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Jüdisch-liberale Zeitung · 1924-09-05 · 30 (5.9.1924) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
4 (1924)
Issue
30 (5.9.1924)
Date
1924-09-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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«fcfcntäteiaett Verrbügungen ver Gemein-e einen Nachruf, in dem «S hettzt: &dm ttto Httf-beoettfchaft «ch werktittiae Hilfelptstüu» Är Arme, BErfti-e. Kravte tmb Bedrückte, feine trostreiche Wirksamkeit für Trauernde und die innige Anteilnahme m f>em Leben mid den SchicksalSvorgängen aller unserer Gemeiudeangchürigen, an ihren Freude» und Lew«« Hai seine hervorragende Persönlichkeit mit unserer Gemeinde «nd ihren Mttgsiedev» i» der «vevcherdtgiken «eise verkettet. Seine erfolgreichen Bemlihungen um den öonfoMonellen Frieden in unserer Stadt und sein gutes Einvernehmen mit den Vertretern der anderen Religionsgemeinschaften, seine letdenscha-ftltthe Hingabe nicht nur für die Belange der deutschen FndenHeit, sondern auch namentlich des gesamten Deutschtums, haben ihm die Hohe Wertschätzung in den weitesten Kreisen unseres Vaterlandes zugesichert." BreSlau: Prokesior Dr. Michael Gutmauu vom jüttsch. cheoloattcheu Seminar in »re«« Hat ettve» Ruf cm das neu m irtokxnbt stidifch-miffenschafMche Fustttut tu Jerusalem erhalten. Wie verlautet, ist mit der Annahme der Berufung durch den Breslauer Gelehrten, der viele Fahre an dem LandeS-Rabbiuer-Semin»r in Budapest erfotgrrdch gewirkt Hat, m rechnen. BreSlau. Bon dem Vorsitzende» de» Do-enteuLvllegiumS da» jüdisch-theologischen Seminars i« Breslau geht uns solgend« Mitteilung *u: Fm Winter-Semester 1034/36 werden bei uns folgende Vorlesungen gehalten: Herr Seminar-Rabbiner Prof. Dr. Gnttmann (evtl. dessen Stellvertreters: 1. Talmud Febamoth sstat.). AuSgewählte Abschnitte (A): 2. Talmud Schbeuoth (6): 8. Dezifvren: Ivre Dea (A); 4.?lpo logetische Uebungen (A). Herr Dozent Dr. Heinemann: 1. Hebräische Grammatik, 3, Teil (Verbum): 2. Aramäische Lektüre: 3. Nascht zur Thora so): 4. Talmudische Uebungen (C); ß. Maimontdes Werke und LebeuSanschauung: 6. Uebungen: Die Anffastung des ReligivUsgesetzeS bei Len mittelalterlichen Ncligionsphilosophen: 7. Grundzlige einer jüdischen Homiletik. Herr Dozent Dr. Lewkowitz: 1. Die Grundlagen des Judentums und die Hauptrichtungen der Wertphilvsophie der Gegenwart: 2. Uebungen zn Scheler: Der Formalismus in der Ethik und die materiale Wcricthik: 3. Di? Religions- Philosophie der Nomantik: 4. Uebungen zu Schlcicrmacher: Reben über die Neligivn: 5. Geschichte des Christentums (Fortsetzung). Herr Dozent Dr. Nabin: 1. Bibelexegese: a) Hosea und Amos (A), l>) Sprüche (6), c) Die religiöse Ideenwelt der Propheten, d) Lektüre des Ncilbaa (A>, c) Die nordfranzösischen Bibelerklärer (Z): 2. Geschichte der Inden in Deutschland von der Zeit der Kreu.zzüge bis zum AuSgang des 80jährigen Krieges: 3. Historische Uebungen (Die Nesponsen als historische Quelle, Lesen von Handschriften): 4. Talmud scursorisch) Taanith (A). Ferner Hat Herr Rabbiner Dr. Simonsobn eine vier-! ständige Talmud-Vorlesung über Talmud: Baba gamma (Abteilung 6) übernommen. Das Wintersemester beginnt am 2. November: die Aufnahmeprüfung erfolgt am 20. und 30. Oktober 1024. Meldungen sind an den Vorsitzenden des Dv'.entcn-Koitegtums, Dr. Lcwkomih, Breslau l, Wallstr. 