Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 4 (1924)
- Issue
- 16 (30.5.1924)
- Date
- 1924-05-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Ltfeeal ruft der Wandrer, Der iet’s und kein andrer! Meine« Vaters Sohn gehöre Diese Krone der Liköre! WIQO ' #jh<wa»«i4iianMy>«lsiibi > y 2>er jüdische Spredtsaal. Das Heer der Republik* „ CI Bremen, den 28. Mat 1924. An bte Redaktion der „Jüdisch-liberalen Zettang" Berlin W.g, Der Abgeordnete Dr. Schreiber-Halle hat vor einigen Tagen dem berliner Tageblatt" eine Berichtigung übersandt. wonach er im Reichstag nicht gesagt habe, baß bei der Moltke-Feier in Halle eine Reichswehrkapelle J&cil -tr tat Gtegerkranz" gespielt habe. Er habe vielmehr gesagt, daß eine Zivilkapelle, die eine der Reichswehr täuschend ähnliche Uniform getragen habe, dieses Lied ««gestimmt habe. Das tatsächlich bei sehr vielen nationalistische« Feier« Reichswehrkapellen, trotz -eS Verbots -es Reichswehr- Ministers teilnehmen, möge Ihnen folgendes Inserat deweise». daS ich dem ..Niedersachsen Herold", Kampfblatt der völkisch-sozialen Bewegung NteöersachsenS. Nr. 25 vom 17. Mgi entnommen habe: Nach Erklärung der Betroffenen find die Hauptschuldigen bei der Schutzpolizei, ein Major Strebe, ein Hauptmann Dubbe, ein Oberwachtmeister und fünf Polizisten der Alexanderkaserne in der Kaiser-Wilhelm-Strafie. Nach den Erklärungen von Mitgliedern deS Frontkämpferbundcs, die fich dort aufhielten, um Mißhandlungen zu verhindern, haben sich die Vorgänge im Scheunenviertel folgendernratzen abgespielt: Major Strebe fuhr mit einem Dienstauto am 5. November durch das Scheunenviertel. Als er von Frontkämpfern gebeten wurde, Schutz zu schicken, da man bedrängt und geschlagen würde, zuckte er die Achseln und meinte, das sei „ihm egaN und fuhr davon, ohne einzuschreiten. Etwa fünf Mitglieder des Frontkämpferbundes wurden später unter Führung eines Oberwachtmeisters festgenvmmen, geschlagen, mit Füßen getreten, auf ein Lastauto geschleppt und nach der Alexanderkaserne gefahren. Dort ließ man ste ans dem Hofe strammstehen, etwa zehn Minuten lang die Arme hochheben und von der gesamten Mannschaft in der wüstesten Weise beschimpfen. Die Mannschaften schlugen auch die Wehrlosen mit Gummiknüppeln oder versetzten ihnen Fußtritte, Hauptmann Dubbe befand fich auf dem Kasernenhofe. sah sich ruhig dieses Treiben mit an. ohne daß er Miene gemacht hätte, einzuschreiten. Während die Frontkämpfer mit erhobenen Händen auf dem Kasernenhof standen und beschimpft wurden, trat einer von den Mannschaften an einen der Frontkämpfer heran, stahl ihm die Uhr und Brieftasche und ging davon. Endlich nach einstündigem Aufenthalt in Her Kaserne, nachdem einige der Gefangenen durch die Mißhandlungen schon recht erheblich verletzt waren, — so war einem von ihnen, einem Arzt, durch einen Kolbenschlag die Hand gebrochen worden — wnrden ste entlassen. Der Kommandeur der Schutzpolizei, Oberst Kaupifch, . sagte eine strenge Untersuchung der Vorgänge zu. Ein Major J der Schutzpolizei wurde beauftragt, die Untersuchung zu leiten, die bereits am 6. November in der Alexanderkaserne begann. Bei den Konsrontiernngen leugneten fast alle belasteten Schupo-Offiziere nnö Mannschaften die ihnen zur Last gelegten Taten. Einige Tage später wurden dann die Mannschaften vernommen. Die Frontkämpfer erkannten fünf Mann wieder, die sie als Juden beschimpft und mit Gummiknüppeln und Gewehrkolben geschlagen haben. Keiner de» Mannschaften gestand, auch derjenige, der Uhr und Brieftasche gestohlen hatte, meldete fich nicht. Nur ein einziger Oberwachtmeister erklärte, er habe gesehen, wie einige seiner Kameraden geschlagen hätten und datz auch antisemitische Hetzreden in der Kaserne gehalten wurden. Wenige Tage nach den Vernehmungen trat ein Mittelsmann des Leiters der Alexanderkaserne, des Majors Rack, an den Leiter des FrontkämpferbundeS mit der Bitte heran, der Frontkämpferbund möge erklären, daß für ihn die Sache erledigt sei. Das