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Jüdisch-liberale Zeitung · 1924-06-13 · 18 (13.6.1924) · page 8

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
4 (1924)
Issue
18 (13.6.1924)
Date
1924-06-13
Page
– (sequence 8)
Language
German
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8tt a'.T'Cii i\tou \nncv;v T-ivto danach oevIiv.inU’, aOov nicht fl J|i öil' ‘‘ToiiMniU’ n!:cr <,'u,itni.u*ul>cit. Die Itk'rnlc Perctuifimi:-', ioi’t ioi-eii; dun'o: *ic 11 i>cu die -Uiön 11cotoit der rclifiüm’ti hv-rätizinng genn'.iiren und tnnun auch eine Acndernng der Aorj;ieit. d-.' r.:;U Menschen, die neu der Cr r kcnnntuis .’.ün: Be teirnl:..'^ toiurnen. Das ^ndentnin svll Erbgut sein, das nicht und ä l e r -. sondern Binder rcligion ist. Die zahlreich versammelten Zuhörer zollten dem Redner lebhaften 2'eisall. :llach einer cingeliendcn Diskussion wurde beschlossen, einen ,i:K' sieben Riitgliedern bestehenden Ansschust zu nn'ilrlen, der die Vorarbeiten siir dte neu zu gründende Ortsgruppe in die Wege leiten soll, um 'in der demnächst stnttsindcndcn Persnmmlung die Vorstandswahl abhaltcn zn können. In dreien Ausschuß wurden gewählt: die Damen Frau Dr. Engel. Fräulein Norden, Rechtsanwalt Bruch lliechtsanwalt Straus; und Dr. Rosendahl. Die Ortsgruppe wühlte schon jetzt Herrn Rechtt-anwalt Strauß zn ihrem Vorsitzenden. Liegnitz. (Jüdisch-liberaler Iugendvercin.) Bei unserer letzten Bortragsveranstaltung sprach Lehrer Robert Hirschfeld-Berlin über das Thema: „Das Leben der deutschen Juden im Mittelalter". Der Redner ging vom Jahre 320 aus. in dem in Köln eine Verordnung sehr drückenden Inhalts für die deutschen Juden erlassen wurde. Er erzählte von der engen Verbindung zwischen den Juden und ihrer Umgebung und der sich daraus ergebenden Beeinflussung. Eine eigentliche jüdische Kultur gab es nicht, nur in religiöser Beziehung blieben die Inden selbständig. Innerhalb der Ghetto-Mauern waren die Juden organisiert. Die Vorsteher der Gemeinde waren für alles verantwortlich, sie konnten aber auch jeden Verdächtigen auswcisen. In) Prag konnte man bis 11)04 noch solche Gegenden sehen und auch in Berlin am Rathaus in der Indenstraste gibt cs noch Häuser ans dem l(>. und 17. Jahrhundert. Ferner schilderte der Redner sehr anschaulich die Synagogen unserer Vorfahren, die rituellen Tauchbäder und die Tanzhäuser. Er sprach dann noch über die Bräuche der Juden im Mittelalter, ihre Wohlfahrtseiiirichtungen. die Abzeichen, die sie tragen muhten und die Berufe, die sie ausübtcn. Lebhafter Beifall dankte dem Vortragenden für seine hochinteressanten Ausführungen An den Vortrag schlos; sich noch eine Diskussion. Mannheim. Die Generalversammlung der liberal-jüdischen Vereinigung fand am 27. Mai d. I. statt. Der Vorsitzende, Herr H. Ascher, erstattete den Geschäftsbericht für das verflossene Jahr und hob hervor, das; trotz der trüben Zeiten ersprießliche Arbeit geleistet werden konnte. Die mit der Vereinigung für das liberale Judentum in Berlin seit längerer Veit gcfiihrten Verhandlungen führten zum Beschluß der G.