Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 4 (1924)
- Issue
- 18 (13.6.1924)
- Date
- 1924-06-13
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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MW beit zu dienen. Eine neue Art der Erziehung soll einen neuen Typus des Menschen schaffen; imperialistische wie politisch radikale Strömungen sollen bekämpft, der in sich harmonische Mensch soll herangebildet werden, um seine Kraft in den Dienst des Menschheitsgedankens zu stellen. Ein großer Kreis von Anhängern sammelt sich um Ahasver; Kampf gegen das Vernunftwidrige und Kampf gegen den ethischen Relativismus ist die Losung. Aber die Erfüllung seiner Hoffnungen bleibt dem ewigen Wanderer versagt. Um möglichst großen Einfluß auf die Jugend zu erlangen, will Ahasver Universitätslehrer Werdern Die Fakultät lehnt ihn ab. Europa ist noch nicht reif für seine Gedanken, und so beginnt eine neue Wanderung, ln China will er als Lehrer wirken, erproben, ob von dorther mit seiner Hilfe .,eine Regeneration der erstarrenden europäischen Kultur“ ausgehen werde. Man wird der eingangs gekennzeichneten Absicht Nelsons die Zustimmung nicht versagen können. Wohl aber muß man die Frage aufwerfen, ob er ihr nicht besser gedient hätte, wenn er uns wirklich das gegeben hätte, was er zu geben beansprucht: einen Märchen-Roman, der Tiefe der Gedanken mit künstlerischer Durchgebildetheit verbindet, der den Leser nachdenklich und innerlich bereichert entläßt. Nelson - Ahasver doziert, aber er läßt nichts wahrhaft miterleben, er erklärt, aber er erwärmt nicht. Lotte Barschak. Die Juden und der polnische Aulstand 1863. Von Dr. N. M. Gelber. (Verlag: R, Löwit, Wien und Leipzig, — Broschiert, 235 Seiten.) Gelbers jüngst in diesem Blatte von mir besprochenes Werk „Aus zwei Jahrhunderten” offenbart seine tiefgründige Vertrautheit mit der jüdisch-polnischen Geschichte. Wie hierin, so zeigt Gelber ganz besonders in obengenannter, 1914 verfaßter und jetzt erschienener Arbeit, wie man historische Quellen ausgiebigst verwendet, um durch sie ein großes Ereignis des Weltgeschehens von allen Seiten zu beleuchten. Wer Leo Herzberg-Fränkels kraftvolle, spannende, von Schwung und Seele getragene Novelle „Die Juden in Warschau zur Zeit der letzten Bewegung" kennt (erschienen im ersten Band der zweibändigen 1865 und 1866 herausgegebenen „Illustrierten Monatshefte für die gesamten Interessen des Judentums“), der wird sich mit noch größerem Interesse und Verständnis in Gelbers Forschungen vertiefen. — Wir lernen Graf Wdelopolskis Stellung zur Judenfrage kennen, jenes hervorragenden polnischen Staatsmannes, bekannt durch seine Teilnahme an der Revolution von 1830. Gelber erklärt dem Leser den inneren Grund für das Verhalten der Juden gegenüber dem Aulstand von 1863, indem er ihn mit dem Leben der polnischen Juden vor den Jahren 1860—1864 bekannt macht» — Wenn schon Dr. Josef Meial in seinem Werk „Die Juden im Zarentum Polen" uns in dankenswerter Art kurz die Freiheitsbewegung 1860—1863 vergegenwärtigt, spinnt Gelber die Psyche der jüdisch-polnischen von Gral Wlelopoleki propagierten Fratemitätsidee, der schließlich zerschmettert am Grabe seiner politischen Pläne steht und sich wie ein Held vom großen Schauplatz der. Geschichte zurück zieht, bis in die leinsten Fäden aus. In einem Anhang bringt um Gelber in verschiedenen Beilagen interessante« Quellenmaterial Es iet recht schade, daß in Beilage 111 die poetischen, gereimten Stellen, ebenso in Beilage IV ein Neujahrsgebet, gleichfalls in Redxnpoesie, nur polnisch wiedergegeben sind und der Verfasser, nicht mit einem Uebersetzer in Verbindung getreten ist, der uns de« Polnischen Unkundigen durch vUebertragung in deutsche Dichtform und deutsche Sprache diese Quellen erschlossen hätte. Man lese Gelbers Werk, um einen interessanten Ausschnitt unserer jüdischen Geschichte kennenzulemen und tiefgehend« Anregungen zu erhalten. Rabbiner Dr. Arthur Roeenthal, Beuthen (ObarschL). i Die kluge Hausfrau gibt Gardinen u. Stores rechtzeitig JdrAerd, Reinigung. LCR H. Moplevei von 9ovdinen, Reiften, Jfieidun^ssttftdkera und ffeppidien. |ac lVeiOensee, LeBader str. 24)25 [fernruf: Weißensee JIt. 22V. ISCHllDCR {Schablonen Stempel s in allen Ausführungen (A. 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