Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 4 (1924)
- Issue
- 20 (27.6.1924)
- Date
- 1924-06-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Das höchste Ziel jeder vernünftigen Pädagogik, die Seranbilöung -es Kindes zur Persönlichkeit auf der rundlage feinster Indivibualberücksichtigung geistiger Faktoren in -er Seele des Jugendlichen, hat jedoch oa- Judentum bereits in seinen Anfängen in den Kreis feines besonderen Interesses gezogen. Genügend bekannt ist das Wort -er Sprüche Salomos 22,6»: »Lehre den Knaben seiner Veranlagung gemäß." Mit anderen Worten: Geh auf die Art -es Jugendlichen ein und hole aus ihm Werte heraus, die dazu geeignet find, ihm Selbstvertrauen und Erkenntnis seines eigensten heiligsten Ich zum dauernden Bewußtsein zu bringen. Es ist ja auch ganz selbstverständlich, -aß die Doktrin des alten Bundes, nach deren Verkündung schon auf den ersten biblischen Blättern -er Mensch ein «Ebenbild Gottes" genannt wird, seine Menschen freischaffend, ausgestattet mit einer über sich selbst bestimmenden Willensmeinung in das Universum hineinstellt. Dem frischen Quell eines solchen Tatendranges entströmte schon frühzeitig die Sehnsucht nach Schaffung geregelter ErziehungSwege zwecks Ausbildung im Sinne interessenvoller Bearbeitung des Einzelwesens. Die oben erwähnte Bemängelung jüdischer Erziehung seitens andersgläubiger Kritiker ist ein Vorzug und birgt gerade etwas in sich, worauf der Jude stolz sein kann. Oder ist es etwa ein Fehler, daß die Religion gleichsam das F u n d a m e n t ist, auf dem sich das Gebäude jüdischer Erziehung errichtet? Der Standpunkt -er Pädagogik, wonach der Religionsunterricht eine gänzlich gesonderte Stellung gegenüber den anderen Unterrichtsgegenstänöen einnimmt, ist nicht einleuchtend. Auch Religionswissenschaft vermittelt durchaus gründliches Wissen und Können, wohl geeignet, dem Zögling im Leben den Weg zu bahnen. Man sagt doch so häufig, die Hauptsache sei. daß man ein anständiger Mensch werde. Die Wurzeln für ein wahres Kosmopolitentum sind aber in der Religion verankert, und diese Wurzeln sollen und können ibre Säfte auch allen anderen Disziplinen menschlichen Strebens Mitteilen. In der Zeit bis zur Zerstörung des ersten Tempels hat es in Israel noch keine Schulen für Jugendliche gegeben. Nach den Berichten der einschlägigen Quellen waren die Eltern die eigentlichen Lehrer ihrer Kinder. Das erste Buch Samuel 10,6 erzählt nur von einer Schule zur Ausbildung von Propheten. Erst die Epoche der nachbiblischen Zeit bringt uns Kunde von Kindcrschulen. Simon ben Schetach. der im letzten vorchristlichen Jahrhundert lebte, hat im Bunde mit seiner ebenso großzügigen wie berühmten Schwester, der Königin Salome Alexandra, sich wegen der Reformierung des Schulwesens den Dank der ganzen gesitteten Menschheit erworben. Sie waren die Schöpfer des allgemeinen öffentlichen Unterrichts, dem Eltern oder Erzieher ihre Kinder pflichtgemäß zusühren mußten. Im Talmud, Baba Bathra Seite 21, ist zu lesen, daß nach diesem glücklichen Anfang im Laufe einer kurzen Zeit jede Stadt mit jüdischen Einwohnern eine öffentliche Volksschule hatte. Aber nicht religiöses Wissen allein wurde zum Thema gemacht, sondern in weitgehender Art auch profane Wissenschaft, wie z. B. Griechisch svergl. Talmud Baba Kamma Seite 83). Es ist hinlänglich bekannt, daß Mathematik und Astronomie zu den Lieblingsbeschäftigungen der jüdischen alten Zeit gehörten. Also ist die aggressive