-V.. die Mannheimer Organisation der Berliner Vereinigung anzuschlicßen. Hierdurch kann voraussichtlich den Mitgliedern die „Jüdisch-liberale Zeitung" — wohl die bestgeleitete jüdische Zeitung — zur Verfügung gestellt werden. Des weiteren wurde die Frage der Ausgestaltung des JugendgvttesdiensteS eingehend erörtert. Dem Synagogenrat sollen baldigst Vorschläge unterbreitet werden. Da Herr H. Ascher und Herr Dr. Bachert von ihren Aemtern als Vorsitzender und Schriftführer zurücktraten, mußten Neuwahlen stattfinden, nach deren Ergebnis Notar Dr. Appel und Dr. Iüdel in den Vorstand eintreten. Die Aemter wurden wie folgt besetzt: Dr. Appel, 1. Vorsitzender, Dr. Staadecker, stellv. Vorsitzender, Dr. Iüdel, Schriftführer, Dr. Bachert. stellv. Schriftführer. Alfred Lefo, Kassierer. Die Herren Ascher und Dr. Bachert verbleiben im Vorstand. Herr Dr. Staadecker stattete Herrn Ascher in herzlichen Worten den Dank für seine unermüdliche und erfolgreiche Tätigkeit als Vorsitzender der Vereinigung ab. lichen, 1830 bei C. H. Reclam erschienenen Buches lautet: daß der Vereinigung weiterhin eine gute Entwicklung beschickten sei, und daß es gelingen möge, die Mitglieder zu intensiver Mitarbeit zum Wohle der jüdischen Allgemeinheit -eranzu-iehen. Potsdam. Schon lange bestand unter den jüdischen Schülern Potsdam der lebhafte Wunsch, sich in kameradschaftlicher Weise zusammenzufinden. Diesem Wunsch kam -er rührige Vorstand des jüdisch-liberalen Jugendvereins unter der besonders tatkrätigen Mitarbeit des Herrn Referendars Dr. Cohn (Potsdam) entgegen, und so wurde am 28. Mai eine Schülergruppe des Ili-Potsdam gegründet. Für die lebhafte Anteilnahme der Jugend an dieser'Gruppe spricht die Tatsache, daß sich a Ile jüdischen Schüler von Potsdam und Umgegend im Alter von über zehn Jahren ihr angeschlosien haben. Allwöchentlich werden Sport- und Spiclnachmittage veranstaltet. Dazu sollen in regelmäßigen Abständen Ausflüge stattfinden, die der Ili gemeinsam mit der Schülergruppe unternimmt. Den geistigen Interessen der Mitglieder dienen Leseabende, die besonders im Winter ergelmäßig stattfinden svllen. Diese Gründung zeugt in sehr erfreulicher Weise von der regen Tätigkeit, die jetzt im Potsdamer Ili herrscht. Somit ist für die Bedenken, die in den letzten Jahren in der Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaber Iugendvereine hinsichtlich des Potsdamer Brudervereins bestanden, lein DJaitm mehr. Die Schüler haben einstimmig Herrn Dr. Cohn zu ihrem Führer gewählt, der sicher verstehen wird, den frischen Geist, der diese Jugend beseelt, der liberalen Sache dienstbar zu machen. Sobernheim. Am 25. Mai wurde hier ein Ili unter dem Vorsitz von Herrn Kratzenstein, Fräulein Hesse und Fräulein Osterman gegründet. Herr Kratzenstcin als erster Vorsitzender hielt einen Vortag über „Viel und Vweck der jüdisch-liberalen Vereinigung", der bei den Mitgliedern lebhaften Beifall fand. Alle 11 Tage wird ein Kursus abgehalten. Ferner wurde noch eine besondere Iugendgruppe gegründet. die dem Ingendvercin angeschlossen ist. Diese Ingendgrupe macht jeden Sonntag Wanderfahrten. Kabbalistisches. Von Julius Falk. Ioh. Wolfgang von Goethe: Die Weisheit ist des Lebens letzter Schluß. Eins seid ihr im All, eins das All in euch. Gefestigt, gestärkt, unangreifbar An der glückselig kosmischen Rundung. Was kann der Mensch i>m Leben mehr gewinnen. Als daß sich Gott-Natur ihm offenbare, Wie sich das Feste läßt zu Geist verrinnen, Wie sich das Geisterzeugte fest bewahre. Und Dante, der gleichfalls wie Goethe Unsterbliche, sagt im Purgatorio: Drauf entstand in mir ein anderer Gvdanöe, Dem wieder andere entsprangen und verschiedene, Und so von einem irrte ich zu dem andern, Daß aus Behagen ich verschloß die