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Jüdisch-liberale Zeitung · 1924-07-11 · 22 (11.7.1924) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
4 (1924)
Issue
22 (11.7.1924)
Date
1924-07-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Gesetze fyt SMichlekt uit& der wahre« Religion gerichtete Politik, vertreten von einer Partei, die den Schutz der Religio» auf ihre Fahne geschrieben, ist geradezu ungeheuerlich und muß unübersehbare Konsequenzen sür diese Partei und ->L kckyerischeu Staat im Gefolge haben. Es ist doch wohl recht klar, -ah der „große" Stratege Ludendorsf. der Führer LarBölkischrn. sein«« Dreifrontentriea gegen die „inter* nationalen" Marxisten, Juden und Aatyolikeu augenblicklich fern* einen Rückzug gegen letztere entladet. >m» nach Weder* »ersung der ersteren alle Kräfte zur Katholikenhetze frei W bekommen - Nur die Slcherrmg gleicher Rechte für alle TtaatSbürger. der Schutz aller Bekenntnisse durch die staatliche Macht frxtm «Ute dauernde Gesundung. einen Aus» stieg des bayerischen Landes gewährleisten. Wir bedauern daher, daß der bayerische Ministerpräsident die Juden in seinen so energisch gesorderten „konfessionellen Frieden" nicht etngeschlossen hat. wir bedauenr es nicht nur im Interesse der Juden, sondern auch im Interesse des dauert, schon und deutschen Vaterlandes. im Interesse der Gerech* ttgkeit. Sersammlungskaleuder. Berlin. (Ortsgruppe Norden des liberalen Vereins für die Avaelegenheiteu der jüdischen Gemeinde zu Berlin.! An den hohen Feiertagen findet im Auerbachscheu Waisenhaus ein liberaler Gottesdienst mit Orgel. Ehor und Predigt Aatt. Bestellungen auf Karten fhtÄ schriftlich zu richten an: Herrn Arthur Lander. Berlin. Linrenstratz« so. Plätze send noch zu 10, 20 und 30 M. zu haben, ^msssssssssss^ssssssB^a^^^sm declltt. tJüdlsch-llveraler Jugenoveretn.) Sonntag, de» 30, Juli 1824: Tagesausslug nach Schwöckmitz^ Küv»gswusterhansen. Treffpunkt: Gtadtbahnstaia Bahnhof Meranderylatz mit Fahrkarte nach Gichwalde—Schmückwitz. Treffzett 7,40, Abfahrt 7M Uhr. Berlin. (Arbeitsgemetnschaft jüdisch.liü,. raler Nugendveretne Deutschlands — Jü, dtsch»liberaler Fuge»-verein zu Berlin «. Bü Geldsendungen (Beiträge. Spender» usw.i können von jetzt ab durch Postscheck ringezahlt werden. Das Postscheckkonto für die Arbeitsaemeinschast ebenso wie sitr den Jli-Borlirr lautet auf der» Namen: Generalsekretär E. Dickmaun. Ber« Uit W. 8. Mauerstratze 22. Postscheckkonto Berlin Nr. il4052. Auf dem Abschnitt ist zu vermerken, für welche Organisa* tion und zu welchem Zweck (Beitrag. Spende uswJ der Be. trag eingezahlt ist. BreSlau. (Jüdisch-liberaler Jugendveoein „Abraham Geiger") Sonntag. den lll Juli. TügeLausflug durch das Reimöbachtal nach Charivttenbrmm. Treffpunkt 5,80 Uhr. Ankunft-Halle Freiburger Bahnhof. Abfahrt 8 Uhr über Dittersbach. Fahrkarte nach Cbarlottenbrunn selbst lösen. Der Ausflug findet bei jeder Witterung statt. Musikinstrumente mitbrivgen. Gäste, durch Mitglieder eingeführt, willkommen. Näheres bei Hans Hamburger, Steinstrotze \l (Ohle 2850 von 3 bis 5 Mri. Jeden Montag, abends 8 Uhr, geselliges Beisammensein im Roland, bei jeder Witterung. Dortmuud. Am Montag, den 14. Juli, abends 8 Uhr, findet in den Räumen der „Märkischen Loge". Hohenzollernstraße 8. eine Mitgliederversammlung statt. Herr Lehrer Goldschmrdt wird einen Vortrag über das Thema „Vom Hugelglanben" halten. Der jüdische Sprechsaal. Akfba Redtvivus Ute Wort zu .Leben und Sehr«" Wenn das Wort, daß alles schon einmal -agewoso» sei. noch einer Bestätigung bedarf, so bat üe es durch