Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 4 (1924)
- Issue
- 17 (6.6.1924)
- Date
- 1924-06-06
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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1wnwvw ■ywy’T. II^DIJm Jipiü.iiiWM I JJ^KI'.. Zwischen ihnen und uns Liberalen eine Verstäiidssiung unmöglich sein soll, wofern wir nur in dem Entschei-en-en einander verstehen, daß der Weg in jenes Land auch heute wieder üben den Sinai führen muß und daß eiez Israel nicht unser Ziel, sondern nur allenfalls eine neue Etappe auf unserem ewigen Wege sein darf. „Denn Er hat uns nicht gemacht wie die Völker der Erde und uns nicht zu dem bestimmt, wozu die Nationen der Welt bestimmt sind". Er gav »nS unsere Freiheit, um uns unseve Thora, unsere Thora, um uns unsere Freude zu geben. Die jüdische Gegenwart. Von den Judenfressern. Im bayrische» Landtag hat der Völkische Block u. a. folgende Anträge gestellt: Abba« der jüdischen Beamten. Nachweis über Grund- SickS. und GeschäftsverkLufe an Ausländer. Verbot und eschränkung der Namensänderung sür Juden. ZnlaffungSverbot sür Jude« m Staatsprüfungen und Staatsämtern, Kontingentierung der jüdischen Studenten, keine Zulassung der Juden als Hochschullehrer, Berkaufsverbot für Grundstücke an Raffenfremöe. sofortige Ausweisung aller seit August, 1914 zugewanderten Juden und Beschlagnahme ihrer Vermögen zugunsten der Kriegsverletzten und Kriegshinterbliebenen, sofortige Stellung aller Banken unter Staatsaufsicht bei Ausschaltung der Juden aus dem Banka «'-.'schuf,. Der Vatikan und Palästina. Der Vatikan hat am A. Mai eine päpstliche Brille veröffentlicht, in welcher das Jahr 1938 als ein Jubel-Jahr augekündigt wird. In der Bulle wird der Wunsch deS Papstes -um Ausdruck gebracht, datz das Heilige Jahr ein friedvolles für alle Völker -er Erbe werden, die Bereinigung der christlichen Kirchen bringen und die Lösung der palästinensischen Frage in Uebereinstimmung mit den Hoffnungen des Christentums bringen möge. Ein jüdisches Museum im herzoglichen Palais zu Mantua. Die Direktion deS herzoglichen Palais -er Stadt Mantua hat alle diejenigen Bürger, die alte jüdische KultuSgegenstänöe von künstlerischem Charakter oder historischer Bedeutung besitzen, aufgeordert, sie einem zu gründenden jüdischen Museunr zur Verfügung zu stellen. DaS Museum hat den Zweck, ein Bild von den alten, so sehr interessanten religiösen Bräuchen zu bewahren. Der Einladung wurde entsprochen und es sind schon eine Reihe sehr interessanter Gegenstände gesammelt: so u. a. ein prächtiges durchsichtiges Pergament seine wahrscheinlich aus der Zeit um 1500 stammende Arbeit j. auf dem eine Kethurvah (Heiratsvertrag) geschrieben ist, ferner zwei Sederschüffeln, mehrere antike Buchausgaben usw. Handbuch der jüdischen Gemeindeverwaltung und Wohlfahrtspflege. Der Deuts ch-ifra e li tisch eGemeiudebuud und die ZentralwohlfahrtSstelle der deutschen Juden beabsichtigen gemeinsam ein neues Handbuch der jüdischen Gemeindeverwaltung und Wohlfahrtspflege (Statistisches Jahrbuch für das Jahr 1934) herauszugeben. Da das letzte Handbuch aus dem Jahre 1918 stammt, liegt in allen Teilen des deutschen Judentums ein außerordentlich starkes Bedürfnis nach der Herausgabe des neuen Werkes vor. DaS Handbuch wird außer den eingehenden und neuesten Angaben über die Gemeinden, deren Einrichtungen, BorstandSmitglieder, leitende Beamten lBerzeichniS aller Rabbiner und Lehrer) auch die neuesten Verzeichnisse