Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 4 (1924)
- Issue
- 27 (15.8.1924)
- Date
- 1924-08-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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!fi) Aus der Bewegung. Kanalisierte Jugend? Von Dr. Arthur Lilienthal - Berlin. II. In der vorigen Nummer der „Jüdisch-liberalen Zeitung" .lbe ich mich mit dem Angriff auseinandergesetzt, den Herr Lehrer Steinhardt, Magdeburg gegen die liberale Jugendbewegung gerichtet hat. Es ist notwendig, ein paar Worte auch der Zeitung zu widmen, die diesen Verdächtigungen ihre Spalten geöffnet hat. Dieses Blatt hat den Stcinhardtschen Artikel nicht nur ausgenommen, ohne au prüfen, ob das hier von einer ganzen Bewegung entworfene Zerrbild richtig fei. sondern ihn sogar als Leitartikel, also an auffälligster Stelle gebracht. Das beweist zur Genüge, das, die Redaktion auch ihrerseits dem Angriff Nachdruck verleihen wollte. Wenn sie Lab ei dem Artikel eine Kopft'cmertung voransetzt, „das, die Mahnung zur Besinnung und Besonnenheit an alle jüdischen Jugendgruppen gerichtet ist. das, es uns also absolut fern liegt, eine bestimmte Richtung als besonders arg von der Zcitkrankheit ergriffen Hinairstellen", so ändert das daran gar nichts und kann höchstens Mau bestimmt sein, dem Leser hinsichtlich der Holiung der Redaktion Sand in die Augen an streuen. Denn nach einigen allgemeinen Wehklagen über die jüdische Jugend besaht sich der Artikel allein und in der gehässigsten Weise mit den Ilis. Die Redaktion des Familicnblattes trägt genau so die Verantwortung für diesen Hastartilel wie der Verfasser selbst. Wer aber nor>, irgendwie im Zweifel sein sollte über die Rolle der Redaktion, für den hat diese selbst nachträglich den zwingendsten Beweis gelieiert. Die Arbeitsgemeinschaft der JUS hatte dem Jaini'.i.enblatt eine Erwiderung des Magdeburger Ili geschickt, die die Tendenzen der FDK. klarstcllt, die Verdächtigungen gegen die ganae Bewegung zurückweist und von der Auflösung der TDK. Mitteilung macht. Das Begleitschreiben trug streng formellen Eharaktcr; anders mit dem Blatt'zu rertchren, hatten wir nachdem, was vorgcfallcn war, auch keinerlei Veranlassung. Das Schreiben lautet: ■,'m' ou i ["c ubersenden wir Ihnen eine Erwiderung m: ciu' i i id Vereins auf den Artikel „Fanatisierte a.n:w',!v" ur oer lebten Nummer Ihres Blattes und ernuhei: .-.ii'. deu;eiven in der nächsten Nummer Ihrer W ' n c n auf der ersten Seite zum Abdruck zu dringen." Z ■' ' >^:de Aulivort: r.-wertes Schreiben gelangte heute in r. ' ',-e . nicht umhin, unser Befremden au .. . die Art. wie an uns das Ersuchen" N' v ti 1 11 , t r , u.. ulen Nummer ebenfalls ans der m > ' 2K " ' ' ..n't aus Magdeburg zn bringen. " > i ‘ . r' uint im entferntesten verpflichtet sind, ew , .u aiiiguuehir.cn, wird auch der krasseste Tunis Iw cs BervanöeS mriien, denn wir haben ja in dem .ick! Ik i,! i luiTt Ort genannt. Wenn wir uns tuoB>em dag.u verstehen iverden, die Zuschrift mit einigen l' u u: gen < n* > uiii.C’t so tun wir dies nur aus Loyalität c i b-l luv' ,'i Davon, das, das „Eingesandt" auf dm ivtai t' >' u \;t müßte, kann keine Rede sein; wrr niciich derartige Platzvvrschriften mit Entrüstung zu ruck" Der Leser möge selbst beurteilen, ob unser Schreiben, in deui von prestae festlicher Verpflichtung kein Wort steht, au dieser — um mich sc!