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Jüdisch-liberale Zeitung · 1921-07-04 · 21 (4.7.1921) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
4 (1924)
Issue
21 (4.7.1921)
Date
1921-07-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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bit Mischen Organisationen ausgesorLert, sich an den Landes- und Ortsausschüssen zu beteiligen. Der Erfolg war, daß die Mischen Einrichtungen in gerechter Weise berücksichtigt worden sind. So war es bei der ALuSlandSHUfe, die vom Ausland gespendete Lieberrtotoi an die deutschen WohlfahrtSeinrichtunaen zu verteilen hatte, so alliiberall: wv in der Oesfentlich» .Lett die großen Verbände der frcirit WohttahrtSpflege und die christlichen konfessionellen WoylsahrtSverbände zu gemeinsamer Arbeit zusarwmentraten, mutzte auch die ZLS.St. berufen werden. Denn sie vertrat, allen sichtbar,,J> 1e" jüdische Wohlfahrtspflege. Die ZW^St. verdankt diese Stellung der UnterstÄtzung, die ihre Gründer und späteren Mitglieder ii&t — einsichtig genug — haben angedeihen lassen. Zu ihren Mitgliedern gchüren gegenwärtig alle grotzen und größeren und viele kleinen Gemeinden und die meisten der grotzen jüdischen Verbände Deutschlands,, wie Grotzloge, Deutsch-Israelitischer sjGemeindebund, Rabbinerverband, Frauenbund, Zionistische Vereinigung für Deutschland u. a. m. Ebenso .wichtig wie die materielle Unterstützmm war die Mithilfe bei der ersten Arbeit, die oie ZW.St. zu leisten hatte, um überhaupt aktionSfähig zu werden: bei der Sammlung des die gesamte Mische Wohlfahrtspflege .betreffenden Materials das in einem Archiv vereinigt wurde. Aus diese Weife war das Gebiet übersichtlich gemacht worden, es war erstmalig feststellbar geworden, welche Mittel in ganz Deutschland vorjhanden waren (soweit eS Geldmittel waren, wurden 'allerdings diese Feststellungen nur zu bald illusorisch), welche Anstalten, welche Vereine eS gab, mit welchen ^Zwecken und Statuten usf. So konnte die Z.W^t. -ihre Arbeit zunächst als ÄuskrrnftSstelle für Spender 'i(Gemeinden) zu übergehen, zelnen Einrichtungen «Einrichtungen allgenreine Richtlinien für ihre Tätig keit im einzelnen Vorschlägen, konnte schließlich selbst Sammlungen veranstalten und die Verteilung der gewonnenen Mittel auf die einzelnen Institutionen Übernehmen. Die erste der größeren Sammlungen, die die ljZ.W^t. auf breitester Grundlage organisierte, war die zur Steuerung der Not der jüdischen Anstalten im Winter 1922/23. Viele Anstalten waren ganz oder teilweise geschloffen (selbst das jüdische Krankenhaus -in Berlin war zum Teil geschlossen), das Material war heruntergewirtschaftet, die Bernwgen vernichtet, eine Etatisterung unmöglich: es konnte nicht mehr 'weiter gehen. Mau stand vor dem völligen Zusammenbruch der Anstaltssürsorge. Es traten in Berlin und in ganz Deutschland auf Anregung der ZW.St. Vertreter von Handel und Industrie zusammen, um die verschiedenen Berufe zu einer Art Selbstbesteuerung zugunsten der Anstalten, denen laufende Subventionen zugesichert werden sollten, heranzuztehen. So kaum: bedeutende Summen zusammen. Doch hätten die in dem verarntten Deutschland zufsmWeügebrachten Mittel bei weitem nicht ausgereicht, «m eine großzügige Hilfsaktion durchzuführen, Es kam die Unterstützung durch das ausländische Judentum. besonders durch nach Amerika gewanderte Ost- «Men, die zum Teil vor noch gar nicht so langer Zeit von den deutschen Juden unterstützt worden waren «und nun ihre Dankbarkeit tatkräftig bewiesen. Die WelthilfSkoferenz und namentlich das Joint Distribution Comity traten auf und stellten der deutschen Iu-denheit sehr große Summen zur Verfügung, um die alten deutschen Fürsorge-Institutionen vor dem Untergang zu retten. Es wurde ein Retchkarrsschuß der Jüdischen Gerneinden gebildet, der die HUfSbodürfttgkeit der einzelnen Einrichtungen zu prüfen «und die Gelder gerecht zu verteilen hatte. Die Geschäftsstelle dieses NeichSausschusscs, die den Berteilungsplan ausarbeitete, war die Z.W.St. Mt dieser Hilfe konnten zum Teil wenigstens die schweren Schäden, die Krieg und Inflation der Wohlfahrtspflege zugefügt hatten, ausgeglichen werden. Ihr ist es zu