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Jüdisch-liberale Zeitung · 1924-09-19 · 32 (19.9.1924) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
4 (1924)
Issue
32 (19.9.1924)
Date
1924-09-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
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m '.MW,1 ' .fff»' T Kunstmusik ist, überwältigerrd groß, und th« ntufi* kalisches Genie läßt sie, will man ein« NajrgstnfeNletter aufstellen, unmittelbar an di« acht ersten — «ir wollen Bach, Händel, Mozart. Beethoven, Schubert. Schumann. Wagner und BrahmS annehmen — arischen Musiker anschließen. In ihrem Schaffen lassen sich von spezifisch jüdischen Eigenheiten nicht die geringsten Spuren finden' sie waren alle Kinder ihrer Epoche, fügen sich als Glied zwischen gleiche Glieder in die künstlerische Entwicklung ihrer Zeit, und keine vergleichende Musikwissenschaft wird je den Beweis erbringen können, daß z. B. das kirchenmusitalische Werk Mendelssohns von dem Bachschen durch etwas anderes als die weit schwächere Kraft der schöpferischen Potenz verschieden sei. RuüinsteinS Musik ist nicht jüdisch, sondern russisch, wie jene TschaikowskyS, und Meyerbeers wie Halevys Opern liegen stilistisch vollkommen auf der aussteigenden Linie der großen romanischen Opernentwickunrg, die bisher im katholischen Berdi ihren Höhepunkt erreichte. Mit der stetig fortschreitenden Amalgamisierung jüdischen und westeuropäischen Geisteslebens, das gerade in den letzten Jahren seit dem Kriege in der auffälligen Erstarrung des Selbstbcwußtseins bei geistigen Juden eine merkwürdige Parallelerscheinnng gefunden hat, scheint sich auch in der Geschichte des „Judentums in der Musik" ein Wandel vorbercitcn zu wollen. Gustav Mahler ist nicht zuletzt an den Erscheinungen des Rassenhasses so frühzeitig zugrunde gegangen, nnü er, der in seiner Achten Symphonie die inbrünstigste musikalische Anrufung des Creator Sanctus Spiritus schuf, hat sich noch vor nicht zu langer Zeit das Wort eines Münchener Musikkritikers von „mauschelnder Melodie" inL Grab Nachweisen lassen müssen. Aber als Neunter hat er neben jenen acht großen Genies seinen Platz, den ihm keiner mehr rauben wird. Mit seiner Erscheinung geht die Führung der neuen MusikVewegung in jüdische Hände über. Stravinsky und Schönberg stehen an ihrer Spitze' in der jüngsten deutsch-österreichischen Komponistengeneration, oie mit mehr oder weniger Erfolg neue Wege des musikalischen Ausdrucks sucht, sicherlich aber die am stärksten vorwärtstreibenden Elemente jener Bewegung zu den ihren zählt, ist der jüdische Einschlag außerordentlich stark. Ihrem Streben ist es zu danken, wenn die Terminologie mancher Kreise die gesamte jüngste Musikentwicklung als jüdische Zersetzungserscheinuntz der echten deutschen Musik bezeichnet. Sicherlich ist diese Entwicklung zersplittert, und ihre Träger stellen sich unklare, oft unfruchtbare Probleme. Vielleicht, weil jeder von ihnen zu stark von rein subjektiver Reflektivität ausgehend, seinen Wea sucht, ohne seine Kunst in dem unerschöpflich fruchtbaren Boden der volksgeborenen Musik Wurzel schlagen zu lassen, bevor sie zu eigenem Treiben und Blühen gelangt. Durch die Verwendung altjüdischer Temp.elgesänge hat schon Carl Goldmark seiner -Kntain von Saba", haben in jüngster Zeit die Nicht- JMeljzDllMyAirnd Pizzettt ihren letzten -Mischen OWrw«stavke.Stkttninungshintergrünöe äeschaffen. Der einzige Musiker der Gegenwart aber, oer aus jenen afttzn Quellen schöpft, denen auch die Melodien jener Ferrareser Lieder entströmten, ist der Schweizer Ernest Bloch. Seine Werke sind getränkt von jüdischer Musik, depen Elemente sind ihm in Fleisch und Blut Übersetzungen und steigern seine ohnehin starke kompositorische Phantasie zu visionärer Ekstase, die ihre tiefe Wirkung nie verfehlt. Ein Künstler, der sich spät und schwer Lurchgesetzt bat, bedeutet eine große Hoffnung für alle, die sehnsüchtig auf die Klärung des großen Musikwirrmarrs harren. Und sich gerne vorstellen wollten,, daß es einem Juden gegeben werden könnte, aus" dem Lande der künstlerischen Plagen in ein Kanaan neuer musikalischer Schönheit hinüberzusühren. Lewandowski und feine sSule. Bon vStzrkarrtor MagnuS Davidfoh», Berlin. LouiS LewandowSK, der Organisator de» «usttaüschen Gottesdienstein de» Mische« Gemeinde» Deutschlands, hatte die Gabe der musikalischen Prophetie. Na» bedeutet da»? Sr eilte mit seinen Gesänge» de» Bedürfnisse« seiner Zeit weit vovan», erkannt« die Berändecungep. die Evolution, die durch die Emanzipation der 48er Fahre auch in jüdische« -reise» ü» Zuuehmen begriffst» waren. Er sah wie jüdtsch-ltteoaeifche BiNurrg wohl weiter al» eine heilige Pflicht für den Erztehungsplan drr Fugend übernommen wurde, aber selbst minder bemittelte Kreise lsoziale Unterschiede» Kastengeist kannte der frühere Jude nicht) ihre Kinder in Gymnasien und höhere Töchterschulen schickten und ihnen zu Häuft sogar Musikunterricht erteile» ließen. Heute gilt da» al» etwa» Selbstverständliche», hat die Kunstpflege in jüdischen Kreisen sogar in vielen Familien einen bevorzugten Platz. Diese große Veränderung machte seit 48 langsam, nach 70—71 immer größere Fortschritte. Fn diese Zeit fielen die jüngeren und reiferen Mannes fahr e Lewanöow-ktS, und er, der nicht bloß musikalische, sondern auch lebenSkluge Kopf, beurteilte seine speMsche Begabung al» Komponist richtig, indem er sie einer Bestimmung -uführte, die seiner Zeit und der Zukunft nützen sollt«. Leicht wurde e» auch ihm nicht gemacht. ES gibt noch heute in der älteren Kantoren-Generatton einig« Schüler, die au» Lewandowski» eigenem Munde bittere Worte erfuhren. die da» Urteil enthielten. das man selbst an kompetenter Stelle seinen Kompositionen entgegensetzte. So beklagte er sich, wieviel Widerstand -u überwinden gewesen wäre, ehe der in allen Berliner Tempeln genau wie in allen andern jüdischen Gotteshäusern so populär geworden« l'cho dodi in D-dnr Anklang gesund e n h ä t t e. Da der größte Teil seiner Kompositionen für den Gottesdienst ohne Orgel ft» der „alten Synagoge", .Heidereuther Gasse,) geschrieben wurde, profitiert« der Chorsatz insofern, als tm harmonischen Ausbau jede Dickflüssigkeit vermieden werden mutzte und -ie Stimmführung so durchsichtig blieb, -aß selbst die Mittelftimmen fast niemals zum bloßen AuSfüllen der Harmonie gebraucht werden, sondern oft genug solisttsche Wirkung erhalten. So kam es, daß an einem Freitag Abend der bekannte G-dur Mismor und Zaddik katomor gesungen wurde, in welchem das