Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 4 (1924)
- Issue
- 29 (29.8.1924)
- Date
- 1924-08-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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% Elbogen zum 50. Geburtstag. Ibs 1* September »trb ber Lehrer für beschichte au -er Hochschule für Me Wissenschaft M Jrrdenimn-. Pros. Dr. Jsmar EVdo-en, VO Jahre alt. Dieser Einschnitt im DaseinSwege ist -war nicht ber Standort, vvn -eur aus man würdigend auf ein Leben-- wert Hinblicke« sollte: ja. unser erst« Wunsch gilt gerade konrnrende» glückliche» Jahrzehnten der Vollendung und ber Ernte. Aber e» mag wohl ein «vgendlick de- Atemholensein, in welchem -er Beobachter sich über die Sinnrichtung eines Mannes Aufschluß gibt, der. längst in stch gereift, nun auch für die anderen ein klare- Bild seines Mosen- und Wollen-zeigt. Die Winzigkeit unserer jüdischen Ver-Lttnist«. speziell der deutschen, -er schrvere geistige Blutverlust. de« wir unausgesetzt durch die Indifferenz nnd die Abkehr so vieler seiner Köpfe von der Vertiefung in die jüdischen Probleme erleiden, bringen es mit sich, daß wir fast überhaupt keiue Gelehrten besitzen, denen die Beschäftigung mit spezifisch jüdisch wissenschaftlichen Dingen zur ausschließlichen Lebeusersüllung erwüchse. Wohl scheinen die Dornten der drei in Deutschland bestehenden theologischen Lehranstalten eine glückliche Ausnahme von dieser leidigen Siegel zu fein. Aber ihre geringe Zahl lim ganzen kaum je mehr alS zwölf) und Sie anpraktischen Gründen geborene Notwendigkeit, ihren Schülern eine möglichst allseitlge rabbinische Ausbildung, wo nicht gar Erziehung zu geben, erschwert ihnen jene Spezialisierung im Unterricht nnd auch in der Forschung, die anderwärts als eine selbstverständliche Voraussetzung heutigen Wissenschaftsbetricbes erscheint. Wir begrüßen darum tu Elbogen den Lehrer nnd geisti« gen Arbeiter, der diesen Hemmnissen zum Trotz sich ein Fachgebiet erobert hat. auf dem er heute nicht nur ein Meister in Kenntnissen und in methodischer Beherrschung ist. sondern dem er auch eine ausgezeichnete Xtterorifrtre Bearbeitung hat widmen können: „Der jüdische Gottesdienst in seiner geschichtlichen Entwicklung" — so der Titel seines bisherigen Hauptwerkes — stellt eine Leistung dar, die sich vor den bei weitem meisten Publikationen der Wissenschaft vom Judentum dadurch auszeichnct, daß es eine erschöpfende, dabei aber ü'eu Leser klar führende und nicht durch die Herausstellung unzähliger Einzelheiten verwirrende Arbeit über einen der großen Hauptbereiche der Neligionsforschung ist. An ihr besitzen wir eines -er ganz wenigen Bücher ans der gegenwärtig lebenden und schaffenden jüdischen Gelehrtengeneration, dem wirklich ein großer Wurf gelungen ist. daß die offenbar so schwer zu findende Straße zwischen der Scnlla unübersehbarer philologisch-historischer Details und der Charybdts grotzmächtig kühner, himmelragender, aber darum naturgemäß von starkem Wind nmbranfter Umvcrsalfchöpsungen glücklich durchfahren hat. Unser Gruß feiert Elbogen, den Lehrer, den treuen, veriautwortungsbewttßten Fürsorger des LehrhanfeS und seiner Schüler in guten und erst recht in dunklen Tagen. Seit über zwei Jahrzehnten gehört er — nach kurzem Auftakt der Dozententätigkeit an der Florentiner Rabbinerschule — der Berliner Hochschule. Als Gast hat er vor zwei Jahren am jüdischen Institut in New Bork Vorlesungen gehalten nnd so eine glückliche, verheißungsvolle . Verknüpfung unserer Hochschule mit ihrer amerikanischen