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Jüdisch-liberale Zeitung · 1924-10-17 · 36 (17.10.1924) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
4 (1924)
Issue
36 (17.10.1924)
Date
1924-10-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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httel SaS, was eine Wische Renaissance zusammenzufassen suchte, äußerte sich mehr durch Temperament als durch logische Zuckt und Selbstbesinnung. Das Trotz-Judentum mar die natürliche Gegenberveguna, gleichsam eine Re^Roaktion. gegen Radau-AntiiemrtiSmus und geschmacklos aufdringliches Neuchristentum. Unser Trotzen aalt den gegnerischen Protzen. Mer jetzt haben sich die Wogen allgemach geglättet. Wie der Radau-Antisemitismus dem raffinierten dialektischen Antisemitismus eines Dühring, Cham- Verlain und Spengler gewichen ist, so scheint es an der Zeit, daß sich das Trotz-Judentum wieder zu einem Ueberzeugungs-Judentum abklärt. Dieses Ueberzeugungs-Judentum aber gründet sich darauf, daß wir nach wissenschaftlicher und philosophischer Prüfung da- Kür und Wider zu der geläuterten Einsicht gelangen, daß der von uns in die Welt gesetzte Gottesbeariff heute noch, ja heute mehr denn je, das logische Ueoergewicht über alle rivalisierenden Gottesbegriffe behauptet. Wir führen diese Sache des EingotteS unbeirrt weiter, weil die fortgeschrittenste Wissenschaft auf die ewige Rätselfrage nach dem Sinn der Wert keine andere Antwort zu geben vermag, als sie in unserem lapidaren Sch'magebet zu ehernem Ausdruck gelangt. Die Philosophie bestätigt, was unsere Religion seit dreitausend Jahren fordert, daß ein geistiges, logisches, göttliches Prinzip das Weltall üurchöringen müsse, wenn anders der Sinn der Welt sich rvtsstnschaftlich formulierbarer Erkenntnis erschließen soll. Dieser positiven Einstellung gegenüber den bleibenden Aufgaben des Judentums als Religion treten die negativen Tendenzen, wie sie bei Spengler und Sombart übertreibend zum Ausdruck gelangen, stark zurück. Weder gibt es eine reine jüdische Rasse, noch viel weniger eine unverfälschte jüdische Nation, am allerwenigsten aber eine jüdische Internationale. Es gibt so viele Ueberläufer, die Len Antisemiten längst verraten hätten, wo diese angebliche jüdische Internationale ihren Sitz haben sollte. Der Krieg hat mit allen internationalen Organisationen gründlich aufgeräumt, am allergründlichsten mit der sogenannten jüdischen Internationale. Sie besteht nur noch in den Köpfen von Henry Kor¬ und den deutschen Bernfsantisemiten. Es gibt keine reinrassigen Menschen, es sei denn bei den Weödas auf Ceylon oder den Pygmäen im zentralafrikanischen Urwald. Die sogenannten reinrassigen Menschen existieren nur mehr als eine im Aussterben begriffene zoologische Seltenheit. Mit Recht ergibt sich aus den Darlegungen von Weil, daß das Bestehen einer jüdischen Geheimorganisation, die jüdische Welt, herrschaftstenüenzen verfolge, nur der Phantasie antisemitischer Köpfe entsprungen sein kann, daß jüdische Tendenzen zur Weltherrschaft bei den jüdischen Juden weder zwangsläufig vorhanden sein müssen, noch vorhanden sind, und daß Strömungen, die auf die Schaffung einer jüdischen Internationale hinausaehen, nirgends im deutschen Judentum zu finden sind, daß gefühlsmäßig, historisch und in Uebereinstimmung mit den gegebenen Tatsachen, die deutschen Juden sich als integrierender Bestandteil des deutschen Volkes allein betrachten. Wie es unter den Christen gute und schlechte Patrioten gibt, so sind diese auch unter den Juden zu finden. Wie es unter den Christen Männer und Frauen gibt, die stärker international als national beeinflußt sind, und umgekehrt, so ist es auch bei den Juden der Fall. Meinen eigenen Standpunkt gegenüber den soziologischen Problem von Rasse, Volk, Nation und Religion habe ich in einer Reihe von Schriften nieöergelegt. Wir sozialen Optimisten zweifeln an der Lebensfähigkeit de- Modewortes Rasse und verzweifeln