Behauptung gänzlich verfehlt. die den Juden sich auch in der Richtungnabme und Zielstrebigkeit beim geistigen Schaffen abschließen läßt von den anderen Weltbürgern. Gerade die soeben erwähnte geschichtliche Notiz beweist, wie wir Juden von Anfang an daS Recht und die Pflicht der Persönlichkeit als Alpha und Omega menfchheitlichen Wertes bezeichnet haben. Die beiden Talmudlehrer R. Ami und R. Assi, die von R. Gamaliel als Schulinspektoren in mehrere Gemeinden entsandt wurden, erkundiaten sich in einem Orte nach den „Hütern der Stadt". Als ihnen nur höhere Polizeibeamte vorgestellt wurden, erklärten sie entrüstet: „Die einzigen treuen „Atter der Stadt" sind die Kinderlehrer/ (cf. Jalkut zu Ieremia.) Hierin ist so schlicht und doch scharf treffend der Grundsatz des Judentums betont, den erst eine zweckmäßige demokratische Auffassung eigentlich unserer Gegenwartstage nach umwälzenden langen Kämpfen als ihr Resultat und Programm ansieht: Umwertung des Menschen und Hebung vonöemTief standeinertotenunbeachteten Nummer zur Achtung einer freien Persönlichkeit! Es ist ein endloses und nutzloses Sichabmühen. die Frage auszuwerfen, ob die Erziehung überhaupt imstande ist, bestimmend auf den Menschen einzuwirken, Bezieher der „Jüdisch-liberale« Zeitung", die diese nicht regelmäßig zugesandt erhalten, «ollen dies zunächst dem Briefträger, und erst «enn keine Abhilfe erfolgt, unserer Geschäftsstelle melden. da er doch die Fertigkeiten ins Leben mitbringe oder der Keim dazu in sein Inneres gelegt sei. Das ist Geistreichelei und müßige Zersetzung der Vernunft. Wenn man sich schon in derartige Philosophemen hineinwagt, so versuche man wenigstens, sich das Er-ebnis der Richtung zu eigen zu machen, öatzesimMachtbereich pädagogischer Kunst liege, in die Seele des „wie Wachs" bildsamen Zöglings das Beste, Schönste und Wahrste hineinzuschreiben. Wir wollen keine fertigen, wir können nur strebende Menschen gebrauchen. Und der jüdische Begriff „Bar Mizwah" ist schöner als die lateinische Bezeichnung der Verbalsorm „confirmandus". Beide Begriffe versuchen aber zu zeigen, daß es eine dauerndfließende Entwicklung gibt. Das jüdische Kind soll schon frühzeitig erkennen lernen, daß wir ewig „Bar Mizwah" bleiben und „Konfirmanden", ö. h.: l e b e n - di g e Anhänger des höchsten, nie sich erschöpfenden Pflichtgedankens. Eine freie sittliche Persönlichkeit können wir erst dann werden, wenn wir einsehen, daß wir uns nicht zu „Lehrer n" der Weisheit auszubilden vermögen, sondern nach psychologisch so fein gefühlter jüdischer Begriffsbestimmung ewig „Schüler der Weisheit (talmid chochom) bleiben. Der jüdisch spanische Dichter Salomo ben Gabirol hat in seinem „Miwchar hapninim" („Perlenauswahl") das herrliche Wort geprägt: «Der Mensch ist weise, so lange er die Weisheit suchtjedoch sobald er glaubt, ans Ziel gelangt zu sein, ist er töricht." Dies sei das Motto, das wir den Knaben und Mädchen, den Jünglingen urtd Jungfrauen als leuchtende Fackel ins Leben mitgeben, auf daß sie nicht auf halbem Wege stehen bleiben. Sie sollen mit wahrer Bildung für den Kampf ums Dasein ausgerüstet werden, nicht mit Halbbildung. Denn Halbbildung schafft halbe Menschen, wahre Bildung erst läßt Perfönlichkeiten heranreifen, die sich nicht überschätzen, sondern ihre Lebensaufgabe auffassen unter dem genau umgrenzten Gesichtswinkel des prophetischen Ideals: Recht tun. Liebe üben und in Demut wandeln mit Deinem Gotte. Etwas über Kindererziehung