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Jüdisch-liberale Zeitung · 1924-08-15 · 27 (15.8.1924) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
4 (1924)
Issue
27 (15.8.1924)
Date
1924-08-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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verheißenden Verfassung sowie -er klaMfch-geweihteR Stätte, an der sie geschaffen wurde, um auf einer. neuen Grundlage einen zeitgemäßen Neubau zu errichten und dem drohenden Chaos entgegenzuwirken, Laß, sage ich, dieser Geist von Weimar mit seiner über, alle nationalen und religiösen Schranken und Gegensätze und Vorurteile, über alles Völkische weit sich erhebenden Humanität und Toleranz, mit seinem volk- und völkereinenden und — erhebenden Idealismus auch dem deutschen Volke, das ja so stolz und mit Recht so stolz ans diese von seinen größten Genien geweihte Stätte ist, wieder mehr zu lebendigem Bewußtsein kommen und seinem ganzen Verhalten, auch gegen uns, zu leuchtendem Vorbild dienen wird, zu seinem und zu unserem Heile. Dr. I e l s ki-Berlin. Prinzipielles zum Fall Eucken. Von Rechtsanwalt F o c r d e r - Breslau. Die Weisstock'schen Ausführungen an Professor Eucken in Nummer 22 dieses Blattes enthalten zweifellos viel Bemerkenswertes: indes gehen sie an der prinzipiellen Erörterung des von Professor Eucken cmsgerollten Problems vorüber. Sie bemühen sich, Eucken klar zu machen, das; der von ihm gewünschte Patriotismus gerade den deutschen Juden heut weidlich schwer gemacht wird. Noch wichtiger indes scheint eine Untersuchung, ob die von Eucken an die Spitze gestellte Dreiteilung der in Dcut'schlMld wohnenden Juden berechtigt und welche Stellung man zu der von Eucken — und nicht nur von ihm vorgeschlagenen BehandlungÄweisc einer jeden Gruppe einzunchmen hat. Denn, um es vorweg zu nehmen: so sensationell die Eucken'schen Ausführungen durch den Namen ihres Autors und ihren Abdruck in der rechtsstehenden Presse, insbesondere Schlesiens. wirken, sie entbehren gleichwohl der Originalität. Die Dreiteilung findet sich bereits in der Propagcmdabroschüre des Dr. Naumann vom Verband nationaldeutscher Juden, der sich somit wieder einmal als Bundesgenosse der Judengegnerschaft; bewährt hat und seiner Befriedigung hierüber durch eine Erkläruna in der antisemitischen „Schlesischen Zeitung" vom 18. Juni 1924 Ausdruck gab. in der es öciftt: t „Es erfüllt die nationatdeutschcn Juden m;t hoher Befriedigung, daß ein so hervorragender Gelehrter in seinen Ausführungen über seine persönliche Stellung zur Judenfrage die Auffassung zur Geltung bringt, dir der Führer des Verbandes nationaldeutscher Juden in seinen Schriften vertreten hat! .... Der Verband nationaldeutischer Juden hofft und wünscht sehnlichst, daß die Stimme eines solchen Mannes im deutschen Volke nicht verhallen, und daß der Tag kommen möge, an dem der nationaldeutsch gesinnte und eingefußte jüdische Deutsche als ein vollwertiger Sohn des deutschen Vaterlandes angesehen wird, wie jeder nichtiüdische Deutsche." Jeder Kommentar zu dieser denunziatoriich wirkenden Anbiederung würde ihre Wirkung nur abschwächen. Was zuvächft die zionistische — richtiger wohl nattonalfttdische — Gruppe anlangt, so ist ihre Abgrenzung deutlich und