>r milde ausaudrücken — groben Antwort Veranlassung gegeben hat. Sie ist nur dadurch zu erklären. daß die Redaktion eben den Jlis mit oder ohne sachlichen Grund etwas auszuwischen bestrebt ist. Fürwahr ein vornehmes Verhalten! Lun übrigen dvure cS auch ohne preßgesetzliche Vorschrift journal uudu' >l 1 psticht sein, die Erwiderung auf derartige n’M '■uti-Icn, ^n-d zwar an ebenso sichtbarer Steile Das stai ul enblatt hat Hie Erwiderung auf den icttoriiM de " rru Steinhardt auf Her Innenseite einer Beilage m ,' aal abgcöruckt. Es ist klar. Hast unter d!^c'" 1 . f w'de einig nur von einem Bruchteil de, 11/i;tilh v.m arinut wird, die den Angriff gelesen haben. Auch Ini'.u.t w. i das? cs dem Blatt nicht auf sachliche A> '-v.n'"i ’ i ' ' d die Unterrichtung seiner Leser, lu.dew! nur d.na-rr ankommt, den ihn, aus irgendeinem ck.u' n. N:loe--i!cuuen >,US ans irgendeine Weise einen ^lrea - .c-un. — ^ce Redaktion rechtfertigt ihr Ber- ' ' ' M'lgenvermaßen: - -- r i du. I er: Boransicbung ans. Hast der äu m^mucharat einer besinn nuten Gruppe ge- " " ''l n "'i io l"mal die Notiz am Kopfe saune ergearstcii m ui!üm uniiW via am-. cs, das die In ' . recht um dm: an ' ‘ , u. i •' e!i'.hcce. ß. ncst se ö Ml . . a '. - , . sstivw , . i ' ,a ,)'«,> i , > >l rI' d en lc.ten liest, war der: ' Be In.iilic Abraham anser- - vUu-.el, sein Volk, erstehen ' Ml u eit an segnen. Die n - -e. . nuMcn außerdem, u mir *vraricii geben, die von der ■mm uu-riMt, uuc a. B.: wie kommt .i.' Süden des Toten Nteeres r>en ' — Weil Esan sein ErstgebnrtS-!.! .aiwicn Jakob verschleudert hat, 11 , c ne Sag nc'zahler sichtlich erne --et, wahrend eine spätere, nachdenk- . u.u..e ,de Zen nunen Reichtum ans ■" — d'öarnm hat Rubens sein Erst- -- Weil er stcy gegen seinen Vater <] ( >1 f 1 :>i\ , T)f 22; 40, 4.) — Wa- ’ _ "Bn! Hagar, IsmaekS iVi .cT )nmt den Svhn in die a i. c-ik-.i oazn, d'.e Namen Her Ahnherrn n o ulii m.,.. ' Mul gen S.alten, zu deuten. Auch l-'i ' ' >>- c c ' aar nicht ans die wissenschaftlitl.e '.kc.v.ih.. .! ivi’o-r ki: Lt.nrng an. ergibt sich schon mit dem b.! > a.., i'.Den Ao.aham ist der Vater d" . .. ' "n .Mi .'Halter. Imak (hebr. Jshak) h.u icilu, ''u e' ' > 'u?" alte Mutter über die Anl> f '."n ' ' ' ' ,‘ la >, : ()cßr sabak): Simson heiht 10. hm! leiua v <s>o11 hat gehört lhebr. Schama- S'-n'"'» . or ',1 nbenl, weil seine Mutter nef: „ >' : . ' ck > -'.«'hen" ilnbr. rasa bevnji) usrv. ck'Le' "u uu von s'Lben g-'na.nnt, weil Abraki W t > > n ' i u '' rer'chenltc .... Weu.'r iveveen ..ragen beantwortet, wie die: woher ko i,. ' s f’ . u. Dita. nnc Bethel, Pennnel usw., hu. ' > 1 l ui Ae sich in Wirklichkeit um nra'.c ' ' I r' 1) der Eroberung des Landes vcn .M c, "" i e . >en hatte. Sie werden umoc >' ci v\ i (• <>>'-de"L., h o Mt den Patriarchen kunda i " i 1 1 i :N, 1—19). " ' 1 . .u',' S.cken dunklen Ursprungs sor-...ic - .g - . ,7 g .."re Erciarung finden. Nur *iuct d Hw ' ' Mi, M'vi -nchr dargcbrachl, ‘J’iM 'i ' iV'viM '■füll 2?, M). Antwort: ul a ' t ' eri, h , nprophctischc Geschichte, > - > . a.L". nlesen Abscheu auswcist, u. , , - ,n. 7, 21: Ezech. 