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Jüdisch-liberale Zeitung · 1924-11-14 · 40 (14.11.1924) · page 7

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
4 (1924)
Issue
40 (14.11.1924)
Date
1924-11-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1 Der jüdische Spredtsaol. Eine eigenartige Interpretation,, Niemand wird behaupte« können, Latz die Berfassuns v«d Li« Wahlordnung LeS Preußischen SandeSverbandeS Mischer Gemeinde« stch durch besondere Klarheit anS* reichme». Selbst für Len Eingeweihten ist enicht immer ganz -weffelSfret, wie ->ie Dinge liege«. Um so erwünschter wäre es natürlich, Latz in Zweifelsfragen die Bestimmungen eine möglichst präzise Auslegung erfahren. Leider scheint man an den maßgebenden Stellen diese Notwendigkeit noch nicht erkannt zn haben, ja, im Gegenteil, durch die Art der J8«- antrvortuna von Anfragen* in dem offiziellen ^VerwaltungSblatt LeS Preußischen LandeSverbondejüdischer Gemeinden* noch die Unklarheit vergröbern m wollen. Eine der Antworten in Nr. 4 LeS VerwaltungSblatteS vom SO. Oktober 1924 lautet *. B.: *&« Leu Vorstand der SynagogenaemeinLe St.! Wir mache« darauf aufmerksam, -atz nach 8 1 der Wahlordnung, entsprechend dem Artikel 11 der Verfassung, Las Wahlrecht nicht an das Erfordernis eines mindestens einjährigen Wohnsitzes in der betreffenden Gemeinde, sondern einer BerbandSgemetude schlechthin geknüpft ist. Um zeitraubende und komplizierte Feststellungen über die Angehörigkeit ebner Gemeinde zum Verband« im einzelneu Falle überflüssig »n machen, wird eS genügen, Latz die Fragestellung sich darauf erstreckt, ob der Betreffende vor dem 7. November 1923 in Preußen ansässig war.* Ein dera-rtigeS Verfahre», «um zeitraubende und kompli- O«tte Feststellungen überffüffia SU machen*, entspricht na- «Ürl-tch keineswegs den Bestimmungen der Wahlordnung oder der Verfassung. Bekanntlich gehören nicht sämtliche jüdischen Gemeinden Preuhens dem Landesverband an, weShalb vor dem hier empfohlenen Verfahren entschieden gewarnt werden mutz. Es wäre natürlich ein leichtes gewesen, de« Vorstehern der Berbandsgemeinden ein Verzeichnis sämtlicher Berbandsgemeinden zuzustellen. Auf daS entschiedenste mutz aber dagegen Verwahrung eingelegt werden, Latz im Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden lVerantwortlicher Neöaktenr Dr. JSmar Freund, Berlin) Methoden empfohlen werden, die zu den vorhandenen Bestimmungen in offensichtlichem Widerspruch stehen. Mag ein derartiges Verfahren im vorliegenden Fall noch hingehen, so ist hiergegen doch grundsätzliche Verwahrung am Platze. kstincipüs oogta! Eigenartig berührt auch eine weitere Antwort: »Herrn Rechtsanwalt Dr. K. in £.: Die Frage der Diäten ist geflissentlich in der Verfassung offengelassen, weil es naturgemätz von der Finanzlage des Verbandes abhängen wird, ob und in welcher Höhe von ihm ans Diäten gewährt werden können." Diese Antwort verkennt deshalb den in Frage stehen- Le» Sachverhalt, weil es für die Kandidatenaufstellung naturgemätz von größter Wichtigkeit ist, ob vom Landesverband Diäten bezahlt werden. Eigentlich sollte die Beantwortung der Frage in positivem Sinne selbstverständlich fein: denn es kann einem berufstätigen Menschen doch nicht gut zugemutet werden, sich ein- oder mehrmals im Jahre von Königsberg, Kiel, Frankfurt a. M. oder Köln nach Berlin zu begeben und hier einige Zeit im Interesse der jüdischen Gemeinschaft tätig zu sein, während ihm in seiner Heimatstadt grössere Verdienste entgehen. Ein derartiges Verfahren würde zur Folge haben, daß bei der Kandidatenaufftellung