Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 4 (1924)
- Issue
- 32 (19.9.1924)
- Date
- 1924-09-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Sich verstände» m setze», war seine größte Fre»de! Von Meinem älteren Bruder, de« Kantor einer GrotzgeMeinde. Hörle ich folgende Episode. Eine große Rabbiner» Versammlung tagte im Frühjahr 1884 in Berlin, und -er Vorstand der Berliner Gemeinde lud die große Anzahl der znsammengekommenen Gelehrte» zu Gaste in den Baal -er „Gesellschaft der Freunde". Auch Ludwig Löwe, der große Parlamentarier, und andere Größe» der Berliner Gesell* schaft waren anwesend. LewandowSki schrieb für de» Abend das BegrüßungSlied. Zu später Abendstunde erschien -er Meister selber in der sehr bescheidene« Klause seine- Schüler-, n« diesen, meinen Bruder, mit dem Bortrag des Be* grützungSttedrs zu betrauen. Für den andern Tag. vormittag 10 Uhr, war die Probe in der Wohnung, Marien» ftratze, anberanmt. Mein Bruder überflog einmal die Kam» Position und sana ste nicht nur sofort vom Blatt, sondern -ab den edlen Proportionen -er Komposition zugleich da» -ramatische Gepräge. LewandowSki liebte eS, wenn hinter dem Gefühlsmenschen zugleich sich die Denkernatur barg. Und welche Denkernatur barg gerade am selbigen Tag dakunstgewethte Heim t*t der Marienstraße! Pros. Dr. Hermann Coden, di« Leuchte am Himmel philosophischer Wissenschaft. weilte als Gast im Hause LewandowSkis. dessen einzige Tochter die Gattin des berühmten Gelehrten war. Tie dramatisch belebte Auffassung der Komposition erfreute den Meister so sehr, daß er -a- Musikzimmer verließ, die Gattin mit dem immer liebenswürdigen Gesicht und ihrer melodischen, herzliche» Art zu sprechen, herrinsützrte und mit ihr — den später so berühmt gewordenen Gchwiegersohn Pros. Herm. Cohen. Beide hörten gespannt zu. und der Gelehrte war merkwürdigerweise der erste, der die Eigenart meinedamals erst 10 Jahre alten Bruders musikalisch richtig einschätzte. In freudiger Zustimmung faßte er sei« Urteil in die Borte zusammen: „DaS nenne ich dramatisch gesungen"! Aus dieses Urteil aus solchem Munde ist mein Bruder heute noch stolz. Er verdient eS. baß ich diese Tatsache erwähne, weil er zu den ersten Kantoren gekörte, die mit der Vollkraft de- Idealisten sich für da- Le-enSwerk LewandowSkieinsetzten und Widerstände zu --siegen hatte, dt« ihnen sogar au- Kollegenkretsen entgegeukgmvr. Go besuchte er mit dem ihm gleichgesinnten Freunde, d-M verehrte» Emarmel Kirschner (München), einen alten Kollegen und machte den Versuch, den Herrn, der selber komponierte und über LewandowSki nicht nach Gebühr urteilte. umzustimmen. Kirschner fragte: »Was kennen Sie denn von LewandowSkr?" Antwort „Gar nichts"! ■— „D ann können Sie mir leid tun" platzte der wahrheitsliebende. impulsive Münchener Kantor heraus! — Natürlich darob große Entrüstung: aber Vorurteile zu besiegen bleibt die größt« Freude großzügiger Naturen. Und da Lewan* dow-ki nur einen einzigen Sohn hinterließ, den Prof. Dr. Alfred LewandowSki. -er schon als Unterprimaner das Bxuchsche Biolinenkonzert virtnoS spielte, trotzdem ab«r kein Musiker wurde, weil er di« produktive Kraft deS Vaternicht in sich fühlte, blieb eS den Schülern eine heilige Lebensaufgabe. das Lebenswerk ö«S Meisterso an heiliger Stätte «eiterzugeben, wie eS ihnen durch seinen eigenen