Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 4 (1924)
- Issue
- 37 (24.10.1924)
- Date
- 1924-10-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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4. Jahrgang Nummer 37 Beilage 24, Oktober 1924' n Zurück zum Judentum. Eine eigenartige Bewegung unter den spanisch-portugiesischen „Ma rannen". Von Josef G r o b - W i e n. Wer die spanisch-portugiesiiche beschichte des Mittelalters und im besonderen die der spanischen Inquisition des 14. Jahrhunderts kennt, wird wissen, wer die „Marannen" sind. Es sind Juden, die 3» Ausanq des 15. Jahrhunderts von den mittelalterlichen Inquisitoren gezwngen wurden, die Taufe anzunehmcn. Das konnte sie jedoch nicht abhalten. trotz der Autodafe- und Jnauiütivnsschreckcn. im Geheimen am Judcntttm fcstzuhaltcn. indem sie in verborgenen Kellerräumen sich zu versammeln pflegten, um hinter verschlossenen Türen Gottesdienste abzuhalten. Noch heute leben in Spanien und Portugal viele Abkömmlinge der Scheinchristen aus dem 15. Jahrhundert, von denen nicht weniger hohe gesellschaftliche Stellen. einnehmen. In jüngster Zeit ist unter diesen Marannen eine starke Bewegung entstanden, die dahin zielt, sich wieder frei und offen zum Judentum bekennen zu dürfen. Bor kurzem erhielt das Hanptrabbinat in Palästina einen Brief aus Lissabon, der die Mitteilung enthält, Last in Portugal sehr viele Marannen vorhanden sind, von denen sich ein grober Teil in den Dörfern als Landwirte betätigen, während eine kleine Jahr von ihnen den Berns von Kanfleuten, Industriellen, Acrzteu. Advokaten und Gelehrten aus übt. ,,^Jn diesem^Briefe wird unter anderem -folgen--es ausgesührt: „Die Taufe an unseren Urahnen durchzuführen war uur mittels, Androhnnq von Scheiterhaufen und anderen Hnauisitrvnsfvllern möglich. Die blieb aber nur einc scheinbare und wurde uur rein äußerlich beibehaltcn. In Wirklichkeit blieb bei uns, den Urenkeln dieser Zwangschristen, die r?icbe und Treue zu unserer angestammten Religion in ungeschwächtem 2.st'aße wach. Unsere Ehen werden uur aus unserer cktzitte geschlvssen: und wenn atrch unsere Hochzeiten und Begräbnisse nach katholisch ein Nitus dnrchgeführt werden, so fühlen rvir uns trotz alledem als zum Judentum gehörig. Im Lause der Jahrhun-erlc. unter dem Druck dcs Klerikalismns lebend, und vom Berkehr mit unseren Glaubensbrüdern gänzlich abgeschlossen, sind uns die jiidisch-religiösen Gebräuche gänzlich fremd geworden. Nach gewissen Zeichen am Monde. ist es uns in vgl ich. sestznsleilen, ans welchen Tag J-aum-slivpnr fällt, den rvir. gerade so wie unsere Ureltern. bis zum heutigen Tage in seierlichster Weise begehen. Es ist für uns ein seelischer Schmerz, dag wir nicht in der Lage sind, den Urtext unserer heiligen Gebote in der h-ebräischen , Sprache zu verstehen." „Wir Marannen" — heisch es weiter im Briefe — „haben bis honte noch die Hossnnn.g nicht aus-gegebcti. wieder einmal nach I crumlem zurück kehren zu können, und wir bennihen uns, diese Hoffnung irr die jugendlichen Herzerr unserer Kinder einzuulstanzcn. Mit grobem Interesse versolaen wir a:rch die Nachrichten vom Wiederaufbau^ des yciliaen Landes. Der freiheitliche GM. der g-egenwärrig alle Nationen und Bokker beherrscht, hat auch dazu beige tragen, uns du von zu überzeugen. dag cs höchste Zeit ist, die alten Fesseln abznschnttelu. Ein befreiendes Erwachen durst-braun die Reihen der Intelligenz und führenden Persönlichkeiten unserer Marannen. und sie glauben, dast nunmehr kein ttzcnnd vorhanden Nt. noch weiter versteckt zu leben. lind unter einer sa-schen Maste die wahren Gefühle und Gedanken zu verbcrgcns In Portugal herrscht zur Zeit der Geist moderner Toleranz und .Waltur. Tie