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Jüdisch-liberale Zeitung · 1924-09-05 · 30 (5.9.1924) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
4 (1924)
Issue
30 (5.9.1924)
Date
1924-09-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Aller «uL neuer Glaube. «ne Attnwua« «ra m tte. -nsjsa* ssersf sw sä g&Sffl SU*'«KM y* Mtet Mch^-N jenem Artikel SteLra M «ehme«. Ich komme diesem Wnufche nach, wermgleG ich »Eeh« «ntz. -atz W «tx miöew «tf dasGevtat -er Polenrtl »Ah begebe. zumal wen« eS sich um Gegner handelt. £22* *m.tobtet BcWe, Mc sie schreiben, anmerkt. -atz ihre LZernttht.oder wentgstenS Nicht allein von rein fachlicher »AffLMUg -Wert kft. sondern wett mehr von etusetttgem da^rtHanEuvS und aareffkver «KmeSart. **J£ JS1*?™ Jf*** Kr auch der Mau» m ft* 8?E»,^-er «S ömv sicheren Bersteck -er Pseudonyrnttät (Ben Boruch) so leicht und schnell gleich za persönlich belei- «Senden ««tzerungeu sich ausschwingt. Doch LaS will ich zunächst «kf stch bergen lassen und auf -ie Sache selber ein. ftch«. um derentwillen allein ich mich zu einer Entgegnung «ffc» h<che. Und da will ich bemerken, -atz ich in einem!^-rm Berfasfer vollkommen recht gebe: in seinem ® ^kuMch darauf, daß dir Propheten nicht blotz den rdienst, sondern jeglichen Kultus überhaupt wie Sabhai-, FesteSfeter mrd Gottesdienst verwerfen, sofern das Mt Mttlvsem Handeln Hand in Hund geht. Den« sie e r- «»rin einem rechtiSüVrtnt* Tun: sofern dieses vorhanden, tz» a«ler Lntzerer Kultus für sie überflüssig, »ub sofern eS nicht vorhanden, ist er in ihren?*45« gefährlich, weil er so leicht Sen Menschen zu Le« Wahne verleitet, in ihm einen Ersatz der Ethik zu er- «tcken oder einen Ausgleich unethischer Handlungsweise. Daist -er eigentlich prophetische Standpunkt und «e geringen Ausnahmen, die sich da finden und auf eine Wertung anch des Kultus Wert zu legen scheinen, bestätigen nur die Regel, über die unter Btbelkundigen überhaupt kein Zweifel obwalten dürfte. Man kann wohl darüber streiten, ob die prophetische Auffassung die allein berechtigte ist. aber nicht darüber, daß sie von allen kultischen Formen und Feiern nichts hielten und mit aller Leidenschaft gegen sie eiferten, wo „amen waazarah" Festversammlung sich mit Unrecht paart und die blutbefleckte Hand mit der zum Gebet erhobenen. Man kann wohl Ezechiel als Gegenbeweis anführen, ober man darf nicht vergessen^ datz dieser gewiß sehr verdienstvolle Mann mehr Priester als Prophet oder wenigstens daeine so sehr wie das andere war. Die reine Provheti« kann garnicht anders, als den höchsten Gotte-Üienst i« reinen Menschendienst erblicke«, wie es zahllose Stellen formuliert haben, z. B. die allbekannte im ersten Jesaia-Kapitel: Gewöhnt euch, Gutes zu tun. fördert das Recht, stehet bei der Vergowalttgiett, sprechet recht der Waise, nehmet euch »der Witwe an. Doch auf Mese Frage wollte ich in meiner Betrachtung über «Alte «nd neue Heimat" überhaupt nicht etngehen, sondern unr aus die Tatsache Hinweisen, datz der alte Tempeldienst unwiderbringlich dahin ist. nicht etwa, weil schon Me Prophet« dagegen eiferten — das ist nun einmal nicht wegz»leugne«, aber ste haben ja gegen so manches geeifert, was sich doch behauptet hat — sondern weil er und zwar von allen Parteien innerlich überwunden ist. Ich träte keiner Partei im Judentum, auch der reaktionärsten Orchvdorie nicht, das Verlangen zu, ihren synagogalen Kulteft mit dem alten