diesen Aufruf yoy Heinrich Stern und die Antwort von Felix Goldmann gesunden. Es ist der alte Streit im Liberale «u», wer vorangehen soll, wer die Verantwortung tragen und wer den Erfolg garantieren will! Richtlinlenkarnps tobte aber richtiger, als man nch noch vor »md in der Posener Versammlung innerhalb -er lrüeralen Rechen über die Richtlinien au-sprach. wurde auch »ach den Rabbinern gerufen Heute veröffentlicht Hmurich Stern seinen Aufruf. Ader, „wenn es auch schon «»mal da war." es ist doch ein reichlich großer Unterschied MMchen diesem Ausruf und dem damaligen Verlangen. Damals varlangw man nach Führern, di« durch die Macht ihrer Persönlichkeit und die Grütze der Idee alles, was sich liberaler Jude nennt, mitreitzen sollten! Man ist vafcheidener geworden. Stern begnügt sich mit der Bitte um Borumug eines Snnhedrion. das durch eine Abänderung das im Schulchan Aruch kodifizierten Rechtes Leben und Lehre i» Einklang bringen ioll. Au die Stell« deL Mannes io« der Codex. an die Steile dcr Idee der Buchstabe treten. Der Ausgangspunkt der Sternschen Erwägungen ist mchttg. Wann wir aus dem non ihm angeöouteten Gebiet Erfolg haben, wenn wir die jüdische Religion in Lehre und Gottesdienst im liberalen Sinn ausgestalten, und wenn «ptr Lehre und Leben in ttebereinitimmung bringen wollen, s-^stoauchen wtx natürlich in erster Linie unsere liberalen Rabbiner. Sie werden für die Durch- und Ausbildung des ÜHiratsn Judentums ein reiches Betätigungsfeld finden. — nicht nur im Gottesdienst, im Unterricht, im häuslichen Saben uiw.. sondern vor allem in der wissenschaftlichen Bearbeitung der das liberale Judentum begründenden Lehren rrnd Anschauungen. Aber die Neukodifizierung deS im Sckulcha» Arnck ent-- halte»«» RecktS? Ist das der Weisheit letzter Schluß'? Stern stellt die Frage: ES soll weiter fortdauern. datz Millionen Juden in den Augen dcr anderen Gesetzesverletzer sind und daß Millionen Juden, welche nach dem Gesetz leben, es tun ays Kosten ihres Denkens und Empfindens? Äoll für daS lmuSliche Leben, für die Feier an SaSSath und Festen, für Recht und Ehe ein Zwiesvalt zwischen Leben nnd Lehre verewigt werden, der Hüven nnd drüben zur Gewissensnot führen m u tz? Utt5 er antwortet daraus u. a.: Große Gebiete des religiösen Lebens harren durchgreifender Erneuerung. Der Gottesdienst. daS Sabbatli, tztsetz. die Sveisegeletzc. daS Eberecht. das häusliche Leben des Einzelnen und das Leben der Gemeinde müssen in Bahnen geleitet werden, welche ein Folgen aller religiösen Juden möglich machen. In wessen Augen sind wir denn Gesetzesverletzer? Doch nur in den Augen des Teiles her Orthodoxie oder derjenigen Konservativen, die das „Geletzt als etwas Unabänderliches. Unverbrüchliches ansehsn. die die fortschreitende Entwicklung auf dem Gebiet der Religion nainsbesondere auf dem G«biet der äußeren Betätigung hartnäckig leugnen. Glaubt «an ernstlich durch eine Kvdifizierung abweichender Vorschriften den Charakter als „Gesetzesverletzer" zu verlieren? Würde die Gesetzes Verletzung in den -lügen der Orthodoxie dadurch aus der Welt geichafst. oder gar rit einer „Gesetzes befolguu g". daß liberale Rabbiner ie Abmachungen in einem neuen „SÄulchan Aruch" zusam- Mensassen? Oder redet mau sich etwa im Ernste ein -- allerdings ist der Sternsche Zlufruf an alle Deunchen Rabbiner gerichtet — datz auch bje «traditionell-gewhcs. treuen" Rabbiner jemals eine a b ä n d e r n d e Kvdifizierung Lieser Vorschriften in einem solchen Matze vornehmen oder autheitzen könnten, datz alle religiösen Juden ihnen folgen? Ich glaube, auch