Marannen wollen sich daher ^als Sv Ir ne des alten jü-di-scheu Volkes, dem s-:e '.uit Herz und Seele stets angebörten, offen undehrlich bekenn en. Es sind sthon nuferer nicht wenige, die versucht habelk. diesbezüglich bei der Liäaboncx jüdischen Kultusgcmriude Schritte einznleilen. Diese jedoch scheint unserem Ben reden, wieder zun: Judentum zurück zu kehren. ans politiich-raktnchc;; Gründen ein reserviertes Verhalten entgegcndaß Me „ aunenöc,- sticl >::n u.g" ein falscher, unchrlicher, nur dem Zwnige ur:d der Tü ist en ist am '.neuder Begriff sei. Wir wollen a der! cudlick; ol i C Jt nr :d elirli ch am Schicksale unseres Volts in der ganzen 2' Wlt tei ln-ehnce n. weil mir ihm stets mit unserem S'lUl st und n c«-r ganzen Seele angehört haben." Zum Ecacuste wird a! t d-' US - Hanptrc cboinat in Palästina das drmgentz e Gr suchen ge T i ff; :et, sich de: c. in ihrer tiefsten Seele leidende! aro.ni: ex. l! n, i'.:u ehinen. m:d ihnen dic Rückkehr zum ana estaw nuten 9'.' and en zu c <;'»r,i iglich-en. Das pal-ästinensische Rc ck'diu at ^vird sich in;;t dieser - Angelegenheit in einer seiner rr: st'-lsts!I SitzNuU ac-n be iaüe-!. Vorlünsig ist eine Kopie dieses e ivtifi-oo. ' :! e s ictzischeu Vertretung im Volkcrhmwe überiand t V-.-' o v d ein Es wird nicht uninteressant sein, zu ersah vcn. u.'ie sich >de r Völle rbnnd zu dicker span-ischportugic stschc u „Nlara nue nlu n.vegnnc i" verhalten wird. — ****,—**<.'«»*«*■*.(«««»(') »n Ans den Gemeinden. \\i> I Wb Berlin. Der Vorstand der indischen Gemeinde zu Berlin verösfenllicht in: Juscratemeil der heutigen Nummer eine Bekanntmachung über die Wählerlisten zum Landesverband, Wahlkreis ü-Woß-Berlin, aus die wir unsere Leser besonders Hinweisen. T-uiach sind wahlberechtigt alle über 21 Jahre alten männlichen und weiblichen Mitglieder der hiesigen Gemeinde, die 'eit mindeitcns einem Jahre in Preußen ansässig sind. Dieie müssen sich sofort zwecks Eintragung in die Wählerlisten anmc-lden. Das Wahlburean des Liberalen Verein--.' für die Angelegeutz.citcn der jüdischen Gemeinde zu Berlin E. V., Berlin NW.. Dorotheenstras'.e 77-78, ist gern bereist die 2lnmclduno.cn an dic jüdische Gemeinde zu Berlin weiterznleiten. Äerlitt. Am Sonntag, den 20. Oktober begeht Herr Kammer,stenrar Hamburger seinen 70. Geburtstag. Herr Kommerzienrat Hamburger, aus dem an Polen abgetretenen Gebiet stammend, gehört zn den Mitbegründern der Vereinigung für das liberale Judentum e. V. Für diese hat er in Posen vorbildlich gewirkt. Er bat auch später, nachdem er, seinem deutschen Valerlandsgcsiihl folgend, nach Berlin verzogen mar, leine Mühe gescheut, um -der Bereinigung in der schwierigen Zeit während und nach der Inflation mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Herr Kommerzienrat Hamburger, der noch jetzt im Vorstand der Vereinigung an den Eiegen'.vartsausgobcn des liberalen Judentums tätig mitarbcitet, wird diesem hossentUch noch recht lange Jahre seine wertvollen Erfahrungen in alter Frische znr Verfügung stellen können. Die Redaktion der „Indisch-liberalen Zeitung", die ihm sü-' viele vortreffliche Anregungen zu besonderem Dante verpflichtet ist, spricht dem Jubilar ihre herzlichsten Glückwünsche aus. Bremen. Ter Ausschuß für geistige Interessen unserer Gemeinde plant eine Reihe von Gemeindcabenden, als deren erster ein Vortrag des Gemeinderabbiners Dr. Aber über bas Thema: „Tie religiösen Strömungen Vorderasiens im Zeitalter der Propheten" verunstaltet wird. Ferner beabsichtigt Herr Rabbiner Dr. Aber in den Wintermonaten zwei Lehrkurse für jedermann einzurichtcn, und zwar: „Die Juden in Spanien, eine Glanzepoche der jüdischen Geschichte" und „Ausgcwählte Stücke aus dem Buche Jesaja". Außerdem