Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 4 (1924)
- Issue
- 36 (17.10.1924)
- Date
- 1924-10-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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4. Jahrgang Nummer 36 Beilage 17. Gktober 1924 >> ■mm Die jüdische Gegenwart. u Zum Ableben von Analole ^ran^ois Thibaull. (Anatole France.) Wenn man auch mit Superlativen noch so geilen möchte. — bei diesem Manne, der vor einigen Taigen als Greis von 81 Jahren sonst in die Ewigkeit hinüberschlummerte, lasten sich Superlative beim besten Willen nicht vermeiden! — Er war nun mal zugleich einer der liebenswertesten Menschen und feinsten Geister, einer der größten Dichter und einer der bedeutendsten Gelehrten, die in unserer reichlich widerwärtigen Zeit lebten! Einer der ganz wenigen Franzosen, die für sich den Nietzscheschen Ehrentitel eines „guten Europäers" in Anspruch nehmen konnten! Einer der wenigen „Ganzgrotzcn", bei Lessen Hinscheiden man wehmütig seufzen mutz daß nun die Welt ärmer geworden ist!- Als Vierund zwanzigjähriger schon gesellte er sich mit seiner Studie über Bignv zu den besten Literaturhistorikern seines Landes. Dann erwarb er sich durch seine formvollendeten. unübersehbaren Gedichte „?oemes äores" (1873) internationalen Ruhm. Eine große Reihe unvergänglicher wissenschaftlicher und dichterischer Werke folgten und bilden den reichen Ertrag eines Lebens, das wirklich „köstlich gewesen" ist. ... Da ist. sein entzückender wehmütigironischer Erstbingsroman von der „Schuld des Professors Bonnard", diese altfränkische Geschichte eines nur in seiner Bücherwelt lebenden und im Leben sich verirrenden Gelehrten. Für wenige Groschen ist das Buch in der Reklambibliothek zu haben, allein um alle seine sprachlichen Schönheiten zu geniesten, muß man es schon französisch lesen! . . . Da ist das beste — dichterisch geschriebene — historischwissenschaftliche Werk über die Jungfrau von Orleans, das es gibt. Eine ganze Menge ganz ausgezeichneter Bücher -eigen den hellseherischen Blick des genialen Historikers, z. B. die Romane „Thais", „Noces Corinthiennes", „Jardin a'Epicure", die wundervolle große Erzählung aus der französischen Revolution „Bes 1)ieux ont soll" usw. Wie sympathisch berührt uns sein soziales Mitgefühl in der köstlichen Erzähluna „Orainauedille", die schildert, wie ein armer Teufel von Grünkramhändler durch Staat und Gesellschaft ruiniert wird. Es brauchen hier nicht die ganzen, eine kleine Liste bildenden Werke dieses überragenden Geistes aufgezählt werden. Erwähnt sei zuerst, daß France niemals gegen Deutschland gehetzt hat, sondern ununterbrochen während der ganzen letzten fünf Jahrzehnte nur milde, versöhnliche, verstehende Worte über unser Vaterland gefunden hat. Stand er doch mit vielen hervorragenden deutschen Dichtern, z. B. mit Hauptmann, in freundschaftlichem Verkehr. Mit den französischen Kriegsschreiern hatte er nichts gemein, er hat — darin ein Erbe Voltaires — seinen Landsleuten in der „Ile des Pinguins" und im „8ur Ia Pierre Blanche" sehr hübsch einen Spiegel vorgehalten .... Er liebte Frankreich, die Menschheit jedoch nicht weniger! — Dann aber muß hevoorgehoben werden, daß auch gerade das Judentum an der Bahre dieses wundervollen Menschen trauert.. Einige unschöne Züge moderner Juden hat er zwar in seiner Rommrreihe „Histoire contemporaine" mit lächelndem Sarkasmus verspottet, allein er war ein Kenner und ausgesprochener Freund des Judentums, und es macht seinem Gerechtigkeitssinn alle Ehre, daß er Zeit seines Levens den Antisemitismus aufs schärfste belämpst hat. Dieser