Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 4 (1924)
- Issue
- 22 (11.7.1924)
- Date
- 1924-07-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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4. Jahrgang Nummer 22 IMhÄewLZeilmg Beilage 11. Juli 1924 Die jüdische Gegenwart. « Die Wissenschaft vom Judentum. *!cr neugegründeten jüdischen wissenschaftlichen^Geiellschaft in Berlin fand am 3. Juli statt. Herr Professor M. Dubnow hielt einen Vortrag über die allgemeine Auffassung der jüdischen Geschichte und die damit zusammenhängende Periodisierunq. Dubnow vertritt den Standpunkt, daß eine grundlegende Reform der jüdischen Ge,chlchts,chreibung nötig sei. Es handelt sich um die Säkularisierung der Geschichtsauffassung, die in Einklang gebracht werden könnte mit einer allgemeinen wissenschaftlichen soziologischen Methode. Eine Reihe von wichtigen Beispielen sollte diese Auffassung bekräftigen. Der Vortrag von Dubnow veranlatzte die größere Zahl der anwesenden jüdischen Gelehrten und Schriftsteller, eine Vertagung der Diskussion zu erbitten; die Fortsetzung wird in acht Tagen stattfinden. Des weiteren wurden in der Sitzung die Hanptrichtlinien für die Statuten der neuen Gesellschaft besprochen und festgelegt. Eine Reihe von Rednern legte Nachdruck darauf, Last die neue Gesellschaft eine Synthese des oft- und westjüdischen Geistes anbahnen miitztc. Die Wahl des Vorstandes wurde bis zum Herbst verschoben. Mit der Geschäftsführung -ist einstweilen ein provisorischer Ausschuß betraut, der sich aus folgenden Herren zusammensetzt: Dubnow, Elbogen, Koigen, Lischnitzer, Scloweitschik, Steinberg, Torczyncr und Weil. Die Wahlen zum Studentenparlament. Am 3. Juli abends waren die Wahlen in das Berliner Studentenparlament beendet. Das Skrutinium erbrachte Las überraschende Resultat, daß die bisherige Zweidrittelmehrheit der Rechtsgruppen gebrochen worden ist. Abgegeben wurden 3771 Stimmen, davon 1359 für die Linksgrnppen. ES erhielten: Deutscher Studentenbnnd 18 Mandate (vorher 18), Vereinigte jüdische Gruppe 6 (4), Jugendbewegung 7 (5), Kommunisten 3 (1); Finkenschast 30 (28). Korporationen 12 (17), Berliner Waffenring 23 (22). Die drei letzten Rechtsgruppen bilden also noch immer die Mehrheit, jedoch statt früher mit 67, jetzt mit 95 Stimmen. Der Wahlkampf wurde mit einer an der Universität noch nie beachteten Heftigkeit geführt. Der Studentenausschuß hat bei der Erteilung der Wahllegitimationen von den AnslandSstudentcn ein Religionsbekenntnis gefordert. Dagegen protestierten die Minderheitsgrnppen mit der Begründung, daß diese Forderung eine krasse Verletzung der ReichSvcrfasiung bedeutet. Universitätsrat Markart gab dieser Beschwerde statt, so daß am dritten Wahltage von der erwähnten Forderung abgesehen worden ist. Der Mord an Jakob de Haan Wir hatten bereits in unserer letzten Nummer die kurz vor RedaktionSchluß eingegangenc Nachricht non der Ermordung des jüdischen, hollänöiichen Dichters Jakob Israel Le Haan, Professor der Rechte an der Universität in Jerusalem und Korrespondent des Londoner „Daily-Expreß", veröffentlicht. Wir erfahren dazu noch folgendes: Die Mörder feuerten drei Revolvcrschüsse ans ihr Opfer ab. ES gelang bisher nicht, ihrer habhaft zu werden. Prof, de .Haan ist noch am Montag abend im Schaare Zeüek-Hospital, wohin er verbracht wurde, verschieden. Die Beerdigung, die unter Teilnahme von 5000 Menschen stattfand, und von 9 bis 3 Uhr Lauerte, war von erregten Protesten gegen die Mörder begleitet. Der Polizei gelang es, durch strenge Bewachung Ruhestörungen zu vermeiden. ES herrscht unbeschreibliche Erregung. Die zionistische „Jüdische Telegraphen-Agentur" meldet über die Zusammenhänge des Mordes: „Dr. Jakob de Haan, Ler Führer der antiztonistischen orthodoxischen