Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 4 (1924)
- Issue
- 30 (5.9.1924)
- Date
- 1924-09-05
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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scheu. Schädigung oder gar Tod KeS MinbeS durch Nachblutung ist etu Lkunsifehler, der dem Operateur -ur Last Mt. Die geschilderten Maßncchmen nehme» der BeschneidungSoperativ« jegliche Gefährlichkeit. Ja. e» ist bemerkenswert, daß auch die subjektiven Beschwerden der Kinder recht gering sind und ebenso die objektiv nachweisbare» Störungen deS Allgemeinbefindens. Die Kinder sind in de» erste» Stunde» — ie nach Temperament und Schmee seinvs'inbkichieit einige oder mehrere Stunden etwas »»«chig. manche speien (wohl eine Folge des manchmal im Uebermatz zngeffsthrten Alkohols) am Tage der Operation. Dste Nahrungsaufnahme ist in der Regel schon am Abend des OperativuStageS, spätesten» am nächste« Tage wieder normal. der Wnvbvevlauf ist fieberfrei und — eine sehr VemerbenAwerte Tatsache — der GewichtSanstieg ist auch in der Beschneidungswoche dann ungestört, wenn sonstige störende Ursachen fehlen. SS ist zweifellos, daß di« Gefährlichkeit einer kunstgerecht auSgeführten veschneibung, minimal oder praktisch über-aupr nicht vorhanden ist. Und jeder Objektive wird zugeben müssen, daß Gefahren der Beschnetdung nicht Grund M sthrer Unterlassung sein dürfen. Die ärztlichen Mvhelim. die Herrn Kollege« Earo an dieser Stelle erwidert haben, sind etnstinmü« der gleichen Ansicht. E» scheint mir aber, alS ob nicht immer &e von den hier S» Worte gekommenen ärztliche« Mohelim geforderten' BorsichtSmaßnahmen dnrchgeführt würden. Und es ist das unbestreitbar und sehr hohe Verdienst des Herrn Kollegen Caro, daß er auf solche MitzstSnde, die den vielen Abertaafevden Inden heiligen Ritus diskreditieren und in seinem Bestände gefährden können, mit allem Nachdruck hin gewiesen hat. Ich selbst habe vor einigen Jahren als Zuschauer einer Beschnetdung beigewohnt, die noch in der Erinnerung ein Schauern in mir auslöst: eine zwar beträchtftche manuelle Geschicklichkeit, aber ein derartiges komplettes Fehlen jeglicher, auch der primitivsten AsepstS, daß eS mir heut noch unverständlich ist, aus welchen Gründen eine Infektion nicht eingetreten ist. Auch sind die in der neueren medizinischen Literatur nicdergelejiten nachweisbaren VeschneidungSschäden lz. B. wurden in einem Berliner Krankenhaus vor kurzem zwei Uebertraguugcu von Dnberkulvse ans die Neschncidunaswnnde beobachten nur durch etu unfaßbares und strafbares Verschulden de- Mohel zu erklären sin den beiden augesübr'.en ,vf:Uctt Au-, saugen der Wunde mit dem Munde durch den tuberkulösen Mohel). Hier den Hobe! unserer Bemühungen anrusetzen, erscheint mir Pfltchr aller ärztlichen Mobelim und aller auder Erhaltung des Beschneidnngsritus iutercisierien Juden. Wir können als pflichtbewußte Meuscheu nur dann für die Erhaltung dieses Brauches eintreten, wenn wir ihn durch unser eigenes Handeln und durch unsere Eirnvirkung auf andere zu einer ges-ahrlosen Operation gestalten. WaS an praktischer Arbeit zunächst nottut, ist folgendes: 1 Eine auf Umfrage bei Aerzten gegründete Feststellung von etnwandsfcei nachweisbaren Schädigungen ldirekte, indirekte) der Beschnei düng, Feststellung der Borsichtsmaßnahmen, die bei Beschneidungen von ärztlicher und nichtärztlicher Seite im allgemeinen geübt werden, st. Aufstellung von Richtlinien, die von ärztlicher Seite als notwendig erachtet werden, um die VcschncidnngSopcration zu einer gefahrlosen zu gestalten. 