1!, zu richten. Alle Vorlesungen werden unentgeltlich gehalten. Den Studierenden aller Fakultäten steht cs frei, an einzelnen Vorlesungen teil zu nehmen. Es ist dazu die Anmeldung brim Vorsitzenden des Dozenten-Kollegiums und die Erlaubnis des betreffenden Dozenten erforderlich. Casiel. Zu den in letzter Zeit abgcbauten israelitischen Volksschulen wird sicherem Vernehmen nach auch die Schule ht Meimbressen gehören, deren Lehrer zum 1. Oktober zwangsweise in den vorläufigen Ruhestand versetzt werden sollen. — Ein seit mehreren Monaten bestehender Konfltkt zwischen Besuchern der Synagoge Roscnstrasie und dem Vorstand der Gemeinde hat in letzter Roche durch gütliche Einigung seinen Abschluß gefunden. Die Anstellung eines eigenen Kantors ist den Erstgenannten grundsätzlich zugebilligt worden. Graz. Auf dem zwischen dem 16. und 20. September hier ftattfindenden intecnationaGn Kongreß .»nr Bekämpfung des Mädchenhandels wird der Jüdische Frauenbund in Deutschland durch Frl. Pappeuheim und Frau Man oertreten sein. Arl. Pappenheim wird im Namen des jüdischen Frauenbundes besondere Anträge einbringen. Hagen. Vor dem hiesigen Schöffengericht fand am 28. August die Verhandlung gegen vier Angeklagte statt, die. wie wir bereits berichteten. Verwüstungen auf dem indischen Friedhof in Hagen-Eilve augerichtet hatten. Nach fünfstündiger Verhandlung verurteilte das Gericht den Fuhrmann Wilhelm de Haas zu sechs Jahren Zuchthaus und zehn Fahren Ehrverlust, die übrigen Angeklagten wurden zu Gefängnisstrafen von zwei, drei und vier Jahren verurteilt. Karlsruhe.. Der Obcrrat der badischen Israeliten hat zur Förderung der Beschäftigung mit pädagogischen Fragen ein Preisausschreiben über das Thema: «Die Verwertung der Ptrke Aboth im Unterricht zu apologetischen Zwecken" erlassen. Die Vearbeiter sollen sich mit den vielfach falschen und herabwürdigenden Darstellungen des jüdischen Glaubens «nd der Sittculehre bekannt machen und sic an der Hand einzelner Sätze aus den „Sprüchen der Väter" widerlegen. München. Die Sektion „Doncmlcmd" des Deutsch-Oesterreichischen Alpenvereins, die von der in Rosenhcim stattgefundenen ausierordentlichen Jahresversammlung des Alpenvereins zum Austritt aus dem Gesamtverein aufgefordert worden ist. hat eine außerordentliche Jahresversammlung der Mitglieder der Sektion einberufen, in welcher zu dem Beschluß des Alpenvereins Stellung genommen werden soll. TS kann schon setzt als feststehend betrachtet werden. Last die Sektion „Donauland" von ihren Rechten freiwillig nichts pretögeben und der Austriltsanfforderung nicht Nachkommen wird. Es verlautet, dasi Ende Oktober dieses Jahres in München eine ausierordentliche AlpenvereinS^Sersammlung tagen wird, dir den Ausschluß der GeMvu Donauland formell beschlicsien wird. Aus der Bewegung. Berlin. Zum Syndikus der Vereinigung für das liberale Judentum E. B. ist Dr. Max Mayer-Berlin berufe» worben. Dr. Mayer, -er selbst aus Süddeutschland starmnt, wird sich besonders die Propagierung unserer Ideen in Sttdöentschlanö angelegen sein lassen. Breslau. (Jüdisch-liberaler Fugendverein „Abraham Geiger). Am 16. August hatten wir in einer erweiterten BorstandWtzuna. die unser Vorsitzender Herr Dr. Korn leitete, die Freude Herrn Generalsekretär Egon Dickmann bet uns zu begrüßen. In sehr eingehender Aussprache erörterten wir alle einschlägigen Fragen für unsere Arbeit. Ein wütig mären wir der Ansicht, daß kleinere