danken, daß der Neuauwau beS sozialen Fürsorgewesens, der als schwere Aufgabe vor uns liegt, nicht ein völliges Chaos vorfindet. Daß die Z.W.St. in ihrer prakttschen Tätigkeit ihre letzten ideellen Ziele nicht vergißt, daß sie im Sinne einer großen jüdischen Sozialreform zu wirken bestrebt ist, lehrt die Tatsache, daß sie im Oktober 1923 Zusammen mit dem Frauenbund die „Jüdische Erziehungskonferenz" veranstaltet hat, uno lehren die dort von ihren Mitarbeitern gehaltenen Referate. Die Z.W.St. begnügt sich nicht danrit, Gelder zu verteilen, noch auch damit, ihre rationelle Verwertung zu überwachen, sondern nutzt nach Ntögltchkeit ihren Einfluß dazu, die jüdischen Anstalten, soweit sie der tugen-siürsorge -u biene« Vesttrmnt sind, im inne eines sowohl den Ansprüche» des Iuoentmns wie denen -er modernen Jugendpflege genügende« Erziehungsideals zu reformieren. Wollen wir, was die ZW^t. erstrebt und — wie wir sagen dürfen — zu einem Teil wenigstens erreicht hat. nnt einem Schlagwort -usammenfaffen, so würden wir es nennen: Synthese von Idealismus und Realpolitik. Freilich, sollen wir dieser unserer Aufgabe, der Mischen Aufgabe, auch nur einigermaßen gerecht werden, so ist eines und immer wieder eines vonnöten: Einigkeit im Dienste der Gemeinschaftsarbeit. ES ist an uns. unsere Pflicht zu tun. Daß der Gedanke der Menschlichkeit nicht untergehen kann, haben wir deutschen Juden in den Tagen der schlimmsten Not aus der Hilfe unserer Glaubensgenossen dev Auslanderfahren. Und dieser Gedanke erfüllt uns mit Dankbarkeit und Stolz: So wie wir Juden nicht untergehen werden, so wirauch die Zedokoh niemals auSfkerbeu. Aus der Bewegung. M-Gaulag in Brandenburg. Der erste mitteldeutsche Gautag, -er auf Veranlassung des Berliner Ili am Sonntag, den 22. Juni 1924, am Plauer See stattfand, bot ein interessantes Bild -er Arbeit unserer Jugend. Zahlreiche Teilnehmer trafen sich in Brandenburg a. H., um einander kennen zu lernen und das Bangemeinsamen Wirkens enger zu knüpfen. Das beste Wanderwetter begünstigte die Veranstaltung. Kein heller Sonnenschein zwar, aber ebensowenig Regen oder Gewitter, ein frischer Tag, so recht geeignet zum Wanbern und Spielen. Stach kurzer herzlicher Begrüßung setzte sich die ganze Kolonne in Bergung. Durch das gemütliche Stadtbild von Bran-enburg hindurch fichrte uns der Wegdie Magdeburger Landstraße entlang; wundervoll von alten Bäumen an beiden Seiten umrahmt, bietet sie das Bild einer herrlichen Allee, deren Schönheit aus den Wanderer unwillkürlich eimvirkt. Angeregte Unterhaltung verkürzte den Weg und vermittelte die engere Bekanntschaft der Teilnehmer untereinander. Ein buntes Bild bot dieser Zug. Hier die „alten" Stützen des Berliner und Potsdamer Vereins, dort die als Iltleute noch so jungen Magdeburger, die sich voller Interesse und Anteilnahme immer wieder von unserer Arbeit und der Organisation berichten liehen. Dazwischen die Mitglieder der fünf Iugendgruppen des Berliner Ili und der Potsdamer Schülergruppe. So ging es bis Wilhelmsdorf, wo am Eingang des herrlich schön gelegenen Oertchens — mitten im Wald am Plauer See — die Spiele in ihre Rechte traten. Den Höhepunkt dieses Teiles bildeten die Stafetten-- Wettläufe, die den Siegern kleine Ehrenpreise brachten. Bis Mittag dauerte das Spiel, während die „Wasserratten" vergeblich an den Plauer See wanderten. Denn ein breiter Schilfgürtel verhinderte den „Start" zum Schwimmen. Um 1 Uhr trafen sich alle zu kurzer MittagSrast im Garten eines Gasthauses und nachdem für das leibliche Wohl gesorgt war, begannen die geistigen Genüsse. Heinz Rochocz-Potsdam zeichnete ein Btld von der Arbeit feines Vereins, der als mittelgroßer Ili manchen Anhaltspunkt zur Diskussion über die Jliarbeit überhaupt bietet. Hans Stosenberger-Berlin befaßte sich dann vom kritischen und prinzipiellen Gesichtspunkte aus mit unserer Arbeit. Insbesondere verlangte er eine möglichst intensive Heranziehung der einzelnen, um die Zahl der bedeutungslosen „Mitläufer" möglichst weit herabzusetzen. Eine lebhafte DtSkufsion folgte den beiden Referaten. Auch die Frage des Ili-Mzeichens wurde eingehend erörtert und die Abstimnnrng ergab den Willen, ein solches neu zu