Inden in Palästina, sollte noch in dieser Woche an der Spitze einer Delegation orthodoxischcr Juden nach London abreisen. Der Zweck der Reise war, gegenüber dem Kolonialamt in London im Namen der palästinensischen Agudisten Einwände gegen die geplante neue Gemeindeordnnng zu erheben. Nach Ansicht der Agudisten würde eine Sanktionierung dieser Ordnung zur Folge haben, daß die orthodoxischen Gemeinschaften unter zionistische Bevormundung kommen würden. Durch das tragische Ende Dr. de HaanS ist nun die Abreise der Delegation, zu der auch Dr. Vallach gehörte, in Frage gestellt worden." ES liegt im allgemeinen Interesse, restlos aufzuklären, ob Zusammenhänge zwichen dieser Reise und dem Mord an de Haan, der infolge seiner antizionistischcn Tätigkeit von der zionistischen Presse scharf angegriffen wurde und sein Lehramt an der jüdischen Universität in Jerusalem niederlcgen mußte, bestehen. Solange dies nicht der Fall ist, ist cs unmöglich, zu dieser den palästinensischen Frieden schwer gefährdenden Schreckenstat Stellung zu nehmen. Wir begnügen uns daher damit, eine Anzahl Presscstinnnen zu dem Vorgang zusammcnznstcllen. „Der Israelit", das Zentralorgan der deutschen Aguda, nimmt in Nr 27. vom 3. Juli folgendermaßen Stellung: „lieber die Begleitumstände der furchtbaren Bluttat werden nähere Nachrichten abzuwarten sein. Bekannt ist. daß der Heimgegangene den ganzen Haß der zionistischen Kreise auf sich gezogen hatte, weil er, ursprünglich Zionist, allmählich die Fehler der zionistischen Politik erkannte, sich offen auf die Seite dec unabhängigen palästinensischen Orthodoxie schlug und mit allen Waffen seines scharfen Geistes für deren freie, gleichberechtigte Entfaltung und zugleich für eine araberfreundliche Orientierung der Außenpolitik eintrat. Die zionistische Korrespondenz schreibt in ihrer Ausgabe vom 4. Juli: „Dr. de Haan, Wortführer der palästinensischen Agudah, hat durch seine Berichte an den antisemitischen ('? Die Red. der „I. L. Z."j „Daily Expreß" in London sich in Palästina starke Gegnerschaft zugezo-gen. Speziell sein letzter Bericht im „Daily Expreß", wonach infolge des gespannten Verhältnisses der Araber zu den Juden diese sich im Selbstschutz organisieren und bewaffnen, hat in Palästina große Aufregung hervorgernfen. Es ist nicht unmöglich, daß irgendein palästinensischer Hitzkopf unter dem Eindruck der de Haanichen Berichte sich zu einer verbrecherischen Handlung hat hinreißen lassen. Auf jeden Fall muß mit einer präzisen Stellungnahme bis zum Eintreffen weiterer genauer Berichte aus Palästina über diese schauderhafte und nicht genug zu verdammende Tat gewartet werden." In Nr. 53 der „Jüdischen Rundschau" finden wir folgenden Kommentar: Diese Meldung erfüllt auch uns. die wir Jakob de Haan als einen der erbittertsten Gegner des Zionismus bekämpfen mußten, mit Abscheu und Entsetzen. Solange nicht Klarheit darüber besteht, wer die Attentäter sind und aus welchen Motiven die Tat verübt wurde, kann angesichts des schreckenvollcn Endes de Haans keine andere Stimme als die des menschlichen Mitgefühls laut werden. Sollte aber der Mord auf politische Motive zurückznführen und er von Inden begangen worden sein, dann müßte auch erklärt werden, daß kein Wort der Verurteilung gegen diese Wahnsinnstat scharf genug sein kann. Wir haben stets die Anwendung von Gewalt im politischen Kampf pcrhorreszicrt und wir tun dies auch weiterhin." Sehr interessant sind die Ausführungen des Leitartikels der Londoner „Morning Post" in der Ausgabe vom 3. Juli. Dieser schreibt, daß in Palästina, welches „unter dem zionistischen Joch zu leiden hat", das Attentat ungeheure Entrüstung hervorgernfen hat. Dieser Mord, fährt die Zeitung fort, wird „hoffentlich die Aufmerksamkeit der Regierung aus