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Jüdisch-liberale Zeitung · 1924-09-26 · 33 (26.9.1924) · page 8

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
4 (1924)
Issue
33 (26.9.1924)
Date
1924-09-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
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V klnseitlge Auffassung vom Judentum als einem nationalen > Gesetz gerade den Bestand der jüdischen Gemeinschaft gefährde. da dann viele den Konflikt zwischen jüdischer Sonderkultur nnd allgemeiner Menschheitskultur mit einem Austritt aus dem Judentum lösten. Aufgabe des Liberalismus sei es. im Judentum immer meür die Menschheitsideale als die wesentlichen zu erkennen, und mit diesem jüdischen Geist auch das Vaterland und die ganze Welt zu erfüllen. Die zahlreich Erschienenen, neben einigen Gästen hauptsächlich Gruppenmitglteder. dankten dem Vortragenden durch starken Beifall. Eine kurze Aussprache beendete den sehr gut verlaufenen Abend. Am Sonntag, den 21. September 1924, fand ein halbtägiger Ausflug nach Wannsee—Sakrow statt, an dem sich die Gruppen Westen nnd Süden beteiligten. Bei Moorlake trafen sich die Berliner mit dem Jli-Potsdam. Während eitler Rast wurden leichtathletische Wettkämpfe zwischen Gruppe Westen und Jli-Potsdam ansgetragen. Der Ausflug -dürfte dazu beigetragen haben, das freundschaftliche Band zwischen Ftt - Berlin und Jli - Potsdam fester zu knüpfen. Wir machen noch einmal darauf aufmerksam, daß der Berliner Jli ein Preisausschreiben veranstaltet zwecks Schaffung einer neuen Jlinadel. An dem Wettbewerb können sich Jlimitglieder aller Berbandsv'ereine beteiligen. Einsendungen (mit genauer Namen- und Adressenangabe des Absenders) müssen bis zum 15. Oktober an Ernst Heinrich Seligsohn. Berlin-Grunewald. Douglasstr. 36. gerichtet sein. Tie Vorschläge sind in Originalgröße einzusenden nnd mit den zn wählenden Farben zu versehen. Preis: Ein wertvolles Buch. Breslau. (Jüdisch-liberaler Fugendverein „Abraham Geigdr" e. B.) Am 17. September veranstalteten wir einen Vortragsabend im Konzerthaussaale. Mil Worten herzlicher Begrünung erösfnete Herr Berger die Versammlung und entbot seinen besonderen Dank dem Kreise unserer ständigen Mitarbeiter. Es folgten Worte der Erinnerung für unsere dahingeschiedenen Mitglieder, die Herren Kommerzienrat Sternberg und Albert Hamburger, die uns treue Helfer durch die Tat waren. Ernste Arbeit in und für unser Bekenntnis soll unser Ziel sein. Der Redner des Abends, unser Führer Herr Rechtsanwalt Erich Spitz, sprach über: „Firgendseele, Jugendbewegung, Fugendziel". Fr. W. Foersters Buch und wir. Fn fortreibender Art. mit packenden Worten, führte der Vortragende etwa folgendes ans: Sind wir eine Jugendbewegung, kann eine religiöse Bewegung eine Jugendbewegung. eine Massenbewegung sein? Wir sind keine Fügendbewegung, aber wir könnten cs sein. Eine religiöse Bewegung kann eine gewaltige Wucht haben. Nicht der Gedanke, sondern wir. die Träger, sind schuld, dab wir keine Bewegung sind. Foersters Buch kann uns Wege weisen. Was ist jüdische Fugendseele. Fngendbewegung und Fngendziel? Alter und Fugend gehören zusammen wie Wurzel nnd Wipfel. Sic sind aber auch verschieden wie diese. Es gibt Zeiten, in denen sich die Jugend willig, dem Alter anschlietzt. aber auch Zeiten, in denen die Fugend aufbegehrt. Und in jenen Zeiten, in denen sich unter dem Kaisertum die Fügend unbedingt hinter das Alter stellte, lägen Idealismus und wahre Religiosität am Boden. Es herrschte Uniformgeist. Demgegenüber., im. Jahre 1013 die Tagung der Fugend auf dem hohen Meibner. Die Fugend will sich dos Leben aus eigener Verantwortung gestalten. Foerster bespricht alle Gruppen der Jugendbewegung. Die jüdische Fugend hat lange Fahre hindurch in anderen Gruppen