Opfer-Ritual zu vertauschen. Wenn wtrk- Sch ihr Herz daran hinge, so hätte sie schon längst damit Ernst mache« könne«, so wäre schon längst in Jerusalem die Möglichkeit gegeben, einen Altar zn errichten, aus dem das Aut der Lämmer und der Böcke in Strömen flösse. Aber auch Me Orthodoxie hält an der prophetischen Verheißung datz der Ver» Zion stch durch etwas anderes auszeichnen , nämlich durch ein* GotteSlehre und Gotteserkenntnis. -J der einst Me ganze Erde überströmen soll, wie Wasser 9m Meeresgrund bedecket. Wen« aber Ben Boruch meint: «Die Behauptung, daß die Propheten stch gegen de» OpferMenst ausgesprochen habe», entstammt der protestantisch-theologischen Schule", so m Las eine kühue Behauptung, die durch die prophetische Literatur selbst am besten widerlegt Mrd. denn sie wimmelt von Stelle», die nichts von Opfern wissen wollen. Ja einige gehe« sogar i« ihrer Abneigung gegen das ganze Opferwesen soweit, daß sie der ganzen mosaischen Neberlieferung widersprechen, indem sie behaupten, daß Gott nicht einmalt,den Tagen der Wüstenzeit von Israel Oq»fre verlangt habe. (Vgl. AmoS 8L6 und Jer. 7,22.) Nein, nicht blotz die Kirchenväter, sondern schon die altjüMfche» Erklärer weisen treffend darauf hin, Satz sogar das dritte Buch Mose, das sich fast ausschließlich gerade mit dem Opterwesen beschäftigt, nicht mit einem «Du sollst, sondern mit einem «Wenn" beginnt: Wenn jemand von euch dem Ewtgen ein Opfer darbringen will, so bringet eure Opfer tot vom Vieh, vom Rindvieh, wie vom Kleinvieh." Dieses «Wenn" ist in der Tat sehr bedeutungsvoll, ich möchte sagen rutsche tdend und Mt Recht hat darum «Nb ein Maimonides daraus gefolgert, Satz selbst der mosaische Opferkultnnicht gefordert, sondern nur zugelasseu ist, und zwar, so können wir sagen, alS eine Konzession an de» Zeitgeist, an daS im Volke noch allzutief wur- -ettbe Heidentum, das nicht «tf einmal mit Stumpf und Sttel auSgerottrt. sondern nur allmählich bekämpft und überwunden werde» konnte und in diesem Punkte have» wir wirklich eS endgültig und völlig überwunden, sogar so sehr, datz selbst wenn tausend Propheten-Sprüche Mt derselben Wucht nnd Unbedingiheit für das Opfer einträten. wie fle in Wirklichkeit sich gegen dasselbe wenden, anch Mose «nd die Propheten nicht imstande wären, eS in uns wieder lebendig zu machen. Um wieviel weniger wird eS einem Ben Boruch gelingen, nns dazu zu bekehren. Darin freilich hat er recht, daß die Propheten nicht de« Kultus als solchen und zwar jeglichen — obwohl gewiß auch ste «inen Wertunterschted zwischen Tierschlachtung und andächtigem Gebet zugeven würde« — sondern nur den Mißbrauch bekämpft haben, aber er verkennt daS Wesen der Prophetie, weil er nicht ihr innerstes Motiv bei diesem Kampfe durchschaut, datz nämlich für sie der Kultus *o ipso nt H dieser Gefahr des Mißbrauchs verknüpft ist. weil nämlich der Mensch allzu sehr geneigt ist, ihn alS Selbstzweck zu üben und zu betrachten, gleichviel, um welche Formen, ob priMtive oder fortgeschrittene, es sich dabei handelt. Und ich bin überzeugt, daß auch der schönste moderne Kultus keine Gnade vor ihren Augen finden würde, j a, j e schöner, desto weniger, weil Me Schönheit den Menschen noch mehr dazu verführt, in ihm sekber schon ein gottgefälliges Werk zu erblicken, das uns von anderen Pflichten entbindet. Sie würden oft genug in die gewaltigen Worte des gewaltigen Amos ausbrechen: „Ich hasse, ich verachte eure Feste