Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 4 (1924)
- Issue
- 33 (26.9.1924)
- Date
- 1924-09-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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$<nt kiesigen Gchlachthof-Direktor Dr. Grote ist «rlatzkich seines 2Ljährigen Dienstjubiläums auch feiten- -er Gemeinde ein Glückwunschschreiben zugegangen. Ä» diesem betont Darrdrabbiner Dr. Walter mit besonderen DMe-viorten die Anordnungen und Erleichterungen LeS Schlachthof-Dtrektors. die dazu getroffen wurden, um den «ityellen Schlachtungen in einwandfreier Weise zu en^ sprechen. Darmstadt. In der „Schule der Weisheit de- Grafen Leoserltng sprach im Rahmen de- CylluL ^Werden und Ber. «je»* Rabbiner Dr. Vaeck-Verlin über „Tod und Wiederaevurl". In der „Bossischen Zeitung" berichtet Gert von Ratzmer: „Ein starke- Erlebnis und ein Höhepunkt der Tazuna waren die Worte Le- Dr. Leo Baeck Über Tod und Wiedergeburt. Aus einer tiefreligiöfen Einstellung -er unter- « zweierlei in ber Welt: Ereignisse und Tatsachen. Diese haben keinen Hintergrund, sie bedeuten nicht-: jene oagegen kommen auS dem Unergründlichen, au- Gott. Sine solche Tatsache ist der Mensch. Er hat in sich die Gewißheit, » S dem Ewigen stammt. Und damit erhebt er in sich HnenMidje im Endlichen zu verwirklichen. oieseS Gebot de- Sollens. das Diesseits und Jenseitverbindet. Mit der Geburt tritt der Mensch aus dem Ewigen in sein DieSseitS. und in ihm stirbt er viele Tode: DaS Kind stirbt, der junge Mensch, der Mensch der Reife, sie all« sterben, bis endlich der Tod den alten Menschen hinwegnimmt. «loer wie in jedem Lebensabschnitt der vergangene wieder verwandelt neu erstehen kann, so wird auch der Tod bei d«m, im Ewigen ruht, die Ganzheit des Lebens wiedergebären. Ern jeder Mensch, ein jedes Volk stirbt wahrhaft, wenn seine Götter tot sind, sein« Idee in ihm gestorben ist. Und alle Götter sterben einmal. Wer aber dem Ewigen, wer Gott selbst zu eigen ist. der hat dos ewige Leben. Der Vortrag vvn Leo Baeck hinterlicß einen nachhaltigen Eindruck." Gemüude«. An Stelle des im Juni verstorbenen Kaufmann- E. Höxter, der über 80 Jahre das Amt des Vorstehers -er israelitischen Gemeinde bekleidete, wurde dessen Sohn Ä. Höxter vom Vorsteheramt in Marburg <Us Nachfolger tm Amt eines Gemeindeältesten vorgeschlagen und vom Landrat bestätigt. « Jur Vorraum der Synagoge fand dt« feierliche Enthüllung -es Denkmals für die im Weltkriege gefallenen jüdischen Bürger der Stadt statt. Der Feier wohnten als Vertreter der Negierung Regierungspräsident Graf Adelryann und ferner Bürgermeister Bcrndorff und der Rektor öLr Universität bei. München. Auf einer Privatbühne in München-Schwabing wird seit einiger Zeit ein antisemitisches Tendenzstück in bayerischer Mundart unter dem Titel „Blutsünde" aufge- Mrt, das einen jugendlichen Nationalsozialisten namens Beck zum Verfasser hat. Die völkischen Kreise machen viel Aufhebens von dieser Aufführung: sie kündigen an, daß von der Dramatik dieses Werkes eine „Kulturelle Erneuerung des Theaters" zu erwarten ist. Tatsächlich handelt cs sich um eine unerhörte Bluthetze gegen die Juden. Die Münchener Polizei hat sich nunmehr entschließen müssen, weitere Aufführungen dieses Stückes trotz des privaten Charakters der Veranstaltung zu verbieten. In der Begründung wird gesagt: „Die Tendenz dieses Stückes und seine Blntrünstigkeit stellen ein unzulässiges Maß von Bolksverhetzung dar." Offerrbach a. M. Anläßlich des Hinscheidens des früheren Rabbiners der Offeirbacher Gemeinde, Dr. Israel