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Jüdisch-liberale Zeitung · 1924-08-29 · 29 (29.8.1924) · page 7

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
4 (1924)
Issue
29 (29.8.1924)
Date
1924-08-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Der jüdische SpredisaaL Die sogenannten Indifferenten. Ich nehme an, -ah mtt den Aufsätzen -er Herren Gompertz-Bocholt in Nmnmer 24 und Rechtsanwalt Stern in Nr. 2b der «Aüdisch-ltberaleu Zettnns" die DMussiv» über meine in Nr. 23 dieses Blattes erschienene Replik Jüx Rudolph Gucken" wohl als abgeschloffe» gelten kamr. Damit ist meine Stellungnahme m den mir gemachten Dorhwlttrnigen notwendig geworden. Solange die Judenfrage ungelöst ist (und daß ste ungelöst ist. bestreiten weder Gompertz noch Stern). W eS für uns Pflicht der Ehre, Gebot der SeDstachtung und potttifcheS Erfordernis, ihr die allergrösste Aufmerksamkeit zuzmoende«. Wir müssen alle Kräfte, alle Waffen des Geistes einstellen in den Kampf, den man uns bereitet, nm ihn ehrenvoll M bestehen und die Achtung und Anerkennung unserer Volksgenossen uns m verdienen, die man so lange schon unS vor. enthält. Wenn Sie, Herr Stern, Ahr Vaterland Heben rrnd was in ihm ist, so darf Ahnen die Wertschätzung, die man Ihnen entgegenbringt, nicht gleichgülttg sein. Auch Sie find ein winziges Teilchen feines SeinS, das einmal als Geschichte dem Welturteil unterliegen wirb. Go ist eS Ihre Pflicht, ganz wahr m sein und ganz die Wahrheit zu verbreiten, damit sie erkannt werde und man einst keinen Flecken finde im Buche, das von unserem deutschen Volke berichtet. — Denn nur das böswillige Verharren im Irrtum ist sträflich. Undeutsch ist es. sich dem Kampfe — unserem Kampfe für me Wahrheit — zu entziehen, „unabkömmlich" zu sein, „zurückgestcllt" zur Lösung religiöser Spezialfragen. Mir scheint, Herr Stern, daß die Lösung religiöser Fragen sehr wahrscheinlich von der Lösung der Judenfrage abhängig wenden wird. Unmöglich können jene Strömungen Ihrer Aufmerksamkeit entgangen sein, die dahin zielen, die jüdischen Deutschen endgültig völliger Knechtschaft anheimzugeben. Würden Sic in solchem Falle überhaupt noch den Mut und die Ruhe guten Gewissenhaben, angesichts Ihrer in Fesseln des Körpers und des Geistes wandelnden Glaubensgenossen, Bibel und Talmud ihren letzten, verborgenen Sinn zu entreißen? Werden Sie damit die Hungernden speisen, den Vertriebeueu Dtzdach, den BeschästigungSlosen Arbeit, den Unfreien Freiheit gelten können? Und welche.Antwort hätten Sie alsdann für Ihre Kinder, wenn ste Sie fragen werden: Wo warst du, als deine Brüder sollst cm um Freiheit. Recht und Brat? — Dies vorweg. Der Tatbestand meiner Ansführnngen iss unbestreitbar. An last meiner Entgegnung an Euclcn >'.ar die Wiedergabe seiner mir bereitbetarun geuwstueu Aeusterungen in der hiesigen rechtsgerichteten „Schlesischen Zeitung". Die „Jii'd.- ltb. Zeitung" Ritte diese Aeußerung ohne Kommentar in Nr. 20 lauicndcn Jahrgängeihren Lesern nuterbrestet. Nichts aber regte sich darob im jüdischen Blätterwalde. Sie, Herr Stern, waren — zusillze Ihrer Anschauung — ja desinteressiert. Wo aber blieben Sie, Herr Gompertz, older groste Jenenser -tze'eln-ic im Felde erschien?! Sie standen von ohngeshhr ein. wenig eursernt und sahen zu, ein bisschen interessiert, aber so recht eigentlich innerlich unbeteiligt. Hernach aber kam a!s I h r e Tal die K rittst die mich „national indissereul" zu tteunen sich berechtigt hält. Jeder Nationaldeutsche, ja jeder Einsichtige wird mir Verstimmen, dass es unter meiner Würde sei, mich demgegenüber zu rechtfertigen. 