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Jüdisch-liberale Zeitung · 1924-09-12 · 31 (12.9.1924) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
4 (1924)
Issue
31 (12.9.1924)
Date
1924-09-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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fk ,4: h' MW enden veligivsen Standpunktes die Geistesgröße deS ar£Jlf?r.f,ine,?' ^Eef ergreifend waren die schmerzbewegten Sbschteösgrüsse. die Herr Rabbiner Dr. Edelstein-Budapest alS Schwiegersohn namens der Angehörigen zum Ausdruck brachte. Wettere Ansprachen hielten Herr Rabbiner Prof. Dr. Winter-DreSden namens -er Dresdener Gemeinde, -eS Jüdisch-theologischen Seminars in Breslau und der Gesell» schüft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums, als deren Mitbegründer und Vorstandsmitglied PorgeS sich sehr verdient gemacht hat. Herr Rabbiner Dr. Hanover- Würzburg namenS der Würzburger Gemeinde, der Frankenloge und des Allgemeinen Rabbiner-BerbandeS in Deutschland. Herr Dr. Hermann Spitz namens der Leipzig- Loge, Herr Adolf Rotier namens deS HtlfSvereinS israelitischer Gewerbetreibender. In einer abschliessenden Ansprache faßte Herr Gemeinderabbiner Cohn, der zugleich dem Dank der Chewra Kadtscha und anderer Bereinigungen Worte verlieh, die Stimmung der Trauerversammlung zusammen. Nach Rezitation eines Psalms durch Herrn Kantor Jaffö und einem Gesänge des Synagogenchors erfolgte dann die Beisetzung deS Verstorbenen an der Sette seiner Gattin. Zur Tranerfeier hatten auch die Gemeinden Chemnitz und Halle. die Vereinigung liberaler Rabbiner Deutschlands und zahlreiche andere Organisationen Vertreter entsandt. Versammlungskalender. Berlin. (Liberaler Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde. Bezirksgruppe Norden). Montag, den 18. September, pünktlich VA Uhr Versammluna im Auerbach scheu Waisenhaus. Schönhauser Allere 162. Tagesordnung: Rabbiner Dr. Gottschalk: Erneuerung. (Zum 100. Geburtstag Moritz Lazarus). Dr. Max Mayer: Die Ueberwindung des JnöifserentiSnius Berlin: (Liberaler Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin, Bezirksgruppe Moabit, Hansaviertel.) Versammlung am Mittwoch, den 17. d. M., abends 8 Uhr pünktlich. Holsteiner Ufer 27/28 (am Bahnhof Bellevue). 1. Generalsekretär Egon Dickmann: Die Bedeutung der bevorstehenden Landesverbandswahlen. 2. Rabbiner Dr. Lewkowitz: Religion und Politik im liberalen Judentum. 3. Freie Aussprache. Berlin: (Jüdisch-liberaler Jugendverein E. V.). Am Donnerstag, den 18. September, B o r t ra g -es Herrn Rabbiner Dr. Albert Wolf-Dresden über „Das Problem der jüdischen Gemeinschaft im Lichte des liberalen Judentums" im Grünen Saal, Köthenerstratze 38. nahe Potsdamer Bahnhof (also n i ch t in der Kleiststrasse, wie im Monatsprogramm angegeben!). Tressen aller Gruppen und des Hauptvereins um ^8 Uhr. Beginn des Vortrags pünktlich um 8% Uhr. Der Berliner Jli erlässt ein Preisausschreiben, au dem sich Mitglieder aller Verbandsucreine beteiligen können. Es handelt sich um Entwürfe zu einem neuen Jli- Abzeichen, die bis zum 13. Oktober 1924 an Ernst Heinrich Seligsohn (Bcrlin-Grunewald, Douglasstr. 