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Jüdisch-liberale Zeitung · 1924-11-14 · 40 (14.11.1924) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
4 (1924)
Issue
40 (14.11.1924)
Date
1924-11-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Babylonien uns Sssyvieu. Klettrasien, Armenien, Slam, Iran. Syrier:, Palästina «»L Arabien. Die Gesellschaft veröffentlicht wisseuschaftttche Arbeite» ihrer Mitglieder alS ^Mitteilungen der Altorieutalischen Gesellschaft* 1» Umfange von jährlich aarClf Bogen «md plmtt die Herausgabe einer populäre» Schriftenreche. Alerste- Heft der „Mitteilungen* erscheint in Kürze: Erich Gbeling, Ltebe-zanber im Mten Orient. Darin ist znm ersten Mal« eine um» Lastende Darftelbnna jener eigenartigen Ltteraturgattung, Sie in weiten Kreise» Interesse finde» wird, gegeben. I« der Ortsgruppe Berlin werden außer-em von Oktober bis AprU allmonatlich am Mittwoch -er -weite« MovatSwoche gemeinverständliche Borträg« veranstaltet. Den erste» Bortrag diese- Winterhielt a« Ist. November Professor Dr. Bruno Meißner über da- Thema JtVfmi und Moral bet den Babyloniern und Assyriern*. Vorsitzender der neuen Gesellschaft ist Professor Dr. Bruno Meißner, Ordinarius für orientalische Sprache« au der Universität Berlin, Herausgeber der »Mitteilungen* ist Dr. Erich Ebeitng. Privatdozent an der gleiche» Universität. Alle Anfragen find os den Schriftführer der Gesellschaft, Dr. Ernst F. Weidner, Berit» N. 66, Schliemannstratze 31, zu richte«. Berlin, Wiederholt ist a» dieser Stell« «ms die Wichtigkeit genauer Erkundigungen über die Persönlichkeit von Bittsteller« vor der Gewährung von Unterstützungen hingewiesen worden. Verschiede»« Vorkommnisse der jüngste» Zeit geben Veranlassung, diesen Rat im Interest« unserer wirklich bedürftige» Gemeindeangehörigeu wie tu dem der Helsenwollenüen eindringlichst immer wieder ku erneuern. So ergehen an die verschiedensten Adressen Bettelbriefe mit der Ueberschrift »Helft, Helft!*, in Lenen darauf Bezug ge- «omme» wird, Last die Mutter der Briefschreiveriu eine geboren« .(k>litt meist der Familienname des Adressaten) gewesen sei. ES konnte eine große Anzahl verschiedenster GeburiSnamen der Mutter festgestellt werden. AIS eigene Wohnung gibt die Briefschreiberin Anguststr. 88 an. Wetter ist der Anschein erweckt worden (durch Vorlegung gefälschter Briefe und entsprechender Visitenkarten), alS ob «in Rabb. Dr. Levy. Schönhauser Allee 4«, Unterstützungen einer gewiffen Person empfehle. Die Hausnummer ist nicht vorhanden, ebensowenig wohnt in der Schönhauser Allee ein Rabbiner dieses Namens. Und schließlich ist mit den Namen von Gemeinderabbtnern dadurch Mißbrauch getriobeu worden, daß angeblich in ihrem Aufträge oder von ihnen selbst telephonische Anrufe ergehen, um zu wohltätigen Zwecken Geldmittel zu erlangen, die von einem Boten abgehott werden sollen. An alle Gemein-ewitglteder ergeht deshalb die Aufforderung, uns in der Bekämpfung dieses Unwesens zu unterstützen und gegebenenfalls zur Feststellung solcher Schwindler beizntragen, selbstaber Unterstützungen nur nach Anfrage bei unserer Zentralstelle zu gewähren. Berlin. Die Berliner Gemeindeverwaltung hat beschlossen, die dem Schöneberger