Gruppen zum engere» Zusammenschluß der arbeitenden Mitglieder drin- «nd nötig feien. An den liberalen Verein der Snnagoaen- Gemeinde gelangte eine Entschließung die Gemetndewahlen und engere Zusammenarbeit betreffend zur Annahme. Besonders dankbar waren wir für die vielseitigen Anregungen von Herrn Dickmann. An. der Aussprache beteiligten sich alle Vorstandsmitglieder. . Am 20. August trat in Durchführung der Vorstandsbeschlüfse ein Kreis geladener Mitglieder in der Wohnung unseres Vorstandsmitgliedes Frl. Frieda Karger, der wir auch an dieser Stelle herzlichst für ihre Gastfreundschaft danken, zum ersten Gruppenabend zusammen. Unser Mitglied Herr Hermann Sachs hielt einleitend ein tief durchdachtes Referat über den ErziclmngSgedankcn im Judentum. Wir möchten der Hoffnung Ausdruck geben, dasi Herr Sachs L-iefes Referat Ut größerem Kreise «deberholt. DaS vortrefflich zusarwmengefaßte Material wurde von Irl. Karger. die Liefe» Abend leitete, sehr wirkungsvoll ergänzt. Das Ergebnis -er Aussprache, a« -er fast alle Anwesende» teilnahmen, war die Begrünöurtg zweier Gruppen, zu denen sich sofort Teilnehmer einzeichueten. Gruppe I, die Erörterung religiös-wissenschaftlicher Fragen erstrebt, leitet Herr Sachs, Gruppe n zur Erörterung vv« TageSfraae» wählte zum Leiter Herrn Berger. Gruppe I nimmt att Lektüre die Lehren LeS IudeutumS Dritter Teil die sittlichen Pflichten der Gemeinschaft. Der zweite Gruppenabend findet bei unserem Mitglied Herrn Tichauer statt: für die wetteren Abende wird ein ständiger fester Raum bestimmt. Nähere Angaben sind ans dem BersaunNluNgskalewder ersichtlich. Zwecks Bildung weiterer Gruppen werden alle unsere Mitglieder schon, jetzt gebeten, sich an Frl. Karger, Klosterstr. 17 (Telefon Ring 772), zu wenden. Mit besonderer Freude begrüßten wir am ersten Gruppenabend die Anwesenheit und die überaus herzlichen Ausführungen von Herr» Rechtsanwalt Erich Spitz. Cassel. Am 26. August fand in Cassel eine Besprechung zum Zwecke der Gründung einer Ortsgruppe der Vereinigung für daß liberale Judentum statt, die zu eiuem vollen Erfolg führte. Sämtliche Teilnehmer traten der Deretnifluitft als Mitglieder bet. Der Vorstand der neu-gegründeten Ortsgruppe setzt sich folgendermaßen zusammen: Direktor Carl Gotthelst (1. Vorsitzender), Dr. Ernst Plaut. Fran Dr. Frieda Sichel, Dr Otto Heß, Leo Lazarus. Wir wünschen der neuen Ortsgvnppe, die schon in allernächster Zeit eine rührige Tätigkeit zu entfalten gedenkt, von Herzen Glück zn ihrer Arbeit. Möge ihre Tätigvett im Dienste unserer Bewegung zum Wohle der Gemeinde Cassel wie der gesamten deutschen Indenheit gereichen! Der jüdische Spredisaal. Kalendarium für die M vom 5. S. dt-13. S. September 1924 Freitag 5. Sonnabend 6. Sonntag Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Sonnabend «ul 8684 r etnL^M.—- ««(XmIu <T*ifi < wOOCIl'JwlWPttR «scgtutums (5. ». M. Kap. 16,18—2W Haftarah: Je'. r^. i?-28; 52,1—12 ■ WocheU-Abschuitt Ki siege (5. D. M. Kap. 21) Haftarah: Fes. 64. 