und bann eure Feiertage nicht riechen — hinweg von Mr mvt dem Geplärre eurer Lieder, und VaS Gespiel «rer Harfe» mag ich nicht höre», cvb^r daS Recht hoLr sprühe kumleW aff er und die Gmechttgckett mk ew wmi versiegender Bach", IkuS den fttwiwift tbttz Wie men wu m mm mat wwiwn ituuucu jwjyticm rechtfertige», antworten «Kr. datz Mr in diesem Pmckte ndcht Mt dm Propheten übereinstimmen, L. h. Satz nach unserer Anffaffuna die Religion nicht, wie auch Saut will und meint, in Ethik ansgeht, sonder» datz sie »och et» übriges enthält, was ich das TranSceudevte oder meine-' wegen anch das Mystische nenne» möchte «nd waS de» schwachm Sterblichen, die ia nicht all« Propheten sein können, nur durch äußeren Kult«- vermittelt, veranschaulicht und nähe gebracht werden kann. Mer freilich, zum alten Opferdienste werden Mr niemals zurückkehren, und hier bleibt es bei dem Worte, das der La lm»L selber geprägt hat: Mit dem Tempel fiel zugleich eine eiserne Mauer zwischen Gott und Israel, und bei dem zwar paradox klingenden, aber überaus treffenden Ausspruch Har nackS: «Die Zerstörung desTempelS dnrch die Römer zerstörte in Wahrheit nichts" logt. Mission «nd Ausbreitung des Christentums S. 8). Und darum haben Me größten jüMschen Weisen, w. z. B. ein Rabbi Jochanan Ben Saecai und Rabbi. Akiba stÄ über seinen Verlust zu trösten gowutzt mit jenem Ausspruch des Hosea, der ein ganzes Programm in sich schließt und Me propchetisch-psalmistiche Anschauungsweise am besten und kürzesten Medergibt: «Liebe verlange ich. aber keine Opfer und Gotteserkenntnis ist mehr wert, als Ganzopfer". Und die heutigen Zionisten werden sicherlich viel Besseres nnd Wichtigeres und Dringenderes zu tun haben, als wie die ehemals aus dem babylonischen Exil heimkehrenden Juden an die Wiederausrichtuna des alten Tempelkultus zu denken und heranzugehen. Dieser Fortschritt der Zeiten, der allen Parteien gemeinsam, läßt sich nie und nimmer rückgängig machen, wenn auch noch so viele mit einer falschen Romantik spielen und liebäugeln mögen. Und darum hat Ben Boruch kein Recht, mir Vorzuhalten, daß ich mich für befugt halte, int Namen aller Parteien zu sprechen. Ich weiß sehr wohl, daß ich nur als Vertreter der Reform das Wort hier nehmen kann, aber ich weiß auch, daß ich mich immer bemüht habe, auch andern Richtungen gerecht zn werden. nnd abweichende Anschauungen verstehen zu lernen. Und so erkläre ich ganz offen, daß ich, obwohl 27 Jahre im Dienste der Reform-Gemeinde stehend, das Reform-Prinzip nicht für das Allheilmittel des Judentums halte, nicht für die allein berechtigte nnd allein seligmachende Richtung, und das sage ich nicht bloß hier bei dieser Gelegenheit, sondern das habe ich auch in meiner gedruckt vorliegenden Jubilünmsrede zum 78jährigen Bestehen der Resormgemeinde mit ausdrücklichen Worten klar und deutlich ausgesprochen. Sie ist für einen nicht geringen und nicht den schlechtesten Teil der FndenHeit eine, j a d 11 einzige Möglichkeit, im angestammten Glauben zu verharren, aber ich selber weiß sehr wohl auch die Werte z» schätzen, die in dem traditionellen Kultus stecken, ich weiß auch, daß in Bezug auf Opferkultus kein Unterschied besteht zwischen der Ideologie der Reform und den anderen Richtungen, daß die religiös-moralische Indifferenz desselben ein von allen Parteien ohne Ausnahme und Unterschied wenigstens stillschweigend und innerlich anerkanntes nnd angenommenes Grundprinzip