werden Unterrichtskurse für die Schülerinnen und Schüler der höheren Klassen einmal wöchentlich veranstaltet, in denen man sich unter Leitung des Gemcinderabbincrs mit jüdischer Weltanschauung und Geschichte und jüdischem Schrifttum beschäftigen will. Leider fehlt unserer Gemeinde immer noch ein genügend großes Gotteshaus. Die Synagogen-Bau-Fonds-Kommission fordert deshalb in einem Aufrufe an sämtliche Gemeiwdemitglieder dazu auf. anläßlich des Simchath-Thorah- Festes ihres Baufonds zu gedenken. Brieg. Hier verstarb kürzlich plötzlich im Alter von 51 Jahren Rechtsanwalt und Notar Dr. Danziger. der seit drei Jahren das Amt dcs Repräsentantenvorstehers bekleidete. Cassel. Für den infolge Krankheit aus dem Gcmeindevorstand geschiedenen Fabrikanten Hermann Oppenheim ist Bankier Albert Heß. dessen Vater. Moritz Heß, fast zwei Jahrzehnte Gemeindeältester war, in den Vorstand der hiesigen israelitischen Gemeinde gewählt worden. — An Stelle des kürzlich verstorbenen Fabrikanten Martin Banmann wurde Fabrikant Ludwig Katzenstein zum Mitglied des Vorsteheramtes ber Israeliten bestimmt. Göttingen. Rabbiner Dr. Auerbach, der 14 Jahre lang in Elbing seines Amtes waltete, verläßt seinen bisherigen Amtssitz, um hierher zn übersicdeln. Heilbronn. An Stelle d-cs pensionierten Religionslehrers Dreysuß ist Rcligionslehrer Earl Kahn in Stuttgart gemäß 8 45, Absatz 3 der Verfassung, vom Israelitischen Vorsteheramt Heilbronn gewählt und vom Israelitischen Oberrat zum Rcligionslehrer in Heilbronn ernannt worden. Der Religionslehrer Strauß in Michelbach a. d. Lücke ist als ständiger Religionslchrer nach Talheim, O.-Amt Heilbronn. versetzt worden. Hindenburg. Am 12. Oktober 1021 hat in Tost durch den Krstmerverband dic Enthüllung und Einweihung des Denkmals für die im Kriege 1911—18 gefallenen Krieger stattgesunden. Zu dieser Denkmalsweihe hat der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten. Ortsgruppe Hindenburg, eine Einladung zur Teilnahme erhalten. Unter Führung des ziveitcn Vorsitzenden, Kameraden Samtcr, versammelten sich die Mitglieder am 12. Oktober, vorm. 7,30 Uhr, um 8 Uhr fand die Abfahrt mit Autos statt. Von -er hiesigen Ortsgruppe haben sich 30 .Kameraden an der Feier beteiligt. In Tost fand die Feier unter Beteiligung verschiedener militärischer Verbände aus Nah und Fern in würdiger Weise statt. Um 9,45 Uhr vorm, wurde diese durch einen Feldgottcsdienst für alle Konfessionen cingcleitct. Na^dem die Priester der evangelischen und katholischen Kirchengcmeinde gesprochen hatten, hielt Herr Rabbiner Tr. Braunschweigcr- Oppeln in markigen Worten die Gedenkrede, die auch unter den Andersgläubigen allgemeine Anerkennung fand. Um 2 Ubr traten die Vereine wiederum nit zu der eigentlichen Enthüllungsfeier. Es wurden von Vertretern der dortigen Behörden Ansprachen gestalten, alsdann erfolgte die Kranzniederlegung. Unsere Ortsgruppe spendete einen Kranz, der durch den Kameraden Hamburger im 'Namen nuferes Verbandes niedergelcgt wurde. Die Feier nahm einen würdigen Verlauf. Um 4 Uhr nachm, trat der Hindcnburger NjF. znr Rückfahrt an. Hochneukirchen. Laut einer Mitteilung der Kölner Zeitungen, wurden auf dem israelitischen Friedhof zu Hochneukirchen die Grabsteine umgeworfen. Das ist schon das drittemal in den letzten Jabreu. daß aus dem jüdischen Friedhof vandalisch gehaust wurde. Offenbach. In der Synagoge der Israelitischen Reliaionsgemeinöe Offen buch fand am Sonntag, den 19. Oktober abends, zu Beginn des Schlußfestes aus Anlaß dcS fünfzigsten Jahrestages von Abraham Geigers Tod eine würdige und gut besuchte Gedenkfeier statt. Rabbiner Tr. Dienemann zeichnete in seiner Gcdächtnispred-iat das Bild des deutschen Judentums vor Geigers