8. Einwirkung auf die Genwinden um Durchführung von Maßnahmen, durch welche die Jnnehaltung der unter 2 geforderten Richtlinien garantiert wird. Eine aus Aerzten und Laien sich freibildende Kommission könnte unter Mithilfe und Atorisation einer der grossen Mischen Organisationen (z. B. des Preußischen Landesverbandes oder deS D. I. Gemeindebnudes) diese Arbeit Wernehmen. Bei geeigneter Zusammensetzung und bei Förderung ihrer Arbeiten und ihrer Autorität durch die Gemeinden würde ihrem Votum und ihren Bestrebungen der Erfolg nicht versagt bleiben. MS oberster Grundsatz für die technische Durchführung der rituellen BeschneUmng hat aber zu gelten, daß sich der REt»» den ärztlichen Erfordernissen unterzuordnen hat. Denn eS ist ein alter Sah der jüdischen Religionslehre, daß die Uebung von Rcligionsgesetzen nicht zum Schaden für Leben und Gesundheit werden darf. Auch für die Uebung de» Rituals gilt die sriprema lex jeder ärztlichen Tätigkeit, da» Nil nocere. Dt, west. H. Nothmann- Be rlin. II Den vorstehenden Ausführungen des Herrn Kollegen Nothmann kann ich in ihren Grundgedanken nur beipflichten. Wie ich immer wieder betont habe, habe ich nie daran gedacht, diejenigen, die ans religiöser Ucberzeugnng an der Beschneidung festlmlieu, hiervon abzubri-rgerr, rvolil aber lag mir daran, jene anderen, die sie ans „Gewohnheit", aus sogenannter Pietät oder ans hngienistben Gründen vornehme« lassen, auf die möglichen Gefahren hinMweifen, nachdem SanitätSrat Lcibholz gerade für diese Kreise die Neschneidung aus bogieusichen Gründen propagiert und hierdurch den Anlaß zu der ganzen Diskussion gegeben hatte. Für die erste Gruppe ist ja eine Propaganda gar nicht erst nötig. AN liberaler Jrrde m-uß ich mich aber ganz entschieden gegen die Bemerkung wenden, daß für dieieuigen. die ich gerade im Auge habe, hie Beschneidung das vorletzte Band ist. das sie mit dem Judentum verbindet, und das sie für ihre Vornahme vor ihrem atheistischen" oder „unjüdischen" Gewissen eine ärztlich verbrämte Begründung suchen. Wer bezüglich der Beschnetdung ans einem anderen Standpunkt als Herr Kollege Nothmann steht, ist deshalb noch lange nicht rrnistdifch oder Atheist, das glaube ich in meinem Artikel in Nr. J9 dieser Zeitung hinreichend bewiesen zu haben (vielleicht hat Herr Notbmann die Worte aber gar nicht so gemeint, wie man sie anffaffen kann). In rein ärztlicher Hinsicht habe ich meinen Ausführungen in Sen Nummern 17. 19 und 21 dieser Zeitung eigentlich nichts h in zu zn fügen, möchte aber noch einmal betonen, daß mir zwar der Vergleich mit dem berühmten Ziegelstein nicht Miwtrefße« scheint, -atz man aber selbst (fte „Dachsteingefahr" nnr dann auf sich nehmen soll, wenn ideelle Gründe für die Befchnevmna maßgebend stich. — hier -tamve ich Herrn Kollegen Nothmann doch richtig verstanden zn haben, der sich in Bezug auf die GefährltchVett -es Eingriffs zwar auch auf -ie Herren Winter und Fleischer beruft, sich von ihnen aber -och scharf insofern unterscheidet. als er dtze Operaiüan aus ^nichtideelleM' Gründen able-rrt. Den Satz: „BlutnngSgesahr und Infektton lassen sich mit einer an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit vermeiden" kann ich mit der in Nr. 21 gemachten Einschränkung allenfalls dann gelten lassen, wenn die Operation nicht mehr in der heute auch von Aerzten noch vielfach geübten „reinrttuellen" Form, sondern in -er von den Herren Winter. Fleischer und Nothmann angegebenen Weife auSgeführt wird. Ich freue mich, daß -Herr Kollege Nothmann die von mir (in Nr. 19 und 21) gestellten Forderungen nach einer Umfrage über Beschncidnngsschäden und nach Aufstellung und Durchsiihruna von Richtlinien zu ihrer Verhütung ausgenommen