Stern wird mit mir darüber einig sein, -atz dies nur eine Utopie ist. Der Kern der Tacke liegt anderswo. Wir haben uns von vvrubci-ciu dagegen zu ft c m in c tt. datz man uns überhaupt als „Gesetzesverletzer" bezeichnet. Datz dies möglich ist, beruht lediglich ans der einseitigen Nndnldsamkeit der Orthodoxie, die deutenigen nickt al« ..Bolliudew anerkennt, der die ans jene Angelegenheiten stck beziehenden Vorschriften nicht restlos befolgt. Dieser einseitigen und überheblichen Anfsassnng gilt io gerade unser Kamps. Mr beanspruchen als Reckt für uns. genau so wie jene, die a l l e religiösen Borschristen befolgen, als vollwertige und aleichberechtigtc Inden zn gelten, auch ivenn wir keinerlei »orschristen des äußeren Levens halten, sofern wir nur von der Wabrbeit der geistig-sittlichen Lehre des Judentums erfüllt find, auch wenn wir Orgelgottcsdienft oder gar Gottesdienst in vorwiegend deutscher Sprache haben, sofern nur. «aL mir beten, der jüdischen Lehre entspricht u. a. m. Orthodoxe sollen dteä einseheu lernen; dann können sie uiti nicht mebr als Gesetzesverletzer bezeichnen, für uns Liberale brauchen wir keine Kodifizieruug. eines neuen Schulckan Aruch. Alles das ist aber nicht einmal bas Entscheidende. Das Verlangen Sterns scheint mir den Forderungen des libe, rale« Judentums auch grundsätzlich i» keiner Weise 9« entsprechen. Air Liberalen Hatzen uns t« d«: von Ater» angeführten Zweiae» des religrösen Lebens von den eiyengenden Fesseln befreit und sind trotzdem ante. Jude». Jetzt wollen uns neue Fesseln, lediglich in etwas beguemerer Form angelegt werden: Wir sollen uns an einem neuen Coder erfreuen, der uns wiederum buchftabenmätzig vor-, schreibt, was man tun oder lassen soll oder darf! DaS sckeint mir das Gegenteil von Liberalismus zu sein. 'Nicht nur die Einengung an sich, nicht nur daS Bestehen derartiger verbindlicher Einzelvorschrlsten ist illiberal, sondern vor allen Dingen, die sich hieraus unmittelbar und naturnotwendig ergebende Intoleranz und Gesinnungsschnüffelei, die alsdann jeden, der diese neuen kodifizierten Vorschriften Übertritt. wiederum als einen Juden minderwertiger Kategorie anseyen mutz. — Soll dies aber vermieden und keine strenge Verbindlichkeit geschaffen werden, so hat wieder die ganze Kodisizieruna kernen Zweck: denn wenn trotz der Kodifizterung doch wieder jeder soll tun und lassen können, waä er will, so haben wir wieder den allen Instand nur mit dem Unterschied, daß außer dem alten Lchulchan Aruch glücklich noch ein neuer entstanden ist und die Bohl derer, die sich an beide nicht halten, vielleicht noch etwas größer geworden ist. Ganz bosonders schlimm ist dieser Aspekt, wenn man Nch vergec;cnwärtiat, daß die Neukodisizteruna sich nicht nur aus Goktesdienst. Eherecht u. o. — worüber sich allenfalls reden ließe, obwohl mir persönlich auch aus diesen Gebieten, schon angesichts der vollkommen verschiedenen Entwicklung in den einzelnen Gemeinden eine strenge Vereinheitlichung unmöglich erscheint — sondern auch aus die Sveiseaesetze l.'i und das häuslich? Leben deS Einzelnen beziehen soll. Ick glauve. bei dem bloßen Gedanken an derartige, für die spätere Beit auch den religiös-liberalen Juden bindende Vorschriften, wird manchen unserer Freunde ein Schauder über den Rücken lausen. Es soll uns also ein Codex beschert werden, der uns erlaubt, vielleicht Hasenbraten und Schinken, nicht aber irgend welche andere Herrlichreiten zu genietzeu, und -er uns gebietet, den Segen über LÄein und Brot zu sprechen, aber uns da» Anlegen von Gebecxiemsn erläßt! Warum überhaupt