Grundthema stufenweise von den einzelnen Stimmen übernommen wird, wie e» z. B. im Kanon geschieht. Die Kritik, di« Lewandowski -u hören bekam, lautete: Die Sache hat wohl nicht geklappt,- denn einer hat nach dem andern erst zu singen angefangen, und die Unordnung hat ziemlich lange gedauert, bis alles zusammenging. L. wußte, wie ein Höher» gestellter auch das Bedürfnis fühlt, in eine Sache hineinzureden, die er nicht versteht, und jeden Widerspruch eines Fachmannes al» persönlich« Beleidigung hinnimmt. „Gewiß. Herr H." antwortete sehr ruhig Ser Meister, „da» nächst« Mal wird e» schon besser zusammengehn." Und waS tat er da» nächste Mal? Er Keß einfach «ine andere Vertonung desselben Psalmes singen, der von Anfang an nicht mit zerlegter, sondern mit geschloffener Harmonie auftritt. „Heute war eS fein, heute ging alle» gut", lautet« daraufhin das Lob desselben Kritikers. ES wurden jui jeder Zeit eben Taktlosigkeiten jemandem in'S Gesicht gesagt, die Mit Kritik verwechselt wurden. Aber selbst anS solchen zog der Meister für sein Schaffen die Konsequenzen. Er machte seine Musik niemals zum Ergebnis de» Verstandes, sondern des Gefühls, eS kam ihm darauf an. ein« religiöse Musik ohne ASkes« für den jüdischen Gottesdienst zu schaffen, damit das Geregelte nicht in zu scharfem Gegensatz zu dem sich viel freier bewegenden Stil des Traditionellen, Urkantoralen, gerate, dem ja grade damals noch die Ueberladung anhastete. Ebenso «ie ja die überschwenglichen Formen d«S Tropischen auch ornamentalen der Architektur angepatzt werden. Darauf ist noch zurückzukommen. Er wollte immer melodiewarm, volkstümlich bleiben, und behielt es nur großen Gelegenheitskompositionen vor. in sie auch ein Stück Musikgelehrsamkeit »u versenken. Dagegen bewahrte er für die Gesänge beö Sabbath- und Festtag Sotte-diensieS möglichste Zurückhaltung in Bezug auf abwanelnden Stil. d. h. auf jene Moment«, die Sache der Kunstfertigkeit. der musikalischen Grammatik, und nicht der blühenden Erfindung, Sache des Verstand«» und nicht des Herzen». Ta» Bahnbrechende LewandowSkischen Schaffen» galt aber nicht bloß den Chorgesängen und der Einführung de» Gemeindegesanges. Cr war der erste, der im Kantor zugleich nach den geschulten Sänger verlangte, weil er den hergebrachten kantoralen (chasonisKen) Sttl von unmusikalischer Willkür befreite, das Typische der jeweiligen Singart beibehielt, sie aber vom musikalischen Standpunkt au» in «ine Form bracht«, die einem vornehmen Musiksmpftnde» entsprach. Der Jude — und jetzt greifen wir auf die Eingangsworte «rück — beteiligte sich a« öffentliche» Kunst, lebe», hörte Opern. Oratorien. Konzerte, erhielt schon durch häu-lich-» Dkusikpflege ein veredeltes Musikempstnden. Sollte er nun plötzlich, wenn er den Tempel betoat. gezwungen sein, diese- Merkmal verfeinerter Erziehung musikalisch zu verleugnen? Konnte einem solchen Beter der Gesang im Rrchzustande au» den Kehlen naturalistisch draulos singender Chorsänger oder Vovbeter zur Andacht stimmen?! Da» bedachte der Meister und begann, nachdem einmal das ne« Material für de» Gottesdienst druckreif geschaffen war, mit der Heranbildung derjenigen, die das Geschaffene hinau» i» die jüdisch« Welt, in diejenige von neuer Gesittung «nd Bildung, tragen sollten. Das