aller Wohlfahrtseinrichtungen der offenen, geschloffenen und halboffenen Fürsorge, aller jüdischen Schulen und Kultureinrichtungen, aller landwirtschaftlichen, handwerklichen und hanSrvirtschaftlichen Au Sbt l b n n g S st ä t t e n. aller Beweine und Organisationen auf dem Gebiete des Wohlsahrtsunb BilbungswesenS. der jüdischen Buchhandlungen, rituelle« Speiseetnrichtungen usw. enthalten, kurz. eS soll ein umfassende- Nachschlagewerk für sämtliche bestehenden jüdischen Einrichtungen in Deutschland werden. Der Deutsch-israelitische Gemeindebünd und die ZentralwohlfahrtSstelle der deutschen Juden haben baS Bureau für Statistik der Juden. Berlin C2, Nosenstratze2/4, das unter Leitung des Herrn Dr. Jakob Segall steht, beauftragt, das Material zu sammeln und die notwendigen Vorarbeiten für die Herausgabe des Buches, welcheam 1. Oktober d. I. erscheinen soll, durchzuführen. In diesen Tagen gehen sämtlichen Gemeinden. Organisationen, Anstalten usw. Fragebogen durch das Bureau für Statistik zu. um deren sorgfältigste Ausfüllung unrascheste Rücksendung dringend gebeten wird. Da- Gelingen des Werkes hängt von dem Jntereffe und der tätigen Mithilfe aller jüdischen Kreise ab, die eS als Ehrenpflicht betrachten sollten, durch Ueberlaffung lückenlosen Materials und schnellster Erledigung von Umfragen die ..'-virtbc zu unterstützen. Eine Theater-Trauung. Der Moskauer „Emes" erzählt die folgende eigenartige Episode, die sich in dem russischen Städtchen Podabrianke abgespielt hat. Eine jiddische Liebhaber-Truppe führte ein Stück „Die erzwungene Trauung" auf. in welchem der „Held" seine Partnerin genau nach den rituellen Vorschriften sich antraut. Als der Rabbiner des Städtchens davon erfuhr, ließ er in der Synagoge bekanntgeben, datz das auf der Bühne getraute Paar nach jüdischem Ritus als Mann und Weib zu betrachten ist. Das ganze Städtchen geriet in Aufregung. Die Stadtverwaltung mischte sich in die Angelegenheit und erteilte dem Rabbiner eine Verwarnung. Von der ZentralwohlfahrtSstelle. Bon der Zentralwohlfahrtssielle der deutschen Juden wird uns Mitgeteilt: Der 8 61 des Finanzausgleichsg esetzeS, nach welchem die Einrichtungen der freien Wohlfahrtspflege seit September v. I. regelmäßige Zuschttffe zu den Gehältern ihrer Angestellten erhalten &ä6«t, ist bekanntlich am 1. Avril abgebaut worden. Um den Anstalten die UebergangSzeit etwas zu erleichtern, ist ein Teil des Betrages, welcher der Zentraliwohlfahrtsstell« vom Reich sür die jüdischen Einrichtungen iiberwiesen wurde, zu Krediten bereitgestellt worden. Der Kredit kann durch Vermittlung der Zentralwohlfabrtsstelle bet der Hilfskaffe gemeinnütziger Wohlfahrtseinrichtnngen Deutschlands G.m.b.H. zu sehr günstigen Bedingungen in Anspruch genommen werden. Am 1. April ist. die Verordnung über die Arbeitszeit in Kran-kenpfegean st alten vom 18. Februar 1924 in Kraft getreten, nach welcher für daS Pflegepersonal eine Beschäftigung bis zu 60 Stunden in der Woche gestattet ist. D^-se Bestimmung findet für Personen, deren Beschäftigung durch Beweggründe charitati-ver oder religiöser Art bestimmt ist, keine Anwendung und zwar, weil diese Personen nicht als Arbeitnehmer nach 8 10 des Betriebsrätegesetzes gelten. Die Zentralwohlfahrtsstelle hat den Nachweis erbracht, daß die jüdischen Krankenschwestern auS denselben Motiven, wie die Mitglieder der katholischen Kongregationen und der evangelischen Dtakoniffenhänser ihren Beruf ausüben (d. h. nicht