Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 4 (1924)
- Issue
- 25 (1.8.1924)
- Date
- 1924-08-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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lich-sittlicher Entwicklung leuchtend auszeitzt, die Jvee» für Hie einerder größten Deutschen gewirrt hat, die Idee, Lie bei der zweihundertsährigen MvderLehr feine- Todestages in der Feier der Universität, an -er er lehrte, totgeschwiegen wurde, die ybee „Born ewigen Frieden". DSL Max Mayer-Verlin. VSlkerbundsgedanke und Iudevüt«. Von I. Weinfast-Berlin. Bor zehn Fahren wurde das Gewissen der Welt, Las all die Jahre vorher, in einer Art Teaumzustand. Las, was kommen mutzte, nicht sah oder nicht sehe» wollte, gewaltsam ertötet. So rasch und wuchtig kam der Schlag. Latz keine Zeit mehr blieb für ein kurzes schauderndes Erwachen, für ent Erkennen des hereingeürochene» Unheils. Der größte «nd furchtbarste Völkerwettkampf. Le» die Geschichte je zu verzeichnen gehabt hat, nahm seinen Anfang. Jahrelang waren Blut und Eisen die einzige Botschaft zwischen Len Völkern, unparteiisch war nur der Tod, er raffte gierig reiche Beute, hüben und drüben. Hatte es die allerseits untergeschobene Idee van der Größe und Erhabenheit dieses Kampfes vermocht, bei den Kämpfenden zum Teil den Glauben an die Gerechtigkeit des Geschehens zu erwecken, und wurde so Las tierische Erlebnis des legalisierten Einandermordens nicht zum dauernden Verhängnis für ihr Gemüts-- leben, so mag doch bei vielen manches Edle und Gute, vor allem aber der Glaube an die Menschheit, ertötet, iÄer mindestens verkümmert worden sein. Denn die im Angesicht des Todes geschmiedete Schicksalsgemeinschast Ler Kämpfenden draußen fand kein allseitig es Beispiel in Len Reihen derer, für deren Freiheit und Sicherheit Not und Tod ertragen wurde. Dem Hunger sah man nicht so gemeinsam ins Antlitz. Hyänen züchtete der Krieg, die vom Lebenssaft der hungernden Mütter. Kinder und Greise wie vom Blute der Gefallenen mit Wollust schöpften und es zu Golde machten. Sic standen im Bunde mit dem Tod da draußen, sie flehten ihn an wie einen Gott: laß noch nicht genug sein, deine Beute ist noch zu gering für uns. Fast fünf Jahre war die Welt von diesem Wahwfinn erfüllt, und jeder Versuch von seiten der beteiligten wie von neutralen Staaten oder dem obersten Vertreter der altchristlichen Kirche, die Waffen zum Schweigen zu bringen, scheiterten an der Verblendung und Beutegier des jeweiligen Gegners. Erschöpfung, verbunden mit einer aus Hunger und Erkenntnis des furchtbaren Irrtums geborenen Empörung auf der einen, Ncbermacht und zäher Stegeswille auf der andern Seite, führten schließlich herbei, waS die Stimmen der Vernunft unter allerseits günstigeren Bedingungen weit früher hätten erreichen können: den Stillstand der Waffen. Waffensttllstand — das ist vielleicht die wahrste, geschichtlich am meisten begründete Bezeichnung für die Jahre oder Jahrzehnte, die jeweils zwischen den Kriegen lagen. Und die letzten fünf Jahre eine Zeit des Friedens nennen zu wollen, hieße dieses hehre Wort verhöhnen. Die qleichen Männer, die seinerzeit teils das Unglück mutwillig, zum vermeintlichen Heil ihrer Staaten, heraufbeschwoven, teils jeden wirksamen Versuch, der drohenden Gefahr zu begegnen, als müßig