waren die Kantoren, denn sie unterrichteten ja auch die Chorvereinigungen in den meisten Gemeinden. Gewiß, LaS Hauptziel deS KantorS mußte eS bleiben, jüdisches Wesen singend anssprechen; mit der Musik ist man aber dem Volke verbunden, in dessen Mitte man lebt, und so überninrmt man unwillkürlich die Pflicht, auch in religiösen Gesängen die Beziehungen fortzuspinnen, die außerhalb de» Tempels tief zu unserer Seele sprechen. DaS jüdische Kind singt in der Volksschule seine schönen -putschen Volkslieder, und für diese Liebe setzte der Meister auch in gottesdienstlichen Liedern keinen Trennungsstrich. Es gelang ihm da in idealer Weife «ine Verschmelzung religiöser AndachtStönr mit den innigen Tonfolgen deutscher Volkslieder vorzunehmen, un>d wer sie hört, begrüßt sie wie das Gesicht eines lieben Menschen, der es herzlich gut mit uns meint. AIS ein typisches Beispiel bringen wir daS bekannte N'ilah Preöigtlied in der Beilage, dem L. eine alte süddeutsche Melodie zugrunde gelegt hat. Diese Art lag aber den Kantoren von Armo dazumal ganz und gar nicht. Das sogenannte „Sagen" kennt keine gebundene, sondern mehr eine ab setzende Singweise, und gerade der melodiöse Aufbau Lewanöowskischer Liturgie, selbst im Rezitativ, verlangt einen in der Kunst der Kantilene mtö des Phrasierens geübten Sänger. Mit dem Bielsingen ist es nicht getan, wenn nicht die gestaltende Persönlichkeit dahinter steht. Stimmbeg-abte fanden in großer Anzahl den Wea nach Berlin, in das Eckhaus der Marienstraße zum Meister. Aber er wollte Leute, die mit ihrem innersten Wesen Erziehungen zu seinem künstlerisch abgeklärten kantoralen Stil in sich trugen. ES kamen selbst tüchtige Kantoren aus Rußland, nur zu dem Zwecke, um aus seinem eignen Munde über die Gestaltung der ganz in Kantilene getauchten Gesänge das belehrende Wort zu empfangen. DaS fortstücmende jüdische Temperament mutzte einer gewissen Besonnenheit Platz machen, das Liebäugeln mit Stimmeffekten galt so viel wie nichts, man mutzte neben der Bedachtnahme auf edle Gesangsnnrknng erwägen, wie weit sich durch richtig akzentuierte Einfügung d«S Wortes der Bund zwischen Tonschönheit und Gefühls Wahrheit zu vollziehen habe. DaS Lügen in Tönen, daS bloße Handwerk, das Ableiern der Niggunim (typische Melodien) haßte LewandowSki. Dieses Kleinformat im Kantorentum sah er über die Achsel an. Er dachte sich den wirklich zum Kantorat Berufenen als einen Mann, der mit seinem Vortrag der Gebete den Zuhörer nötigt, den eignen Gedankenkreis zu verlassen und auf den Gefühlsinhalt der Gebete einzugehen. Man sollte mit den religiösen Klangen auch etwas tn sei« Leöenslied draußen aufnehmen, und tatsächlich gibt eS hunderte jüdische Familien, speziell in Berlin, in denen man zu Hause Tempelmelodien von Lewandowski so zum Vergnügen vor sich her singt, wie eS mit Volksliedern geschieht. Das allgemein Menschliche hat in diesen religiöse» Liedern eben auch seinen Platz, ja Lewandowski ist erst dev Schöpfer der jüdisch-religiösen Liedform. Ich nahm Einsicht in die Partituren einiger seiner Schüler und fand die von seiner eignen .Hand herrührenden Ueberscheiften wie „liedmäßig", z. B. über der wunderbaren Tal-Werse in C-dNr im Kol rinnoh. Er beschränkt sich nicht darauf, das Jammerleben