in erster Linie aus Erwerbs* intereffe) und dadurch Sie Gleichstellung hinsichtlich der Anwendung der Verordnung über Sie Arbeitszeit erreicht. Neuerdings hat das RetchsarbeitSministerinm eine« größeren'Betrag zur Durchführung von Heilstätten- Kuren für tuberkulös erkrankte Schwestern zur Verfügung gestellt, damit di« Schwestern, die infolge der Ueberanstrengungen der Kriegs- und Nachkriegszeit erkrankt sind, wieder ihre volle Arbeitsfähigkeit erlangen können. Fernerhin hat das ReichSarveitSministerium der Zentralwohlfahrtsstelle Mittel zu einer neuen Bearbeitung des zuletzt 1913 von dem Deutsch-JSraeltttschen Gemeindebund heranAgegebenen Handbuches der jüdischen Gemeindeverwaltung «nb Wohlfahrtspflege zur Verfügung gestellt. ($ 1 Aus den Gemeindeu. i1>,! Berlin. Am 2. Juni starb eine der ersten deutschen Erzählerinnen Ulla Wolfs-Frankfurter im 75. Lebensjahre. Unter dem Pseudonym Ulrich Frank ist sie besonders auch in jüdischen Kreisen durch Erzählungen auS dem jüdischen Leben Oberschlesiens bekannt geworden. Fast jedes der älteren „Jahrbücher für jüdische «beschichte und Literatur" enthält eine solche von ihr, die sie gleichberechtigt an die Seite der jüdischen Meistererztthler Bernstein und Franzos treten (ätzt. Wir werden in unserer nächsten Nummer eine eingehende Würdigung der Verstorbenen aus der Feder eines Mannes aus ihrem Freundeskreise veröffentlichen. Ulla Wolfs, die in dem Schriftsteller und Politiker Rechtsanwalt Dr. Richard Otto Frankfurter, dem Verfasser von „David schlägt die Harfe", und dem Rechtsanwalt Arthur Wolfs bekannte Persönlichkeiten des deutschen Kunstlebens hinterläßt, hat der Vereinigung für das liberale Judentum e. V. als Mitglied angehört. Sie hat mit regem Jntereffe die Entwicklung unseres Blattes verfolgt und uns noch kurz vor ihrem Tode ihre Mitarbeit an diesem zugesagt. Wir werden der verschiedenen GestnnungSgenosstn über das Grab hinaus ein ehrendes Andenken bewahren! Berlin. Unter Vorsitz von Dr. James Simon fand am 25. Mai im Logenhaus Kleistst ratze die ordentliche Generalversammlung des ..Hilfsvereins der Deutschen Juden" statt, zu der auch von auswärts Teilnehmer erschienen waren. Dr. James Simon erstattete den Geschäftsbericht. Das bereitvor dem Kriege erscheinende Korrespondenzblau soll jetzt wieder regelmäßig weitere Kreise über Auswanderungsmögltchketten usw. informieren. Ferner hat sich der Htlfsverein in umfaffenöer Weise in der Vermittlung von Geldsendungen und Dokumenten zwischen überseeischen Ander» und Rußland und dem HUfswerk für die Opfer der ukrainischen Pogrome, speziell für die Waisenkinder, betätigt. Durch den Hilfsverein und seine Komitees an der Grenze und in Hafenstädten sowie durch den vom Hilfsverein unterhaltenen Bahnhofsdienst in Berlin wurde für über fünfztgtausend Auswanderer gesorgt. Bon Hamburg aus begannen 1923 etwa zehntausend jüdische Auswanderer ihre Reise, von Bremen auS über dreitausend. Der Ueberwachungsdtenst in Stentzsch versorgte im Jahre 1923 etwa fechsundzwanztgiansend Reifende an der polnischen Grenze. Dem Vorsitzende«, Dr. James Simon, sowie den übrigen BorstandSmitgltedern wurde gedankt und dem Schatzmeister nach Erstattung des Rechenschaftsberichtes Entlastung erteilt. Die ausscheidenden Mitglieder deS Zentralkomitees und deS gefchäftSführenden Ausschusses wurden wieder gewählt und neu in das Zentralkomitee wurden gewählt: Gallatzer-Bremeu, Willner-Memel, Olschansky-Eydtkuhnen. Im Anschluß