Schwesteranstalt eingeleitet. Der Lehrer der südlichen Geschichte hat öaS geschichtliche Schicksal ber jüdischen Wiffenscbaff ,-".s i re e s e - ger reichlich erfahren, daß es für diese Gelehrten kaum je eine unbekümmerte Tätigkeit, lediglich der Forschung und der Lehre gewidmet, gegeben hat. sondern daß die Erhaltung der Lehrstätte auch immer tu den Kreis ihres Sorgentrat. DaS politische und wirtschaftliche Schicksal de- Judentums wirkt sich so viel stärker in dem Geschick seiner geistigen Institutionen aus. als öaS irgendwo anders zu verspüren. Wenn irgendeiner, so ist Elbogen der Mann, aufrechten Mute- und klare« SinneS dnrch schwierige Sitnatione« htndurchzuleiten. Und die Partei? Mau bttxi ihn wohl zur ».jüdischen Irak« Ihm" des Judentums zählen. Der Historiker hat zu schildern. und er schildert das, was war. und wie es kam, daß es ist. wie es ist. Was freilich nicht ganz so einfach, wie diese Worte «S auSsvrechen. Der Mensch mag wohl liberal oder orthodox, zionistisch oder .nur" religiös gesinnt sein, wen» sein urwüchsig jüdischer FonbS die Instinktsicherheit eingebüßt hat. die an sich unfehlbar einprägt, was der Jude ist. und wie er sich zu verhalten hat. Es gibt aber jüdische Menschen, die — wirklich ohne Vorsicht und Rücksicht und Hinsicht — ein so klares GewißhettSgesühl in jüdischen Dingen be- Hermann Cohen nnd Panl Natorp. Von Dr. M. Spanier (Magdeburg). Nun ist auch Paul Natorp, Professor der Philosophie in Marburg, seinem Lehrer, Kollegen. Fremid und Mitarbeiter in die Ewigkeit gefolgt, am 17. August im 70. Lebensjahre. Unvergessen bleiben die schönen Worte, die Natorp an Hermann Cohen zu seinem 70. Geburtstage gerichtet hat: „Sie haben —>-tu strengem Fest halten nnd unablässiger Vertiefung der Methode, die Kant der Philosophie errungen hat, unter beständigem Hinweis auf die in dieser Methode begründete, systematische Einheit der philosophischen Probleme, zugleich aber in unbegrenzter Freiheit der Lkritik, die Sie vor allem als Selbstkritik in vorbildlicher Weise stets geübt haben, eine Schule der Philosophie — unbeabsichtigt. aber mit innerer Notwendikeit — hervorgerufeu, die um so unbefangener ihr Haupt in Ihnen erkennen darf, da sie dank der vollen Selbstverantwortlichkeit, zu der Sie jeden einzelnen von uns zu erziehen wußten, nie in irgendwelcher Abhängigkeit Ihnen gegenüber sich fühlen kann." So sehen mir denn auch, daß bei den beiden Neukantianern auf dem Gebiete der Religionsphilosophte divergierende Auffassungen zutage treten. Es handelt sich da zuerst um die Frage, welche Stelle die Neligion in einem System der Philosophie einnimmt. Während C o h c n die Neligion dent Kultnrschaffen zu o r d - net, bildet sie nach Natorp alS Grundlage deS Knlturschaffens. Cohen sagt: »Die Neltgion'sgeschichte geht nicht bloß nicht von Gott anS mrd nicht von den Göttern, sondern sie erweitert den Begriff deS Göttlichen durch eine Erweiterung des Seelischen über das gesamte Gebiet der Natnr- und Menschenwelt hinaus."