ist. Wenn Ben Boruch stch darin außerhalb stellt, so ist das seine Sache, das wird so wenig an den Tatsachen ändern, wie die spärlichen Stellen der Prophetenschriften, die für einen Opferdienst zu sprechen scheinen. Und nun zum Schluß zu dem Punkt, aus dem der Verfasser mir den schwersten Vorwurf macht, datz ich nämlich unvollständig zitiere m*& datz dadurch das angeführte Wort in seiner Wirkung einer Fälschung gleichkonnnt. Uebrigens meint er auch, daß ich teilweise nicht richtig übersetze, nun, die Uebersetzung stammt aus Kautzsch: ich gebe zu. daß die Zuntz'sche in diesem Falle schöner klingt, aber durch«ns richtig ist auch die von Kautzsch. Doch das sind Lappalien. Wie aber darf man gleich mit Worten wie Fälschung um sich werfen!! Hier möchte ich den Verfasser, der übrigens zu glauben scheint, daß die Orthodoxie allein alles religiöse Wissen gepachtet habe, so daß für die armen Reformer und Liberalen nichts übrig geblieben ist, cm seine eigenen Worte erinnern, daß Opfer, Feste und Gebet kein Freibrief sein dürfen für fehlende Lauterkeit der Gesinnung und mangelnde Rechtschaffenheit des Handelns. Natürlich will ich öaMt nicht sagen, daß ich auch nur im geringsten an der Rechtschaffenheit seiner Hand lungsweise zweifle, sondern nur. daß der strengste Gesetzescifer auch dafür kein Freibrief sein darf, den Parteigegner, statt sachlich zu bekämpfen, persönlich anzugreifen, ja datz er erst recht den Menschen anleiten soll, vorsichtig zu sein in der Wahl seiner Worte, die vielleicht in diesem Falle garnicht so schlimm gemeint waren, aber schlimm klingen. Selbstverständlich habe ich die Auslassung im Zitate nur vorgenommen, teils der Kürze wegen, teils weil die d u r ch Punkte angedeuteteu Sätze für meine Betrachtung garnicht inS Gewicht ftelen, denn ich wollte nicht vom Kultus im Allgemeinen, sondern speziell vom Opferdienste sprechen und daraus, datzdieProphetenauchdenandern Gottesdienst bekämpfen, folgt noch lange nicht, Satz ste den Opferkultus für Frömmigkeit halten. Ein Wunder, Saß der Verfasser nicht auch mein Eingangszttat als eine Fälschung hinstellt, Sen,» auch den, 137. Psalm habe ich nur unvollständig angeführt. Doch, wie gesagt, ich will es hier nur als lapsus lingtiae gelten lassen, um so schärfer aber mutz ich Mm in der Sache widersprechen» über die ich hier natürlich nur ganz flüchtige Andeutungen machen konnte, Me, wen» sie vielleicht ebenfalls dem Ben Boruch nicht durch Originalität nnd Tiefe ausgezeichnet erscheinen, doch vielleicht das Gute haben könnten, unbefangene Leser von meiner, nein nicht von meiner, sondern der allgemein angenommenen These zu überzeugen, daß Me wahren Propheten nichtvom Opfer- Menste wissen wollten, so wenig Me vom Bilderdienste. Aus den Gemeinden. Berlin. Vor dem großen Schöffengericht Berlin-Mitte fand am 28. August der Prozeß gegen die Polizeibeamten statt, die stch bei den Novemberunruhen an Mitgliedern -eS Reichsbunöes iüdischer Frontsoldaten vergriffen hatten. Den angeklagten Wachtmeistern Maroinkowitz, B-unke und Schreiber werden Mißhandlungen zur Last gelegt, während stch Hauptmann Dubbe und Oberwachtmeister Domei 'der Beleidigung schuldig gemacht haben sollen. Die Zeugen bekunden, datz sie durch Faustschlage, Kolbenstötze unh Fußtritte Mßhandelt worden seien und gehört haben. Me Mre Kameraden von Schutzpolizeibeamten beschimpft wurden. Dasselbe bekunden auch christliche Zeuge». StaatsauwaUschaftsrat