Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 4 (1924)
- Issue
- 36 (17.10.1924)
- Date
- 1924-10-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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jrjmW/ Feinste *1 CocosnussbuUer tv/aur Die efste-'ltöS-1! M c> r i d e I m i I c h: P f * a n ze ri b u rtei-^3 Marga rine. ff und 90Pfg. , auf keiner -er Listen, welche -er Verfasser für sich in Anspruch nimmt, ein Arbeiter, dagegen gehört mindestens seit dem Jahre 1918 der Gemeindevertretung ein hochachtbarer jüdischer Handwerksmeister an, gewählt von den „sozialistischen und demokratischen Notabeln". Auch die jüdischen Arbeiter haben zum größten Teil die Liste der Männer, welche aus den Wahlen als Repräsentanten h^rvorgegangen sind, unterstützt. Es geht dieses in klarster Weise aus der Stimmenzahl hervor, welche auf die gewählten Männer entfallen ist. Wie wenig es dem Artikelschreiber darum zu tun ist, seiner Sache zu dienen, geht daraus hervor, daß er Vermtttlungsvorschläge, die seitens des Gemeinöevvrstandes und des Leiters der öffentlichen Gemeindeversammlung gemacht wurden, ablehnte: er wollte einen Kampf, nur um seinem persönlichen Ehrgeiz zu genügen. Und wie wurde dieser Kampf von ihm geführt. Mit einer Unzahl von Stimmlisten bombardierte er die Gemeindemitglieder. Damals leugnete er die Urheberschaft ab. jetzt nimmt er sämtliche Stimmen, welche nicht auf die Liste der „demokratischen und sozialistischen Notabeln" entfallen sind, für sich in Anspruch. So entbehrt denn auch die Gegenüberstellung des Zahlenverhältnisses 1:2 der entfallenen Stimmen jeder Berechtigung. . Nicht nebensächlicher Natur ist es. daß der Verfasser des Aufsatzes auf seine verschiedenen Listen Namen von Leuten gesetzt hat, die es auf das bestimmteste ablehnten, mit seinen Anschauungen identifiziert zu werden. Wenn es auch keine strafbare Handlung sein mag, Leute in bewußter Weise gegen deren Willen auf eine Kandidatenliste zu setzen, so liegt doch darjn eine grobe Täuschung der Oeffentlichkeit. Leute, die sich einer derartigen Handlungsweise bedienen, sollten sich hüten, über die „Demokraten und Sozialisten^ zu spötteln. Die Forderungen des Artikelschreibcrs. die Abschaffung der Karrenzzeit, Aufhebung der Sporteln für die Gemeindebeamten, Proportionalwählsystem, aktives und passives Wahlrecht für die Gemeindebeamten, gerechte Staffelung der Kultussteuerzuschläge, ausreichende Arbciterfürsorge und eine Jngcnö-Kulturkommission. sind ihm teils in ihrer Berechtigung widerlegt, tcAs als erfüllt bekannt, teils standen sie auf dem Programm der Kandidaten der von der Gemeindeversammlung aufgestellten Liste. Insofern mag der Artikelschreiber recht haben, daß zionistische Forderungen abgelehnt wurden; die erwähnten Forderungen sind jedoch keine zionistischen. Wir lehnen jede Gemeinschaft mit nationalistisch-zionistischen Ideen ab, das bekennen wir." Inzwischen sind, wie wir hören, die Repräsentantenwaihlen in der Gelsenkirchener Gemeinde für ungültig erklärt worden, weil die Wahllisten eine Stunde vor der Wahl nicht mehr offen gelegen haben. Aus diesem Grunde werben demnächst Neuwahlen stattfinden. Haag. Am 7. Oktober verstarb tm Haag GtaatSrat Prof. Dr. I. Oppenheim im Alter von 75 Jahren. Prof. Oppenheim, der als GtaatSrat deS niederländischen Königreichs die höchste juristische Würde besaß, galt besonders auf dom Gebiete des GemeinderechtS als unbestrittene Autorität. Prof. Oppenheim wurde am 3. März 1849 in Groningen geboren. 