der Geldsack eine große Rolle spielen müßte, und datz beispielsweise kleinere Kaufleute oder Hmrdwevker von vornherein ausscheiden müßten. Das zu verhindern, dürste im Interesse aller demokratisch Gesinnten Regen. Deshalb erscheint mir eine Vereinbarung zwischen OEodoxen, Zionisten und Liberalen am Platze darüber, Latz man bereit ist. diese Frag« durch einen gemeinsamen Beschlutz zn lösen. HanS Loe wen st ein-Berlin. i ES soll hier nicht bestritt«» werden, -atz in Liefe« Vorschriften et« gewisser erzieherischer Wert gelegen baden kann ober für andere Kreise auch heute «och liegen mag. AVer für daS liberale Judentum liegt in ihnen ein solcher Wert nicht, eS hat ganz andere Erziehungsmittel, die der heutigen religiöse» und seelische» Einstellung seiner Anhänger mehr und besser entspreche«. Wir leben in anderen Zeiten, als jenen fernen, welch« dt« Gpeffevorfchriften entstehen und auSbildeu ließen: wir leben nicht mehr in heidnischer Umgebung, die eine rlbson» dernna erforderlich machte: wir wolle« uuS auch nicht ab» fchttetzen, sondern «ine» gesunden Verkehr mit unserer andersgläubigen Umgebung im bürgerlichen Leben suche» und pflegen: wir fühlen u»S alS religiöse Gemeinschaft, nicht als eine Bolksgemeinde: wir erblicken auch in asketischer Lebensführung keine religiöse Förderung. Für die Entwicklung LeS religiös-liberalen Judentums sind Kompromiße und Halbheiten außerordentlich gefährlich. Don unseren Führern müssen wir verlangen. Latz sie entschieden liberal find, nicht aber «nicht orthodox und nicht liberal, Loch orthodox und Loch liberal, national und nicht nattr rl* — sonst ende» wir bei einem völligen Znsammenhrnch unserer Bestrebungen! Joseph Kau ff mann, Gerlin-Wetßensee. Geschmacklosigkeiten. Wir verlange» mit Recht, Latz Len Einrichtungen der jüdischen ReligionSgem-einschaft von nicht jüdischen Kreisen die Achtung entgegengebracht wird, auf die sie Anspruch erheben können. Zur Durchsetzung dieser Forderung wird von Mischen Organisationen ein umrblaffrger und außerordentlich schwerer Kampf geführt. Was soll man aber dann dazu sagen, wenn man in den letzten Sdmmnern mehrerer jüdischer Blätter ein Inserat findet, das geeignet ist.daS Judentum in verwerflichster Weise zum Gespött der nichtjüdischen Umwelt zu machen?! Das erwähnte, vom Verband der Ostjnöen in Deutchland, Ortsgruppe Berlin, e. V.. veröffentlichte Inserat möge hier in naturgetreuer Nachbildung folgen!. Verband der Ostindien in Deutschland Ortsgruppe Berlin, E.V. I. A. F, Tinkowski Sophien-Säle, SopMensiraJjje 17/18 Freitag, den 14. November, 4 Uhr abends Sonnabend, den 15. November, 9 U. morg. Großer Gottesdienst ousgeführt von dem weltberühmten Oberkantor Saloma Pinkasowitsch mit verstärktem Chor unter Leitung seines Dirigenten J. Dymont. Besorgt Eiitii retlMig MMarfw y. 2-10 für ahnte a. marps. Zu hoben: Zentrale F. Tinkowski, Linienstr. 146, Dole D Bock, Leipziger Sir., Gonzer, (öuchhandlg.), Oranienburger Str. 26, Rosenberg (Buchhondlg.), Grenadierstr. 38 und an der Kasse 5ophtens6Ie, Uglich von 9-5 Uhr. Speisegesetze. Eine Erwiderung auf: Ei« Ddalog von Rabbiner Dr. Fuchs. Christians Zweifel über den Standpunkt, Len Jakob im Judentum einnimmt, fft begreiflich. Seine Neugierde, wo Jakob einmal enden wird, tarnt von nieumndem befriedigt werden, aber auf dem Boden des liberalen Judentums steht Jakob nicht. Dieses unterscheidet zwischen sittlichen Grundgeboten und ewigen Wahrheiten der Religion einerseits und geschichtlich bedingten Glaubens-Vorstellungen und Erscheinungsformen andererseits. Es ist keine Frage, daß die