Religionsverein gehörende Synagoge im Berliner Westen, Münchener Straße, in die Gemeindeverwaltung zu übernehmen. Die große Schöneberger Synagoge ist vor Jahren von privater Seite begründet worben. Sie ist daS einzige jüdische Gotteshaus in Schänders. Der Rabbiner Dr. Levy, ein geborener Elsäffer. amtiert in der Synagoge Münchener Straße seit ihrer Errichtung. Mit der Uebernahme der Schöneberger Synagoge erhöbt sich die Zahl der Berliner Gemetndesynagoge« von 10 auf 11. Bnchau. Die hiesige Synagoge ist wohl das einzige tüdische Gotteshaus mit einer Glocke, das eS in der Welt gibt. Darüber schreibt die ,Mürttemberger Gemeinöezeitung": „Das Gotteshaus besaß ursprünglich in seinem Glockentürmchen ein Glockenspiel, das 1864 durch eine Glocke ersetzt wurde, die in hebräischer Inschrift den ersten BerS deS 132. PsalmS trägt: „Ich freue mich, wenn man mir kündet: wir wollen ins Gotteshaus gehen* Wenige Minuten vor jedem Gottesdienst läßt sie ihr Geläut ertönen und rnft die Beter zum Gotteshause.* Cassel. Meinhart Maur, vom Deutschen Theater in Berlin, hielt letzten Sonnabend hier einen BorlekungSabend, der unter dem Motto „Die Sehnsucht nach dem Ursprung* stand. Je hu da Halevis drei Gesänge »Gott ElejahnS* „Der Sturm", »Zion* gaben den Auftakt und kennzeichneten schon die gereifte BortragSkunst deS mit trefflicher Technik der Deklamation und Feinheit deS Sprachgefühls ausgerüsteten Künstlers. ES folgten literarische Proben von Biialik („Flammenrolle*), Kerr („Jeruschalajim*) und Ivan Goll („Noemin'si. die den vorher gewonnenen Eindruck der Meisterschaft und StUsicherhett der Interpretation der Dichtungen, die das „Suchen nach dem Ursprung* rum Inhalt haben, vertieften. Ein anderer Geist wehte aus Heinrich Heines Werken, wie auch der Humor in Zcmgwtlls „Der König der Schnorrer" zu seinem Rechte kam. Am packendsten gestaltete sich die Wiedergabe einer Szene des Roten Jtztg aus „Der Graf von Charolais" von Beer Hofmann, die den routinierten und scharf charakterisierenden Schauspieler Mr Geltung kommen ließ. Die Darbietungen MaurS hinterließen bei den zahlreichen Zuhörern starken und nachhaltigen Eindruck. Cassel. Mit dem vor einigen Tagen nach längerem Kranksein in Frankfurt öl M. verstorbene« Dr. Friedrich Büding verliert die hessische Judeuheit einen Philauthroven, den große Herzensgüte und stete Hilfsbereitschaft aaSzeich» neten. Man behauptet sogar, baß die Aufopferung im Dienste der Nächstenliebe bei dem Verewigten nicht selten auf Kosten seiner Gesundheit erfolgte. Bis zu seiner Ueberfiedelung nach Frankfurt a. M., wo er eifria im Dienst« der städtischen Wohlfahrtspflege tätig war, hat sich Dr. Büding um die Linderung der Not hiesiger Armen und Bedürftigen, die sich nie vergeblich an ihn wandten, tu hochherziger Weise verdient gemacht. Auch daS hiesige israelitische Waisenhaus sah in ihm, der langjähriges Mitglied deS Kuratoriums der Anstalt war, einen treuen Helfer, der sich die Förderung der Anstalt besonders angelegen sei« ließ, dessen Htnschetden daher auf das lebhafteste beklagt wird. BemetteuSwert ist noch, daß die Anstalt ihre Gründung den Eltern deS Verstorbenen verdankt. Auch außerdem trauern viele Bedürftige. die in Dr. Büding einen edlen