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Jüdisch-liberale Zeitung · 1924-08-29 · 29 (29.8.1924) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
4 (1924)
Issue
29 (29.8.1924)
Date
1924-08-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Rotz« MerNO, Ü»iv.-Pr«f. Dr. Ehr«»»» (Wfcn). Uutv.-Prof. Dr. Et-ier (SA«), Dr. 9. ESLeuufy (Konstanttnopel), Davit Vrlkin (Palästina). Ob«- rabbinrr Dr. Niemi-ower (Bukarest), Minister Dr. Rosenbaum (Koumo), Dr. Rongy (New Vork), Geheimrat Dr. Ttmendorfer (Berlin). Ministerialrat Dr. Wie-meyer (Prag). Z» Schriftführern wurden gewählt die Herren Dr. Rapvpvrt (Paris) und Dr. Ottokar Kraus (Prag). In die Mandatskommkffion wurden gewählt: Die Herren Bürgin (Warschau), Horn (Zürich), Dr. Krämer (Cz-ernowitz), Nudel (Berlin), Dr. Segal (Berlin), Abg. Dr. Silberschet» (Lomlberg). Dr. Temkin (Paris), Dr. van Nealte l-d». sterdam). Der zweite Sitzungstag. — Beginn der Generaldebatte. Am 22. August vormittaAS begann dir Debatte über den Bericht der Exekutive, die von Rudel (Berlin) etngelettrt wurde. Rndel führte aus, die großen Verdienste der Weld Hilfskonferenz, die einen demokratischen Geist in die Hilfsaktion hineingebracht haben, follen nicht geschmälert werde». Man dürfe darüber jedoch qewisie Mängel nicht verschweigen. Ein Hauptfehler war dadurch begangen worden, das? die Exekutive der Frage der sozialen Fürsorge für die Arbeiter nicht die volle Aufmerksamkeit zugewendet hat. In Frankreich, wo die Exekutive ihren Sitz bat. sind große Möglichkeiten für eine jüdische Arbeitcreinwandcrnng vorhanden, die nicht ausgenubt werde??. Grünberg (Paris) warnt« vor Illusionen nach dieser Richtung hin. Wenn auch Frankreich ein Interesse für jüdische Arbeiter-Immigration hat, so sind die Möglichkeiten doch nicht unbegrenzt. Er bezeichnet cs als eine der wichtigsten Aufgaben der Konferenz, einen genauen Plan der Organisierung einer Arbeiter-Immigration in verschiedene Länder, auch in Frankreich, auszuarbcitcn. Dr. WieSmeyer (Prag) hob die Notwendigkeit der Hilfe an die jüdische Studentenschaft hervor. Dr. Legal (Zentralwohlfahrtsstelle in Berlin) bezeichn etc es als die Hauptaufgabe der Konferenz, den Nahmen für eine neutrale Mische Organisation zu schassen, die alle auf dem Gebiet der sozialen Hilfe tätigen Kräfte vereinigen soll. Dr. Rose n bäum (Jüdischer Nationalrat Litauens) sagte, cs wäre noch zn friüi, die Methode der schnellen Hilfe cnrss'ngeben, da das jüdische Elend noch immer brennen!) ist. Alfred Berger (Arbeitersürlorgeamt Berlin) sagte, die Welthilfskonferenz müsse sich ans das Gebiet des internationalen jüdischen Arbeitsnachweises konzentrieren. B o g- -anowfky (Weltverband Hechalnz» rust die Konferenz zn einem intimen Znsacnmenarbeiten mit der jüdischen Ingenans. Schluß der Debatte (sher den Bericht der Exekutive. Am 22. August. 