Mund mitgeteilt wurde unh wie eS diese Schüler wieder auf die nächstfolgende Kantorengeneration übertragen. Sein Sohn Alfred ist eine Leuchte der Wissenschaft geworden, der in den jüngsten Tagen erst eine ehrenvolle Berufung an den Lehrstuhl für Jugendhygien« an die hiesige Universität erhielt. Die Tochter hütet Las Erbe ihres großen Gatte». Go stehen beide Kinder wahrlich nicht im Schatten ihreherrlichen Vaters. Leider sind Beiden Kinder versagt geblieben, die die Tradition produktiver Geistes- und Wissensarbeit fort» fetzen könnten. Der Meister hat sich schon bei Lebzeiten üurchgefetzt. sein Name ist für jeden Gottesdienst richtunggebend geworden, der Stil seiner Chorgesänge hat Schul« gemacht, und die Anforderungen seines kantoralen Stiles haben den Typus des gesanglichen und musikalisch geschulten Kantors qeschafien. dem der Ton nur das ideale Hilfsmittel ist. das Vergeistigende der Gebetsprach« hervvrzuheben. Musikalische Kunst in Salomos Tempel. Bon Musikdirektor Si ng e r - OSerkantor. Halle a. S. Die geheimnisvolle Macht, welche der „Ton" auf dis Seele deS Menschen auSübt, hat bei unseren Erzvätern schon seltsame Vorstellungen erweckt und einen ausgedehnten Sagen- KreiS geschaffen: in die ursprünglich primitiven Gottesdienst, Gebräuche schlich sich als erste Kunst die „Musik"; ihre sinnliche natürliche Gewalt ging deshalb nicht verloren, sie erzeugte auch hie,-' Bilder und Anschauungen. die von einer mystischen Symbolik -es Tones und der Töne zueinander durchsetzt waren. Von einer Melodie konnte damals wohl keine Rede fein, denn die alten Hebräer haben, wie alle alten Böller, znnächst nur Ble Macht deS „Etnzel-TorveS" anerkennt. Der .Hntervallen^chritt" wurde bei de» Hebräer« erst dann geschaffen. «IS sie daran ginge», ihre poetische» Gprachforme» künstlerisch zu gestalten. Wir können e» heute kaum begreifen, welch hoher Grad von Kultur dazu gehörte, die Intervalle durch daS Ohr zu unterscheide«. Diese sich immer steigernde Kultur veranlatzte auch de» Bau von Instrumenten aus Holz nnd Metall; so gelangte »an zu Sackpfeife, Harfe, Trompete und Horn. Uuter dem entscheidenden Einfluß der Musik nnd des Gesänge» entstand jene lyrische Dichtkunst, die in David einen überragend aesthetische» Hochstanb erreichte; durch Gesang und Gattenspiel dieses Königs wurde der Psalmeugesang gefördert und mit ihm ein wesentlicher Teil deS KultuS. Man erkannte die Wichtigkeit deS Rhythmus, der ja jede Art Musik erst belebt, und hier zunächst an Bewegung. Sprache und Prosodie gebunden war. Mit Beginn de» jüdischen KönigStumS kam für Israel eine Blütezett der Poesie und Kunst. Befreit vom Drangsal feindlicher Völker, entfalteten sich Baulust und Baukunst. Paläste »nd Tempel entstehen, und die Musik erhält durch David und Galomo eine ganz hervorragende Pflege. Wie wichtig und pompöS der musikalische Teil deS Gottesdienste» war, geht schon daranhervor, daß ein ganzer Gtamm — die Leviten — ihm geweiht wurden; wir erfahren, daß der Trompeten, Posaunen und Saiten-Jnstrumente viele tausende waren: solche Mittel boten natürlich den Eindruck einer musikalischen Großtat, wie si« früher niemals gehört war. W i e aber die Instrumente beschaffen waren, wie sie klangen, wie die Sänger sangen, dafür haben wir nur hypothetische Berichte. Die Geschichtsschreiber aller Zeiten