Angen, Und so in Träumen wandelte mein Sinnen. Ex Deo nasciraur, per Spiritum reviviscismius. Die Kabbala oder Kabbala h, Ueberlieserung, empfangene Lehre von Kabal. arabisch Kabala aufnehmen, ist die mündlich fortgepflanzte Geheim lehre der Juden. Die Kabbala, deren Ursprung höheren Geistern zugefchrieben wird, will durch die mystische Erklärung der heiligen Schrift, durch die magische Chiffresprache, wie sie sich schon bei dem Propheten IeremiaS Mndgegeben, durch die Kraft des Wortes, vor allem des Namen Iehovah sewsr (su-b umbra alarum tuaruni, Jehovah) und durch die heilige Zahleulehre den llrsprung der Dinge ergründen, Gott und seine Gchöp» snug erkennen, sogar, ,vie in dem Buch „de Capide philo« sophorum“ zu lesen, die Zukunft erschauen können. Die Kabbala gilt als die geheim gehaltene Weisheit Mosis und der Patriarchen, Salomonis und der großen Propheten -nr Veit der Könige. Der große Rabbi Akiba verfaßte tm ersten Jahrhundert nach Christi das älteste kabbalistisch« Buch Iezirah. Der Titel des in meinem Besitz befindlichen. 1830 bey C. H. Reclam erschienenen Buches lautet: Das Buch Iczira, die älteste Kabbalistische Urkunde der Hebräer. Nebst den zwehunddreyßig Wegen der Weisheit. Hebräisch und Teutsch mit Einleitung, erläuternden Anmerkungen und einem punktierten Glossarium der rabbinischen Wörter. Hercinsgcgcben von Ioh. Friedrich v. Meyer, Dr. d. Th. Simeon ben Jochai schrieb das geheimnisvolle Buch So har (GlanzB Die ttebersetzung des „Iezira" ist unklar und nicht in „Klassischem Deutsch" abgesaßt, Meyer übersetzt „d er ersten Weg der W c i s h e i t": Heißt der geheime Verstand (die höchste Krone), und ist das ursprüngliche Licht des Verständnisses, und ist die erste Herrlichkeit, deren Seyn irgend kein Geschöpf begreifen mag. Durch das ganze Mittelalter geht das Wesen der Kabbala und wurde besonders unter der maurischen Herrschaft in Spanien von den jüdischen Gelehrten in Toledo. Cvrdovansw. gepflegt. Zur Veit der Reformation wurde sie auch von christlichen Forschern in Deutschland betrieben, wie schon im ersten Aufsatz bemerkt, so durch den großen Humanisten Reuchlin und Philippus AureliuSs Theophrastus Paracelsus von Hohenheim. Von ihm sagt ein 1700 erchienencs Buch: Unter den Magischen und Theosophischen oder göttlichweisen geheimen Skribenten muß billich vor anderen gczehlet werden Paracelsus, ein mann von hohem verstand untresflichcn mertten, der auch in der Phisiea und Medioin ein großes Licht gegeben hat. Ein anderer Lutherischer Thevlogus hat ihn monstrorum domitorem (einen Bezwinger der Ungeheuer) genennet. Die Rabbiner der Synagoge zu Prag, darunter der Hobe Rabbi Löm (oder Leva, welcher ein Alter von 104 Jahren, 1503—1000, erreicht haben soll), dessen Grabstein noch im Bcth-Chälm der böhmischen Krönungsstadt zu sehen ist, standen im Gerüche kabbalistischer Macht über die Geister, und die portugiesischen Inden brachten nach ihrer Vertreibung ans Portugal ihre magische Geheimlehre nach Holland. Von Smyrna ging die jüdi^li-kabbaliftische Sekte der Sabbathäer (Sabbathai Z'wi) ans, und verbreitete sich im 17. Jahrhundert auch nach Amsterdam und Hamburg. In Deutschland gründete Jacob Frank in Ofsenbach eine neue Sekte, und in Polen entstand jene der Cimssidim. Der Vweck und das Studium der Kabbala sind nicht Wunder, sondern^ Erkenntnis des Unendlichen. Die Sekte der neuen Chassidim, die Bcsch-tianer in