Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 4 (1924)
- Issue
- 22 (11.7.1924)
- Date
- 1924-07-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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unendliche Opfer an Gut und Blut LahtnaesAe». DaS bedeutete für sie nur eine Selbstverständlichrett; auf einen besonderen Dank dafür haben sie niemals AnfvUtch erhoben. Wo wäre es auch mal in der Weu- Mchichte -agewesen, daß man sich Juden aegeniiber aus inerftem Herzen heraus wirklich dankbar erwiesen hätte?!-In Deutschland ganz gewiß nicht. Ern IÄe hat immer nur die Pflicht, zu opfern, aber kein »»recht auf die Dankbarkeit seiner Mitmenschen. Wir deutschen Juden erhielten nach Beendigung des großen, furchtbaren Krieges den Dank unserer christlichen Landsleute in Gestalt eines Feldzuges, den man gegen uns mitten im Lande erüfsnete. Der Feldzug draußen war zu Ende; nun begann ein neuer, würdigerer. Es dürfte etwa zwei Jahre her sei», da hatte uh den zweifelhaften Vorzug, Zeuge eines (Hespraches zwischen einigen älteren Herren (den besseren Kreisen augehörend) zu sein. Im Laufe der recht lebhaften Uuterhaltdng fielen u. a. von einem dieser Herren die bemerkenswerten Worte: „Ach, die Franzosen, die sind ja gar nicht so schlimm: zuerst müssen wir die verfl. Zubens... aus Deutschland rausschmetßen!" Daß diese Worte tatsächlich gefallen sind, dafür kann sich der Schreiber dieses voll und ganz verbürgen. Der Erfolg der planmäßigen, maßlosen Hetze, dt-e überall im Reiche in Szene gesetzt wurde, zeigte sich auch baldigst: Ratbenau fiel von Mörderyand, ein Mrann, der seinem Baterlaude mit der ganzen Kraft seines Seins wahrhaft bis zum Tode gedient hatte. Und noch heute dauert dieser Feldzug ungeschwääst weiter fort. Wie niedrig, gemein und verächtlich tobte er besonders vor den letzten Wahlen. Sollte dieses gräßliche Fanal nicht auch in Ihre stille Studierstube hmeingedruugen fein, Herr Professor'? — Früher ehrte ein Volk selbst den gefallenen Gegner, -en es im Leben grimmig bekämpft hatte. Heute weiß ein Teil des deutschen Volkes nichts von dieser Achtung, die es eigenen Volksgenossen zu zollen hätte: den gefallenen jüdischen Soldaten des Weltkrieges gegenüber scheint man sie jedenfalls nicht zu kennen. Nicht nur. -aß man den 12000 fürs Vaterland gefallenen deutschen Juden die Ehre nahm, höhnte man auch noch die trauernden Mütter in der unflätigsten Weise. Wo. Herr Professor, frage ich, ist hier die Größe des deutschen Wesens (an dem einmal die Welt genesen sollte), für das Sie s. Zt. hier in Breslau mit einem jüdischen Gelehrten Ihre Klinge kreuzten, zn finden?! Aber Deutschland ist bekanntlich das Land der Märchen. Neuerdinas ist es um ein schönes Märchen reicher f-eworden. Sollte solches noch nicht genügend bekannt ein, so sei es hiermit genannt: GS heißt „Die deutsche Seele" und beginnt, wie alle Märchen, mit „Es war einmal " Völker wandeln sich im Zeitenlaus: auch das deutsche Volk. Herr Professor, hat sich gewandelt. Vielleicht findet er eines Tayes seine verlorengegangene Seele wieder. Doch uns Inden gegenüber bat sich das deutsche Volk eigentlich kaum gewandelt. Niemand wird die kühne Behauptung anfstellen können, baß sich die deutschen Männer und Frauen in ihrer Mehrzahl, bis in unsere Tage hinein, ihren jüdischen Mitbür-ern jemals innere lich treu und fest verbunden gefühlt hätten. (Ein Gegenbeweis dürfte schrvcrfallen; Einzelfälle sind belanglos.) Im Gegenteil, ich glaube, behaupten zu können, daß ein Teil unserer deutschen Landsleute sein Blut eher mit