hier rückwärts revidieren in Dingen, in denen sich 90 Prozent aller Juden längst selbst von jedem Zwange befreit haben. keinesivegS gewillt sind, sich einem neuen und noch so Leichten wange zn stigen und deshalb dock daS Recht für sich beausprucheu. als religiös-liberale Juden angesehen zn werden! Hinter dieser Sehnsucht nach dem Codex steckt noch etwas anderes: Es ist der Wunsch nack dem ÄTrederhervprhLlen der „Form": der Wunsch, vielleicht auch das BeüürsniS nach dem Feiern des Freitag Abends, gewisser Feste uiw. in b e st i m rn t e n a l t h c x g e b x a ch t e n F v r m e n. Hiergegen ist an und für fick nicht das Mindeste zu sagen. Wer an diesen Formen Freude hat, wem sie vorn ästhetischen Gtondpunkt etwaS bieten, wem sie religiöses Bedürfnis sind oder religiöse Befricdjgnng gewäirren, wer insbesondere glaubt, seinen Kindern damit wirtliche Werte zn geben und in ihnen Liebe zum Judentum damit erwecken ZN können, her soll sie anwenden, halten oder neu einführen, Aber in ihnen ietzt plötzlich wieder einen wesentlichen Bestandteil der Religion oder dex Religivsitqt als solcher zu sehen und sic gar einem neuen Codex einznuexleiben — ihnen damit also den Charakter dex Verbindlichkeit zn verleihen — bedeutet einen Rückschritt und ist illiberal: dies nickt nur weil cs einen neuen, für den liberal empfindenden Inden uner-- träglichen Bwang in sich scklicfzt. sondern weil cs den Blick von der Hanptsacke. der „Idee", ablenkt auf die äußere Form, also daS Gefäß an die Sielle des Inhalts setzt. Es ist ein Trugschluß, wenn man glaubt, die Liebe zur jüdischen Religion und zum Judentum dadurch cruenern oder erhöhen zu können, daß man auf Aeußerlichkerien zurückgreift: wäre eS kein Trugschluß, so stünde es schlechr um die jüdische Religion. rvenn eS solcher Mittel bedürfte, um die Liebe zu ihr neu zu erwecken. ES gelrört nun einmal mit zürn Wesen deS ÄberaliSmus. datz er der Form. d. h. der äußeren Betätigung religiöser Angelegenheiten außerhalb dcS Gotteshauses eine untergeordnete Bedeutung beimißt. Die acmaltsame Rückkehr zur Form mutz deshalb notgedrungen zum Lode deS LiberaliSn.us führen. Tiefe Einstellung soll nicht sagen, datz der liberale Jude nickt auch Formen beobachten und alte Gebräuche nicht halten dürfe oder soll- Es bedeutet aber. daß. wenn er dies nickt tut. er 'darum nickt um ein Iota ein weniger gnter religiöser Jude sei. Der Sternsche Ausruf hat Aeutzerungen von verschiedenen Seiten ausgclvst. darunter eine solche no» Herrn Rabbiner Dr. Goldncann in der Rumwer 19 der ..Jridisck^-liberalen Zeitung". Auf sie muß im Folgenden eingegangen werden, weil sic beweist, wvhin wir mit der Anregung Sterns steuern. Alles ist schon einmal dagewese»! Auch die Antwort Goldmanns in seinem Aufruf an die Deutsch-liberale» Juden ist in ihrer Tendenz ein alter Bekannter. Sie dreht den Spieß um und sagt: nicht wir Rabbiner haben versagt, sondern ihr liberalen Laien, die idr immer die Reformen im Munde führt, versagt uns die Gefolgschaft. Wir haben Niemanden, den wir führen können! Mil Verlaub, die Sache stimmt nicht ganz! Zunächst ein Wort zu de» einleitenden Worte» GoN« manns. Er sagt: Wohl ändert sich die Form der Lehr« mit Um. Wandel der Zeiten, stets aber bleibt die SMe dem Leben übergeordnet und ein Kompromiß -wischen ist im Judentum tote tu jeder Religion undauk-ar nf* Wenn dieser Satz, wörtlich genommen. rWist wäre, dam» kann der Liberalismus ruhig otnpacken. Natürlich BUi&fe di« Lehre dem Leben übergeordnet, weil das Elbisch«. GeMg« irumer über dem Materielle» steht. Das bedeutet aber nur., -atz