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Jüdisch-liberale Zeitung · 1924-08-08 · 26 (8.8.1924) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
4 (1924)
Issue
26 (8.8.1924)
Date
1924-08-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
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nicht die idealistische Klassik, die Epoche beS HmnantirttS. Ideals, sondern die tragische Romantik. Wenn diese These eines Beweises überhaupt noch bedarf, so habe« wir ihn tn ihrer starken innerlichen Abhängigkeit von Klerkegaard oöer besser oielleicht: in -er auffallende» Derevandtschast mit diesem da» europäische Romanttk<scchrh«n-ert repräsentierenden Philosophen. Bubers Werk ist durchsetzt mit Kierkegaard» Zentral- Begriffen: „Entscheidung". „Wahl". „Tat". Verwirklichung". BuberS Kultur-Kritik ist ein Echo der großen Strafpredigt Kierkegaards. Aber all dies ist nicht so wichtig wie da» gemeinsame religiöse Ur-ErlebniS: „Gefahr. Gefahr. Gefahr, daS ist fortan deine Bahn. AlleS Schaffen steht am Rande des Seins, alles Schaffen ist Tätigkeit." Buber wußte ebenso wenig wie der dänische Romantiker seine Relation zu Gott anders zu symbolisieren als durch -aS Paradox der Gefahr. Auch Buber gehört zum romantischen TypnS. Ser -as Unendliche nicht hat. sondern sehnt. Seine Vertiefung in alte jüdische Legenden und Märchen ist ein Analogon zu -er Vertiefung des Romantikers in alte mittelalterliche Hciligengeschtchten. So ist noch diese Verherr» ttchuug vergangener Epochen jüdischen BolkstumS europäisch, romantisch. Bei Mar Bros ist der Einfluß der Kierkvgaardscheu Gedanken noch sichtbarer als bei Vuber. Die Existenz des tragischen Romantikers umhüllt Kierkegaard mit dem Wort „Christ". Brod mit dem Wort „Jude". Kierkegaard machte aus Abraham einen tragischen Romantiker des neunzehnten Jahrhunderts.- Brod interpretierte die jüdischen Denkmäler mit Kierkegaards Worten. Er behauptet, das; Kierkegaard „der jüdischen Einstellung zur Welt benachbart ist": „Der Begriff des „Diesseitswnndcrs", wie ich ihn als Kern des jüdischen Weltgcfühls fasse, ist mir nirgends so klar, nirgenös so erlebt formuliert, wie in Kierkegaards Schrift „Furcht und Zittern". Gibt das nicht zu denken? Brod behauptet nicht etwa nur. daß der dänische Philosoph daS Jüdische besondertreffend definiert hätte: sondern, das; Kierkegaards ein Jahrhundert repräsentierende Existenz sich mit dem Erlebnis -eckt, in welchem Brod den Kern des jüdischen Daseinerblickt. Am tiefsten ist das religiöse Erlebnis des Juden also erlebt und formuliert von einem Ntchtjuden. Damit hebt sich diese Definition selber auf. Diese Kritik an einigen wichtigen Definitionen deS jüdischen Menschen kann verallgemeinert werden: es wird bet den Versuchen , das Wesen deS jüdischen Menschen begrifflich -u fassen, übersehen, das; all diese BegrisfSkonstruktionen zu primitiv für die modernen Zusammenwachsungen der Seelen sind. Wenn unsere Kritik naturgemäs; negativ sein muhte, so soll wenigstens noch der methodische Weg aufgezeigt werden, der eher zu einer Lösung des unumgebbaren Problems führt. Man muh immer davon auLgehen, daß es nur eine einzige Mcnschheitsseele gibt: Heraklit und Alexander und Buddha und Paulus und der heilige Thomas und Gregor VII und Goethe und Gregor £ und Herr A sind nur einseitige, mehr oder minder universale und typische Teil-Leben dieser Seele. So ist auch Griechenland und Rom und die germanisch-romanische Renaissance immer nur ein Teil-Leben. Aber diese Teil-Leben verschmelzen in unserer Aera immer mehr: und einmal wird sich aktuell erweisen, was potentiell immer war: daS alles in allem