hat. In welcher Weise diese Forderungen in die Tal umgesetzt werden können, muß aber erst in einem engeren Kreis von Sachverständigen beraten werden, bevor die Fragen im einzelnen in der Oeffentlichkeit erörtert werden können. Dr. Alfred Caro. Einiges über den jüdischen Religionsunterricht. Religionsunterricht — ein schwieriges Problem. Im Grunde fällt die religiöse Erziehung dem Ellernhause zu. Das Hau» erfüllt häufig seine Pflichten nicht, kann sie nicht erfülle»» so tritt die Schule ergänzend hinzu durch den Religionsunterricht. Hier stocke» wir schon, denn Religion kann und soll nicht „verschütt" werden. Religion ist kein Wissen, sondern Erleben. Es handelt sich aber darum, einen Boden zu gewinnen, um das Seelenleben des Kindes für religiöse Regungen empfänglich zu machen. Nur nicht viel Worte, viel Raisvnnieren. viel Spekulieren B. über die Eigenschaften GvttrS: e» ist sehr gefährlich, die Weisheit GotteS darin zu erkennen, daß sie im Pelze der Tiere gerade da zwei Löcher vorgesehen, wo die Augen stehen. Wir halten es auch für verfehlt. Hie schon an sich naive biblische Erzählung von den ersten Menschen im Paradies noch naiver zn gestalten — das Kindliche wird dann ins Kindische gewandelt. In aller Kürze hier nur „Richtlinien" für den Religionsunterricht, der dem Schüler die Grundlage für eine einheitliche Welt- und Lebcnsanschauung vermitteln soll: ihre Ausgestaltung ist ein Lebenswerk. Das nächste Ziel der religiösen Erziehung ist die Reinigung der Vorstellungen und Begriffe des Kindes von Gott, dem Unendlichen, und durch diesen Weg die Weckung und Belebung der Frömmigkeit, alsdann weiter Einführung in das Verständnis unserer Religionsgemeinschaft, ihrer religiösen Schätze usw. Zweifellos ist ziF Erreichung dieser Ziele am allcrwichtigsten — die Lehrerpersönlichkeit. Sie muß gesinnnngstttchtig und für den Beruf begeistert sein. Der Thorajünaer, sagen unsere Weisen, der nicht ist. was er scheint, ist ein Greuel. Sic sagen: tauchau k'worau, die Sprache muß Ausdruck seiner Gesinnung lein. Der Schüler erfühlt instinktiv das Wesen des Lehrero. In einem trefflichen Schriitchen (Religion und O'r' Leipzig 1910) äußert sich Professor Volkelt: „Das . e i'nncrifiiic aber besteht darin, daß der ReligivnSlchrer s i < -.nies religiöser. Erleben tu die verwerteten Stoffe einurew.ep lasse", muß. Er muß viel in sich haben, woraus er religiös schöpfen kann und nruß imstande sein, seine religiösen Innensttzätze in Haltung, Sprache „nd Worten zum Ausdruck zu bringen. Er unG sich religiös ansschließen können." Das find herrliche und unanta Worte. Also, der Lehrer muß mit : c i u e m akte heg/.bt sein und unermüdlich an seiner ii*i an u t ml.ni (5 :ite schwere Gerautworlang trägt dc r ' i ~ er rt >. 'dore Rabbiner Dr. Immanuel Pcato zittert in seinem Werkchen Kunst oder Schablone in n'c-i" n'c n i ousgesctz. Hamburg 1012. das Wort > dc Pii ntech nei'övt der schlechte Religion'-! learer v' s " . r t t die Hölle, nicht der ungläubige ' ' Datch u tg allen und geschmacklosen Unterricht ist ocr lli i ,i »Tu n. stt worden. Wir sägen hinzu, mag er von orihooorcr vocr liberaler Seite erfolgen. Orthodoxes Gebaren!,nn uusiminder dem Unglauben znstcnern wie lio ili >tmi fuj■ rr der Lehrerpersönlichkeit zeigt sich ln c r °> i' hl Verteilung und Behandlung des Lehrst" l Al ^UGarat >är den gesamten st-eligivnsunterricht lvnnnt die Gbluche und nachbiblische Geschichte in Betraust. Bon crziel'licner Sledentung ist die Betrachtung edler Vorfahren, n.wdurch sittliches und r c l i<g i ö f e 8 Leben geweckt wird. Der Schwerpunkt liegt in dem erbaulichen Moment. Es tut der Erhabenheit