unbestreitbar vorhanden. Eucken spricht ihr die Berechtrigmrg ab, das deutsche Staatsbürgerrecht zu besitzen, Aemter zu.bekleiden, und das Wahlrecht auszuüben. Einem Philosophen ziemt es freilich, nicht Schlagwortpolittk zu treiben, er soll die Dinge von hoher Warte sehen. Hätte Eucken nicht einen niedrigen Standpunkt eingenommen, so wäre ihm sicherlich ausgefallen, wieso zionistische Einstellung und Becjmtentreue in anderen Ländern dem Volksempfinden nicht äüwiderlausen. Es ist nötig, festzustellen. inwiefern sich etwa gerade -er deutsche Zionist vom amerikanischen (der Präsident des obersten amerikanischen Gerichtshofes, Brandeis. ist Zionistenführer) oder vom englischen lder bisherige Minister Sir Alfred Mond ist Zionistenführer) derart unterscheidet, baß die zionistische Gesinnung bei ihm die Veamtentreue ausschließt. Weiterhin wäre eine Untersuchung darüber nötig, ob Aeußerungen des offiziellen Zionismus eine solche Folgerung rechtfertigen. ob bas Wirken zionistischer Beamten für öaS Vaterland von nachteiligen stolgen begleitet gewesen ist. wie ihr Wirken von ihren christlichen Vorgesetzten beurteilt wird, ob etwa der deutsche Volköcharakter in seiner Besonderheit, oder das augenblicklich überreizte Nationalbewusstsein des deutschen Volkes hier zu anderen Wirkungen führen müsse. Das alles sind stragen, noch viel zu wenig behandelt und geklärt, nicht nur im christlichen, sondern auch im indischen Lager. Wer die Schlagwvrtc hasst — und der Philosoph sollte ihnen nie versahen — wird sich über alles dies zunächst klar werden müssen, bevor er einen, und sei eS nöT so ifefnen Teil btt öeüWen Bürger aus dem Lande zu treiben, oder seiner Gleichberechtigung zu berauben vorschlägt. Die zweite Gruppe sind — nach Eucken — diejenigen Juden, die ihre geistige Heimat im deutschen Leben finden und diesem aus voller Seele dienen. Als Beispiel nennt Eucken einen jüdischen Deutsch-Amerikaner aus Chikago. Merkwürdig, baß er erst nach einem anderen Weltteil blicken mußte, um ein Exemplar dieser Judenart aufzutreiben: merkwürdiger noch, daß er sich gar keine Gedanken darüber macht, wie wohl ein seit Generationen in Amerika wohnender Bürger der Vereinigten Staaten über so einen „Amerikaner" denken mag. der „seine geistige Heimat" in einem fremden Bolk'Stum hat und diesem „mit voller Seele Indes wird sicherlich die kompakte Masse der denhschen Juden, wahrscheinlich auch eine Menge Zionisten, cs für sich in Anspruch nehmen, den obigen Anforderungen Euckens zu genügen. Wir wollen uns jedoch keiner Täuschung htngeben. Eucken meint etwas ganz anderes, als er schreibt. Schon seine Ausführungen auf der Breslauer Tagung und noch mehr die des Präsidenten des Eucken-Bundcs. Professors Hacker, ließen den Schluß zu. daß er gewissen chauvinistischen Bestrebungen politischer Art Einftuß auch auf geistigem Gebiet einzuräumen gewillt war. Eine absolutistisch gerichtete Staatsverfassung schien besonders dem zweiten Herrn ein deutsches Lebenselement zu bedeuten. In der die Juden ausschließenden Richtung mancher Ortsgruppen des Eucken- Bundes sehen beide nichts Unnatürliches, widersprechen ihr jedenfalls keineswegs. Man kennt die Weise und kennt den Text: der Jude, der sich seines Judentums innerlich — und am