in der biblischen Zeit Vön Robert H i r s ch f e l d, Berlin. Die Schriften der Bibel, die in einem Zeitraum tum einem Jahrtausend entstanden sind, spiegeln getreulich das Bild wieder von der Entwicklung der Kultur, in der unsere Vorfahren gelebt haben. Die lange Zeitdauer der Entstehung der biblischen Schriften bringt es natürlich mit sich, daß man eigentlich nicht einheitlich von einer biblischen Zeit sprechen kann, und -och ist dies bei einzelnen Erscheinungen, die uns in der Bibel entgegentreten. festzustellen. Dazu gehört auch die Wertschätzung der Kinder und die Anschauung über Kinöercrziehung. In allen Teilen der Bibel finden wir als das höchste Glück eines Mannes und einer Frau geschildert den Besitz von Kindern. Ob wir die Erzählungen der Erzväter oder irgendeiner späteren Zeit daraufhin prüfen, überall finden wir dasselbe Bild, das wohl am schönsten dargestellt wird durch die Worte des Psalms: Deine Kinder umkränzen wie Ölzweige deinen Tisch, ja, hierin zeigt sich der Segen des Ewigen, den er dem spendet, der ihm anhängt. Diese Wertschätzung des Äinöerbesitzes hatte gewiß auch seine praktischen Gründe, denn der Kinderlose mußte befürchten, daß das von ihm Erworbene in fremde Hände übergehen würde, während der Besitz eines Kindes, besonders eines Sohnes, ihm die Sicherheit gab, daß er feiner Hände Werk in Ruhe genießen könne in der Voraussicht, daß es später einmal seinem leiblichen Erben zufallen würde. Und da, wo keine Söhne vorhanden waren, traten schon sehr früh die Töchter an ihre Stelle. Sicherlich spielen bei der Freude über den Besitz von Kindern auch noch alte heidnische Gedanken eine gewisse Nolle. Das Kind wird dafür sorgen, daß dem Dahingeschicdcnen in der richtigen Weise Verehrung gezollt wird, der Ahnenkult hat sicher auch bei den Israeliten eine gewisse Ausbreitung gefunden. Aber trotz dieser Anschauungen ist doch die rein gemütvolle Betrachtungsweise wohl das wesentlichste Moment, wenn der alte Israelit seiner Freude über den Besitz der Kinder Ausdruck gibt. Die Töchter sind hiervon durchaus nicht ausgeschlossen: ich möchte als einen kleinen Beweis dafür auf die weiblichen Namen Hinweisen. Rahel gleich Schäfchen. Deborah gleich Bienchen, Hulda gleich Wieselchen. Sara gleich Fürstin beweisen die Zärtlichkeit und die Achtung, die man dem weiblichen Geschlecht entgegenbrachte. Daß bei solcher Anschauungsweise auf die Erziehung der Nachkommen sehr viel Gewicht gelegt wurde, ist eigentlich selbstverständlich. Vielfach findet sich im Pentateuch die Redewendung: Wenn dich einst dein Kind fragen wird, so gib ihm Auskunft. Daraus scheint doch die als selbstverständlich angenommene Pflicht hervorzugehen, daß der Vater für die Unterweisung seiner Absonderung. Don Dr. Sigfrid Behrens-Fürth (Bayern). Jnr Streit der Meinungen spielt die Schule eine große Rolle. Sie ist das gewichtige Werkzeug der Erziehmrg. sie ist der mächtigste Hebel zur Beeinflussung jugendlicher Herzen, der unter Umständen das Elternhaus an tatkräftigen, weitreichenden Antrieben noch überragt. Das ist keine besondere Erscheinung unserer Tage, sondern immer gewesen, solange sich Menschen um die Seele des Kindes bemühen. Die moderne Schule wird darauf sehen, Hand in .Hand mit dem Elternhaus zu arbeiten, in jener heiligen Stille, die dem Kinde wohltut und die Arbeit der Schule wirksam fördert. Parteien mögen ihre Ideale in der Prägung des Schulwesens verfolgen, im übrigen aber sollen sie hübsch draußen