dem des Negers, als mit jüdischem Blute kreuzen würde. Aber wir deutschen Inden haben auf die Zuneigung oder ggr Liebe unserer christlichen Mitbürger nie Anspruch erhoben; schließlich ist Sympathie lediglich reine Gefühlssache, die sich nicht ttzwingen läßt. Ja, ich gehe da so weit, zu sagen, daß — wenn unsere Gegner schon ihr Heil darin zu erblicken glauben, Zwietracht im Vaterlands (auch ein Vorzug des deutschen Wesens) zu säen — an und für sich ein Recht zur Bekämpfung im Prinzip niemandem abgestritten werden kann. Aber so soll man mit offenem Bister kämpfen, nicht aus dem Hinterhalt, mit feiger Mordwaffe, nicht mit gemeiner Lüge und Verleumdung, r.-.t Heimtücke und tierischer Niedrigkeit. Ist das die vielgerühwte deutsrl>e Ehrlichkeit und Geradheit, diese, nach der Ueberlieferung, jedermann stets frank und frei inS Ange blicken ließ? Oder galt dem Deutschen Treue und Ehrlichkeita nnr dem christlichen Bolksgenoffen gegenüber?? — Es ist leider so; für den deutschen Inden galt im Reiche stets zweierlei Matz. Wenn bei uns zu Landtz ein Mensch vor dem Forum des Todes schuldig ist, so ist es der durch den Zufall der Geburt jüdisch Geborene dreifach. Was wir deutschen Bürger jüdischen Glaubens von unseren andersgläubigen Volksgenossen verlangen können, das ist Gerechtigkeit, einzig und allein Gerechtigkeit und unsere gerechte Beurteilung. Darauf müssen wir Anspruch erheben, oder wir wären ehrlos. Man blicke nach England, nach Frankreich, Holland, Amerika oder den nordischen Staaten; dort gibt es unter den ansässigen Juden keine indifferente . Mittelschicht, die sich heimatlos fühlte. In diesen — scheinbar mit größerer menschlicher Vernunft begabten — Ländern spricht man nicht von englischen, holländischen, amerikanischen, französischen usw. Juden, sondern diejenigen Juden, die der Zufall dorthin ver'chlng, fühlen sich ganz als Engländer. Franzosen, Holländer, Amerikaner usw. und niemandem dort im Lande würde es auch nur in beit Sinn kommen, an der vaterländischen Gesinnung der jüdischen Landsleute zu zweifeln, oder sie gar anders zu werten. Dort weiß man auch nichts von Rasseuunterschiedeu unter den eigenen Volksgenossen; dort gilt in erster Linie der Mensch und sein Wirken. Und alle die in jenen Ländern lebenden Juden lieben begeistert ihr Vaterland, das ihnen Schutz und Wehr ist, sie ganz als die Seinen betrachtet, nicht nur als geduldete Bürger zweiter oder dritter SHaff«*. Sie nennen ein Land zu eigen, das vor allem Gerechtigkeit für etwas ganz Selbstverständliches hält, vbne jemals Worte darüber zu verlieren. Freilich, das Denken und Handeln eines Volkes wird in erster Reihe durch seine Erziehung bestimmt, durch die Erziehung seiner Jugend. An wirklichen Jn-?endexziehern, die den wahren Geist der Menschheit in die Jugend pflanzten, hat es dem deutschen Volke leider nur zu sehr gefehlt, und es fehlt weiter. Und dieser Mangel zu sittlicher Reife tritt heute an den deutschen Schulen und Hochschulen in krassester Deutlichkeit zutage. Was an der Erziehung an der aufstrebenden deutschen Jugend gesündigt wird, dies näher darzuleaen, bildet ein Kapitel für sich. Schon in den untersten Schulklassen setzt de im Elternhause gelehrte Judenhetze ein, um späterhin, auf der Universität, unter weiblicher Ausnutzung der akademischen Freiheit, in verstärktem Matze weiterbetrieben zu werden. So werden schon die Herzen der Kinder, systematisch vergiftet. Und nun versetze man sich in die Empfindungen eines unschuldigen jüdischen Kindes, das von seinen andersgläupigen Mitschülern