13, 20; der Kettung) und außerhalb Magdeburgs werden wohl die wenigsten Leser gewußt haben, wer mit der in der Hauptsache zitierten Organisation gemeint war. Wenn auf einen Lerartigen Artikel, in dem kein Name genannt wird, eine Gruppe sich zn Wort meldet, so ist es üblich. Hcrartige Wortmeldungen im „Sprechsaal" unterzubringen. Dazu ist diese Rubrik in der^Hauptsache da." Daß die Redaktion die Stirn hat, noch immer zu behaupten. daß niemand angegriffen sei. seht wirklich dem Ganzen die Krone aus. Um diesem Märchen vor aller Oeffentlichkeit ein für allemal ein Ende au machen, seien die Sätze des Steinharötschen Artikels, die auf den Abdruck der Aufnahmebedingungen der JDK. folgen, hier im Wortlaut abgedruckt: „Das also war LeS Pudels Kern! Wir hörten von neuen jüdischen Jngendvereinen liberaler Tendenz mit dem schönen Namen „Ili", die.sich die Ausgabe gestellt halten. ' das Judentum neu zu gestalten, vor allem aber die jüdische Jugend von der „Seuche" des Zionismus zu bewahren und darum jeden Umgang mit zionistischer Jugend an meiden. Ans diesem Grunde wurden den neutralen Jngendvereinen. in denen zumeist jüdische Jugend aller Schattiernngeu in Eintracht zusammengcarbeitet hatte, liberale Jugcndvercine gegcnübergestcllt. wurde die jüdische Einheit zerrissen und die Vereine vielfach lebensunfähig gemacht. Und das Ende vom Liede: Eine Organisation nach militärischem Vorbild!" Da die Redaktion den Angriff so gar nicht wahr haben will, must sie sich wohl dessen beivnstt sein, mit welchen Mittel-., sie und ihr AUtarbeiter gearbeitet haben. Abdrucken und dann der Mitwelt einrcdcn. öast der Inhalt des Abgedruckten gar nicht existiere, das sind also die Methoden des Hamburger Israelitischen Jamilienblattes. Zn alledem hat die Redaktion von der Erwiderung den letzten Satz gestrichen, der lautet: „Wenn der Verfasser M. St. — merkwürdigerweise fehlt dieses Signum in einem Teil Her Auflage, a. B. in Magdebnra — die jüdisch-liberale Jugendbewegung aber nicht kennt, so ist eZ nnvcrantmortlich, Hast er der jüdischen Oeffentlichkeit ein solches Zerrbild unterbreitet." Sic begründet das in dem schon erwähnten zweiten Schreiben Hamit: , ,A2ir haben nur den Schlußpasius, der weniger zur Sache gehörte als an uns (sic!) Kritik übte, sortgelafsen, was uns gewist kein Mensch verdenken kann." Nein! Wir wundern uns darüber wirklich nicht mehr, aber zur Vervollständigung des Bildes sei auch dieser Zng mitgcteilt. Kritik verträgt man also in Hamburg auch nicht. Das Hamburger Israelitische Jamilienblatt und sein Mitarbeiter sind, wie der Leser steht, ci,ra„der wert. Dementsprechend ist auch.die Würdigung zn werten, die Hie Redaktion in ihrer Kvpsbemcrknng. der „Persönlichkeit. Hie jabrzchnlelang in der indischen Oeffentlichkeit steht und bei allen Parteien verdiente Wertschätzung