30) eingereicht sein müssen. Der preisgekrönte Entwurf wird der nächsten Delegierten-Versammlung zur Annahme empfohlen. Der Preis besteht in einem wertvollen Buch. Preisrichter sind: Dr. Arthur Lilienthal, Ellen Littmann, Ludwig Lewin, Ernst Heinrich Selig sohn. Berlin: (Bezirksgruppe Norden) Liberaler Verein für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Im Auerbachschen Waisenhaus. Schönhauser Allee 162, findet wieder regelmässig abends 6)4 Uhr Freitag-Abend-Gottesdienst mit Orgel, Chor und Predigt statt. An den hohen Feiertagen wird im Auerbachschen Waisenhaus ein liberaler Gottesdienst mit Orgel. Chor und Predigt abgehalten. Breslan: (Jüdisch-liberaler Jugendverein „Abraham Geiger", Geschäftsstelle Höfchenstrasse 61II l.) E r ö f s n u n g s v c r s a m m l u n g : Mittwoch, den 17. September, abends pünktlich 8% Uhr, im kleinen Saale des Konzerthauses. Eingang Portal I, 1. Stock: Begrühung. Bortraa des Herrn Rechtsanwalt Erich Spitz: „Jugendseele. Jugendbewegung. Jngendziel." Fr. W. Foersters Buch und wir. Gäste willkommen. W t Aus der Bewegung Breslau: (Jüdisch-liberaler Jugendverein „Abraham Geiger"). Unter Führung unserelieben Freundes, Herrn Georg JonaS in Oblau, der uns lange Jahre im Vorstand deS Jli in BreSlau führte unü mit uns wanderte, unternahmen wir am 3. und 30. August herrliche Ganztagsausflüge. Am 3. August wanderten wir von Wartha über den Königshainer Spitzberg nach Glatz und am 80. von Ohlau über Peisterwitz Smortave und den Oderwalö nach Linden. Frohe Stunden verbrachten wir in der schönen Natur: sse werden sicher allen, die mit uns waren, noch lange in Erinnerung bleiben. Auf den Rastplätzen fanden wir immer wieder Gelegenheit über unsere Arbeit zu plaudern. Mit herzlichem Dank an unseren treuen Führer rufen wir insbesondere unseren tugendlichen Mitgliedern zu: wandert mit uns und lernt die Natur kennen! Am 4. September hielt die Gruppe II ihre erste Zusammenkunft in der Wohnung unseres Vereinsmitgliedes Herrn Herbert Tichauer ab. Zur Erörterung stand das Thema: Wie bekämpfe ich den Antisemitismus? Herr Tichauer sprach zu uns als jugendliches Mitglied, frei nnd offen, auS der Praxis heraus, wie es jeder von uns tun sollte. Mit Recht verurteilte er unsere Zaghaftigkeit und empfahl vor allem entschiedenes Vorgehen. Mut nnd Takt. Seine Worte fanden freudige Zustimmung und mancherlei Ergänzungen. An der Aussprache nahmen alle Anwesenden teil. Wir waren uns einig: die beste Waffe im Abwehrkampfe ist Wissen. Den Abend eröffnete und leitete Herr Berger, der besonders auf die ausgezeichneten Aufklärungsschriften deS Philo-Vcrlages hinwies. Sehr wertvolle Hinweise für unsere Arbeit auf diesem Gebiete gab uns Herr Rechtsanwalt Spitz. Ein überaus anregender Abend, den wir dem lebhaften Interesse aller Gruppenmitglieder nnd der Gastfreundschaft des Herrn Tichaner verdanken. Zeit, Ort und Thema aller Zusammenkünfte sind, wie wir wiederholt bemerken, allwöchentlich ans den Notizen im Versammlungskalender der Zeitung zu ersehen. Gäste sind stets willkommen, eine freie Aussprache zugelasien und erwünscht. Magdeburg. (Jüdisch-liberaler Jugendbund „Heimat"). Unsere am 30. August stattgcsnndcne Generalversammlung wies einen überaus guten Besuch auf, waren wir doch nicht weniger als 48 Mitglieder, ohne unfern Herrn Kronheim, Herrn Sanitätsrat Dr. Frank enstein, Herrn Dr. Wilde oder Herrn Kantor Deller mitgezählt zu haben. Der erste Punkt der Tagesordnung, die Satzungen unseres Bundes, war bald bekannt-gegeben und genehmigt, zweitens gab unser Herbert Eohn einen ausführlichen Kassenbericht und dann schritt man zum Puinkt 3 der Tagesordnung, z-u den Vorstandswaihlen. Diese