nicht im entferntesten an -en endgültigen Sieg der logischen Wahrheit. Wie es nur ein Menschengeschlecht gibt, so nur eine Welt, einen Gott und &itte Wahrheit. Was sich heute als raffentheoretische „Wahrheit" auSgibt, ist im günstigsten Kalle ihr Aufguß, ihr schwaches Surrogat. Soweit da- Raffenproblem aber politisch ausgebeutet wird, ist eS nicht mehr und nicht weniger als wissenschaftliches Kalschinünzertum. Denn die Logik hat auf jedes Wort ihren Eichstempel zu -rücken, um ihm marktgängigen Kurs zu geben. Diese aber sagt zum heutigen Modebegrisf Rasse: Nein! Der Begriff ist falsch gütldet, falsch angewendet, falsch übertragen. Diese Wortmünze muß außer Kurs gesetzt werden. Wir spotten heute über Griechen und Perser, die jeden Fremden als „Barbaren" verachteten. Das tun wir anders, wenn wir jeden Menschen, der etwas anders auSsieht, und sich vielleicht auch anders benimmt, ein Raffenproletariat andichten und ihn damit seelisch ebenso verwunden, wie -er Kannibale, seinen Instinkten entsprechend, Sen Stammesfremden zerfleischt. Oder sollte das seelische Zerfleischen dem Opfer weniger weh tun? Die politische Dreieinigkeit der französischen Revolution schloß mit dem Worte: krateraite. Dieses Wort, vielfach als Phrase verspottet, hat sich in anatomischem und physiologischem Sinne bewahrheitet. Birchow sagt: Wenn ich die gesamte Geschichte der Menschheit übersehe, kann ich mich der Vorstellung nicht entschlagen, daß wir alle wirklich Brüder bzw. Schwestern sind. Das gilt selbst von Schwarzen und Gelben, vollends von der uns zunächst stehenden weißen Rasse. Jetzt versteht man auch den tieferen Sinn jener Humanität, die von Lessing, Herder, Kant und Schiller als tiefster Wesenskern der Geschichte begriffen worden ist. Da wir eine anthropologische Einheit darstellen, streben unsere sehnsüchtigen Wünsche wieder zu jener Unreinheit zurück, aus welcher wir uns durch Boden und Klima, durch Milieu und Erziehung, durch Sprache und Sitte, durch Religion und Moral, durch Kunst und Wissenschaft herausdifferenziert haben. Wie die kleinen Berg- und Zwergkantone sich zum nationalen Einheitsstaat verdichten, weil die Vielheit Unheil, die Einheit Segen bedeutet, so streben wir mit unterirdischer Sehnsucht jener ursprünglichen Brüderlichkeit wieder entgegen, die wir durch den sozialen Sündensall — Klima, Boden, Produktionsweise, Klassenkampf — eingebüßt haben. Der Sinn der Geschichte ist offenkundig nicht Zerklüftung, Zersprengung und Spaltung der Menschen, sondern Einigung durch den Kitt der Religion für die Herzen, des Volkes durch die Sprache, der Rasse für die Instinkte, der Wissenschaft für den Geist, der Phantasie für die Kunst, endlich der großen gemeinsamen Erlebnisse für die Nation. Nasse ist ein untergeordnetes Bindemittel im kleinen, wie Religion und Nation, Volk und Staat im großen. Deshalb haben sich im 19. Jahrhundert die Nationalstaaten allenthalben konsolidiert. Aber auch die Nationalstaaten sind nur das vorletzte, nicht das letzte Wort der Geschickte. Das große Sehnen gilt jenem zentralen Einheitspunkt, der Humanität, aus welcher wir uns differenziert haben. Der künstlich herausstasfierte Rassenbegriff hindert aber dieses Sehnen, denn er sucht unter den Menschen das Trennende, statt des ewig Einigenden. Und deshalb wird dem unaufhaltsamen Sehnen nach Einigung die neueste Mode, das Schürfen und Schnüffeln nach Rasse, wie der junge Schnee vor strahlendem Sonnenglanz schwinden, eingedenk deS Wortes der Sophokleischen Antigone: Nrcht mitzu, Haffen, mttzulieben sind wir da. Prof. Dr. Ludwig Stein, Berlin« Judentum und Politik! Von Rechtsanwalt M. L e w i n s k i, Berlin. Im Judentum sollte jetzt große Aufregung fein; aber man merkt nicht viel davon. Es handelt sich um die Beilegung eines Weltkrieges: um viel mehr noch, um die Verhinderung künftiger Kriege. Ist das nicht eine alte Sorge der jüdischen Religion? Ein wichtiger Teil jener Forderungen des einen Gottes, die