3 Uhr nachmittags, begann die dritte Sitzung der Wcltlnlsöko::fercDie Diskussion über den Bericht der Exekutive wurde fortgesetzt. David Vellin (Palästina) wies auf die Wichtig reit der aufbauenden Arbeit hin, die der Waad tz.eunri für die neuen Einwanderer in Palästina mit Hilfe der WeltMsSkonferenz unternommen hat. Leider hat das Exekutivkomitee in der letzten Zeit mit seinen lliiternütznngen wegen Mangel an Mitteln aushörcn müssen, so daß diese Arbeit unterbrochen worden ist. Bru - uy (5downo) betont das Interesse, baS die jüdischen Kooperativen Osteuropas für die Wclthilfskonferenz hegen, die der Auftakt zu einem jüdischen Weltkongreß werden sollte. Cor g e l (Berlin) führte ans, daß man Beim Ansban der Jüdischen WelthilfSorganisation mit den Verbanden >O>rt" Und „Ose" sowie ^Arbettersttrsorgeamt" rechnen müsse, da diese Verbände ans besonderen Bedürfnissen deS jüdischen LebenS hervorgegangen find nnd fick die Atmosphäre' geschaffen hat, die sie für den Erfolg ihrer Arbeit braucht. Der Vorsitzende des Exekutivkomitees Leo Motz k in führte in -dem Schlußwort zur Debatte aus, inan dürfe nicht die Hilfe in „ausbanende" und „sofortige" einteilen. Die sofortige Hilfe ist ansbanend im höchsten Sinne, iveil sie die Menschen rettet nnd nur mit lebenden Menschen kann man bauen. Er betonte die schwere Lage der zehntausend Auswanber«, fce stch t» den Hafenstädten befwde», W»ö HÄckte sei« Bedauern aaS, Lutz die WelchilsSkonser«- letder utM genügend MittÄ gehabt hat. dies Problem zu lösen. Die Lage -er Juden in Rußland. De» ersten Bericht Wer die Lage der Jude» in Rußland erstattete daS Miln-liod der Exekutive, Dr. Jochelm an» (London), der in ddefem Jahre im Aufträge der VelthUfSkvnfercnz Rußland besuchte. Die Inden in Rußland, sagte Dr. Jochclmann, werden weder verfolgt noch bedrückt, nur ist dort die allgemeine LebenSordnung eine solche, daß die jüdischen Masse» anS ihrer wirtschaftliche» Stellung heraaAgerlfse« sind und immer mcchr de» Bob« ««der d« FUß« verlieren. Fast die ganze Mische Bevölkerung gehbrt in Rußland zu derjenigen, die als „de klassiert" betrachtet wird, und deSbaVb hat die Negierung wenig Interesse für fie. Ken» nicht eine grotzangelegte «ateriickle Hilfe anS de» Ausland komme» wird, dann wird i« kurzer Zeit da» Juden» tnm tu Rrrtzland mttergehen.. Die Frage der Hilfe für Rußland ist keine Frage SeS Mitleids, sondern eine nationale Frage. Der Vertreter der WeltHilfSkonfer«- in Kiew, Vr. Bern stein, der erst vor sieben Tag« Kiew verlass« hat, am der Konferenz deizvwohn«. drückte seine Verwunderung über die in Europa und in Amerika herrschende Meinung ans, daß in Rußland keine Hilfe mehr nötig sei. Bei seiner jahrelang« Arbeit arrf dem Gebiet sozialer HUfe i» Kiew im Namen SeS ukrainisch« Rot« Kr«zeS und der Welthilfskonferenz hat er Gelegenheit gehübt, die abgrundtiefe Not des jüdisch« KindeS kennenzu lernen: tWerkulöS, rachitisch, verwaist, ist die junge Generation in Gefahr, fürs Leben verkrüppelt zn werden und unterzngchen. „Wir haben uns darüber ö« Kopf zerbrochen", sagte er, „warnnr die ausländische Hilfe in der letzt« Zeit derart verringert worden ist. Wir haben verschiedenes vermutet, aber niemandem ist e? eingefallen, daß man sag« könnte, die jüdische Bevölkerung in der Ukraine braucht keine Hilfe mehr." Telegramme. In der Nachmittagssitznnq vom Sonntag, den A. August, wurde in der Plenarsitzung der Konferenz das folgende B»egrüßungstelegramrn des Oberkommissars des Völkerbundes für d ie Angelegenheiten der Flüchtlinge, F c i t 'h j o f f Nansen, verlesen: IBttte der Generalvcrsammlnng der Weltinlsskonferenz, meine anfrichtig« Wünsche für ein« erfolgreichen Verlaus der Versammlung zn übermitteln." Der Bevollmächtigte des International« Rot« Kreuzes und der Internationalen Union für Kinderhilfe in der Ukraine, Des sonn