divergieren oft schroff in ihren Ansichten, die meisten Werke lehnen sich an Konjekturen au, kein Laut früherer Zeit klingt zu uns herüber. Nicht» -lieb als tote Schriftzeichen. Der Forscher sieht sich von ieder Svuc verlassen, kein Zweig jüdischer AltertumS-Kunde ist in f o undurchdringliches Dunkel gehüllt wie dieser; und doch ist eS nicht nur uuS, sondern jedem gebildeten Christen «in Bedürfnis, sich über di« alt-hebräische Musik klar zu werben, da s i e als Hauptwurzel jeder abendländischen Kunst anznfeben ist. Di« «eisten Musikforscher haben in ihren Werken überzeugend dargelegt, daß das Wort „Musik" auS dem hebratschen „Maasek" (griechisch Mnsai abaeleitet ist. Ein Wiener Gelehrter aber verwirft diese Ansicht und behauptet, daß „Musik" auS den Anfangsbuchstaben der Wort« „Magin" (Stimmung), „Ugow" (Laute). „Sener" (Gesang). .Htnnor" (Harfe) gebildet wurde. Die energischen Orgel-Gegner dürft« es tnteressieren, daß die Orgel als Erfindung JubalS gilt; (I. 33. MoseS 4/21) „Bater derer? die Kinnor und Bgabh" führen. Letzteres Instrument ist zweifellos die PanSslöte oder Gackpfeife, und die Spieler erfanden bald ein Mittel, ihre Lungen zu schonen. Der zweite Tempel brachte di« „Magrepha" (Organum pneumatikum), die bereits mit Tasten gespielt wurde; „Chalil" und „Nekabbim" (kleine und große Flöten) btldeten die Basis dieser Pfeifwerk«. Die Namen der Instrumente im Tempel SalomoS haben in den verschiedenen Werken nicht nur falsche Schreibweise erhalte», auch di« Art und Weise ihrer musikalischen Wirkung wird fast ui« positiv bezeichnet. Die wichtigsten Instrumente waren: Ehalil (fein« Flöte), Nekabbim (große Flöte). Maschrokita (Doppelflöte oder PauSpfeife), Magrepha auch Ugab genannt (nach den Talmndisien eine Orgel, nach anderen eht* starke Pauke?), Ckazozra /gerade Tromvetei. Sckmfar (gekrümmtes Horn). Keren (wenig gekrümmtes Horn), Ahub oder Abub (Zinken). Kinnor (phönizischer Name für Harfe) Hasur (Zither). Nebel, Nablum (ein dem arabischen Cammn ähnliche- 7h Saiten führende- Instrument), Minnim (Geigen. Biolen), Schalischim (ein 8 Saiten führendes Instrument. Snielart völlia unbekannt). Machol (Guitarre oder Viola), Asor oder Nebel-Asor (IsisaitigeS Zupfinstrument), Toph (Haudpauke), Maauim (Glockenspiel). Mesilot und Tfelzelim (eine Art von Celesta), verschiedene große Pauken und Cymbeln. Weit mehr alS bei den Instrumenten divergieren die Ansichten der verschiedenen Forscher über gewisi« Psalmen- Ueberschriften. Selbst S a a l s ch ü tz konnte beispielsweise eine Definierung der zwei Worte „Alamoth" „Schemim" nicht finden; beide Worte sirrderr sich im Texte I. Cbron. XVI 20—91, Alanwth allein in der Neberschrift d«S 46. PsalmeS. Luther Übersetzt daS erste Wort als Psalter, daS zweite alS Ssaitig« Harfe. Alamot heißt aber bei fast allen Uebersetzrrngen .Jungfrau"; Frauen-Gtimmen waren aber im Tempel nicht zugelassen. So bleibt als beste Auslegung die des Forschers Schladebach, der eine Art Sopran- Stimme (Knaben) annimmt, di« auf der achten Saite begleitet wurden. In Psalm 144 ist von einem „Newel assor" die Rede, was lOsaitige Harfe sein könnt«; in Psalm 92 findet sich noch La» Gort »ale assvr" «aale «owel; zu ei«tt definitive» Anschauung ist man hier wohl nicht gekommen. Recht verschiedene AuSlegunae» hat daS Wort ^Tsilzelim" in ISO. Psalm erfahre». ES