die neneingctcelene Wandlung in Palästina lenken. Die alten Zionisten, die ans ihren Zionismus stolz waren, sind über die barbarischen und zum größten Teil atheistischen Kommunisten, die durch die russischen Bolschewisten in das Land geschmuggelt wurden, sehr empört. Der Zionismus, der ursprünglich eine religiöse Bewegung war. droht, in eine revolutionäre Bewegung airSznarten. Herr Macdonald möge den zionistischen Machinationen in Palästina seine Aufmerksamkeit schenken. Er würde sich dadurch die Dankbarkeit dreier Rassen, der Araber, der Juden und der Briten erwerben. Die Täter sind bisher leider immer noch nicht gefaßt worden. In der UnterhauZitzung vom 4. Juli ist non einer Seite bereits eine Anfrage wegen der kriminalistischen Verfolgung der Mörder de Haans an den Staatssekretär für die Kolonien gerichtet worden, deren Beantwortung mit Spannung erwartet werden mutz. Die Jüdische Universität. Nach einer Genfer Meldung soll die Völkerbundkommission für geistige Zusammenarbeit im Hinblick auf die Bestrebungen, an einigen deutschen Hochschulen den Numerus clausus für jüdische Studenten einznfnhrcn. entschlossen sein, die Errichtung einer indischen Universität in Europa zu. propagieren. Die spanische Regierung bot Platz und Unterstützung au, doch soll ein Ort des deutschen Sprachgebietes gewählt werden. Der Plan, Danzig zu wählen, ist vom Senat und den Behörden der dortigen Technischen Hochschule abgelehnt worden. Auf Anfrage der Berliner Hochschul-Nachrichten hat Einstein als Mitglied des die Vorarbeiten leitenden AnSschusscs erklärt, die Schwierigkeiten für die Erreichung des Zieles, der ostjüdischen Jugend die Möglichkeit des Universitätsstudiums zu sichern, seien noch groß. Sicher erscheint Einstein, baß die Errichtung einer jüdischen Universität an der Grenze zwischen Mittel- und Osteuropa nicht nur für die Ostjnden segensreich märe. Er glaube, daß die deutschen Hochschulen eine wenigstens teilweise Entlastung von dem Zustrom vstjüdischcr Jugend begrüßen würden. Von der Tätigkeit des Landesverbandes der Preußischen Gemeinde. Die Verhältniffe in einer großen Zqhl. namentlich der kleineren Gemeinden, haben in den letzten Jahren eine Entwicklung genommen, die zu -den schwersten Besorgnissen Anlaß bieten muß. Vielfach ist ein Kultusbeamter überhaupt nicht mehr vorhanden. In anderen Fällen ist die Besoldung eine derart unzulängliche, daß eine sorgenfreie und arbeitsfrendige Tätigkeit nicht gewährleistet ist. Daß bei dieier Sachlage das religiöse Leben, insbesondere der Religionsunterricht der Jugend, schweren Schaden leidet, liegt ans der Hand. .Hier helfend cinzngreisen ist eine der vornehmsten Aufgaben, die sich der Preußische Landesverband gesetzt hat. Wenngleich die zur Verfügung stehenden Mittel beschränkt sind, werden sie doch ausreichen, um einer nicht unbeträchtlichen Anzahl von Gemeinden die Möglichkeit zu geben, Gottesdienst und Religionsunterricht aufrecht zu erhalten. Der LandeSverbayd ist zur Zeit damit beschäftigt, die Verhältnisse in den Gemeinden klar zu stellen, insbesondere zu prüfen, wie weit die eigene Leistungsfähigkeit der Gemeinden geht und welche Zuschüsse erforderlich sind, um den leistungsschwachen das Durchkommen zu ermöglichen. Er ist weiter grundsätzlich bereit, allen denjenigen Gemeinden, die aus eigenem nicht in der Lage sind, die erforderlichen Drittel a nszu b r i n g c n , bis zu 5o P rozent des Ge.