Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1924-09-12 · 31 (12.9.1924) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
4 (1924)
Issue
31 (12.9.1924)
Date
1924-09-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2613366-2613741-2613772--0976-2618294
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

10 entity mentions (1 not found in this text)

4. Jahrgang Nummer 31 Beilage 12, September 1924 IMchKberaleZeilimg Zum hundertsten Geburtstag von Jacob Dernays. Jacob BernayS wurde am 11. September 1824 in Hamburg als -er älteste Sohn des „Chacham" Isaak Bernays geboren. Er studierte von 1844/18 in Bonn, habilitierte sich in Esem Jxchre an der dortigen Universität für das ft-ad) der KvsAchen Philologie, war von 1854—1806 Lehrer a>m jüdischcheologischen Seminar und Privatdozent an der Universität Zu Breslau, kam dann als außerordentlicher Professor und Ober-Bibliothekar wieder an die Universität zu Bonn und starb daselbst am 26. Mai 1881. Zur Kennzeichnung des großen Gelehrten genügen die kokenden Worte des Bonner Philologen Hermann Usener M Borwort zu den von ihm herausgegebenen „Gesammelten Abhandlungen von Jacob Bernays" (Berlin 1886): „Die einzige Bereiniguna des vielartigsten selbsterrungenen Wissens, die ihm unter den Zeitgenossen eine hervor- Agende Sonderstelluna gab. würde allein schon Bernays' Schriften auf lange hin ihre Bedeutung sichern. Die großen Forscher des XVI, und XVII, Jahrhunderts, deren Werke er kannte wie kein anderer, auf die er uns hinzuweisen nicht ermüdete, leuchteten ihm voran. Eine lebendia vergegenwärtigende und in die Tiefe dringende Anschauung des klassischen Altertums, nicht nur in seinem geistigen, sondern auch in feinem staatlichen Dasein, getragen von einem ungemein fetnen Sprach- und Stilgefühl,- die genaueste, in täglichem Berkchr genährte Kenntnis der religiösen Urkunden und älteren Litteratur des jüdischen Volks; eine in unserer Zeit »tcht gewöhnliche Vertrautheit mit dem neuen Testament und de» Vätern der christlichen Kirche; ein ausgebceitetes Interesse für die großen Gestalten der neueren Geschichte «»d Litteratur Deutschlands. Englands, Frankreichs: das dir stofflichen Voraussetzungen dieser Schriften Mehr als andere war Bernays in der Lage, diese durch ein überaus ^ückliches Gedächtnis vermittelten Elemente zu gcistiaer Produktion zu verwerten. Er lebte dahin wie ein Weiser dcs Altertums. Der ebenmäßige Fluß des äußeren Daseins siegelte sich wieder in einer fast nie gestörten Ruhe und Heiterkeit des Gemüts. Die Treue, mit der er an Glaube and Gesetz sriner Väter festhielt, hatte ihm früh geholfen, auf die Ehren dieser Welt zu verzichten. Er schien keine Forderung an das Leben zu haben, an das, was die Menschen Leben nennen. Er hatte sich davon allmählich faß ganz zurückgezogen. Nicht um Einsiedler zu werden: davor bewahrte ihn sein: mitteilsame, liebenswürdig offene Natur. Sondern um alle Lebenskraft in sich zurückzumenden und daS innere Dasein zu erhöhen. Das einzige und eigentliche Bedürfnis seines Lebens war, mit den Größten, die gedacht und geschaffen, sich in Berührung zu setzen. Auch wissenschaftlich: Tätigkeit hatte für ihn nur so weit Wert und Reiz, als sie diesem Bedürfnis genüge tat: und schriftstellerische Versuche mußten sich dieses Verkehrs würdig zeigen