Goldfchtnidt. wird uns noch mitgeteilt: Mit Goldschmidt scheidet einer der ältesten der jetzt lebenden Vertreter des religiösen Liberalismus aus dem Leben. Ursprünglich aus der Orthodoxie hervorgegangcn. Schüler Israel Hildesheimers zuerst in Eisenstadt und dann am Rabbiner-Seminar, führte ihn seine innere Entwicklung zum entschiedensten und stärkst hetonten Liberalismus. Er war ausgezeichnet durch eine seltene Belesenheit im talmudischen und rabbinischen Schrifttum verbunden mit einer gründlichen Vertrautheit in allen Zweigen anderer Bildung: ganz besonders tief war seine philosophische Durchbildung. Er beschränkte sich nicht auf die Ausübung des Amtes allein, das er in Äanzelrede und sozialer Fürsorge mustergültig verwaltete, er entfaltete ein« reiche, wissenschaftliche und literarische Tätigkeit. Zahlreich sind die Werke, die aus seiner Feder flössen. BesorrderS hervorgehoben sei seine metrische Uebertragung -es Gebetbuches, die wette Verbreitung fand. Die Beerdigung legte beredtes Zeugnis von der Wertschätzung ab. -er er sich erfreute. Die Leichenhalle war gefüllt von Gemeindemitglieöern und Freunden aus der Stadt und auS der Ferne. Eine Reihe von AmtSbrüdern auS der näheren Umgebung waren in Amtstvacht erschienen, um dem verehrten Kollegen die letzte Ehre zu erweisen. Es sprach zuerst der Ortsrabbiner Dr. Dienemann. der die Persönlichkeit deS Verblichenen als Rabbiner, als Gelehrter, als Künstler und als Mensch feierte. Danach brachte der erste Vorsteher, Justizrat Dr. Goldschmidt. den Dank der Gemeinde dar. Rabbiner Dr. Seligmann-Frantfurt a. M. feiert« d«n liberalen Rabbiner, der einen bewußten und entschiedenen von Ueberzeugung geweihten Standpunkt vertrat, den er in mühseligem Ringen und Kämpfen sich erobert habe. Rabbiner Dr. Jtaliener-Darmstadt überbrachte die Scheidegrütze der Gemeinde Darmstadt und dehessischen Rah-inerverbandeS, Rabbiner Dr. Levi-Mainz die der Gemeinde Mainz. Dein Andenken bleibt zum Gegen. Ortel-burg. Am 14. September fand die feierliche Einweihung der neuerbauten Synagoge statt, die an Stelle der durch den Russeneinfall zerstörten jetzt ferttagestellt ist. Unter zahlreicher Beteiligung der OrtelSburaer Bevölkerung und auswärtiger Vertreter versammelte sich die jüdische Gemeinde zunächst in dem btSverigen Betraum, der jetzt als Gemeindehaus dienen soll, zu gemeinsamem Gottesdienst, worauf Rabbiner Dr. Abt- Allenstetn das Wort zu einer weihevollen AbschtcdSansprache ergriff. Darauf wurden die GcsetzeSrollen der heiligen Lade entnommen und in feierlichem Zuge vom alten zum neuen Gotteshaus getragen. Vor dem Betreten -es neuen Gebäudes übergab es der Erbauer mit einigen Worten dem Vorstand der Snnagogengtmeinde, den dann der Bürgermeister von Örtelsbnrg zu dem neuen, geschmackvollen Bau beglückwünschte. Nachdem man in der neuen Synagoge Aufstellung genommen hatte, intonierte ein Chor einen hebräischen Gesang, der zum Einstellen der Bibelrollen unter den althergebrachten Gebeten überleitete. Darauf entzündete Dr. Abt daö Ewige Licht und weihte es In kurzer Rede ein. Nach dem Gesang „Wie schön sind deine Zelte" von Badrtan. den Dt. Pik-Kvnigsberg vortrug, hielt Rabbiner Dr. L e w i n - Königsberg die ergreifende Festpredigt, die gleich schön in Form und Inhalt aus alle Zuhörer einen tiefen Eindruck machte. Nach der Predigt sang ein Männerchor das Lied „Wenn Gott der Herr das HauS nicht bauet", einen im Stil Palestrinas gehaltenen Gesang. Nachdem Dr. Lewin noch ein tiefgefühltes Gebet für Gemeinde. Heimat und Vaterland gesprochen, fand