sind offenbar die Beck« der Janitscharen-Musik. die tausende Jahr« vor Christi Geburt bereits bei den Chinese» alS Rhythmus stützende Instrumente bekannt waren; auch hier sind die Zusätze „schoma" «nd „seruo" nicht definitiv geklärt. Große Meinungsverschiedenheit hat die instrumental« Bezeichnung „Ghitit" hervovgerufen; der bedeutende Forscher Pfeifer spricht in seine» bekannte» Werke über „altchevräfiche Musik" diesem «orte jede musikalische Bedeutung ab und erklärt e» alS Titel be» „Weinlese-FesteS". Auch dem Wort ^Hamaaloth" hat mau fälschlich «ine musikalische Bedeutung, wie --höherer" Chor usw. Leigemeffen. In Wirklichkeit sind aber nur jene 18 Stufen der Mvrgenpforte gemeint. Ms der all' die Gänger standen, die auf der Singbühne nicht beschäftigt waren. Da» im Psalm 9 und 92 vorkommende Wort „Higaton" wiod recht verschieden erklärt. De Wette (Heidelberg 1838) sagt in seinem Kommentar, Higaion fei Gesang mit Instrumenten- Begleitung: A. Pfeifer aber meint in seinem Werke „De VknsieiS et Neginot HeSräorum" (Lübeck 1680), daß diese» Wort nur ein gewisser Hinweis auf die Poesie sei. Er stützt sich hierbei auf die Septuaginta. Noch will ich bemerke«, daß die Worte „BaS kaul" gar viele phantastische Bezeichnungen erfahren haben, am richtigsten scheint allerdings «uc die von Prof. Billert. der diese Worte einfach mit »Echo" Die ersten Christengemeinden behielten anfangs öie mosaischen Gebete mit den Davidischen nnd Salomonische» Melodien. Besonders die Psalmen bildeten die Basis de» katboltchen Gottesdienstes. Uebee Psalmen-Gesana find unzählige Bücher geschrieben worden: wirklich nachweisbar sindewur zwei Arten, die antiphonische Singweise und der Responsorien-Gesang. Die erste war ein Wechselgesang von zwei Chören, die einander zusangen (Nehemia 12/27): hierzu gehört aber auch jene Weise, nach welcher die Leviten einen Psalm allein saugen und das Volk am Schluß das „Hallelujaanstimmte. Wird der eine Chor aber durch eine Person vertreten, dem als Präcentvr (Vorsänger) der andere antwortet, so ersteht der «Modus responsorius". Ueber öe» Charakter dieser Weisen wisien wir absolut nicht-: den« alS nach Befreiung durch CyruS der Tempel neu erstand, die Musik von neuem erklang, schien sie schon stark verändert, da ja die Davidischen Gesänge durch nichts fixiert waren. Ohne Zweifel ist aber erwiesen, daß die musikalische Fassung der Psalmen durch die Antiphonie bestimmt war und die i» der Natur gegebene Verschiedenheit der Stimmen dazu führte, die hohen von den tiefen Stimmen zu separieren. Die Kunst deS zweistimmigen Gesanges bestand noch nicht» die Antiphonien bewegten sich lediglich in der Oktave. Wichtig ist eS, hier zu bemerken, daß nicht die Apostel die Sendboten der Davidischen Kunst waren, vielmehr diese Weisen bereits durch die damals schon bestehenden Tempel in Athen,Corinth. Tessalomki. Rom usw. in alle 3V«lt kamen, zumal die Jude» aus allen diesen Zonen am Peffach-Feste nach Jerusalem pil- Serien (Ed. Schell«, 1872, Rom). Die einzigen musikalischen Akzente, die uns Juden nach der Diaspora blieben, sind die „Neginoth". Sie sind bei den Juden in aller Welt heimisch, haben aber erhebliche Wandlungen im Lauf der Zeit erfahren, so daß die deutschen, polnischen, türkischen, spanischen Juden durchaus verschiedene Sangesweisen in diesen Neginoth bringen. Rach