durch ein Gewand, das ihnen den Zutritt zur besten Gesellschaft öffnet:. AuS den Edelsteinen, die sein Spürsinn und Finderglück aus dem Schutt der Neberliefcrung hervorgrub, liebte er und verstand es wie wenige, durch Schliff und Fassung kleine Kunstwerke zu qestaiten. Bon seinen „Heraclitea" bis zu d:r Schrift über Phokion, die er gerade acht Tage vor der löblichen Erkrankung noch die Freude hatte an seine Freunde zu verteilen, hat er der Oeffentlichkeit keine Arbeit gegeben, die nicht die gleich: durchgeistigte Reife des Stoffs und der Form zeigte. Mindestens ebensosehr wie die ent- ^nenen Ergebnisse und Nachweisungen ist es der Adel dieser Bildung und die Kunst der Darstellung, welche Bernaus' Schriften Wert und Dauer verleiht." Demagogie oder Verfolgungswahn. Auf die Aufsätze des Herrn Dr. Arthur Lilienthal iiber das Thema „Fauatisierte Jugend" in Nr. 26 und 27 unserer Zeitung veröffentlicht Herr Lehrer Steinhardt-Magdeburg '« „Israelitischen Familienblatt" vom 4. September einen Aufsatz, der unter wüsten Schimvitiraden über den Verfisser der Aufsätze und den Vorsitzenden des Magdeburger Jli. Herrn Edgar Friedman», diese Sätze enthält: „Als ich die verschiedenen Lilieuthatichen Artikel mit ihrem immer gesteigerten Fanatismus las, hatte ich bei nur das Empfinden: Nun fehlt nur eines noch, nämlich, daß man den fanatisierten Magdeburger Jünglingen, von denen einige wahrscheinlich schon ihrem achtzehnjährigen „Ossizier" den Treueid geleistet haben, einen Revolver ln die Hand drückt, um mich, den ihnen unbequemen Gegner, nieöerzuknattcn, und sie bann, ganz nach dem Vorgänge bei dem Rathenau-Morde. zu Helden zu flenn veln und ihnen Lorbeerkränze zu winden. Das mar es. was ich mit dem ungesunden Geiste, der vielfach — gottlob! nicht allgemein! — in unserer Ingen.- von heute lebt, gemeint habe, eine Art, die ich jetzt als „Lilienthalismus" bezeichnen möchte." Mit diesen Ausführungen entzieht Herr Steinhardt, der Rathenau in Westentaschenformat. den Fall der Diskussion in einer religiösen Zeitschrift und überläßt ihn dem Forum der ärztlichen Sachverständigen. Aus den Gemeinden, f|| u\ Berlin: In dem Haushaltsplan für das Rechnungsjahr 1920 im Etat des Preußischen Ministeriums für Wissenschaft, Kunst- und Volksbildung, war zum erstenmal die Position 123b eingestellt, die „für Zwecke der geistlichen Versorgung leistungsunfähiger Synagogcngemeinden unter^Ausschluß einer rechtlichen Verpflichtung des Staates" eine Subvention vorsah. Im neuen Etat ist die im Vorjahr neugeschaffene Position wieder gestrichen worden. Da Versuche, bei dem preußischen Finanzmtnister eine diesbezügliche Aendernng des Etats-Entwurfes herbeizuführen, ohne Erfolg blieben, hat der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden an den Preußischen Landtag eine Pctiton gerichtet, „im Haushaltsplan des Ministeriums für Wissenschaft. Kunst- und Volksbildung die Position 1230 für Zwecke leistungsunsähiger Snnagogen-Gemeinöen unter Ausschluß einer rechtlichen Verpflichtung des Staates wieder hcrzustellen und einen Betrag von 680000 M. dafür einznsetzen." Berlin: Wie die ITA. berichtete, ist der große jüdische Friedhof in Friedland (Niederlausitz), der von der kleinen jüdischen Gemeinde in Lübben unterhalten wird, in einem desolaten Zustande. Die Angelegenheit