Menschenfreund kennen und schätzen gelernt hatten, um seinen frühzeitige» Heimgang. Freibnrg i. B. Hier starb in diese« Tage» der frühere Frankfurter Landgerichtsrat. Geheimer Justi»rat Dr. Ludwig Rawitscher. Zu seinem Tode bemerkt die »Frankfurter Zeitung* folgendes: Mit Rawitscher ist daS Vorbild einedeutschen Richters bahingegangen. Er befaß die gründlichsten Rechtskenntnisse auf allen Gebieten seine» Fache- und vereinigte einen scharfen Verstand mit einer ungewöhnlichen Güte deS Herzen-. Er war -er Sohn eines preußischen konservativen Kommerzienrats und hatte den deutschfranzösischen Feldzug alS Kriegsfreiwilliger mttgemacht. An der Beförderung hinderte Ihn sein alter Stammbaum. Rawitscher war Jude aus Ueberzeugung. und verschmähte eS. durch die persönliche Taufe sich ein höheres Amt zu ergattern. Vergebens schlugen gerechte Borsttzende ihn alS Landgerichtsdirektor oder OberlandeSgerichtSrat vor. Die damalige Justizverwaltung zog andere und viel jüngere Bewerber vor, die den bekannten »Schönheitsfehler* nicht besahen . .. Diese unwürdig« Behandlung deS seltenen Mannes ist und bleibt ein dunkler Fleck auf dem Ehrenschtld Preutzens. . „ Hersseld. In der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag wurde ein Einbruch und Raub -er gemeinsten Art in der btefigen Synagoge verübt. Die Täter verschaffte» sich durch Abreiben -er Latteuzauuevom Gartengrundstück einer Kvhlerchanddung aus Zutritt zum Grundstück -er tsraelittsche» Gemeinde. Zunächst wurde« die zwei großen Kirchen- Neuster -er Synagoge beschädigt, sodann -a- -ritte Ktrchenenster vollständig Lemoliert, um hierdurch in da» Innere er Synagoge gelangen zu könne». Hiermit noch nicht zufrieden, stiegen die Rohlinge in die Synagoge et», vergriffen sich an der Heiligen Bunde-La-e und raubten den am Heilige» Schrank befestigte» große» Vorhang mtt werrvollen Stickereien, der -an» in die Fulda geworfen wurde. Um die Spure» dieser gemeinen Lat zu verwische«, warfen die Täter eine t« Garten stehende und bei Ausführung -er Tat benutzte Bartt in die vorüberfließeude Gei-. Sofort «ach der Entdeckung -er Tat -et Beginn Le- Morgengottesdienstes wurde -te hiesige Kriminalpolizei alarmiert, weiche angesichts der noch frischen und im Garten fand gut ausgeprägten Fußabdrücke «tne bestimmte Spur verfolgte, die dann auch vereits gegen 11 Uhr vormittags zur Verhaftung der Täter führte. Sie wurde« festgestellt als der Kaufmann Paul Götting. Untere Fraueustraße, Ernst Thielow, Niederaula, Sohn de» Forstmeisters Th.. Niederaula. Ing. Retnmöller, Friedewald, Kaiferstva.be, und Erich Götze. Kaifer» ftraße. Wie ermittelt werden konnte, sind die Täter dieses völkischen RohettSaktes. mit Ausnahme des Erstgenannten, Mitglieder anttsemittscher Organisationen.. KSl». Am vergangene« Sonntag fand tt» große« Saal der Lesegesellschast ei» von der Moriah Loge veranstaltetes Konzert statt, da- «ine zahlreiche und stark interessierte Zu» Urerschaft vereinigte. Der GeselligkeitSanSschutz sowie der Präsident -er Loge hatten keine Mühe gescheut, um daS Konzert zu einem künstlerischen Ereignis zu stempeln. Das ist ihnen vollauf gelungen. Wiederum war der bekannt« Gänger unL Rezitator, Oberkantor MagnuS Davidsohn. der nun schon