1-10 . lieber Wert und Gefahren der Besdincidung. i. Wenn ich in dem Federkampse um den „Wert der Veschneidung und ihre Gefahren" das Wort ergreife, so habe ich den Kampf nach zwei Fronte,: zn führen. Ich möchte aber — ohne im Einzelnen gegen die anderen hier vertretenen Ansichten zu polemisieren — lediglich meinen Standpunkt darlegen. An die Spitze meiner AnSsiihrnngen möchte ich eine grundsätzliche Erklärung steilen: die traditionelle B e s ch n e i d n n g des jüdischen, acht Tage alten Knaben ist ein religiöser Nit u s oder, anders ansgedrückt, ein Volks branch. Ich halte cs daher für eine grundsätzlich falsche Einstelinng, den Versuch zu machen, einerseits diesen Ritus ärztlich-hngienisch zu begründen, wenn man für seine Beibehaltung cintriti, oder andererseits die Waffen für seine Bekämpfung ans dem ärztlich-hygienischen Arsenal zn holen, wenn man seine Ucürrng für überflüssig halt, wenn man in diesem Ritus keinen vom Standpunkt des Judentums ans erhaltenswerten Brauch erblickt. Wer seinen Sohn beschneiden lassen will, weil jahrtausendlang Inden diesen Ritus ansnoten, und weil er in der Erhaltung dieser Tradition irgendeinen religiösen, nationalen oder anderen „ideellen" Wert erkennt, möge cs ttm. Alle anderen aber, denen die „Form" keinen Inhalt mehr hat, mögen die Form zerschlagen. Sie mögen aber dann auch offen zngcbcn, dasi sie das Gesäß zerbrechen wollen, weil eS für sic ohne Inhalt ist, aber nicht sagen, dgsi das Gesäß gefährlich und gesundheitsschädlich ist. Soviel Grundsätzliches. Nun aber: Wie steht es mit dem prophylacttjchhygienischen Wert der Veschneidung? Ich kann einen allgcmAucn prophiGctisch-hngienischen Vorteil derjenigen Operation, die wir Acrzte Veschneidung nennen, nicht anerkennen, wenigstens nicht für das Klima unserer Breiten. Gewiß gibt es Zustände an dein Objekt der Beschneidung, die ans Gründen der Prophylaxe oder mehr noch zur Beseitigung von krankhaften Erscheinungen einen Eingriff erforderlich machen. Aber fast immer genügt ein unblutiger oder weniger eingreifender operativer Eingriff, als die völlige Entfernnna der Vorhaut. Niemals ist dieser Eingriff in dem zarten Alter von acht Tagen erforderlich. Und so selten ist überhaupt ein ärztlich wirklich begründeter Eingriff am männlichen Gliede erforderlich, dasi ans diesen — nach dem Übereinstimmenden Urteil von Chirurgen und Kinderärzten — Ausnahmccreigmssen niemals Gründe zur allgemeinen vorbeugenden operativen Entfernung der Vorhaut hergeleitct werden können. Ich weiß, dasi eine Anzahl Juden, die nur noch lose Zusammenhänge mit ihrer Gemeinschaft verknüpfen den VeschneidnngSritns — meist ohne jede Zeremonie, nur als operativen Eingriff — üben, weil sie dieses „vorletzte Band" zwischen sich und unserer Gemeinschaft zu lösen sich scheuen, aber für ihr Verhalten — gleichsam zur Nechtfertignng vor ihrem „atheistischen" oder „nnjstdischcn" Gewissen — eine ärztlich verbrämte Begründung suchen. Ich habe solchen Inden gegenüber nie einen He bl daraus aemacht. -an ich die Beschneidung als kein VorbengnngSmittel gegen Krankheiten anerkenne und habe, wenn von den Eltern trotzdem die prophylactische Operation von mir gefordert wurde, die Ausführung abgelchnt. Zusammenfassend möchte ich meinen Staudpunkt so formulieren: Kollektiv genommen, ist die Beschneidung des acht Tage alten jildiscben Knaben ein religiöser Ritus oder ein Bvlksbranch. Die Frage -er Beibehaltung oder Abschaffung dieses Brauches ist daher eine religiös-traditionelle oder volkstümliche (sit venia verbo!) Angelegenheit, also keine Sache praktischer Erwägungen, daher nur vom „ideellen" Standpunkt auS zn lösen. Die ärztliche Wisiensrhaft und Praxis sind aber nicht befugt, von sich aus und mit Gründen, die aus ihrem Erfahrungsgebiet hergeleitct sind, auf diese Frage Entscheidung