beschäftigte die letzte Sitzung der Berliner Repräsentanten-Versammlung. Prof. Türk wies daraus bin, daß Friedhöfe in verlassenen Gegenden früher der Obhut des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes unterstanden und wünschte Fürsorge für diese Friedhöfe durch den Preußischen Landesverband. Rechtsanwalt Dr. Klee schloß sich diesem Antrag au. bat aber zu prüfen, ob zunächst, da bringende Hilfe nötig sei, die Berliner jüdische Gemeinde einspringen soll«. Er wünschte vor allen Dingen auch, daß die Frage geprüft werde. vH in Friebland und an anderen Orten zur Erhaltung des historischen Materials Abschriften der Grabstein-Inschriften angefertigt werden sollen. Wie der JTA.-Bertreter erfährt, spielt die Frage der verlassenen Friedhöfe eine besonders große Rolle auch in der ehemals preußischen, jetzt zu Polen gehörenden Provinz Posen, in der eine Reihe früher blühender jüdischer Gemeinden fast völlig entvölkert sind. Ein Eingreifen deS Pofener OberrabbinatS in Verbindung mit dem jüdischen Nationalrat in Warschau zum Schutze dieser Friedhöfe ist, wie mitgeteilt wird, zu erwarten. Berlin: Am 2. September fand im Dersammlungssaal der Synagoge Fasanenstraße die feierliche Eröffnung der diesjährigen Tagung der Zentral-Verwaltung und des Zentralrates des Verbandes für jüdischen Gesundheitsschutz „Ose" statt. Nach Begrützungsworten durch den Vorsitzenden Dr. Gran erstattete Professor Dr. Rosenthal den Bericht der Zentralverwaltung, er führte u. a. aus: Es wurden in diesem Jahre in Rußland 400 000 jüdische Patienten behandelt und 200 000 ffleaepte ausgegeben. Einen großen Raum nahm die Arbeit zugunsten der Kinder ein. Das Arbeitsfeld wurde immer weiter ausgedehnt, immer neue Aerzte und Organisationen wurden herangezogen. 15 aufklärende Schriften in zusammen 267 000 Exemplaren wurden verbreitet, davon % allein in Rußland. Große Wirkung hatten die AufklärnngSplakate, sowie die populären medizinischen Kurse. Jetzt wurden 15 Serien Lichtbilder mit jüdischen Aufschriften für die Aufklärungsarbeit vorbereitet. sowie ein medizinisch-hygienlsdies Wandermuseum. Eine stetige Ausdehnung erfährt die Arbeit in den ehemaligen russischen lllandstaaten. Innerhalb der Zentralverwalmng in Berlin wurde eine statistische Kommission sowie ein'Fonds zur Herausgabe eines wissenschaftlichen Ionrnals gegründet. Der Bevollmächtigte der „Ose" in Rußland, Dr. M. Gran, erstattete ein Referat über die Tätigkeit der „Ose" in Rußland. aus dem hervorgeht: Ende 1922 wurde die unterbrochene Ose-Arbcit wieder ausgenommen. Die Arbeit wurde meist in den von großen jüdischen Massen bewohnten Gegenden durchgeführt, wo die Hungersnot und die Katastrophen am meisten gewütet hatten. Bon Februar 1923 bis April 1924 wurden 10 Spitäler, 15 Kinderheime, 9 Ambulatorien. 5 Polikliniken, 8 Sanatorien. 7 sanitäre Impfstellen gegen Typhus und Kolera, 4 Hauptdesinfektionspunkte, eine Gebäranstalt, ein Spielplatz. 21 medizinische uud drei Malaria-Stationen, im ganzen 80 Anstalten, eingerichtet. Diese Anstalten existieren in den Gouvernements Odessa, Jekaterinoslarv, Cherson, Balta und Perwomaisk. Große Aufmerksamkeit wurde den jüdischen landwirtschaftlichen Kolonien gewidmet. In den 10 Spitälern waren 2926 Patienten untergebracht mit zusammen 30169 Bettagen. In den Heimen wohnten 600 Kinder; in den Ambulatorien wurden 124 301 Kranke mit zusammen 300 589 Besuchen, in den Sanatorien 607 Kranke mit 33 132 Besuchen, in den Kinderstationen 27 611 Kranke mit 69 323 Besuchen, behandelt. 