ewia bedrohten jüdischen Daseins in Lieder rvnrzuwandeln, wie es in den schwermütigen Gesängen der alten Liturgie geschieht, er -nnt darin dem Widerhall einer Zeit mit besseren Lebensbedingungen (und das war ja die Seinige!) einen bevorzugten Platz und stattete der toleranten Umwelt so gleichsam den Dank in Tönen ab. In den traditionellen Gesängen merzte er alle melodischen Spielereien au» und lieft nur das Wesentliche bestehen: daS aber richtete er in seiner ganzen Erhabenheit und Grütze auf, man denke nur an die Bearbeitungen des Kol nidrei und der Awadoh. Wie lieb konnte er dann zu Schülern sein, die den Ausdruck tiefster feekrscher Bewegung in La» Gesungene so hinein riefen, wie e» aus der Komposition heoausschallen sollte. Lauschen Die Zeit schlägt ihren Pendelschlag. Hört ihr das Weltall rauschen? Wir wissen nicht, was werden mag — Wir lauschen, wir lauschen ... Und bringt das Leben Glück und Plug', Und wüsten wir verderben. Und bricht die Welt in Scherben — Die Zeit schlägt ihren Pendelschlag. Wir lauschen, wix lauschen ... Max R o s e n f e l d, DveSde». Allerlei Jüdisches aus meiner Autographensammlung. Plauderei von Professor Dr. Eugen Wölb«. (Schluß.) jDie im 1. Teil vollinhaltlich oder auszugsweise abgedruckten Autographen gehören meinen beiden starken Sämmelbänden „Deutsche Literatur" an. Die Bände „Deutsche Geschichte" weisen kaum Handschriften von jüdischem Belang auf. einige daS Album „Bildende Kunst" und „DaS Ausland". In dem Sammelbuch „Tonschöpfer" hingegen sind sehr viele, im Album „Judaica" »«»schließlich Fnden vereinigt. Da findet sich abermals Mose» Mendelssohn, neben Montefiore. Crömieux und Gabriel Riesser: Johann Jaevbv neben Lassalle. Ludwig Bamberger neben Ludwig Löwe. Paul Singer neben Kurt E i»n e r. der römische Oberbürgermeister Ernesto Nathan »eden Sir Herbert Samuel. Selbstverständlich fehlt Walter Rathena« nicht. Ein Albumblatt trägt den Wortlaut: Das Ziel der Wirtschaft sind geistige Wert«. 11. Januar 1919. W. Rathenau. In einem Briefe an eine Dame, die u« Material zu einem Aufsatz über ihn bittet, schreibt Rathenau unterm 8. Dezember 1912: Sehr geehrte gnädige Frau, für Ihr freundliche» Interesse danke ich Ihnen verbindlichst. Leiber kann ich Ihren Vorschlag nicht annehmen. Es ist mir bisher gelungen, eine leidliche Anonymität zu wahren: nicht die Anonymität de» Einsiedler», sondern die de» Offenen Briefes, der in Allan Poe's Novelle frei auf dem Tisch liegt, und daher von niemand beachtet wird. Abgesehen von geschäftlichen Notizen und Buchkritike» ist Ihnen schwerlich mein Name und meine Photographie öffentlich begegnet. So soll e» bleibe«. Glauben Sie übrigen» nicht, daß Ihr Unternehmen der Oeffentlichkeit behagen würde. Unser« Zeit wünscht äußerste Spezialisierung: sie fühlt sich daher von Individuen, die der herrschenden Einteilung widersprechen, mit Recht beunruhigt. Mit LochachtungSvoller Empfehlung .... Gehr höfliche Leute sind die beiden ausländischen Minister Sfser und Ottolenghi. welche auf die Bitte um ein Autograph folgendermaßen antworteten: Haag. Sen 25. Juli 1906. Gehr angenehm ist es mir. dem in Ihrem geschätzten Schreiben vom 24. v. M. ausgesprochenen Wunsche, einige Zeilen meiner Hand zu erhalten, hierdurch Genüge leisten z« können. Mit