Uebereinstimumng vieler Gelehrter gibt es wohl 28 verschieden« Akzente, die aber nur die Tonpbrase selbst, ohne Spezialisierung der Tonart, andeuten. Daß di« Juden aber aualter Zeit drei Steiger (Tonleiter) haben, die keiner anderen Musik eigen sind, hat Josef Singer (Dien 1889).. > in seinem epochalen Werke über die Tonarten der uw*. christlichen Priode, überzeugend dargelegt. Auch andere bedeutende Musiker, wie A. Friedman« (Berlin), Henle (Hamburg), haben viel verdienstvolleauf diesem Gebiet geschrieben, während einige aber auch dubiose Zufälligkeits-Ergebnisse persönlicher Anschauungen brachten, die fast wertlos sind. Wenn auch die Musikgeschichte die Vorzeit „Davidischer Kunst" unserer wissenschaftlichen Erkenntnis stark entrückt hat und vieles in geheimnisvolles Dunkel gehüllt ist, so dürfen wir weitere Forschungen nicht unterlaffen. Erfreulicherweise hat sich bei jüdischen wie bei christlichen Musikern eine vorurteilsfreie Meinung über all diese Fragen entwickelt, die dem traditionellen Gynagogen-Gesang mit seinen drei eigentümlichen Toirleitern größeres Interesse wünscht. Denn di« Kenner schätzen diese Gesänge alS selten« Edelsteine alt-jüdischer Kunst. Sie vernritteln uns da» altjüdische Idiom und zigen zugleich daS Orginelle. Charakteristische. scharf Abgegrenzte dieser archaistischen Musik. Neben der Getstesarfitokratie ist auch die Finanzartstvkratia durch Handschriften von Fanny von Arnstein. Abraham Freitzerrn von Oppenheim und Baron von Hirsch vertreten, der jüdische Gottesdienst durch die beiden Großrabbiner von Frankreich. Isidor und Zadoc Kahn, und durch die Meister deS SnnagogengesangeS, Sulzer. Lewanöoivski und Deutsch. Sulzexs Brief an seinen Freund Zellner ist erheiternd zu lesen: ich führe aus ihm den Schlußpassus an: ... Ich bin geneigt zu vermuten, daß die Einleitung (Ritornell) zu großartig und erhaben ist. um in unserer Zeit verstanden zu werben, an deren Stelle 4 Takte „süße Milch" mit Fettäugerln nicht schlecht munden würden. Ich sage 4 Takte, es kommt mir aber aus etwelche mehr auch nicht an. wenn sie in meinem Geiste komponiert sind, im Geiste der Versöhnung liberaler Gesinnung mit GlanbenStreue, welche durch freundliche „Vorschläge" nach abwärts und durch Hinaufwollen deS Baffoprofondo gut zu versinnlichen wäre.... Menerbeer. Offenbach. Eduard Lassen, die ich in hübschen Mrrsikautographen in dem Album „Tonschöpfer" verwahre, sind im Sammelbuche „Judaica" mit eigenhändigen Briefen vertreten: für getaufte Juden — mit Ser einzigen Ausnahme von Heine, Ser seinen übereilten Uebertritt bereute —, habe ich in diesem Buche keinen Platz. An Äntographen von Bühnenkünstlern besitze ich die R a ch e l. Sonnenthal. Barnay und Max Reinhardt. Keinen Feind Haffe ich so sehr, als einen Freund, der sich nur halb bewährt hat. Wiesbaden, Mai 1897. Ludwig Barnay. Wabr allein — kann unschön sein; Wahr und schön — ist wahrhaft schön. ALolf von Sonnenttzal. Karlsbad, den 2t. Juli 1894. Die Kunst ist eine Welt für sich, die der Mensch nach sei»«« Ebenbilde geschaffen hat. Sie hat ihre eigenen Gesetze, dreht sich um sich selbst. zualeLch ewig um die Erde, in der wir wurzeln. Nur von dieser Welt empfängt sie Licht. Wärme und fortzeugenöes Leben. Auch auf der anderen Seite sprießt und blüht eS unaufhörlich im Wechsel der Zeiten, aber eS sind