atz, richtete an die Konferenz daS folgende Telegramm auch Charkow, wo er «rgenblicklich tu der Hilfsarbeit tätig ist: „Die Hilfsaktion in der Ukraine ist angesichts der bedanernsmerten Lage in einzelnen Gegenden unentbehrlich." Der Vorsitzende der Konferenz, Leo Motzkin, verlas daS Telegrarnm nnd erklärte, eS fei als eine ernste Mahnung aus dem Notgebiete aufzunehm«. Der Delegierte des Internationalen Roten Kr«zes und der Internationalen Union für Ktnderhilfe, Maurice Gehrt, der ans Genf in Karlsbad zur Teilnahme an der Konferenz emgetroff« ist. richtete vor feiner Abreise «nS Karlsbad den folgend« Brief an d« PrSstdent« der Konferenz: „Da ich an der morgigen Sonntagskonferenz teilznnehwen verhindert bin, in welcher die Prüfung der Frage der Hilfsaktion in Rußland zum Abschluß gebracht wird, erkläre ich hier nam«S meiner Organisation, -aß die Fnternatimraie Union für Klnderhilfe die von der Welthilsökonserenz tu der Ukraine ausgeübte vielseitige und ausgedehnte Hilfstättgkeit sehr hoch einschätzt. Die Union erachtet die Fortführung ihres Werkes in der Ukraine für absolut unentbehrlich und äußert betreffend Ser Jüdischen Welthllfskonferenz d« Wunsch, Sie Konferenz möge die Fortführung ihrer Kanttnen, ihr« Kinderheime und ihrer medizinisch-sanitären Einrichtung« nfw. , zugunsten der jüdischen Kinder in der Ukraine beschließen." Dr. ». «te «der Me ** (er Sttobec in Rußlanv. Die BornrittagSfitzung vom 9L August wurde durch ein ausführliches Referat d«S ständigen Delegiert« der WelthilfSkonfer«z in Rußland. Dr. W. Adler, eröffnet. AnS dem Bericht Dr. AdlcrS ist zu entnehmen: Stach der Unterfuchnug des VolkSkonnnissariatS für Gesundheitsschutz, die im Geptencher 1S2S durchgeführt wurde, sind in Kinderheim« öS 738 Kinder untergedracht, die jüdischen Kinder ganz selt« in jüdisch« Kinderheimen, meistens sind sie in allgemein« Kinderheimen. Materiell und wirtschaftlich ist es um die Kinderheime »ach d« Untersuchung« des Volkskommissariats für Gesundheitsschutz sehr traurig bestellt. 67—72 Prozent der Ktndertnlernate bedürfen dring«ü einer Bev- Hessernng. Ist 47,6 Prvz«t -er Ktnderbetnre fehlt die Wasserleitung und in 71,8 Prozent gibt eS keine Kanalisation. Die Kinder wohnen ganz gedrängt in engen Räum«. Im Gouver«em«i Jekaterinoslaw schlaf« 86,5 Prozent der Kinder »tcht in Bett« oder viele beisamm« i» eine« Bett. AN herrscht größter Mangel an Kleibern, Wäsche und besonderS an Schuhen. Die Ernährung ist ganz nnjwnügend. Der Kaloriengehalt der Speisen beträgt in verschieden« GouvevnementS statt normalerweise 8000 biS 8500 pro Tag nur 1200 SiS 1900 §Urloricn für ein Kind. Da«m gibt eS in de» Kinderheimen ira Gouvernement Wollin 28 Proz., tm Gom« vernement Poltava 62 Prozent, tm Gouvernement Odessa 31 Prozent, im Gouvernement Podolien 37 Prozent, im Gouvernement Kiew 41 Prozent blutarine und zur Tuberknlost neigende Kinder. Die Zahl der jüdisch« Gchnlev ist verhLltnismAtzis Nein« als die der Schulen der Herrschend« Nationalität«, fo d« z. N. im Gvuve«em«t Iekatcrinodlrnv 60 Prozent ssd« dische Kinder in allgemeinen Schulen und nur 16 Prozent i» jüdisch« Schulen unterrichtet. Gegen 83 Prozent jüdischer Kinder lern« weder jüdisch les« noch schreiben. Im Dom« vernement Odessa gibt es nur 2,12 Prozent jüdischer Schule» bei einer städtisch« jüdisch« Bevölkern:vg von 81^ Prozent. Don 