die synagogale Feier mit dem Chor „Halleluja" des 15. Psalmö ihren Abschluß. — Abends vereinigte noch ein gemeinsames Essen im „Berliner Hof" die einheimischen und auswärtigen Fesrteilnehmer. Pasewalk. Wir werden darauf hingemiesen, daß in Pascwalk, wo einst Dr. Rosenzwerg seine Laufbahn begonnen und Dr. Zuckermandel seine Toseftg ediert bat. auch der verewigte Oberrabbincr Dr. Kopfstein zuerst als Rabbiner seines AmteS gewaltet hat. Rothenburg (Hessen). Ucber die Etnweihungsfeicr der Synagoge, die, wie wir bereits berichteten, infolge großherziger Zuwendungen des Deutsch-Amerikaners M. M. Rothschild-Chicago, eines Rothenburgers. vollständig renoviert wurde, werden uns noch folgende Einzelheiten mitgeteilt. Zur Festlichkeit hatten sich außer den Gemeinde Mitgliedern viele Fremde u»id Ehrengäste cingesundcu. Als Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden nahmen Land rat Schmidt. Bürgermeister Kupß. Kreisschulrat Schmidt und die Geistlichen des Ortes an dem Festgottesdtenst teil. Die Dankesworte des Kreisvorstehers Katzenstein galten der Bauleitung, den Meistern und den Arbeitern, den Stiftern von Ehrengaben und insbesondere dem Ehrenmitglied der Syuagogeu-Gemeinde M. M. Rothschild, der mit seiner Gattin au der Feier teilnahm. Nach Gesängen wurden die Thorarollen in das Allerheiligste gebracht. Landrabbiner Dr. Walter-Cassel kielt die Festpredtgt. Lehrer Roseustein zündete die Ewige Lampe an und Rabbiner Dr. Neuhaus- Leipzta sprach bas Gebet für Staat. Stadt und Gemeinde. „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre" das vy» dem unter Leitung des Lehrers Bode stehenden Svnagogen-Chor vorgetragen wurde, beendete die Feier im Gotteshaus. Stuttgart. Unter Vorsitz des Reichsministers a. D. Dr. Gothetn fand gestern die Jahresversammlung des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus in Stuttgart statt. In seinen Begrüßungsworten wies der Vorsitzende darauf hin. daß .die Abwehr des Antisemitismus keine Partcisache, sondern eine Angelegenheit des gesamten Volkes sei und der Verein aller Konfessionen zur Mitarbeit auffordere. Städte pfarrer Lampert (Stuttgart) gab in seinem Vortrag über den „Antisemitismus im Lichte ber Geschichte" ein anschauliches Bild über die Schicksale der Juden im Laufe der Jahrhunderte. . Ueberall. wo sie sich niedergelassen hätten, seien sie infolge ihrer Mäßigkeit, iürer Nüchternheit und ihres Fleißes zu nützlichen Mitgliedern des Staatswesens geworden. Eingehend befaßte der Redner sich mit dem Talmud. ber kein Gesetzbuch, sondern mehr eine Aussprache zwischen den Rabbinern darstelle, und der eine Fülle von fein durchdachten Lebenüsätzen enthalte. Auf ihn sei das innige Familienleben unserer jüdischen Volksgenossen zurückzuführen. JrN Anschluß an diesen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag sprach der Vorsitzende Gothein über den Rassen- Antisemitismus. den er als einen Schandfleck unserer Nation bezeichnete. Die antisemitische Bewegung sei nicht deutschen Ursprungs, sondern habe ihre Wurzeln in Frankreich. Fritsch habe sich in seinem antisemitischen Kalender von 1893 Ernest Renans Ausführungen aus dem Jahre 1855 zu eigen ge- I macht, die aber bereits 1878 von Renan als wissenschaftliche I Jrrtümer widerrufen worden seien. Wetter wieS der Vorsitzende. gestützt auf reiche- ForschrmgSmaterial. nach, Satz semitisch wohl ein philologischer, aber kein ethnographischer Begriff sei. Auch die Juden seien wie die andern Völker ein Mischvolk. Im wetteren Verlaufe der Sitzung wurde vom Vorsitzenden -er Geschäst-Sericht erstattet. Die BorstandSwahl brachte keine Aenderung, außer, daß der Reichstagsabgeordnete Fehrenbach in den Borstand gewählt wurde. Die«. Laut einer Kundmachung der Wiener Israelitischen KultttSgemetnöe finden am Sonntag, den 9. November. Neuwahlen statt. ES sollen 36 Vorstandsmitglieder der KultuSgemetnde und 120 Vertrauensmänner neugewählt werden. Witten a. d. Ruhr. In Anerkennung ihrer besonderen Verdienste in der Gefangenenfürsorged wurde Frau Helene Löwenstein vom Präsidenten des Deutschen Roten Kreuzes das Ehrenzeichen deS Roten Kreuzeverliehen. Frau Löwenstein ist außerdem seit 1917 im Besitz d«r Roten- Kreuz-Meüatll«. Vlotho (Weser). Am Sonntag, den 14. September, wurde in der hiesigen neu renovierten Synagoge die Gedenktafel für die im Kriege gefallenen Söhne der Snnagogengemeinde Vlotho-Oeynhausen enthüllt. Sechs Opfer forderte der Krieg aus der au- 110 Seelen bestehenden Gemeinde. Die Feier, der auch verschiedene christliche Bürger beiwohnten, nahm einen sehr würdigen Verlauf. Herr Levi, der Lehrer und Prediger unserer Gemeinde, hielt die Festpredigt, die auf alle Zuhörer einen tiefen Eindruck machte. Zippno«. Bon der jüdischen Gemeinde Zippnow wird uns geschrieben: Die hiesige Snnagoge. die seit einigen Jahren nicht mehr benutzt wurde, befand sich in einem trostlosen Zustande. Die Fenster waren im Laufe der Jahre vollständig zertrümmert und durch die offenen Luken allerhand Unrat in das Gotteshaus von mutwilligen Händen hineingeworfen worden. So stand der Bau längere Zeit hier als eine Schande für jeden Juden. Die hiesigen Glaubensgenossen haben sich jetzt entschlossen, die Synagoge wieder notdürftig herzustellen. Leider ist es bei der kleinen Zahl, es wohnen im ganzen hier sechs Familien, von denen die Hälfte unbemittelt ist. nickt möglich, die Kosten, welche M. 1 5 00.— betragen, allein aufzubringen, trotzdem alle nach besten Kräften beigetragen haben. Wir sind deshalb gezwungen, uns an die Mildtätigkeit unserer Glaubensgenossen zu wenden mit der Bitte, uns durch einen Beitrag die Ausführung unseres Vorhabens zu ermöglichen. Nach Herstellung des Gotteshauses ist beabsichtigt, dasselbe zu den Herbstfeiertagen zum Gottesdienst zu benutzen. Einzahlungen erbeten auf Postscheckkonto Berlin 53 866 Hugo Loewy Zippnow. I Versammlungskalender. I f(j| [ 1 .... Sw! Breslau. (Jüdisch-liberaler Jngendverein „Abraham Geiger" e. B.) Geschäftsstelle: Breslau 7. Höfchenstr. 61,11 l. Vereinslokal: Vereinszimmer des Konzerthauses, Gartenstraße. Eingang Portal 1. Zusammenkünfte der Gruppe 1 und II abwechselnd vierzehntätig. am 2.. 6.. 16. und 28. Oktober. abends pünktlich 8^4 Uhr. Donnerstag, den 2. Oktober. Gruppe 1: Lehren deS Judentums, II. Teil. Die sittlichen Pflichten des einzelnen. 1. Wahrhaftigkeit. Gäste willkommen. Aus der Bewegung. Berlin. (Liberaler Verein für die Angelegenheiten ber jüdischen Gemeinde zu Berlin E. B.,!Bezirksgruppe Hansaviertel.) Am Mittwoch, den 17. er., eröffnete die Bezirksgruppe Moabit^aNsavtertel ihre diesjährige Wintertättgkeit mit einer Versammlung, in der nach einem ausführlichen Referat des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden". Herr des Preußischen Landesverbades jüdischer Gemeinden", Herr Rabbiner Dr. Lewkowttz über das Thema „Religion und Politik im liberalen Judentum" sprach. Die gut besuchte Versammlung. in der sich besonders an das erste Thema eine lebhafte Diskussion anschloß, bedeutete in ihrem Erfolg einen erfreulichen Beginn der Tätigkeit dieser Bezirksgrnppe. Berlin. (Jüdisch-liberaler