Auftreten, schilderte dann das Wirken und Kämpfen Abraham ■ Geigers, feine wissenschaftliche Tätigkeit, seine ausbaucude Arbeit in der Neugestaltung öeS Gottesdienstes und feine Führerrolle auf den Nabbinerverfammlungen. Er feierte Geiger als den Mann, der der radikalen Reform den Damm entgegensetzte und einer positiven Frömmigkeit den Weg neu ebnete. Nvtenbnrg (Hessens. Die hiesige israelitische Schule ist zmn Dezember aufgehoben und der Lehrer Nosenstein in den Ruhestand verietzt worden. Tie Bemühungen, fiic Stelle zu erhalten, waren bedauerlicherweise erfolglos. — In Meimbressen dagegen ist durch Vermittlung der in Frage kommenden Organe die bereits verfügte Auslösung der Stelle und die Zwaugspensionierung des Lehrers Löwenstein rückgängig gemacht worden. — Das seit dem Tode des Gemeindeältesten Nußbaum von dem Kreisvorsteher Jakob Katzen stein verwaltete Amt des Vorstehers der Gemeinde ist dem. Kaufmann Siegfried Katzenstein übertragen worden. Saarbnrg. Vox einem Jahre wurde vom Consinoire de la Moselle die Synagoge der ehemals blühenden, jetzt eiugegangcnen Gemeinde Jnrlingen verlauft. Ter Käufer mußte sich verpflichten, das Gebäude zehn Jahre laug nicht als Pferdestall zu benützen. Nunmehr hat er sie zu einem Tanzsaal Herrichten lassen! Auch in christlichen Kreisen erwecke diese Verwendung Empörung. Thann (Elf.s. Tie im Kriege zerstörte Synagoge wurde in diesen Tagen feierlichst wieder -eingeweiht. Worms. Die Eleonoren-S-chule beging die Feier des 50jährigen Bestehens. Besondere Ehrungen wurden dem langjährigen, hochverdienten Lcbrer Rothschild zuteil, der an der Anstalt seit ihrem Bestehen den israelitischen Religionsunterricht erteilt hat nnd jetzt noch trotz seines hohen Alters an ihr tätig ist. Aus der Bewegung. r r Breslau. (Jüdisch-liberaler Jugend-vereiu „Abraham Geiger".) Am 16. Oktober fand eine außerordentliche Mitgljederversammluug statt, die unser Vorsitzender. Herr Dr. Korn, mit einer Reihe geschÄstlicher Mitteilnugen eröfstietc. Herr Berger wies dann auf die Bedeutung der Wahlen zum Preußischen Landesverband hin und dankte unserem Rtitglied Irma Freund für die mustergültige Erledigung aller technischen Arbeiten. An der Aussprache über die Bahlen beteiligten sich noch Fritz St oll. Franz Altmann und Anneliese Tessauer. Es folgte nun ein Referat von Mar Vogelstein über „Aufgaben des Delegiertentages jüdisch-libcralcr Jug-cndvereine". Der Vortragende weist zunächst auf die Wich^ tigkeit des Delegiertentages hin und setzt es der Tagung zur Aufgabe, d-en Kurs sestzustellen, den unsere Bewegung ernzuschlagen hat. Der Delegierten tag muß nach den Grundsätzen der Bewegung fragen. Praktische Fragen stehen in dem Vordergrund: die Jugend soll auf die Reform hinwirken, vor allem in bezug auf Gebetbuch und Gottesdienst: dies ist aber erst nach grundlegender Bearbeitung des Stoffes möglich. In den Sonderheften der Arbeits-gememschast und in den Berbandsvereinen müsse man in erster Reibe diese wichtigen Fragen behandeln an Hand Elbogens Geschichte des Gottesdienstes. Wenn wir für unser Judentum kämpfen, sind wir Bewegung. Es sei auch empfehlenswert, sich mit der christlich-religiösen Jugendbewegung zu beschäftigen. Uns fehlen Schlagworte und konkrete Aufgaben. Ausbau der Sonderhefte und. wenn möglich, eine eigene Zeitschrift sind erwünscht. Natürlich muß erst das Bedürfnis hierzu vorliegen. Neue Vereine müßten in Süddcutschland gegründet werden, eine Anzahl Redner von Ort zu Ort reisen und für kleinere Vereine sollten ausgearbeitete Vorträge als Grundlage zu einer Aussprache urvd für Referate verwandt werden. Tr. Korn unterstreicht insbesondere die Forderung auf Erlangung von Kenntnissen. Stoll wirft die Frage ans, nntr