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Jüdisch-liberale Zeitung · 1924-05-30 · 16 (30.5.1924) · page 7

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
4 (1924)
Issue
16 (30.5.1924)
Date
1924-05-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
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WWWW WW '<f'-y'v'"rr’ yjr..yir'*'vm- «/; 7 -» DER JÜNGLING Eine Geschichte aus der ägyptischen Knechtschaft Von Maria Ren6e Daumas 6. Fortsetzung. (Nachdruck varbotaa.) Und der Fremde sagte sehr sanft: „Der Gott deiner Väter sei mit dir, Moses, — ich komme zu dir, weil dein Volk mich dauert,-dein geknechtetes Volk, das auf dich hofft und das du vergessen hast." — _ Der Jüngling seufzte tief und schmerzlich auf; die Worte des Fremden hatten eine wunde Stelle in seinem Herzen getroffen, doch sagte er: „Ich habe mein Volk nicht vergessen, doch kann ich für die Armen nichts tun." „Hast du es je versucht?" fragte der Gast mit sanftem Vorwurf. Moses machte eine abwehrende Gebärde mit der Hand und barg dann den Kopf wie beschämt tiefer in den Polstern. Der fremde Mann aber trat näher an ihn heran, so daß Moses seine Nähe körperlich fühlte, — obgleich er ihn nicht sah, da er die Augen verborgen hatte, und fuhr fort: „Wenn du in den Armen der Königstochter lagst, hast du an das Todesröcheln der vielen deines Volkes gedacht, die um geringer Fehle willen unter der Geißel des Fron* vogts oder den Händen des Henkers ihr Leben aus* hauchten?" Da fuhr der Liegende erschrocken empor. „Schweig', Fremder," stöhnte er, „was weißt du von der Königstochter und mir? Wenn irgend ein Mensch, ein Späher Pharao s dich gehört hätte, so wären du und sie und ich, wir alle des Todes." Aber sein Gast beruhigte ihn: „Lass' deine Sorge schweigen, Moses, nicht von Verrat droht dir Gefahr, — — die Gefahr schlummert in dir selbst, in deinem eigenen, lauen Herzen, das in der üppigen Freude der Wollust versunken ist-und doch einst rein und hoch schlug, als du von deinem Volke fortzogst und den Trauernden versprachst, ihnen ein Tröster und Retter zu werden." Die Worte des Fremden, obgleich sie ruhig und mit unendlich milder Stimme gesprochen waren, fielen wie Keulenschläge auf das Haupt des Jünglings,-scheu hob er den Blick und versuchte sich mit Trotz zu wappnen, achselzuckend sagte er: „Ich kann ihnen nicht helfen,- nie wird der Aegypter dem Ebräer verzeihen, daß er Ebräer ist, zu groß ist der Haß zwischen beiden Völkern, zu groß der Unterschied der Art.-Ich selbst bin in diesem Palaste nur geduldet um einer Laune der Königstochter, gehaßt, beargwöhnt von Pharao und seinen Spähern, was könnt' ich so für mein Volk tun? Sogar die Königstochter mag nichts von ihm wissen, obgleich sie mich liebt."- Mit mildem Lächeln schüttelte der Fremde das Haupt, „nicht von der Tochter Pharao's, der Aegypterin, soll deinem Volk die Rettung kommen,-du, Moses, bist berufen vom Herrn, dem Gott deiner Väter, es zu retten aus der Schmach der Knechtschaft und es hinwegzuführen von diesem Ort des Grauens und der Pein, auf daß es nicht untergehe, denn dein Volk ist das auserlesene von. Gott, er wird es nicht verderben lassen." .. Moses blickte jetzt zum erstenmal s^.n-ra Gaste voll ins Gesicht, da war es ihm, als höbe seine Brust sich freier, als