Träume, die mit der Nacht komme» und vergehen. Berlin. November 1921. Max Reinhardt. Nahezu lückenlos besitze ich die bildende» Künstler und die Dichter jüdischen Glaubens im Autograph. Aus der großen . Zahl der Briefe und Gtammbuchblätter seien die folgenden erwähnt: Gpinnlied. Dreh' dich fiink, liebes Rädchc Gib Garn mir und Lein' — ES sollen di« Fäbchen Zum Brauthemde sein. Go füllt sich daS Lädchen. Do füllt sich der Schrein — Ach. mich armes, armes Mädchen. Wer wird mich denn frei'«? Julius Rodenberg. * Klug sein ist viel, gut sein ist mehr, gerecht sein fit all«-. Karl Emil FranzoS. » DaS ist das beste Vermächtnis, DaS mir Natur gereicht: Ich Hab' ein gutes Gedächtnis. Denn — ich vergesse leicht. OSegr Blumenthal. * Ich bedaure, Ihnen einen Wunsch nicht erfüllen zu können: e'S geht mir gegen mein Gefühl von menschlicher Aeutzerung. Autogrammsprüche nck hoc zu schreiben, und ich tue eS daher ausnahmslos nicht. Denn Sie aber -ie notwendigerweise negative Antwort auf Ihr Ansuchen alS Autogramm betrachten wollen, habe ich nickt» dagegen. Ihr sehr ergebener Martin Buber. * Die Welt ist voll dunkler Fragen. Drum muß man di« Harfe schlagen. Alfred Mombert. * I Ule« ihe opportuciiy o! expressing wy »ytnpalhy wjth Gennany in face of the present naisbehavieur of France. 3. Jttfy 1923. Israel Zangwill. s Bist du jung und bist ö» nicht gfi. Lieder haben viel Gewalt: Lieder machen leicht und schwer. Ziehen unsere Seele her. Wie», im November 1899. Hugo von HofmannSthal. Auf -es Lebens letztem Stamme Blüht die Mahnung: ^Derde Geist!" Doch der Geist lebt von der Flamme. Tie das Scheit des Schicksals speist. Nun, so schlag' dich selbst in Stücke. Flamm' dich an und gib dich preiß! Dem nur wird fein Schicksal glücke«, Der sich zu verschwenden weiß. Stefan Zweig. Die Kinder unserer EinbildungSkrafi erstarren in wenigs« Generationen zu Götzen, wenn ste nicht vorher der Derseffercheit anheimfallen. < Ein flüchtiger Blick in die ach so beredten Blätter meiner Gammekbücher zeigt, daß unsere GlauSenSgenoffen auf allen Gebieten menschlichen Schaffens wirken und mit Ehren bestehen. Als Truppenführer und Staatsmänner, als Forscher und Denker, als Meister deS TonS nnd der Palette, alS Künstler auf der Bühne und alß Volksvertreter im Parlament. alS Verkünder des GotteSworteS und al» Gänger zu feinem Preise, alS Fürsten im Reiche der Weltwirtschaft und als sinnende Poeten im stillen Studierzimmer — überall wirken Jude» mit Eifer und Erfolg. Ihre Handschriften -- unmittelbare Zeugnisse ihrer Persönlichkeiten. Spiegelbrllter ihres (Geistes stellen eine magische Brücke dar zwischen dem pietätvollen Betrachter «nd dem fernen EhemalS tsner Zeit, da sie noch durch ihr persönliches Auftreten -er Glauben sgeme in de ihrer Väter Ehre machten. Felix Galten trifft daS Richtige, wenn er den Eindruck einer Autographen. fammlung mit den Worten kennzeichnet: ..Nicht zu leugnen, daß solche Stätten der geordneten Stille inmitten des allgemeinen Tumults etwas Wohltuendes haben. Das Leben ist hier nur ein Abglanz und flüsterndes Echo feiner selbst. Man fühlt sich hier beschwichtigt und zu sanfter Nachdenklichkeit gestimmt, wie in einem Museum." Feder Leser, dem -ie ..Jüdisch-liberale Zeitung" religiöse Anregung und Belehrung bietet, fühle sich verpflichtet» «ns einen neuen Abonnenten zuzuführenl