1885 wurde er Professor an der Groninger Universität und 1893 Professor an der berühmten alten Universität in Leyden. In der juristischen Welt wird sein Buch „DaS Mederländische Gemeinde recht" als Standardwerk gerühmt. Im Jahre 1007 wurde er zum Staatsrat ernannt und nahm seinen dauernden Wahnsitz im Haag. Dieses hohe Amt bekleidete er bis zu seinem Tode. Er nahm außerdem Anteil an der Arbeit vieler Staatskommissionen und manches Gesetz erreichte erst das holländische Parlament, nachdem Oppenheim ihm seine endgültige Form gegeben hatte. Auch am jüdischen Leben hatte er regen Anteil. Bis kurz vor seinem Tode war er Präsident des Kuratoriums deS jüdischen Seminars in Amsterdam. Sein siebzigster Geburtstag wurde im Jahre 1919 vom ganzen Lande gefeiert. Die Königin verlieh ihm auS diesem Anlaß das Kommandeurkreuz des niederländischen Löwen. — An dem Begräbnis auf dem alten jüdiischen Friedhof im Haag beteiligten sich u. a. der Prinzgemahl, der Mnisterpvästdent, die Bürgermeister von Leyden, Groningen und Haag, der Präsident des Internationalen Gerichtshofes, Minister und Parlamentsmitglieder, zahlreiche Professoren und Hörer, Vertreter der Studentenkorps, Vertreter von vielen jüdischen Organisationen usw. Die Universität in Leyden war am Begräbnistage geschlossen und die Studenten hielten eine dreitägige Trauer ab. Die gesamte holländische Presse widmet dem Verblichenen würdigende Artikel. U. a. wird hervorgehoben, daß Prof. Oppenheim für di« Juden im Ausland besonders während deS Krieges segensreich gewirkt habe. Die Mazzeversorgung der polnischen Juden im Kriege ist ihm zu verdanken. Hamburg. In Hamburg soll in den kommenden Chw nuikkah-Dagen die erste Nummer einer Viertoljahres-Schrift „Der Ostiude im Westen" erscheinen, die in sieben Sprachen: Hebräisch, Jiddisch, Polnisch. Russisch, Deutschs Französisch, Englisch gesetzt sein wird. Herausgeber ist der frühere Schriftleiter des „Leipziger Jüdischen Familienblatts". Herr Dr. Sally Zeitlin. Die Schrift wird Beiträge ostjüdischer Schriftsteller in verschiedenen Ländern enthalten. Hannover. Hier hatte sich der wiederholt vorbestrafte Redakteur des völkischen Blattes „Der Sturm", Georg Quindel, im Zufamimenhang mit einem in diesem Blatte veröffentlichten Artikel „Der Judengott Jahwe" wegen Gotteslästerung zu verantworten. In dem Artikel führte Quindel aus, eS gäbe zwei Götter Jahwe: Jahwe I und Jahwe II. Diesem Jahwe II dichtete er alle möglichen schlechten Eigenschaften an und sagte, man müsse Gott vor Verwechslungen mit diesem Jahwe H, der nur in gewissen jüdischen Kreisen verehrt würde, schützen. Als Sachverständiger wurde Herr Rabbiner Dr. Freund vernommen, ferner ein gewisser Professor Bischofs aus Leipzig, der, obwohl sehr rechts gerichtet, dennoch erklärte, daß Quindel nicht die Fähigkeit habe, logisch und sachlich zu denken. Da- Gericht erachtete eine grobe Gotteslästerung für vorliegend und erkannte auf 160 Mark Geldstrafe an Stelle einer verwirkten Gefängnisstrafe von zwei Wochen, indem es als mildernd ansah, daß Quindel wohl eine Menge Bücher gelesen hätte, aber nicht di« geistigen Fähigkeiten besäße, sie zu verdauen und deshalb zu seinen unsinnigen Ideen gekommen wäre. München. Auf dem vor kurzem in München zusammengetretenen Deutschen Orientalistentag erörterte der Breslauer Orientologe Jirku die Wanderungen der Hebräer im dritten und zweiten Jahrtausend v. Ehr. Er führte aus: Keilschrifturkunden berichten von einem Volke mit Name» Habiru (Hebräer), daß im dritten Jahrtausend in Mesopotamien saß, im zweiten Jahrtausend in Kleinasten erschien, um 150Ct nach Palästina vordrang und weiterhin in ägyptischen Inschriften anftauchte. Diese Nachrichten der Keilinschriften beleuchten in interessanter Weise die biblischen Angaben über den Zug der Abrahamleute aus Ur in Mesopotamien über Syrien nach Palästina und schließlich nach Aegypten. Gchwlebus. Es wird gemeldet, daß der hiesige Kombattantenverein die ihm angehürenden sieben jüdischen Mitglieder ausgeschlossen hat. weil sie sich erlaubt hatten, am Verfasiungstage an einem Umzug des republikanischen „Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold" teilzunehmen. Unter den Ausgeschlossenen befindet sich der 76jährige Veteran Adolf Silberstein. Feldzugsteilnehmer von 1870/71, Teilnehmer an zwölf Schlachten, der seinerzeit als Sergeant ausgeschieden ist. Der älteste der drei Söhne des Veteranen wurde iw Weltkriege Offizier und Kompagnieführer. Andreas Laizko der durch seinen Roman „Menschen im Kriege" und andere Werke internationale Bedeutung erlangt hat, hat uns seine jüngste novellistische Arbeit BILANZ die demnächst in sämtlichen Kultursprachen erscheinen wird, zum Erstdruck übergeben. Hier stellt der österreichische Dichter die Gestalt des an der Schwelle der Emanzipation stehenden Nathan Blum und Szenen von einer Wucht des jüdischen Gefühls und des Ausdrucks vor uns hin, die in der Weltliteratur ihresgleichen suchen. Die Arbeit ist der anderen von uns veröffentlichten jüdischen Novelle Latzkos „Ein Duell" ebenbürtig. Wir beginnen mit dem Abdruck in der nächsten Nummer. awsawMMi Der jüdische Sprechsaal. Kanzelreden. Sehr geehrte Redaktion! Ihre Nummer 34 enthält unter dem Titel „Protest" Ausführungen eines Herrn Margoltus, die auf mich lebhaften Eindruck gemacht haben. Erwecken sie in mir doch Gedanken, die ich selber, leider allzuoft, empfunden bade, weipr ich bei dem Prediger L die siebenhundertfünfztgste Traurede und bet dem Prediger N die siebenhunderteinundsünfzigste Leichenrede gleichen Stiles, gleicher Gedanken, ja gleicher Worte mitanhören mußte und, dank einem guten Gedächtnis, oft genug die Worte des Predigers im voraus meinen Nachbarn zuflüstern konnte. Aber auch an den Kolnidre-Abenden, bei dem Schlußgebet am Versöhnungstage usw. wandeln einige unserer Prediger stets die gleichen Gedankengänge ab. Alle an sich richtigen Ideen wiederholen sich von Jahr zu Jahr in gleicher Ausführung, so daß ich das schöne Sammelwerk in Goldschnitt vor mir sehe, das der Redner abends zuvor aus seinem Bibliothekschrank hervorgeholt hat, um den betreffenden Abschnitt zu memorieren. Banalitäten, nichts als Banalitäten. Ich weiß nicht, ob es indiskret ober boshaft von mir ist, wenn ich feststelle, daß ich von einem hervorragenden Prediger an zwei aufeinanderfolgenden Sonntagen, bei der Bestattung zweier sich fremder Personen, den gleichen Beginn einer Trauerrede hörte: „Die edelsten Geister aller Zett- «rlter, Nationen und Bekenntnisse sind mit der sokratischen Weisheit einer Meinung gewesen, daß die Seele des Menschen unsterblich ist . . . ." Klingt es nicht wie aus den rührenden Zeiten unserer Großmütter, die zu allen Gelegenheiten in frommer Einfalt Gebete aus ihrer „Tschinne" herausfanden, wie z. B. „Gebet am Grabe des ersten Gatten", „Gebet um die Geburt eines zweiten Sohnes" usw. usw. Genug, Herr Margolius hat leider recht, nur allzu sehr recht:: „Es tut wehe, anzug-reifen, wo wir verehren