genießt," zuteil werden läßt. Welcher Art diese Wertschätzung im liberalen Lager ist. habe ich bereits in der vorigen Erwiderung angcdcntct. Ich kann mir nicht denken, daß in anderen Lagern eine Persönlichkeit. die sich der Oeffentlichkeit gegenüber stets so gebärdet, daß sie in ihrer Gemeinde allgemein als Zionist gilt. Liberalen gegenüber aber ihren angeblichen Liberalismus bctont, die in ihrer Lebensführung liberal ist. aber den Liberalismus ösfcntlich ansällt, besondere Achtung genießt. Soweit wir unterrichtet sind, hat man auch in, Magdeburger zionistischen Verein bereits sonderbare Erlebnisse mit Herrn Steinhardt gehabt. Es mag sein, Mst Herr Steinhardt bei allen Parteien gleich eingeschätzt wird. Wir können uns aber nicht anders denken, als daß diese Einschätzung bei den wertvollen.Männern und Jrauen aller Lager gleich wenig hoch ist. Insofern mag Herr Steinhardt allerdings über den Parteien stehen. Und für das Hamburger Jsracliiischc I-amilienblait dürste im Resultat etwa dasselbe gelten! Der jüdische Liberalismus und ferne Gegner. Von Rabbiner Dr. E. A v p e l. Bingen c. Nh. Als das Eisen erschaffen wurde so heißt es in einem sinnigen Midrasch, da erzitterten die Bäuure des Waldes: denn sie glaubten, nun sei ihr Ende gekommen, nun müßten sie unter den Hiebcu der Art ihr Leben lassen. Aber es wurde ihnen kundgetan: Ihr braucht euch nicht vor dem Eisen zu fürchten, solange sich niclst euresgleichen mit dem Eisen verbindet und die Art keinen Stiel findet. An diese Erzählung wird man unwillkürlich erinnert, wenn man die jüdischen ('legn-ccr unserer liberalen Bewegung vor sich im GZ sch' vorttberzi-ehn läßt. Nicht die strenge und kvuseaucute orthodoxe Richtung, die mit tteberzengungsgründen uns betäuunt und unserer Bewegung im Bewußtsein, die allein Gültige jüdische Wahrheit zu besitzen, das Lebensrecht abspricht, hat unseren ö. Atos. 12, 3t) vor den bei den Nachbarvölkern Israels üblichen KindcSopsern auswcist. — Warum wird der Hüstnerv nicht gegessen? — Das erklärt Jakobs Ringkampf mit Gott (1. Mos. 32, 23—33).*) Endlich geben die Sagen Erklärungen über Hie ausfallende Beschaffenheit bestimmter Orte, wie a. B. HeS Toten Meeres. (1. Mos. 19, B. 24 f.). Die günstige Gelegenheit wird benutzt, um gleich mtcl) noch eine auf dem Bergrücken Dschebck Usdum im Südweften des Toten Meeres gelegene Säule aus Salzstein zn deuten: „Lots Weib sab hinter sich und wurde zur Salzsäule." Nu» sind die zwölf Stammeshäuptlinge zwar leicht zn deuten. Aber nicht die Urväter Abraham, Isaak und Jakob, lind mit ihnen Lot und Laban, Sarah und Rebekka, Lea Hsnnd tlla-hel! Letztere beide konnten allerdings Stammcsgruppcn darstellcn, wie ja bekanntlich Lea- «nd Rahekstämme unterschieden werden. Doch wird allgemein anerkannt, daß diese Namen früher eine andere Bedeutung gehabt haben müssen und erst später zu den Vertretern ihrer Stämme gemacht worden sind. Da gewinnt die Vermutung große Wahrscheinlichkeit, daß es sich um alte Stammcsgötter handele, die später zu Stammesvätern und -muttern gemacht worden sind, wie solches ja auch bei den andern