auszuüben. Es gibt aber mrßerdem keine -er ärztlichen Erfahrung entstammenden Gründe, die für Ausführung einer generellen Entfernung der Vorhaut. wie sie das BeschneidungSrituale vvrfchreibt, sprechen. Der Wert der Beschneidung ist also ein rein ideeller. Ganz anders aber stebt es mit der Frage der Gefahre n der Beschnetdung. Hier dte Antwort zu geben, sind dt« ärztliche Wisienschaft und ihre Vertreter berufen. Die Formel welche daL Thema der Gefahren der Beschneidung umfaßt, lautet: Die Beschnei düng (als Einzelhandlung) ist eine chirurgische Operation und alS solche vrtt alle» den Stcherunge» m umgeben, Be die ärztttche Wisienschaft fltr jeden Mngrtff am menschlichen Körper fordert und bieten kann. Werden alle diese Sicherungen getroffen. dann ist die Gefahr, bei der Beschneiduna zu Schaden (selbst nur vorübergehenden) zu kommen, nicht größer, als auf den Straßen einer gepflegten Großstadt von eiuem heradfallendeu Dachstein getroffen zu werden. Dte geforderten Sicherungen erstrecken sich erste»- auf den nenskvorenen Knaben. Ich verlange, daß das Ktnd MUNd geboren und gesund geblieben ist. Erkrankungen, die' auf den Uebcrtritt des Kindes vom Mutterschoß ins Leven zurückzusühren stnd (z. B. Gelbsucht, Nabelerkrankungen) oder interkurrente Erkrankungen sind für mich Lbenso Grund, die Beschneiduna abzulehnen, wie mangelnde Lebensfähigkeit bei der Geburt oder Entwicklungsstörunge», die sich erst nachher eingestellt haben. Ich verlange also ein Mindestgebnrtsgcwicht von etwa sechs Pfund, daS am achten Tage nicht wesentlich unterschritten sei« darf. FrVerhafte Bildungen des Knaben, die die Allgemeinentwickluug stören können, oder solche (lokaler oder allgemeiner Art), die eine erhebliche Erschwerung der Operatton bedingen, sind ebenfalls Grund zur Ablehnuna der Operation lz. B, Herzfehler, Wolfsrachen n. a.). Alle diese Eventualitäten (und die gleich noch zu besprechenden), die die Ausführung der Veschneidung verbieten, sind durch ärztliche besonders darauf gerichtete Ilntersnchung auszuschließen. Die ärztliche Untersuchung entscheidet also letzten Endes — und in jedem Falle —. ob und wann die Operation ohne Gefahr statthaft ist. Eine zweite Gruppe von Sicherungen betrifft die Familie des Knaben und die Umgebung. Das Kind darf auS keiner 'Blirterfamilic st.inimen, oie Nnlgebnng muß frei von solchcil ansteckenden Erkrankungen sein, deren Uebcrtragung auf das Kind möglich und gefährlich wäre (z. V. gewisse Wnnderkrankungen, Scharlach. Diphtherie nsw.). Eine gewisse Gesahrengnelle bedeutet nun zweifelsohne dre Anwesenheit der Gemeinde, des „Minian". Und es ist — theoretisch wenigstens — nicht ganz leicht, diese Infekttonsguelle völlig zu verstopfen. Die Anwesenheit zahlreicher Menschen im Straßenanzug, der durch sie verursachte Staub usw. sind gewiß höchst unerwünschte Begleitumstände einer Operation. Es ist aber nicht nötig, diese Gefahren z« übertreiben und außerdem möglich, sie praktisch auszufchalten. Ich lasse die Beschneidung, wo es irgend möglich ist, nicht in dem Zimmer vornehmen, in dem sich vorher die Gäste versammelt hatten. Ich mache vor allem etnen ^Zaun" zwischen den Ritus und seine Ausführung: ich beschneide den Knaben nicht' auf dem Schoße des Sandeck, wie bisher üblich, sondern auf wei^- gcdecktem Tische, gehalten von einer weißgekleideten Pflegeperson, so daß zwischen Wunde und den als Infektionsquelle möglichen