ist. Die Definition des jüdischen Menschen wird also am besten aus einer historischen Epoche zu gewinnen sein, da das jüdische Bolk verhältnismäßig isoliert die Einseitigkeit, die tn jedem irdischen Charakter liegt. anSlcbic. Bon hier auS werden sich erst die Elemente, die im jüdischen Menschen von heute spezifisch jüdisch sind, künstlich isolieren lassen. Man wird dann weniger in Gefahr kommen, allgemein europäische Charakterzüae wie Unrast. Entwurzelung. Sehnsucht als spezifisch jüdisch auSzuzctchnen. Ob diese spezifisch jüdischen Elemente im heutigen europäischen Juden dominieren, oder ob sie vielleicht nur eine jüdische Spielart des allgemeinen eurasiattschen Typs schaffen, ist schwer zu entscheiden. Will man aber aus der Existenz der Übergreifentmi surastattsche« ob« (wie ich gern »rrbeschetb« sage« möchte) entgültigen Renschenseele die sperielle Forderung ableite»: daß also der jüdische Mensch im europäischen Mensche« aufgcht und aufgehe» soll, so ist diese Forderung nur soweit sinnvoll, als man auch die entsprechende Forderung formuliere» kann: daß der europäische Mensch im jüdischen Mensche» aufgeht und infgehen soll. Vielleicht ist eS so: daß in der tiefsten religiösen Schicht bei den produktiven Mensche« heute schon keine rassenhaften Unterschied« der religiösen Urerlebnisse mehr ft« finden sind. In höhergelegenen. nach der Oberfläche r» liegenden Schichten trägt der Jude wie der Engländer. n»te der Franzose, wie der Russe die Prägung seiner historischen Dergangenheit. m. Die Baroerturrg des jüdischen Menschen. AlfonS Paquet schildert in einer bemerkenswerten Analyse Marlin Bubers Kampf gegen drei Fronten ö«S Judentums: gegen den liberalen Humanitarismus: gegen den formalen Nationalismus und gegen den religösen Konservativismus. DuberS positive Leistung über diesen Kampf hinaus liegt in der Ergründung des jüdischen Wesen» und im der Begründung des fpezfisch jüdischen Wertes: „Alle Menschen kommen Gott irgendwo in irgendeiner Einsamkeit ihres Schmerzes oder ihrer Gedanken nahe: es gibt keinen Unverwundbaren heute. Aber der Jude wagt es. wcltverhaftet, wcltcngebannt, zu Gott in der Unmittelbarkeit deS Ich und Du zu leben — eben als Jude." Spitzen wir. was Buber alZ Wcrtcharakteristikum deS Jüdischen hcrauShebt. zu: jo ist nach seiner Meinung der Jude vor allem Schöpfer und Bewahrer deS religiösen Erlebnisses: „WaS an den Anfängen deS Christentums nickt eklektisch, was daran schöpferisch war, daS war ganz und gar nichts anderes als Judentum. . . . DaS Urchristentum lehrt, was die Propheten lehrten, die Unbedingthcit der Tat." ES bedarf nicht. noch einer Bekräftigung, das; daS jüdische Volk non unerhörter religiöser Macht gewesen ist. Es bedarf nur noch der Prüfung, ob — ich möchte einmal jagen — die religiöse Begabung dem jüdischen Menschen besonders zukommt. Ließe sich das historisch und psychologisch erhärten, so hätten wir hier tatsächlich einen Wert, welcher den Inden als Juden auSzcichnct. Aber auch tltcr ist eine eminente, superlative Wertausz-eichnung erst dann möglich, wenn man — wie z. B. der Kultur-Psychologe Eduard Spranger — den religiösen Wert als höchsten Wert setzt .... Sobald man nun von dieiem noch gesichtSloien Wert der Fähigkeit zum religiösen Leben zu einer konkreteren Ausgestaltung der jüdischen Religiosität zu kommen versucht, sind die Beobachtungen umstritten. Brod wirft Buber die Heber» Betonung des Motorischen im jüdischen Menschen vor: denn sic widerstreitet seinem Versuch, die Gnade, die man für ein spezifisch-christliches ReligionSmotiv hält, im Judentum nackznwciscn. Mit viel Aufwand von Gelehrsamkeit