Speisevorschriften nur zu letzteren gehören können. Es ist wohl sicher, datz die Speisegesetze ihren Ursprung in uralten Priestergedräuchen hakten: erst nach sehr langer Zeit und aus besonderen Gründen sind sie nach und nach Gemeingut des Volkes geworden. Nach Levitrcus 22*8 und Ezechiel 4, 14 und 44,31 war nur den Priestern das Essen von Gefallenem und Zerrissenen verboten. In Deuteronomium 14,21 wird solches auf Las ganze BE ausgedehnt. Abgesehen vom Pentateuch ist in Len vorexilischen und exilischen Schriften Ler Bibel kei.re Spur von Speisegesetzen zu finden. Dagegen sind viele Andeutungen vorhanden, Latz in alten Zeiten, bis etwa auf Esra, die Speisevorschristen unbekannt waren z. B. Abrahams Gastmahl, Jithros Opfermahl. Elia's Speisung durch Raben, Jojachins Teilnahme an der Tafel des Evil Merodach. Die ersten und einzigen Erwähnungen des Schweines in Jesaia 65,4, 66,3, 66,17 sind nachexilisch. Selbst in den Beschlüssen der großen Versammlung unter Nehemia und Esra ist keine Rede von Speisegeboten. Erst in den spätesten nachexilischen Schriften, wie Daniel, Judith und den Makkabäern erscheinen die Speiseverbote als Grundgesetze. Opferdienst und Speisegesetze Hängen eng zusammen. Die großen Propheten, die so wenig Wert auf Opfer legten, z. B. Jesaia 1,11, Jeremia 6,20, 7,21—28, haben entweder von Speisegesetzen nichts gewußt, oder sind mit absichtlichem Stillschweigen darüber hinweggegangen. Wenn sie ein Erziehungsmittel in ihnen gesehen hätten, würde» sie sich dieses Mittels ganz gewiß bedient haben. Nicht zur Erziehung, sondern zur strengen Absonderung von den heidnischen und halbheidntschen Umwohnern stnL Lie Speisevorschristen für die neue jüdische Gemeinschaft seit oder nach Esra eingeführt und immer mehr auSgebaut worden. Sie sind geschichtlich bedingte Erscheinungsformen. Diese historischen Ausführungen sagen wohl keinem einigermaßen religionsgeschichtlich gebildeten liberalen Juden etwas Neues, ganz gewiß aber keinem Rabbiner. So verständlich es ist. wenn ein Orthodoxer in den Speise- Vorschriften ein göttliches Sinaigebot sieht, fo nuverstänL. lich erscheint es. wenn ein liberaler Rabbiner, der die geschichtlich bedingten GlaubenSvorstellungen und Erscheinungsformen doch als menschliche Einrichtungen betrachten muß, unter dem Deckmantel ihrer Wichtigkeit als Erziehungsmittel, den Speisegesetzen göttlichen Ewigkeitswert beilegen möchte und st« dadurch zur Geltung zu bringen sucht. Damit könnten religiös empfindende Liberale in schwere Konflikte gebracht werden, deshalb muß gegen die Ausführungen in dem veröffentlichten Dialog energischer Widerspruch erfolge«. Damit aber nicht genug. Der rührige Verband der Ostjuden in Deutschland veröffentlicht die Nachricht von den beiden rvelterschütternden Gottesdiensten an den Berliner Plakatsäulen in einer monumentalen Größe, die der „Weltberühmtheit" des Herrn Oberkantor Saloma Pinkas o w i t s ch entspricht. Wir dürfen freudigen Gemütes aus den Plakaten ersehen, Laß wahre jüdische Religiosität nicht nur aus dem Besuch Ler Sophiensäle, sondern auch aus dem Kauf eines Grammophons mit Schallplatten geschöpft werden kann, die den Genuß des «weltberühmten* Kantvrenovgans vermitteln. Man kann der .andächtigen" Gemeinde, an der in den Sophiensälen der „große" Gottesdienst verübt oder vielmehr ,ousgeführt* werden soll, ihre eigenartige religiöse Erhebung von Herzen gönnen. Man wird aber auch entrüsteten Einspruch dagegen erheben müssen. Laß der Verband der Ostjnöen in Deutschland «das Judentum verächtlich macht, indem er durch konzertnn>d theatermäßige