brachten den Beweis, dass man nicht gewillt war. den ersten Vorsitzenden Edgar Fricdmann zu dispensieren. Es sei vorweg bemerkt, hass der Gesamtvorstand, bevor man zu den Vorstandswahlen Stellung nahm, sein Amt niedergelegt hatte, um andern Führern Gelegenheit zu geben, neue Gedanken und Anregungen zu bringen, und dass während di-eser Zeit Herr Rabbiner Dr. Wilde es freundlichst übernommen hatte, die Versammlung zu leiten. Einstimmig, ohne Aufstellung anderer Kandidaten, wurde der vorgenannte erste Vorsitzende wiedergewählt, woraus dann auch auf Wunsch die andern gut eingearbeiteten Vorstandsmitglieder, Fritz Michaelis, als zweiter Vorsitzender, Ernst Steiner als Schriftführer und Herbert Cohn als Kassierer wiedergewählt wurden. — Unter Punkt Verschiedenes sielen dann diverse innere, teils auch äussere interne Fragen: n. a. erstand auch eine interessante Diskussion über Liberalismus und Zionismus und über Jugend und Neutralität. Der Vorsitzende Edgar Fricdmann schloss im Anklaua an die letzte Frage mit -em Hinweis auf den demnächst über das Thema Jugend und Neutralität ftattfindenden Vortrag des Herrn Dr. Lilienthal, Berlin, um Al Uhr die Versammlung. Die Anwesenden verließen alle in noch gehobener Stimmung durch die kernigen Worte des Herrn Kronheim und Herrn Sanitätsrat Dr. Frankenstein das Lokal mit dem Gefühl: Einigkeit macht stark! Der jüdische Sprechsaal. Antisemitismus und Jugend. Hanau a. Main. 31. August 1924. An die Schriftleitung der iüdisch-liberalen Zeitung Berlin. Gestatten Sie mir als Schüler eines Gymnasiums aus der Provinz zu dem Kapitel „Antisemitismus und Jugend" Stellung zu nehmen. Der Oberprimaner M. S. hat unter anderem auch die Ursachen des Antisemitismus der lungeren Schüler zu schildern versucht. Doch die Wurzel des Hebels liegt weniger in der politischen Zeitungslcktüre, vielleicht auch weniger in dem Vorbild, das die Eltern ihren Kindern geben, als ans religiösem Gebiete. Das erste, was sie von den Juden hören, nämlich die Kreuzigung des Erlösers durch die Juden, muss, bekräftigt durch die Autorität deS Lehrers oder Pfarrers, aus die Kinderseele einen furchtbaren Eindruck machen. Auch die Märchen, in denen der Jude eine lächerliche, oft aber verächtliche Rolle spielt, wie z. B. „der Jude im Dorn", werden das Urteil der Kinder beeinflussen. Aus dieser gegebenen Abneigung entwickeln sich dann die Spielarten des Antisemitismus, politischer, wirtschaftlicher und Rassenhass. Die Auswirkungen des Vorurteils spüren wir alle an der Schule. Doch was nützen uns all diese pessimistischen Schilderungen. wenn wir nicht daraus die Konsequenzen ziehen?! Wenn Schüler der Oberklassen — darin stimme ich der Entgegnung von Nr. 28 bei — resigniert den Kampf aufgeben. was sollen dann die Jüngeren tun, die doch in den Aelteren ihre Stütze und ihr Vorbild sehen müssen? Doch auch damit ist es nicht getan, dass man nur zur Abwehr bereit ist. Viel mehr kann dadurch erreicht werden, dass wir uns selbst in Zucht nehmen und die Jüngeren auf die Verantwortung aufmerksam machen, die heute ein ieder funger deutscher Jude nicht allein für sich, sondern für uns alle trägt. Der Antisemitismus zwingt uns ja dazu, mehr denn je auf uus selbst acht zu geben und sich mehr mit jüdischen Dingen zu befassen. Die Beschäftigung mit ihnen, wird uns die Entbehrung nichtjüdischen Verkehrs — ein solcher ist natürlich nicht ausgeschlossen — ersetzen. Ich höre schon, darauf erwidern: Ersatz ist etwas sehr Zweifelhaftes. — Aber können wir Jungen nicht auch entbehren? Denken wir an den Leidensweg unserer Ahnen, und.wir werden uns durch den uns aufgezwungenen Kampf die Jugend nicht verderben lassen. Deutscher sein, heisst beute arbeiten und nicht verzweifeln. Jude sein, heisst kämpfen, jung sein, mit Freude und Zuversicht streiten. Hochachtungsvoll Fritz Steiuhauer. Hamm. Jugend und Neutralität Die Auseinandersetzung in Nr. 23 der J.