daran sprach Dr. Paul Nathan über eine große ZnkunstSaufgabe für den Hilfsverein. Gr wies eingangs darauf hin, daß die Bedeutung der Vereinigten Staaten von Amerika als Jmmigrationslaub jüdischer Maffen infolge der Herabsetzung der Einwanderungsguote auf zwei Prozent stark gesunken sei. Das sei im Augenblick weniger verhängnisvoll, könne aber bei einer Aenderung der politischen oder wirtschaftlichen Verhältniffe in Rußland und den anderen Ländern des Ostens katastrophal werden. Mitteleuropa oder gar das angrenzende Deutschland könnten im Falle eines neuen Ansturms jüdischer Maffen keine Hilfe bringen. Er wies auf die Möglichkeit hi», die Lage der im Westen Rußlands noch vom Zarenreich her zusammengedrängten. verarmten jüdischen Bevölkerung. deren Zahl auf 2y2 bis 5 Millionen geschätzt wird, zu erleichtern. Palästina sei für die Ansiedlung wohl geeignet. jedoch gehe die Entwicklung für Maffensiedlung zu langsam vorwärts. Er bezeichnete als ein Mittel, das eine Lösung zur Folge haben würde, das folgende: Es sollte die jüdische Bevölkerung auf die wetten, ganz dünn bevölkerten Gebiete des europäischen und astatischen Rußlands durch Umsiedlung verteilt werden. vreSla«. Am 28. Mat hat die Hauptversammlung des Verbändevon Synagogen-Gemetnden der Regierungsbezirke Breslau und Liegnitz unter reger Beteiligung von Vertretern der angeschloffenen Gemeinden stattgefunden. Der Preußische Landesverband war durch Herrn Dr. Freund Ruth. Es kost der Abendwind liebend Das weite, wogende Feld. Da neigen dankend die Aehven Sich still dem Herrn der Welt. Nun ruht des Alltags Schassen, Und heimwärts lenket die Schar: Biel junge Schnitter und Mädchen Mit Blumenkränzen im Haar. Doch einsam wandert die Pfade Die Tochter MoabS dahin. Sie hebt die Blicke gen Himmel Und fleht mit gläubigem Sinn: «O, Heil'ger Israels, segne Auch meiner Heimat Gefild, Auf datz dem Schoß ihrer Erde Ein neues Leben entquillt. Mein Sehnen treibt mich zur Ferne. — Doch, folgend Deinem Gebot, Will hier in Liebe ich dienen, Getreu sein bis in den Tod!" ES sinket mählich die Sonne. — ehr sterbendes Dämmerlicht euchtend umS Haupt ihr, das edle, Strahlen von Golde flicht. Sophie Iacsbsohn. „Geftra-Zeit" ln der Synagoge. Von Oberkantor Gnttmann»Potsdam. Während aus Kollektivbezeichnnnaen wie „ftomin nau» «pim" (Hohe Festtage) „Jomim tamvtm" (Freudenfeste) «bgl. sich zugleich auf die charakteristischen Ausorucksformen dieser Zette«, auf ihre Bräuche, Gesänge usw. «Schlüffe ziehen laffen, läßt die Bezeichnung ,Sefira-Zeit". im Wesentlichen wenigstens, in dieser Richtung nicht nur ursächliche Zusammenhänge vermissen, sondern steht zu der Art. wie diese Wochen zwischen dem Peßach- und Schonmaus-Feste bei Sen Juden begangen wurden und zum Teil noch begangen werden. sogar in einem gewissen Gegensatz. Denn, -atz auch heute noch in unseren Synagogen, obgleich das „Omer" nicht mehr dargebracht wird, in Anknüpfung an Leo. 23. 16 und Deut. 16, 9 der fromme Brauch des „Omer-Zählens" (Seftra- Zählen) beibehalten ist. das bedeutet ja nicht das eigentliche Kennzeichen dieser Tage. In freudiger Erwartung des reichen Erntesegens zählte".einst der Jsraelite die Tage' bis zu dem Schonmaus-Feste, da er die Erstlinge des Bodenertrages an geweihterStätte öank-undfreuderfüllt darbrrngen durfte. Heute aber ist. ähnlich wie in den .L>rei Wochen" vor Ttscho beaw (9. Ab), ein K'zaS aweluS üblich, eine Anzahl von Trauerbräuchen, als wären wir um diese Zeit