milde, rücksichtsvolle und gütige Mensch war nur gegen den Fanatismus und die Verbohrtheit rücksichtslos. Als sich in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts weite Kreise Frankreichs mit dem antisemitischen Dreyfuß- Skandal schändeten, war er mit Zola einer der ersten Rufer im Streite, und der sonst so Leidenschaftslose nahm leidenschaftlich für die zu Unrecht Verfolgten Partei. — AIS die Pogrome in Rußland so viele unschuldige Todesopfer forderten, rüttelte er das Gewissen der Kulturmenschheit wach, indem er einen flammenden Protest gegen diese Verbrechen erließ. Die ihm einst übergebene Summe des Nobelpreises stiftete er für die hilflosen Kinder der Pogromopfer. — In seinen Jngendcrinnerungen „La vie en fleur" erzählt er einiges von seiner Freundschaft mit bedeutenden Juden und verurteilt in schärfster Weise den geistlosen Antisemitismns. Seine Feinde haben ihn perhorresziert, und die Oonöregation Sancti Officii hat ihn — ebenso wie Tolstoi — dadurch geehrt, daß sie seine Bücher aus den Judex setzen ließ, — jedoch schädigen oder totschweigen konnte man ihn natürlich nicht. Und jetzt, wo er tot ist, wird sein Werk weiter wachsen und sicher noch manchen Segen stiften. Des ist ein Trost! Wir Lebenden müssen melancholisch feststellen, daß einer der allerbesten Köpfe unserer Epoche 'dahingegangen ist. Wir sehen uns — besonders in Frankreich — suchend nach einem Ersatz für ihn um. . .. Ach! der ist nicht zu finden. . . Dr. L. D. Wiener Brief. Die Schassenden und die Raffende«. Tce Hakenkreuzler haben den ,>wisscnschastlichcn" Antisemitismus in die Formel gekleidet: „Das Ariertmn schafft, das Judentum raff t." Zu diesem Axiom hat das Wiener Leben in der letzten Zeit ganz merkwürdige Illustrationen geliefert. Es vergeht jetzt kaum ein Tag, an dem hier nicht der Zusammenbruch einer Bank gemeldet würde. Das ist in den trostlosen wirtschaftlichen Verhältnissen begründet, die derzeit in Oesterreich herrschen. Trotzdem macht das Debatte der „N o r d is ch - O e st e r r e i ch i s ch e n Bank, das in der Vorwoche aufgedeckt wurde, ganz besonderes Aufsehen. Denn dieser Zusammenbruch wäre wohl auch in günstigeren Zeitläuften nicht zu vermeiden gewesen. Während nämlich die anderen „Finanzleichen" das Opfer verfehlter, meist durch die unvorhergesehene Vörsenkrise durchkreuzter Spekulationen geworden sind, war bei der Nordisch-Oesterreichischon Bank von irgendwelchen finanztechnischen Operationen im Sinne bankenmäßiger Geschäfte überhaupt keine Rede. Die Spareinlagen und Depots der Kunden wurden vielmehr von allem Anfang an Zwecken zngesührt. die kaum iemals eine Verzinsung des hierfür aufaewendeten Kapitals gewährleisten konnten. Eine Riesensumme wurde für die — Adoptierung des prächtigen Bankgedäudes investiert, der Rest wunderte teils in die Taschen des Herrn Generaldirektors. eines gewesenen Feldwebels, teils in die verschiedenen Fonds der den Gründern nahestehenden Parteien. Was sind ons nun für Parteien? Die Novdisch-Oesterreichische Bank war ein ausgesprochen christlich-monarchistisches Institut, was stch schon auS der militärischen Vergangenheit ihrer Macher, unter denen naben dem schon erwähnten Feldwebel auch einige Generale prunken, zwanglos erklärt. Kein jüdischer „Raffer" durste an dem segensreichen Werke mitschaffen, mit dem diese extremen Antisemiten ihre durch die idealistischen Schlamvorte des Hakewkreuzlertums verblendeten Kunden, meist kleine Sparer, beglückt haben . . . Am selben Tage, an dem der Schifsbruch der Nordisch- Oesterreichischen Soldaten-Bank publik wurde, lernte die