-„Wo alles Menschliche unalles Göttliche in dem Beariffe alle- Seelischen zusammeugefaßt ist. da kann nichts Spezifisches übrig bletben für de» Begriff der Religion, die im CeelenknltnS übernnd uutergcgangen ist." An einer anderen Stelle sagt er: „Wie könnte die Religion mehr verherrlicht werden, als wenn ihre Auslösung in die Ethik ihr eigenes Ziel genannt wird?" Später läßt Cohen an die Stelle der A n f l ö s u n g in die Ethik eine Begründung des Begriffes der Religion aus die Ethik treten. Und wir wissen, daß nach Cohen da? Judentum, d. h. die prophetische Religion, „für alle Entwicklung der Religion das unerschütterliche Fundament" bleiben muß. Die Propheten Israels zeigten, daß sich nicht das Handeln auf Gott im Kultus, sondern aus die Mitmenschen dnrch Neben von Gerechtigkeit und Liebe zu richten habe nnd vollendeten so den Regriss der Religion. sMir können hier nicht eindringlich genug empfehlen, sj-h in das Werk Cohen: Die Rcliaion der Vernunft ans den Quellen deö Judentums (Leipzig 1919) zu vertiefen. rft, daß man sie nicht da oder dork unterzudringen weiß, beb» beste« Wille» »btt anderalS »jüdisch" zu charakterisiere« sind. Die werde« hier »ur »jüdische» Partei" gerechnet. ES kdunte fein, daß ElbogenS Heimat, di« „Provinz", Männer solchen Schlages i« größerer Fülle hervorgebracht hat, als andere Landschaften. Daß er einer der besten dieser Art ist. scheint uns gewiß: und um die' - Klarheit seines jüdischen Wesens willen ist er «yS besonders teuer. M. Wie« e r-Gketti». «Die zehn Gebote" Bv« Bo tcho L«sO» st ei «, phf vergsinHüche §* imi d» Gleich»?»; DaS Unzulängliche, Hier wird'- Ereignis.. Da» „Grobe Schavspielha«»" -« Berlin Mar Reinhardt'» letzter künstlerischer Fühler mrd sei« Zusanrnrenbruch). in dem die Rhythmen der Antike M «euer Bedentung erwachten, besten mächtiges Rund von den Tritten .Hauptmannscher «nd Tollerscher Chöre wtderhallte, daS später der klassischen Operette Heimrecht gewahrte, hat sich dem Mm geöffnet. Dari« brauchte kein Abstieg zu liege», obgleich ans den seitlichsten Mätzen daS Auge den Strahl nur verzerrt empfangen kann. Daß der Abend ein Affront gegen tat guten Geschmack, den Verstand der Verständigen, das religiöse Gefühl und gegen alle Gebote der Filmkunst ward, ist die Besonderheit des Einzelfalles. Der hatte eine Vorgeschichte. Direktor Maximilian Sladek, jetzt Herr Wer den Zirkusplatz, kämpft fett Jahren einen heroischen Kampf um die Versittlichung der Menschheit. DaS begann damals, Ihr wißt, alS er. in Berlins Ddusikhochschirle, Schnitzlers „Reigen" mrsführte. Jüngst fuhr Sladek — läßt Ichn das „Tageblatt" plaudern — nach Amerika. Scho« auf dem Schiff rannt's nnd wispert'S, der Union Tagesgespräch sei ... . Ihr glaubt: EnropenS Not. Flicht doch: dieser Film „Die zehn Gebote" der Famns Players-Lasky Corporation. Max Sladek wittert. Konjunktur? Nicht doch: daß eS wieder einmal gelte, die Welt zu heiligen. So führt ihn. der natürlich ein ausgesprochener Gegner deS Bildstreifens sein muß, schon der erste Abend inS Lichtsviel. lIhr merkt doch nichts?) Und für ihn, den sicher nicht ost ein .Kino sah, war der Film natürlich „von solcher Einmaligkeit", aus ihn machte er so sehr den Eindruck, Zeines unerhörten, erschütternden Geschehen-", daß er beschloß, ihn über den Ozean zu schassen. Ich fordere dc-n Erlaß eines Reichsgesetzes, das dem Direktor Maximilian Sladek mit sofortiger Wirkung verbietet, Filmtheater zu besuchen nnd ins Ausland zu reisen. m. Dieser Poramount-Film „Die zeh« Gebote" ist allerdings einmalig. Nicht gerade im Sinne seines Herolds, aber in seiner filmischen nnd künstlerischen Bedeutungslosigkeit. Noch über den italienischen Historieufilm „Die Herrin des Nils", den ich, nach dem Vorbilder Massenregie eines Lubitsch. für sehr schlecht hielt, ließ sich streiten. Hier muß unter allen Einstimmigkeit herrschen, die nicht am Thealersimmel leiden nnd nicht nach der Jnseratenplantage zu schielen gezwungen sind. „Was hier in diesem historischen Wandelgemälde technisch und