lehnte der Leiter der Frontkämpfer rundweg ab und strengte den Prozeß gegen die beteiligten Schupo. Offiziere und Mannschaften, wogen Beleidigung, Berleumdung und tätlicher Mißhandlung an. Soweit die Mitteilungen des FrontkämpferbundeS. Wie nun die .Mossische Zeitung" erfährt, find in diesen Tagen vom Preußischen Ministerium des Innern das gesamte Material und alle Protokolle über die damaligen Bernehmungen angefordert worden. Nach Meinung der Zeitaugen scheint es aber, alS ob man erst den Prozeß des Frontkämpferbunöes gegen die Schupo abwarten will, ehe man von Regierungsseite einschreitet. Die Zeitung verlangt, datz die Regierung nunmehr mit aller Energie die Beschuldigung des Frontkämpferbund es prüft. Deutscher Tag tu Bteööotf kreis Zeven Sonntag, Den 18. Mai + Die Teilnehmer zu diesem großen vaterländischen Fest versammeln sich in Bremen um 8 Uhr 30 vormittags am Parkbahnhof. Der Zug fährt um 8 llhr 50 vormittags. In Tarmstedt werden die Teilnehmer, von mehreren Reitervereinen des Kreises Zeven abgeholt. Die Bremer Reichswehrkapelle wirkt mit. Die Reichswehrkapelle hat dann auch in der Tat au der Feier in Breddorf teilgenommen, die. wie alle diese Feiern, der Auspeitschung nationalistischer Leidenschaften diente. Dies zeigt deutlich der Bericht, den das genannte Blatt in Nr. 26 vom 21. Mai unter dem Titel „Der deutsche Tag in Breddorf veröffentlicht hat: „Zu einer erhebenden und eindrucksvollen Feier gestaltete sich der Deutsche Tag am Sonntag, den 18. Mai. in Breddorf. Von herrlichem Sonnenschein begleitet trafen die Teilnehmer aus Bremen, die Mitglieder des völkischsozialen Blocks, der Korps Ludenborff, des Reiterkorps Wrede und die völkische Kampfgewerkschaft in Tarmstedt ein. Zur Mitwirkung war die Bremer Reichswehrkapelle gewonnen worden. In Tarmstedt wurden die Bremer Gäste von dem völkischen Neiterkorps aus Breddorf, das vorzüglich beritten war, empfangen, unter Führung eines schon ^VjähiA«. aber noch jugendNch straffe» Veteranen. Der erste Teil des «eg« bis.Breddorf wurde geschloffen, da« ReiterkorpS an der Spitze, daran anschließend die Reichswehrkapelle, daS Korps Ludenborff und die übrigen zahlreiche» Teilnehmer. zurückgelegt. Etwa eine Stande vor Breddorf wurde« wir durch Herrn Rnpen. Etnberufer der Veranstaltung, bewillkommnet, der sich nicht hatte nehmen laffe«, unS an der Spitze des Brebdorfer Krieg er Vereins entgegen zu marschieren. Der Einzug erfolgte unter wehenden Fahnen und de« Klängen der unvergeßlichen alten preußffchen Mtlttärmärsche. ES hat tu jedem eine» unverwischbare» Eindruck htnterlaffe«, hier Seite au Sette die Flagge« der ruhmreiche« deutsche» Vergangenheit, wie sie von de» Kriegerveretaen durch alle schmachvollen Tage hindurch seit der Revolution in Ehre» gehalten worden find, neben denen des. kommenden völkischen Reich« wehe» zu sehe». Auf dem Hauptplatze d« Ort« hatte» die befreundeten Kriegervereine Anfstelkmg genommen. Es erfolgt« nunmehr eine feierliche Begrüßung durch Herrn Rnpen, der markige, zu Herzen gehende Worte fand. Herr Wetdenhöfer, der völkische Reichstagsabgeordnete von Süd-Hannover, wußte durch eine zündende Rede feine Hörer mitzuretßeu. Seine Ausführungen wurden ergänzt durch den Führer d« KorpS Lubendorff, Hermau« Bredow, und den Vorsitzenden der völkischen Kampfgewerkschaft. Herr» Schlosser AhrenS, die einmütigen Beifall fanden. Unter wetteren ausgezeichnete« umsikalifche» Darbietungen der Reichswehrkapelle, vaterländischen Liedern, die von der Festgemeinde begeistert angesttmmt wurde», nahm die Feier einen würdigen Verlauf. Auf einem Schteßstand der Kriegervereiue war jedem Gelegenheit geboten. zu zeige«, baß -er pazifistifch-demokratische Frieden», rummel der letzten Jahre ihn für den Umgang mit Waffen noch nicht gänzlich untauglich gemacht hatte. Da ist unS wieder einmal zum Bewußtsein gekommen, die Quelle unserer nationalen Straft vmb die Wiege unserer künftigen Freiheit ist auf dem Lande, da. wo noch unverdorbenes, durch keine sogenannte städtische „Kultur* entnervtes Bauerntum lebt, dem da- Gefühl für die Heimat und Vaterland, für Mannhaftigkeit und völkische Ehre angeboren ist. . Allen Mitwtrkenben, besonders dem so tatkräftigen Herrn Rupen, der Reichswehrkapelle. den Retter- und Kriegervereinen, sprechen wir unseren herzlichen Dank aus. Heil!" Kleine Anfrage: WaS gedenkt der Herr Reichswehrminister gegen die Mißachtung seiner Befehle zu unternehmen? Mit dem Ausdruck meiner vorzüglichste» Hochachtung Max Wiener. Berichtigung. BreSlau, 19 5. 