Hochachtung zeichne ich Ihr ergebener I. M. C. Asser. König!, nieder!. Staat-minister und Mitglied de» StaatSrat». * (Übersetzung:) Turin, den 21. Oktober 1904. Ich habe keinerlei besondere» Verdienst, welche» die Bitte rechtfertige» könnte, die Gte in so höflicher Form wegen eine» Autographen von mir — alS von einer „berühmten »nd gefeierten Persönlichkeit" — an mich richten. Wer aber, wie Sie. mich in so gewinnenden Worten bittet, dem kann ich seinen Wunsch nicht abscblagen. Der die» liest, möge wissen, -aß ich mich einer solche» Ehre nicht für würdig halte. Mit dem Ausdruck besonderer Hochachtung General Giuseppe Ottolenghi, Senator und Ex-KrtegSminister. Der Gräfin Vrokesch-Osten widmet Singer in der nämlichen verbindlichen Form sein Autograph: Norderney (Villa Westend). 1. 9. 1892. Hochgeehrte Frau Gräfin! De« gewünschten „Spruch" vermag ich nicht zu senden. Ueber „Sprüche" berühmter Männer habe ich so meine eigene Meinung, und — im vertrauen sei eS gesagt — vorteilhaft für die „Ruhmesträger ist dieselbe nicht. Aber La Ihnen auch wohl nur an der Handschrift liegt, so werden Liese Zeilen genügen, und wen» Sie ein klein wenig Schriftdeuterin sind, so werden Sie «»S denselben die aufrichtige und hohe Verehrung herau»lesen Ihres ergebensten Paul Singer., Daß sich ein solcher „Spruch" doch prägen läßt und nachc eine wertvolle Richtschnur darstellt» beweist die Widmung: Einfachheit der Lebensweise — Melfälttgkett der Interen am Leben. Das ist eine gute Mischung, um sich auch t« ter lebensfrisch zu erhalten. (Au» meinen LebenSregeln.) Sein Parlamentsgenosse Ludwig Löwe, der Abgeordnete Löwe-Calbe. widmete dem General von Hartman die folgende feinsinnige Darlegung: „Auf den Bergen wohnt die Freiheit." Politisch mag dies Dichterwort starken Anfechtungen unterliegen und ist wohl mehr der Ausdruck dichterischer Ueberschwenglichkeit alS ein Ergebnis geschichtlicher Erfahrung. Physiologisch dagegen ist die erleichternde, befreiende Wlr-, kung deS Lebens in höherer Bergluft eine volle Wahrhert. Ter geringere Luftdruck setzt der Triebkraft de» Herze»- nach außen einen geringeren Widerstand entgegen: da» Blut drängt noch mehr nach der Peripherie, und der von hetz Gedankens Blässe Angekränkelte gewinnt wieder frische Farben, wenn er die Luft der Ebene mit der Alpeuluft vertauscht. Am meisten gewinnt bei diesem Wechsel da» Gehirn. Das tiefere und häufigere Atmen und die dadurch notwendig werdende größere Tätigkeit des Herzens — eine ununttpl» bare Folge der höheren Bergluft — entlasten das Gehirn von dem stockenden und die freie Tätigkeit hemmenden Blnt. welches daS schwere Denken und die drückende Sorge angehäuft haben. Ein frischer und höher belebter Blutstrom, de» da» Herz mit gehobener Energie zuführt, erfüllt da» Organ deS Denkens mit neuer Kraft, so daß uns die Arbeit leicht und die Gorge klein erscheint, unter der wir noch eben zn erliegen fürchteten. . Nicht die Freiheit von der äußeren Gewalt, wie un» Nt» Dichterwort zu verkünden scheint, aber waS mehr ist, die Befreiung von den dunklen Mächten in unserem Inner«, die uns gefangen gehalten und gequält haben, die finde» wir auf den Bergen. Tarasp, den 10. August 1874. Dr. 8. Loewe,

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