liebsten auch gleich äußerlich, soweit dies angeht — cntäußert. ist noch immer gewissen Kreisen des deutschen Volkes willkommen. Nur der Jude, der sich von seiner zweiten g e i st i g c n Heimat, von der Tradrtion seiner Väter losreißt, der preisgibt, waS ihnen heilig war, wird für voll genommen. Eucken west; offenbar vom Judentum zu wenig, um zu erkennen, daß er durch die Bewertung solcher „Juden" als Volldcutsche dein deutschen Wesen mehr schadet als nutzt. Als dritte Gruppe endlich bezeichnet Eucken die. welche sich „halb als Juden und halb als Deutsche betrachten" und als solche keine rechte Heimat besitzen. Niemand könne zwei Herren dienen. Das Wirken dieser Heimatlosen könne man nicht ohne Sorge ansehen, es sei gerade den Deutschen besonders gefährlich. Auch hier könnte man in Versuchung kommen, wüßte man nicht, daß ein 76jähriger spricht, zu sagen: „Schnell fertig ist die Jugend mit dem Wort." stür Eucken sind Deutschtum und Judentum offenbar unvereinbare Gegensätze. Er bemüht sich gar nicht erst, es zu beweisen, es steht für ihn fest. Er kommt aber nicht auf den Gedanken, ob es denn nicht möglich sei, Glaube und Heimat, jüdisches Stammesbewusstsein und deutsche Kultürgemcinschast als Synthese zu empfinden. Und doch ist, was ihm und vielen anderen unmöglich erscheint, für Leu deutschen Juden, seit er in den Kreis der deutschen Kulturgemeinschafb ausgenommen wurde, seit Generationen eine Selbstverständlichkeit geworden. Es ist immer mißlich, für jüdische Dinge nach Analogien zu suchen, denn die Judenheit ist ein Unikum in der Weltgeschichte und muß. um gerechte Beurteilung zu findenals solches betrachtet werden. Aber vielleicht gibt es mit vielen anderen auch Eucken zu denken, wenn man gerade in den letzten Jahren von den besten Deutschen aller Parteien die Mahnung vernahm, die sie an die Deutschen in den abgetretenen Gebieten richteten: Treue Söhne ihrer neuen Heimat zu sein, und die geistigen Güter deutscher Herkunft zu pflegen und zu wahren. Mit Recht empört sich das deutsche Gemüt dagegen, wenn in Polen, Böhmen. Rumänien, Frankreich die deutsche Herkunft zur Ursache politischer Entrechtung wird. Jahrhunderte hindurch galt es als Stolz deutscher Kultur, sich in großen Teilen WestrußlandS und an der Wolga unverfälscht erhalten zu haben. Es sind Lies, wie gesagt, nur unvollkommene Analogien, unvollkommen schon deshalb, weil die Juden in Deutschland nachweislich seit über VA Jahrtausenden wohnen und bei ihren Wanderungen aus Deutschland zur Erhaltung deutscher Kultur im Auslande ihr gut Teil beigetragen haben. Ilber eines scheint doch erwiesen: daß eine besonders geartete Geistesrichtung noch nicht zum nationalen Fremdkörper macht, sofern man mit dem Wort „national" nicht jenen Mißbrauch treibt, der das vor zehn Jahren so herrlich geeinte deutsche Volk seit nunmehr fünf Jahren immer tiefer zerklüftet. Hat doch selbst ein Rathenau. wie uns Ernst Tröltsch in seinem Nachruf an den ermordeten Freund in der „Neuen Rundschau" vom August 1922 erzählt, betont: „Er habe als Jude bei glühendster Liebe zum Deutschtum doch naturgemäß etwas mehr Distanz und könne die Dinge zugleich von innen und von außen sehen." Eine Feststellung die jeder vorschnellen Beurteilung solcher Fragen von