Polen, die um das Jahr 1740 von dem großen Bescht, dem wundertätigen Rabbi Israel Baal sch cm (Batschen;) gestiftet wurde, betrachtet als Lebenszweck: durch Selbstverleugnung und innere Entwicklung nach Vollkommenheit zu ringen, mit heiteren Gefühlen sich Gott zu nähern, den eigenen Wirkungskreis zu erweitern und andere mit aufrichten zu helfen. Weiß ist in der Kabbale die Farbe der Gnade. Ihren Priester nennen die Veschtiancr Vaddik und verehren ihn. beginnen nichts ohne ihn und sehen ihn, der im weißen Ornat von Atlas erscheint, als den sichtbaren Vertreter Gottes an. Die Sohariten. also Anhänger des Sohar, sagen in ihrem Glaubensbekenntnis, daß das Gesetz nicht nur befolgt, sondern auch in seinem geheimen und verborgenen Sinne erforscht werden soll, der Sohar führe zur Erkenntnis und Seligkeit durch die Erscheinung der großen Geheimnisse, welche in dem Namen Iehovah. in den Schriften Mosis und der Propheten verborgen liegen, es sei ein einziger, allwaltender Gott, aber dreieinig, denn er veranschauliche sich in drei Gestaltungen und der Sohar sage: Drei sind Eins! Ausgaben des Sohar sind zu Mantua. Cremona, Venedig, Lublin, Sulzach, Amsterdam und Konstantinopel erschienen, Bruchstücke aus dem Sohar findet man in Knorr v. Rofenroths Kabbala denudata und Reuchlins: De verbo mirifico und de arte cabbalistica. Johann Reuchlin verdankte seine hebräischen Kenntnisse dem kaiserlichen Leibarzt und Ritter Iaacob den Icchiel Loans. den Reuchlin bei seinem Aufenthalte in Linz 1492 am Hof des greisen Kaiser Friedrich Ili. kennenlcrnte. Reuchlin wurde sein Schüler und sein Freund. Die Kabbala wird auch eine dämonische Magie und jüdischer GnvsticiSmns (Gnosis - , Erkenntnis) genannt. An den gnostischen Systemen lassen sich allenthalben in einander iiberflicßende Elemente altorientalischer Religionssysteme, jüdischer Theologie und platonischer wie stoischer und pythagoreischer Philosophie Nachweisen. Die Kabbala lehrt, daß im Anfang der Logos, das schöpferische Wort, war. Dann spricht sie von dem Geheimnis der Zahlen, von den heiligen Zahlen, wie sic in dem Namen Gottes enthalten, was alles durch sie ausgcdrückt werden kann, warum die e in sahen Zahlen Eins, Drei, Vier, Sieben und Zehn besonders heilig seien. Eins ist Gott, eins der Grund aller Zahlen. Drei ist Anfang. Dauer und Ende, dreifach ist das Wesen Gottes (Sohar), drei sind die Patriarchen. Vier sind die Elemente, vier Buchstaben hat der Namen Gottes in den meisten Sprachen (z. B. den«, dien). Sieben sind die Wochentage und die Kräfte Gottes. Sicbenarmiger Leuchter. Zehn die Gebote und zehn deutet die Unendlichkeit. Den Pythagoräern war auch die Vier zahl (Tetraktys) besonders heilig, sie schworen hei der Vierzahl: auch die Zehnzahl, weil sie die Elemente der Bierzahl in sich schließt (1 plus 2 plus 3 plus 4 gleich zehn). Aus Indien stammt das magische Quadrat: 34 34 1 15 14 4 34 12 6 7 9 --- 34 8 10 11 5 34 13 3 2 16 --- 34 34 34 Ferner ergeben die folgenden Zahlen stets die gleiche Summe 16. 