Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 4 (1924)
- Issue
- 22 (11.7.1924)
- Date
- 1924-07-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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flAm fWITAcit Leben eigentlich eine an-ere Erfahrung EKAt. m bade maff-nbaft Juden kenneusel-rnt. -i« sich ÜA^öKiö'*• interessiert ktberale Jude» fühlten und dtztatl-en wollten, die es aber serene bedauerte«, datz a- ÄüJi!ifiÄaße,La*8,r^fehle, die bereit Kren. reMS, WM^ÄxKW^^ E»«s»r°S-» lib,r«w> Daß die Kritik -es'ueberveferteft. wie Goldmann sagt, non der »rage beüerscht fein soll, ob „es-, h. also M Usberil eiertedie Ankunft deS Judentums und den Ke stand der Fudenbklt zu sichern ftnttande ist. ist zum Teil richtig, berücksichtigt aber nur die eine Seite der Frage. Es muh nämlrch auch untersucht werden, pj, nicht das Reue, dad vex.« langt wird, also das Ergebnis dieser Krim -es IlebrrUeser, ten, allen so gute oder vielleicht noch bessere Ge« wävr für die Aukunst des Judentums mch den Bestand -er Judenheit bietet. Da für die Beantwortung dieser Krag? meistens nur der von vornherein nickt voraussehbare Erfolg enMeidet. lätzt sich mit der von Goldmqnn ausgestellten Formel also gar nichts ansangen. Das r,ein „jndäozentrische" Denken, wie es Goldmann füx die Rabbiner in diesem .Zusammenhang rektamiext, ist. soweit es sich auf Bestand und Sicherheit von Judentum und Judenheit jedem Juden, auch jedem liberalen Juden eigen. Aber die gezogenen Kol, gerungen sind unrichtig. Goldmann folgert, daß. wenn Politik und Tageöidoe im Streit mit den Interessen des Judentums stehen, man sich für das „(Lungegegen das „ZrUlicke" entscheiden müsse und daß daher Forderungen der Politik und die Ideen des Tages dem Rabbiner nichts gelten. Abgesehen davon, -aß dieser Gedanke in der ausgesprochenen Allgemeinheit zweifellos eine starke llebertreibung ist. ver, aißt Goldmgnn vor allem, daß die Forderungen der Politik und die Ideen -es Tages es im allgemeinen nur mit dem Zeitlichen zu tun haben und das Ewige nigt be-r rübren. und daß wenn sie in Konflikt mit der Beobachtung von Gebräuchen kommen, «s immer nur das Zeitliche s^i» kann, das leiden könnte, Denn wie bereits oben auSgeführt. kann der Liberalismus -ie Gebräuche zum „Ewigen" nicht rechnen. Und nun ruft Goldman.« als Parallele zum Stern'schtzn Ausr.«s »um Schluüe seinerseits aus; Btzxlangt nur Aendexungeu und Neueinrichtungen, menn ihr gewillt seid, sie in unverbrüchlicher Treue zu halten. Daraus hatte sch pon dem Augenblick an gewartet, als ich den Stern'ichen Aufruf las. Hier hapen wir glücklich wieder das Verlangen nach der älprnzentigen Sicherheit des Herrn von Loffow! Es ist derselbe unrichtige Gedanke, über den ich mich pben verbreitet habe, als ich von den Führern sprach. Es kommt nicht darauf au. ob vorher eine genügend? Anzahl Gemeindemitgliedec fick verpflichtet, gewisse Reformen mitzumachen. sondern der Rabbiner, -er solche Reformen für zweckentsprechend hält, der also, um mit Goldmann zu rede«, in ihrer Einftihrung einen Vorteil im Interesse der Zukunft des Judentums und des Bestandes der Judenheit siekst. -an sich nickt von der Sorge beirren lassen, ob er in de« nächsten Wochen pher Monaten volle Synagogen steht odex nicht. Hält er die Reformen für richtig, -ann kommen für ibu speziell bei gottesdienstlichen Reformen Ewig« kcjtstgerLe in Betracht und der Rabbiner darf sich gerade pom Goldmann'schen Standpunkt aus nicht dadurch, -atz er die Frage des Erfolges allzu ängstlich ventiliert, für das Zeitliche entscheiden. Merkwürdigerweise sind auch liberale Rabbiner in dem umgekehrten Falle hex Aus, Hebung ypn Reformen, z. B. üex Wiedereinführung hebräischer Gebete an Stelle bestehender deutscher Geb te, weit weniger ängstlich und verlangen nicht vorher ein« Zu« sicherung, daß man diese Acnderuug in „unverbrüchlicher Treue" halten werde! — Durch die vorstehenden Ausführungen zum Gcldmaunfche« Artikel wollte rch zeigen, das, die von Goldmann ge« stellten Fragen gerate von seinem Standpunkt, g h, lm Jmer.