demonstriert Brod die Idee der Gnade als konstitutives Element der jüdischen Religiosität. Buber steht immerhin der Cohenschen Generation noch näher alS Brod. In Bubers Bewertung deS Jüdischen lebt die Bewertung deS metaphysischen Rationalismus: in BroüS Bewertung des Jüdischen lebt die Bewertung einer Zukunfts-Synthese von aktivistischem Rationalismus — gegenüber Sem „unedlen Unglück" und mystischem Pessimismus — um des „edlen Unglücks" willen. Brods Bewertung deS jüdischen Menschen ist ebenso wie seine Des-inition des jüdischen Menschen eine Auszeichnung einer übcrjüdischen Utopie: einer synthetischen Lösung der curasiatischen Problematik . Wenn man einmal die negativen Bewertungen deS jüdischen Menschen durch jüdische Richter sichtet, so wird man selten Urteile von metaphysischem Gesicht finden. Diese Wertungen sind meist auS der soziologischen Konstellation, aus der heraus der jüdische Richter urteilt, abzuleiten. Auch Weiningcrs Verdienst gegen das Judentum ist zum guten Teil auS persönlichen Erfahrungen mit Wiener jüdischen Kreisen am Ende deS neunzehnten Jahrhunderts zu verstehen. Aber sein PathoS ist doch so stark, sein Angriff k» tt&ttt sich seWst gerichtet, dach man auS dieser Pathologie der Bewertung, auS dieser Erkrankung des eingeborenen Wertsystem» wichtige Erkenntnisse gewinnen kann. Jüdisch sei« ist für Weininger eine moralisch-systematische, keine historische Kategorie. Judentum ist „eine GeisteSr t ch t u n g, welche für «ne Menschen eine Möglichkeit bildet und i« historischen Judentum bloß die grandiose Verwirklichung gefunden hat." Meininger Identifiziert daS Jüdische mit dem Bvsen: daS Jüdische ist da» absolut Negative. Der JMe ist ohne Geist: ohne Staat: ohne Persönlichkeit: ahne Form: ohne Seele: ohne Gnade: ohne Humor: ohne Glauben: ohne Gesang. DaS sind keine ErsahrungSurteile. da» sind keine historischen Urteile: das sind metaphysische Urteile. Do» einem ethisch-metaphysischen Dualismus aus setzt Meininger die Welt der Nacht, das Negative, daS Böse dem Jüdischen gleich. Diese Gleichsetzung ist das psychologische Problem WeiningerS. ES ist nicht gelöst, wenn man WetntngerS Charakteristik deS Jüdischen als deS kosmisch Negativen auf eine Verallgemeinerung persönlicher Erfahrungen oder aus einen pathologischen Zustand seiner Seele zurückführt. Wieder liegt hier — wie bei Brod. wie bei Buber — eine Konfundierung deS jüdischen und beS eurasiattschen Menschen vor, nur mit umgekehrter Bewertung: die ethischreligiöse Situation des heutigen Menschen wertet Weininger negativ — und bezeichnet das negativ Gewertete als jüdisch. In dieser pervertierten Bewertung steckt das immense Problem des Selbst Hasses. Weininger war ein religiöses Genie, einer der tiefsten, gottsehnsüchtigsten Menschen, der je gelebt hat: „Ein Mensch kann an nichts anderem zugrunde gehen als an einem Mangel an Religion." An diesem Mangel litt Europa: an diesem Mangel ging Weininger selbst zugrunde. Er übersah, daß er als Enrauat. nicht als Jude sterben musste. Er nannte daS Tiefste in sich: Jude, und da dieses Tiefste vor seiner Gottjehnsüchtigkcit Leere war, mußte er den Mythos vom Teufel Jude schaffen. — * Die nichtjüdischen Antisemiten zehren ihr Leben lang von WeiningerS auS tiefer religiöser Not geborenen Jrrtümcrn. Seine Deutung Christi — diese Crux aller antisemitischen Ideologien — hat Schule gemacht: „Christus ist der Mensch, der die stärkste Negation, das Judentum in sich überwindet. Der Christ ist der Sinn des Juden." Sterile Literaten haben diesen Gedanken zu Bänden auSgewälzt. Ta wird dann — wie bei Blüher — die Bergpredigt für