Reklame jüdische Gottesverehruna in Ler Oeffentlichkeit prostituiert. * Wenn Las Hamburger Israelitische Famikienblatt in einem Artikel: „Der 7. Dezember" nach Besprechung von Wahlaufrufen antisemitischer Parteien an den Schluß seines Artikels Lie Worte setzt: „Darauf sprechen wir alle Amen" so Lürfte auch hier etwas mehr religiöses Taktgefühl und jüdische Würde am Platze sein. Dr. Max Mayer-Berlin. Liberale Kasualreden. Gibt es auch das noch? Oder handelt es sich hier schon um die gewaltsame Ueberspannung eines Parteibegriffs? Ich bin Ler Ansicht, daß hier keine Ueberspannung. sondern eine notwendige Forderung vorliegt. Und wie bei der „liberalen Predigt", von der ich einmal schrieb, habe ich auch bei Ler Kasualr'ede dieser Forderuna längst Rechnung getragen. Um zweierlei wird eS stch handeln. Zunächst darum, daß man liberale Grundanschauungen auch in die Worte der Trauer und der Freude hineinklingen läßt, natürlich nicht, um in diesen heiligsten Momenten Propaganda treiben oder Bekenntnisse ablegen zu wollen, sondern nur, mn die Nächstbeteiligten wirklich tu -er Seele zn packen. Denn schließlich kommen ste doch zn dem liberalen Prediger, damit gerade er ffe in Ler ihnen gemäßen Weise tröste oder in die Zukunft geleite. Es wird daher auch uvch nicht genügen chatz man nicht orthodox spricht» sondern etwa neutral. Die wirkliche Seelenwirkuna wird in unserem Falle nur erreicht werden, wen« die liberalen Anschauungen wirklich zum Ausdruck kommen: wen« man an Bahren von dem seelischen Fortleben, -er Auferstehung LeS Herzen-, Lem Jenseits -es Geistes und dem Wiedersehen in Ler Erinnerung spricht — und unter Trauhlmmeln die Mannigfaltigkeit göttlichen Erlebens betont. LaS auf verschiedenen Wegen zum Seelenglück führt. Aber nicht bloß göttlichen. Auch Geist und Gefühle haben stch für den liberalen Menschen entwickelt: Tod, Glück, Ehe, Seele, Frau erscheinen so vielen in gewandeltem Licht, mb -aS wird nicht zu vergessen sei«. Und nicht minder wird' die Berechtigung, -er Wert und LaS Glück unseres JüLffchseius an Babreu ebenso anerkannt werden müssen, wie «- dem iungen Paar akS Stärkung inr Lebenskampf milzugeben, und vor allem als Band, das eS mit dem Judentum fest verknüpfen soll, dar- Mstellen sein wirb. Aber nicht nur hinsichtlich der Grundanschauuugen wird .man die Rede liberal eiustellen, sondern auch hinfichtlich der Form. Wie eS bei der Predigt unsere Aufgabe ist, neue Wege zu suchen, auf denen man z« dem neuen Menschen gebangt, so auch bei der Kasualrede. Und hier vielleicht erst recht, weil es ja nur zwei sind oder einer aus der großen Gemeinde, die so oder so abgestimmt sind oder waren — was wir bei der gesamten vor unS sitzenden Menge nicht im einzelnen wissen können. Aber im Kasualfall sollten wir uns so eng wie möglich an den KnlturkreiS unserer Menschen anschlietzen — nachdem rrür ihn natürlich vorher festgestellt «haben — und ihre Neigungen, Bücher und Menschen in der Stunde der Feier auflebe« lassen — und nicht zuletzt ihre eigenen Worte, sofern wir derartiges ermitteln können. Und wo man nicht weitz, da frage man, nicht nur nach den üblichen LebenSdate«, sondern gerade nach derartigen Einzelheiten. Und ergibt sich trotzdem, datz die Menschen der Stunde ein ,/gewöhnliches" Leben führen, so sei man dann wieder so liberal, datz man die alten Gedanken und Wünsche nicht bloß durch alte Worte und Sprüche, sondern durch solche aus unserer Zeit und vor allem natürlich -urch u enjüdische Worte vor nuferen Menschen aufklingen läßt: aber nicht etwa, um mit Wissen zu prunken, sondern um auch