wir angeblich zu vertreten haben? Aber immer, wenn es zu praktischen Aufgaben kommt, ist man still im heutigen Israel. Man hat seine Gründe. Es ist gefährlich, sich in die Streitigkeiten der Welt zu mischen, besonders für eine kleine und überall nur geduldete Minderheit. Und dann nimmt man eS auch mit der Konsequenz nicht so genau. Man überläßt politische Fragen der Politik und der Wirtschaft und beschränkt die Religion auf die sogenannte „Geelsorge", obgleich darin ein gerader Widerspruch gegen die Theorie vom Diesseitscharakter der jüdischen Religion liegt. Theorien! Der Diesseitscharakter zeigt fick darin, daß man nicht asketisch ist: positive Merkmale braucht er nicht zu haben. Doch genug der Proteste. Es ist keine Frage, daß die Verbreitung der Lehre vom einen Gott nicht eine mathematisch-theoretische Angelegenheit ist. Es ist ebensowenig fraglich, daß im Sinn unserer Propheten, die doch angeblich die Vorbilder des jüdischen Liberalismus sind, die Angelegenheiten der Gerechtigkeit des Einzelmenschen und der menschlichen Gesellschaft nicht von einander zu trennen sind, und die wichtigste Angelegenheit der letzteren Art die des Völkerfriedens ist. Tua res agitur, Bath Zion. Den Mut zur Behandlung unserer Melange" müssen wir schon aufbringen, wenn wir nicht „belanglos" werden wollen. In London ist der erste Versuch gemacht worden, die aus dem Krieg herrührenden Verpflichtungen und Haftungen Deutschlands in erträglicher und erfüllbarer Weise festzustellen. Das ist sicher eine Erleichterung gegenüber der Lage, wie sie kurz vorher noch bestand. Aber dadurch ist die alte Spannung zwischen Deutschland und Frankreich, besonders auch die durch den Ausgang des Krieges hervorgcrufene Verschärfung der Spannung nicht beseitigt. Jetzt beginnt erst die Arbeit der Pazifizierung. Für die Zukunft ist man mit den alten Vorschlägen der Abrüstung und des völkerbunölichen Schiedsgerichts bei der Hand. Genügen diese Vorschläge? Sollen diese Fragen uns nicht erregen, wenn wir ernsthaft glauben, daß aller moralische Fortschritt der Menschen hier auf dem Spiele steht?*) Vor kurzem nahm man noch überwiegend an, daß ein allgemeines Schiedsgericht im bedeutsamen Ernstfälle versagen müsse, weil die Interessen aller großen Teilnehmer nie unter einen Hut zu bringen und deshalb nie ein überzeugender Schiedsspruch zu erlangen sei. Ist dieser Einwand der Praktiker gegen die Theoretiker wirklich aus dem Wege geräumt, oder will man sich nur für den Augenblick beruhigen? Damit wäre nicht viel erreicht. Denn daß nach der Er- *) Dgl. meine Aufsätze im Jahrgang 1915 der „Allgem. Zeitung deS Judentums"! Zion. Von Albert E h r e n st e i n. Bittere Erinnerung lebt auf in mir öe-r Tage des BolkSschülers, den auf dem Wege *ur Schule schuldlos das „Geh -um Teuft, Saujud vafluchta" der Kameraden traf und durchstach. Derartige Schimpftvorte — wie wohl jeder Jude — empfangen zuhaben gleich den ähnlichen Liebkosungen .Judas. Moses, Salomom Samerl" entsinne ich mich, auch oer in Wien an jedes Jndenkind von Gasientngen gerichteten Frage.Jüderlach — he! was kosten die löb?" Darauf folgte dann die Versicherung, daß die ara Läuse habe. Trotz gegen diese Kleinwelt mag es gewesen sein, die mich, dem Gebot frommer Großeltern gehorsam, in Wien oder in der Slowakei, wo es noch weniger an drastischen Beschimpfungen fehlte, vor katholischen Prozessionen in die Toreinfahrt trieb, das Kreuz nicht grüßen zu müssen. (Dies war Flucht: Zionismus.) Sehr früh entwickelte sich eine ungemein starke Abneigung gegen Jesus Christus in mir: ich fand, es werde eine unverdient kräftige Reklame für ihn getrieben mit tausend Kirchen, Kapellen und Kreuzhölzern, ihm zu Ehren, den ich von Anbeginn für den „stinkerten Saujuden" und die restliche Jnsektensprache verantwortlich machte. Wenn mir ein Gstanzel entgegenscholl, wie: „Jud. Jud! spuck in Hut, sag der Mutter, das ist gut!" — der Untergymnasiast schon trug die feindlichen