di« Lehre im allgemeinen in ihren ethischen und geistigen: Grmckzügen der Leitstern für das Leben fein soll. DaS hindert aber nicht, daß diq Lehre gerade tu den äußerlich in Erscheinung tretenden Punkten _ und run diese handelt es sich allein in dem Sternsche» Ausruf der Abändsrrmg fähig und dem Wandel -er Zetten unterworfen ist. Mio nicht nur die «Form der Lohres sondern auch Uli« Mrr -LN Form" ist veränderlich undaher i u s o w e i t die dem Leben durchaus nicht immer übergeordnet. Die Süntbsis« zwischen Leben und Lehre zn finden, ist ja gerade erne Haupt« äusaabe deliberalen Judentums, um die -s sick seit Ja»r« hunderten müht. Das „Komprovritz". daS in Wahrheit aber: gar kein Kompromiß, son-ern im Gegenteil daß restlystz Erstreben eines bestimmten Zieles sein soll, ist somit sehp wohl denkbar. Goldmann tränt weiter: G^unt ibx eure Mdrach««. Führer wirklich als eure Führer an? Die Frage ist. m* auch alle anderen Fragen Goldmanns. insofern nickt asv» richtig gestellt, als ex den Sternsche» Ausruf lediglich «mV die liberalen Rabbiner bezieht, während derselbe in Wirk« lichkett an a lle Rabbiner sich richtet. Tatsächlich ist abex die von Goldmann seiner Fragestellung gegebene Richtü«^ zutreffend, da. wie oben guSgeführt. -ie orthodoxe» RaMum für die Sternsche» Wünsche niemals in Fraae kommen, Ob wrr die liberalen Radbiner gl- Führer anepkennanD' YH, wie Goldmann weiter frggt, hie liberalen Führer »ut u»^ sere Undevstützung rechnen können? Diese Fragen aufwerfeu« heißt, dem liberalen Rabbiner ein reckt schlechte- ZeusvlS ausilellen. Die beantwortet sich nämlich nicht nach uns e r«M Willen, sondern nach dem Fübrerwillen und der Fübrer-- elgnuug -er Rabbiner. Wenn dex Rabbiner darapsi achtet, ob er für seine Plaue die nötige Gefolgschaft findej: und darnach sich erst einriÄtet. ob er führen will danw ist eS mit seiner Führerschaft schon vorbei. Bej allen geistigen: Belveguugcn der Weltgeschichte wäre» es stetdie Fübrer* naturen. die sich, unbekütnrnert um den Erfolg, mit Pro-- pagieruug ihrer Ideen herouSstellten und aus die Kraft uu» Gute dieser Idee vertrauend, einen zuerst uielleicht klein««» dann aber immer größeren ÄreiA zu sich heranzoaen und f« rhren Gedanken zum Siege verhalten. Hierzu gehört natpr«, lich die volle und unbeirrbare Ueverzeugung von der Ricktttzkett dessen, was man erstrebt und eine absolute Upbeeinflüvi varksit in der öffentlichen Propagierung -eS als ricktts Erkannten. Hierzu gehört dir „golsne Rücksichtslosigkeit^ gegenüber allen denen, die ängstlick auf halbem Weg« sieb«»* bleiben und dadurch hemmend wirken, und endlich a«hört hierzu jene absolute Sclbsientäutzeruna. die nickt auf de» Erfolg und namentlich nicht auf de» nahen Erfolg sieht und picht durch OpvortunrtätSrücksichten sich von dem Ziels abbringen läßt. Und weil hiss alles zum „Führer" aehsixt,' so ergibt sill; hieraus ohne weiteres, daß man eins Führernatur sein, aber nicht werden kann. I n s o l g dessen kan» man seine Führerschaft auch nicht davon abhängig machen, datz andere verspreche», zu folgen. Ich aebe zu. -atz unseren liberale» Rabbinern, auch soweit sie Neigung und Eignung dazu haben, das Fuhrersei» nicht immer leicht sein wird. DieS hiingt vor allem damit zusammen. datz die besonders zum Führer gesigneten Geisten sich vorzugsweise in Grotzaemeinden finden, in denen sie nach der Zusammensetzung dieser Gemeinden häufig auch mtt zahlreichen orthodox gercchteien Gemeindemitgliedern r«ck^> neu müssen. Das ändert aber nichts an dem Kernpunkt der Frage. Auch Abravam Geiger man wird eS mir ntÄt