schaffen. Nun ging eS wieder weiter, durch selten schönen Kiefernwald bis zur anderen Seite des Plauer Sees. Hier kamen nun endlich die Liebhaber des Schwimmens ans ihre Kosten, nachdem die einzelnen Gruppen photographiert worden waren. Bald fand sich wieder ein Kreis zum Ballspiel zusammen, die anderen lagerten und vertrieben sich die Zeit mit Unter«! Haltung. Nur zu bald schlug die Stunde des Aufbruchs. Zu. erst trennten sich unsere Magdeburger Freunde vonl uns, da sie nach Brandenburg zurück mußten. Berlin! und Potsdam gingen weiter bis Kirchmöser, um von> hier auS gemeinsam die Heimfahrt anzutreten. Alles in allem: ein gelungener Tag, eine wunder, volle Wanderung, fröhliche Spiele. Jeder war voll! befriedigt, und die Erinnerung hält den Tag in frohem, freudigem Andenken. Die Bande sind enger geknüpft,»die persönlichen Mziehungen vertieft. Möges auch unsere Arbeit die Früchte zeigen! Egon Dickmann. freunde im Ausland. w? London. Wie wir nach RedaktionSschluh erfahren.! hat soeben Herr L. N. Montefiore, der Sohn unseres verehrten Fichrers und Freundes Claude G. M o n t e f i o r e, des Vorsitzenden der Vereint-1 auiig für das liberale Judentum in England und Ber-j fassers des berühmten Wertes „Outline« of libe ra 1 Judaism", mit Fräulein Muriel Tuck den Bund der Ehe geschloffen. Die „Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland" und die Redaktion der jüdisch-liberalen Zeitung", denen stets und besonders in schwerer Zeit das Interesse Clairde G. Montefiores gegolten hat, geben der Öffnung Ausdruck, daß dem jungen Paare nur glückliche Tage beschieden sein mögen und daß unser Montefwre die Freude erlebe, einen Enkel im Sinne seiner Weltanschauung wirken zu sehen. Paris. „Oeuvre" meldet: Eine der seltsamsten Diskussionen fand am Montag, den 28. Juni, abends TempelS in der nie Copemic, Louis-Germ ain im Theätre de la Fourmi statt. Der Rabbiner des L ö v y, von den Orthodoxen als Schismatiker verdächtigt, bestieg das Rednerpult des „Club du Faubourg“, um vor den Vertretern der Presse und vor der Oesfenblichkeit eine Disputation über die Fragen: „Warum muß die jüdische Religion erneuert werden?; das Neu-Iudentum; für den Liberalismus, gegen die Orthodoxie" stattfinden zu lassen. Den MUtzliedern des Konsistoriums, orthodoxen Rabbinern, Zwnisten und Freidenkern stand das Wort frei. Versammlungskalender. Berlin. (Ortsgruppe Norden des liberalen Vereins sür die Angelegenbeiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin-! An den hohen Feiertagen findet im Auerbachschen Waisenhaus ein liberaler Gottesdienst mit Orgel, Chor und Predigt statt. Bestellungen auf Karten sind schriftlich zu richten an: Herrn Arthur Zander, Berlin, Linionsirahe 45. Plätze sind noch zu 10, 20 und 30 Mark zu haben. Berlin. lJüdtsh-liberaler Jugendverein c. D.) Donnerstag. den 10. Juli: Geselliges Beisammenseln im Restaurant Beelitzhoj (Wannsee) 8% Uhr. BreSlau. (Jüdisch-liberaler Jugendverein „Abraham Geiget.) Voranzeige: Sonntag, den 13. Juli. TageSausflug durch daS ReimSbachtal nach Charlottcnbrunn. Treffpunkt 5.30 Uhr. Ankunft-Halle Freiburger Bahnhof. Abfahrt 6 Uhr über DttterSbach. Fahrkarte nach Charlottenbrunn selbst lösen. Der AuSslug findet bei jeder Witterung statt. Musikinstrumente mitbringen. Gäste, durch Mitglieder eingeflthrt, willkommen. Nä-t-eres bei Hans Hamburger, Stcinstratze 11 (Ohle 2850 von 3 biS 5 Uhrj. Jeden Montag, abends 8 Uhr, geselliges Beisammensein im Roland, bei teder Witterung. Kalendarium für die Zeit vom 4.7. bis 12.7. j Juli 1924: Tammus 5684 j Freitag 4. 3. Sonnabend 5. 8. Wochen-Abschnitt Kaurach (4. B. M. Kap. 16-18) Hafdarah: I. Samuel 11, 12. 14, 15. 22 Sonntag Montag 6. 4- 7. 5. Dienstag 8. b. Mittwoch 9. 7. Donnerstag 10. Freitag 11. 9. Somuchend 12. 10. Wochen-Abschnitt CHukkatz (4. B. M. Kap. 19—22,1) Haftarah: Richter Kap. 11,1—88 6 H 0 ~ " J. die beliebteste Tangplaffe unerreicht in Klang und Rhythmus. &amn Ikecvonogend grolle JtuswmnM in Aellrfitoiften (finiten. Platten and Yarz^lctinlsse In alten einschlägigen Geseiften erhältlich and durch Sie Homophon-Company G.m.b.H., Berlin SW68, AlexandrlnsRStr, 108.

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