Aeußerungen nie de« naiven Beleidigern nach, ins Herz drang ihm die Wut gegen den Trick des Urhebers, der ihm verräterisch, zu eigner Erhöhung, im Tode fein Volk mit Blutschuld befleckt zu Haben schien. Das Judentum selbst sprach zu mir mit heiligen Klängen, die ich kaum verstand, ergreifenden Zeremonien, die mich in .Gebetmänteln umrauMen. mit Riemen banden. Die Schönheit des SederS ließ mich aber keineswegs die blutige Schattenseite: Beschneider und Schächter vergessen, noch gar die pharisäischen „Religivnslebrer" und Rabbiner, Schächter, die den kindlichen Glauben beschnitten. Zum Wesen meiner Religionslehrer gehörte, daß sie hebräische Fibeln und Grammatiken versaßt hatten, öeren Erwerb und oberflächliche Kenntnis den hauptsächlichsten Teil des nichtigen Unterrichts bildete: sie bevorzugten wohlhabende, unwissende Schüler vor ärmeren, die jenes hebräische Wissen besaßen, das öie Lehrer selbst nicht vermittelten. Es gab Maturanten, die ihre Bibel noch nicht einmal buchstabieren konnten und gleichwohl mit vorzüglichen Noten traktiert wurden, nur weil sie jüdische Geschichte, historischen Schwefel, Phrasenreich Wiedergaben konnten — hie und da schwamm in die Sprechstunde des brillantineöuftenden Professors ein edelsteinbehanqenes. seidenrauschendes Häufchen Gänseschmalz, die Frau Kommerzialrat. Ein übler „Trost": Ich sah, auch andern Religionen waren Pedanten, Schwindler, Gaukler, nicht gesalbte, doch salbungsvolle Scheinheilige als Priester beschieden. Den Zusammen- Ifcmg deS sqnagoaalen Wunders zu erkennen, blieb mir nicht jöspart. Die Ernennung der rabbi Nischen Gegenstände meines schmerzlichen Aergers und karikaturistischen Vergnügens geschah nicht ohne Einflußnahme jenes geschäftetrlesenden Konsortiums „kaiserliche Räte'", das in gewissen Kultusgemeinden zu herrschen pflegt. So wurde der A>milant, der Vollblutasse mit Mo:eokel und eisernem Kreuz, gezüchtet, das Protzensöhnchen. das früh anhvb mit den Worten „Gestern Hab ich den ganzen Nietzsche geschenkt gekriegt", oder, „Mein Vater ist Sammler: er hat sechstausend Spazier stocke", end en wird nach unglücklichen Feldzug, am Pogromtaa unter dem losgelassenen „Dö Juden san schuld" brüllenden Volk. Trotzdem: Exzessiver Zionismus ist für mich nicht der Weg zur Erfüllung. Ein jüdischer Nationalpark, ein Jndianerterritorium. eine Reservation, in der statt wilder Bisons gemäßigte Israeliten verwahrt werden, etwa unter der milden Herrschaft eines mittlerweile zum Dschingiscohn avancierten kaiserlichen Rats und Großrabbiners — das wäre Flucht, Flucht ins Herbarium. Und neue freiwillige Kasernierung, Uniformierung des Judentums. Die blutige Polemik zwischen den beiden mehr und weniger geschminkten Warenhäusertrusts und Plutokratien könnte gezeigt haben, wohin der Mißbrauch nationalen Gefühls und des Besitztriebes führen mußte. Ein Altersheim für dem Antisemitismus Weichende, weite Siedelungsgebiete für Vertriebene pogromliebender Horden, dies ist denkbar, müßte es sein. Aber den Inden asiatisch zu neutralisieren, hieße, wichtigste Blutkörper, adlerstarren Sprengstoff -der europäischen Menschheit entziehen. Es gibt eine höhere Dienstpflicht als die allgemeine, nationale, konfessionelle, wirtschaftliche. Das Reich Gottes aus Erden wird nicht dadurch näher gebracht, daß sich eines der wenigen gotttragenden Völker „selbständig" macht, in engstem Weltbczirk wie die andern Völkerkommis etabliert, sich lokalisiert, separatistisch vertempett, verkircht. verkriecht. Aus diesen Worten gehe auch hervor, daß ich Betklubs für ebenso wertvoll halte, wie sonstige Männergesangvereine lda sich Gott nie der Menge ergibt, ihn jeder allein bestehen mutz). — Außerdem vermeine ich in allem heutigen Urchristentum jüdischer Konzession — so sehr auch religionsgeschichtlich die Christenheit eine mosaisch-buddhistische Sekte gewesen sein mag — Spuren unnötiger Assimilation entdecken zu können. Drittens scheint mir ein territorial