eltern ihres Zöglingskreises, wissen genau, daß durch solche Tiraden keine Gefahr heraufbeschworen wird. Meist sind es Unberufene und Außenstehende, die all bas im einzelnen kleinlich auszusetzen habe« rmd immer und immer wieder an geeigneter oder — was leider «och mehr der Fall ist — ungeeigneter Stelle Vorbringen. Die Allgemeinheit der „Schulgemeinde" steht solchen Dingen durchaus fern: diese sind nicht einmal Gegenstand irgendwelcher ernster Erwägung, geschweige denn ebner geistigen Erregung. Der Bettieb der Schule — damuß zur Beruhigung weiter Kreise festgestellt werde» — wird durch keine Erregung der Elternkreise gestört. Er spielt sich in vollkommener Harmonie zwischen Eltern rmd Lehrern ab, in rastloser Arbeit und Schaffensfreude, geleitet einzig und allein von dem Gedanken und dem Wunsche, daß auch schultechnisch der bildungsför-ernde Aufstieg deS Philanthropins gesichert werde. Und wenn vor allem auch der Versuch gemacht wird, den Religionsunterricht noch mehr in eine ausschließlich streng konservative Form zu drängen und damit im Endergebnis den Kindern liberaler Eltern den Besuch der Schul« mehr und mehr zu erschweren, so liegt solchen Bestrebungen auch noch ein anderer, sehr wesentlicher Irrtum zugrunde. Das „Philanthropin" ist kein Privatinstitnt und keine Privatschule. Es ist überhaupt keine Anstalt, die in irgendeiner Beziehung außerhalb des Rahmens anerkannter öffentlicher Schultypen steht. Das Philanthropin ist aber auch keine „Religionsschule". Innerhalb des gesamten Lehrplans dient der planmäßige jüdische ReligionSnnterrtcht der Verwirklichung der besonderen Aufgaben gerade dieser Schule, aber lediglich als Teil ihrer Gesamtausgaben und ihrer Gesamtleistung. Das Philanthropin — mit allen seinen einzelnen Bestandteilen, seiner Realschule, seinem Lyzeum, seiner Jrauenschule. seiner Volksschule, seinem Kindergarten und seinen geplanten Oberklassen, mit allen seinen Unterrichtsgegenständen, der Neligions-- lehre. wie den weltlichen Fächern — ist eine vom Staat als öffentliche höhere preußische Unterrrchtsanstalt anerkannte Schule. Das Philanthroptn hat demnach den Lehrplan zu erfüllen, die Lehrverfaffung und die Zusammensetzung des Lehrerkollegiums einzuüalten und zu wahren, wie diese alle» Schulen seiner Art grundsätzlich staatlich vorgeschrieben sind. In ihrem Rahmen wirken die berufenen Lehrpersonen, der Direktor und die Mitglieder des Lehrerkollegiums, nach freier wissenschaftlicher Ueberzeugung. im Geiste modernen Lehrompfindens, zugleich aber zur Förderung der immerdar Ler Arbeit der Schule vorschwebenöen geistigen Bildungs- und Menschhettsiüeale, zur Erfüllung schließlich der eigentümlichen und eigengearteten besonderen Aufgaben des Philanthropins, zugleich für Deutschtum und Judentum. Alle Versuche, den Unterricht der Schule im einzelnen, nach Sonderwünschen oder nach Bedürfnissen gewisser Grup- 1. Liste der Stifter und lebenslänglichen Mitglieder der Vereinigung für das liberale Judentum e. V. Die letzte Hauptversammlung der Vereinigung für das liberale Judentum hat beschlossen, -atz Etnzelmitglieder durch die Leistung eines einmaligen Beitrages von mindestens 300 Goldmark die lebenslängliche Mitgliedschaft, durch die Leistung eines einmaligen Beitrages von mindestens 500 Goldmark die Eigenschaft eines Stifters erwerben können. Daraufhin haben fich sofort folgende Herren als eingetragen: Herr N. Hamburg« Kommerzienrat Berlin Stifter Herr Vmtt Frühling Fabrikant Berlin Herr Ernst CMo$, Bamkier, Berlin Die lebenslängliche Mitgliedschaft der Vereinigung für das liberale Judentum E. B. haben erworben: •*?rr Sigmund Galinger Fabrikant Berlin Herr Richard Cassel Kaufmann Berlin Herr Foihn Levi Kamsmann BreSla« Herr Alfred JanlnS Herr Siegfried Pinthns H.'rr Will, Weinstein Bankier Kaufmann Kaufmann Berlin Erfurt Erftmt Die Liste wird demnächst fortgesetzt. Wir geben -er Hoffnung AnSdrnck, -aß fich recht vlete Mitglied« unserer Vereinigung als Stifter oder lebenslängliche Mitglieder werde» etntragen lasten rmbadmch -« Vereinigung die Möglichkeit für eine großzügige Verbreitung ihrer Ideen schaffen werden. Bereinigung für das liberale Fnbentnm A. B. ■ pen von Gemeindemitgliedern oder gar noch solcher zu gestalten oder zu ändern, deren Kinder gar nicht üie Schule besuchen, werden und müssen schon an dieser Tatsache scheitern. Sie scheiern aber auch in Wirklichkeit an dem einmütigen Zusammenwirken der Eltern und an deren idealer und tatkräftiger Begeisterung für bas Interesse und das Wohl ihrer Schule. Das Philanthropin hat von solchen Stürmen im Wasserglase nichts zu fürchten. Seine Wurzeln sind tief unfest. Auf gutem und sicherem Boden erhebt sich sein Bau, gefestet in der Entwicklung eines Jahrhunderts, getragen und verschönt dnrch den lebendigen Inhalt -er Gegenwart. Es „blieb sich", um ein Wort Goethes zu gebrauchen, „immer gleich", und es wird sich immer gleich bleiben, „weil alles aus einer Quelle floß". Der gewaltige. großzügige Gedanke, der das Philanthropin im Sinne deutscher Kultur unaller geistig religiösen Kräfte -es Judentums bisher zum Segen seiner Schüler, zum Segen der Frankfurter Gemeinde, wie ihres religiösen Lebens, und nicht zum wenigsten auch zum Sogen unseres deutschen Vaterlandes erhalten hat. wirb seine siegende Kraft auch weiter bewähren. Den wissentlich Uebereifrigen aber, die, teils auf Umwegen, teils mit offenem Visier und religiös-politischer Kampfparole, das Arbeitsgebiet des Philanthropins verschieben und sein einheitlich wirkendes Schulwerk stören möchten, in diesem Augenblicke ein „Bis hierher und nicht weiter!" Für die Geduld der Liberalen, für die überwiegende Mehrheit der früheren Schüler, wie der Eltern der jetzigen Schiller ist die Grenze bald überschritten. Und. wenn es dazu kommen sollte, in einer Stunde wirklicher Gefahr, dann würde man sich um das Philanthropin, um seinen Schulrat und um seine Lehrer, zur Abwehr scharen. An der festen Mauer dieser Freunde des Philanthropins und des Philanthropingedankens, würde jeder Angriff ergebnislos zurückprallen, mag es sich um »inen Sturmangriff oder nur um Umgehungsmanöver handeln. Sersammlungskalender. Berlin. (Jüdisch-liberaler Jugeudverei» E.BÜ. «m 27. November, abends Uhr, hält Herr Dr. Mar Mayer in der Fasanenstraße 79/80 einen Vortrag über LaS Thema: „Der kommende Landesverband jüdischer Gemeinden und die liberale« Vereine". Berlin. (Liberaler Verein für die Angelegenheit« der jüdischen Gemeinde. Beztrksgruppe Norden.) Im Auerbachschen Waisenhaus. Schönhauser Allee 1«, st-ndet regelmäßig abends 6H Uhr Freitagabend-GotteSbienst mit Orgel, Chor und Predigt statt. Breslau. (Jüdisch-liberaler Jugeudveret» JXbttfrm Geiger".) Geschäftsstelle HüfHervstwß Sl, 1 Tr. ftatt. Am Dienstag, den 26. November, fällt der Vortragsabend aus. Die Mitglieder werden gebeten, zum Bortvag« deS Herrn Rabbiner Dr. Baeck-Berlin im Verein für jüdstche Geschichte und Literatur zu erscheine». BeviammümgRostü: Lessing-Loge. VWWW'V'VWWWWWW WW WWW Qesellsfyaftsu. Smokingansüge P nach Maß aus Ia Stoffen in _ vollendeter Paßform Mark ßeo Sonnenschein, fotsdamtrstr.n Telephon: Lttisom 9061 fön« man sich in dieses Gedicht besser einfühlen, wenn mar oiesem Dichter mit seinem hellen Glauben an Gottes alb waltende, allöurchöringende Macht 'längst überwundene mythische Vorstellungen zutraut. Eott als den Allernährer erkennt, wenn mar Liefe Welt denkend betrachtet, so zeigt sich seine schöpferisch« Macht auch, wenn man einen tieferen Blick in die Geschicht, Ler Generationen wirft. Wie die Erde winterlich abstirb! und sich immer wieder verjüngt, so schwindet das Leben uni ersteht wieder aufs neue, wenn der Gotteshauch entzöge, oder gewährt wird. Wie froh muß der Schöpfer solchei Wunderwerke sein! Wie