regiemäßig geleistet wurde, erscheint mir vorläufig unübertrefföar", sagt Sladek zum ersten Teil deS Film-, der die Geschichte der sinaitischen Offenbarung bringt. Wie? Diese filmische Unfähigkeit, die einen Zwischentitel an den anderen reiht, sei nicht s ch o n l ä n g st überwunden? Er, der Mann mit dem „Dheaterinstinkt", sah nicht, wie «»rhythmisch Mole» seinem Volke voranschritt, wurde nicht vvn dessen Rüdezal-lbart in Lachkrampf gezwungen? Vermiete nicht jede Größe in den Bildern, die Israels Verfolgung sesthalten? Kein Regisseur, außer Cecil B. Mille, den hier alle guten Geister verließen, hätte in Amerikas Filmstadt Universal-City gewagt, uns diese Fiaker, zu schlecht, einem italienischen Nosensest zu dienen, alS ägyptische Streitwageu vorrnsühren. Nur vor Sladek „versanken" so minderwertige, aus Meile« erkennbare Tricks wie die Zermalmung der Hebräerin dnrch den Königswagen, die Flänrmchen vor den; Acgiipterhoer. (Gerechtigkeit gebietet festznhalterr: die Szenen im Noten Meer find außerordentlich.) IV. Ader kann man diesem Teil deS Filmwenigste«» »och konzediere», eine mittelmäßige, jeder Größe und Spannung entbehrende Illustration zum Exodus zu sein, so ist der Uebergang zum zweiten Teil eine Gotteslästerung, gegen die daS religiöse Gewissen protestieren muß. Gewiß ist es dem Film eigentümlich, geistige Erwägungen in äußere Handlung mnzusetzen und ein inneres Erleberr sinnfällig zu zergliedern. Daß dt«S aber auch auf anständige Art geschehen kann, sollte ein Regisseur wissen, der einen religiösen Film drehen wollte. Und dann der zweite Teil selbst. Lasten wir Sladek sprechen. „ .... ein außerordentlicher Reichtum an Spannung, <nt dramatischem Lebe«. UetzerdieS ist dieser Teil vov einem sittlichen Pathos erfüllt, das ans jeden ^schauer t»ne<v Nch reinigend wirken must." Ist das amerikanische Volk wirklich derart von diesen Bildern ergriffen, dann ist Gladek, sind die ihm Beistimmenden einer Massenpsychose unterlegen. Ebnen normal empfindenden Mensche« mutz die wabblige ethische Brühe, die eine alte Betschwester auf der Leinwand verzapft, anwidern. Diese Mutter will de« Jetz» wort Achtung erzwingen? Schon Schiller bemerkte, daß nur ein Schritt vom Erhabenen zum Lächerlichen führe. Abgesehen davon, daß «uS daS Talmvdwort gilt: Seid nicht wie Me Knechte, die be» Herrn nur nur de» Lohns Wille« dlemertt AVer einige Wunder gibt'» in dem zweite» Teil, der Me Gültigkeit der zehn Gebote für Len Mutigen Mensche» erweisen soll, doch. Wie ar.ö einem Gestein, daS bei Berührung zerfällt, auö Sand also, eine Kirche in neunzehn Stockwerke aufgetürmt wird, et« Mann in einer Barkasse de« Kampf «rtt dem Weltmeer wagt und bet höchstem Wellengang Wasser in de» Motor schlagen läßt, eine Mauer kerzengerade stürzt ., Ceetl B. Mille, der Regisseur. sagt: man muß wetue». Denn da - sind Wunder der Urteils un sähigkett. Ist mehr: nicht Film, sondern Kintopp. V. Rur -re Film len te lassen sich gefalle», daß et» ttaftcafe» «er ihr Werk beurteilt. Nur beim Film darf ein Maxi«»»' lian Sladek eine Aufführung leiten. Mit Gott, „we Ha« no bananas" — und amerikanischen Geräuschen, .chfhre Mmführung in unsere Kinotbealer wäre beim Film der Anfang vom Ende. (Hat man noch mstt von den high-life JÄzz-drrnd» genug?) Ein Versuch ist übrigens auch schon bei n«S, wen»- gleich mit schwachen Mittel», anläßlich de» ZeUrik-Ftd«» „Fasching" gemacht worden. Vesttgia lerrent!" Und: „künstlerisch wertvoll ist nur das Lichcspiel, das als „Lied ohne Worte" an uns herantritt, in