- Halts von Gruppe 7 der Reichsbesoldungsordnung. in dringender: Fällen auch noch darüber hinaus, als Beihilfe zu gewähren. Statistik der Juden. Nach einer amerikanischen Statistik gibt cs 1514 Millionen Juden in der Welt: davon wohnen zwei Drittel in Europa, ein Viertel in Amerika, acht Prozent in Asien, Afrika und Australien. Ein Handbuch zur Iudensrage. In kurzem wird in Wien ein Handbuch unter dem Titel „Juden und Judentum von heute" erscheinen. Das Handbuch soll laut dem Prospekt ein Bild des zeitgenössischen Judentums geben und ein sachlich objektiver, informativ erklärender Führer sein. Es soll in 24 Kapiteln Ausschluß über die verschiedenen jüdischen Fragenkomplexe geboten werden. Das Handbuch wird vom Negierungsrat I. Kreppel unter Mitwirkung von Fachmännern herausgegeben. Auto-Reparatur An- und Verkauf von Personen- und Lastkraftwagen. Schnellste, sorgfältigste Bedienung. Billigste Berechnung Ammon & Co.. Gräffestr. 55, mpi.si4« ym «, *»,»»>»• >»»* ,♦ 11»>!' •«i«*»«»»> u Aus den Gemeinden. Hirfchberg. Nachdem Herr Rabbiner Dr. NcllhauO aus Stettin bereits am 1. Mai seine Tätigkeit als Religions-; lehrer in unserer Gemeinde Hirschbcrg (Schlesien) über-' nommen hatte, wurde er am vergangenen Freitagabend feierlich in sein Amt als Rabbiner cingeführt. Die Feiert fand im Rahmen des Gottesdienstes statt. Während Ler' Chor bei den Klängen der Orgel den Psalm „Der Herr ist! mein Hirte" sang, geleiteten den neuen Rabbiner je «to; Vertreter des Vorstandes und Les Repräsentanten-Kolleginms durch -das dichtgefüllte Gotteshaus an seinen Platz. Die beiden Gemeindevertrctcr hielten Ansprachen, in Lenem Sie Herrn Dr. Ncllhaus herzlichst begrüßten, ihn des Ver-' trauens der Gemeinde versicherten und den Wunsch au8-s sprachen, daß seine Tätigkeit für die Erwachsenen, wie flirr; die Jugend, Sie lange Zeit des religiösen Führers und bt4f‘ Seelsorgers entbehrt hätten, zum Segen werden möge. Nach-«' dem das zweite Lied des Chors verklungen war, bestieg Herr Dr. Ncllhans die Kanzel zu seiner Antrittspredigt, der er den Ausspruch Hillels zugrunde legte: „Sei von den Schülern Ahrons, liebe den Frieden und strebe ihm nach, liebe die Menschen und bringe sie der Gotteslehre näher!" Ec versprach, dem Beispiele seines verewigten Vorgängers, des unvergeßlichen Rabbiners Dr. Biram folgend, sein Amt in friedlicher Weise zu führen, bei Wahrung seines Stand- > Punktes dennoch vermittelnd und ansgleichend zu wirken und allen ein Freund und Führer zu sein. Mit einem Gebet für die Gemeinde schloß die erhebende Feier, die, wie wir hoffen, den Auftakt bilden wird für eine dauernde har-; monische und alle Teile befriedigende Zusammenarbeit unseres neuen Rabbiners und seiner Gemeinde. Mannheim, lieber das Wohltätigkeitskonzert des Syn-i agogenchors. über das wir bereits in der letzten Nummer! berichtet haben, sendet unser Freund, Dr. Müller-Heidelberg, - folgende Besprechung: Neben Frankfurt a. M. und anderen jüdischen Großgemeinden in Deutschland ist nun auch die Synagogen- > gemeinde Mannheim öirrch die Veranstaltung eines Wohltätigkeitskonzertes ihres Snnagogenchvrs an die Oeffentlich-, kcit getreten. Man erinnerte sich des 100. Geburtstages von, Louis LewandowSky (geb. 3. März 1822) und baute gleichsam in einer Nachfeier das durch die Initiative des Herrn Kantor A d l e r znstandegekmnmene Konzert ans Kompositionen jenes bedeutcuden Repräsentanten unserer synagogalen Musik auf. Der Chor sang, tejls von eigenen, teils von fremden Solokcäften aufs glücklichste unterstützt, hebräische und deutsche Vertonungen bekannter Psalmstellen (Psalm 103, Vers 15—17 und Psalm 16, Vers 9—11; Psalm 25, Vers 4—11 und Psalm 90, Vers 12—17; Psalm 24). Es kann mit Befriedigung festgestettt werden, daß der Chor sich der gar nicht immer so einfachen Ausgabe durchaus gewachsen zeigte. Man sang — und dies gilt vor allem auch' für die beiden hebräischen Männerchöre — rein und. was sehr beachtlich ist. mit innerer Anteilnahme. Neben der längst erprobten, trefflichen Konzertsängerin, Frau Ario Schlesinger, lernten wir als Solistinnen-^eimen-un^— schätzen: Frau Selma Weil, Frau Gisela