Oeffentlichkeit auch einen jüdischen Kriegskameraden der christlich-arischen Bankerotteure kennen. Es war dies zwar kein General, vielleicht nicht einmal ein Feldwebel, dafür hat er aber in der Schlacht bei Gorlice sein Augenlicht eingebützt. Da er vor dem Einrücken als Siebzehnjähriger noch rasch die Notmatura abgelegt hatte, absolvierte er nach seiner Heimkehr als Kriegsblinder (!) die juristische Fakultät, wurde Doktor und Konzipient und präsentierte sich an dem früher erwähnten Tage in einem an sich belanglosen Prozeß der Oeffentlichkeit als vertretungsberechtigter Substitut eines Wiener Rechtsanwalts. Obwohl er keinerlei Akten vor sich hatte und sich auch nicht schriftliche Notizen machen konnte, zeigte er sich voll und ganz auf der Höhe der Situation und verließ als Sieger den Gerichtssaal. So veranschaulichte der Zufall den Wiener Zcitungslesern sehr grotesk den Unterschied zwischen dem „Schaffen" arischer Kriegshebden. die sich dem Vaterland heil zu er- Wahlen zum Preußischen Landesverband. Pflicht jedes liberalen Juden ist es, sich und seine wahlberechtigten Familienmitglieder sofort zur Wählerliste anzmnelden. Wahlberechtigt sind alle volljährigen, einer Verbandsgemetnde ungehörigen Juden beiderlei Geschlechts, die mindestens ein Jahr vor Auslegung der Wählerlisten innerhalb einer Berbandsgemeinde ihren Wohnsitz haben. Sein Stimmrecht ausüben darf nur, wer sich zur Wählerliste angemeldet hat. Anmeldungen bei den von den jüdischen Gemeinöevorständen bestimmten Stellen. In Berlin beim Wahlbüro des Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin, E. V.. Berlin NW. 7. Dorotheenstr. 77. halten verstanden hatten, und dem „Rassen" jüdischer „Drückeberget, die als Schwerinvaliden heimkehrten! Während der jüdische Student schier unmöglich Scheinendes leistete, um selbst als Kriegsblinder nicht der Oeffentlichkeit zur Last zu fallen, wußten die „nordisch-österreichischen" Vorkämpfer des Ariertums von ihrer aus dem Kriege geretteten Unversehrtheit keinen besteren Gebrauch.zu machen, als — auf die Blindheit der anderen zu spekulieren . .. Ein mutiger Manu. Der Wiener Flügelhornvirtuose Prof. Dr. Max So starte ist nicht nur ein hervorragender Künstler und edler Mensch, sondern er besitzt auch einen ganz erstaunlichen Mut. Er begnügt sich nicht damit, seine Kunst in den Dienst der Wohltätigkeit zu stellen, sondern er tut dies unter erschwerenden Umständen, die als Proben einer nicht mehr zu überbietenden Waghalsigkeit und Kühnheit gewertet werden müssen. Vor etlichen Monaten hat er für das Wiener Spital der Barmherzigen Brüder im — Löwenkäfig konzertiert: Auge in Auge mit einem Prachtexemplar von Wüstenkönig ans der Hagenbeckschen Menagerie. Professor Sostaric zeigte sich damals als ebenso guter Tierwie Menschenkenner. Denn während einerseits der Löwe seinem musizierenden „Gaste" nichts zuleide tat, erwies stch andrerseits die Möglichkeit, einen Künstler während seines Auftretens aufgefressen werden zu sehen, als wirkungsvollste Unterstützung der christlichen Nächstenliebe und brachte der humanen Veranstaltung ein volles Haus . . . Das jüdische Publikum braucht so grausame Sensationen nicht. Es hat den Musiker auch dann nicht im Stiche gelassen, wenn er für seine Wvhltätigkeitskonzerte kein anderes Lockmittel ins Tressen führte als seine Kunst. Prof. Sostaric hat dies auch annerkannt und will aus Dankbarkeit demnächst ein Konzert für jüdische Waisenkinder geben. Kein Kenner unserer heutigen Verhältnisse wird leugnen, daß ein solches ziemlich vereinzelt dastehendes Vorhaben eines C h r i st e n arischen Geblüts