dem wir den Gestaiter, ohne doch er de» Mund ben^egt, sprechen hören. Oiei gibt eS keine gespenstische Stille, die rmertraglich ans dem dsnschaucr lastet, rviederzieht und keine Jllnsionen crnjlpmmen läs.t." Den W&» sührnngen, die ich als Filmkritiker am Börse n - C o u r i e r", in meine» So-nriagSaufsiffzen zur Aestchetik «nd Dynamik des F ilmZ der legte, habe ich nichts hiuzuzusügen. VI. Auch darin hat mich der HUm „Die zehn Gebote" hestärkt, das; eine wirklich ans rüttelnde LÄrkung nur vom Filmlammerspiel auSgeht. daß nur dieses ein geistiges Gepräge haben kann (J93, V. C." vom 4. 6. 1022). Kann denn aber der Film sibc-rhanpt geistige Probleme miedergehen? Hier möchte man fast perZN'eifeln.Aber es gM eben zn erkennen, dost dieser Film wirklich in jeder Beziehung „e i it Mali g" ist. Der Bilöftreisen muß und kann Gedanke« in prdmttiv e Handlungen nnrsetzen «nb so -»« A u S d r u ck h r i n g e n. Das; er Del dieser UeSerleitung de» Geistigen in die WillcnLskala häufig das Problem erschlägt, liegt in der Natur der Sache, V.’Ot daran, das; er Fmponderabilien durch Aeußerlichrciten ersetzen muß. Aber möglich ist die Verbildlichung deS Gedankenr, um nur S«r» Mayers Meisterwerke „Gang in die Nacht", „Brandherd*, ^Scherben". „S)t. Caligari" beispielsweise anznführe» Warum soll es also unmöglich sein, das Höchste, das Religiöse zu versinnlichen. (Wobei man, zugegeben, ojt -ins Atavistische fallen wird. Gott gacnicht darstellcn darf.) H^r ist nicht einmal der Verstrch baM sichtbar. Und W»- treffend läßt Sladek am Schluß den Chor ertönen: Alles Vergängliche Ist nur ein G lei chn tL; Da§ Unz«längliche. Hier wird'S EreigntS.... aamxestWB!EMEmrxzmiTW.£?^tttTTrr£!''.’'■vrrrrrmxxs: i i m' wniinnnnin— Natorp hat für Wissenschaft, Sittlichkeit und Kunst den Grund im Bewußtsein ausgewiesen, eine vierte Bewußtseinssunktion leugnet er. Die Vewutztseinsgrundlage der Neligion ist ihm daS „Gefühl", d. h. daS rnnnittelbare SelbstcrlebntS, in dem in nngeschtedener Einheit, in noch ungelöster Verflechtung die unterschiedliche Richttmgen deS BewnsttseinS beisammen sind. DaS Gefühl ist danach gestaltloses Wogen und Wallen, die Grundlage, „der Uncndlichkeiisgrunb" deS geistigen Lebens vor feiner Differenzierung in Wissenschaft, Sittlichkeit und Kunst. — Religion ist Selbftcrleben der Seele. — Klingt eS nicht echt jüdisch, wenn Natorp invezug ans den ErlösnngSgedanken bemerkt: „Die Wucht der Schuld, mir müssen sie weiterschleppen und in harter, resignierter Arbeit ihr ein reelles Gegengewicht schaffen: eine andere Erlösung gibt ei sittlicherweise nicht"-„egibt keine Erlösung, sondern Arbeit ist MenschenloS. «Ln Streben sonder Rast zum ewig fernen Ziel." Auch Cohen spricht der Selbstcrlösnng da8 Wort, nur daß bei ihn; die „Garantieidee" Gottes bleibt, daß der Mensch das Zielseiner Befreiung erreicht. (Siebe 9iäberes hierüber in Kesseler Krittk der nenkanttschen NeligionSphilosophie der Gegenwart (Leipzig 1990). Das Andenken an Nato-rp, diesen edlen Mann, soll mrch bei nws Inden gesegnet bleibem Spaziergänge durch >,völkische" Literatur. Sein ganzes Werk verherrlicht die „Freiheit" und den „Fortschritts, die beide nur dem germavische» Element zu danken sind. Alle Großen vo« sechsten Jahnhundert an sind Germanen, Vorläufer der kommenden germanischen Größe überhaupt. Christus war der erste und ,/>er" Germane. Von 1200 an tritt der Germane Jn die Geschichte ein". „Mittelalter" und „Renaissance" sind Undinge, die da- Verständnis -er Gegenwart nnmvglich