Völkern des Altertums gang und gäbe ist. Tatsächlich hieß die Göttin von -Harran, wo auch Vtilka verehrt wurde. „Sara", — Israel könnte bedeuten: Mann lhebr. Jsch) d. i. Anhänger des Gottes oder Göttin Rahcl. Auch Abraham laßt eine solche Deutung zu. „Vater der Menge" ist. wie wir bereits oben bemerkten, eine Klangcthymolögie — und zwar eine sehr schlechte, Ab-Hamvn kann niemals zu Ab-raham werden. „Hoher Vater" oder „Vater der Höhe" würde besser passen: darunter hätten wir den Mond, den Vater der Himmclshöhe, zu verstehen. (Vcrgl. auch die aktisraelitischc *)?lnm. liefe Wcfcfndile. ein-? der I- und E-QueNc zuütmtnenaenUjeitet, iff ein Wuiicrlicifjjfcl bnfiir, wie diese alten Lniten deraeucitel wurden. Der erste Teil von N. 20: „Und da er sah. das; er ihn nicht ü!u:rmochte, rührte er das Gelenke seiner Hüfie an," stammt von E. 'chämllch: Jakob fd)I.t:U Gott. mH dem er rin.it, aus die Hüsle! Ter zweite Teil desselben Verses, der der U-Lnelle entstammt, kebrt dies einfach tun: Und das Gelank der Süste Ialods ward über dem binnen mit iinit dem renrt". Time Tarilesluu,; wird iVe-tiu, 'um V, der einen fritieren Uid.tf. dar'tellt. mifrcttomtnctt. — Vmde OiuUmt scheinen ans einer «lemeinfntitc:t Voriaae aeichövit AU naben. VU* svlme so mint die babliloiii üfe Gilaani'ch Taae in Betracht, wo eine noulicbe Bimiilanivcevisvde geschildert ist. — Tie (5r.;aylung vom :!>iitfle;; Tmkvbs mit Gott l>nt ihre bivUsche Varahele in 2. Mos. 4, D. 2^- 26, wo Jahwe ans deil beimkehrettden 2'.'aleceinen vitt.triff mawt. der mir durch die Besdneidune, des Moses durch tzivvora avaewandt Bestrebungen wesentlich gescha-et, soubern Lie Kreise v«e allem bedeuten für die Entwicklung und Verbreitung unserer Ideen eine nicht zu unterschätzende Gefahr, die ihrer Anschauling nach bestrebt sein sollten, sich dem religiösen Liberalismus tatkräftig anzuschlietzen, und doch gleichgültig beiseitestehcn. Die Orthodoxie erkennt den Gedanken der Entwicllung innerhalb der btcligion einfach nicht an. und in dieser Auffassung muffen und können sich die Geister sein säuberlich trennen. Mit dieser Gegnerschaft der Anschauung und der daraus folgerichtig hervorgehendcn Handlungsweise» iverden wir uns in sachlicher "Ruhe abfindcn und cs der Entscheidung eines jeden Einzelnen überlassen, welcher Anschauung er sich zuwenden will, wenn wir auch ernstlich bestrebt sind, unsere Meinung zu begründen, zu verteidigen und zur Geltung zn bringen. Darum ist auch die Klage über die großen Hindernisse, die uns die Ortodvxie bei der Erreichung unserer Ziele bereitet, nur insoweit verständlich, daß sie oft in den Gemeindeverwaltungen ein über ihre Stärke kveil hinausgehendes Bestimmungsrecht auch, für die Gestalttmg des religiösen Lebens der nichtorthodoxen Mehrheit verlangt. Wenn sie es versteht, unsere Glaul>cnsgenoss-en zu ihrer Anschauung in Leben und Lehre zu belehren, dann must ihr das Jeld geräumt werden. Das wäre eine Entscheidung der Geister, kein Kampf des „A c u n d "h e l d ent ums. Sind Hie Gründe für die Notwendigkett einer jüdisch-liberalen Bewegung in den Augen unserer