mutz er sich freuen über sein ge lungenes Gebilde! (Auch die Schöpfungsgeschichte erzählt Gott sah. daß es gut war!) Der Dichter ist glücklich, daß ei sich mitfreuen darf über Gottes wunderbares Wirken un! seine Freude im Lobgesang äußern kann. Als ob er noci etwas ganz Wichtiges übersehen habe, fügt er nebenbei noö ein Zeichen des Machtwirkens Gottes an: er kan» mit einen Wink selbst die festgegrünöete Erde erbeben und die Berg im vulkanischen Ausbruch brennen lasien. Müßte nicht alb Welt einem so weisen und allgewaltigen Gotte verehren, zujubeln? Aber da gibt es — unfaßbar dem frommen Ge müte — Menschen, die diesen Gott nicht erkennen wollen - Bosheit und Sünde ist in ihrem Herzen. Sie sind es, dt sich nicht einfügen in öie wundervolle Harmonie der gött lichen Weltgestaltung und Ordnung, ein dunkler Flecke, auf dem hellen Bilde. O, möchte er schwinden, Laß alle Wel einig wäre in dem Ruf: Preise meine Seele den Herrn! Man beachte, wie alles Beschreibende in dieser naiven Vorstellung des Weltbildes in Tätigkeit und Bewegung gesetzt ist und alles durchwärmt wird durch das G->s>"'hl aufsubelnder Freude über die Schönheit dieser Welt, die ein schasfensfroher, gütiger, mächtiger Gott weise gestaltet. Das Gedicht gehört zur Gattung der Hymnen, die zum Ruhm der schaffenden Gottheit gesungen wurden, sicherlich im alten Orient eine sehr verbreitete Literaturgattung. Bringt es nicht schon der gleiche Stoff mit sich, daß das Wort in ähnlichem Tone klingt? Es ist so. als wenn ein Dichter der Abendstimmung sagt: Nun ruhen alle Wälder, und ein anderer ganz ähnlich, aber unabhängig davon in einem einheitlich geschloffenen Gebilde: In allen Wipfeln ist Ruhe. Zu einer gewissen Zeit — ich denke, sie ist vorüber — hat man von dem späteren Dichter mit vermeintlicher Wissenschaftlichkeit behauptet, daß er „beeinflußt" sei, und bei den biblischen Dichtungen möchte man wohl in manchen Kreisen noch heute Nachweisen, daß ihre Quelle in einem anderen Kulturgebietc läge. Man stellt gern unseren Psalm dem Sonnenhymnus des Pharao Echnaton (um 1370) gegenüber. Ich führe die verwandtesten Stücke aus diesem Gedicht. bas nicht lange vor Moses Zeit entstanden ist, hier an: Gehst du unter am westlichen Himmel, Ist die Erde finster wie das Grab. Sie ruh'n in ihren Kammern Verhüllten Haupts, kein Auge schaut das andere Würde all ihre Habe geraubt, die unter ihrem Kopfe liegt. Sie würden es nicht merken. Jeder Löwe kommt aus seiner Höhle. Alle Schlangen stechen. Die Erde wird hell, gehst du auf am Horizont Und strahlst als Sonne am Tag .... Sie wachen auf. stehen auf den Füßen. Denn du hast sie erhoben. Sie waschen sich, legen an ihre Kleider, Ihre Arme lobpreisen, weil du erglänzest, Die ganze Erde — sie tut ihre Arbeit. Alles Vieh ist zufrieden mit seinen Kräutern, Die Bäume und Kräuter grünen. Die Vögel flattern in ihre Nester, Ihre Vögel lobpreisen dich. Alle Tiere hüpfen auf ihren Füßen. Die Vögel, alles, was flattert — Sie leben, wenn du über ihnen aufgehst. Die Schiffe fahren stromab und -auf. Jeder Weg ist offen, weil du glänzest. Die Fische im Strome springen vor dir. Deine Strahlen dringen ins Innere des Meere-. Die Welt ist in -einer Hand, Wie du ste gemacht hast. Gehst du auf, so leben ste. Gehst du unter, sie sterben. Du selbst bist die Lebenszeit. Und man lebt durch -ich. Herder hat in seiner älteste» Urkunde deS Menschengeschlechts gezeigt, wie dem antiken Orientalen der Gegensatz zwischen schauervoller Nacht und Dunkel und Schrecken scheuchendem Tagesanbruch weit eindringlicher fühlbar war als uns. Und daß die Darstellung dieses allgemein «nd lebhaft gefühlten Kontrastes in einem an die Sonne gerichteten Hymnus ähnliche Formen aufweisen mutz wie in unserem Gedicht, ist eigentlich selbstverständlich. Zugegeben selbst, daß diese oder ähnliche Vorbilder dem Dichter de- 104. Psalmes bekannt waren — er war wohl, wie