bleiben und die Seele des Kindes rücksichtsvoll schonen. Parteigemäße Abstempelung ist nicht gut für das Kind. Im übrigen wird ein gewecktes Kind schon rechtzeitig merken, wohin die Reise geht und sich zu schützen und zu wehren wissen gegen Einflüsse, die seine Kindeswelt zerstören wollen, wenn es nicht Bindungen sind, die seiner Lust entspringen, wie Wandervereinigungen u. dgl. Keine Schule bleibt von solchen Versuchen der Fühlungnahme verschont, und die pädagogische Geschicklichkeit der Leitung und der Lehrer wird dagegen am ehesten ihre Verantwortung erproben. Die jüdische Schule ist ein getreues Abbild der Regungen unserer Tage, und es überrascht nicht im mindesten, daß auch da der Kampf wenigstens gewagt wird um die Seele des Kindes. So vielgestaltig als das Leben ist ja die Fülle der Gruppen und Parteien, mögen sie nationalen oder religionspolitischen Zielen dienen. Aber Partei und Schule müssen geschieden werden, die Schule ist keine Vorstufe und Vorschule der Partei. Das Kind soll einmal selber urteilen und wählen, aber niemals vor der Zeit. Erst muß die Frucht reifen, ehe sie der Erkenntnis sich endgültig und unwiderruflich erschließt und anschließt. Wir wollen nicht den frischen Luftzug von der Schule fernhalten, sie nrag alles erproben, aver um Gottes willen nicht die Parteischablone. das ist die Einöde. Wir fürchten auch nach dieser Richtung keine Gefahr, denn wir vertrauen dem gesunden, unverbildeten Sinn des Lehrers und des Schülers, der doch über beide Teile mächtig ist. Aber «ach einer anderen Richtung muß doch gesagt werden, daß jede lediglich konfessionelle Schulung, wie sie nun einmal dttrch die konfessionelle Schule gegeben ist. denn doch di« Möglichkeit eröffnet, haß das Kind zur Einseitigkeit gedrängt wird und Welt und Umwelt einseitig sieht und beurteilt. Dieser Möglichkeit mutz jede Schule Vorbeugen, damit nicht die natürliche Berichtigung, die Natur und Leben schon besorgen. allzu hart empfunden wird. Je frischer der Luftzug ist, der Lehrer und Schüler umweht, desto geringer ist diese Gefahr: aber wo der Eifer auf die ausschließlich religiöse, ja streng religiöse Erziehung hindrängt, da wird als Zwang enrpfunben, was Güte sein sollte, da werden Kämpfe erzeugt, die dem jugendlichen Gemüt erspart bleiben dürften, da ist eine Hinneigung zum gegenteiligen Extrem nabegerückt, und I das ursprüngliche Erziehungsideal wird völlig über den Haufen geworfen. Auch in die religiöse Welt soll das Kind mit einer größeren Natürlichkeit hineinwachsen, mit einer notwendigen Unbefangenheit, und es geht nicht an, daß nur ein unerbittlicher Zwang auf diesem Felde obwaltet, die Sphäre des kindlichen Erlebens und gar des Vereinszwanges abftempelt. Freiheit und Beweglichkeit müssen dem Kinde gegönnt werden, sie werden sich als heilsam erweisen. Der Liberalismus wird diese Anschauung billigen, denn er will ja überzeugen und nicht überreden, er will aufbauen und nicht zerstören, er will keine bloß angelernte Menschensatzung, sondern geistige Vertiefung und Verarbeitung der Lehren deS Judentums. Er will Lebensfrische und keine Einöde bloßer Gewöhnung und Wiederholung, er will Ehrfurcht und eigene Erarbeitung des religiösen Gehalts der eigenen Lehre und weder blinden Autoritätsglauben noch Autoritätsdünkel. Das bedeutet keinen Einbruch in erprobte Ueberlieferung. sondern religiöse Erneuerung, die allein aus Gewöhnung und Zwang nicht aufrauscht, aus bloßer Unterwerfung unter strenge Disziplin