Glaubensgenoffe» nicht stichhaltig, und ziehen dieselben, die Konsequenz daraus, indem sie in ihrem Denken mrö Handeln sich der orthodoxev. Partei anschlietzen, dann sinH.wir>Liberalen eben unterlege» und müssen uns Her Mehrheit lügen. Dem ist aber nicht fol Das jüdisch-orthodoxe Lager in Deutschland ist sehr klenr: noch kleiner, als man es sich häufig vvrstellt. Die oModose tlli'.htung erfreut sich nur einer größeren Mttläufersckraft, die sich in der Furcht vor schlimmen Folgen eines isiöisch-reli- «,lösen Liberalismus znsammensindet und z«m Teil auch aus einem unbestimmten romantischen Gefühl Heraus der Orthodoxie sich auschlicstt. „ . Allan pflegt in unserer Glaubensgemeinschaft alles unter dem Namen'liberal zusammenzufassen, was nicht als orthr^ dox in Wort und Handlung zn bezeichnen ist. Dazu wird auch das große Heer der Indifferenten gerechnet, die ihre» „Liberalismus" einzig und allein in der uneingeschränkte» Freiheit von jeder religiösen Bindung und in dem Nichtbcfvlqen von religiösen Vorschriften-erkennt. Die religiösliberalen Führer der Gegenwart haben es schon mmstg genug deutlich erklärt, dost sie diese Gleichgültigen wohl als Material für ihre Arbeit und ihre Ziele betrachten, aber ngter keinen Umständen nut deren Anschauungen gleichgestellt werden wollen. Dem falschen Vorwurf, daß die religiösliberale Tätigkeit der Jndrsferenz Vorschub geleistet hatte, könnte mit der Tatsache begegnet werden, daß in orthodoxen Häusern häufig Kinder auswachsen. die später alles Religiöse über Bord werfen. Wir sollen es ruhig bekennen, dag innere i'sllhängelschast gemessen an der Zahl der deutschen Inden nicht sebr groß ist: wohlgemerkt, die Anhängerschaft für die praktische Erfüllung eines religiös-liberalen Judentums. Deshalb ist unsere dtrbeit so überaus wichtig und notwendig. Meine jüdische Anschauung welcher Art auch immer wird auf Hie Dauer Bestand haben, chic nicht enie größere Anzahl von beivustten tatkräftigen Anhänger» besitzt. Solche Glaubensgenossen. Hie rein theoretisch auf der Seite der Iidischen Orthodoxie stehen und nur mit Hem Munde oder bei den BorstandSmahlen in diesem Geiste ein Bekenntnis oblegen, tragen nichts bei zu dem Bestände der von ihn.cn gef rdertcu ichtuug und sollten eigentlich von der Orthodoxie ebenso abgewiescu werden wie sie von liberaler Seite 'bekämpft werden müssen. Es geht »icht <m. fick irr die Reihen der Konservativen stellen z« wollen, ohne »nt ihnen von Arrfans bis Ende mitziimarlchieZen. Das ist eine Halbhp.it, die sich nüd sonst ijn Leben guch hier^inurgl bitte ^rächen muß. Und in gleicher Werse rst Hns.BüNduiL von Orthodoxie und Zionismns unnatürlich, chas aus Her gemeinsamen GegrrerschA gegen unsere Bewegung entsprirqL Ma» glaubt wohl, solche sonderbare Verbindungen, wie man sie 1» anderer Art -Ä voli: > scheu Partesim kenn enge! ernthat, seieueckrch in unsere» Reihen möglich. Daß sehr viele, liberale Inden Gegner LeS Zionismus sind, darf meines Erachtens nicht der GrunS für diese Parteikonsiellation sein: Len» -Le zionistische Bewegung ist ihrer Entstehung unL ^eartuua nach