obgelehnt hatten, weil eben ihre ganze Einstellung den Krieg als das einzige wirksame Mittel zwischenstaatlicher Auseinandersetzung ansrh. setzten sich nunmehr zusammen, um die erkämpfte Beute auf Kosten des endlich am Boden liegenden Gegners zu verteilen. Advokaten und Generale, Diplomaten und Wirtschaftler, alle gaben ihr »m pun auch wirklich ein gerechtes und kluges Jrieoenswerk zu schaffen, £>*s dem erkämpften Siegerrecht Genüge tat. Der Friede ward geschloffen, doch der Krieg dauert« fort und ist noch heute nicht zu Ende. Nur die Form ist eine andere, denn nunmehr besteht der Generalstab «rS den Führern der Wirtschaft, die Gegner sind anders verteilt» es geht um Geld und Kohle; Habgier und Hunger Äugen miteinander, beherrscht von frisdensfeiuölichem Geist. Muß man verzweifeln und den ewig gleichen; schicksalhaften Lauf der Weltgeschichte alS unabänderlich hinnehmen, oder darf man. den Blick zeitlich erweiternd, auf Fortschritt hoffen? Geht die Menschheit einen Weg. der aufwärts führt, oder gibt es nur ein stetes Auf und Ab der Völker? Ist ein absolutes Menfchheitsideal als Ziel vorhanden, oder rechtferttgt sich das Wort eines großen Geschichtsforschers: Jede Epoche hat ihre eigene Beziehung zu Gott? Neben dem Eigentlichen Frieöensvertragswerk, eng mit ihm verbunden und aus den gleichen Quellen entstanden. läuft «i» anderes Dokument, die BülkerbundSsatzung. SlebenunLzwanzig Staaten erklärten sich bereit, .gestimmte Verpflichtungen zu übernehmen, nicht zum ftvfoge zu schreiten" „tu aller Oeffentlichkeit auf Gerechtigkeit und Ehre gegründete internationale Beziehungen zu unterhalten , Jbit Gerechtigkeit herrsche» zu lassen ... ", „über jede Frage" zu befinden, „....die den Weltfrieden berührt^, sie Lekanuten sich „*» de» Grundsatz, daß dte Aufrechterhaltung des Frieden- «ine Herabsetzung der nattonalen Rüstungen auf «in Mindestmaß erfordere", sie „übernahmen es, sich in der offensten und erschöpfendsten Weise gegenseitig jede Auskunft über den Stand ihrer Rüstmrgen .... zukommen zu lassen", sie stellten „ausdrücklich fest, daß jeder Krieg und jede Bedrohung Mvt Krieg .... eine Angelegenheit deS ganzen Bundes sei", daß jedes gegen die übernommenen Verpflichtungen zum Kriege schreitende Mit-, glied „ohne weiteres so angesehen werde, als hätte es eine Kriegshandluug gegen alle anderen Bundesmitglieder begangen." Sie verpflichteten sich ferner, dte Institutionen und Bestrebungen internationalen Charakters, die Bildungs-, soziale», Humanitären oder sanitären Zwecken dienen, unter ihren Schatz zu nehmen und zu fördern, insbesondere „das Wohlergehen und die Entwicklung" zivilisatorisch rückständiger Völker alS „eine heilige Aufgabe" zu betrachten. Dieses, als erster Teil ihm beigefügte Dokument erhebt den Friedensvertraa von 1919, der an sich vom gleichen unversöhnliche» Geiste getragen und mit denselben Mängeln behaftet ist wie viele, srühere Verträge zwischen den Staaten, nämlich mittelbar oder unmittelbar neue Streitfragen aufzurollen, zu einem Werk, das berufen sein könnte, ein neues Zeitalter zu eröffnen und der geaualteu Menschheit neue, bessere Wege zu Heil und Frieden zu weisen. ES wird tasten- und vorsichtig, aber doch entschlossen, der Versuch gemacht, an . die Stelle Ser eben noch furchtbar herrschenden Gewalt künftig