Lieber-, y m ensch, Frau Maria M a n e r und Fräulein Mathilde^ Lazarus. Für die männlichen Solopartien hatten sich Herr Oberkantor Ncttler, dessen Stimme trotz seiner 75 Jahre immer noch den klangvollen Schmelz der Ingen!» und die vorbildliche RczitationSknnst erkennen ließ, sowie Herr Kantor S. Liebermcnsch zur Verfügung gestellt. An weiteren Solovorträgen waren beteiligt die Herren Jul. Süß, Ferd. S o m m e r , Willy Schlesinger und an der „Deutschen Keduschah" — zur Vermeidung völkischer Mißdeutungen wohl richtiger: „Eine Keduschah in deutscher Sprache" — Herr Max Lipmann, der frühere lyrische Tenor am Nationaltheater in Mannheim. Das Wundervollste in dieser „Deutschen Keduschah" sind übrigens zweifellos die hebräischen Einlagen, und man kann allgemein sagen, daß die hebräischen Texte im gesanglichen Teil des Gottesdienstes die größere Wirkung haben. Das Streben des KantorenstandcS. bei der Pflege des Synagogengesanges die einigende hebräische Gebetssprache. daS alte Chafones wieder zu Ehren zu bringen und — waS damit zusammenhängt — die Ehorleitnng, wenn möglich, t» jüdische Hände zu legen, die dem Geist der Komposition innerlich näherkommen, ist daher nur gutznheitzen. In diesem Streben liegt sicherlich auch eine Ehrung Lewandowskys und der anderen Meister synagogaler Musik. Besondere Anerkennung verdient es, daß der Synagogenchyr das Konzert, dem Herr Dr. Ernst T o ch als zuverlässiger Begleiter auf der Orgel assistierte, zu Gunsten der israelitischen Kranken-Unterstützungövercinc. denen, ivie allen derartigen Institutionen, zur Erfüllung ihrer Aufgaben jetzt die Mittel leider fehlen, veranstaltet hat und gewillt ist, dieses Konzert im Dienste der Wohltätigkeit (für den Naphtali-Epstein-Vcrein in Baden) späterhin in Heidelberg zu wiederholen. München. Bon unserem Berichterstatter wird uns zu der Programmerklärung der neuen bayerischen Regierung folgendes geschrieben: Unter heftigen und langandauernden Geburtswehen ist endlich die neue bayerische Regierung ins Dasein getreten. Der Ministerpräsident, der bisherige Führer der bayerischen Volkspartei, hat bereits seine Programmredegehalten, in der uns begreiflicherweise der Passus über den konfessionellen Frieden lebhaftest interessiert. Held führte hierüber aus: „Die Gleichberechtigung dec ch r i st l i ch e n Konfessioneu im Staate steht fest, an iür darf nicht gerüttelt werden. Der konfessionelle Friede muß unter allen Umständen als eineder wesentlichsten Voraussetzungen für die innere Einigung und die Konsolidierung unserer inner-politischen Verhältnisse erhalten bleibcn. Wer ihn stört, vergebt sich am Staate und am Bolkswohl. Ich bedauere, daß sich gerade in der jüngsten Zeit mehr und mehr Erscheinungen bemerkbar machen, die auf einen planmäßigen Versuch einer neuen vergiftenden Konfessionshetze schließen lassen müssen. Tie Regierung wird unnachsichtlich jeder Störung des konfessionellen Friedens entgegentreten." Dem neuen Ministerpräsidenten liegt also bloß die Gleichberechtigung der ch r i st l i ch e n Konfessionen am Herzen und nur der neuen Konfessionshetze, das ist der zwischen Katholiken und Protestanten, wird schärfster Kampf angesagt. Soll etwa die Nichterwähnung jüdischer Gleichberechtigung einem Verzicht gleichkommen, um den völkischen Moloch durch dieses Opfer zu besänftigen? Soll die Judenhetze freigegeben werden, damit der Hatz sich von den Katholiken wendet? Das wäre eine durchaus falsche Rechnung. Auch eine passive Haltung — diese muß zum mindesten aus der Regierungserklärung Hclds herausgelesen werden — gegenüber den kulturfeindlichen Angriffen der Völkischen auf die Rechte der bayerischen Inden als Menschen und Staatsbürger würde Bayern zum abschreckende» „Unordnungsstaat" degradieren. Eine solche gegen Ml