weder an La» eine noch andere religiöse Lager geistig gebunden. So ist der Kamps, den unser jüdischer Liberalismus M führen bat. zum Teil wenig.ergiticklich. weil er mit m vielen Nebenerscheinungen zu rechnen hat, die unsere heutige religiös und geistig zerfahrene Eieit mit sich gebracht hat. Aber es ist ein Kampf, der geführt weoderl muß, wenn wir auf dem Wege Her religivscu 5tläruug vorwärts kommen wollen. Ein Kamps, der, sachlich geführt, nicht zu verbittern braucht, der Menschen verlangt, die sich mit ganzem Herzen zn der einen oder anderen Anschauung bekennen und den ehrlichen Gegner achten, so wie sie diese Achtung für sich und für ihre Ucberzeugnug fordern dürfen. Verehrung der „Neumonde".) Wir haben es hier mit uralten Sageumaterial zu tun. das nicht einmal mehr den Erzählern der Sagen erklärbar war, so daß sie sich zu Toi: .u gewagten ethymologischen Sprüngen gezwungen sahen, g '- schwcigc; denn viel später arbeitenden Sammlern der Sagen und den Redaktoren. Von Jakob, dem eigentlichen Stammvater, wußte man noch arn meisten. Bon ihm aus ging mau tu die Vergangenheit zurück, wobei manches vo» Sem. was «rsprüuglich von Isaak erzählt wurde, auf Wraham übertragen worden ist lz. B. die Geschichte, vo» Beerseba und wn -er Gattin, die alS Schwester ausgegeben wurde). Machen wir nnn -ev Bersach, <ms Liesen Stammessagen den geschichtlichev Kern HerasssuschÄe». so bleibt sehr wenig übrig, letzten Eudes nur. die Tatsache der Verwandschaft der Stämme untereinander unH -er mm thnep rmteruomeneu Wanderungen, aber <nch LttS sicherlich nur in ganz groben Zügen. Es ergäbe sich etwa ft)lgende§ -Bild: Ans Südarlncnien s^lrvachsad") -waen'HlrtLNstöumre über dev Tigris nach Ur, nördlich von Babel. Hier vollzog sich eine Trennung l„Pcleg^, wobei- Lbe einen nach Arabte«. die anderen nach Haran zogen. Während die Nghoriten. /„Leute des Stroms") daselbst Weben, zogen die AbrahamLlente nach Kanaan, wo sich JsmaeMer. Midiantter. Moabiter, Ammvniter im Süden' äbsvv-ertev. Bon-Leu nach Süden ziehenden Edomttern trennten sich Mrebe», Gimeon, Levi. Inda, Scbulon und Jsaschar. die sich gen- Nor-en wandten. Aus der Heimat bekamen sie Anzug hLscckob" — Nachschub?), nämlich die Nahclstämme Joseph und Benjamin, denen sich die Silpastämme Gaö und.Ascher und die. Bilhaslämme Dan und Naphtali anschloffev. MLpa nn- Gilha sind KcbSweibcr Jakobs.) .Die als hochmüttg verschrtevev und darum den übrigen Stämmen ans die Nerverr fallenden Rahelstämuie wurden dann mit Hilfe der. Iffmaeliterr nach Aegvptcn verdrängt. Spater folgten,ihnen.andere Stämme,'denen von Pharao Tutmosis IV. das Land'Gvfen z-mn Anfentbalt angewiesen wnröe. Daß tatsächlich ein TeU der Stämme in Aegypten gewIen ist — was bekanntlich von einer Reihe von Gelebrt'.'n bestritten wird — bezeugt die^Ueberkteferung, die die Erretlu::g aus der „ägyptischen Knechtschaft" als religiöses :> erlebnis ungemein stark betont und..immer wieder äufülirt. Wie viele Stämme aber in Betracht kommen, das steht dahin. In LLirklichkeitchaben israelitische Stämme aus der Simfthatbinsel ein Nvmrchendafein geführt.