dem einfachen Menschen ein Gefühl für die Ewigkeit unserer Lehre, aber auch der Ewigkeft von Freude und Schmerz» von Glück und Tragik «in di« Seele zu legen und ihn daurit zu trösten oder ihn mit seinem kleine» Ich hineinzubauen in die Unendlichkeit. An Stoff fehlt es wahrhaftig nicht. Jüdische und «WW* jüdische Geister aller Zeiten haben das Thema der Liebe und Ehe, der Trauer, des Todes immer und immer wieder behandelt: der Philosoph, der Dichter, der Künsdler — btt der Bilder ebenso wie der der Töne. Es ist unsere Pflicht, sie alle zn kennen, es ist unsere Pflicht, ste reden zu lasse». Gerade hier Iienl das vorzüglichste Mittel, der Gefahr zu entgehen, die jedem ernsten Prediger täglich erneute Sorge sein muß: sich zu wiederholen und eintönig zu werden. Gewiß soll man vor allem in sich selber suchen und immer neu auf das Leben achten und seinen ewigen Fragen immer neue Seiten abgewinnen. Aber daschließt nicht ans — und ist kein Zeichen von innerer Leere —. -atz man auch die edelsten Geister von draußen in seine Welt mit einbezioht, seine Verbundenheit mit ihnen betont «nd so — bei der Predigt wie bei der Kasualrede — immer wieder jene Snnthese erstrebt von neuer Kultur und altem Judentum. Man kann eben Sen Ausführungen von M-argoliuS hier nur zustimmen. Eines freilich ist Lag« nötig: daß man auch die Kasualrede für wichtig genug hält,' um ihr die Arbeit zu widmen, die ich verlange. Geht man natürlich davon aus, Latz ia doch alles mit Ler Stunde verrauscht, noch schneller, als manchmal bei einer Predigt, begnügt man sich damit, bloß »nr Ausfüllung einer -Form daznstehen. dann wird man nicht begreifen, weshalb man nicht wirklich im Laufe der Jahre die Kasualrede auf ein bestimmtes Schema bringen soD. bas nur den Namen A durch B ersetzt, tm übrigen aber so formelhaft ist wie das immer wieberkehrende feste Gehet. Me jedoch gerade der liberale Prediger auch in dem regelmäßigen Gottesdienst soviel Freiheit wie möglich für sich beanspruchen und tatsächlich, wie erst Friedländer kürzlich wieder verlangte, se i n e Gebete — Psalmen oder andere Bibel stücke oder Prosa oder Poesie« «achhiblischer und auch unserer Tage — in seinem Gottesdienst vortragen soll ilvas ich selber schon seit langem verwirklicht habe). wie er erst recht die Predigt in jeder Hinsicht liberal anSbaneu wird, so soll und wird und muß er bemüht fein, auch die Kasualrede vor der Gefahr der Erstarrung zn bewahren, sie hftnutiLzuheben über den flüchtigen Moment und ste alS eine» Baustein zu betrachten, mit dem er da>S Lebens werk seiner Menschen mitbaut — oder gar krönt: denn schließlich verkündet er doch Religion, und sie t st doch wohl für UNS die krönende Zusammenfassung menschlichen Wollen- >md Wirkens! In der Tat, geht man bei der Kasrratrede davon aus, daß wir, die Sprecher. zwar immer dieselbe« stnd, unsere Menschen aber immer andere, ihr Glück, ihr Schmerz für sie immer neu ist, dann werden wir immer wieder die Verantwortung fühlen, die uns auch in solchem Moment als Diener Gottes auferlegt ist. Wir werden aufhören, jene Rede als ausgeschmückte Chronik auftveten zu lassen, und sic zur kurzen, aber gedankenvollen Betrachtung auSbcnren, ans dem Grund der äußeren Daten, vor allem dcS Berufes: und dann gerade werden wir auch die Berechtigung, ia die Notwendigkeit der liberalen 5iasualrcdc nicht mehr bestreiten, sondern voll anerkennen. Rabbiner Dr. Gotischakk, Berlin. '»«> ■ ZLoabsnüssbutte«- TVfflVR Die erste 1WD Mrindelmilch- Pf langen butter ^Margarine, y “ Pfund 90 Pfg.

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