--l.-Ztg. zwischen Herrn Holzer vom Verein Moni-ofiore, Frankfurt cu M. und Herrn Lilientchal. erster Vorsitzender des Jli. Berlin: ob die Existenz neutraler Jugendvereine oder nur die der verschiedenen Richtungen innerhalb des Judentums berechtigt sind, veranlasst mich, hierzu einige — wie ich glaube — wesentliche Bemerkungen zu machen. Vielleicht in dem Sinne: waiowoh hakossow haschlischi w'iachria benehem eine dritte Meinung entscheidet zwischen beiden. Herr Holzer stellt an die Spitze seiner Entgegnung die Frage: „Was ist Jugend? Jugend insbesondere für die Jugendbewegung?" — Die Frage, so gestellt, führt m. E. nicht zum Ziele. Die Kardinalfrage muss vielmehr lauten: „W er ist Jugend?" insbesondere für die neutrale Jugendbewegung? — Es ist die Jugend im Alter von 14 bis etwa 20 Jahren. Ueber dieses Alter hinaus kann und soll ein jeder eine selbständige Stellung auch inbezug seiner religiösen Richtung im Leben erlangt haben. Der eigentliche Zweck der Jugendoereine besteht doch im wesentlichen darin: die noch unwissende Jugend religiös zu belehren, dadurch religiösen Sinn und religiöses Tun zu stärken und zu fördern, um diese Jugend hierdurch zu religiös — bewussten Juden zu machen. Ein Jugendverein ist. kann und soll im wesentlichen nichts anderes sein als eine Fortbildungsschule. Die Religionsschulen unserer Zeit können auf dem Gebiet der religiösen Belehrung nur grundlegend wirken aus Gründen, die allzu bekannt und hier nicht weiter ausgeführt werden sollen: die Jugend bedarf deshalb der religiösen Fortbildung, soll sie, erfüllt von religiösem Geist und wahrhaft jüdisch-religiösem Empfinden, dereinst im Leben als jüdisch-b ew u ß t e Juden wirken. Eine solche Fortbildung darf und kann nur neutral sein und keinesfalls im Sinne einer bestimmten religiösen Richtung geschehen. Am Ende deS vorigen und zu Anfang dieses Jahrhunderts waren die Jugendvereine' entstanden und zwar ausschlietzlich neutrale, die gar mächtig sich entfaltet haben. Erst später, wohl dem Sprichwort folgend: „Wer die Jugend hat. hat die Zukunft", wurden die Jugendbünde der verschiedenen Richtungen im Judentume gegründet. Mit ihrem Werben und Wachsen schwand die Anziehungskraft der neutralen Jugendvereine, vielleicht auch, weil diese es unterlassen haben, zwischen aktiven und passiven Mitgliedern zu unterscheiden. Zu den ersteren sollte nur die siingere Jugend gehören, und zu «den letzteren nur die im Bunde bleiben, welche jene materiell und geistig unterstützen. Die Erfolge, welche die Jugendbünde der verschiedenen Richtungen bezüglich der Menge ihrer Mitglieder, besonders auf Kosten der neutralen Bünde erlangt haben, ist sehr erklärlich. Einesteils bestinvmt das Elternhaus die Richtung der Jugend, andererseits die Neberredmrg Ser AMkevadschafi» lichkeit im Leben. Ob dies wirklich so erfolgreich wirkt, ist doch fraglich. Denn nur selten ist das Mitglied, daS ohne tieferes