« esse: der Führer;ä:!gke,t der liberalen Rabbiner, nicht hätte« aufgeworfen werden tollen. — Der Stern'sche Aufruf und die Go^dmann'fche Antwort habe« unter Auffrischung manches schon oft D-'gew'Oene'i Frage« wieder in den Brennpunkt der Erörterung gestellt. 5U denen meines Erachtens nicht geschwiegen werden durfte. Ich weist daß meine Ausführungen stark subjektiv sind unh «ahme wahrlich nicht für mich in Anspruch, d-ah mein- Ansicht die allein richtige sei. Ich muffte aber der Ueberzeugung Ausdruck geben, das; die Befolgung des Stcrn''chrn Appells uns den liberalen Idealen nicht näher bringt. Die Golömann'scke Antwort beweist meines Erachtens schon, das; meine Befürchtungen aerechtfertiat sind. — I« derselben Nummer -ex „Jüdisch-liberalen Zeitung", die den Stern'schen Aufruf brachte, findet sich eine Betrachtung zum Wochenfeste von Rabbiner Dr. Halzberger, in der eH gy einer Stelle heißt: Der Weg Israels endete nicht am Sinai: er «ahm von dort erst seinen Ausgang. Ich fürchte, daß. wenn man den SLern'schen Vorschlägen folgt, der Weg Israels an dem von Stern ersehnten neuen Eo-ezs zivar nicht enden, aber doch jedenfalls mit einer die «eitere Entwicklung gefährlich hemmenden Barxisre perbaut fgi« würde. Rechtsanwalt D r. Rudolf Geiger. Frankfurt a. M. »An die deutschen liberalen Judenh läßt als Antwort auf Heinrich Sterns Aufruf an die Ktftetftlc« Rabbiner Dr. Feli r G o l d m a n n . Leipzig, im Svrechsaal von Nr ist seine Antwort ertönen. — Zp- «äckst sei ihm ans seine Frage, «ob wir unsere liher - len Rabbiner als unsere Führer a n e r -» nicht jeden Rabbiner, der sich liberal nennt! Hierbei kennen", geantwortet: Jawohl!! Aber nur die wirklich liberalen Rabbiner: das will tagen: nicht jeden, der fid> liberal nennt! Hierbei sei bemerkt, daß der von Dr. Goldmann erwähnte Ausspruch eines liberalen Rabbin'.-rs. „es gäbe keine l t b e r a l e n Juden. sondern n u r liberale N a b b j n e r". auf einer gründlichen Verkennung der Tatsachen beruht. Es gibt im Gegenteil eine reichliche Menge liberaler Inden, aber um di» wirklich liberalen Rabbiner aufzuzählen, genügen die zehn Finger dex zwei Menschenhände. Ja. vor 100 Jahren war die Situation eine ganz andere, da waren in der Reformnewegung Rabbiner anregend und führend. Der religiöse AbaraliSuMs. namentlich des Judentums, fett Anfang dieses JkghrknndeLtS aber verdankt seine hauptsächliche Belebung de« Laienüewent. das der materialistischen Weltanschauung satt mar und sich wieder der Religion, seiner Religion zuwandte. »«& sah. welch' kostbare Schatze in tlir verborgen, wen» man nur durch die Sckale und Kruste des Rituals und Z«r«nwnials auf den Grund gelangte. Die Vosener Rickt« tHtfcun haben in gewisser Beziehuna Aehnlichkeit nckt dem Aufruf des Königs von Preuße» im Jahre ISIS, von dem eK irrtümlich hieß, „der König rief und alle kamen": während umgekehrt alle kamen und der König deshalb rufen mußte. So auch in der jüdisch-liberalen Pc,- wqgnng der letzten '70 Jahre, die Heranwachsende und auck dt? ältere Generation der Laien hat die Bewegung wieder i» Fluß gebracht und da riesen die meisten der liberalen Aabbinex notgedrungen. — »Die Synagoge ist fpfft* Nq »esilchsl« fmwm m