22!ein Deutschtum wurzelt in der getreuen Erfüllung meiner Pflichten. Hierzu gehört, wahr zu sein vor meinem Baterlandc und meinen Volksgenossen, das Recht zu stüHan, das Unrecht aber zu beläurpsen, kurz — treu zu sein. Wie wenig, Herr Gompertz, aber sahen Sie! Wie unrichtig sind Ihre Beobachtungen, welch niederschmetternde Gewalt inncwohnt Ihrem „Proteste": Was an diesem oder jenem jüdischen Denlschcn man von dieser oder jener unschönen Eigenschaft entdeckt, daS, Herr Gompertz, wird nicht als aparte Einzelerscheinung gewertet, vielmehr der ganzen Gemeinschaft zur Last gelegt. Was dagegen die Gemeinschaft an guten Qualitäten ansznzeigcn hat, das wird nicht durch hie Lupe, sondern durch daS geschwärzte Glas betrachtet und bestensiisis — wenn überhaupt — dann nur als aparte Einzelerscheinung angesehen. — So sieht die Wahrheit ans. und dieses Verhakten ist schliesslich uichiö anderes als irregeleitetes Nationalbewusstsein etnet lower f#r grossen SOcht uafmr BEtzimoffm. Bau wanne» Ahnen die Erkenntnis kommt, dass ewe erschreckend grosse Anzahl Deutscher national indifferent fei, bleibt rätselhaft. Ach behaupte das Gegenteil und finde, toft gerade das fast etvmüttge nationale Empfinden, Selbstdeumtztfei» «vd trotziger Mut de» Gr«rdH«a deutscher Art ditdeu. ES wäre würrscheUdwert, daß dieseschöne deutsche SelbftvewuHtseiu und dieser kampfesfroche deutsche Mut, der aus dem RechtSbenmsstfei« entspringt, in den Rethen unserer Glaubensgenossen weniger latent bliebe, sondern Bekenner hervorbrüchte, denen die Wahrheit höher steht als Beifalls- oder MtßfallenSvote« Obrer Gegner und Freunde. Ich must es mir versagen, auf den ferneren Anhalt -eS Gompertzschen Artikels einzngehen. da dieser für die Behandlung der wir am Herzen liogertden Frage sachlich nicht genügend Anhaltspunkte bietet. Ein Mann vom Range Euckens ist mit Gedankensplitter» nicht abzutnn. Ach hätte in meinem Aussatze, alS ich von der Ablehnung der Mehrzahl unserer Volksgenossen sprach, hinzufügen sollen: bis sie zur Wahrheit sich bekannt und Wort und Tat danach eingestellt haben. Die Stellung -es deutschen Airöen zu seinem Baterlande und seinen wahrhaft deutsch gesinnten christlichen Volksgenossen ist die des Nnrbentschen. Seine nationale Gestnnung, die Loyalität seines StaatsbttrgcrtumS findet im Konfessionellen ge wist die beste Stütze, nirgends hingegen eine Schwächung. Der jüdische Deutsche liebt sein Vaterland und steht damit hinter seinen andersgläubigen Volksgenossen nicht zurück. Sind aber jene Verfechter des übelsten Antisemitismus überhaupt noch als Vertreter echten, wahrhaft deutschen Wesens?,n betrachten? Feigheit. Verlogenheit, Hinterlist und Niedertracht hatten nicht Raum in der Seele des germanischen Mannes, der für fremde Ehre wie für seine eigene mit klarem eindeutigen Worte und mit starker und gerechter Fan st eintrat, dem Bedrängten bcisprang im Getümmel, den Verleumder aber schwersten Strafen unterwarf. Das war deutsch, und — dem Himmel sei Dank — es ist noch deutsch. Die Träger solcher Gesinnung sind und bleiben unsere deutschen "Brüder, mit denen in einer Linie wir marschieren, mit denen und für die wir kämpfen und — wenn