BurcharM erklärte, datz das Bild der Verhandlung beschämeud und bedauerlich sei. Es ftche feü. datz Me Besäe« t» schamlosester «Sette vo» der Polizei Mtzhandev morde» seien. BrdcmernSwert fei Mre Feigheit, dies nicht etnzugestehen. Die Angeklagten hätten an» Freude an roher Betätigung und aus antisemitischem Hang ihren Gerüste» freien Sauf gelassen. E, beantragt Gefängnis und Geldstrafen. Spät am Rachmtttaa wnrde da» Urteil verbündet: Unter. Wachtmeister vwrke wurde a» drei Monaten Gefängnis verurteilt. antzerdem wurde ihm für drei Jahre das Recht aberkannt. ein öffentliches AM zu bekleiden. OVerwachtmetster Domei wurde zu einer Geldstrafe von 200 Mark verurteilt. PolizeMauptmarm DuVbe «ch Nnterwachtmeister MarctnkeMtz wurde» freigefprochen. Gegen den abwesenden Wachtmeister Schreiber Mrd in einem späteren Zeitpunkt verhandelt werden. „ , Dem Urteil schickte AmtSgertchtSrat Dr. Feldbahn folgende bemerkenswerte Begründung voraus: Bezüglich der allgemeinen Würdigung deS Sachverhalteist das Gericht der gleichen Auffassung wie der Staatsanwalt, im übrigen ist das Gericht -er Meinung, -atz diejenige« Angeklagten. gegen die nur ein Belastungszeuge vorhanden ist, freigefprochen werden müßten, da bei der damaligen allgemeinen großen Erregung ein Irrtum in dem Bereich der Möglichkeit liege. Aus diesem Grunde wurden die Angeklagten Dubbe und Marcinkewitz freigesprochen. Anders liegt es bei den anderen Angeklagten, Domet und Bunke, die durch mehrere Zeugen belastet siuld. Domei hat tu hochgradiger Erregung gehandelt, und deshalb ist kein Anlaß gegeben, ihn zu einer Gefängnisstrafe zu verurteilen. Das Gericht hat 200 Mark Geldstrafe bei ihm als ausreichend angesehen. Anders liegt es dagegen bei dem Angeklagten Bunke, der auss schwerste die Festgenommenen mißhandelt hat. Bei ihm habe man auf drei Monate Gefängnis erkannt, außerdem ist ihm die Fähigkeit, öffentliche Aemter zu bekleiden, auf die Dauer von drei Jahren abgesprorhen worden, Berlin. Am 29. August verstarb der vortragettde Rat im Preußischen Finanzministerium, Ministerialrat Dr. Otto Jöhlinger. Mit Jöhlinger, der lei-der nur ein Alter von 40 Jahren erreicht hat, ist ein außerordentlich begabter und erfolgreicher Schriftsteller öahingegangen. Er erwarb sich in -er Journalistik schon während feiner akademischen Ausbildrmg eine Mrenöe Stellung. Neben seiner redaktionellen Tätigkeit ging seine Arbeit als Dozent am orientalischen Seminar der Universität, wo er über Kolonialpokittk las, und wo er das Seminar für Zeitrtngswissenschaft als eines der ersten dieser Art begründete. In jüdischen Kreisen ist Jöhlinger, der dem Vorstand des Verbandes nattougl-deulscher Juden angehörte, besonders als Verfasser der vielbeachteten Schrift «Bismarck und die Juden" bekannt geworden, in welcher die Bestrebimgen völkischer Kreise. BiSnvarck als Judenfeind für sich zu rekla- Meren. ad absttrdmn geführt werden. Berlin. Wir haben allen Grund, dem Retchsbund jüdischer Frontsoldaten dankbar S« sein, denn Mm war eS gelungen, alle jüdischen Durn- und Sportvereine zu einem eindrucksvollen Sportfest zn vereinigen. Der gute Zweck, dem die Veranstaltung diente — der Schaffung eines Sportplatzes für alle jüdischen Verbände — hatte ziemlich große Massen auf den Kampfplatz gelockt, die sich auch durch manchen Regenschauer nicht davon abhalten ließen, den verschiedenen Wüjte kämpfen zuzuschauen. Wenn sich auch nnr veretuzett