verwehe alle Schwüle, die ihn umgab. „Wer sagt dir, Fremder, daß gerade ich es bin, dem der Herr dies schwere Joch auf die Schultern legen will?" fragte er fast kindlich neugierig,-und der Fremde erwiderte in festem Toner „Du allein wurdest gerettet vor hundert andern Knaben deines Alters, das möge dir ein Zeichen sein, daß du zu besonderem berufen warst." —- — Moses fragte erstaunt und scheu: „Wer bist du? Ein Prophet?" „Ich bin gesandt vom Herrn, dem Gott deiner Väter, dich zu mahnen an deine Pflicht." — — „Ich will sie tun, diese Pflicht," sagte der Jüngling hilflos, „doch wie soll ich es anfangen, du Gottgesandter? ' Mild erwiderte der andere: „Durch Liebe!“ —- Stille trat ein.-Das Wort, das der Fremde gesprochen, klang wie eine Glocke durch den Raum, —* — auf die gequälte Seele des Jünglings wirkte es seltsam und geheimnisvoll.- „Was meinst du damit?" fragte er endlich fast tonlos, — „ was nennst du Liebe? Lieben wir nicht alle, wenn wir jung sind?" Ernst und stark erwiderte der Fremde: „Nicht jene Liebe, die du kennst, Moses, — nicht das Gefühl, das du Salamba gibst, nein, die allverstehende Liebe ist es, von der ich spreche."- Der Jüngling versank in Sinnen.-„Liebe," sagte er endlich wieder leise, „ich verstehe dich nicht ganz." — Und der Gottesbote belehrte ihn: „Mitfühlen mit dem Leiden und dem Weh seiner Mitmenschen, die eigene Begierde, den eigenen Zorn und den eigenen Genuß zurücksetzen um seiner Erdengenossen willen — — das ist Liebe." „Das dünkt mir schön, doch schwer auszuführen," —- sagte der Jüngling, noch immer in Gedanken verloren, „wird ein Mensch das überhaupt zu tun fähig sein?" Ueber das schöne, milde Antlitz des Fremden ging es wie ein Schmerz: „Nie wird soviel gesündigt, gehaßt und verfolgt werden, wie im Namen der Liebe,—ganze Völker, ganze Religionen werden sich nach ihr nennen im Laufe der Zeiten, werden in ihrem Namen leben und kämpfen und werden sie doch hundertmal verraten — — nur wenigen wird es beschieden sein, wahrhaft zu lieben." „Du ängstigst mich, du Gottgesandter," sagte der Jüngling zaghaft,-„wenn soviel Feindliches in der Welt ist, was kann ich tun, jung und unerfahren, wie ich bin." Da sagte der Fremde ermunternd: „Vor allem raff' dich auf, wirf die Fesseln ab, die dich hier halten, — — sie drücken längst dich schon wie Eisenketten, und folge dem Befehle deines Gottes,-er ist über dir — und wird dich schirmen mit starker Hand. — Flieh’ diesen Ort des Schreckens und der Sünde und gehe in ein anderes Land, — dort wird der Herr dir erscheinen und dir sagen, was du tun mußt, dein Volk zu erlösen aus der Knechtschaft der Aegypter, denn es ist berufen, zu leben durch Jahrtausende im Glauben seiner Väter!"- Der Jüngling hatte ihm immer begieriger zugehört, das Herz schwoll ihm hoch bei den Worten seines Gastes, „wenn ich n.« Vom aut diesem Lande führe, wird es dann frei und friedlich leben können?" fragte er dann fast atemlos. Ruhig erwidert der anderer „So ist der Wille seines Gottes: Der Aegypter bleibt es hinfort ledig, -- doch immer wird es kämpfen müssen, —* immer wird Unterdrückung Los sein, — denn durch Jahrtausende werden Haß und Feindschaft der andern Völker es zu verderben suchen.