es daraus ankvnnni — auch zu sterben ivisscn werden. Jene aber, ivc mich bekämnseu, in nur ihren Todfeind sehen, midi null er Ausnahmegesetze stellen wollen, unsere heiligen, uralten, religiösen Weilen zur Jazz-Band-Musik mistbrauchcn, vor unseren Friedhöfen ansspeien, unsere Bet- Häuser in die Lust zu sprengen versuchen, die ihren eigenen Heiland als interniationalen Inden bezeichnen, der turmhoch von Bismarck überragt werde (das für den bitteren Kreuzestod. mit dem er ihre Sünden löschen wollte), den Apostel Paulus aber nis Sachwalter der Inden, um Ehristi Lehre zu verwässern,-jene als meine Brüder zn betrachten, l iege heucheln, wäre gegen -»eine Ileberzengnng und unvereinbar mit meiner Anssgssting von Ehre und Selbstachtung. Dazu, Herr Stern, bin ich eben zn sehr Deutscher, ganz und gar Deutscher, der noch Ehre im Leibe und ein Bist Gral hat. Und iveun nur ihnen auch sievenzig mal sieben Mal vergaben, toi-.' cv dem Vater Neb ist. — als Deutscher, wie als Jude, habe ich nidjt gelernt, für den Backen st re ich auf die rechte Wange ihnen atrch die liitkc darzubieten. Vielleicht mlist man. tun dies zn lernen — ich tverd's nie lernen und will's auch nicht — sich gattz und ausschliesslich mit der Lösung religiöser Spezial-Fragen beschäftigen. — Ich meist, so, wie ich, denken gar viele, viele meiner Glanbensgenosseu. Diese Ltelttrng zu unseren Peinigern beeinträchtigt nicht innere Liebe zn unserem Baterlande und jenen Chrentreucn, die da leben in deutschem Geiste. Wir sind und bleiben gtcte Deutsche, vor allen Dingen Deutsche: denn dgst wir Inden sind, ist Glaubens-, nicht Nationalitätssache. Wir hängen mit aller Kraft unserer Seele an unserer großen Mutter Deutschland. Aber ach. das Leid. Hunger und Sorge haben sie geschwächt,- ihr Arm entbehrt der Kraft, den wilden Trotz der schlimmen Buben zu brechen, die uns hinanstreiben aus Heimat und Vaterhaus, daß keine Stätte '.rns bleibt, von der wir sagctt können: hier ist Heimat! So blieb uns nur der Schmerz und die tiefe Sehnsucht, das Gefühl, enttpnrzelt. heimatlos, abgedrängt und nur ans einem letzten Neste von Klugheit, die sich der möglichen politische» Folge» einer völlige» Vergewaltigung der gessnnte» deutsch« ssenmsst ist, bis auf weiteres ftetaM t* im, rr»ö. Re r» öer fetcs «setanen Schmach diese Gefühle im Herze» trage», da» ist die Mittelschicht, von der Gucken sprach, dt« evirrchtet ist vnd weiter entrechtet werden soll und die abseits steht mtt ihrer scheue«, schmerzvollen und doch stolze» L«mrr. die dbtx dennoch und trotz alledem deutsch-vaterländifch gesinnt »»d »icht »attonal indMerrnt ist, wie Sncke» kombiniert, die aber genug Selbstgefühl besitzt, die Hand nicht zu küssen, die ste schlägt: die keine Gemeinschaft wünscht mit ihren Peinigern, biö diese, znr Ernsicht gÄangt, alS Brüder an uns handeln und unS das etnränmen. waS unS gebührt als Linder der eine» grossen deutschen Mutter: unser Kämmerlein in unserem drutichen Go lang müssen wir kämpfen nm diese unsere Heimat, dass wfr ste gewinnen und nrit ihr die Herzen all derer, die heute unS feindlich gesinnt sind. Und daS ist die Hoffnung der Mittelschicht (nämlich der Schicht, der Kncchtstnn fremd ist und die erst recht deswegen völlig in wirklich deutschem Wesen aufgegangen ist. im Gegensatz zu der passivistischen und der aktiv zionistischen), die nicht gesonnen ist. in lanem Dahindämwern tatenlos