LaS Recht zu setzen, man beginnt zu erkennen, daß die syurbolischen Prophetenworte vom messianischen Zeitalter in ihrer tiefen Bedeutung kein leeres Zukunftsbild find, mau wagt eS. letzten Fvagen der Menschheit offen gegenüberzutreten. Der Gedanke ist zu groß und erhaben, als daß es nicht kleinlich erscheinen müßte, in diesem Zusammenhänge von Len Mängeln des Dokuments, von den Schwächen und Schwierigkeiten bei Len ausfühcenden Organen, von diesen oder jenen Versuchen zur Umgehung oder willkürlichen Auslegung der Bestimmungen m sprechen. Aber eine schmerzliche Erkenntnis drängt sich uns auf: ist nicht die mit diesem Pakt übernommene Aufgabe, in ihrer ganzen Tiefe und Wucht, zu schwer für Lie Schultern derer, die sie auf sich nahmen? Ist die Zeit, und.sind die Menschen, die eben noch im Kriege miteinander standen und die auf Grund eines willkürlich konstruierten Siegerrechts jahrelang um Len Frieden feilschen, überhaupt reif genug, um dieser Aufgabe mit heiligem Ernst, mit ganzem Herzen und mit opferbereiter Hingabe aus innerer Wahrhaftig keit und Ueber» zeugung zu dienen? Ist der Glaube vorhanden, ohne den ein Ideal nicht existieren kann und zur Phrase wird? Gewiß, es ist viel, wenn die mächtigsten Staaten gelernt haben, daß Angriffskriege ein Verbrechen sind, es ist ein Riesenschritt vorwärts, wenn man dahin kommt, angriffslustige Störenfriede mittels der Drohung, geschlossen gegen sie vorzugehen, von ihren Entschlüssen abzubringen und so aus kleinen Ursachen entstehende Katastrophen zu verhüten, und wenn man bereit \% zwischenstaatliche Streitfragen dem Bunöesgericht zur Entscheidung zu überlassen. Aber können Ideale allein von juristtschen Bestimmungen und Strafdrohungen getragen werden, die Man umgehen und mehrfach ausdenken kann? Zeugt es schon für die Gesinnung, aus Furcht vor schlimmem Ende schlechte Vorsätze auszuheben? Handelt es sich wirklich um einen aus innerer Wahrhaftigkeit und ehrlichem Willen geschloffenen GesinuungSpakt, und dürfen wir au eine innere Abkehr vom KriegSgedanken glaube»? Ein großer Teil der heutigen Menschheit bekämpft die gegenwärtig herrschende Wirtschaftsform. Doch die Gesinnung ist letzten Eudes auf beiden Seiten die gleiche. Es dreht sich schließlich bei Len vielen auch wieder um den Erwerb materieller Güter, nicht um die Umgestaltung der Denkungsart: so aber wird niemals eine etwaige neue Wirtschaftsform sitlich höher stehen als die alte. Und die Frage des Krieges von Borteilsecwägungen und juristischen Bestimmungen abhängig machen, heißt noch lange nicht. Len Kriegsgedanken Lurch wahrhafte Friedensliebe verdrängen. Gerade dem Judentum, dem die Aufgabe obliegt, der Welt zu beweisen, Latz öaS Dasein Gottes mit einer absoluten Forderung an die Menschheit, dem Guten nachzustveb««, verbunLen ist. Laß dieses Gute niemals als göttliche- Gnadengeschenk kommen wird, sondern Erkenntnis, Willen und Tat voraus setzt, gerade dem Judentum, Lessen Bestand-recht und Bestandsmöglichkeit mit Ler Arbeit au dieser Aufgabe steht und fallt, ist jene Unruhe gegeben, die es nicht duldet, irgendwo am Wege der Menschheit lange zu rasten und Rückschau zu halten. ES gilt. Lie Erde immer näher zum Acht zu heben, im Diesseits da- Himmelreich zu errichten, nicht aber in ein verheißendes Jenseitsland der Glückseligkeit