in gewissem Sinne .Leidtragenden" gleichgeachtet: Es finden keine Hochzeiten oder sonstige rauschende Festlichkeiten Mt. die einschlägigen Anordnungen untersagen (nach altlüdischem Trauerbrauche) sogar da- Haarschneiden. In manchen Gegenden, so am Rhein, wurde oder wird an den Sestra-Sabbaten das sonst zu gewissen Zeiten fortfallende alte Märtyrergebet „Aw horachamtm . wohl seiner paffenden ernsten Stimmuna wegen, durchweg rezitiert: alte poetische Einschaltungen in die Sabbatmorgen-Andacht nehmen, ähnlich wie einzelne Klagepoesten für Tischo b'aw (Kinans), auf die z. Zt. der Kreuzzüge gegen Juden verübten Greuel Bezug. In jüngerer Zeit bestimmt das Werk „Josef Omer" (FrankfurterRttus). daß man „S e m t r a n s" (Tischgesänge) an den Seftra-Sabdaten nicht in „fröhlicher Melodie" singe. Einen Grund für solch sicherlich allmählich erst herausgebildetes ernstes Gepräge suchend, wird einerseits an -te alte talmudilck» Tradition angeknüpft, nach welcher einst in de» Seftra-TÄyen Tausende von Gesetzesge!ehrten (Schülern R. Akiba'S) durch einen jähen Tod bahingerafft worden seien und die Welt dadurch verödet" ld. b. ohne Gelehrsamkeit) gewesen set. Andere vermute« (von mystische» Deutungen der Kabbalisten hier abgesehen) die Einwirkung wirklich historisch beglaubigter trauriger Ereignisse vorliegend, nämlich die 1096 (Beginn der Kreuzzüge) stattgehabten Judenmetzeleien: was freilich die Aufnahme erwähnter gottesdienstlicher Poesien (Schilderuna der Kreuzzugsgrenel) rechtfertigen würde. — Jedenfalls hat. wie schon angedeutet, all das mit „Sefira" an sich nichts zu tun und bedeutet ein nur zufälliges Zusammentreffen. Mit Erwähnung deS ,Hos. Omez" haben wir auch die «usikalische Seite gestreift. Diese entspricht nun freilich »eniger dem gekennzeichneten Bilde. Denn jene von Unlück und Märtyrium kündenden Worte der Dichter werden m allgemeinen in der auch sonst in betreffender legend für eingeschaltete Poesien üblichen Nezitationsart orgetragen. Und die allbekannte Melodie des Sefira-L'chodaudi am Sa b b a t ei n g ang? — rieht man von den harmonischen und sonstigen kompositorrhen Ausgestaltungen seitens der neuzeitlichen Synagogenrirsiker ab. so können wir auch sie, m. E. ihrer ganzen ,Nischen Struktur nach nicht, wie man's so nennen hört, ls elegisch" bezeichnen: wie es z. B. bei der für die Drei Wochen" zu L-öaudi üblichen Eli zijaun-Weise durchus der Fall ist. Freilich braucht zur Darstellung des „Elcischen" nicht unbedingt das Moll zu dienen: auch )nr-Weisen können die richtige Stimmung uns hier widerriegeln. Allein unser Seftra--L.-dauöi enthält, besonder» rn zweiten bewegteren Teil der Melodie — man ioute Was hier den Eindruck der Sefira-Stimmuna lvielktcht mehr suggestiv) hervorruft, das ist anscheinend bas ach vorangehendem lebhafteren Rezitieren der L W, c'rannano-Psalmen nunmehr plötzlich einsetzende langamere Tempo und der einfachere Rhythmus es L'daudi. Wie denn überhaupt geeignetes Tempo und instige Vortragsweise einer Piece erst zur rechten Wtruna verhelfen können. Man singe einmal unsere Sefira- VeÄe nur in änem schnelleren alS dem üblichen Tempo, md von „elegischen" «Sefira -Töne« wird wohl kaum etwas urückvleiben. Es ist gelegentlich schon öfter auf dre anfallende Aehnltchkeit dieser in Frage stehenden Melodie nnt Lavatina" in Mozarts Figaro („Will einst daS Gr allein in AUSSTELLUNG: UNTER DEN LINDEN 3 AUTOMO BIL-UND KAROSSERIEFABRIK WERK. R E I N I C K E N A. G. DORF