mitgearbcitet, im Wandervogel und in der freideutschen Bewegung. Dann aber besann sie sich aus äußeren und inneren Gründen. So entstand die jüdische Jugendbewegung. Es waren nicht allein die äußeren Gründe der Aude»teiv.dschaft. die Fugend fing an. im Judentum, an sich. gm.ju^sHcy Menschen zn arbeiten. Das ist der Sinn der ftWUMft Jugendbewegung. Aber es gibt nicht nur eine, es gibt mindestens zwei jüdische Jugendbewegungen, zwischen denen eine Scheidewand besteht: die zionistische und die jüdische Fngendbewegung. Eigenes Wesen zn gestalten, ist das Ziel wie. jeder, so besonders der jüdischen Jugendbewegung. Die Beziehung zum Boden wiederzugewinnen mutz Ziel der jüdischen Jugendbewegung sein. Berufliche Umschichtung ist erforderlich, los von der Ausschließlichkeit geistiger Berufe, Wiedergewinnung der unbedingten geschlechtlichen Reinheit. Auf religiösem Gebiete: Kamps der Geschlechter: ans der einen Seite das zum größten Teile indifferente Alter, auf der anderen Seite die um so eifrigere Orthodoxie. Zwischen ihnen kämpft die jüdische Fugend. Sie wird in ihrem inneren Erleben kein erstarrtes orthodoxes Judentum erleben können, sie wird in sich ihr eigenes Judentum errichten. Getrennt demselben Ziele entgegen. Bis zu der Zeit, in der jeder darnach strebt, das sein „Ring" der beste sei. Stürmischer Beifall folgte diesen trefflichen Worten unseres lieben Führers und eine lebhafte Aussprache setzte ein. an der sich erfreulicherweise gerade die jugendlichen Mitglieder beteiligten. Herr Gemeinderabbiner Dr. Bogelstein betonte mit Recht: Religiöse Dinge lassen sich nicht auf eine knappe Formel bringen, die Menschen sind verschieden, körperliche Ertüchtigung bedeutet nicht Vernachlässigung des Geistigen, sondern Wiedererweckung des Körperlichen neben dem Geistigen. Unsere Arbeit ist nicht leicht. Geduld und Zuversicht, die Jugend wird unser sein. Der überaus erfreulich verlaufene Abend wird sicher allen, die sich mit uns vereinten, die wertvollsten Anregungen für unsere Arbeit ans den Weg gegeben haben. freunde im Ausland. Die liberale-israelitische Vereinigung und der Gemeinderai von Paris. Mitteilung des Rabbiners Louis Germain LLoy.*) Der Vorstand der Liberalen Israelitischen Vereinigung bringt deren Anhänger nnd den ihren Tempel besuchenden Mitgliedern mit lebhafter Freude folgendes zur Kenntnis: Gemäß zweier Beschlüsse des Pariser Gemeinderats vom 13, und 18. Juni, betreffend die Fragen der Trauungen und der Gestaltung unserer Gottesdienste, sowie den Bericht des Oberrabbiners von Paris, F.-H. Dreyfutz, an den Gemeiudcrat. ist zwischen den rabbinischen Autoritäten und dem Gemeinderat einerseits. Rabbiner und Vorstand der L. I. V. andererseits, bei völliger Anerkennung gegenseitiger Unabhängigkeit. eine Einigung über die moralische und religiöse Grundlage erzielt worden. 9j BÖCHERSCHAU. Kalender. Infolgedessen gehört fortan die L. I. B. ebenso der Pariser Israelitischen Gemeinde an wie die anderen Kultusgemeinschaften, die nicht der Verwaltung der Gemeindeversammlung unterstehen. Der Brief des Gemeinderats an den Vorsitzenden der L. F. B. vom 19. Juni sagt hierüber: „Die Pariser Israelitische Gemeinde umfaßt also von nun an alle israelitischen Kultusgemcinschaften der Hauptstadt, da sie sämtlich auf gleicher moralischer und religiöser Grundanschauung aufgobaut sind. Wir beglücklvünschen Sie und uns zu dieser im Interesse des Judentums und der Homogenität Lör Israelitischen Gemeinde erfreulichen Veränderung." Wir freuen uns. diese Mitteilung machen zu können. Unser aller Wunsch geht dahin, daß diese versöhnende Tat dein Geiste unserer Religion und dem Wohle unserer großen Pariser Gemeinde dienen möge. In -er gleichen Vorstandssitzung vom 13. Juni gab unser Vorsitzender. Herr Reue Heimann. einen sehr ausführlichen Bericht über die Arbeit der L. F. B. von ihrer Gründung bis zum Bau des neuen Tempels, der, wie schon unsere ältesten Anhänger voraussahen, im beiten Sinne als Merkmal der endgültigen Festigung unseres Werkes gelten darf. Der Bericht sagt weiter, daß wir. um gewissen ernsten Wünschen aus Kreisen der Gemeinde zu entsprechen, die Einführung verschiedener 'Neuerungen gewagt, und sie mit Erfolg durchgeführt haben. Sie sind vorzugsweise bestimmt, den Gottesdienst unserem inneren Empfinden gemäß zu gestalten. 