einzuziehen. Arbeitsfeld und Werkzeug des Judentums sind Erde und M e n s ch e n, und allein die stete sittliche Höherentwicklung des irdischen Seins in seiner Unvollkommenheit und Fehlerhaftigkeit ist der Maßstab für Einfluß und Wert deS Judentums in Ser Welt. DaS Judentum fordert nichts Ueberirdisches vom Menschen, eS kennt keine Diesseits- und Jenseitsmoral, seine Forderungen sind stets an den feienden Menschen als Glied der Menschheit gerichtet, und von ihr, im unbegrenzten Lauf der Entwicklung, erreichbar. In steter Stufenarbeit -er Menschheit wie sie ist, au sich selbst, vollzieht sich der Fortschritt. Darum würden wir gegenwärtigen Träger deS Judentums unsere eigene sittliche Daseinsberechtigung verleugnen, wollten wir das Wenige, was vom Gedanken einer Ber. bundenheit aller Völker bisher in die Tat umgesttzt ist, mit überlegener Geste als zwecklos, nichtig oder unwahr abtun. DaS Werk ist abhängig von den Menschen, Aufstieg -er Menschheit und Ausbau des Werkes sind für das Judentum identische Begriffe. Aber ebenso würden wir den Sinn unseres Daseins innerhalb der Gemeinschaft verkennen, wenn wir den Völkerbund, wie er heute besteht, als das höchst erreichbare Mittel friedlicher Verständigung zwischen den Völkern gutheißen, aber Ausbau und Höherentwicklung, im Hinblick auf die Menschen, wie sie nun einmal sind, für unmögklch halten wollten. Beide Ansichten wären gleich unjüdisch. Wenn wir Zweifel in die sittliche Fähigkeit der Menschen, das Werk zu tragen, setzen, so bedeutet dies für uns, daß eben gegenwärtig jenes von Menschen begonnene und nrit ihrer Entwicklung verbundene Werk seine Meister vielleicht überragt, die Menschen also bestrebt sein müssen, organische Fühlung mit ihm zu nehmen, es in sich weiter zu -entwickeln und damit dem Fortschritt zu dienen. Das aber ist weder durch Pessimismus noch durch Zufriedenheit erreichbar. Das Judentum kennt in seiner Geschichte keine Ziele, alle geschichtlichen und religiösen Wandlungen sind Stufen zu einem Ziel. Mose, durch deffen Mund in einer großen Stunde dem Volke und damit der Menschheit Anfang und Ziel ihres Weges verkündet wurde, und von dem es darum heißen darf: „seitdem stand kein Prophet in Israel auf wie Mose", durfte das Volk zum Lande -er Verheißung führen, es aber selbst nur noch vom Berge Nebo sehen, um dann zu sterben. Aber sollte Mose dies wirklich als Strafe für begangene Sünden empfunden haben? Er mutzte es doch ahnen, daß der seinem Volke nunmehr gewordene Besitz eines eigenen Landes nur ein erster, zeitlich verschwindend naher Meilenstein sein könne, auf dem unendlichen Wege, an dessen Anfang und Ende die Sinaiworte stehen. Das Judentum ist in der Welt, um diesen Weg zu wandern und zu weisen, rastlos und unermüdlich. Verzweiflung ist ihm fremd, denn es weiß, daß es nur einen Weg zum Ziele geben, daß aber einzig das Streben nach sitlrchem Fortschritt der Sinn menschlichen Daseins sein kann. Deshalb dürfen wir uns eines jeden Werkes freuen, das nach vorwärts weist und zur Verbrüderung der Menschheit beiträgt. Der Anfang ist da. Es gilt weiter zu arbeiten, die Bruderliebe iibec die Grenzpsähle hinaus Gemeingut aller Menschen werden zu lassen, in der Erkenntnis, daß wir alle einen Vater haben, und im Geiste der frohen Verheißung des Messiaspropheten: „Denn voll wird dte Erde der Erkenntnis Gottes, wie Baffer die Meeresttesen bedecken." K.C.