2634 untersuchten Kindern der Kinderküch« der Jüdischen Wclthilsskonscrenz gehören 762 Prozent heimlos« .Familien an, d. h. Familien, die als Pogromflttchtlinge a«S ^verschiedenen Städten kommen: 43 3 Prozent der nntersnch« t« Lkttrder besuchen keine Schulen nnd bekomm« wetz« Unterricht noch phvsifche Erziehung. Dir Lklnderküch« der Welthilfskonierenz zeigen d« besten Erfolg. Die Uni«- suchung ergab, daß 00 Prozent dieser Kinder das nvrrnate Gewicht haben. Der Redner schloß: ^Schwer ist das Schicksal der jüdische« Kinder in der Ukraine. W^:rv d'e jüdr'chr OrsfenLlichkeit nützt sofort die nöttg« Maßnahmen m-'reift, so dwht die Gefahr» daß die jüdisch« Kinder nntergchen, Analphabeten bleib« oder assimiliert werden. Sehr schwer ist auch die Lage der studiec«den Intelligenz. Man muß unbedingt die Hilfsaktion fortsetzen. Das Eutisiratrvusi'ryMe^ vor &?£ W-blrsM87ynfcr«H. Der Vertreter des Vereinigten Komitees für jüdische Auswanderung D r. S. T i o m f i u referierte über das Emigrationsproolem und führte aus: In d« letzt« 42 Jahr« sind allein nach Süd» nnd arnerika mehr als 2 30lNXD jüdischer Einwanderer gekommen. Nach Palästina kamen in den letzten Jahren ungefähr 70 000 Einwanderer. Die Einw-anderu>:gsbeschränknugen, die von den Negierungen in den Vereinigten Staat«, in Kanada und auch in Arg«tini« von Jahr zn Jahr verschärft war* den, führ« dazu, daß statt der 100 000 jüdischen Enltgraut«, die jährlich nach diesen Ländern kamen, nur noch 6—8000 einwandern können. Es befindcn sich gegenwärtig in d« verschiedenen Haf«- städt« wie Hamburg, Bremen, Southampton, Liverpool Riga, Bbcm, Galatz. Koustanza fast 10 600 jüdische Auswanderer, die wegen der neuen Einwandernngsgesetze nicht weiter kommen können, obwohl focht 6'>00 schon se-ct Oktober 1028 im Besitz des amerikanischen Visums sind. Das Schrecklichste ist, daß sie auch nicht nach ihrer Hcincat zurück können, weil sie ihr Hab und Gut dort verkauft und dort keine Extstcu» Möglichkeit mehr haben. Ihnen die Möglichkeit zn verschaff f«. sich irgendwo seßhaft zu rn-achcn. ist dringendste Pflicht. Es müssen sich alle Einigrat:onSorgauisntion« vcremertz TEzrsizzm' ■ .uhskobum Moses Der du aus Felsacsicin den Silbcroucll geschldwn, Das Gottgesetz auf Berges Gisssel ch-.ft emvsaugen, Dein Volk zum Heil geführt durch Brüste, Meer und Bangen, — Gigantisch sehen wir aus fernster Zeit dich ragen. Hast Licht vom Einen Gott in diese Welt getragen, Schufst Weisheitssprüche, Psalmen, die in Schönheit prangen, Die Mirjam und ganz Israel na I ußel sauiren. Als (sott den Feind iw Zorn mit seiner' Machi erschlagen. Dein Antlitz strafte; wer dich sah, der mar gedlen-ßet Vom Lichte, daS Jehova bei nein Geist gespendet, — Dn warst der einzig Letzeu-de, der Gott geschaut... Nnd Mebst doch Mensch, starbst menschlich noch vor der Vollendung, Ans hohem Berge Nebo, dicht am Ziel den Sendung, Wo schinnvernd dir der Morgen .Lanaans gegraut. Max N o s e n f e ld, Divsden Züvis.he SHrlMeKer de? GegerkVarl. 