Hie Drnge treiben 8» lassen, vielmehr selber ihr Geschick meistern will: dass durch Leid und Kampf der Tag heransdssmmere, der einst ttns alle eint unter dem Dache deS Bctterhcnrscs; ans dass wir dann über sein Tor mit Recht die Inschrift setzen dürfen, die der schlesische Dichter Paul Keller in .FJaldwinter" seinen vielgeprüften Helden Heinrnh Raschdors als Wah'spruch an seinem Hause anbringen lässt: Heimat ist Friede! Emil Weitzftock. DreSlan. I. Werbe-Sportfesi des Reichsbundes Frontsoldaten Der Nennungsschluss -.um Werbcsyortfest des Neichsbnndes jüdischer Frontsoldaten an, A. ö. M. ergab über BiO Meldungen, darunter solche ans Breslau, Essen, Kassel, Köln, Magdeburg und Niirnöerg. Der jüdische Turnverein Bar-KochSa Berlin tritt rmi fo -ne r ersten M a n. >> jchask gegen starke -e tu erbe» ans Verkitt und detn stieiche an. J in IlXllMeter Laufen, das 42 Nennungen aufwetst, trifft Siew.cnaner auf Jfraelöki und Gnnz. Voll dett?0 Teilcrehtnerir an dem igs--?Neier-Lanfcn sind Sehr stark sind auch die Staffeln besetzt, die 10!) werden 10 Mannschaften, die b nral lOcXHMeter-^tassel « a n n sch a ften b e stre i t en. In dett Bor des Indischen 'Barer ans dem kämpfen treten den Bekannten Mitgliedern 'Bor kt nb S '.Nalabi Preist rrnd Weistlind. stie'che entgegen. Die Entscheidni'.gslä.rtcpse finden mittags von 1 Uhr ab statt. MenHföm für Mc S'U vont 33.0. m ü. 9. 1931 Sonnabend Sonntag kll. September 1924. 1. -r Montag Dienstaa Mittwoch Donnerstag Freitag Sonn '^end m r,0. Wochen-Abschnitt Rech 1. Dag Noich cbodesch (5. kB. M. Kap. 11,20—IQ,17) Haftarah: Jes. 54. 11—17; 55, 1-5 Einl sm 1. 2. Tag Nosch chodesch 2. 8. 4. 5. 0. 7. Wachen-Abschnitt Schaufttm (5. B. M. Kay. 16.13—21,9) Haftarah: Aef. 51, 12—23; 25, 1-12 —inIIII s! ö r u n. g des ('■) c r iu rnen i ti in s für eilte journalistische Enigleisttng hält, täuscht sich. Der tun weist genau. tvao er schreibt, tuntann ihm kein denkender Sterbliche folgen. „B e: d c;n e i it z i g c n vo! r i 1 i d) gebilde t e tl ll" o l k de r E r d e s o l! i c d c r <0 c a rt tt k c n it eine T c ::i o r r a t i c ü b c r () a n p t u n nt ögli ch fein", t; u rer (5iic:;ilu'r!:tin von Ontb weiter, ivvbei ihm Plato hetset: ntnst, „der gescheiteste Niensch, der vielleicht jemals das Licht der Welt erblickte".- (Sicherlich wird er es erblickt, aber ln.-sfentlich reine so groben wichtige Satzt-.'ile falsch beJrh-enoer. S ch n i tz e r wie Ehamberlain und seine prvsessoralen Helfer getnacht haben!! Weil hinter der Republik sich die Herrichafk des Geldiacks verbirgt! Also jetzt wieder n i r 7si c r.t o lratie! Schon der G e d a n k e daran ist „freier Germanen" unwürdig. Aber znm Teufel, bei dieser -Sachlage die eine mehr als merkwürdige Logik enthält, ist ja -- neben vielen Grossen und Größten, deren revolntionäres Nttoestiim Ebamberlain als das Kennzeichen deS „echten Ger.naiten" lehrt — der hl. Franz kein aermanischcs Genie t-wlir. sondern wieder ein impotenter, vcrittdctcr Katholik mit polizeiwidrigen Anfstandsgclüsten, wie doch üöerliattpt -ischen. die gegen die dreifache Despotie, gegen Kirche. Siaat und ltzcldmacht kämpfen, radikale Sozialisten heissen und mit liakenlreitzlerischen „Nationalisten^ (die nnr gegeit a rderer Leute Kirche, anderer Leute Staat und anderer Lenie Gcldmacht kämpfen und alle drei Dinge sehr positiv erhalten wollen, wenn sie nur in ihre Hand gegeben si-.idi int Verhältnis gegenseitigen Schädeleinschlagens stellen. Nitd C ll a m b c r l a i n , der diese antidespotischen Ncgnngcn — h t s zur Anerkennung von M o r d und?.'