38 068 Impfungen wurden vorgenommen. Es wurden 124 743 Gegenstände desinfiziert und 200 450 Rezepte ausgegeben. Im ganzen wurden 156 348 Kranke mit 433 804 Besuchen behandelt. Die Ose-Arbeit wurde auf einem Gebiet mit einer jüdischen Bcvölkerungszahl von einer halben Million durchgeführt. Die Ausgaben, die zum Teil von Welthilfskonferenz, Südafrikanischem Komitee. War Victins Fund. Londoner ukrainische Föderation. Jca, Alliance, Joint u. a. bestritten wurden, betrugen über 100 000 Dollar. Ein kritisches Moment in der Arbeit war das plötzliche Aufhören der Scheidien seitens der Welthilfskonferenz. Die Welthilfskonserenz hat ferner ihre Delegation in Rußland angewiesen. die Osc-Tätigleit von ihrem offiziellen Abkommen mit der Sowjetmacht auszusdiließen. Es drohte deshalb die Gefahr, daß die Ose-Tätigkeit im ganzen aufhört. Nur dank dem energischen Druck der Zentralverwaltung und ihres Bevollmächtigten in Rußland, Dr. Gran, wurde diese Katastrophe vermieden. Die Verhältnisse der Juden in Rußland: die fortschreitende Deklassierung der jüdischen Bevölkerung, der wirtschaftliche Ruin, die Zunahme der Krankheiten, fordern kolossale Anstrengungen. Die Arbeit darf sich nicht auf die Ukraine beschränken, sondern muß alle Städte und Städtchen umfassen, wo Juden in größerer Gemeinschaft wohnen. Breslau: Tie Breslauer Bnei-Brith-Logon lasien sich die Unterstützung der wissenschaftlichen Arbeiten des Breslauer Seminars sehr angelegen sein. Die Lessing-Loge hat einen Betrag für wissenschaftliche Arbeiten der Dozenten gestiftet. Die Mannel-Joel-Loge hat für eine Preisarbeit eines Hörers einen „Manuel - Joel - Logenvreis" ausgeschrieben, ebenso hat die Heinrich Graetz-Loge einen „Heinrich-Graetz-Logenpreis" zur Verfügung gestellt. Diese beiden Preise werden erstmalig am 27. Januar 1925 zur Verteilung kommen. Das Kuratorium des Seminars hat den Plan gefaßt. außer der jährlichen wissenschaftlichen Beilage zu den Jahresberichten des Seminars eine Schriftenreihe unter dem Namen: „Schriften des jüdisch-theologischen Seminars Fraenckelscher Stiftung zu Breslau" herausgegeben. Als erste Lieferung dieser „Schriften" wird demnäckist eine Arbeit des Dozenten Dr. Rabin „Fragmente aus der Geniza in Alt-Kairo" erscheinen. Interessant ist die neue Verbindung des Seminars mit der sephardischen Welt. Die Großgemeinden in Sofia und Saloniki bahnen durch die Entsendung von Spaniolen zur Ausbildung im Seminar eine neue jüdisckie Kulturgemeinschaft an. Die Gemeinde Saloniki hat sich verpflichtet, die Ausbildungskosten für drei Studierende der Theologie am Breslauer Seminar zu tragen. Breslau: Nach Neüaktionsschluß erfahren wir, daß am 10. d. M. der Mitbegründer des Liberalen Vereins der Synagogen-Gemeinde zu Breslau. Herr Alhert Hamburger, verstorben ist. Mit ihm verliert die liberale Bewegung, für die er sich stets mit aller Kraft einsetzte, einen ihrer treuesten Anhänger. Wir werden dem Verstorbenen ein treues Andenken bewahren. Bromberg: Am 15. September 1921 verstarb in einer Stadt in Pensylvanien lBereinigte Staaten) eine Frau Lena Cohen. Sie hinterließ testamentarisch 