eigentlich religiös sei und will das Feuer auch im kleinsten Kreise gehütet sehen. Die Reformierung des Gottesdienstes müßte erfolgen, dagu gehöre Mut. Unser Delegiertentag muß praktische Vorschläge unterbreiten. Berger fordert engste Fühlungnahme zwischen Führerschaft und Mitgliedern und, wenn möglich, ein Ingendsekretcktziat und iveist ans die bereits erfolgte Arbeit von Jugendführern in der Bereinigung hin. Liberale Theo-logen und Laien müßten enger znsninmeu. arbeiten, wenigstens sollte endlich der Freitagabeudgottesd'ienst für die liberale Richtung zn einheitlich festgesetzter- Zeit stattsinden. Alfred Fuchs hält auch den Zeitpunkt für die Ncformierung des Gottesdienstes für gekommen, Franz Alt-, mann wünscht nur Reform durch Kenntnisse und i)lnneliese Dcssauer fordert einen eigenenGottesdieust für dcnJnli jeden- Freitag abend. In seinem Schlußwort geht Max Vogclstein' auf alle Anregungen ein. warnt vor übereilten Schritten rn' der Gottesdienstsrage und betont, daß sein Referat vornehm-' lich Richtlinien für die Arbeit der nächsten Jahre anfstcllen wollte. Liegnitz. (Jüdisch-liberaler Jugcndverein.) An unserem Vortragsabend am 6. Oktober sprach Dr. phii. Ernst Fraenkel-Breslau über das Thema: „Der Völkcrbuudsgedanke im Lichts indischer Weltanschauung". Da der lNedner 1. Vorsitzender dcs schlesischen Landesverbandes sowie der Ortsgruppe Breslau des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten ist. so hatten wir den hiesigen Frontbund besonders zn dielem Abend eingeladen. Die Anwesenden, etwa 100 Personen, folaten den Worten des Vortragenden mit großem Interesse. Herr Dr. Fraenkel kam nach kurzer Einleitung ans Militarismus und Pazifismus zu sprechen und ging dann näher daraus ein, wie sich das Judentum und wie sich das Christentum zum Völkerbund stellt. Jüdische und christliche bieligionsguffassung unterscheiden sich durch den Glauben au daS Jenseits. Für das Urchristentum ist alles nur Prüfung um den Menscheu für daS Jenseits reif zu machen. Das Judentum dagegen wurzelt im Diesseits. Ter Wert d-eö Lebens des Juden liegt im Diesseits. — Der Redner kam sodann auf preußische Religion zu sprechen, die er einen modernen Begriff nannte, und erwähnte als ihre Vertreter Wilhelm 4 und Hindenburg. Ferner schildLrte er die Völker bei'KrkcgW ausbruch: aus der einen Seite die Deutschen, die im Bewußt» . sein ihres Rechts und für die militärische Macht des Volkes ausziehen — auf der anderen Seite die Engländer, die gerade als Pazifisten hinausgezogen sind. Berührnugsgrund: Heroismus. Für den Adilitarismus ist der Held, der Heros; unlöslich verbunden mit dem Machtgedantcu, mit dem Schlachtfeld. Für Fri-ödrich Nietzsche ist der Held die Macht, der -Wille znr Macht. Wie der Einzelne groß wird, durch den Willen zur Macht, so auch der Staat. Und nur das Voll rvir-d zu besonderer Macht gelangen, das den stärksten Wille« hat , Der Heroismus öeS Jüd-cnlumS ist aktiver Natur. Der. Krieg an sich, wenn er der Selbsterhaltung eines Volkes gilt ist nicht ab zu lehnen. Die ganze Lcbcnsanschaunng zielt au> den Begriff der Gerechtigkeit, daß Gott als oberster 9lichhe: entsprechen wird. Der Redner kam zum Schluß ans den bevor stehenden Wahlkampf zu sprechen, der die Entscheidung übe: das Schicksal-des Judentums bringen wird. Er schloß mit der Worten: „Macht den Tempel wieder rein, laßt uns Macca« bä er sein!" Nach einigen herzlichen Dankesmorten des 1. Vorsitzenden» Tr. Scheyer, setzte eine lebhafte Diskussion ein, ans die Herr Dr. Fracnkel in seinem Schlußwort dann noch näher ein ging und nach Möglichkeit Aufklärung gab. SRWM> mm |CQCp^nüssl?ü| iü MOU fei, -DE;0i.eersl mWSm Man det rrv'i i'EtzM v- Margar}tte*Mfi s„ nmo SEWM .SSW-s.'. *• t