m* nicht und « Mvt, den Fr«itag»bendgottL-dienst stets zu ai,wr Otund« abzu« halt««, die es dem Geschäftsmann ermöglicht, tün s« deluchs«- &ag»m Wt man die Idee von Sonnta-SasttsS* bisnsten sanft einschlafen- I u d ä p z e n t r i! ch!!?? Ein ngrttesfltcher AnSdruS. m dM e# »ur darauf anksmmt, wie «eit man de« Zirkel -eg -reife« zieht, ü. S. war mq« gtt Zentrnm. als Kern der jüdische» Religion ansieht und was als xetn äußere Form. Sin Zufall -at cs semuttt. daß der Artikel non Lr. Äoldmsnn in dtzr der Resormgeschichte gewidmeten Kummer nnsetchs BlatteS erschien: ha waxe« mn unter anderem die Aufsätzß vpu Dr. Bogelstein und Justizrai Breslauer eine aus* gezeichnete Erinnerung und Illustration aller her Dinge, die man vor IM. ja noch vor 78 Jahren als „j u d ä p z < «• tris ch" ansah. Und ich glaube, wir haben auch heute noch sehr viele liberale Rabbiner, die unter den genannten Begriff gewisse religiöse Dinar und Formen nur deshalb ein* reihert, weil diese einer Anzahl ihrer Gemeinüewitgli-kder ql« bedeutsam für das Judentum erscheinen und weil gerade diese Mtglieder die regelmäbigeren Besucher des Gottesdienstes bilden. Diese rein opportunistische Behandlung von religiösen Fragen mag wohl manchmal gute lokal« Erfolge erzielen, die Hatrptiache, ,rm die e« sich für den Liberalismus handelt, ein.« lebensfrische Erneuerung des Judentums unter den religiös Indifferenten wird dadurch nicht erreicht. N;td wenn ein Rabbiner sich auf einen derartigen Standpunkt stellt, wenn er auf ssnst sehr schätzenswerte und hochachtbare, jedoch in ganz andersqxtjgcn. zum Teil dem deutschen Judentum völlia fremden Änschaunngen wurzelnd« und gfoßgewordene Elemente seiner Gemeinde sehr viel Rücksicht nehmen zu müssen glaubt, sy maa er wohl seiner geistlichen Herd« ein sehr guter Hirte seim Ob er aber deshalb oder sagen wir baffer t r o N b a m zum Führer' für Sie gesamte Reformbeweguna desJudentums aeeianet ist. erscheint doch wohl etwa« zweifelhaft. Denn diese Reformbeweguna will durchaus nickt lwie Dr. Goldmann meint' ^aus Beauemlichkeit Einrichtungen abschasfen". sondern Lebe« und Lebre in Einklang hrinaen. «ne es ln derselben Nummer unseres Organs Straßburaer-Mm anstrebt, und wie eS wohl manch« seiner aleichdenkenden Kollegen miterstreben, ohne sich mit ihren Hoffnungen und Gedanken in die Oeffentlichkeit zu waaen. Es scheint doch eigentlich beauemer. die Diüqe so laufen ru lasten, wie ff« von dex Zeit aetritzven werden: dann soll man* aber nicht von einer Erneuerung sprechen und grundläaNch auf die Heranziehung der Gleichgültigen zum religiösen Heben "erzichten. I. Wolfssyhn, BreSlau. Ist eine Reform der füdfschen Apologetik geboten? Bor einigen Jahren hatte ich in einer feeibettlichen Zeitschrift s„Dgs Frei» Worj" Oktober 1917) Kritik an den Kreisen geübt, die damals in dex deutschen Judeubeit die Führung hatten, ja diese Judenbeit nach auffen repräsentativ vertraten. Mein damaliger Aufsatz ..Die naftonal^ttsch klerikalen Strömungen rm deutschen Judentum" wandte ffck mit besonderer Schärfe dagegen dast man in jener Zeit auch in den Zeitschriften der nicht zionistischen Juden reaktionären ja klerikalistexendeu Bestrebungen aus reliq'ösem Gebiet Vorschub leistet« und damit hie schon durch das Nationaliudantum bedrohte kulturelle Lage der deutsche« Juden noch mehr gefährdet«. An die Spitze meiner Abhandl'tnq stellt« ich den Satz: „Wir finden heute nach wivor Rnqefchrige der jüdischen Gemeinschaft gls Schuldner aklex fretheftstcken Bewegungen: die deutsche Jirdönheft. als organt^erte Gesamtheit neigt aber immer mehr dazu, «in kultur- und lebensfeindliches Ge^rä^e