machen. „Shakespeare und Michelangelo können kein Wort griechisch oder lateinisch", sie brauchen cS nicht, weil sie „Germanen" sind. Die wahre „Nacht deS Mittelalters" war vom Bankrott des durch das untergegangene römische Imperium grohgezogcnen rasselosen MenschenchaoS bewirkt. Im Gegensatz zu klassischen Tradittonen und in blutigen Kämpfen gegen imperiale Irrlehren fand die wirtschaftliche Entwicklung, die Grundlage unserer Kultur, statt nnd der größte aller Jrrtümer war die Annahme eineallgemeinen Fortschritts -er Menschheit (womit er sagen will, der Höhepunkt blieb allein dem Germanen, dem ersten nnd einzigen Herrenmenschen. ia Menschen überhaupt, Vorbehalten). „Ohne die Germanen hätte sich eine ewige Nacht iibcr die Welt gesenkt." Daß wir nicht weiter kamen, als wir sind („tterischcr als jedes Tier", urteilt bekanntlich Goethe, was i ch hier aumerfen möchte), daran ist nur das nnderspenstig« Völker» chaos — Juden, Katholiken nnd nnweriige «Genossen — schuld. (Gewiß ist dieses Völlcrchaos auch die Ursache, warum wir noch keine Christen sind, denn daß wir cS nicht sind und nie waren, gibt cr zn.) Kurz: der „freie Germane" nur hat das Weiierbestel' n; der -Seit ermöglicht nnd auch „die Juden erleben ihre t^entige ..Wiedergeburt", ttrdem sie sich auf jedem Gebiete möglichst genau an germanische Muster anschmtegen". All dicS steht auf Sette 7—8. Die ander» — man braucht sie nicht groß zn schreiben — hatten nur „Interessen", der Germane erst hat „Ideale", Ziele der Menschheit: „dtesc Znele besitzen wir seit dem 18. Jahrhundert (etwa)" und eS handelt sich um „jene Bewegung, welche zugleich die Hebung vvn Handel und Industrie und die Gewährung weitgehender FreiheitSrechte an ganze Klaffen der Bevölkerung, die bisher unter der zwiefachen Knechtschaft von Kirche und Staat geschmachtet hatten, erstrebte". jHansa. Rhein, Städtebund, in England schon 12tk, die Magna Charta.) Dies ist nach Chamberlain der Punkt, wo Ne ch t u u d F r e i ff 111 gebore» und „GewissrriSgesetz" wurden (welchen Ausdruck er alS einer der gelehrigsten K a n t.Pcwageien sehr liebt). Wer öieS für kindisches Gerede ti'ilt, waS eS auch ist, wird doch schon jetzt bemerken lSeite 10—11), daß der Chamberlatnsche „Germane" von Nrsprnng an eine gute demokratische Ader hatte (später aus dem Höhepunkt wirb er zur personifizierten „Freiheit an sich") tm Gegensatz zu dem sklavtschen Gelichter, daS unter einem Imperium" gedieh. Diesen Eindruck verstärkt Chamberlain, indem er sagt, noch tiefer (als alles Aufgezählte) in ihrer Wirkung gegriffen habe vielleicht die große Bewegung des r e l i - gtSse« Gemüts, die in Franz von Assist (geb. 1181) ihren mächttgsten Ausdruck fand. Er selbst sagt: „Hierin tritt eine unverfälscht demokratische Regung zutage. Der Glaube nnd das Leben solcher Menschen (leider gilt Franz noch heute für einen jüdisch-katholischen Heilige») verleugnen sowohl die Despotie der Kirche wie dt« Despotie deS Staates nnd sie vernichte« die Despotie des Geldes." Dann zittert er Thode, welcher genaueste Kenner des Franz sage: „Diese Bewegung schenkt der Menschheit die erste Vorahnung allgemeiner Denkfreihett." —„Respekt vor solchen germanischen Männern," denken da bisherige Sozialisten, „die waren ja schon viel gründlicher alS Karl Marx, also werden wir schnellstens Chamberlainianer!" Aber da bat sich was mit Demokratie und Denkfreiheit! Wer den oben angeführten Ansspruch aus der neuen Vorrede von der Einführung der Demokratie als s i ch e r st c m Mittel zur Zer-