erstklassige Resultate ergaben, so zeigte doch daS Überaus reichhaltige Programm, datz Sie jüdische Jugend auf allen Gebieten des Turnens und Sportes ihren Man« stellt, ob eS sich da trat leichtathletische Box-, Jiu-Jitsu- oder Fechtkämpfe handelt. Hervorzuheben ist. daß der Bar-Kochb a-Berlin das beste Material von allen jüdischen Sportvereinen bat, fo daß er auch die Mehrzahl der Konkurrenzen an sich bringen konnte. Freilich fehlten manche jüdischen Mitglieder unserer paritätischen Sportvereine lSCC. und BSC. usw.j. Die beste Leistung war das 100 Meter-GntscheidnngSlaufen, das Freund lR. j. F. Cassel) gegen G i m m e n - a u e r lBar-Kochba-Verlin) in 11,1 Sekunden gewann. Im 400 Meter-Lauf konnte der favorittsterte Trenmann lBar- Kochba-Berrin) Gunz lK. C.) um 10Meter schlagen. Ebenso entschied er für seinen Verein das 4 mal 100 Meter-Rennen, in dem der K. C. allerdings nur knapp geschlagen wurde. Eine Uevcrraschung brachte die 8 mal 1000 Meter-Staffel: hier konnte der ausgezeichnet laufende zweite Mann der zweiten Mannschaft des Bar-Kochba-Gerliu Cohen, den führenden Vertreter der ersten Mannschaft überholen und sich einen solchen Vorsprung sichern, daß Ernst Simon, der Schlußmann der ersten Mannschaft, den Kameraden von der zweiten Mannschaft nicht mehr etnholen konnte. Den Weitsprung gewann Ludwig vom R. s. F. mtt der guten Leistung von 6,19 Meter. Daß anch unsere Damen beachtliches leisten, zeigte besonders der Sieg von AnSbach iTurnverein 05) im 100 Meter-Lauf in 14,3 Sekunden. Bon den Boxkämpfen war der von Weiß kt nd (Maccabi) gegen Nußbanm (Cassel) am eindrucksvollsten; ersterer gewann. Illles in allem hat die Veranstaltung davon Zeugnis abgelegt, daß wahrer Sportgeist i« jüdischen Kreisen rege ist. Es ist anzunehmen, daß alle jüdische« Jugendveretue nun mit doppetter Kraft an der Ertüchttgrma unserer Jugend arbeiten werde». Die Ergebnisse: 10 0 M e t e r, D a m e n: 1. Ansbach (T. D. 05) 14,8 Sek.» 2. Skinski 14,8 Sek. Weitsprung: 1. Ludwig (R. j. F. Berlin) 6,19 Meter. 2. Hellermann (K. I. V.) 6,06 Meter. 1600Meter.Jugend:!. Nesselrokh (Bar-Kochba-Berlin) 4,88 Min. 1600 Meter, offen: 1. Cohen (Bar-Kochba- Berliu) 4.33 Min., 2. Auerbach (Dar-Kochba-Berlin) 4,38,2 Min. 4 mal 100 Meter Dame »--Staffel: 1. Bar-Kochba I 69,6 Sek., 2. Bar-Kochba II. 100 Meter, offen (Entscheidung): 1. Freund (R. j. F. Cassel) tu Sek., 2. Simmenauer (Bar-Kochba) 11,2 Sek., 3. Hellermann (K. I. D.) 11,8 Sek. Kugelstoßen: 1. Wolff (R. j. F. Neustettin) SM Meter. 3. Manuel (N. t. F. Köln) 9 Meter, 3. Gunz (K. C.) 8,92 Meter. 400 Meter, offen (Endlanf): 1. Treumann (Bar-Kochba) 83,8 Sek., 2. Gunz (K. C.) 55 Sek. 8 mal 200 Meter-Staffel für Jugend: 1. Haboab-Essen 1 Min. 17,6 Sek. (Die zuerst arvMkommene Bar-Kochba-Staffel mutzte disgualffiziert werden). 8 mal 1000 Meter-Staffel: 1. Bar-Kochba, N. Mannschaft 8 Min. 43 Sek., 2. Bar-Kochba, I. Mannschaft. 50 Meter zurück 3. K. I. B. weiter 30 Meter zurück. 4 mal 100 Meter- Staffel (Endlauf): t Var-Kochba 47,1 Sek., 2. K. 6- 47,3 Sek. Benthe«: Am Sonntag, den 81, August, verschied plötzlich in Bad Nauheim, wo er zur Erholung weilte, tm Aller vom 68 Jahren Oberrabbiner Dr. Kopfstein, der 36 Jahre lang in der hiesigen Gemeinde tätig war. Der Vorstand und das Repräsentanten-Kollegium der Synagogen-Gemeinde in Beuthen O.-S, widmet ihm gbvichzeMa im Staate» aller ge» %

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