der Bibel keinen Abbruch, wenn der Lehrer den Standpunkt vertritt, daß der Schöpfungsbericht. das Paradies, die Sintflut und der Turmbau zu Babel in das Reich der Sage und Mvthe zn verweisen sind. Wad hindert uns. alles Historische historisch, alles Sagenhafte alS Sage, alle-- Unvollkommene als unvollkommen darzustellcn — der Charakter der heilige» Schrift bleibt bestehen. In der pädagogischen Welt herrschen über diesen Punkt die widerstreiteudstcn Auffassungen. Wenn die Parole ausgegeben wird, daß für die Schule nnr pädagogische Gesichtspunkte maßgebend fein dürfen und der theologisch-dogwaiische Staudzuttlkt mehr oder weniger unberücksichtigt bleiben muß, so ist eS interessant, die Stimme eines besonnenen und seiusinnigen Schulmannes. deS j Gothaer Seminardirektors Witzwann, zn vernehmen, der ansdrückcklich erklärt: „Gerade die Pädagogik muß vorsichtig sein und darf nicht nach dem billigen Rnlnn streben, immer das stdeneste vom Tage zu bieten: ja, ich scheue mich nicht, es auszusprechen, sie muß mit vollem Bewußtem hinter der Wissenschaft ein gemessenes Stück zu rück bl eiben, sonst ist die Gefahr, der wissenschaftlichen Mode zn verfallen, gar zn groß." Vtan mag sich zn dieser Auffassung stellen, wie man will, jedonfgsls muß sich der Lehrer vor jeglichem Radikalismus. jeglicher -stilderstiienierei buten. In die Unterklassen gehört keine Kritik, geschweige striiitastcrci. In den Oberklassen — zumal höherer Schulen — läßt sich die .Kritik nicht vermelden, denn die geistig reisen Schüler drängen dazu. Da heißt cs Farbe bekennen: Hic Rhodus, hic s^lta. Der orthodoxe Lehrer wird auf seinem Insptrationsglauben verharren, de»- libcralgesinnte ihn verwerfen: mährend dieser den EntwicklungSgedanken auch auf religiösem Gebiete anerkennt. wird ersterer ihn verneinen. Immer wieder muß betont werden, daß die Bibel ei« Religions- und Erbanttngkchuch. kein naturwissenschaftliches ist. VergegrrvwärGgrn wir uns z. B. nur, daß die Thora in der Schöpfungsgeschichte Festland. Pflanzenwelt und das Meer vor der Sonne geschaffen sein läßt! Samson Raphael Hirsch bemerkt hierzu in seinem Pentateuch kommcntar: „Licht des ersten Ta-geS erhält am vierten Träger nnd dadurch erst vollends diejenige Stellung zur Erde, die seine Einwirkrtng auf die Entwicklung (von uns gesperrt!) rmd das Leben -er Erde bedingt." Um sittliches und religiöses Leben zu gewinnen, ist nichts förderlicher als die Darstellung des Prophetismus. der -as ureigenste Eigentum der jüdischen Religionsgemeinschaft ist. Leider noch immer Stiefkind in jüdischen Schulen. Unerläßlich bleibt die Behandlung der Psalmen. Eine ausgezeichnete Einführung in die Psalmen Vietet öaS Bnch („Palmen") turn Dr. Spanier-Berlin. Am zweckentsprechendsten ist natürlich die Beyemdlung tm Urtext. _ Heber den Unterricht im Hebräischen MB« eänmal. Dr. M. Gp«»4«r-M«g-eV«r». Jüdische Elternschaft und Antisemitismus. Die ausgezeichneten Ausführungen -es Oberprimaners M. S. in der Nummer 27 der Zeitung geben mir erneut Lieranlassung, die Frage anznschnetden. wie weit die jüdische Elternschaft mitschnldig ist. daß die jndenseindliche Bewegung in den Schulen so groß geworden ist! — Die vom früheren Kultusminister Harnisch geschaffenen Elternbeträte gaben -er jüdischen Elternschaft tm Jahre 1920 die erste Möglichkeit, nun auch ihrerseits geeignete Kräfte tu den Elternbeirat zn senden, um aufklärend und abwehrend zu wirken' Es bedurfte damals der allergrößten Anstrengnnaen der iüdischcn Organisationen aller Richtungen, irm beispielsweise von Schulen mit 60—100 jüdischen Mndern — 6—8 Elterupaare in Me betreffenden Versammlungen zu