Jugendverein e. B.) Am Donnerstag, den 18. September, sprach Herr Rabbiner Dr. Albert Wolf-Dresden über die „Bedeutung der Gemeinschaft im Lichte des liberalen Judentums." Der Redner legte unter Hinweis ans die Geschichte der Juden seit Moses Mendelssohn die verschiedene Stellung der jüdischen Bewegungen zu den Fragen ..Deutschtum und Judentum" und „jüdisches Gemeinschaftsbewußtsein" dar. Gerade der Liberalismus hohe durch die Betonung der ewigen Werte im Judentum die jüdische Gemeinschaft erhalten, während iede für diese eminent kulturelle Sache einsetzt. Die Vorsitzenden I dieser Gesellschaft sind: der Leiter der Akademie der Wissenschaften des Judentums Sanitätsrat Dr. Gustav Bradt und mit ihm Prof. Dr. Albert Einstein. Die Leitung der laufenden Arbeiten liegt in den Händen deS Schriftführers Prof. Dr. Heinrich Loewe. Im Vorstände sind alle Parteien deS Judentums, die es in Berlin gibt, vertreten. Der Mindestbeitraa zur Gesellschaft beträgt jährlich 10.— Mark. Es ist der Gesellschaft gelungen, das Interesse in die weitesten Kreise zu tragen. Und aus allen Teilen Deutschlands kommen Bücher. Eine ganze Reihe von Stiftungen, die von hier aus veranlaßt sind, tragen zur Vergrößerung der Bibliothek bei. 3dur eine große Schwierigkeit hat dieses Werk noch zu bezwingen. Tie Bibliothek in Jerusalem hat ein recht kleines, ganz unzureichendes und ganz unsachlich gebautes .Haus, in einem Stadtviertel, üaS für eine Bolksbibliothek sehr gut geeignet ist. wo aber eine wissenschaftliche und Universitäts-Bibliothek sehr wenig am Platze ist. Hier wird, wenn die Bibliothek erst an ihrer eigentlichen Stelle ist, aus Dubletten und anderen Büchern die erste Volkö- und Stadt- Bibliothek errichtet werden. Da dieses Hans schon lange nicht mehr den genügenden Raum für die Bibliothek bietet, hat mau sich mit dem Mieten eines Hauses und der Unterstellung der medizinischen Bücher in einem anderen wissenschaftlichen Institute behelfen müssen. Es ist daher die dringendste Notwendigkeit, daß jetzt so schnell wie möglich ein Haus errichtet wird, das di« Universitäts-Bibliothek anfnehmcn kann, und daderartig angelegt ist. daß cs in Bauperioden gebaut und regelmäßig. planmäßia erweitert werden kann. Seit Jahren ist dies der dringende Wunsch aller Freunde der Jerusalem- Bibliothek. Und in letzter Zeit ist diese Frage so dringend geworden, daß unter allen Umständen jetzt ein passendes Bauwerk errichtet werden muß. Wenn man d«n heutigen Bücherschatz mit ungefähr 100 000 Bänden berechnet und, den bisherigen Erfahrungen gemäß, nur aus Spenden einen Zuwachs von jährlich durchschnittlich 20 000 Bänden rechnet, so wird die Bibliothek in ungefähr 20 Jahren eine halbe Million Bände zählen. Der Teil des Bauwerkes. der also jetzt errichtet wird, muß so gebaut werden, daß die Bibliothek bis zu einer halben Million Bände fassen, und daß sse vach dieser Zeit so erweitert werden kann, daß sich jede Vergrößerung organisch aus dem ursprünglichen Plane ergibt. ES ist selbstverständlich, daß zu einem solchen monumentalen Bauwerk eine sehr große Summe gehört. Die Wolffsohn-Stiftung hat eS nun durch einen Vertrag vom 19. Februar 1933 übernommen, die Bibliothek zu bauen, und stellt ihr ganzes verfügbares Vermögen zu diesem Zwecke bereit. Der Stifter dieses Kapitals ist der am 2-1. Elul 5671 verstorbene Präsident David Wolffsohn. Die Kuratoren sind der holländische Konsul Herr Jacobus Kann in Jerusalem. Dr. Max Schloessinger im Haag und Dr. Eduard Leszynsky in Berlin. Erft vor kurzem hat Frau