2. Richard Beer°Hosmann. Von Dr. Ludwig Davidsohn. (Fortsetzung.) Wenige Jahre nach der Veröffentlichung dieses Werkes Erschien das fünfakttge Trauerspiel „Der Gras von Charolais", das über viele große deutsche Bühnen ging, und mit dem der Dichter eine europäische Hoffnung wurde. Nie in meinern Leben werde ich den tief« Eindruck vergesse!:, den ich hatte, als ich in Berlin im Dezember 1604, in Max Reinhardts Anfängen, eine der erst« Ansführnngen der Dichtung sah. Damals spielte noch Neinhardt selvst die indische Episodensignr des Stückes, den roten Itzig. und all die anderen mitwirkenden „Prvmin«ten^ waren damals noch blühend mrd jung und nicht vom Kino verdorben oder routiniert-gealtert wie heute. Steiurück stellte d« Präsidenten dar. Lncie Höfsich die Desiröe, Ludwig Hartan den Sekretär, der jugendliche Kayßler den Grafen. Moissi,,dcr damals noch den ganzen Schmelz und die Musikalität seiner Iünglingszeit hatte nnd mit feinem unnachahmlichen Elia.rrne die Verführung der Des?rec glanbbast machte, spielte den Philipp. — Ach! wohin sind diese Zeiten cntschwnnden! — Ein Leuchten und ein Glanz lag damals über der Aufführung, der Juszeniermm der Bühnenbild«, wie khn unsere ietzige. in allem verarmte und aus de« Fug« gegangene Zeit nicht mehr hervorbringen kann! — Rach dein Kriege iah ich das Werk noch zweimal, in Südöentschlmrd und in Berlin, und ich konnte meinen Eindruck von damals nachorüf« und feststell«, daß der mwergänglichen. vom Zeitgeschmack und von särntlich« Mod« »nahhängig« Schönheit« tu dem Trauerspiel so viele find, daß bas Ganze sicher über den Strom des BergeffenS Hinweggetragen werden wird. Man kann es nicht sobald «ms dem großen Friedhof der Literaturgeschichte betsetz«, allwo bald so viele moderne Autoren zur ewigen Ruhe »«sammelt werben, die heute nach lauten Lärm machen und von ihren Bcrlegeric und Elim« mit Posarrnensiößen d« ReklMne angepries« rvcrd«. Der Inhalt des Stückes ist bekannt. Jed« weiß, daß der Verfass« das schlechte Material ein« alt«glischen Hänpt- und Staatsaktion in dem edlen Marmor seiner Sprach- und Dichtkinrst uachgebildet hat, und daß seine dichterische Behandlung ebenso hoch üb« dem vergesseneu 'Schmarren steht, wie Goethes Faust über Bern alten Pnpvenspiel. dem eS zum Teil nachgebildct ist. Den äußerlichen Bruch des Massingerfch« Stückes „ftatal dmvrri", den Z«fall des Inhalts in zwei Sonderhandlung«. in den Kamvs des Sohnes um die Leiche des Vaters und «die Ehetragödie, kann Beer-Hosmairn in seinem Trauerspiel nicht ganz verkitten. Aber es wäre töricht-banal, den angenfälligen Riß in der Komposition, d« die gesamte Kritik so wichtigtuerisch-kindlich unterstrich« hat. dem Werke als ^Fehler" anznkreiden. Aenßerlich betrachtet, zerfällt -de Tragödie allerdings in zwei Eigendram«: ab« trotzdem ist. eine seelische Einheit gewahrt. Das Bindende liegt in der Persönlichkeit des Dichters Mld seines He^>«, DaS Sichverbnnden-Fühlen von Kind und Vater. — ist eS nicht bestes jüdisches und m«schliches Bluterbe, ehrfnrchtgebietervde Aeuherrrng von Traditton rmd Pietät?*) Und der kkampf um D6sir6e. — atmet fc btesem Rtug« nicht dieselbe tt-efe Frömmigkeit, dieselbe Sehnsucht des rein« Menschen, der den Fried« sucht und geg« die Beschmutzung von etwas Heiligem kämpft? Der and«e Vorwurf, den man erhob« hat. daß d« sittliche Fall der Dösiröe nicht genügend motiviert sei, ist ehenso sekundär, wie der gegen gewisse psychologische Fragwürdigkeit« bei Sophokles nnd Shakespeare im OedipuS und Lear. — Auch schon deshalb, weil das ganze Drama ja vor allem von der Psychologie des Helden selbst seine Beleuchtung «rpfäugt. *1 Vgl. hierzu die tiefschürfende ästhetische Würdigung