! a s s e n m o r d — ein halbes Aahrhundert lang als das Höchste und Heiligste, eben alS „germanisch" verherrlicht hat, ist sonach ein bolschewistischer Propagandenr oder Heisershelfcr! — Aller vielle'cht hat sich die lebendige Natur in ungeheurer Verblendung doch nicht genau ttach den Chambcrlainschen „Ideen" gerichtet, sofern ein Sich-zttrecht-findcn in diesem Gedanken-Lallvrinth attsser übermenschlichen nicht auch übernatürliche Fälligkeiten voranssctzt! Warum er sich aber gerade den 'llloto znm Zeugen so weit her holt? Es gibt weit schärfere Urteile gegen die Republik, als er sie gefällt hat. Plato konnte vor 2400 Jahren gewiss auch schon finden, daß die Demokratie nichts tauge, aber er konnte doch nur Demokratieit vor germanischer, sehr minderwertiger Völker — Juden, Wilde, Griechen nsw. — betrachtet hallen. Ich dächte, eine Demokratie „rassereine r" (tz c r ttt o tt c tt hat eS nie gegeben, worin ia das ganze Elend liegt, und es müsste komisch zngehen. wo „germanischer Wille" stets nnr Otzöttliches geleistet bat. wenn er nicht auch eine germanisch-freie Demokratie schmisse, itt der gerade die Mängel vorgcrmanischer stlepnbkilen zn den schöt-sten Vorzügen werden. — Aller der deutsche Dllerzerncone mit dem englische!: Namen wird schon wissen, warrtm die Demokratie gerade dem „einzigen gebildeten nrill freien Menschen" n i ch t zuträglich ' ist. Der b e st g e o r d it e t c u tt d frei c st e St g a t der W e l t, sagt er. rv a r d n s d e n t s ch e K a i s e r v c i cll (das viele Leute für ein kleines „imperialistisches" Rom hielten); die himmelschreiende Hanptsünde des deutschen Volkes sieht er de-hglll darin, dass e? in das Parlament grundsätzliche 33ertteiuev dieses Reiches wählte, die dessen Vernichtung erstrebten, d i c I tt d e it natürlich an der Spitze. — Vier Seitcrt vorher schildert er. wie der Gras Zeppelin „lahmgelegt" ivn.rde lder Graf sclllst hat ihn: 1915 „sein Herz ausgeschtittct"). rvie er gehindert wurde, „den Feind an den empsindlichstcn Stellen anzngre'.sen", es ihm auch „streng verwehrt" war, „von seinen cigentlicheir mirknugsoollen Brand- und Sprengbomben <tzebrauch zu machen". Liest man diese Stellen nach, die sich nur gegen den Kaiser und seine direktere Umgebung richten, da sie sonst keinen Sinn hätten, hält man sich an Chambcrlains eigene Daten — 1014 noch sollte in Paris der Frieden diktiert werden, hätte die oberste Leitung die richtigen Mastnahinen getroffen; 1915 klagt er mit Jcppelin über „zarte Schonung der englischen Vettern" (nach allen Sachverständigen, füge ich bei. tvar mit der Marneschlacht schon der Krieg verloren) — so sollte man meinen. Ebamberlain wolle eigentlich dem .„Kaisertum" Vorwürfe machen, weil es das Volk kaiserlichen Verwandtschaften, obendrein dem ärgsten Feind des Reiches, dem „perfiden Alllion", opferte. Jedenfalls aber sollte man meinen, bei so geschilderter Sachlage bleibe auch dem boshaftesten Verleumder kein Raum, n« dem Volk selb st, bzw. den Anden die Schuld am verlorenen Krieg beiznmessen. Mutzt er trotzdem „feinem" angeblich geliebten germanischen Volk den Verlust des Krieges auf, schwätzt er: wenn 1918 die Heimat noch ein Vierteljahr länger ausgehalten