-Tag zu Würzburg. Am Sonntag, den 27. Juli, trat in Würzburg der K. C. (Kartell-Eouvent der Verbindungen deutscher Studenten jüdischen Glaubens! zu seiner großen jährlichen Tagung zusammen, die als eine machtvolle Kundgebung des größten und ältesten Verbandes jüdischer Korporationen an deutschen Universitäten auch außerhalb seines eigenen Mitgliederkreises Beachtung verdient. Die geistige Entwicklung der deutschen Studentenschaft, die nach dem Kriege im engen Zusammenhang mit der völkischen Bewegung den Wiederaufstieg des Vaterlandes nur in einer „völkischen" Erneue- Der jüdische Jurist. Bon Dr. Ernst Emil Schweitzer, Rechtsanwalt am Kammergericht. I. Der Aufforderung der Redaktion der „Jüdisch Liberalen Zeitung", eine Abhandlung über den jüdischen Juristen zu schreiben, komme ich gerne iiach. Es ist hierbei aber nicht meine Absicht, eine Zusammenstellung aller der jüdischen Jurfften zu geben, die sich einen hervorragenden Namen' in der Geschichte der Wiffenschaft erworben haben. Hierzu würde eine eingehende historische Quellenforschung erforderlich sein, die von mir nicht beabsichtigt fft. Ich begnüge mich Locher, zwanglos einige Namen von Männern zu nennen, die in der juristischen Lehre und Praxis für das neue Deutschlarch besonders einflußreich geworden sind. Eine umfassende Darstellung der jüdischen Jurfften müßte auch rückblickend zeigen, waS in früheren Jahren von Juden auf dem Gebiete der RechtSwifferffchaft geleistet worden ist. Sie müßte hierbei zurückgehen bis auf das talmudische Recht. Andererseits müßte eine solche unffaffende Darstellung bei Betrachtung der Gegenwart auch über die Grenzen ReichsdeutsHlands hinaus-- gehen. Es sei in diesem Zusammenhänge nur an das bedeutungsvolle Wirken jüdischer Juristen in Oesterreich erinnert. Einer der bedeutendsten österreichischen Juristen. der Präsident des Oesterreichffchen Reichsgerichts. Josef Unser, war jüdischer Abkunft, ebenso wie der frühere österreichische Justizmrwffter Glaser. Taffächlich läßt sich das törichte Gerede von der lediglich destruktiven jüdischen Begabung nicht einfacher widerlegen, als durch einen Hinweis, auf die zweifellosen hervorragenden Verdienste, die sich Männer jüdischer Abstammung um dte Förderung des Rechts erworben haben Wenn wir uns rückblickend fragen, welches sind' unter -ex großen Zahl von bedeutende» juristischen Talenten die Männer, die seit der Gründung des Deutschen Reiches die wegweisenden Genies gewesen sind, welches sind die Name» der deutsche» Rechtswissenschaft, die zugleich Namen der europäischen Wiffenschaft sind, so werben wir etwa 10—12 Männer hervorhoben können; Laband und Jellinek auf dem Gebiete des Staatsrechts. Niemeyer auf dem Gebiete des internationalen Rechts. Binding und Liszt auf dem Gebiete des SrasrechtS. Hellwig auf dem Gebiete des ZiotlprozetzrechtS. Dernburg auf dem Gebiete des römischen Rechts und deS Prioatr-echts. Gierte auf dem Gebiete des Privatrechts. Staub auf dem Gebiete des Handelsrechts, den umfassenden Köhler insbesondere auf dem Gebiete der vergleichenden Rechtswissenschaft und des Urheberrechts. Bon Liesen Männern war Staub tüdffcher Rechtsanwalt in Berlin, gleichfalls jüdischer Abstammung waren