bzw. Mitschülerinnen seiner Geburt wegen absichtlich gemieden oder beschimpft« wenn nicht gar körperlich gezüchtigt wird. Dies« Ei»» drücke, Herr Professor, lassen sich fürs Leben nie »er» wischen, sie haften in der Seele eines solchen Menschen« kinüeS StS ans Ende. , , „ Den vumeru8 el-mrus der Universitate», auf dessen Einführung die „nationalen" Kreise in Deutschland hinarbeiten, wie der gesellschaftliche Boykott, den die sogenannten gebildeten Schichten in Deutschland fett alters her über ihre jüdischen Mitbürger stillschweigend verhängt haben, wie die besonders kiirzlich wiederholt vorgekommenen feigen, tätlichen Angriffe gegen letztere« seien hier nebenbei erwähnt. Das ist die Stellung. welche die jüdische Bevölkerung heute im deutschen Reiche einnimmt. Ein Teil des deutschen Volkes steht den jüdischen Landsleuten völlig teilnahmslos gegenüber, ein verschwindend kleiner Bruch» teU mag sie vielleicht ob ihrer Tüchtigkeit und Intelligenz respektieren; der größere Teil haßt sie, dank einer famosen, von Generation zu Generation reichende» Verhetzung, und dieser Teil des deutschen Volkes würde jederzeit dazu fähig sein, seinen jüdischen Mitbürgern« wie im tiefsten Mittelalter, ohne Gnade und BarM- Herzigkeit ein grausaures Ende zu bereiten, wenn die Macht in seine Hände gegeben wäre. So sehen die Dinge, ganz bei Licht betrachtet, aus, und nun, Herr Professor, stellen Sie sich selbst die Frage, ob ein ehrliebender deutscher Jude danach noch ganz Deutscher mit Leib und Seele bleibe» kann. Ja, vielleicht waren wir auch zeitweise durch und durch, und noch heute lieben wir dieses Deutschland, dieses Land mit seinen Städten, seinen traulichen Dörfern, seinen weiten, wogenden Feldern ».nd dichten, stillen Wäldern« feinen Bergen und grünenden Tälern, den herzlichen Rhein mit seinen rebenbestandenen Anhöhen und sagenumwobenen Burgen, lieben die deutsche Scholle, die deutsche Scholle, die uns geboren, zäh und tief, lieben sie mit einem unendlich bitteren Gefühl im Herzen« Doch die Mehrheit der Bewohner dieses schönen Landes müssen wir von uns wesen. weil sie uns verabscheuen und uns wie lästiges Ungeziefer von sich abschütteln. So lehnt man bewußt die Gemeinschaft mit den deutschen Juden ab, möchte sie neuerdings vielmehr -■* wie einst — unter Ausnahmegesetze (und was für weiche!) gestellt wissen. Sie werden zugeben müssen. Herr Professor, daß all dies Angeführte dem größeren Teile der deutsche» Juden genügend zu denken gegeben hat, und dieser größere Teil bildet zweifelsohne jene von ihnen betrachtete indifferente Mittelschicht, die in Deutschland ihre geliebte Schoue yat und sie doch nichtHeimat nenne» kann. Das Wort Heimat, Herr Professor, hat einen ganz anderen Klang. Dafür, daß wir innerlich keine haben, dafür hat bas deutsche Volk in seiner über* wiegenden Mehrheit nach Kräften Sorge getragen. Nur eines sei hier noch gesagt: Diese sogenannte indifferente Mittelschicht unter den deutschem Juden, von der Eucken so geringschätzig spricht, ist wahrlich nicht die schlechteste inerhalb des deutschen Bolksköxpers. Man schaffe den deutschen Juden die wirkliche Heimat, nach der sie sich stets gesehnt haben, die wahre Freiheit, und man wird künftig nicht mehr nötig haben, eine besondere Gruppeneinteilung unter ihnen, in ihrer Stellung zum deutschen Baterlande, zu machen. Emil W c i ssto cf, BreSlau. Aufklärung! Ich sitze lesend iiüer einem alten Buch, Worin die Menschen vor Jahrtausenden beschrieben, ch sehe alte Völker streben, hassen, Lieben, wird bewußt der ganzen Menschheit Glück und Fluch. Da plötzlich will sich mir ein Wunder offenbaren: Die Sonne schmettert farbtgleuchtende Fanfaren Durch wein geuraltes Fenster auf das alte Buch — Die gleiche ^mmc wie vor Tausenden von Jahren.. Wie klein schien mir der ganzen Menschheit Glück und Fluch! Die gleiche Sonne wie vor Tausenden von Jahren. Mar Rosen selb, Dresden. Jüdische Schriftsteller derGegeuwarl I. Jakob rvassermann Nun Dr. Ludwig Dauiüsohn. lSchlutz.) . außerordentlich hochstehenden und vorzüglich ^rchgebildeten Erzählungen „Die Schwestern". 