nicht hervorbricht. Wenn es sein muß, scheiden sich an diesem Punkte die Geister: denn über den geheiligten Zielen und Notwendigkeiten der religiösen Erziehung, die wir durchaus betonen und bejahen, dürfen wir nicht vergessen die Notwendigkeiten des Lebens, die nicht ungestraft durchbrochen werden. Friedrich Hebbels Tragödien aus der jüdischen Geschichte. Bon Dr. Elise Dosenheimer, München. Während bei aller Anerkennung der poetischen Schönheiten, wie des ewig-menschlichen Gehaltes der Bibel seitens der deutschen Klassiker des 18. Jahrhunderts die Bearbeitung alttestamentlicher Stoffe in ihrer Dichtung so gut wie ganz fehlt, sehen wir diese im nachklaflischen Drama des 19. Jahrhunderts in verhältnismäßig großem Maße bevorzugt. Grillparzer, um nur die Bedeutendsten zu nennen, macht mit seiner leider unvollendet gebliebenen, sehr viel versprechenden „Esther" den Anfang, der Entwurf eines den Herodesstoff zugrunde legenden Dramas: „Die letzten Könige von Inda" liegt vor: Otto Ludwig bringt „Die Makkabäer", Friedrich Hebbel endlich .Judith" und „Herodes und Mariamne". Wie wir das von so vielen großen Deutschen, nicht zum l wenigsten von Schiller und Goethe wissen, waren auch die frühesten, noch kindlich-geistigen Beziehungen Hebbels durch die Bibel bestimmt und sein Verhältnis zu Judentum und Juden bestimmend. Für ihn, der in seiner symbolisierenden Betrachtungsweise in jedem Kleinen stets das Große, in jedem Einzelnen das Ganze sah. hatte der Jude als der direkte Abkömmling des in jenem ewigen Buche lebenden Volkes, als sichtbar-greifbarer Beleg sozusagen uralter geheiligter Dokumente der Menschheit etwas Phantasieerregendes, Ergreifendes, wenn nicht Ehrfurchterweckendes. Auch seine Beziehungen zn einzelnen Inden waren reichhaltiger, als man es von geistigen Menschen seiner Zeit schon gewohnt ist. Sein intimster Verkehr in Paris, der erste Herausgeber seiner Tagebücher und Briefe, Felix Bamberg, war ei« Jude, in Wien zählten Juden wie Siegmund Engländer und Emil Kuh zu seinen besten Freunden: letzterer wurde sein erster und bis jetzt noch bester Biograph. Es ist jedenfalls sehr bedeutsam, daß sein erstes, großes Drama, der erste Ausbruch seines jugendlichen Genies, das erste Fazit seiner Welterlebnisse, der Extasen seines Gefühls: .Lllröith", aus jenen Dokumenten, der kleinen, gleichnamigen nachbiblischen Erzählung geschöpft ist. Aber was hat Hebbel aus ihr gemacht? Die einfache Erzählung weitet sich ihm zu einem Drama, das „vom unseligen Narren bis zu Gott die Schöpfung mit allen Lebensströmen" umfaßt, die einfache Geschichte wird ihm zur Weltgeschichte, zum Weltentwicklungsdrama. Weltentwicklungsdramen, aber nicht in einem gewöhnlichen historisch-pragmatischen, sondern in einem höheren geistigen Sinn sollten ta alle Hebbelschen Dramen sein. Das heißt: sie sollten den letzten geistigen Gehalt einer Zeit, in jeder Person „die Modifikation einer Geschichtsepoche* darstellen, und zwar n^it Vorliebe in großen Krisen, beim ,/Brechen der Weltzustände" in Revolutionen, die nach Hebbel „Krankheiten "sind, ,Hie das Wachstum der Menschen bezeichnen". In diesem Sinne sah er in dem Dramatiker einen« den Welthistoriker großen Stils. Und so hatte denn auch der Kampf, in dem die Elemente seiner Tragödie sich zerreiben, für ihn „die Höchste symbolische Bedeutung": sah er in JnbitH die sich für ihr Volk und ihre» AUSSTELLUNG: UNTER DEN LINDEN 3 AUTOMOBIL- UND KAROSSERIEFABRIK WERK REINICKENDORF A. G.