100 006 Dollar für unbemittelte Juden in Bromberg (Distrikt Posen) unbestimmte, daß der Magistrat zu Bromberg Kurator der Stiftung sein soll. Für seine Mühewaltung sollte der Magistrat die Bildergalerie der Verstorbenen erhalten. Nunmehr hat der Magistrat die Uebernahme des Kuratorenamtes mit der Begründung abgelehnt, daß es in Bromberg keine unbemittelten Juden gäbe. In Wirklichkeit existieren in Bromberg trotz der starken jüdischen Abwanderung infolge der antisemitischen Schikane mehrere unterstützungsbedürftige Juden. Nachdem das Innenministerium den Beschluß des Vrombcrger Magistrats sanktionierte, beschloß die jüdische Gemeinde Brombergs, ihren Präsidenten Herrn Dudor nach Amerika zu entsenden, der dort die Angelegenheit klären soll. Dar»ftadt: Vor einigen Tagen verstarb hier tn jungen Jahren Rabbiner Dr. Nathan Cahn, ew Sohn des bekannten Fuldaer Rabbiners Cahn. Dr. Nathan Cahn hatte erst vor kurzer Zeit alS Nachfolger beS, verstorbenen Rabbiners Dr. Moses Marx de« Rabbinerposten in Darmstaöt angetreten. . . Göttingen: Vor kurzem wurde in Göttingen ern Regimentstag mit Denkmalseinweihung des 61. Neserve-Jnfanterte-Regiments abgehalten. Da einige jüdische Frontsoldaten Mitglieder der Einundneunziger find und einige Juden dieses Regiments auf Sem Felde gefalle« sind, ließ auch die Göttinger Ortsgruppe des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten einen Kranz vor das Denkmal nieöerlegen. In der folgenden Nacht wurde der Kranz heruntergerissen und in der unflätigsten Weise behandelt. Der Täter ist nach einigen Tagen verhaftet worden. Hannover. Nach dem Tode des Landrabbiners Dr. Gronemann blieb das Landrabbinat für die Bezirke Hannover und Lüneburg länger als 6 Jahre unbesetzt. Neben den politischen Umwandlungen bot die größte Schwierigkeit die Bestimmung des Gesetzes, daß die Synagogen-Gemeinde Hannover drei Kandidaten Vorschlägen mutzte, von denen die Gemeinden der Provinz einen zu wählen hatten. Da für die Synagogen-Gemeinde Hannover die Wahl eines anderen als ihres langjährigen Orisrabbiners Dr. Freund, der schon 18 Jahre amtierte, untunlich erschien, richtete sie ein Gesuch an den Minister, sie von dieser Bestimmung zu befreien. Fast alle Gmeinden hatten sich diesem Anträge angcschlossen und so genehmigte der Minister die Präsentation des Dr. Freund als einzigen Kandidaten, der am 3. September d. I. von den Vertretern der Gemeinden zum Landrabbiner gewählt wurde. Köln: Der im Ruhestand lebende erste Kantor der hiesigen Synagogengemeinde. Herr I. Blumenthal, verstarb kurz vor Vvllenduna seines 80. Lebensjahres. Die Kölnische Zeitung" widmet ihm einen Nachruf, in dem es heißt: „Mit ihm wird eine Künstlernatur von ungewöhnlicher gesanglicher. musikalischer wie kompositorischer Begabung zu Grabe getragen. Aus Rußland stammend, folgte er früh seiner Sehnsucht nach Deutschland, wo er breitere Entfaltungsmöglichkeit seiner Fähigkeiten und reicher« Anregung für seine nach Betätigung drängende Begabung erhoffte. Nur kurze Zeit hielt es ihn in Schwedt a. d. O., dann — es war im Jahre 1875 — folgte er dem ehrenvollen Ruf der Kölner Synagogengemeinde als Kantor an der Synagoge in der Glockengasse. Schnell gewann ihm auch hier sein seelenvoller Vortrag die Liebe und Verehrung der Gemeinde. Zahlreich sind seine Kompositionen, di« er