noch mehr Mut vorauSsetzt als ein Auditorium von Menagerie-Löwen. Tenn diese Bestien haben infolge ihrer ausgezeichneten Dressur doch schon einige Kultur angenommen. Dagegen ist die v o l itische Bestie, die seit Jahrzehnten mit antisemitischen Schlagwörlern gefüttert wivd, gerade auf Judenblut dressiert. Und wenn diese Drestur in unserem gemütlichen Oestcrrreich auch nicht zu so akti-vistischen „Triumphen des christlichen über den jüdischen Geiß" geführt hat, als welcher bekanntlich das Szolmoker Bombenatientat aus einem jüdischen Frauenwohltätigkeitsball im Gerichtssaal gefeiert worden ist. so ist es doch fraglich, wie der konfessionelle Chauvinismus, der sich auch hierzulande eingenistet hat, einen solchen „Sieg des jüdischen Geistes über den christlichen" hinnehmen wird, als den er das humane Vorhaben des Professors Sostaric sicher deuten wird. Hoffentlich ergeht es diesem Musiker nicht so wie seinem Vorgänger Orpheus, der gleichfalls die wildesten Tiere durch sein Spiel zu zähmen vermochte, schließlich aber von menschlischen Bestien, den in Ekstase geratenen Münaden, zerrissen wurde ... Dr. Hugo S p i e g l e r. Ein Museum jüdischer Kunstwerke in New Aork. In New Bork wird demnächst ein neues indisches Museum eröffnet werden, das eine wertvolle Sammlung jüdischer Ritualien enthaften wird. Die Sammlung war 20 Jahre lang im National-Museum der Vereinigten Staaten untergebracht und stand unter der Aufsicht des Dr. Casanowilsch. Sie gehörte einer New Äorker jüdischen Familie, die die Sammlung ständig vermehrte. Bor kurzem sah sich die Familie gezwungen, die Sammlung zu veräußern, doch war die Negierung der Vereinigten Staaten wicht imstande, diese zu erwerben. Sie wurde von einer Gruppe reicher New Parker Juden angekaust und soll nun nach New Aork gebracht werden. Die Sammlung enthält jüdische Kunstgegenstände aus verschiedenen Zeitaltern der jüdischen Geschichte. Herr Schochet! Ein antisemitischer Richter frozzelte gern die Zeugen, die sich das eben gefallen lasten müssen. Einm«>l kam er aber an den Unrechten. Er hatte als Zeugen einen Mann zu vernehmen, der Borbeter in einem Vereinstempel. Lehrer und Schochet ('Schächter) war. Die Bezeichnung Schochet war dem Herrn Richter neu, und er wendete sich mit furchtbarem Vergnügen fortgesetzt bei der Vernehmung des Mannes an. Als die Vernehmung zu Ende war, fragte der Laienrichter höhnisch: „Sonst haben Sie nichts mehr zu sagen, Herr Schochet?" „Nur noch eins," erwiederte seesenruhig der Zeuge. .FLorbeter bin ich für die Erwachsenen. Lehrer für die Kinder und Schochet fürs Rindvieh!" Aus den Gemeinden. Arnstadt. In diesen Tagen konnte der hiesige Vorsteher der Gemeinde, Herr Max Ledermann, das 25jährige Jubiläum als Vorsteher begehen. Aus diesem Anlaß fand eine Feier statt, bei der Lehrer Heilbrunn die Verdienste des Jubilars um das Wvhf der Gemeinde würdigte. Im besonderen dankte er ihm für seine Initiative beim Bau der Synagoge. Bnblitz. Die von Herrn Georg Caspary gestiftete Gedenktafel für die Gefallenen der Gemeinde wurde am Versöhnungstag eingeweiht. Die Weiherede hielt Lehrer Kozminski. Am Schluffe sprachen Kameraden des Frontbundes daS Kaddifchgebet für die gefallenen Kameraden. Bühl-Baden. Am 21. Oktober feiert hier Herr Bezirksrabbiner Dr. Mayer mit seiner Gattin das Fest der golde'- nen Hochzeit, Herr Dr. Mayer wird am 1. März 1925 neben seinem vierzigjährigen Amtssubiläum auch di-e Feier seines 80. Geburtstages begehen. Bei dieser Gelegenheit soll seitens der Gemeinde Bühl, des 14 Religionsgemeinden umfassenden Bezirkes und der obersten israelitischen