Wissen und ohne genaue Kenntnis deS Wesens mrd der Tendenz der Richtung, welcher man beigetreten ist. von ganzem Herzen und ganzer Seele mittätig. Es gibt daher in allen Richtungen gar viele Mitläufer, die nur 'dem Namen nach zugehörig sind, und nur einige bemühen sich, bewusst, im Sinne ihrer Richtung zu wirken. Von den vielen Entgegnungen und Einwendungen des Herrn Lilienthal sei nur eine angeführt. Er sagt: ,/Gewiss kann man durch gemeinsames Arbeiten in einem neutralen Jugeridverein zum Selbstbewusstsein erziehen und Wissen vermitteln, gewiss kann die Aussprache zwischen Anhängern der verschiedenen Richtungen zur Klärung und Vertiefung einzelner Probleme beitragen." Hier geben Sie, werter Herr Lilienthal. zu. dass der neutrale Jugendverein pm Ziele führen.kann durch gemeinsames Arbeiten und durch Vermittlung von Wissen die jüdische Jugend zu bewußten Juden zu machen. Im folgenden widersprechen Sie: „dass dadurch keine geschlossene jüdische Persönlichkeit" geschaffen werden kann. Eine geschlossene Persönlichkeit wird sie, indem sie sich nachher bewußt aus eigenem Antrieb einer bestimmten religiösen Richtung angeschlvssen hat. Dann behaupten Sie: „Zu einer solchen geschlossenen Persönlichkeit für die jüdische Religiosität kann sich nur entweder die starke Persönlichkeit, die überhaupt keine Hilfe, weder der einen oder der anderen Art bedarf, selbst durchringen, oder kann sich ein KreiS in gleicher Richtung Strebender gegenseitig erziehen." Im ersteren Falle erlangt die starke Persönlichkeit auf antodiktatischem Wege das erforderliche jüdische Wissen um eine geschlossene Persönlichkeit für die jüdische Religiosität zu werden: im zweiten Falle, wo die Richtung bereits gegeben, kann es sich keineswegs um die jüngere Jugend handeln, denn die soll sich doch erst das erforderliche jüdische Wissen aneignen, um durch reiche Kenntnis ihrer Religion in Geschichte und Literatur zur Erkenntnis ihrer Wahrheiten, ihrer Erhabenheit nnd Ewigkeit zu gelangen. Die neutralen Jngendvereine haben aber noch eine weitere sehr wesentliche Ausgabe zu erfülle": ihre Mitglieder zur Duldung und Ächtung gegenteiliger religiöser Meinungen und Anschauungen zu erziehen. Hierüber lese ich in einem Glückwunsch zum 30. Geburtstage des Pros. Dr. Elbogen in Nr. 34 des Israel. Familicnblattes, Hessen Aeusserungen zur neutralen Jugendbewegung. Sie lautet: Wir Juden sind nicht zahlreich und nicht stark genug, dass wir uns den Luxus erlauben könnten, nnS in Gruppen und Grüpplhen auszulösen. Trotz aller Gegensätze muss mit aller Kraft daS Bestreben aufrecht erhalten werden, nebeneinander, nicht gegeneinander zu arbeiten. — Besonders die Jugend, die gar schwell fertig ist mit dein Wort, muss sich selbst bezwingen und erziehen, muss zu einer gerechten Würdigung des Gegners und des gegnerischen Standpunktes herangebildet werden. Es darf nicht schon bei der Jugend die Parteibildung einsctzen, die soviel Vorurteile schasst, die blind macht gegen die Schwächen des eigenen Programms, gegen di« Argumente und ungerecht gegen die Bestrebungen der Gegner, jene Zerklüftung, die die Gemüter verbittert, jode Verständigung stört, die Lösung gemeinsamer Ausgaben vereitelt." Das sind autoritative und gewiss treffende, allseitig anzuerkannende Worte für eine neutrale Jugendbewegung. Neutrale Jugendvereine sind erforderlich, ja notwendig für die jüngere Jugend: der erwachsenen Jugend