daS dritte Mal in Köln wirkte, für daS Konzert berufe». Weiter war die jugendliche amerikanische Geigerin Frl. Estelle Bayne verpflichtet worden. Herr Davidsohn hatte sein Programm auf eine einheitliche BastS unter der Bezeichnung »De Geschichte der Juden in Dichtung «nd Lied* gestellt. In reicher Abwechselung bot daS Programm die mannigfachsten Werke, deren Stoff im ersten Teil der Bibel, und im zweiten Teil der Geschichte der Juden bis zum Mittelalter entnommen war. Von besonderer Wirkung waren der »Rabbi Ammon" mit den frommen FeiertagSgesängen, die Ballade »Saul bei der Hexe* von Endor und die SchöpfungSarie. die den Oratorienstil ganz vortrefflich brachte. Starker Beifall lohnte seine Darbietungen. Nicht minder wirkungsvoll und von hoher Künstlerschaft getragen waren di« Biolinvorträge von Frl. Estelle Bayne. Meister Kreuz und Frl. Mimt Caben walteten alS treue und feinempfindende Begleiter ihrer schwierigen Aufgabe. Hochbefriedigt und dankbar für die gebotene künstlerische Anregung verließ das große Auditorium daS Konzert. Die Moriah Loge hat wiederum gezeigt, daß ste neben karitativer Arbeit auch eine klassische Pslegestätte der Kunst bildet. Lissa i. P. Der religiösen Not in den kleinen Gemeinden, die ohne Rabbiner und Prediger sind, abzuhelfen, bedarf es oft nur eines einzigen zielbewußten und tatkräftigen Mannes. Einen solchen Mann besitzt unsere Gemeinde in der Person ihres ersten Vorstehers, des Kaufmanns IS mar LandSverg. Ihm hat sie es zu verdanken, daß die Feiertage durch Orgelspiel und Chor und feine ideenreichen, in Form und Inhalt gleich hervorragenden Predigten weihevoll gestaltet und verschönert werden. Seine Redekunst zeigte er auch gelegentlich seiner Ansprache zur silbernen Hochzeit deS Landgerichtsrats Dr. Hoffmann, sowie bei der goldenen Hochzeit deS Robert Komoschen Ehepaares. Möge dieses Vorbild eines »Rabbiner-ErsatzeS* in anderen Gemeinden Mr Nacheiferung dienen, die ebenfalls infolge der Not der Zeit auf die in ihnen selbst schlummernden Kräfte und auf die Selbsthilfe angewiesen sind. Neustadt tu Hdt. Auf dem hiesige« Friedhof wurde ein Denkmal für di« gefallenen Krieger und für die Vermißten feierttch etngeweiht, wobei n. a. der Vorsteher der israelitischen Kultnsgemeinde. Behr, eine kurze Ansprache hielt. Schönlanke. Zum hiesigen Rabbiner wurde anstelle des verstorbenen Rabbiners Dr. Bamberger Rabbiner Dr. Harry Levy, Berlin, mit großer Mehrheit gewählt. Rabbiner Dr. Harry Levy, einsttger Schüler deS Berliner Rabbiner-SeminarS, bekleidete einige Zeit daS Rabbinat der Synagoge des Moabit-Hansa-Bezirks. Gegenwärtig ist er Redakteur des jüdischen Wochenblattes". Straubing. Zur Errichtung eines iSraelittschen Friedhofes ist nunmehr die Genehmigung erteilt worden. Er wird, wie alle Stvaubinger Friedhöfe, im Osten der Stadt angelegt werden. Würzbvrg. In der Synagoge hat sich vor einigen Tagen, glücklicherweise als sie nicht besucht war. ein Stein von der Decke losgelöst, weshalb die Krvltusverwaltung die Schließung der Synagoge angeordnet und sich wegen einer Nachprüfung an das städtische Bauomt gewandt hat. Das Bauamt hat gleichfalls die vorläufige Schließung angeordnet. Würzburg. Der Jüdische Fortbildungsverein veranstaltet