antunebmen." Mein Angriff erklärte sich ans der B'tterkeit. mit der ick die damalige Situation der deutschen Juden empfand. Auf der einen Seite gewann die nationaliü^ifche Rtcktuna axosten Einfluß auf die jüdisch? Jugend, gerade viel, der aktivsten, geistigen und für das Judentum bsgeisterten Vertreter der jüngeren Geuerafton schloffen stck ihr an, Die Polftik dieser Richtung wurde dabei immer ertremer und wirklichkeitsfremder. Man forderte nationale Min^erheftKrechte ftir die deutschen Juden, vrvpaa'erte die «üdisch knnfcsfionelle Schul«, die man abex zu einer jüdisch-nationalen Schule umgestalten wollte. Auf der anderen Seite sah ich nun wie eW Re Richtung, die berufe« war, gegen biete Gefahr anzukämpsen. versagte. Die Männer, die damals dre Fübruna im Zcniralverein hatten, hatten zweifellos große Verdienste, vertraten auch eine grundsätzliche soziologische Auffassung pow Judentum. mit der die meine durchaus übereiustimmt. ober darin lag die Tragik der damaligen Situation, gerade sie. die im Gegensatz zur naftonal-jüdischen Bewegu'tg eine national« kulturelle deutsche Tendenz propagierten. vro"aaicrten sie eben nur und versagten, wo eS sich um schöpferische Leistung handelt«. Sie wgren taub und ölind. wo unsere Denker nickt durch advotatische Verteidigung, sondern dnrch die Tat selbst, deutsches Judentums Recht und Nechtftrtianna begründeten. Wer die alden Jahrgänge „Im deutschen Reich", des damaligen Organs deS Zentralvereins nachlieit. wird Inden, daß diese Zeitschrift wachsam war. wo es sich um die Abwehr antisemitischer Berdäcktigungen und Verleumdungen handelte, aber er wird sich schwer enttäuscht finden, wenn er sich aus den Spalten jener Zeitschrift ein ^ilb über die damalige positive Kulturarbeit dex deutschen Juden macken will. Mehr noch; wen« etwa ein Leser, der sonst nrchts von den deutschen Juden wußte, das kulturelle Niveau und die gc-istige Haltung der deutscksn Juden lediglich auf Grund des Studiums jeuer Zeitschrift beurteilen wallt«, sp würde «r leicht ein sehr falsches Bild bekommen. Wo find-ei sich in jener Zeitschrift etwas van dgr Lebensarbeit der Männer, die «über dem armen Reich von Neiden und von Hassen" stehen, wo etwas von Hermann Cohen oder Ernst Eafsirer. von Gundvlf oder Walhhrr Rattxv.au. von Benzion Kellermann oder Konstantin Brunner, von Oskar die oder Jatob Wassermnnu. Tatsächlich haben sich manche Leser irreführen lassen. Die tüncht geringschätzige Art. in der man zu da< maliger Zeit namentlich in de.« Kreisen der zionistischen Jugend auf alles herabsah, was sich mcht dem allein selia? machenden national-jüdischen Dogma einfügft. erklärte ich daraus, daß man <mf der anderen Seite nur Programme sah. aber keine Ahnung hatte von dem Ernst und der Wucht der Kulturarbeit deutscher Juden, slleber dt« Bedenken, dr« auch vom religiösem Standpunkte gegen das rein« Slpplogetentum des ZentralverHins entstehen konnte, ugl. meinen Artikel „Zur Kritik der religiösen Lage im Judentum" in den Mitteilunaen der Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Jugendvereine Deutschlands, September 1030. Es sei in Ergänzung meiner damaligen Ausführungen auch auf die Kritik hingewiesen, die Encke» in sctnen „Geistigen Strü? mnngen der Gegenwart" gegen eine UeberfHädung her apologetischen Arbeit pichtet. Es heißt dort 5. Auflage S. 983 w von dieser: «Sie rmrkt uurwiegend zu solchen, welche schon qawonne« sind; sie ist starker im Befestige« und Zusammen' halten als im Vordringen und Erobern."j Gerade weil ich damals so fKarfe Kritrk Übte, freue ich mich heute um so mehr, den Fortschritt kynstatteren zu können. der m neunter