unecht, für jüdische Fälschung erklärt, damit aus ChrtstuS ein germanischer Recke werden kann. Man müsste glauben, das; Christus für die Feinde des Judentums das Judentum rechtfertigen könnte. Es ist nicht einzusehen, weshalb Christus nicht ebenso Wert-Repräsentant des jüdischen Volkes sein soll wie Goethe Wert-Repräsentant des deutschen Volkes ist. Aber gerade hier macht der jüdische wie der nicht-jüdische Antisemitismus Konstruktionen von beispielloser Naivität, um die Wert-Repräsentanz Christi umzndenteu: „Jcsus Geburt hat die Substanz so erschüttert. das; sie erkrankte." Seitdem — folgert Blüher weiter — ist die jüdische Substanz unfähig zur Hervorbringung von Merten. Alle antisemitischen Ideologien, die lttcratenhaft-biologistische Blühers ebenso wie die erlebtmetaphysische Weiningcrs sind aber doch letzten Endes Verkappungen. Kernproblem ist der Judenhaß. Dieser Judenhaß soll später einmal im Zusammenhang erörtert werden... Man hat schon lauge eingcsehen, daß „Philosemiten" meist nicht Freunde deS Judentums sind. Der Philosemit batst eine Binsenwahrheit — liebt den Juden nicht deshalb, weil er Jude, sondern obwohl er Jude — oder: wenn er auch Jude ist. Soweit aber überhaupt eine positive Schätzung deS spezifisch Jüdischen vorhanden ist. bezieht sie sich mehr auf jüdische Talente, als auf die tiefste jüdische Existenz. So schreibt Nietzsche, der im Gegensatz zu seinen Lehrern Schopenhauer und Richard-Wagner Philosemit war: „Der Himmel erbarme sich des europäischen Verstandes, wenn man den jüdischen Verstand davon abziehen wollte. Man eri zählte mir von einem jungen Mathematiker in Pvntrcsina, Es kommt die Zeit Cs kourmt die Zeit, wo ihr wohl faßt: Wir brauchen keinen Gott! Wo euch im Ueberurut bchag Ihn abzutun mit Spott. Es kom-nrt die Zeit, wo ihr verzagt, Die Hände flehend hebt und klagt Und ruft zn Gott aus tiefstem Leid — ES kommt die Zeit! Max R o f c n f e l d, DveS-en. Aus dem Sagenschatz des jüdischen Volkes. Von Emil Felde«. I. Die Sintflntsage. Unter den zahlreichen Flutsagen der verschiedenen Völker sst die chaldülschc die älteste. Man kannte sie früher nur in der Form, wie sie von Alexander Polyhistor aus dem Berichte des babylonischen Priesters BcrosnS ium 260 vor unterer Zeitrechnung) überliefert war. ES hieß da folgendermaßen: „Dem vorsintslutlichen Könige LisuthroS offenbart Kronos, daß am IG des Monats Dttsivs die Menschen durch eine große Wasserflut umkommen sollten und bestehlt ihm, die vorhandenen Schriften in Sippara zu vergraben, ein Schiff zu bauen, mit seinen Verwandten und Freunden hineinzugehen, Speise und Cjetränke mitzunehmen, auch Vögel und viersüssige Tiere darin auszunchmen. LtsuthroS baut das Schiff 15 Pseilschüsse lang und zwei Pfeilschüsse breit und geht mit Frau und Kindern und Freunden hinein. Die Flut kommt, nimmt aber bald wieder ab. Tisuthros entläßt einige kundschaftende Bügel, die aber, weil sie nichts zu fressen und keinen Ruheplatz finden, zurückkehren. Nach einigen Dagen sendet er wieder Vögel auS, die zuriickkom* mend, Schlamm zwischen deir Füßen haben. Als er sie zum dritten Mal anSsendct, kehren sie nicht mehr zurück. Nun öffnet Ltsuthros das Dach des Schisses und sicht, daß letzteres auf einem Berge feststeht. Er steiai mit seiner Frau, seiner Tochter und dem Steuermann des Schiffes aus. betet, bunt einen Altar und bringt Sen Göttern Opfer bar. Darauf verschwindet er mitsamt den übrigen Ansgestiegenen. Die im Schiffe Zurückgebliebenen steigen später aus. finden ihn nirgends, hören ihn aber vom Himmel her rufen: sie sollten die Götter ehren: er und die mit ihn; Ansgestiegcnen seien um