einen BibelzykluS. zu dem Einladung an die Angehörigen aller Konfessionen erging. Prominente Persönlichkeiten find gewonnen, um die Beziehungen der Bibel zu den verschiedenen Gebieten sReligion. bildende und redende Künste. RechtSleben) zu beleuchten. Als erster sprach im überfüllten Reichshofsaal Dr. Baeck-Berltn über „Die Auswirkung der Bibel auf religiösem Gebiete*. Aus der Bewegung. Berlin. (Jüdisch-liberaler Jugendverein e. B.) Am 80. Oktober hiell Herr Robert Hirschfeld einen Vortrag über jtci Werden des Christentums*. Nach einem kurzen Ueberbiick über Entstehung und Entwicklung des „Neuen Testaments* befaßte sich Herr Hirschfeld hauptsächlich mtt einer Darstellung der verschiedenen Quellen des Christentums. Von jüdischer Seite haben besonders die Effäer einen Einfluß auf die Gestaltung des neuen Glaubens auSgeübt. Ihnen verdankt daS Christentum den Glauben au die Vergeltung guter und böser Taten, den „Heiligen Geist* und die Gotteskinöfchaft des Messias. Der AuferstebungSglaube leitet sich aus der hellenistischen Philosophie her, wÄrend -ie Hoffnung auf de« MesfiaS, den Retter, durch die unhaltbaren sozialen unreligiöse« Zustände deS augustinischen Zeitalterbedingt wirü. Paulus schafft mm dadurch, daß er die gesetzlichen Bestimmungen deS Judentums erleichtert und eine Erlösung aus dem irdischen Elennur von dem Glauben an den Opferlod Chrtsti abhängig macht, «ine Religion, die für viele seiner Zeitgenossen -er einzige Weg auS dem irdischen Elend zu sein schien, und -ie dadurch eine groß« Zahl Anhänger bald ihr eigen nennen konnte. An dem Abend waren erfreulicherweise auch wieder zahlreiche Mitglieder der Jugendgruppen anwesend. VreSla». (Jüdisch-liberaler Jugendverein »Abraham Geiger"). In unserer Zusammenkunft am 4. November gab zunächst Alfred Berger einen erschöpfenden Bericht über die Berliner Tagung der Bereinigung für daS liberale Judentum, die iuSbefoudere Lev auswärtige« Delegierten «tue Fülle von Anregungen Vvachtr. GS fc* Pflicht aller Mfr* glieder, die umfangreiche Srbett der Zentrale nach Sräfttz» z« fördern uumtt dazu beizutragen, daß -de geistig«» Wert« -es Judentums Gemeingut aller «uhäuger nuferer vewe- SM/vZr-en. Hermann SachS^dantte -em Referenten «»- leitete den Abend -er Gruppe I durch AnSfführnnaen über -te Pflicht -er Zurechtweisung ein. RechtSauwalt Spitz erörtert -te Talmudstelle: Gewöhne dich zu sagen, ich weiß rt »M. damit du nicht die Unwahrheit sagst. Lotte Rosentbal weist auf -te Schwierigkeit -er Durchführung der Wahrhaftigkett tt» Leben hin. Im weiteren «erlauf der sehr inter- «ffanten Aussprache gehen fast alle Diskussionsredner vornehmlich auf -te Friedensbewegung und deren rückbattlose Förderung et«. Cassel. De Ortsgruppe Casiel der verettrignng Mr -aS liberal« Judentum btett letzten Montag ihre erste öffentliche Veranstaltung ab, an -er zahlreiche Mitglieder der Gemeinde teilnahmen. Die von dem provisorische» Vorstand aufgestellten Satzungen wurde» angenommen. Die endgültige VorstandSwahl ergab die Betbehalttrua draus Direktor Carl Gotthelft, Fra« Dr. Rtchel^Gvtthelft. Dr. Ernst Plaut, Dr. Gaß und Fra« Emma Wertheim bestehenden provisorischen Vorstands: Rechtsanwalt Dr. Leo Oppenheim wurde