Zeit eingetreten ist. Mit Gamr-tuung Können mir es begrüßen, daß jetzt auck ist« Interesse« dar« I jenige» deutsche» Jude», die nicht -er Fahne -es AiationaljSdentumS folgen, weit verständnisvoller und weitstchttaeLals früher wabrgenpmMLn rverdzn uns Latz sich übeM der Drang zu Vrrsüngung. krftische Rnchprüsuvs und Vertiefvns deS eigen«» Standpunkts kmckgibt Der erste «ns entscheidende Schritt ging von de« jüdisch-liberalen Jugendverein«, aus. Bo» diese« endlich wurden Zeitschriften von kultu-. rallem Niveau geschaffen. Zeitschriften, hx zu den Problemen dedeutsche» yubentumS mit jener wiffenschoftliche« Krethett Stellung «ehmen. durch die allein «ine solche Ervrter»«- nach innen und nutzen fruchtdar werden kan«. Ader auch im Zentralvereiu scheint sich neuer Geist tut rasen. Dt, Jugend murrte, mar mit Recht unzufeiade», perlangte Berinrrerlickung. Gewiß, der Zentralverei» mar tn einer schwierigen Lag«, da sich «ine Anhänger aus de« verschledensten religiösen Richtungen des Judentums zusammensetzten. Trotzdem hätte eure auf der Höhe ihrer Aufgabe stehende Leitung weit mehr leisten könrren. Daß «S Möglich ist, zeigt ein Artikel in einer neueren Nummer des ZentralperchnSorsatrs. In der „Zentralvereins-Zeitu««^ vom b. Juli 193* finden wir etwa als Leitartikel eine «t, daiiLenrmche Abhandlung „Raffe. Nation und Geist" d«S pßkannte» Leipziger Philosophen Professor Dutesch. So etwawäre in den Jahren vor drm Kriege und rvährLNü des Krieges unmöglich gewesen. Allerdings ist eS vorläufig ki» Versuch. Die Schr^stlettunö hält eS sogar noch für geboten, sich bei ihren Lesern zu entschuldigen, daß sie einen jp ppr» trefflichen Aufsatz bringt. Sie sagt in einer redaktionelle» Bprbemsrknng: „Wenn Mix auch nicht mit allen Einzelheiten d«e nachfolgenden Ausführungen des herporraaenda« Ge» lehrten einverstanden sind, so bringen wir sie doch unverkürzt, weil sie dazu beitragen sollen, die Wahrheit m suchen." Die Lchriftleitunq möge auf diesem Weg« fortfahre«. Sich möge aber tfn für allemal ihren Lesern vegr-sflich maKr»«. -atz. wenn überhaupt eine Zeitschxiit die Absicht bat. ein# ernste wissenschaftliche Revue zu sein, die Redaktion unmöglich für alle einzelnen Ausführungen ihrer Mitarbeiter per, antwortlich gemacht werden kann. Dirwar ja seraSe de» entscheidende grundsätzliche Jehler in der früheren Leitrum d«S Zentralvereinsblaites. Man glaubte die Beiträge dariu«^ bin zensurieren zu müssen, daß sie nach keiner Richtung hi« Widerspruch finden, nirgends Anstoß erregen könnten. Go erklärt sich die erschreckende Gleichförmigkeit der Aufsätze -e» „Im deutschen Reiche" sman vergleiche dagegen etwa da« vom natipnal»jüdischen Starrdpunkte ausgezeichnet geleitete« „Juden" Pubers und auch die späteren Jahrgänge der bischen Rundschau"), so mußte jeder selbständige wissenfchafd, liche Denker von vornherein von der Mitarbeit abgeschxackt werbe«. ES ist selbstverständlich, -aß di« ZentralverMnS« Zeitung nicht in demselben Geiste geleitet werden kan«, mta etwa die „Jüdisch-liberale Zetiung", und daß sie in alle« rvligiösen Dinge« Zurttckhalturrg übe» muß. aber bei der Besprechung der grundsätzlichen kulturellen Probleme muh sie hie Freiheit lasse«, ohne die eine wissenschaftliche Avs^ einanoersetzung nicht möglich ist. Sonst muß die Zeitschrift naturgemäß verflachen und das Interesse der gebildete» Leser erlahmen. Hier ist jahrzehntelang schwer gesündigt worden. Entsprechendes gilt ypn der BroschürcnlUsratur, durch die mau antisemitischen Angriffen von jüdischer Sette entg^ep» tritt. Auch hier ist brs i» die neueste Zeit viel versäumt worbe«, auch hier hat man es