vorn, herein die Spitze abbrechen sollte. Quote tabgeruudet) 488 5747 8V2% 207:1 14357 14-7,% 8872 304)77 283/,% vlll 7419 üV2% 73j 0420 1792 24405 7*/io% Die amerilanischen LinwanderungSbeschMkinigen. und ihre Auswirkung aus dir Zudrn östlicher Länder Die Einwanderungsbcstimmungen der Vereinigten Staaten, die vor Beginn des neuen Fiskaljahres — 1. Juli bis 30. Juni — neu festgesetzt wurden und die außer der vollkommenen Unterbindung der japanischen eine besonders starke Einschränkung der italienischen Einwanderung bewirken, sind vor allem für die Juden der östlichen Länder von einschneidender Vedeittnng. Das erhellt ans einem Vergleich der vorjährigen Quoten mit den diesjährigen: diesjährige vorjährige Verminderung Staat Ungarn Tschecho-Slowakei Polen Rumänien ♦ Jugoslawien Rußland _ . _ Da aber gerade die Juden in diesen Ländern das größte Kontingent der Auswanderer stellen, so richten sich diese Einwanderungs-BeschränknngSgesetze im (Grunde auch gegen die Juden des Ostens. Dabei ist aber gerade für die Juden Ungarns. Rumäniens und Rußlands — den am meisten in ihrer Quote herabgesetzten Ländern — die Auswanderung nach Amerika und die Vereinigung mit dort bereits ansässigen glücklicheren Verwandten oder Freunden der letzte, der einzige Ausweg aus dem Elend und aus der auch bei den in diesen Ländern nach dem Kriege oder durch den Krieg geänderten RcgierungSsystcmen unausgesetzt andauernden Verfolgung und Benachteiligung. Beides hat sich ja im Lause der Zeit gegenüber früheren Zeiten sogar noch verschlimmert! Fast scheint cs, als ob sie nnn fortan dazu verdammt seien, unter ihren unwürdigen Existenzbedingungen hoffnungslos weiter vegetieren zu müssen: denn abgesehen davon, daß schon die früheren Quoten dem AnSwanderungsbedürfnis nicht Genüge leisteten und daß die jetzigen Quoten überhaupt kaum noch der Rede wert sind, zählen in die Quoten Polens zum Beispiel noch solche Deutsche, die im jetzt wieder polnisch gewordenen Posen geboren sind, wie in die Quote der Tschecho-Slowakei solche Dentsch-Qesterreicher. deren Geburtsort in dem fetzigen Staat Tschecho-Slowakei liegt. Denn nach dem Geburtsort richtet sich für die amerikanischen Behörden die Staatszugehörigkeit des Auswanderers. Damit also vermindert sich die an sich schon unbedeutende Quote wiederum erheblich. Schon die frühere enge Begrenzung der Quoten hatte zur Folge, daß viele ostjüdische Familien, die seit Kriegsende von ihrem Heimatsort aufgebrochen waren, um sich in einem deutschen Hafen cinznschissen, Jahr ans Jahr in den Behcrbergungshäusern der SchiffahrtSlinicv. verbringen, wo sie darauf warten, daß cS ihnen gelingen möge, innerhalb irgendeiner Quote nach Amerika zu gelangen. Dabei gehen oft noch die letzten Spargroschen der Unglücklichen darauf, wenn sie nicht genügend von ihren amerikanischen Verwandten unterstützt werden. Hinzu kommt, daß infolge der obenerwähnten staatlichen Zuteilung seitens der amemck-,.;n,cm'n Behörden die verschiedenen Mitglieder einer Familie häufig genug verschiedenen Quoten zugerechnct wurden genuin ihren verschiedenen Geburtsorten. Dann wurde entweder die Familie anseinandergeristen. was viele tlnznträglicbleiten im Gefolge hatte, oder die gesamte Familie musste deö Augenblickes harren, da