2 7 6 9 5 1 4 3 8 Alles ist Zahl, die Zahl ist das Wesen der Dinge, aber die Dreiheit begreift die Zahl des Alls in sich. Alles stammt von dem ersten Einen und von der ersten Zahl, und da diese, wenn sie in ihrem Lebensprozetz Jmt leeren Raum einatwet", sich in eine große Anzahl von Einheiten teilt, so stammt alles von dieser großen Anzahl von Einheiten oöer Zahlen. .Fscchve, er der Gott im Himmel oben und auf Erden unten, und sonst keiner mehr. So sprach der Herr: Ich bin der Erste und bin der Letzte und außer mir ist kein Gott!" Es geht alles von IeHov« «mß, ME Meß Vehr? an Jehova zurück. Zweiflern gegenüber bemerke ich. daß Pythagoras, dessen universelles Wissen auch die Skeptiker anerrenuen müssen, diese Zahlen-Angabeu noch weiter ausgeführt hat. Er sagt: mit einem Wort: Die Zahl herrscht in der Musik, in der Gymnastik, in der Medizin, der Moral, der Politik, überhaupt in alle» Wrffenschasteu, und die Ptzthagvraische Arithmetik ist das Bindemittel und die mvinerselle Logik des Wisiens. Ioh. Scher r sagt u. a. über die Kabbaia: Aus asiatischen Mysticismen. griechischen Philosophemen und alten Nationalfagen bildete sich allmählich die jüdische Geheimlehre der Kabbala (d. i. empsangen-e Lehre) und ferner: Die hebräische Literatur entfaltet eine wundersame Macht und Kraft/denn sie springt wie ein roter Blutqnell ans dem Herzen einens schmerzdurchwühlten. dnrch die Schule des Unglücks gegangenen Volkes hervor^ das fortwährend fragend und bangend vor dom dunklen Vorhang stand, welcher die Mysterien des MenschenöasoinS verhüllt. Ucbcr das erwähnte magische Quadrat hat um das Jahr 1400 Nt o s ch o p u l o s zuerst geschrieben: Die ersten sieben Quadrate von den Zahlen 3 4 b 6 7 8 v 9 16 2b 3« 4« 84 81 nennt man Planeten sicgel Sigilla Saturni, Jovis, Nkartis Tolis, Veneris, Mercurii, Lunae. Ich wiederhole: Unter Kabbala versteht man jetzt hauptsächlich die mystische Religionsphilofophie des jüdischen AiitielalterS, die aus der alten Geheim lehre hervorging und sich vom 13. Jahrhundert an zu einem eigenen System ausbildete. Letztere, aus dem Streben, die tiefsten Fragen über Gott it n d Welt zu lösen, entstanden, vereinigt sowohl Elemente der jüdisch-hellenistischen Geistesrichtnng (Philo), als auch der literarischen Forschung in Palästina und Babylonicu. , . An phantastischen Bildern wurde» früh schon metvphysische Betrachtungen (über Gott, sein Wesen und Wirken), seinen Thron und Hofstaat (maa55e merkaba) und physische ii^cr Welt und Schöpfung (iraa83e bereschit) angestellt, oöer diese Lehre ward nicht dem großen Haufen preisgegeben, sondern geheim gehalten. In den Bereich dieser alten Geheimlehre zog man später auch persische Geisteslehre, Wahrsagekünste, den Glauben an geheime 2ratnrkrüfte, Sympathie und Astrologie. Die Kabbala, die Tochter der alten Geheimlehre, ist ein eigener Zweig jüdischen Wissens: „Phantasie und Zahl". Durch sie sucht die Kabbala das Wesen Gottes uud seine Unendlichkeit zu versinnlichen. Die Pythagoräer ahnten das tiefe Geheimnis der Z>ahlen und geometrischen Figuren, von denen ihr Nceistcr bei den sternkundigen Magiern des Ncorgenlandes gehört hatte, aber Erkenntnisliegtam Ende Ich schließe mit einem Hymnus aus der indischen Rigvcda OUis Verse. Veda Wissen): Wer weiß es recht? Wer mag eS hier verkünden? Woher entstand, woher sie kam. die Schöpfung, Ob durch sein Schaffen erst die Götter wurden, Wer weiß es doch, woher er sei gekommen? Legenden. Von Arthur Silbersleit. I. Das Hochzeitsfest des Hohepriesters. Zu dem mystischen Gastmahl, das der Hohepriester im Throngemach seiner Träume seinem Gotte gab, lud er nur eine einzige Fram Es war die Bundeslade. Sie. die Jahrtausende alte, erschien nun jugendlich geschmückt wie eine Braut: ein goldenes Diadem überstülpte ihr Haupt wie ei« Turn; eine