möchten." Ich glaube nicht, daß unsere Prediger um Stoffe, um Gedanken, um Stil verlegen sind, sie wollen vielmehr nur nicht anstoßen in diesen Tagen des Zweifels, der skeptischen Auffassung aller Dinge, sie scheuen sich, einer Richtung das Wort zu reden, fürchtend, einer anderen damit zu mißfallen — so schweben sie unparteiisch mit der „Schema- Rede" (Juristen würden es „formularmäßig" neunen) über den Wassern. Daß sie Partei nehmen, mit Leidenschaft und Temperament das verfechten, was sie für Recht halten, das geschieht nur in der Diskussion, in der friedlichen Gelehrtenstube, . in der wiffenschaftlichen Polemik einer Zeitschrift, bestenfalls vielleicht unter den Gleichgesinnten desselben Vereins, des gleichen Clubs, der gleichen Gemeinde. Kein Wunder, daß der Einfluß des Oratorischen tm Gottesdienste völlig geschwunden ist und daß sich unsere Gottesdienste mehr und mehr in schöne religiöse Konzerte verwandelt habem Meyer-Gruuewald. Mensch und Der. Ob Rabe. Regenwurm, ob Krokodil, Ob Mensch, ob Frosch, ob Affe oder Wanze — Drehn wir nicht alle uns im gleichen Tanze? jSchuf Frau Natur uns nicht nach einem Stil? Allüberall die gleichen Lebenstriebe, IDer Daseinskampf entbrennt aus einem Herd, Wo immer neu die Flamme wird genährt. Was ist der Brennstoff? — Hunger oder Liebe. kUns aber tönt des Weltenmeisters Ruf, Auf daß rvir ihn verstehen und erkennen: Euch will ich „Geist von meinem Geist" benennen, Alnd wenn ihr wollt, könnt ihr vom Tier euch trennen! I. Wein fast. Einiges aus dem Leben Hermann Cohens. Wir schöpfen aus dem wundervollen Buch von Walter Kinkel, Professor der Philosophie in Gießen: Hermann Cohen. Sein Leben und sein Werk. (Verlag Strecker und Schröder in Stuttgart, 1924). Wir denken uns einen Kinkel immer als fein und freisinnig, und so ist auch das Buch ein Zeugnis vorurteilsfreien Denkens. Kinkel erzählt uns, daß der berühmte Verfasser der Geschichte des Materialismus, Friedrich Albert Lange, Cohen eingeladen habe, sich in Marburg als Privatdozent zu habilitieren. Das geschah 1873. All sein Leben habe Cohen persönlich schwer unter der Inhumanität des Antisemitismus, von dem sich leider auch d-as akademische Leben nicht ganz rein zu halten gewußt, gelitten. Die Tugend -er Treue war rege in seiner Seele — heißt es da — und er fühlte sich innerlich mit der Religion des Prophetismus verbunden. Sein durch Menschenliebe geschärfter Blick erkannt« früh genug, wieviel auch die ^christliche" Kultur dem Prophetismus zu verdanken hat, weil eben der Prophetismus eine Bewegung zum «Allgemeinmenschllichen" darstellt. Um so unverständlicher war ihm die offenkundige Mißachtung, die überhebliche und engherzige Geister, welche nicht ahnten, wieviel sie persönlich der Religion des Judentums zu verdanken hatten, den Juden entgogenbrachien: um fo mehr mußte er aber auch die reine und humane Gesinnung Langes zu schätzen, der sich nie von anderen Motiven als von solchen des Wahrhe-itsstrebcns und der Menschenliebe bestimmen lieh. Nach Langes Tod 1876 wurde Cohen dessen Nachfolger auf dem Lehrstuhl für Philosophie. Es bildete sich unter ihm eine Philosophen-Schule, die Marburger Schule genannt. Seine Methode zu philosophieren stellte die höchsten Anforderungen an seine Hörer. Es ist interessant, wie der bekannte Sozialist Kurt Eisner sich über die Persönlichkeit Cohens äußert: „Ich war — io heißt es in einem Aufsatz — längst den Universitäten entronnen, als ich in weinen Marburger Jahren Hermann Cohen fand, .