Zuschauern ein Zwischenraum von mindestens etwa zwet Metern liegt, der praktisch genügt, um Keime, die von den Zuschauern stammen konnten?vom Kinde feruzuhaltcn. Das Minjau lasse ich erst im letzten Augenblick ins Zimmer kommen, so dasi eine den Heilnngsverlauf störende Staubentwicklnng praktisch wohl gleichfalls ausgeschlossen ist. Man vergesse nicht. — dem Ueberängstlichen sei cs gesagt —. das; die durch die Beschneidung gesetzte Wunde kaum länger als einige Sekunden mit der Luft in Berührung ist. Es müßten also schon ungewöhnlich giftige, von der Znschauerschast verstreute (und bei Gesunden im allgemeinen nicht vorhandene) Keime sein, die in dieser kurzen Zeit eine Infektion der Wunde herbeisühren. In der Tat fürchte ich diese Insektionsgelegenheit nicht. Die dritte Gruppe von Sicherungen betrifft den Oper atcnr. Ich sage absichtlich nicht „Mohcl", um auszudrücken, dasi das Wesen der Veschneidung Operation gerade in bezug auf die aussührcnde Persönlichkeit in erster Linie zu stehen habe. ES ist selbstverständlich, daß wir alS ausführende Persönlichkeit einen Fachmenschen fordern müffen. der mit der Technik so völlig vertraut ist, das; die regelrechte Ausführung auch dann gewährleistet ist, wenn sich irgendwelche unvorhergesehene Zwischcnsälle ergeben, der auch die Nachbehandlung und ihre Abweichungen zu leiten tmstande ist: der auch etwa durch die Operatton bedingte Allgemeinstörungen zu erkennen und zu behandeln imstande ist. Zur Technik rechne ich selbstverständlich die AfcpsiS. Ich unterschreibe völlig den Satz: B ln t u n g s g e f ah r und Infektion der Wunde lassen sich mit einer an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit vermeiden. Ich darf mich bei Erörterung der „Afepsis" eine Weile aarfhalte». Instrumente werden auf die übliche Weise keimfrei gemacht, selbstverständlich an Ort und Stelle. Ich laste sogar daS Messer kochen. Verbandmaterial wird nur keimfrei verwendet. Für die Erzielung der jkeimfreiheit der Hände hat der Operateur den gleichen Spielraum wie jeder Chirurg, d. h. es bleibt ihm übeclaffen, ob er nur die bei Chirurgen üblichen RettckgungSmethodeu anwenden oder darüber hinaus noch mit Gummihandschuhen operieren will. Aber jedenfalls muß er auch darauf achten, daß seine .Hände nicht durch unmittelbar voranaegangene Berührung mit hoch virulenten 5-etmev (z. B. eitrige» Wunden, Wundrosen, Scharlach ufw.) zum KednrtrSger werde» dürfen. Nicht unerwähnt bleiben fall, daß auch das Operationsfeld desinfiziert werden kann und soll. Ein gut abschließender Verband — der felbstverständlich sofort im Aufchlvtz an die Operatton und nicht erst nach Mfolvierung der rttueüeu Gebete — angelegt wird, verhindert für die Dauer seiner Existenz — in der Regel drei Tage — Sie postoperattve Infektton der Wunde. Ebensolche Sorgfalt ist der Blutstillung zuzuwenden. Dazu gehört eimnal iht Vermeidung der Beschneidung bei Kindern, bei denen man von vornherein stärkere Vluttmg erwarten darf: also z. V. Kindern aus Vluterfamilien, herzkranken» stark gelbsüchtigen Kindern, und ferner die eigentliche Stillung der Blutrmg. Sie gelingt in jedem Falle mühelos. Eine Nachblutung ist bei sorgst'iltiger primärer Blutstillung zu vermeiden. Ist aber durch einen unglückliü>en Zufall wirklich mal eine cingetretcn, so ist auch diese 'bei regelrechtem Verhalten in Kürze zu beherr-

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