lange unterlassen, die rechten Männer hexgnzuzieheu. Man hat sich begnügt, in de« Broschüren gewissermaßen einen gesammelten Au-zng aus de« jüdischen Abwehrzeitungen zu geben. Pa die Zeltschrift«» nicht genügten, konnten «K die Auszüge auch nickt« •$»<*»» gab Materialsammlungeu, die sehr nützlich uud verdienstLick sein konnten, die aber für sich allein welle Kreise gerscktL auch dex Gebildeten unbefriedigt lassen mußten, man verkannte die Bedeutung, die von der selbständigen wissenschaftlichen Periönlichkett ausgebt. Wen« etwa Profeffor Lujo Brentano i« seiner kleinen Sckrift über den Judenhaß bemerkt: „Welche Verdienste um dle deutsche Einheit haben sich nicht die Jude>n Gabriel Rießer. Marti« Eduard Kjm« son, Eduard Laßkex erworben! Wäre nicht ohne Walter Rathenau. der blindwütigem Judenhailc erlegen ist. im letzten Krieg« das deutsche Volk schon nach wenige« Monaten seinen Feinden preisgegebe« gewesen!" so sagte er damit nichts Neues, aber allein der Umstand» baß der hervorragende Münchener Nationalökonom diese Ausführungen macht, ist geeignet, ihnen «ine Verbreitun« Und eben den Umstand, daß dieser dem E^Lralvexeln nahestehende Verlag Herr Aufsatz herausgebracht hat. möchte ick alö Anzeichen dafür nehme» .daß auch hier eine erfreuliche Wandlung zum Besseren eintreten soll. Der Brentanosck« Aufsatz, der knappe 10 Seiten zählt, kann uns wertvollere Dienste leisten, als dicke Bücher. Er kann eS, eben weil k» keine apologetische Schrift ist, sonder« das nnabhängtgs wissenschaftliche Werk eines Gelehrten, von hoher Warte geschaffen, immer wieder verblüffend, durch die unerhörte Findigkeit, Sicherheit und Eleganz mit der hier das Material aus den entlegensten Winkeln der Weltlfteratur zusam* mengetragen, gesichtet und gejilürt worden ist. Eine Arbeit vy-n echt Brentanoschem Gepräge, an der niemand, der stck ybjeLtto mit Judenhert und Judentum beschäftigt, achtlos vorübergehen wird und di« nicht zu besitzen für ein tüdische- HauA eine Schande sein sollte. Zu wünschen bleibt nur. daß auch die umfangreicktzra Arbeit, die Brentanp uux länoarer Zeit über und gegen SombartS Aü-enbuck veröffentlicht hat. endlich weiteren Kreisen zugänglich gemacht wird. . RechtSanwalt Dr. ErnstEmtlSchwettzer, Berlin. Reichsbund jüdifcher Frontsoldaten Erwiderung z« dem Bericht „über die Aasgeier der V*« pnülik itub des Jrr-entums", In dem Bericht über die Versammlung des BezirkL NoLü waren oinig« Unrichtigkeiten vorhanden. Der Vorsitzende hat in seiner B-egrüßungsansyracbe nicht von einer Partei- und Tendenzlosigkeit dos Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten gesprochen, sondern aus die parteipolitische Neutralität hingewiesen. Der Bund ist nicht tendeuslo». sondern hat sogar sehr richtige Tendenzen, die er im letzten Jahre z, B. lvährend der Progromtage und den W-ahle>r treffend bewiese» hat. Und wen« die Äbwehrpmßnahmen Meinbar einen reinen negativen Charakter haben, so hat der Bmck dock positive Suu, indem er seine Mitglieder zu begeisterten Inden erzieht, die ihr Alles zum Schutz deS Judentums einfetzen. Positiv ist auch fein Zrel. die jüdische Jugend körperlich zu ertüchtige«. Damit ist die Ledensfährgkcit und Produktivität des Bundebewiesen nnd nickt mit' einem Kaffeekränzcheu oder Legelklub zu vargleichen. wgÄ energisch -urückgewteseu werden mutz. _Dr. Lo » Lo «. BarMigu»-. I» «r. LI vom 4. Juli hat unö der Druckfehlerteufel es-m, dös« Streich« gespielt: Der erst« Beitrag »utvr da« GpitzmarÄ: „MdL als natioual, Verteidiger" stamm« wtm RechtSauwalt Dr. Foerder. BraSla». der dritte Beitrag v»» Herrn Schriftsteller Carl Beer. BerliwAriedemut.