Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 4 (1924)
- Issue
- 29 (29.8.1924)
- Date
- 1924-08-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Kummtz 29 29. August 1924 Liberales Judentum. fi*» Dr. OL Otilea*. I VSBff fl den ObtaMcf ein« «a-UrS der NritrtttSp, unser«^«»ad« KeL LeÜ«uI^VK e-Är sei» Andenken durch den llbtu-Uck ein« KapUeS der AntrtttSpredigt. die er am iS. Februar 1917 im »otteS-cmfe der Jüdischen Reformgemeinde in Berlin 'hielt. Die Redaktion. Stete Geschichtliche Rekbgtorr maß irr lebendiger Entwicklung teVatteie». tm Lebe» «mrzelnd und ans dem Lebe« ihre beste SKchrmdg piehend, ober sie hat ihr DaseinSrecht verrbirkt. Nur tel ©efctmtwW kann sich lebensfähig erhalten, das mit dem SeVor forttchvettet mrb deshalb in jedem einzelnen Geschlechte tei tes Merkchen innerlich miterlebt wirb, uralt in se-rnem jötfttmfe und doch ewig jung. Das gilt auch für die Religion, m der wir UNS bekennen. Die Grnndlehren des Judentums sind unvergänglich, zwar in der Zeit entstanden, aber trotzdem »ettloSr sie tragen Ewigkeitscharakter. Nehmt nur den einen Gedanke», der Kern und Wesen unseres Bekenntnisses ausmacht? der heilige Gott fordert die nach Vollendung ringende ÄnSse Menschheit. heilig sollt ihr werden! Denn heilig 5dr der Ewige, euer Gott!" Darüber wird keine Kultur der Welt jemals hinauSschreiten können, auch wenn sie nach Jahrtausenden zahlt. Gerade wir, die wir in einer so schwere» Zeit stehen, empfinden es vielleicht doppelt schmerzlich, wie »»endlich weit wir noch von diesem Ziele entsernt sind. Aber es bleibt das Ideal, dem wir zustreben, die hohe Ausgabe, die durch die schöpferische Tat unserer Propheten beglücke»- tn die Welt hineingetragen wurde. Wir lieben in dem religiösen Eigengut unserer Gerneiuschnst die lebendige Gottesoffenbarung, die Israels religiöser Genius der Meusrhhett geschenkt hat. DaS ist unser freudig-stolzes Bekenntnis M der Religion unserer Väter. Dadurch fühlen wir uns alle» verbunden, die im jüdischen Boden wurzeln. Aber die Forme» und Bräuche unseres Judentums? Und sein Kultus u»L feine Sitten? Sollten auch sie uns Gottesoffenbarnngen sety, an denen wir Menschen nicht rütteln dürfen? Gottesofstmlbarnngen wohl, wie alles, was schassender Menschengeist hervorbringt, denn im schaffenden Menschengeist lebt immer göttliche Gestaltungskraft. Aber Formen und Bräuche ändern sich, und Kultus und Sitten wechseln, denn sie sind nur die vergängliche Hülle für den ewigen Kern, nur das wandelbare Kleid für die unwandelbare Idee. Wir Menschen haben Symbole nötig, in denen das Wesen der Religion sich spiegelt. Und jedes Volk und jedes Geschlecht gestaltet die überlieferten Symbole nach seinen eigenen Bedürfen um, denn jedes ist anders geartet. In die neue Generation wird das Alte luneingetragen. aber lebendig bleibt nur, was den Forderungen des Lebens entspricht, das Gestern fließt in das Heute hinein und aus dem Heute strömt ein neues Morgen hervor. Es ist ein ständiges Werden und doch ein ewiges Sein. Jedes Geschlecht bleibt der Träger der Ueberliesernng und ist doch zugleich der Schöpfer einer neuen Zukunft. So wächst der Banm des Judentums in die Unendlichkeit hinaus, ein wuchtiger Stamm mit unzerstörbarer Lebenskraft. Aber von seinen Aesten und Zweigen verdorren so manche und fallen ab «nd die treibenden Säfte bringen junges frisches Leben hervor. Was tot ist, das lässt sich nicht künstlich wieder ins Dasein rufen. Erstorbene Formen müssen durch neue ersetzt werde». Mit Pietät und Romantik allein kann man kein Bekenntnis lebensfähig erhalten. Nur die Religion bleibt echt »nd wahr, die auch in ihren Symbolen echt und wahr ist, Ai» Stück lebendiges Leben der Zeit. Das Judentum «otft für uns auch in seinen Formen von deutscher Heimatluft mmvAht «rd vom Geiste der Gegenwart erfüllt sein. Aus dteser Auffassung heraus wollen wir nnsere Arbeit leisten, damit der ehrwürdige Bau des Judentums auch durch unsere Ätöft geftlrdert werde. „Sie sollen mir ein Heiligtum »»scheu, daß ich t» ihrer Mitte wohne." Werbt neue Mitglieder! ÄnlerjW Eure Organisation! te der Bereinigung für das liberale Judentum «. Berlin NW. 7, Rr. 137 069. Die jüdische Gegenwart. Tagung rheinisch-westfälischer Rabbiner. Die dteStährige Tagung deS rheinisch-westfälischen Rabbiner-Verbandes, die nach zweijähriger Pause .am 27. Juli 1624 in Köln stattfand, bot viel des Interessanten dar. Dr. Galliner (Grlsenkirchen) wies als Vorsitzender auf die fruchtbare Arbeit des H au p tv o r stand es und Zentralausschusses hin. die tn manchen Erfolgen hinsichtlich der äußeren Lage des Nabbinerstandes. aber auch der ideellen Würdigung im deutschen Judentum zum Ausdruck gekommen sei. Wenn man im Völkerleben sehe, wie alles Große langer Zeiträume bedürfe, um verwirklicht zu werden, so könne man bei den bescheidenen Fragen . die uns bewegen, nichts anderes erwarten, und dürfe in dem Ringen um das für recht Erkannte nicht Nachlassen. Nur Gemeinsamkeit der Arbeit und Unbedingt heit des geistigen Strebe ns führten zum Ziele. In den Beratungen stand die O st j u ö e n - F r a g e obenan. Die neue Welle der jüdischen Wauderbewegung hat ostjüdische Glaubensgenossen in nicht geringer Zahl in die Gemeinden des rheinisch-westfälischen Industriegebiets, nach Dortmund, Essen. Gelsenkirchen, Duisburg, aber auch nach Köln und Elberfeld gebracht, und die Eigenart ihrer sozialen und kulturellen Lage hat die dortigen Rabbiner vor neue, fast unlösbare Probleme gestellt. Bedeutsame Vorschläge zur Klärung und Besserung der Verhältnisse werden von Ü! c it w ii r k (Duisburgs. Emil Cohn (Bonns. David (Bochum». Esche Ibach er (Düsseldorfs, Caro und S ch e ft e l v w i tz (Kölns gemacht. Für die Behandlung ver chcrechtlichen Fragen (Beurkundung des Zivilstands. Formalitäten bei Scheidungen itfru.l wird eine Kommission eingesetzt, die Leitsätze gemeinsamer Behandlung bestimmter Fälle ausstcllen soll: sie wird ans den Rabbinern Nenmark» Eschelbacher und Samuel bestehen. Angesichts der anhaltenden Arbeitslosigkeit soll jede Beihilfe zur Abwanderung geleistet werden. Cs ist empfehlenswert, dass bei hervortretenden Wünschen die Hanpigemcinde die Fürsorge für den vstjüdischen Gottesdienst sowie für vermehrten Unterricht übernehme, statt die Leute sich selber zu überlassen. Der Rabbiner soll zwischen Ost- und Westinden vermitteln, und bei wertvollen Elementen den Assimilationsprozeß fördern. Beraten werden noch die Stellung zum Landesverband der preußischen Synagogcn-Gemeinüen: die Abhaltung von G e d e n k - und Be r f a s s n n g s f e i e r n , und mehrere interne Angelegenheiten des Verbandes, zu dessen Leitung für die nächsten 2 Jahre tllabbiner Tr. Kober (Köln) berufen sein wird. Der Nachmittag gehörte ganz der Wissenschaft. Es sprachen Dr. E s ch e l b a ch c r über die „Willenserklärung in der H a l a ch a": Dr. Norden über das „N un h a p n k h a der M a s o r a"; Professor Scheftelowttz über die Frage: „Kennt das Judentum Dogmen?" Dr. Samuel über „Abraham Geigers wissenschaftliche Bedeutung-." Dr. Eschelbacher offenbarte wie immer sein Feingefühl für juristische Probleme, und legte dar, welche Bedeutung bei allen Formen der Willenserklärung neben dem objektiven auch dem subjektiven Momente beiznmessen sei Oft erklärt man etwas anderes, als man ausdrücken will: oft will man etwas anderes, als man zum Ausdruck bringt. Es ist also zweifelhaft, ob man sich sklavisch an daS gesprochene Wort halten, jeden stillschweigenden Vorbehalt aber unberücksichtigt lassen müsse? Tie Sprechweise des einfachen Mannes, jede Notlage, die Möglichkeit, daß gewisse, als solche zugelassene Scheingeschäfte vorliegen, werden in den rabbintschen Entscheidungen beachtet, und es fällt manches Schlaglicht auf die Volksseele und ihre bis heute noch wenig veränderten Aeusserungcn (ttebertreibungen in Eheverschreibungen und dergl.). — Auch wer die rabbinisch-rechtliche Dialektik für überholt ansicht, mußte dem glänzenden Vortrage Mt Interesse folgen: allerdings auch mit dem Wunsche, daß die Aufhellung des altrabbinischen Rechts endlich zu einer moderne« DlsknNto» $tt tti» ttHfttMew Probleme des Talmuds unter ««Sschaltnng der jartdische» führe» »Schiel Dr. Norde» -etgte a» einer •taarferfltetiaate der Masvra (Nun hapukha), daß auch daS Mittelalter seine eigenen Methode» besaß, um die Bibel mit Kritik Sn l«sen. DaS betreftende Zeichen (z. B. Psalm Iw o. SB ff.) deutet t» der berühmten Stelle 4, B. Mose. Kap. 10 B. tt-80 auf sehr selbständige Forschungen Wer die Rechenfolge der- Bibelabschnitte, Zusammenhänge und Versetzungen aller Art hin. die -war nur unvollkommene Resultate zeitigten, aver doch ne»eren de» Weg -ahnte». Prof. Scheftelowttz prüfte «e yeage: Hat teS Judentum Dogmen? Ausgehend von der Berueimwg dteser Frage bei Leo B a e ck „Wesen de» Indent»«-" S. 4 «. b kam Referent zum entgegengesetzten Resultate. Nach ihm habe das Judentum zwar keinen stereotype» Ausdruck für seine Dogmen, wohl aber dem Sinne nach solche selbst jederzeit gehabt. Beweis sei zunächst der Inhalt der Pflichtgebett (Schma und zehn Gebote in alter Zeit, später 8. B. M. Kap. 19 und 20); alsdann die Aufzählung von Kavökmallehren, «m derentwillen man lieber den Tod erleide«, als abtrünnig werden solle; der Ausdruck kofer beskkar; die Aufzählung der Lehren, deren Verwerfung vom ewigen Leben auSschlietze (Sanheörin X, 1); Prüfung öffentlicher Borbeter; Betonung von Unterschcidungslehren gegenüber den Häretikern; endlich die sachlich, wenngleich nicht wörtlich übereinstimmende« Grundlehren der älteren Religionsphtlosophie, denen gegenüber Mendelssohns Behauptung von der Dogmenlösigkeit des Judentums hinfällig sei. —- I« der Diskussion über das interessante Thema begründeten besonders Levt (Krefeld) und Samuel (Essen) ihren vom Referenten abweichenden Standpunkt, demgemäß alle dem Judentum gemeinsamen, konstitutiven Glaubens Überzeugungen der freien Aufsagung jedes einzelnen überlassen seien. Dr. Samuel würdigte Abraham Geigers Mts-» senschaftlichc Bedeutung. In Geigers „Urschrift und Nebersetzungen der Bibel" (Breslau 1857) erblickt Redner daS Hauptwerk der modernen biblischen Theologie, die die Bibel allein aus der inneren Geschichte des jüdischen Volkes heraus zu erklären sucht, und die klar erkennbare Ueberleitung in die Welt des Rabbimsmus bietet. Ebenso neuartig und grundlegend ist Geiger in seinen Eiuzelschriften, Gutachten und Beiträgen zur üüffenschaftlichen und praktischen Theologie in den von ihm geleiteten Zeitschriften; überall Meister in der historischen Methode, in der Umgrenzung des Umfangs und der Absteckung der Ziele seiner Disziplin. Nur auf Geiger fußend. daS ist des Referenten Ueberzeugimg. kann ein modernes Judentum in unserer Zeit auf breitem, wissenschaftlichem Grunde seinen neuen mächtigen Bau errichten. coocmxioooxoQQcmxmxwsooocxxxxxxw Liberaler Verein für die Angelegenheiten -er jüdischen Gemeinde zu Berlin Bezirksgruppe Norden. An den hohen Feiertagen findet im Auerbach'schen Waisenhaus ein liberaler Gottesdienst mit Grgel, Chor nnd Predigt statt. Bestellungen auf Karten sind schriftlich m richte» an: Herrn A. Zander, Linienstraße 45 (Norden 3283). Me bestellten Karten werden bis zum 1Ü. September reserviert. Ueber die bis zu diesem Dermin nicht abgeholten Karten wiranderweitig verfügt. Ab 5. September 192.'. findet wieder regelmäßig um 6y2 Uhr abends -er Freitag-A-end-Gottesdienst im Anerbachschen Waisenhaus, Schönhauser Allee 162, statt« T * Herbst# und Winterkleiduni »»teOOaltl^e Answa&l ln Ptofit.ii Sacco-Anzüge ■*»■< A Q00 «. IWnw, gettegnw SM» . ML »0.00* TI.OO, MOO “O Blanc Herren «Anzüge qJsSST mod. •*»- n. nwebetk. Mm. M. IKlwOO, MM, TfMO UJ Herren-Ulficr BNW.«iviBMM»tn, ^.ftoo DmMSwMfotaaofonMaFcatanlLMjOO, TLOO, OT.OO “U Herren - Paletots SST, Ä ^0fLZ 00 krngm Mnn. nvatrelUc . . 11 86.00, 88.00, 68.00 vJ Röcke und Westen >*■« «. muengo iZ Ciao ObniMt.M. 71.00 lßO Smoking* n. 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