zur Verherrlichung des Gottesdienstes geschaffen. Die Wertsdiätzung, der er sich erfreute, beschränkte sich aber keineswegs auf den Kreis seiner engern Gemeinde, auch der Müsikmetropole Köln war er kein Fremder. In den Gürzenichkonzcrten unter Hiller, Wüllner und im Kölner Männergcsangverein war er stets ein gern gehörter Solosänger." Leipzig: Der in weitesten Kreisen bekannte deutsche Rabbiner und Gelehrte Prof. Dr. N. Porges ist in Würzburg. wo er im Ruhestand lebte, gestorben. Dr. Porges stammte aus Proßnitz in Mähren und war ein Schüler des jüdisch-theologischen Seminars in Breslau, das er im Jahre 1869 mit dem Rabbiner-Diplom verließ. Er war nacheinander Rabbiner in Rakel a. Netze. Mannheim. Pilsen. Karlsbad und — seit 1888 — in Leipzig. Seine Schriften, die zumeist in der „Revue des Etudes Juiives", in der „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums", in der „Zeitschrift für hebräische Bibliographie" und im „Zentralblatt für das Bibliothekswesen" erschienen sind, behandeln eine Anzahl wissenschaftlicher Fragen der verschiedensten Art. Besonders bekannt geworden sind seine beiden Arbeiten über die Berbal-Stammbildung in den semitischen Sprachen' (Wien 1835) und über „Bibelkunde und Babelfunde" (Leipzig 1903). Dr. Porges war als Bibliophile bekannt. Seine ungemein wertvolle Bibliothek ist vor ganz kurzer Zeit erst in den Besitz des Verlages B. Harz übergegangen. Von jüdisch-wissenschaftlicher Seite ist wiederholt der dringende Wunsch ausgesprochen worden, daß sie als Ganzes erhalten bleiben möge. Am Sonntag, den 81. August, fand die Beisetzung des früheren Rabbiners der Leipziger israelitischen Religionsgemeinde, Herrn Prof. Dr. Nathan Porges. auf dem hiesigen Friedhofe statt. Nach einleitendem Gesang des Synagogenchores und Gebet des Herrn Hauptkantvrs Lampe! zeichnete Herr Gemeinderabbiner Dr. Goldmann in einer von tiefer Verehrung getragenen Gedenkrede das Gesamtbild des Amtsvorgängers. Für die Religionsgemeiude widmete der Vorsteher Herr Carl Goldschmidt dem Heimgegangenen herzliche Worte der Dankbarkeit, denen innige persönliche Beziehungen zwischen feinem Elternhaufe und dem Hause Porges eine besonders warme Note verliehen. Herr Rabbiner Dr. Carlebach würdigte trotz seines abnoooocxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx* Liberaler Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Verlin Bezkrksgruppe Norden. Montag, den 15. September 1924, pünktlich 7% Uhr: Versammlung im Auerbachschen Waisenhaus, Schönhauser Allee 162. Tagesordnung: 1. Rabbiner Dr. G o t t s ch a l k : Erneuerung. (Zum 100. Geburtstag Moritz Lazarus'). 2. Dr. Max Mayer: Die Ueberwinduug des Jndifserentisums. 3. Freie Aussprache. Der Borstand. I. H. Fallender-, 1. Vorsitzender Bezirksgruppe Moabit-Hansaviertel. Mittwoch, den 17. September 1924, abends pünktlich 8 Uhr, im Cafs Gärtner, Holsteiner Ufer 27/28 (Am Bahnhof Bellevue). Tagesordnung: 1. Generalsekretär Dickmann: Die Bedeutung der bevorstehende« Landesverbands- Wahle». 2. Rabbiner Dr. Lewkowttz: Religion «ud Politik im liberalen Judentum. 3. Freie Aussprache. Mitglieder. Freunde und Interessenten sind zu beiden Veranstaltungen herzlichst eingeladen. Der Vorstand, tz.«.: Martin Bert«. 1. Vorsitzender

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.