Laband, Jellinek. Dernburg. Gierte war zwar keineswegs jüdischer Abstammung, aber obgleich ein konservativer Mann, war er so wenig Antisemit, daß er eine Jüdin zur Frau nahm. Die Tochter aus dieser Ehe hat sich in Berlin durch thr soziales Wirken große Verdienste und außerordentliches Ansehen erworben. Als sie von der deuffchnattonalen Partei zur Reichstags kandidatin aufgestellt werden sollte, opponierte der deuffchvölkische Flügel. DaS Ergebnis war. daß Merke, deffen glänzende Persönlichkeit eine Zierde einer konservativen Parte: Largestellt hatte, angewidert von diesem antisemitischen Treiben zugleich mit seiner Tochter der deuffchnatioualen Partei den Rücken kehrte. Es fft bekannt, daß später auch ein anderer hochangesehner deuffcher Jurist, der Reich Sgerichtsrtt Düringer, in gleicher Weffe mit der deutschnationaleu Partei brach. SS sind diese Tatsache» charakteristisch dafür, wie selbst die führenden konservative» Jurfften das Wirken ihrer jüdffchen Mitbürger achten und wie angewidert sie von dem Treibe» jener Bolkskreffe find, die sich heute alS die patentterten Schützer der nationalen Gesinnung in Deutschland ausgoben. Gerade auch der konservative Jurist wird, wenn er nur ein ehrlicher Mensch ist. zugeöen müssen, wie demagogisch die Angriffe der Rassenantisemiten sind, die dem deutschen Juden jede positive Leistung auf kulturellem Gebiete abstreiten möchten. Allein LabandS Name beweist, wie hrruverb rannt es fft. wenn etwa Düring von den Juden schreibt: ,Hhre ganze lange Geschichte hindurch haben sie auch nicht in einer Wiffenschaft etwas produziert." Oder wenn Otto Hauser die These aufstellt: „Dennoch gibt es .. . nichts wirklich Hochwertiges uuter den Werken, die die Juden im Sinne chrer Wirrsoülker geschaffen haben." „Die Inden haben während der letzten fünfzig Jahre . . . auch nicht einen wirklich bedcrrreriden Wissenschaftler der Welt gegeben." Nur Narren und Ignoranten können solche Behauptungen ernst nehmen. WaS Laband aus dem Gebiete des Staatsrechts geleistet hat. wird t« der Geschichte der Rechtswiffenschaft unvergeffen bleiben. Man hat gesagt. Bismarck habe das deutsche Reich geschaffen, aber Laband habe chm erst erklärt, wie er es geschaffen hat. Labands Werk fft Richtung gebend gewesen für die praktische Anwendung der deutschen Ricichsversassung: es hat über deutsch« Grenzen hinaus die europäische Wiffenschaft vom Staate aufs bedeutendste beeinflußt. und eS hat auch nach dem Untergänge der Verfassung, an die es anknüpfte, die Bedeutung für das deutsche Staatsrecht nicht verloren. Wie derjenige, der die neue Rechts Verfassung verstehen will, auf die alte Verfassung und deren Auslegung in der Praxis zurückgehen mutz, so muß er auch überall auf Labands Arbeit zurückgehen, die ja ftir diese Auslegung so außerordentliche Bedeutung gewonnen hat. Gewiß ist Laband so wenig eine unbedingte Autorität wie es überhaupt auf wissenschaftlichem Gebiete eine solche absolute Autorität girbe. Aber Laband steht in demselbeu Sinne im Zentrum Ler deuffchen staatsrechtlichen Wissenschaft, wie etwa Kant im Zentrum der deuffchen Phylosovhi« steht. Niemand braucht auf Kant, niemand braucht auf Laband zu schwöre». AUSSTELLUNG:;a Uaftt T EiR D E N L3N DEN 3 S , WERK .1 RE4N l C K E N 0 O R F AUTOMOB-W- UND KAROSSERIEFABJfclK A. G.