1. Die Anwendung der französischen Sprache für unsere Gottesdienste, unter gebührender Wahrung des Hebräischen. 2. Die Einrichtung eines feierlichen, dem religiösen Bedürfnis unserer Mitglieder entsprechenden Sonntagsgottesdienstes, der jedoch nicht den Sabbath.ivttesdienst ersetzen soll. 3. Die Kürzung der Thoravorlemng. die in ihrer ganzen Airsdehltung heutzutage von der großen Mehrheit der Mitglieder nicht mehr erfaßt wird. Dies sind die drei wichtigsten von uns eingeführten Aenöerungen, die. trotz anfänglichen Widerstandes, beute kaum noch einem Widerspruch begegnen. Außerdem habe» wir. in dem Bestreben, unseren Gottesdienst zu erneuern und ihn den abendländischen Sitten anzunähcrn, diesen Punkten folgende hinzuaesiigt: 4. Daö Recht, dem Gottesdienst ohne Kopfbedeckung bcizurvohnen. 5. Die Aushebung der zwangsmäßigen Trennung von Männern »nd Flauen im Tempel. Diele Neuerungen, die vielen in den Anfängen unserer Bewegung sehr bedenklich schienen, haben sich in Paris bewährt und sind deshalb bei den erwähnten Einigungs- Verhandlungen mit dein Rabbinat und dem Gemeinderat als wesentliche Stützpunkte für die L. F. B. oder, wenn man will, als Eigentümlichkeiten des Gottesdienstes im Temvel unserer Kultusgcmemschast bezeichnet und anerkannt worden. Andererseits wurden in der gleichen Borstondssitzung eine Anzah: Aendcrungen festgelegt, wie z. B. die völlige Aushebung der Mischtrauungen und die Feier eines Sabbatligottesdienstes. Beide Beschlüsse entsprechen den ausdrücklichen Wünschen mehrerer unserer Mitglieder und erleichterten auch besonders die Einigungsverhandlungen mit Rabbinat und Gemeindcrat. Was die Form der Trauungen anbetrifft, io wurde mit der Gemeinde insofern eine Einigung erzielt, als der Rabbiner der L, I. B. nach gleichen Formen nnd Gebräuchen traut wie die anderen Rabbiner. Die L. I. V. hat jedoch den rabbinischen Autoritäten gegenüber dringendst darauf bestanden, daß die gegenwärtig geltende Trauordnung in besonderen Fällen in einem das religiöse Gesetz mit der abendländischen Kultur versöhnenden Sinne vereinfacht und reformiert werde. Ein ähnlicher Wunsch wurde übrigens bei der letzten Generalversammlung der französischen Rabbiner formuliert. Die Sabbathgottesdienste werden in unserem neuen Tempel und nach dem neuen in Vorbereitung befindlichen Ritus der L. I. B. veranstaltei werden, der dem Hebräischen einen breiteren Raum läßt und sich im wesentlichen im traditionellen Rahmen hält. Der Gottesdienst am Sonnabend findet mit. der Sonntagsgottesdienst ohne Thoranorlesung statt. Die Barmizwahfeiern bleiben natürlich dem Sonnabend Vorbehalten, was jedoch nicht hindern wird, ihnen beim Sonutagsgottes dienst, durch den Vortrag eines Gebets in französischer Sprache, und durch ein Trenegelöbnis seitens des Barmizivahknabcn, eine ergänzende feierliche Note zu geben, wie es schon immer bei uns üblich war. Die Leiter des Gottesdienstes haben mit Kopfbedeckung zu fungieren, den Anwesenden bleibt cs. ie nach persönlicher Einstellung, überlassen, ohne oder mit Kopfbedeckung zu beten. Dank den hochherzigen Bemühungen des Herrn Albert Manuel. Generalsekretärs der Gemeindeversammlung und des Rabbiners Julien Weil!. sowie besonders des Oberrabbinerö von Paris, ist auf