Dr. Levin-Katzenelsohn zum Andenken an ihren Vater Dr. Sdiffan Katzenelsohn. der ebenfalls Kurator der Stiftung war, ihr ein Kapital von 60 000 M. übermiesen, damit ein Saal des David-Wolffsohn-Hauscs (d. h. der Bibliothek) den Namen Dr. Katzenelsvhns tragen soll. So groß aber auch daö Kapital der Wolffsohn-Stiftung ist. so mutz eS doch noch erheblich erweitert werden, um erstlich den Bau planmäßig durchzuführen und weiter bis zu einem gewissen Grade das zukünftige Budget der Bibliothek einigermaßen zu sichern. Der Vertrag, der der Aolffsohn-Stiftung die Pflicht anferlegt, das Bauwerk aufzuführen und ihr den Hauptanteil in der Verwaltung zumeist. ist unverändert gültig und aibt die Gewähr für die absolute Parteilosigkeit und nach sachlichen Gesichtspunkten geleitete Verwaltung. Am 24. Elul (28. September 1924) sind cd zehn Jahre, daß David Wolffsohn starb, der diese Stiftung gemacht hat. Der zehnte Jahrzeittag deS Stifters, der in allen Ländern, auch von solchen jüdischen Organisationen gefeiert wird, die in keiner Weise seinen Anschauungen nahestanden, wird der gegebene Anlaß sein, daß überall Spenden für das David- W o lffsoh n-HauK der Jerusalem-Bibliothek gegeben werden und wird weiter viele Freunde jüdischer und allgemein menschlicher Kultur veranlassen, durch Beitritt zur „Gesellschaft der Freunde der Jerusalem-Bibliothek ihr Interesse für den Aufbau dieser Bibliothek zu beweisen.*) Denn dieses Institut ist geeignet, einmal alles zusammen zu bringen, was an Ideen vom Judentume geschaffen worden ist. was Juden getan und gelitten haben und was von und über Juden jemals gedacht und geschrieben worden ist. Außerdem wirdiese Bibliothek moderne Wissenschaft und modernes Denken, neue Kultur und humane Gesittuna in breitem Strome zu Juden und Arabern und überhaupt zu den Völkern des vorderen Orients tragen. Wer für eine solche kulturelle Tat Empfinden hat, wird gern beitragen, die Jerusalem-Bibliothek auszubauen als ein Ehrendenkmal jüdischer Kultur und als eine.» Markstein menschlicher Gesittung. *T Die „W alffsoh n-St iftu n g" hat ihr Bank- Konto in Holland: Vankierskantoor Ban Lissa und.Kann, Den .Haag. Die Jerusalem-Bibliothek" hat cm Postscheckkonto: Berlin 85002. — Adresse der „Gesellschaft der Freunde der Jerusalem-Bibliothek": Vorsitzender: San.-Rat Dr. Gustav Bradt. Berlin W.9. Potsdamer Straße 27. Schriftführer: Prof. Dr. Heinrich Loewe NW. 56. Flcmmingstraße 12. Gedanken. 1. Die meisten Menschen erinnern sich Gottes nur zu Zeiten: ün Allgemeinen — haben sie ihn vergessen! 2. Manche sagen: Eine einzige Offenbarung Gottes in unserer Zeit könnte alle zu ihm zurttckfükren. Das sind die wahrhaft Ungläubigen, denn — welchem Gläubigen bat Gott sich noch nicht offenbart? 3. Kein Phil-osoph hat \t die Weltenrätsel restlos gelöst — dieselben, fite an Gott verzweifeln, glauben an jene. 4. DaS Kind glaubt noch wahr und rein — warum nehmt ihr ihm durch eure „Erklärungen" seinen Glauben? Ihr gebt ihm von eigener — Ungläubigkclt! 5. Es gibt kein Recht auf Glück: aber eine Pflicht, da- Rechte zu tun! 6. Jeder Mensch ist Philosoph, da er über sich theoretisch ober praktisch in- Reine kommt mit der Zeit. 7. ES gibt zwei Lebensauffassungen. In der einen (es ist vielleicht die winterliche) führt alles zur Trauer, zum Untergange, — zu Vergehen und Tod. In der anderen isommerlichenl. leitet ein Engel zu jubelndem Genießen, Wonne ohne Ende — Liebe, Schönheit, deren Ende — Furcht ist — also eine Ernte, der kein Ende nahe kommt — weil Ueberfülle da ist. Esther Berger, Mainz.