sie gemeinsam die Fahrt antreten tonnte. Jetzt gehören allerdings die minderjährigen Kinder zum wenigsten zur Quote der Eltern, aber viele, die bis jetzt warteten, sind doch aufs Nene in ihren Hoffnungen betrogen worden, da die enge Begrenzung der Quote auch in diesem Fiskaljahre die Ausreise verhindert. Dennoch wird eine Rückkehr in das Heimatland, die einem Verzicht ans alle Zukunftshoffnungen gleich käme, nicht gewählt. Der Ausweg. der sich den Auswanderern bietet, ist die Auswanderung nach Südanrerika. die denn auch seit einiger Zeit immer mehr anschwillt. Kanada, das nur gelernten Landwirten mit begründeter Aussicht auf Anstellung oder selbständigen, im Besitz einer größeren Geldsumme befindlichen Landwirten die Einwanderung gestattet, kommt ebensowenig wie Mittel- Amerika mit seinen klimatisch wenig günstigen Bedingungen in größerem Umsang als neue Zufluchtsstätte in Betracht. Tatsächlich hat es sich in neuester Zeit immer mehr ergeben, daß ostjüdische Auswanderer, die sich in Südamerika ansässig gemacht haben, schon bald in der Lage sind, ihre Verwandten durch Ucberwcisnng von Freikarten Nachkommen zu lauen oder ihnen durch Ueberweisinw wm > stdbetiua-"; ä,is «ciK'it in der Heimat zu erleichtern. stmra lässt der .Hoffnung Raum, daß dre 1 kurz oder lang ihre st' 'w i l,V n Denn in absehbm ei st v ird 7 Reichtum an Arbc i ' > "; für sie worin ., ohu l „ 11’ > \ ,; dies i 1 nig aber aaten über G o t t Gott Md Mensch. Zum „T r o st s a b b at h". Von Rabbiner Dr. G o t t s ch g l k. I Nun komm und reich mir de irre Hand, Wir wollen answärtS ringen! Zu freien, lichten stolzen Höh'n Durch Sturm und Wetter dringen! Nun komm und lehne dich an mich Und fühle meine Stärke! Ich will dir Weg und Weiser sein Zu neuem Lebenswerle! II Das aber ist die stärkste Liebe, Das ist die höchste Opscr-kraft, Die beldcnstar.k im Wagen, Tragen Zur Sturmesfahrt die Segel strafst! Die krastgestählt und trotzgegürtct, Die Brust geschwellt und fest den Blick Wie Siegesjubel donnernd jauchzet: Zu Gott! Zum Licht! Zn Gott! Zum Glück! III Sei stark im Leid und denk au mich! Ich breite meinen Arm um dich! Wo Liebe spricht, da schweigt das Leid, Hell flammt ein Licht in Dunkelheit! Mensch: I In deinen Armen möcht ich rich'u. Dein Atem nur soll mich umranschen. Nicht hören will ich dich, nur fühlen Und selig deinem Schweigen lauschen. Zr deinen Armen möcht ich rnh'n, Mich stumm in deine Augen bohren. An ihrem Lichte möcht ich fangen Und leise . . leise . . dort entschlafen. Zn deinen Armen möcht ich rnh'n Und leise., leise., dort entschlafen: dich du, mein Tag, du, meine Nacht, Mein Friede du, mein letzter Hasen! II Gib mir die Hand Und schau mich an . . . Hab Dank! Du hast mir wohlgetan'. in Noch schlaft die Stadt, Die Gassen träumen . . . Wir aber wandern still hinaus, Der Sonne Gruß nicht zu versäumen. Nun flammt sie auf und winkt uns zu! Und wie ein frommer Morgcnsegen Küßt Friede uns und Gottesruh! Und still verlassen wir den Tempel Und wandern in die Welt zurück. Wie rauscht in uns des Gottes Quelle! Nun komme, Leid! Nun komme, Glück! Aus dem Sagenschah des jüdischen Volkes. Von Emil F e l d e n - Bremen. II. Die Stamm e sf agen. Die bewundernswerte Buntheit der Abraham-, Isaak-, Jakob- und Joseph-Geschichten