Jchovazinne: ihr samtenes Gewand rauschte, von silbernen und opalisierenden Gürte lschnüren umzirkt, hosiannahaft auf, und über ihrem Busen, in dessen Tiefen unsichtbare Cherube die eng aneinander gepreßten Rollen der Geheimnisse entbreiteten, stanzte das süberue Wappeuschild Israels an sasirfarbener Halskette die Körrigszeicheu eines jeden Stammes ans und läutete leise Hvhelieder auf die andachtstiefe Schönheit ihrer stillen Liebkosungsstunde. Ihren lang herabwallendcn Festtagsmantel mit dem Nachglanz aller Steine und Gesttrne der Unterwolken- und Ueberwolkenwelt in Perlenzier, ihren Psalmen ausrieselnden maiengriincn Tempclvorhang, hinter dessen Geheianuissaltenfülle sie sich oft wie ein scheues Kiud^ vor der Betergerneinde barg, hatte sie der Obhut der Cedernholzsänlen, Marmorstäunne und felsigen Pseiter im Hause ihrer ewigen Weihe an vertrant, und manches Mal begann der schmale .Himmel einer Ampel in die buntgeblümte Tcmpeiwiefe ihres t^cwandes rvicder einznblanen, :nanrhmal suchten sie auch die Flimmer des siebenarmigcn Silberlcnchtcrs und seiner goldenen Kerzen;vieder an- und ansznglühen und die winterliche Starrheit der seidenen Blninenstickereien zu neuem Frühling st eben zu criveckcn. Der Hohepriester holte einen Tempclpokal herbei, trank aus seinem Oval seiner Geliebten schiveigend zu. stellte ihn ans den Tisch der Opferbrotc und preßte sie voll Inbrunst an sein Herz. Dann sprach er in der Einsamkeit seines cZemacheS bis zum Ausgang der Ntorgenröte, Smnde um Stunde, mit ihr; der Silbentropfenfall und biegen seiner Worte berieselte sie süßer als dem bieigen anrnntvoller Niädchen eine Kaskade seligkeitstrunkencr Heiterleit entrauscht und mit jubelndem Wind im Girlandenlanb ivetteifernd musiziert: seine ewia junge Braut schien seinem EidamSglück mit tausendjährigen Weisheitsworten zu erwidern, und ihre Stimme durchknisterte die Stille nicht selten wie ein zeitloses Pergament. Immer wieder wiegte und herzte der Hohepriester in seinen Annen seine Braut wie ein Vater sein Kind, und nun er ihre Gewänder leise löste und sie vollends entgürtet^ und entblößte, daß sie hüllenlos in ihrer Keuschheit u>;d Scham vor ihm stand und daß er ganz in ihrer Seele zu lesen vermochte, dünkte es ihn, als feierte er in der 3iacht der Nächte ein Hochzeitsfest mit der heiligen Tochter seines allerheiligsten Herrn. II. Das Schiss -es ewigen Lebens. Wie mm die Schreckenskunde geiergleich durch die Lampe raste, der Feind werde emdrirrgen und öte_ Tempelschatze rauben, schluchzten die Männer Israels fassungslos auf, hüllten sich in ihre weißen Stcrbcgewänder und verkrampften ihre Hände iu Gebeten. Der Hohepriester nur blieb gesammelt und befahl, eine Barke zu rüsten. Und er nahm Vundes» lade um Bundeslade aus dem Allerheiligsten, trug sie in de» Nacheu, ließ hier sein eigenes Sterbehemd als Segel auf» hissen mrd befestigte cs mit -eu seidenen Tempelvorhangschnüren. Und die Barke glitt in die Weite, und der Wind verwarf die Knmmcrfalten ihres Sterbchemdsegels und glättete es wie die See und wie die wieder lciderlösten Antlitze der Ruderer, und so steuerte die Barke unter der Sonuenwappenkrone Jehovas mit allen Bnndesladen und Tempelgcrät.en, trotz ihres Totenhemdsegelo wie ein Hochzeitsschiff geschmückt.' in die allen Feinden trotzenden neuen Friedenslünder des ewigen Lebens der Jsraellehre.

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