bekommen, die natürlich in ihrer kläglichen Sltinorität ohne jeden Einfluß auf Me rein-christlich-„uupolitischen Wahlen" bliebenI — Noch viel kläglicher war -haS Interesse und die Beteiligung an den letzten Elternbeiratswablenl — In mehreren höheren Schulen Berlins bestand bas iüdische Versammlnngs-PnLlikum aus «ine« Elternpaar unter 200—300 A«wefenden. bet etwa 80, 40 «nd 50 jüdischen Schülern! — Wem» dem Schreiber dieses in der entscheidenden Eltern-Versammlung eines Berliner ReaL-Gymnastumö von dem nationalen (lies völlisclien) Leiter des Wahlansschps.es mit Ironie und Hohn die Frage oorgetegt wurde: ,^Ia. wo sind denn die jüdischen Eltern, die Ihre Kandidatur unterstützend. — s» mutzte er angesichts der totalen Abwesenheit der Eltern von 3 4 jüdischen S ch ü l e r n' sich darauf beschränken, die Rechtsfrage öor konfessionellen Parität <wenn auch erfolglos) ins Feld zu führen. Do ist manche Arbeit guter jü-öischcr Väter mctzlos verpufft, — weil sie von der g l e i ch a ü l t,i - gen jüdischen Elternschaft tm Stiche gelassen wurden! — Andererseits sahen in einigen Schulen jüdische Herren, die in zwei Jahren nie den Mund ansmachten. nm „nicht a u f z u f a l l e n". und wurden 1922 und erst recht 1924 von der christlichen Elternschaft nicht miedergewählt. weil die total indifferente jüdische Elternschaft für diese Herren auch nicht eintrat. — (^Man will sich nicht Herausstellen"!'.! Kam ein besonders krasser Angriff seitens der MüschiUer gegen den Sohn oder das Mädchen, vor, dann, — dann erst — erinnerte sich der botreffeude Vater des jüdischen Elternbeirats-'MitgliodeS, — resp. des Kandidaten, — der ihm nun aber nicht mehr helfen konnte, — weil er durch die u n g l a u b l t ch e^G l e i chg ü l t i g - keit der Eltern nicht wieöergewählt war! — Solange die jüdische Elternschaft glaubt, daß sie nicht nötig habe, — sich nm diese Dinge zu kümmern, — soll sie sich auch nicht über das Anschwcllen des Antisemitismus in den Schulen wundern! — Organisation und «D^Mplin sind noch in weiter Ferne!!! — Carl Beer-Frieöenan. Prinzipielles zum Fall Euchen. In Nummer 27 der „Jüdisch-liberalen Z'Äftmg" zieht Here Nechleanwait F o e r d e r-BrrSIau schneidig vom Leder, um die Aussührnngen, die Rudolf Euckeu über Me Iudeusrage verösseniNcht hatte, zu widerlegen. Auf cdie sachliche Seite seines Artikels braucht kaum ciugegangen zu werden, da die Beleuchtung der in Betracht kommenden F-ragcn. wie sie Herr Foerder gibt, jeder Originalität entbehrt. Sein 2'orwnrs Eucken gegenüber, dessen Ansicht über die Dreialiedernug >des modernen Deutschen Judentums finde sich schon bei tRanmann. sei also nicht originell (matz an sich rich!in ist. aber nur die Berechtigung dieser Theorie l'.stäligcn kann, da Euclcu zu dieser Erkenmtuis gauz-unast hängig von an mann gelaugt ist), gerät in ein eigenartiges 'cum ou wuchi der Tarmne. daß Herrn Foerdcrs Enige. n'.rng sich durchaus im Rahmen oft wiederholter nnd ebenso oft loiderl-.c 'erBehauptnugen hält, die man allerdings sonst nur von ausgesprochen zionistischer Seite zu hören gewohnt ist. Herrn FoerderS Stellung zum Zionismus, die vor einiger Z>cit Anlaß einer mehrstündigen erregten Debatte im Breslauer Vorstand des C. B. war, wird immer deutlicher. Man darf sich daher auch nicht wundern, wenn er den vielgehaßteu Führer der national deutschen Juden, Dr. Naumann, in übelster Art schmäht nnd keine Gelegenheit versäumt, das Wirten dieses Rtauues hevabzusetzen. Man kann zu dessen Bewegung stehen, wie mau will: ob es aber eine sachliche Debatte führen heißt, wenn man einem Gegner, dem es (vom Deutschtum nicht zn reden!) um die Erhaltung