ihrer Frömmigkeit willen in die Wohnung der Götter ausgenommen worden: jene sollten wieder nach Babylon gehen, die in Sippara vergrabenen Schriften ausgraben und den Menschen übergeben: dag Land, wo sie sich befänden, sei Armenien. Nun bringen auch sie den Göttern Opfer dar. ziehen nach Babylon, holen die Schriften aus Sippara, bauen Städte und Tempel und errichten Babylon wieder. Bon dem Schiff aber sieht man noch jetzt (d. h. alw zur'Zeit des Bcrosus) auf dem Gebira« der Kordyräer in Armenien Reste und das von dem Schiff abge, kratzte Erdpech dient als .Heilmittel." Nun aber ist der älteste Bericht gefunden worden. Der Assyriologe G. Smith entdeckte 1872 Keilschrifttaseln auS dem 7. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung, deren Text jedoch ans einer spätestens um 2000 v. Chr. abgcfaßten Urkunde herstammt. Danach erzählt XifuthroS folgendes: „Du kennst die Stadt Snrippak. welche am Euphrat liegt. Diese Stadt war schon alt, als die Götter darin zur Anrichtnng einer Sintflut ihr Herz antrieb, die großen Götter insgesamt, ihr Vater Amu, ihr Berater, der streitbare Bel. ihr Thronträger Adar, ihr Führer Ennuzi. Der Herr der unerforschlichen Weisheit, der Gott Ea. war aber mit ihnen und verkündete mir ihren Beschluß. Mann von Surrippgk. sprach er, verlasse dein Haus und baue ein Schiff: sie wollen vertilgen den Samen deS Lebens: darum erhalte du am Leben und bringe hieraus -Samen von jeglicher Art auf das Schiss, da? du erbauen sollst . . . lundentliche Zahl) Ellen sei seine Länge und . . . seine Breite und Höhe, überdache eS mit einem Verdecke, schließe nicht eher die Tür des Schiffes hinter dir. als bis ich dich benachrichtigen werde. Dann steige ein und bringe in das Sch'itf dein Korn, dein Hob und Gut. deine Familie, deine Knechte und Mägde und deine nächsten Freunde. Das Vieh des Feldes, das Wild des Feldes will ich selbst zu dir senden. — Da baute ich daS Schiff und versah eS mit Nahrungsmitteln. Ich teilte es in Abteilungen, ich sah nach den Fugen und füllte sie auS. Drei Saren Erdpcch goß ich über seine Außenseite, drei Saren Erdpech über seine Innenseite. AlleS. waS ich besaß, brachte ich ans das Schiff, all mein Gold und Silber und Samen des Lebens jeglicher Art. All mein männliches und weibliches Gesinde, das Vieh des Feldes. daS Wild des Feldes, meine nächsten Freunde. Als nun der Sonnengott die bestimmte Zeit brachte, sprach eine Stimme: „Am Abend werden die Himmel Verderben regnen, steig ein in das Schiff und schließe die Türe zu." Mit Bangen erwartete ich den Sonnenuntergang. Furcht hatte ich, doch bestieg ich das Schiff und schloß die Tür hinter mir zu. Dem Buzurkurgal, dem Steuermann, übergab ich den gewaltigen Ban samt Ladung. Da erhob sich dunkles Gewölk vom Grunde des Himmels, in deren Mitte der Sturmgott seine Donner sprechen ließ. Die Wirbelwinde entfesselte der gewaltige Pcstgott, der Gott Adar laßt die Kanäle überströmen, die Götter des großen unterirdischen Wassers bringen gewaltige Fluten herauf, die Erde lassen sie erzittern, des Sturmgottes Wogenschwall steigt bis znm Himmel, alles Licht wirb vernmndelt in Finsternis. Die Göttin Jstar schreit wie eine Gebärende nnd ruft: „So ist denn alles in Schlamm verwandelt. wie ich eS den CMtern prophezeit. Ich aber gebäre meine Menschen nicht dazu, daß sie wie Fischbrut das Meer erfüllen." Da weinten die Götter mit ihr über Sie Geister des großen unterirdischen Wassers. Sechs Tage und sieben Nächte behielten Wind, Flut und Sturm die Oberhand. Am siebenten Tage aber legt« sich die Sintflut, da» Meer zog sich tn sein Bett zurück, nnd Sturm und Flut hörten