uneingehende Analyse des Veer-Hofmannschcn Werkes ans der Feder des ausgezeichneten Berliner Dichters und Literaturh!störtkcrs Kurt Walter G o l d s ch ru i d t (Blätter des Deutschen Theaters bX. ist). Von diesem hervorragenden Stilisten und .tdrit-kcr sott mr dieser Stelle demnächst ausführlich die Rede sein. Allerdings muß man gegen dies« seltsanr« Sprung fc d« Charaktttzeichnung der weiblich-'o -Tau ^gestalt Bed«keu geltend machen. Es ist viel über diese rneckwürdtge Uusttmrnigkeit geschrieben worden, g.sem hat, auf die tz'eziehrrng« dieser Frau zu ihrem Jugendfreunde Bmlipp bezugnehmend, rmt« andevem psychoanalytische Ertläcuugen gegcb« .,. Heinrich Kisch, der bekannte Ordinarins ss-r Frane»- heklkirnde. d« in seinem Boche: ..Die s^nelle An treue d« Frau" eine reiche Kasuistik über «Anttictze Fälle ans seiner Praxis z.nsa'.ur'.rc:rg'.'traaen bat, beronte in seinem Kolleg, daß Verirrungen, wie die der D-^siröe. i.rn nnrl'.'chen Leben absolut rttchtS Nmgewöchnliches feien. — Mit n>as für einer sein« lächelnd« Melancholie hat Shakesoeare im SwumcrnachtK' träum über die Nubesründigleit los Ge'-üllls gespottet! Ein verzaubernder Wink Pucks genügt, und Titania, die Elfenkönigin, diese holdseligste Berkörperr.'.w alles Duftig« und Lieblich« am Weibe, — verliebt sitz in einen Esel! — Gewiß, was im realen Leb« häusig vor kommt und kW Märchen möglich ist. kann d-chtertsch uuivahrschelnlich wirken. In diesem Falle ist aber, wie gesaat. dxste Evitode nicht ausschlaggebend, denn es handelt sich hier um ein Schicksalsdrama. dessen ursprüug.liclx Idee Becr-Hoftnamr in modern« Gestalt und in einem uns nLss-crUegentz«, dieser« und reich«« Golste neu erstehen l.e'r. Cbnrelais wird in wahrhaft tragischer Weise durch das Schick'al auk die höchste Höhe gehoben, um dann srausam den surchtDw-ren F-all tu» zu umssen! . . . Und wie kam das? Am Schlüsse rnst tt zerauält aus: Ätw* tm ich, «ir tKftb’i ttzmisn, -mich lxis ttich?. — ^r! . . . Doch »vir efr tvnrutv'e — ici )ü<t erz!WN!v>a «rtr? . . .•* „Ich trieb fie!a wovl i» den Tod! Ich „trieb" snn „Trieb' ist baö Wort — n.cht wahr? Ich trieb Ne nicht! . . . trieb an« — trewt tt«S! „<$»“ — Mcht H — Vicht b«r Bevor der Graf mit fassungslos«: Grübeln seinem »«*> koren« Glücke uachsinirt, bat er wie Hiob mit Gott gehadert. Der Begriff der aött^ch-en Gerechtigkeit 'Mt den Dichter in allen sein« Werk« beschäftigt, tu Herr I-ugcndnovelleu^ im ^Toö Georgs", in sein« beiden Dramen. Icki diesem Trauersprel sind eS drei Gestalten, die der Vorsehung gegenüber alS Ankläger auttreten, der rv.D Itzstv. der unglückliche Wirt, der einst im Glücke ein groß« Künstler war. ^rnd alles dies zerblieS ein Wind in nichts!" und Charvlais, der im tiefsten Elend ansrecht und stolz wie Prometheus bleibt und sich auch im Leid feine Selbstachtung nicht antasten lassen will. Auch er weist keine Antwort auf die ewrge Frage nach dem Warurn alles Geschehens, allein der Dichter zeigt, daß t n d e n M e n s ch e n s e l b st die Kräfte lebendig sind» die ihn in den Abgrund stürzen. Sv ist hier der Sinn des Schicksals-Dramas vertieft und unserm Empfinden zugänglich gewacht. Und bewusst und grast läßt der Dichter am Schlüsse des Trauerspiels die allgemeine Tragrkeines jeden Ästenschen, ewig einsam zu sein, ani lingcn.

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