sehnsüchtiger, durch den Landeserwerb, der Landesbehauptung in Wildwest und Wildost verknüpfte Weltkriegsunzukömmlichkeiteu keineswegs gewitzter Zionismus nicht bis zu meiner Sentenz: „Es hat die Seele keinen Bosporus, noch Vogesen" vorgeörungen zu sein. Ich gestatte jedermann, an Stelle der genannten Räumlichkeiten Palästina oder Rom zu setzen — soweit mit diesen Begriffen reales Erdreich. Blutreich zu verbinden ist. Ueberhaupt propagierte ich von jeher die Doktrin: „Asien den Asiaten" und bitte seit Jahren instä-ndigst. dem Papst, Großrabbiner, dem ebenso orthodoxen Bulgarenzaren. Scheich ul Islam, Mikado. Generalkonsistoriumspräsidenten endlich Jerusalem als gebührenden Wohnsitz anweisen zu wollen — Europa hingegen allen wahren anttnationalen Europäern . . . Man jammere auch nicht allzusehr über die Diaspora. In welcher entsetzlichen Diaspora haben nicht Moses, die Propheten, Sokrates, Christus, Buddha gelebt! Palästina ist nicht die Entelechte. sondern ein entwundener, überwundener Zustand. — Historizismus will neue Inzucht treiben, Blutschande mit dem Mutterlande. Wenn ich Jude bin: victrix causa Dis placuit, victa Latoni! Wenn ich vom Gottesrcich sprach möge es keinem neokatholischen Urchristen einfallen, mich hier mißzuverstehen und für sich zu reklamieren. Solche Richtung muß ich ebenso ablehnen, wie es mir nicht beisällt, dem Judentum höchste Potenz, messianisches Aufblühen in aller Zukunst zu prophezeien, wenn es sich ländlich-unsittlich, quietistisch allzu palästinensisch durchaus auf sich zurückzöge — nur weil vor ein paar Jahrtausenden Räuber, Habiri, ägyptische Söldner sich der Stadt Ursalima und nach und nach des ganzen Landes Kinaln für einige Zeit bemächtigten. Wenn ein geohrseigter Knabe dem andern znrusr: „Kumm in meine Gassen!" — ist dies Wille zur Heimatkunst, zur Bodenständigkeit, und ich habe die Nase voll von all den völkischen Erd- und Blutgerüchen, historischen Revanche- und Ohrfeigenszenen. Innere Kraft wird sich unter hohem Außendruck am stärksten manifestieren — wäre -es den Hebräern tropisch-gut gegangen, Hütten sie keine Tiefspnr im Wüstensand hinterlassen. Soll ich noch von dem Unethischen konfessioneller, rassenha-fter Sonderbestrebungen sprechen, soweit sie einem egoistischen Wunsch „Mir solle es gut gehen!" entwuchsen? Weh über Verwickler der Nabelschnur — von den Schächtern der Wüste bis zu den Schächtern sogar der Ebmsidim kenne ich nur einen großen Gerechten und Wiiser des Gesetzes der gleichen Aktion und Reaktion: jenen Kronprinzen, der kein Annexionist war. „Lebendiges umzubringen hat der Führer verworfen, Lebendiges umzubringen, liegt ihm fern: dem Asketen Gotama, ohne Stock, ohne Schwert, füblsames Herz. Teilnahme hegt er zu allen lebenden Wesen: Liebe und Mitleid. Nicht Gegebenes zu nehmen hat er verworfen: vom Nehmen des Nichtige gehen en hält er sich fern: Fleisch nimmt ex nicht an: Ziegen und Schafe nimmt er nicht an: Hühner, Schweine und Rinder nimmt er nicht an, der Asket Gotama Buddha."" Mutz wieder ein Kronprinz kommen, der — und nicht gerade zu Schonung des geschwächten Viehstands — ein Nichttöter und Spirmtesser sondern alle Lächerlichkeit wäre? Es dürste diesmal kein Kronprinz sein. — Die Bibel spricht vom Fleische: „Wo Aas ist. sammeln sich Adler." Möge es geschehen! Zu beenden den verbissenen Giftkampf zwischen der kosmopolitisch arrivierten Anglokratte und den entzweiten mittelländischen Staatswesen: zu beenden den christlich-friedlichen Wettbewerb zwischen der dominierenden, allein seligmachenden Pakeifahrt dieser Erde und den Agrar- und Jndustrieverbänden. die solche Konkurrenz überflügeln möchte. Man rede nicht allzuviel von der Demokratie, noch nirgends blüht ik antikapitalistische Republik, bislang steht zu befürchten, hast Eurasien loder wenn man will: Varbaropa) nach dem Krieg ein einziger Veteranenverein sein wird. Deswegen möchte, aller Leide«

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