** Der Jüngling wurde wieder nachdenklich, — — die letzten Worte des Fremden hatten sich wie ein Schleier auf die freudige Erregung seines Herzens gelegt, so fragte er: „Warum wird man die Ebräer hassen und zu verderben suchen?-Da sprachst von verstehender Liebe — soll mein Volk davon ausgeschlossen sein? Und werden auch diejenigen Völker und Religionen, die nach dieser Liebe sich nennen, mein Volk unterdrücken und verfolgen? Wie kann ich das verstehen? Beruhigend sagte der Fremde: „Wer in Wahrheit der Lehre der erhabensten Liebe anhängen wird, der soll nicht hassen und verfolgen -- —- sonst ist er ihrer nicht wert — — doch muß dein Volk sein Los ertragen, das ihm vom Herrn bestimmt ist." Moses lehnte sich weiter vor, eine plötzliche starke Angst um sein Volk befiel ihn. „Wie wird es seiner Feinde sich erwehren können, wer wird es lenken, leiten und beschirmen? Ach, wir sind Knechte geworden. in der langen Knechtschaft und haben keine eigenen Könige und Herren mehr in unserem Volk," klagte er. Wie segnend streckte der Fremde die Hände aus, „der Herr wird seine Hand halten über dein Volk und es beschirmen, —* — du aber, Moses, bist zu seinem Führer ausersehen, des Name und Gesetze bei deinem Volk erhalten bleiben werden durch Jahrtausende",-sagte er — — dann wandte er sich, um zu gehen. Der Jüngling machte eine flehende Gebärde, ihn zurückzuhalten, „bleib' Fremder", bat er, „welch erhabene Worte sprachst du soeben, — weiche Verheißung gibst du mir, -oh, könnte ich dich ganz verstehen, ganz begreifen, — _ mir ist, als spräche der Herr, der Gott meiner Väter, selber zu mir.-Nein, gehe nicht fort, — bleibe bei mir und rette mich vor Pharao und-ihr,-so will ich deinen Worten blindlings folgen.“ Ruhig mit unendlicher Milde neigte sich der Fremde zu ihm und sagte: „Ich kann nicht bei dir bleiben, ich durfte dir nur den Weg weisen, auf dem du gehen sollst,- wirf alle Furcht von dir, — du bist jung und stark, — rette dich und dein Volk,-der Herr sei mit dir",- segnend hob er die schmalen Hände,-dann ging er mit langsamem Schritt, unhörbar, fast schwebend, von ihn fort und verschwand durch den Vorhang.- Moses wollte ihn zurückhalten, sein Kleid fassen, nach ihm rufen,-aber er konnte sich nicht aufrichten, seine Glieder waren schwer, — die Stimme versagte, — stöhnend sank er auf dem Polster zurück und schloß die Augen wie in seliger Müdigkeit-da hörte er plötzlich ein Geräusch wie von Schritten, — — er dachte, der Fremde käme zurück, und sogleich kehrte ihm die alte Kraft wieder,-er sprang auf und rieb sich die Augen — — Assar stand vor ihm. (Schluß folgt.} ^aaaaaaaaaaaaaäaaaaaaaaaaääAAAAAAAAäaaaaaäAäAAAAAAAAAA AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAäAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAkkAAAAAAAAAAAAAtUik ... ._UL—'■ ", ■■■ ■■ .- ' -.— - ...— .. If!!■> ' 1 uajfc MODERNE TÄNZE GESPIELT VON DER KAPELLE BLRNARD ETlf UND ANDERES ERSTKLASSIGEN KÜNSTLERN NUR AUF VOX-MUSIKPLÄTTEN * VOX-HAUS AM POTSDAMER PLATZ - BERLIN W 9 POTSDAMER STR- TTTTTTTTTTTTTTTTTTfTTTTTTTTTTTTTfTfTfTfTTVTTTfTTTTfTTTTTTrTTyTTTTfTTTTTTTTfTTTfTTTTTfTTTTTTTTTTTTTTTTfTFTTTTnTrTYTVyTTT r CHARLOTTEN BO. 7äUEN1ZIEN»M6 i WILMERSDORF 1 BERLINERST* 1 NAME BAYRISCHER. PLATZ BefeUN N BRUNNENSm 179 G ■ i.■imw.v..7,.ft........ii.ii.in»- . 3T: V ,, ■!*

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