Kirchenbehörde des scgenreichen Wirkens des Jubilars würdig gedacht werden. Auch die Vereinigung für das liberale Judentum und die jüdisch-liberale Zeitung" entbieten dem verehrten Jubelpaar die herzlichsten Glückwünsche! Friedrichstadt. Die hiesige israelitische Gemeinde, die noch vor etwa 70 Jahren 600 Juden zählte, ist infolge der 2lbwanderung nach Hamburg im Laufe der Jahre auf 40 Seelen zusammengeschmolzen. Die israelitische Schule wurde schon 1885 aufgehoben. Der alte Friedhof der Gemeinde in Friedrichstadt stammt aus dem Gründungsiahr der Stadt, er enthält Grabsteine mit hebräischen Inschriften und Zeichnungen von kulturhistorischem Wert. Die ältesten Grabsteine haben ein Alter von 260 Jahren. Gelseukirchen. Wir werden um Aufnahme folgender Erklärung gebeten: „Die „Jüdische Rundschau" bringt auf Seite 429 deS Jahrganges 1924 einen Bericht über die Repräsentanten, wählen der Gelsenkirchener Synagogen-Gemeinde. Der Aufsatz enthält eine Reihe von Unwahrheiten. Zunächst be. schäftigt sich der Schreiber des Aufsatzes mit den Gemeinde- Vertretern, die vor 3 Jahren gewählt wurden. Er wirft diesen Männern vor, bet ihrer Tätigkeit in den 8 Jahren«)? demokratische Prinzipien nicht beachtet zu haben. WaS doü^ß der Gemeindevertretung in den 3 Jahren geleistet ist, berührt er nicht. Offenbar weiß der Verfasser des Aufsatzes nichts von der Arbeit, welche von der Gemeindevertretung in der Nachkriegszeit geleistet wurde. Es erscheint das ja auch nicht wunderlich, da der Verfasser des Aussatzes — der in Gelsenkirchen bekannt ist — sein jüdisches Herz nur alle 3 Jahre vor den Wahlen entdeckt, um als „Parteiführer" eine Nolle spielen zu können. Wenn der Schreiber des Aufsatzes die Behauptung aufstellt, die 1921 gewählten Gemcindevertreter seien erst seit dem Jahre 1018 Demokraten, sv mag er in diesem Punkte im guten Glauben objektiv dje Unwahrheit gesagt haben, denn vor 1918 war er noch so jung, daß er noch gar nicht imstande war, die politische Gesinnung dieser Männer zu erkennen und festzustellen. Die Vorgänge bei den jetzigen Neuwahlen entstellt der Verfasser des Aufsatzes in folgender Weise: Er behauptet, die gemeinsam vorgehenden Zionisten, Ostjuden und Arbeiter, welche Vs der Gemeinde ausmachen, hätten drei Sitze verlangt. Der Verfasser hat nur ein Recht darauf, im Namen der Z i o n i st e n zu schreiben, deren Führer zu spielen er versucht. So weit die Ostjuden Zionisten sind, mögen sie mit ihm gemeinsame Sache gemacht haben, im übrigen aber nicht. Es ist sogar in der Gemeindeversammlung, in der die Männer, welche der Verfasser „sozialistische und demokratische Notabeln" nennt, die Mehrheit hatten, ein ostjüdischer Herr als Repräsentant ausgestellt worden. Dieser Herr ist allerdings kein Zionist. Im übrigen stand tXX)00(X)00G0000CXXXXXXXXXXXXXXXXX)0000000QC Für unser Berliner Büro suchen wir zu möglichst sofortigem Antritt ein Lehrmädchen das sämtliche Büroarbeiten erlernen kann. Schriftliche Bewerbungen sind zu richten an den Vorstand der Vereinigung für das liberale Judentum, Berlin W.8. Mauerstraße 22. Kalendarium für die Zeit vom 17.10. bis 25.10. Oktober 1924 Tischri 5685 Freitag 17. 19. 3. Tag Chol hamosh Sonnabend 18. 20. Sabbat Chol Hamoeh (2. V. M. Kap. 88. 12-23, 84, 1-26, 4. B. M. Kap. 29, 26-31) Haftarah: Ezechiel Kap. 38, 18 Sontag 19. 21. Heschana rabba Montag 20. 22. Schemini Azereth Dienstag 21. 23. Simchat Torah-Ausgang 5.43 Mittwoch 22. 24. Donnerstag 23. 25. Freitag 24. 26. Sonnabend 25. 27. Neumondweihe Wochen-Abschnitt B'reschith (1. B. M. Kap. 1-6, 8) Haftarah: Jesaia 42. 5, 43. 1-16