Grund dieser Punkte eine religiöse Einigung mit Rabbinat und Gemeinderat erzielt worden: ein sehr erfreuliches Zeugnis versöhnenden Geistes. Wir wünschen mit dem Gemeinderat aus vollem Herzen, daß die wiederhergestcllte Einigkeit in der Pariser Gemeinde dem Wohle und Heile des Judentums dienen möge, welchem wir mehr als je unsere Kräfte zu widmen geloben. *) Aus „Le Rayon". Organ der „Union Liberale Jsraelitc" vom 15. Juli 1924. Sendet die Beiträge nnd Spenden! Gebt uns Adressen von Vekannien! Zum Roschhaschana 5685 hat die Gesellschaft für jüdische Volksbildung in Frankfurt a. M. einen Kalender des jüdische» .ahres erscheinen lassen, den wir unseren Lesern ganz besonders empfehlen können. Er enthält, nach einer kurzen Einleitung über unseren Kalender und die Bedeutung der Israeli« tischen Feste, alle Angaben in hebräischer und deutscher Sprache. Eine bedeutsame Neuerung gegenüber den gebräuchlichen Kalendern bedeuten die Stich worte über den Inhalt <$cf Thora- und Prophetenvorlesung, So erfüllt der Luach in der Tat seinen Zweck, „jüdisches Wissen verbreiten und jüdische» Leben wecken und fordern zu helfen”, Dagegen ist der Kalender, den der Verlag des „Israelitischer* Familienblattes" zu Hamburg herausgegeben hat, besonder® durch seine praktischen Angaben — Barnnzwabtabelle, aaUti« semitische Kurorte, Gewichts- und Zinstabelle, Posttarif nützlich. Das die .Adressentafcl jüdischer Organisationen" lediglich an allen liberalen Vereinen vorüber geht, Orthodoxie und Zionismus aber vollzählig berücksichtigt, berührt bei dem angeblich neutralen Charakter des Hamburger Verlages peinlich. Die Firma F. E. Dietz in Rheinsheim (Karlsruhe) hat eineit „Ewigen Tageskalender" herausgebracht, der der Sorge um die jährliche Beschaffung eines neuen Kalenders enthebt und demnächst patentiert werden soll. Botho Laserstein-Berlin, Major a. D. Anker: Teut wider Juda. Der EntscheidungskampL Verlag „Freie Meinung“, Leipzig. Der frühere Adjudant beim deutschen Kronprinzen nimmt die aus Anlaß seines Auftretens im Verband national-deutscher; Juden erhobenen Vorwürfe zum Anlaß, seinen Standpunkt in der Judenfrage nochmals ausführlich klarzulegen. Für ihn sind lediglich „eiskalte .realpolitsche Erwägungen maßgebend, Gefühlsmomente oder ethisch-moralische Gesichtspunkte sprechen gar nicht mit". Deshalb kann uns das Büchlein eiskalt lassen. Werden doch die Geschehnisse der Weltgeschichte von ethisch-moralischen Gesichtspunkten trotz alledem mehr beeinflußt als von sogenannten real-politischen. Anker empfiehlt einen Verständigungsfrieden, in dem die Prozentnorm die Hauptrolle spielt. Selbst Dr. Naumann dürfte wohl für die Art, in der Anker „mit seiner Person für eine Ausgleichung der Gegensätze zwischen jüdischen und nichtjüdischen Deutschen" eintritt (vergl. Nr, 1 des Mitteilungsblattes des Verbandes nationaldeutscher Juden), wenig Verständnis haben. Auf den Inhalt des Buches näher einzugehen, hieße dem sich als großer Real-Politikus dünkenden Herrn Anker zu viel Ehre antun. W o y d a-Berlio. Kalendarium für die Zell vom 26.9. M 4. io. September 1924 Elnl 8684 Freitag 26.. 27. Sonnabend 27. 28. Wochen-Abschnitt Nizzowim (5. B. M. Kap. 29.9) Haftarah: Jes. 61, 62, 63 Sonntag 28. 29. Rüsttag des Nelljahres 5683 Tischri 5885 Montag 29. 1. 1. Tag Rosch haschana Dienstag 30. Oktober 1924 2. 2. Tag Rosch baschana Mittwoch 1. s. Donnerstag 2. 4. Freitag 3. 5. Sonnabend 4. 6. Wochen-Abschnitt Wajelech (5. B. M. Kap. 31) Haftarah: Hos. 14. Micha 7 ——**7'•!' I?1 MM arttxe Altefnipe rabrikanterls- Saoa^öeseHsch^ff .mjs.H. Cleve*.; fisspeisen, TeüiQeöäck, Tbaumkucfoen, Pralinen liefert frei Qaus Konditorei föiltbnd}, Iberlin U) ö, Ceipziger Sir, 24 Bestellnummer: Merkur 4671-IS

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