verübeln, wenn gerade ich diesen Namen nenne hat a» solchen Gemeinden gewirkt und gerade deshalb -ie schwerste« Kämpfe aussechten müssen. Er hat aber, als er seine Id«« in die Tat. umsetzte, nicht vorher gefragt, ob die liberale» Juden ihn als Führer anerkennen und ihm folgen wollen» Hätte er es getan, so stünden wir wahrscheinlich beute noch da. wo wir vor siebzig Jahren gestanden haben. Ek btzk i» Wort und Lat die Führung einfach übernommen, hat guk seine Hörer und Scküler überzeugend gewirkt und seine Gemeinden sind ihm gefolgt, auch ohne sich vorher protokollarisch dazu verpflichtet zu haben. Fast scheint es aber, als ob Goldmann aar nicht po« Führer» in diesem Sinne spreche, sondern nur di« maßgeblichen Personen darunter verstanden wissen wolle, di« i» -er Bormaltttna der Gemeinden führende Stellen einnehmen und dabei Anssührungsorgane liberaler Ideen sein können. - eine in. E. etwas zu bescheidene Rolle, die hier de» Rabbinern zugewieien wird Nur so lätzt es sich «rklärev^ daß in den Goldmann'schen Ausführungen wieder die bös«« liberalen Gemeindevertretungen herhalten müssen, die de» Rabbinern den Eintritt in den Gemstndevorstand »exwehren. Ganz abgesehen davon, daß die Ansichten der Liberale» r» diesem Punkte keineswegs einheitlich sind, und daß auch auf orthodoxer Seite sich mindestens in gleichem Matze Ge-usr des Eintritts der Rabbiner in den Gcmetndevorstand fintz«». hat diese ganze Angelegenheit mit den hier interessieren-«» Fragen und dem von Stern an die Rabbiner gerichtete» Appell nicht das Mindeste zu tun. Das. was Stern pon de» Rabbinern verlangt, werden sie genau so gut aussühre» «per nickt aussühren können, ob sic nun -Nitglieder de- Bpr* standes sind odex nickt. ,,Vcsügi4 terrent“ sagt Goldmann im Hinblick auf hi« .LilchUknien"! Ec mag Recht hoben, aber in ganz anderam Sinne, als er meint. Ein „innerliches Bestreiten" ver Verbindlichkeit dieser Richtlinien durch die Posener Bar* sammlnng brauchte gar nicht stattzufinden: denn eine bindlichkeit in dem von Goldmann jetzt angedeuteten St»« und Umfang war niemals beabsichtigt. (Lin Blick in dt« Verhandlungen der Pvsener Tagung beweist das. Dtz» „äußerlich" liberale Gemeinden die Richtlinien dadurch ah» gelehnt haben, datz sie liberale Rabbiner desbalb nicht deruteu haben, weil dieselben die Richtlinien unterschrisve» hatten, würde anck ich als sehr bedauerlich und ta&clnöwm empfinden, halte es aber für sehr möglick, weil man in «UW» falsch verstandenen Liberalismus auch in liberalen Gemeinden auf die Astinderzahl der in ihnen vorhandenen Kvnsexvativen nnd Halbkonservativeü oft Rücksichten nimmt» pm von konsaruativer Seite auf uns niemals genommen werd«». Wie steht eö denn aber mir den liberalen Herren Rahvtn«xn? Wo und wann haben sic sich bemüht, unter voller Einsetz»»» ihrer Person und ohne Rücksicht auf di« Folgen den ~- wirklich überaus bescheidenen liberalen Forderungen per Richtlinien zum Siege zu verhelfen. Als von orthodoxe« Seite der große Sturm gegen diese Richtlinien einsetzte, hat man zunächst eine Zeitlana einen kleinen Federkrieg tzemtzkt. in der Frage -er Ehegesetze sind die liberalen RabMn»«. indem sie ein vermittelndes Kompromiß luchten. MU«#» gewichen und im übrigen ist es still und stiller gewyrb«»' Was hat sich seitdem geändert? In diesem Sinne ist es -aber auch falsch, wenn GolbwtznN am Schluss« seines?lrtikcls ein Wort zitiert, nach de» es nur liberale Rabbiner, aber keine liberalen Jude» gabo. Ich habe in einer jetzt fast 2öjäbrigen Tätigkeit im öfftylt»

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