19Ö§ er* Dienen, sind stilistische Meisterwerke; eine merkwürdige Phantastik und eine fast exotisch anmutcnde Kunst der Seelendeutung Kuben hier Aabinettsstiick« nooellistlscher Kunst geschaffen. Wir finden dg -die wundersame Geschichte der wahnsinnige» Johanna von Kastilien, deren Liebe stärker sein möchte als der Tod. ferner die beiden phantastisch konstruierten Krimtnalsällc der Sarg Malcolm und Elarissa Mirabel, die als Anhang: „künstlerischer Anschauungsunterricht" einer guten Monographie über „Plychasthenie des Weibes" vetgefüst werden könnten. Ter Bortrag dieser Erzählungen in ihrer verhaltenen Ruhe, ihrer einfach-ernsten Schilder,mg ö-S Tatsächlichen erinnert an die Ganzgrohen der Weltliteratur. Die seltene Begabung des Dichters, das schwermütigabwechslungsreiche Kaleidoskop der Welt mit den Augen des hellseherisch blickenden Historikers zu betrachten und dabei die merkwürdigsten und eigenartigsten Visionen zu schauen, stat uns im Lause der Jahre nicht nur eine ganze Reihe aushszeichneter Novellen beschert, sondern auch zwei Bände „Deutsche Charaktere und Begebenheiten", in denen in Ikmter Auswahl von seltsamen Menschen und ungemülmlichcn Erei-niflen aus der Leutschen Kulturgeschichte berichtet wird. Allen jenen Gutmeinenden. die den Juden mangelndes Verständnis für innerstes deutsches Wesen nachsagen, sollte mau diese beiden Bände in die Hand geben, um ihnen zu zeigen, mit welch tiefem psychischen Spürsinn und eindringlich-ltebL, vollem Ernst hier hrstorisch.gewordenes deutsches Schicksal und deutsches Seelenleben erfaßt, gestaltet und erklärt wird. Wie läßt her Dichter hier deutsche Menschen und deutsche Geschichte vor unseren Augen erstehen! — Mit diesen zwei Büchern hat Wassermann ein Pfand der Liebe und des Dankes für seine Heimat gebracht, so bleibend un-db würdig, wie man eS sich nur denken kann. — „Kein Jude kann deutsche Belange verstehen!" sagte vor kurzem Ludeudorff in seiner anmaßend-apodiktischen Art während des widerwärtigen Münchener Prozesses! ... Wenn doch der Herr General und die anderen Persönlichkeiten, die Deutschlands Geschicke während hex letzten Jahrzehnte leiteten, die „deutschen Belange" auch nur annähernd io gut verstanden hab?n würden, wie Wassermann. — dann stünde es um Deutschland heute wahrscheinlich besser! ... Nicht ohne fesselndes zeitgeschichtliches und zeitkritisches Kolorit bedeutender Art sind auch die verschiedenen großen und umfangreichen Romane des Dichters, die in unseren Tagen spielen: „Die MaSken Erwin Römers" (1610s, „Der Mann von vierzig Jahren" (1613), „Das Gän se m ä nnch e n" (1916). „Christian Wa h n s ch a f f e" (1910) und „Ulrike Woyttch" (1922). Das Wesentlichste aller dieser —■ zum mindesten äußerlich geradezu gewaltigen — Bücher ist die vergrämte Sehnsucht des Ethikers, die unheilbaren Schäden unserer Tage und die wie eine furchtbare Krankheit tief eingefressenen Wesensfchler der Menschen von heute aufzuzeigen und zu bessern. Aber Wassermann ist „Arzt der Gesellschaft" nicht als bloßer