hinzugewühlt. Den kurze« BegrüßmrgSworte» und in knappen Umrißen gekennzeichneten Anfgabe der liberalen Bereinigung durch den Vorsitzenden folgte da» ausführliche Referat des Syndikus Dr. Max Mayer-Berlt» über: »Was ist jüdischer Liberalismus7* De Antwort anf diese Frage präzisierte der Redner dahin, daß Liberatt-muS organisierter Wille zum Judentum und Anerkenuun« feiner sittlichen Grundlagen dar stelle. Im Gegensatz zu» Orthodoxen wolle der Liberale bei Auslegung und Anwendung der Gesetze -te menschliche Vernunft gebrauchen, nndareligiöse Leben den Bedürfniffe» deS iüdische» Le-euanpassen. Jeder Jude diene seinem Gott tu Wahrhett: -ei der Stellungnahme zur Form, zum Ceremontalgesetz solle» menschliche Vernunft, Kritik und Wahrhaftigkeit tonangebend sein. Eine Hauptaufgabe erblicke der LiberaltSm»- t» -er Weckung -eS religiösen Maffenbewuhtsetn- und in -er veseittgung der Charakterlosigkeit, Faulheit und religiöse» Drückebergerei. In -er Neubelebung jüdischer Religiosität, die den denkenden Menschen an etwas Lebendiges gewöhn«^ erblicke man -ie Vorbereitung künftiger Entwicklung. Mtt dem Orthodoxen habe -er Liberale, der sich zu erster«» rote zwei sich schneidende Kreise verhalte, -te sittlichen Grundlagen gemein: beide Richtungen sollten einander mtt Dnldsamkeit begegnen, und sich gegenseitig das Maß religiöser Bewegungsfreiheit gönnen. Auch die Stellungnahme znm Zionismus fand ausführliche Beleuchtung. Nach der Auffassung des Redners brauchen sich beide ^römunge« nicht zu widersprechen und nicht zu berühren, weil der Liberale Vertiefung des religiösen Lebens erstrebt, der Zionist politischen Idealen huldigt. Den Indifferenten müsse man als schlimmsten Gegner der Bewegung bezeichnen. Auf die liberale Praxis übergehend, stellte der Redner eine würdigere Ausgestaltung deS Gottesdienstes unter reger Beteiligung der Gemeinde bei deutschen und h^räische« Gesängen, aber Vermeidung deS überttteben Aefthetischen und Kouzertmüßigen als Forderirng auf und gab zum Schluffe dem Wlmsche Ausdruck, daß die im Entstehen begriffene Ortsgrrlppe, der im Laufe des Abends wettere Mitglieder beitraten, einen Meilenstein und W-egweiser znr Schaffung eines religiösen Massenbewußtseins und Maffenwillens bilden möge. Der lebhafte Beifall der Anwesende» ließ den starken Eindruck erkennen, den die mit rhetorischem Schwung vorgetragenen Ausführungen des Redners hinterlietzen. Eine ausgedehnte Debatte, bei der auch Anhänger der Orthodoxie und des Zionismus M Worte kamen. scÄoß sich dem Bortrag an. Im Schlußwort beleuchtete der Referent nochmals einige von den Diskussionsvednern gemachte Einwürfe und beantwortete auch die an ihn gestellten Fragen in erschöpfender Weise. Der Vorsitzende schloß die anregend verlaufene Veranstaltung mit dem Wunsche, daß die neugegründete Ortsgruppe kräftige Wurzel» schlage« möge. Liegnltz. (Jüdisch-liberaler Jugenbverttn e. B.). Am Donnerstag, den 23. Oktober sprach der Ehrenvorsitzende ö«8 Vereins, Herr Dr. phil. Robert Naumann, über daS Thema: „Die Liebe zur Natur in der deutschen Dchtuug*. ES wareu etwa 60 Mitglieder und Gäste anwesend, die mtt großem Interesse den Ausführungen des Rednerfolgte«. Potsdam. Am 6. November hielt -er ^Jüdifch-libevale