hätte, so — ja was denn eigentlich? — wären wir etwas gelinder dcwongekommen (während 1922 sogar die Bierbankpolittker längst wussten, wie dringend eilig ,^elü"Lndenöorff den Waffenstillstand und die Friedcnsverhandlnngen forderte, so dringend, dass die „Heimat" gerade der überraschte Teil war), so können die Ehrlichen und Denkenden in diesem Volk wissen, waS von seinen Sprüchen allgemein zn halten ist: Schm ei ch e l-Dem ago gi e, persönlicher Eitelkeit entsprungen! Mgcht er aber speziell einen kleinen Teil des deutschen Volkes, die Anden, für den verlorenen Krieg verantwortlich, so kann dies nur als dumm und nichts würdig zugleich bezeichnet werden. Aber lasst uns über Chamberlain nicht tragisch werden! Um den Leser nicht it: einen unübersehbaren Wirst zu versetzen, liest ich itt: obigen einen Punki ans, der jetzt kurz nachgeholt sei: Die schon dem Ged.nrren nach utnnvgttche Demokratie des einzig zur Dentolraiie tze'ä'.n.glen^Germanentrrms ist „rnedererseiis" nicht nur „wieller^ mögBss'b sondern diese einzia menschenr-tzirdigc Möglichkeit k a r bereits in vollrvmmcnsier W:üje r e a l i s t c r_t. S. w> setzt er nämlich in heiligem Ernst ansetnander. DcmoircDr sei „Methode", erstmals aeschrvsk vom gern.anüchon Genie; nrit Hilfe dieses völlig neue" Jnstrume. tes ^kann nun auch — was vorher nicht möglich war'.! — das Nussige nie (hübsche liinsthreibung für KuU, Skl-we nsih.) „an der gemeinsamen Arbeit des Mei:ImrngesüzIechts tmiueamen; da nun „die Volksarmeen die universellste, einfachste AnWendung der Nkethodik" sind, die „Rc e t h o d i k der A r rn - und V e: n b e w e g:: n g c n", sind „die Hohenzo!- l e r n die tonangebenden Demokraten des 10. Iahrhtknderts". (U. g. ist übrigens die Volksarmee auch die „Methodik der Wi l l e n S -- Er zi e b n n a"., obgleich der 2:> ille und der Verstand, S. 241 ff. aks speziell j ü b i^ch und daher änsserst minderwertig verschrien istst — Ich wiederhole: der Mann weist, was er sagt, aber seine geniale Schöpfrigkeit ist zn erhaben für nns. d:e mir btsher steif und fest geglaubt haben, wilhelminischer Parademarsch, Demokratie it tt ö Fra t: z non Assisi seien drei ganz o-ersschiedene Dinge. Das Zicklein in der MMenrsi.'ch. Im American Jonrn-al vf Semittc Langnassed and LiteratnreS Bol. XI. No. S erklärt Prof. Max Radin einige Fragmente orphischer Liturgie, die vor kurzem in Italien entdeckt wurden. Ein Neuling wird bei seiner Einführung vom Priester so angeredet: „Ein Gott bist du geworden aus einem Sterblichen, ein Zicklein, fielst du in die Milch" Ein symbolischer Akt, führt Radin arrS. mich die Asussrrnng begleitet haben, «nd in diesem Falle wurde wohl tatsächlich ein frisch geschlachtetes Zicklein in einen Kessel Milch getan. Das Zicklein stellte auch den Gott dar, und bas Opfer tritt an die Stelle deS Menschen, bestimmt zu siegreicher Auserstchung. Und der Gott ist Dionysos. Dieser Gott batte den L?nlttit>el Ertpho- oder das Zicklein. Deshalb „wird der Neuling, der den Körper des Zickleins in die Milch tattcht und erklärt, daß er sich mit dem identifiziert, dadurch eins mit Dionvso?, für immer erlöst aus dem Nichts des Hades und der h,äi> lichen Reinigungen, die weniger glückliche Seelen ertragen müssen, und teilhaftig endloser Glückseligkeit im zukünftige« Leben." (Bergl. Maimandes, Führer III. 48.) A ft.

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