gehört eine bestimmte, ausgeprägte Richtung im Judentume, welcher sie sich bewusst angeschlvssen bat. um in deren Sinne zum Wohle «der gesamten Judenheit zu wirken. R. Abel, Lörvach. Fanatisierte Jugend. An die Schrift! eftung -er Jüdisch-liberalen Zeitung Berlin. In meiner Erwiderung ans die Zuschrift des Jüdischen Jugendvereines „Ludwig Philippsohn" in Nr. 23 der Zeitung ist, ivorauf mich der Vorsitzende des Vereins, Herr Gcrson, aufmerksam macht, eine Stelle missverstarrden worden. Ich bitte Sie daher, nochmals ausdrücklich feststellen zu dürfen, dass nicht gemeint war, die Provokationen, von denen die Rede ist. seien — mit Ausnahme des vorher speziell im Bezug genommenen Falles — gerade von Herrn Gerson anmegangcn. Ich hatte das gerade bewusst nicht sagen wollen. Tie betreffenden Ereignisse liegen zum Teil vor der Nebernahme des Vorsitzes durch Herrn Gerson. Hochach tnngsv oll Dr. Lilienthal. Anmerkung der Redaktion: Damit schließen wir die Diskussion über den Fall Steinhardt, indem wir noch ans unsere Notiz an anderer Stelle dieses Blattes verweisen. Gedanken über Judentum, und Zionismus von einem Nichtfuden. Die Freundlichkeit der Schristleitung gestattet mir einige Gedanken über Probleme des Judentums zur Darstellung zu bringen. Sie sind freilich die iubjeltioe liebere,engnng eines nicht direkt beteiligten, aber als das Resultat einer Reihe von Beobachtungen, Erfahrnnaen nnd auch Studien entbehren sie nicht einer objektiven Grundlage; vielleicht erhalten sie gerade als Meinung eines nur bedingt interessierten ein b e fand ere s G e p r ä g e. Es ist unmöglich geworden, bei der Beobachtung der üeutschclr Oeffentlichkeit den Zionismus als einen gewichtigen Faktor zu übersehen, der immer mehr an Bedeutung gewinnt. Er ist ein Phänomen, das beginnt eine politische Tatsache zu werden, nicht nur im engeren Bereiche der Interessen des Judentums, sondern aitcli der grossen staatlichen Verbände und damit auch Deutschlands. Mit guten Gründen kann ich bei einer Betrachtung des Zionismus absehcn von allen realen Bedingungen, die sich aus der Konsequenz seiner Ideologie ergeben, ^also z. B. der wirklichen, ökonomischen, politischen Verhältnisse Palästinas; denn ich glaube mit den Zionisten, dass das Bedingungen sekundärer Art sind, die einer starken Idee keinen Abbruch tun können. Mein Einwand ist anderer, prinzipieller Art: Ich kann mich der Ucberzcugung nicht verschließen, dass der Zionismus auf einem soziologischen und psnchologischen Irrtum beruht, zum mindesten ans einer falschen Voraussetzung. Das konkrete Ziel des Zionismus ist die Verwirklichung des jüdischen Nationalstaates. Dass es Zch dabei nicht um eine Gründung aus dem ungefähr bandeln kann ist klar, denn es ist unmöglich, eine Nation durch einen bewussten Akt, durch die bloße Venvirklichuna eines Programms zu schaffen. Die Voraussetzung für jeden Staat ist ein Volk. Das Volk ist die lebendige Einheit, die schöpferische Gemeinschaft, aus der als politische Form der Nationalstaat fließt. Es kann also nur das Ziel des Zionismus sein,dem jüdischen Volke, das als solches schon vorhanden sein muß, zu seiner politischen Form zu verhelfen, und n i ch t umgekehrt! Hier ist nun die Frage: Ist dieses jüdische Volk eine Realität, existiert es als diese lebendige Einheit in seinen Elementen, die über Sie ganze Wett verstreut sind? i

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