Gestalter, sondern häufig als K a r i k a t u r t st. Äm „Erwin Reiner" und in der „Ulrike Woytich" ~ (oorl ist eS ein Mann, hier eine Frau) — sind zwei Menschen geschildert, die Sinnbilder unserer tm tiefsten Kerne sauten nuh wurmstichigen Gesellschaft sein sollen, zwei Typen herzsnskalter, schonungsloser Egoisten, seelenloser Errafser. die nur herrschen urrd alles an sich reißen wollen, an „denen unse-re Welt leidet, wie an einem Alpdruck". Schließlich rnstssen aber beide am Schlüsse ihres Lebens einsehen, daß sie betrogene Betrüger sind, und daß niemand ungestraft gegen das immanente sittkchc Gesetz der Welt verstoßen darf. Me diese Romane haben wundervolle Einzelheiten. Szenen. n>i£ sic nur ein gottbegnadeter Dichter schaffen kann; aber alles. — Meivschen. Ereignisse. Dinge sind von einer rätselbasten Ungleichwertigkeit! Aian fragt sich staunend, wie es AUSSTELLUNG: UNTER DEN LINOEN I möglich ist. daß ein solch großer Menschenkenner und tiefer Geist wie Wassermann, so unkritisch gegen sich selbst und seine zügellose Phantasie sein kann.' Ost findet sich neben Herrlichem. neben unvergleichlichen Kostbarkeiten übelste «inoromantik, psychologisch absolut Unmögliches! Die meisten der großen Romane find schon in ihrem Rahmen zuweit gespannt. Der vom Dichter gewebte Teppich der Menschen und Geschehnisse beginnt unübersichtlich zu werden, das fortwährende vergrämte Karikieren der Personen und die sinnlose und unnötige Häufung von Scheußlichkeiten ist manchvral unerträglich und fällt mitunter schmerzend aus die Nerven. Figuren wie z. B. die Philippine, Carovtus und Dödcrlein im „Gänscmännchen" sind keine Menschen von Fleisch und Blut mehr, sondern spukhafte, gespenstisch« Schemen, die sich nicht dauernd in der Sphäre des Suggestiv-Magischen behaupten können. — Gewiß soll dem Dichter nicht das Recht abgebrochen werden. Karikaturen zu schaffen, an deren Verzerrungen und Uebertreibungen er menschliche Fehler und Häßlichkeiten mit besonderer Deutlichkeit in verstärkter EindruckSfühigkett zeigt. Im „SimpliztssimuS", dessen Mitbegründer und Mitarbeiter Wassermann war, sind ja viele Karikaturen von hohem Kunstwert erschienen. Auch der geniale E, T. A. Hoffmaun. der melancho. Usche Humorist Wilhelm Busch und der in seinem bürgerliche« Leben sich oft so spießig gebärdende Wvdektnh habe» ihr« Menschen i» allen möglichen absichtlichen Verrenkungen abkonterfeit: aber in allem Spuk muß eben immer noch eine innere künstlerische Logik herrschen. Manchmal verletzt mm Wassermann dieses elementare Stilgei'etz und streift dann fast die Niederungen der Filmmanuskripte. Wenn z. B. Ulrike, eine alles in allem ganz unmögliche Karikatur, die zarte Josephe mit dem scheusäligen Melavder verheiratet, also die unpassendsten Menschen zui'ammenbeingt. lächelt man! — Unverständlich ist es. daß K u r t Münzer, der doch ein begabter Autor ist. in einem länaeren Essay („Mte. ratur". Oktoberheft 1928) sich bemüht, irachzmveisen. daß die Ulrike ein unsterbliches Meisterwerk allerersten Ranges set! Gewiß hat auch dieses Buch Partien, wie sie nur «in Dichter vom Range Wasseruramrs schreiben kann: am Schluss« hebt eS sich sogar wieder auf ein beträchtlich hohes Niveau! wahllos nebeneinander gestellt. Wundervolles von bleibendom Werte steht dicht bei psychologisch völlia Verfehltem und schlechten ttebertrag,rügen armellex Tagesereignisse (wie z. B. der Verwendum^ des Falles Wvneken im „Oberlid »md der Van--Gogh,Tragödie in „Nimiüür mrd Willenius^: NEIN WENK ICKEN DORF AUTOMOBIL- UND KAROSSERIEFABRIK A. 0.