bei aller unübertrefflichen Knappheit und Einfachheit beweisen, daß sie von einem grandiosen Erzählertalent verfaßt sein müssen. Die Erkenntnis, daß wir es bei ihnen nistt mit Geschichte, daß wir eS vek den Patriarchen nicht mit wirklichen Persönlichkeiten zu tun haben, darf als allgemein anerkanntes Forschungsresnltat der altteftamcntlichen Wissenschaft angesehen werden. Bei allen Völkern des Altertums haben sich Sagen gebildet. die über die Entstehung der betreffenden Stämme und Völker Auskunft geben sollten. In sie hinein wurden die Ideale der Gegenwart und die Hosnnngen der crzählruden Generation geflochten. Das eigene Volk sollte möglichst noch über den andern Völkern stehen: es sollte von den Göttern direkt abslammcn oder doch aus nachher Rabe rvr Götter. Darum mußte der Ahnherr des Backes, wenn er nicht ein geradliniger Göttersprößling war. mindestens cm „Uebermcnsch" gewesen sein, der mit den <'»?uern verlebrie und von ihnen bevorzugt und Ihu t > ac , i.et wurde. Betrachten wir als Beist' ec i i gc ie Legende. Uranos — die Persoriisickckion o > i — erzeugte Kronos — die Zeit —. von dem d" -rbstamnckcn. Einer von ihnen war der Barer des Bromechens — des Blitzes —. der den Menschen das Feuer vom Göst'-^.'rge stahl. Sein Sohn DeukaUen überlebte als griechücher Noah die Sintflut. Tejscn So;u u’av -steilen, der Smmmvater der Hellenen, der K'riecgeu. Seine vier Sohne hie7.cn Aeolvs — der Stammvater der Aeo'.-er - . ckmm-. — Stammvater der Dorer — und .F'n-.hes, nach de-'-en Tode seinen Söhnen mit ihren beiden Qheimcn zusammen die Erde verteilt wurde. Diese Sölme waren Jon und Asti,los, von denen die Ionier und Achäer hcrstainmen. Ist es notwendig zn betonen, daß diese Sramrnväter icti-c grö-bichtUchen Persönlichkeiten, sondern Personisitat'.vv.eil der griechischen Stämme waren? Ebenso sind die zivvlf Söhne Ja' l , ,!ck n nichts als die Personisikationcn der zwo-f r tK In den StammeSsagen weisen JBrüde i ci etter" ans weitere Staminesverwandichast b > c mächtiger, edlere Stämme und erstgebo e c iu aru und machtlos gewordene Stännne sind ^rngnorene, dce sich irgendwie versündigt haben (wie lltubeni oder die to dumm und tolpatschich waren, daß sie daS Spiel ihrer ciamgeborenen, klugen und darum tüchtigeren 'Brüder ivcrdcn mußten lwie Esän oder Edom, der Stammvater der Edouciter). Geringere Stämme sind Sohne von Kedsrveibern, wahrend die vom Geschicke besonders Bevorzugter: Sölnre von Llcvlingsftauen sind. Ein engerer Verband einzelner Stännne wird aus der Abstamnna der Stammväter von derselben Mutter erklärt. Die .Hochzeit bedeutet die Verschmelzung zweier Stämme, wobei die Frau den schivä-l-eren Stamm versinnbildlicht. In den Verhältnissen und Erlebnissen der Urväter schildern sich die Stämme selbst mit ihren Vorzügen, aber auch mit ihren Fehlern, oft in lvsiliün'r Selbstirorne, oft aus der naiven Freude heraus, die eine tiest'rstehcndc Kultur an die Schlancheit und st'->-'^stsci,heit l.es Slanimvarers dem Dnnnncrjahn-Stammvatcr des in*> .1 >r .-stammes gegenüber empfindet. Man deute an Zo> n - > Esau'. Der Gedanke, von dein sich f)c~ R ">st, r \'v ans drei Quellenschriften (ans der I-, der E- und dev P Quelle) zu-

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