-geistigen Einfluß auf das Innerste meines Wesens hat doch nur einer jemals gewonnen: Hermann Cohen, der Menfchenhilöner." Nicht minder interessant ist, was Kinkel aus seinen persönlichen Erlebnissen mitteilt: „Auf mich", berichtet er. „hatte die Warnung vor Cohens Schriften natürlich nur stimulierend gewirkt. Es stand bei mir von Anfang an fest: ich laste dich nicht, du segnest mich denn.-Ich war damals schon Privatdozent in Gießen, und so beschloß ich, die Gunst der Nachbarschaft Marburgs auszunutzen, um einmal systematisch ein Colleg bei Cohen zu hören. Die erste Borlefung, die ich hörte, handelte über Leibniz.-Cohen hatte noch keine Viertelstunde gesprochen, da wußte ich, daß ick nicht nur mit Leibniz, sondern mit der Philosophie überhaupt noch einmal ,/ganz von vorn anfangen" müsse. Man muß wissen, daß Cohen auch ein glänzender Redner war. Frage ich mich, woher es kam, daß er mit seinen Borträgen auf empfängliche Seelen so ungeheuer einwirkte, so kann ich den Grund dafür doch weniger in der fabelhasten Modulattonsfähigkeit seiner Stimme, in der bewundernswerten Beherrschung der rednerischen Form, als vielmehr einerseits in dem tiefsachlichen Gehalt seiner Rede, die sich stets von jeglicher Trivialität fernhielt und selbst dem scheinbar unbedeutendsten Wort wahrhafte Bedeutung verlieh, in der hinreißenden Art. in der er seine Zuhörer zum Mitdenken zwang-und endlich in dem Eindruck einer begeisterten, höchst sittlichen und in sich geschlossenen Persönlichkeit sehen, der von Gehörten zurückblieb.-Namentlich die Stunden im Seminar werden mir unvergeßlich bleiben. — „Wollte einer-- ins mystische Fahrwasser einlenken und das Problem mit verschwimmenden Begriffen verwischen: mit wie treffenden, kurzen und prägnanten Worten wußte Cohen sofort die Aufhorchenden ins wissenschaftliche, rationale Fahrwasser zurückzulenden."-Es ist unmöglich, den Reiz des persönlichen Gesprächs mit Cohen wiedcrzugeben. Und so wie das eine, dem er sich gewidmet hatte, den Verkehr mit den Gesinnungsgenossen und Schülern beseelte, so warf cs auch sein wärmendes Licht auf seine Häuslichkeit. Seine Frau. Martha geb. Lemandow'ski — — nahm den innigsten Anteil an seinen Arbeiten. — Viel schöne Stunden verdankte er ihrem musikalischen Talent, zumal sich Heide in der Verehrung Beethovens und Brahms fanden." — — „Er blieb sich bewußt. welche Schätze der Weisheit und Schönheit die Juden aus dem Quell deutscher Kultur geschöpft haben, aber er gedachte auch mit berechtigtem Stolz des Anteils, den die Religion des Prophetismus an aller deutschen Kultur hat. Von diesen Voraussetzungen aus mußte Cohen notwendig dem Zionismus ablehnend gegenüüerstehen. Deutschland ist di« Heimat der deutschen Juden, und der deutsche Staat ist auch ihr Staat." Es heißt dann weiter Seite 94: „Cohen war Mitglied des Freimaurerordens. In welchem Sinne er das Freimauvertum ausfaßte, hat er in dem Vortrag „Die Bedeutung unseres Ordens für die Harmonisierung der religiösen sozialen und internationalen Gegensätze" auseinandergesetzt." (Abgedruckt im 2. Band der Jüdischen Schriften Hermann Cohen, p. 149 uff.) Professor Kinkel irrt hier, Cohen gehörte nicht dem Freimaurerorden an, sondern dem unabhängigen Orden Bne Vriß: er war Mitglied der Frankfurt-Loge in Frankfurt a. M. Im 76. Lebensjahr starb Hermann Cohen, Her tiefe Denker und begeisterte Jude, am 4. April 1918. Sein Name wird in den Annalen der jüdischen Geschichte mit stolzen Lettern verzeichnet bleiben. Dr. Spanier (Mgdbg.).