B. 98 und 34 andeuten, literarisch geübt —. merkt man denn nicht, in welch einheitlichem ursprünglichen Tone diese- Gedicht geschaffen ist? Spürt man nicht die eigenartige israelitische Religiorisanschauuirg, die keine Spur einer Naturverehrung ausweist, sondern alleauf den allwirkenben ewigen Gott bezieht? Daher kann auch biefer Pfalm nicht schöner beginnen und schließen als mit -er Aufforderung: Lobe meine Seele den Herrn! Und mag moderner Welterklärung die hier zugrunde liegende Anschauung vom Aufbau der Welt kindlich erscheinen und mag die Nachweisung -er Zweckgedanken im Schöpfungswerke sicherlich keine philosophische Tiefe verraten, immer wird man sich erfreuen an diesem hellen frohen Blick in Gottes Welt »nd an dieser herzenswarmen Frömmigkeit, die die groben Gedanken der Schöpfung in solch künstlerischer Bildhaftigkeit nachzugestalten sucht. Dr. M. Spauier, Bertt«. vom Glaube«. Glauben cm irgendetwas läßt fich nicht lehren, am wenigsten das Glauben au Gott. Dieses höchste Glauiben ist im gegebenen Augenblick entweder da oder eS fehlt: der Wille karm es weder rufen noch vevjagen. den« es kommt wie Siebe und Haß aus einem Müssen. Und wie Liebe und Haß fich mischen oder eins ins andere sich wandett, je »ach dem Grad der Erschütterung oder Veränderung seiner Grundlagen, so wird aus Glauben Unglauben, aus Unglauben Glauben, sobald Wissen und Einsicht, mögen sie nun wiklich o-er nur eingebildet sein, kommen und gehen. Wenn aber Glaube« kein Willens-. sondern ein Müffensakt ist. kann eS wenig Zweck haben, jeurand zum Glauben oder zum Nicht glauben aufzufordern. Demnach ist im Hinblick auf den Glauben auch die alte Stteitfvage, ob der menschliche Wille frei oder unfrei sei, ohne eigentlichen Belang. Die Behauptung, der Mensch könne an Gott glauben, wen« er nur ernstlich wolle, ist genau so irrig, wie sie unkritischem Verstand wahr erscheint. Wenn ich mich durch einfaches Wollen zwingen könnte, den höchsten, wunderbarsten Glauben zu halben und damit alle Beglückung, die er verleiht, so müßte ich von jedem beliebigen irdischen Ding Mindestens das glauben können, was. wenn eS wahr wäre, in meinem Vorteil läge: ich müßte z. B. glauben können, daß ich nur auf die Bank zu gehe» brauche, mn Millionen abzuheben. obwohl ich weiß, daß ich dort kein Konto habe. Ich müßte können, was der Geisteskranke kann, nur mit dem Unterschied, daß ich mir eines Kunststücks bewußt wäre, wo der Irre nur natürlich handelt. Ist der Glauben erst einmal da. so «rag er Berge versetzen können, aber zustande kommt er nicht durch den Willen, sondern ohne oder gegen ihn. Und wenn einer mit aller Sehnsucht durch sogenannte freiwillig« Uebungen immer stärker im Glauben und zuletzt ein Heiliger wurde, wenn er innerhalb de* Entwicklung seines Glaubens den echtesten Willen bewresen hat. so lag dennoch im Anfang ein natürlicher Zwang vor, der ihn ohne oder gegen seinen damaligen Willen in seine Bahn warf, wie denn auch die großen christlichen HMigen den wahren Glauben als eine Gnade Gottes bezeichnen. Keinen rechten Sinn mehr bat es dagegen, wenn die Kirche die Guadetteigenschaft des Glaubens bestätigt, aber hinzufügt, diese Gnade könne jedermann durch fleißiges Gebet erlangen. Man übersieht dabei, daß ehrliches Beten den Glauben bereits voransfetzt. mutet dem Ungläubigen, der durch seinen Willen gläubig werden soll, also zu. daß er als ausgemachter Narr beginne, indem er Worte rede, die für ihn keinen Inhalt haben. Wie armselig müßte ein Gott sein, der seine Gnadenverteilung von solchem sinnlosen Geplapper abhängig machen wollte! Aber für den Glauben ließ« fich wett besseres tun als ihn lehren wollen: die Heuchler und Krämer aus dem Tempel werfen, die den Boden vergiften und zerstampfen, aus dem die jnnaen Glaubcnspflänzchen von selbst wachsen möchten! A. vom Berg.

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