des Judentums mlttdestcus ebenso zn tun ist wie Herrn Foerder. denunziatorische Motive rmterschiebt, — diese Frage dürste nur Herr Foerder selbst bejahen. Sachlich fei zu der von diesem herangezogenen Erklärung deS „Verbandes nationaldeutscher Juden" bemerkt, daß die Annahme, der Passus: . Der Verband nationaldeutscher Jude« hofft und wünscht sehn liehst, daß .... de r Tag konnnen möge, an dem der nationaldeutsch gesinnte und eingefußte jüdische Deutsche als ein voUrvertiger Sohn des deutschen Vaterlandes angesehen wird, wie jeder nichtjüdische Deutsche" sei eine denunziatorische Anbiederung", schon deshalb völlig-abwegig ist, weil von seiten des „Verbandes nationaldeutscher Juden" stets betont wird, daß unter „nationaldeutschen Inden" nicht etioa nur VerbandSmitglicder zu verstehen sind, nein alle, denen deutsches Wesen nicht eine Summe von Milieueigzetheiten, sondern wesentlicher Teil der Persönlichkeit bedontet. Und daß nur diese Anspruch auf vollwertig« Gleichsetzuug mit den n i ch t j ü d i s ch e n wirklichen Deutschen, als Volksgenossen, nickst nur Staatsbürgern, haben, ist eben selbstverstäudlichcs nationales Postulat. Wenn Herr Foerder in dem oben flüchtig skizzierten Sinn sich selbst als rmtionaldeutsch bezeichnet, wie glücklicherweise ein sehr großer Teil des deutschen Judentums, so braucht er sich gegen obenstehende Er- > klnrnng nicht zu verwahren: gndcrnfglls muß er ihre Ausschließlichkeit mit gutem Recht gegen sich selbst wirken lassen. Noch einen Hinweis. Herr Foerder wirft Eucken Schlagworipolitik vor! Warirm? Nun wett Eucken eine Theorie von jüdischer Einordnung ins Deutschtum verttsttt, die Herrn Foerder nicht paßt. ES ist außerordeiitttch lobenswert, eine De-batte vom Schlagwort zur Sachlichkeit zn führen. Wie meisterhaft Herr Foerder das versteht, weiß .man sofort, wenn man über Dr. Naumann liest, er fCi eht „Bundesgenosse der Judengeguerschast" (d. h. EuckenS!) und versuche .chenuuziatorisch wirkende Aubicüeräug". Von Gucken sagt Herr Foerder nur er nehme eine« „ui ebrigenStan-pmrkt Sin und reiße Herrn Foerder fast (nämlich wenn Prof. Eucken nicht TVMrbg wäret, verzweifelt auszurufen ^Schnell fertig ist -ie Ingenmit dem Wort". Man stobt, «tue durchaaS vornan«, sachliche und jedes Schlagwortes bare KayrofeSTveife! Ach nein, Herr Recht? anwakt Foerder, Et uur Philosophen sollten dem Schlagwort nicht verfallen, — auch „wer die Schlagworte haßt", wi« Sie eS offenbar iw», sollte, sie wenigstens nicht gebrauchen, sonst ist Ser ganze Haß zwecklos. Zwar wird der ebenfalls Ihres Hasse» gewürdigte Naumann über Ihr liebevolles Gedenken nur lächeln, und auch tu Kückens wissenschaftliche Höhe wirb Ihr Angriff schwerk»ch pstrken, — wir aber, denen an einer Klärrtng brennenber Gegenwartsfragen und an der würdigen Stellung de- ItvbentmnS liegt, müssen ums dagegen wenden, -atz ei» Nichtjude. unb gar einer vom Range Gucken», bei feinem Versuch, sachlich tm jüdischen Frag« Stellung m nehme», ohne wevereS im „Jnd engegnerfchaft" gezikhtt wird mck einem ttefen Mangel an Sachlichkeit begegnet. Ihre AnSfühvungen in alle» Ehren, Herr Foerder (auch sie sind mk gesagt oft widerlegt), durch die A r t Ihrer DtskwsstonsführnÄg vereiteln Sie ümt praktisch wertvolle Aussprache. Ich will Et hoffen, daß Eucken nach diesen EZcchrmrgen «<rklich-en W«g m „Inbengegnerschaft" geht, — da» wäre etit Erfolg, den Weber Sie wünschen noch der gehaßte Nammnm: menschlich verständlich wäre eS d""-b- <mS, wenn nämlich die Verständigung zwischen Inden rmd Nichtjrrden so — geför-ert n»rd! Karl-Aolfgang Philipp-Halle. Werbt Neue Leser für die „Iüdlsch-liberale AeiLuüg"