auf. Ich aber durchfuhr daS Meer laut klagend, daß dte Stätten der Menschen in Schramm Verwandelt waren, wie Baumstämme trieben die Leichen uncher. Eine Luke hatte ich geöffnet, und als ich das Licht des Tages erblickte, da zuckte ich weinend zusammen. Ueder die Länder, jetzt ein ArchtvareL Meer, fuhr ich dahin. Da tcmchtc Land, -iE Maß hoch auf. Nach dem Lande Nizir steuerte das Schiff. Der Berg des Landes Nizir hielt das Schiff fest. So wartete tch sechs Tage lang. Am siebenten Uetz ich eine Taube fliegen. Es flog die Daube hin und her: da aber kein Ruheplatz da war, kehrte sie wieder zurück. Da ließ ich eine Schwalbe hinaus. Es flog die Schwalbe hin und her. da aber kein Ruheplatz da war. kehrte sie wieder zurück. Da ließ ich einen Raben fliegen. Es flog der Rabe, sah die Abnahme der Gewässer, fraß, watete, krächzte, kehrte aber nicht zurück. Da ließ ich alles heraus. Ein Opfer brachte ich dar und errichtete einen Altar auf dem Gipfel des Berges. Die Götter rochen den Duft, Len guten Duft, die Götter sammelten sich wie Fliegen um den Ovferer". ES wird dann weiter berichtet, wie die Götter miteinander in Streit geraten über die Sintflut und ihre grausigen Folgen. Del ist aufgebracht und will keine Seele entkommen lassen, null auch die Geretteten vernichten, aber Ea beschwichtigt ihn nicht nur, sondern verlangt auch, daß keine Sintflut mehr stattfinde. Bel gibt sich zufrieden und erhebt den Uommen und weisen Lisutros unter die Götter. Man vergleiche damit den biblischen Bericht! Einen wie ganz anders gearteten Geist verrät er. Gewiß, der babylonische Flutbericht ist der ältere, das gilt jetzt allgemein als ausgemacht. Aber darum ist der biblische keine bloße Nachbildung. ES wird vielmehr angenommen, daß die Israeliten diesen Mythus bereits übernahmen, als sie nach der Eroberun-g des Landes Kanaan in die Kultur des unterworfenen Volkes hineimvuchfen. Daß die biblische Sage ganz und gar jüdischen Geist atmet, beweist ihre verhältnismäßig hohe Gottcsvorstellung, die einen Gott kennt, der aus sittlichen ^Beweggründen handelt, der turmhoch über der babylonischen Göttergesellschast steht, die heult, sich zankt und wie Fliegen vom Duste des Opfers angelockt wird. Auf der andern Seite ist die Aussendung der Vögel in der israelitischen Fassung der Sage nicht so sinnvoll geordnet wie in der babylonischen, wo der durch den Morast watende Nabe zweckmäßig als der letzte losgelassen wird. Der wesentliche Unterschied besteht darin, daß der babylonische Bericht auf ein seefahrendes, der biblische auf ein binnenländisches Volk schließen läßt. Tatsächlich hat man nachzuweiscn versucht, daß die alte Vorderasiatische Sintflntsage ans ein furchtbares Naturereignis zurückgehe, das mit einer ausgedehnten und verheerenden Ueberflutimg der mesopoiamtschen Ebene verbunden gewesen sei. Verursacht worden soll es sein durch ein schweres Erdbeben, im Gebiet des Persischen Meerbusens, dem mehrere Erschütterungen vorausgegangen seien: ein Zyklon, der sich hinzngefellt, habe die schaurige Katastrophe des Meereinbruchs vollendet. Interessant ist die Feststellung, daß der biblische Bericht, wie er uns vorliegt aus zwei, verschiedenen Quellenschriften entstammenden. Berichten zusammengesetzt ist. und zwar aus der sogenannten I und der P sPriester) Quelle.*) ~ vderliche ErzWler benutzt die alte Sage, um daS Speise gebot, da» trotz der Erlmtbnis -es Fleischgenusses den <A *65 beit 3.1 ftflfr. 0, D. r>~K; Kap. 7, D. 1—6, 7. »umreir Kap 3, $. g (zweUer Teil). 6-12, 13 f »weiter E>eS SintflritbeEcS tu bis auf kleinere, iih*

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