24. Jüdisch-liberale Zeitung, Berlin. In Ihrer letzten Nummer findet sich eine Sprechsaalnotiz („Zum Ideenaustausch liberaler tRaWrttter"), in der mir Aeußerungen zugeschrieben werden, die, wie ich höre, mein Kollege. Herr Dr. Lewkowitz, getan hat: ich war bei -er betr. Versammlung nicht anwesend. Ich bitte um eine berichtigende Bemerkung. Hochachtend und ergebenst Dozent Dr. Hetnemaun. von den Judenfressern. Die 32 Mann starke Reichstagsfraktion der nationalsozialistischen Freiheitsparteie« (dies der Parteiname der zusammengeschlossenen Völkischen und Nationalsozialisten), deren Vorsitzender v. Graefe ist und in deren Bolffband Graf Reventlow. General Ludenborff, Wulle, Henning usw. sitze», hat am 26. Mai, am Vorabend der Eröffnung des Reichstages. ihre erste Fraktionssitzung abgehalten und eine Reihe Beschlüsse gefaßt, aus welchen hervorgeht, daß die Fraktion das Versprechen an die Wähler, im Reichstag für eine besondere Jüdengosetzgebung zu wirken. Halten will. Die Fraktion beschloß u. a.. tat Reichstag folgende Anträge einzubringen: AnSweisuna sämtlicher seit August 1914 zugewanderten Angehörigen der jüdische» Raffe aus Deutschland unter teilweiser Vermögenskonfiskation und Rückgängigmachung sämtlicher Aenderungen von jüdischen Namen, Unterstellung aller Angehörigen der jüdischen Rasse unter ei« Sonderrecht. A Sersammlungskalender. m Berlin. Montag, den 2. Juni 1924, abends 8 Uhr pünktlich im Caf« Gärtner, NW., Holsteiner Ufer 28 (am Bahnhof Bellevue): Protestversammlung gegen die Entfernung der Orgel aus der Synagoge Levetzowstratze. Vergleiche Inserat. Berlin. (Liberaler Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde E. B., Bezirksgruppe Norden). Der Gottesdienst mit Orgel, Chor und Predigt findet an den Schowuaus-Dagen jeden Abend um 6V2 Uhr im Tempel des Waisenhauses, Schönhauser Allee 162, statt. Zu der gleiche« Zeit wird auch immer der Freitagabendgottesdienst abgehalten. Berlin. (Jüdisch-liberaler Jugendverein e. B.) Donnerstag. den 6. Juni: Geselliges Beisammensein im Restaurant Beelitzhof (Wannsee) 8^/2 Uhr. Breslau. (Jüdisch-liberaler Jugendverein „Abraham Geiger") Sonntag, den 16. Juni: GanztagS-AuSflug nach dem Fürstensteiner Grund. Treffpunkt 4 Uhr 30 Minuten vormittags, am Freiburger Bahnhof. Abfahrt 4 Uhr 43 Min. Fahrkarte bis Freiburg vierter Klaffe selbst lösen. Näheres durch Herrn Hans Hamburger. Steinstratze 11, Ohle 2850. Nur von 3 bis 6 Uhr nachmittags. Der Ausflug findet bei jeder Witteruug statt. MusikiMtrmnente mitbringen. An jedem Montag bi8 Ende September gemütliches Beisammensein mit Konzert von 8 Uhr abends ab im Roland, Kaiser-Wilhelm-Stratze. bei jeder Witterung. Straßenbahnen: Linie 2 und 23. Kalendarium für die Zeit vom 30. Mai bis?. 3uni. Mai 1924 2jar 5684 Freitag 30. 26. Sonnabend 31. 27. Wochen-Mschnitt B'chukaussat Juni 1924: (3. B. M. Kap. 26.3-27) Neumondweihe. Haftarah: Jeremias Kap. 1« Sonntag 1. 28. Montag 2. 29. Siwan 5684. Dienstag 8. 1. Rösch chodesch Mitwoch 4. 2. Donnerstag 5, 3. Freitag 6. 4. Sonnabend 7. 5. Wochen-Mschnitt Bamidbor (4. B. M. Kap. 1-4,20) Haftarah: Hosea Kap. 2 KARL A. KLEIN automobile a.-g. Kicwiach«r Str. 111-11» Telephon: Nolienöort 66eo-e61 Q PERSONENWAGEN; e/so ps AfßB 9/30 ps Presto 12/40 ps Steyr ec*. vwt* Dux Hauptstr. 81-82 Unter den Linden 42 Tetophon».m<* eneral - Vertretung Kurrarstendamm 1 Telephon: LQtsow 1683 LASTWAGEN; Maglrus i-«*.«» Vomag ♦,»«° L.W.D. <<• l