Jugendverein". Potsdam, im kleinen Saal des Hotels «Stadt Königsberg" einen stark besuchten Vereinsabeud ab. Herr Lehrer H i r s ch f e l d - Berlin, vom Vorsitzenden Dr. Cohn als der stets willige Berater der Jugend begrüßt, referierte über „Unsere Stellmn-g zur Bibel*. Er zeigte die verschiedeuart'ige Auffassung der göttlichen Inspiration durch Orthodoxie und Liberalismus. Nach jener hat Gott den biblischen Verkündern jedes Wort der Bibel eingegeben. Alles, was in ihr stöht. ist darum wahr, weil es der Allweife diktiert hat, und alles, was umtzr ist. steht in der Bibel. Nach nnserer Auffassung haben besonders begabte und durch ihre Gottbegeisteruna über ihre Zeit hinausgewachsene Männer dieses besonders wertvolle urrd tiefe Buch geschaffen. In diesem Sinne sind die Schöpfer der Bibel inspiriert. Darum ist diese für uns. anders als bei der Orthodoxie, kein einheitliches, in allen Teilen unfehlbares Werk, sondern ein in Jahrhunderten gewordenes, das deutlich eine Entwicklung und Steigerung der religiösen Erkenntnis ausweist. Verlieren so für uns Widersprüche im gesetzlichen Teil, historische Fehler und Widersprüche zu den ErgeLmssen der modernen Wissenschaft ihre Be-deulnng, so liege die Gefahr der alten Auffassung darin, daß hänffa mit Erkenntnis biblischer Mängel alles Wer Bord geworfen werde. Zahlreiche Beispiele unterstützten diese Darstellung. Wollten wir aber wirklich etne Stellung zu unserem heiligen Buche erlangen, so müßten wir es im hebräischen Urtext kennen lernen. Wenn dann mrsere Bibel aus sich selbst zu unS spricht, so werde sie wieder unser werden — als Bürgin jüdischer Zukunft und als Stütze in jeder Lebenslage. Ter Vortrag fand reichen Beifall. — In der Diskussion führte Rabbiner Dr. Schreiber- Potsdam aus. daß es unuröalich sei. von einem einheitlichen Standpunkt aus sämtliche Bücher der Heiligen Schrift zu betrachten. Des werde auch von der Orthodoxie nicht versucht. Die fünf Bücher Moses aber beruhen auf einer einheitlichen Inspiration. Ihm traten Laserstein^Berlin und Lewin (Jlt-Berlin) entgegen, die dar legten, daß sowohl die Orthodoxen als auch wir die Bibel als ein einheitliches Religionswerk des Judentums auffassen, daß das Fruchtbare unserer Auffassung für das religiös« Bewußtsein aber gerade in der Erkenntnis der religiösen Entwicklung, nicht allein in der Gesamtbibel. sondern schon im Fünfbuch liege. — In seinem Schlußwort unterstrich Herr Hi rch fe ld diese Aussührungen. di« er mit reichem Ouellenmatertal belegte. Wenn Dr. Schreiber die größeren biblischen Kenntnisse der orthodoxen Juden hervorhebe, so dürfe man nicht vergessen, baß daS .^Lernen* der Orthodoxie nicht mit unserer kritischen Durchdringung biblischer Probleme zu vergleichen sei. Auch treffe dieser Vorwurf nur unsere Rabbiner und Lehrer, die es nicht verstehen und sich nicht genua bemühen, die Jugend an die Bibel heranzusühren. (Lebhafter Beifall.) De beste Widerlegung deS Vorwurfs scheint uns dieser Abend seMt zu sein, der zeigte, -atz sich in dieser kleinen Gemeinde ein KreiS junger Menschen Msammengefunöen hat. -er aus eigenem Willen den Kampf um -ie religiöse Erneuerung des Judentums nnternttumt.

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